Persona: Shadow of Mirror

von ShioAtemu
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
02.05.2015
12.06.2019
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Kapitel LX – Verbindungsglied

Mittwoch, 19.August 2015 - Abends

Mit einem dumpfen Geräusch landete die Reisetasche auf dem Fußboden, als Mirâ ihr Zimmer betrat. Die langsam untergehende Sonne, welche durch das Fenster schien, tauchte ihre Zimmereinrichtung in ein zartes Orange. Still sah Mirâ sich um und trat dann einen Schritt auf ihren Spiegel zu.
"Mika?", fragte sie vorsichtig und wartete.
Der Spiegel jedoch schwieg und zeigte ihr nur ihr eigenes Spiegelbild. Seufzend drehte sich die junge Frau somit weg und begann damit ihre Tasche auszuräumen. Sie und ihre Schwester waren gerade von ihrem Ausflug zu ihrem Vater zurückgekommen und gerne hätte Mirâ ihrer kleinen Freundin davon erzählt. Doch diese schien sich wieder irgendwo in der Spiegelwelt herumzutreiben, wie so oft in letzter Zeit. Mirâ machte das Sorgen, jedoch konnte sie Mika nicht festketten und sie auch nicht dazu zwingen, über das zu reden, was ihr durch den Kopf ging. Das blauhaarige Mädchen würde schon wieder auftauchen, spätestens wenn sie deren Hilfe benötigte.
Fein säuberlich sortierte Mirâ ihre Wäsche auf mehrere Haufen, bevor sie diese nacheinander hinunter ins Bad trug und dort in die Wäschetonne schmiss. Lächelnd musste sie feststellen, dass Junko bereits die Badewanne in Beschlag genommen hatte, als sie diese durch die geschlossene Tür, welche in den Dusch- und Badebereich führte, vor sich hin summen und plantschen hörte. Gerade als die Violetthaarige das Bad wieder verlassen wollte, wurde ihr die Tür regelrecht aus der Hand gezogen und ihre Mutter stand vor ihr. Der anfangs noch erstaunte Gesichtsausdruck der älteren Frau wich schnell einem sanften Lächeln.
"Du kannst dann gleich als nächstes baden gehen, wenn du möchtest.", sagte die Blauhaarige freundlich und wandte sich dann an die geschlossene Tür, die in den hinteren Bereich führte, "Junko mach nicht mehr so lange, sonst wirst du noch krank."
"Ja, Mama.", erklang es kurz darauf gedämpft aus dem Raum.
Zufrieden mit sich nickte Haruka kurz und wandte sich dann an ihre ältere Tochter: "Schon fertig mit auspacken?"
"Noch nicht ganz, aber fast.", antwortete diese nur und verließ dabei das Bad, "Ich mach das noch schnell fertig, dann geh ich auch baden."
Damit war die junge Frau bereits in den Flur getreten und in Richtung der Treppe verschwunden.

Eine viertel Stunde später saß Mirâ in der heißen Wanne und starrte an die Decke, während sie die Dampfschwaden beobachtete, welche sich in der Luft gebildet hatten. Dass Mika schon wieder verschwunden war machte ihr doch mehr Sorgen, als gedacht. Sie hoffte jedes Mal, dass es der Kleinen gut ging und ihr nichts passierte. Am liebsten wäre sie sofort in die Spiegelwelt gestürmt, um sie zu suchen, doch die Gefahr alleine dort hineinzugehen, war viel zu groß. Mirâ seufzte und rutschte noch etwas weiter ins warme Wasser, sodass noch gerade so ihre Nase herausschaute und sie Luft holen konnte. Ein Vibrieren ließ sie jedoch aufschauen und auf ihr Handy blicken, welches auf dem Beckenrand lag. Langsam rutschte Sie wieder nach oben und griff nach dem roten Telefon, sodass sie die eingegangene Nachricht lesen konnte. Es handelte sich dabei um einen Link, welchen Hiroshi in den Gruppenchat gestellt und dazu kommentiert hatte, dass sie wohl wirklich ein Problem hätten. Irritiert las Mirâ die Nachricht noch einmal, bevor sie den Link öffnete, welcher sie zu einem Livestream führte, der zum hiesigen Nachrichtensender gehörte. Mit großen Augen beobachtete die junge Frau, was sich auf dem kleinen Bildschirm vor ihren Augen tat. Zu sehen war eine Meute von Menschen, welche, bewaffnet mit Kameras, Mikrofonen und Smartphones, vor dem Zentralkrankenhaus von Kagaminomachi standen und auf etwas zu warten schienen. Vor dem Haupteingang des Krankenhauses stand mit Blaulicht ein Krankenwagen und schien ebenfalls auf etwas zu warten.
"Für alle Zuschauer, die gerade erst zugeschaltet haben: Wir senden Live vom Kagaminomachi Zentralkrankenhaus, in welchem das berühmte Idol Akisu bis zu diesem Zeitpunkt untergebracht war. Laut offiziellen Quellen soll sie heute in das private Elitekrankenhaus im Stadtviertel Kyôzô-kû verlegt werden, nachdem gestern bekannt wurde, dass sie bisweilen hier untergebracht war. Die Künstlerin galt die letzten Wochen als vermisst und man ging am Anfang von einer Entführung aus, jedoch kam es nie zu einer Geldforderung. Vor wenigen Tagen dann tauchte Akisu auf wundersame Weise wieder auf, als sie bewusstlos vor dem Einkaufszentrum der Stadt gefunden wurde. Bislang ist immer noch unklar, wieso und wohin die junge Frau verschwunden war.", erklärte eine braunhaarige Reporterin, während sie immer wieder ihren Blick Richtung Haupteingang des Zentralkrankenhauses richtete, um damit sicher zu gehen, auch nichts zu verpassen.
Plötzlich wurde es unruhig unter den Reportern, welche nun näher an den Haupteingang heranrückten. Auch die junge Reporterin und ihr Kameramann gehörten dazu: "Wie es scheint wird Akisu nun verlegt."
Eilig versuchte die Reporterin sich mit ihrem Kameramann durch die Massen der anderen Paparazzi zu drängen, wodurch man, wenn auch verschwommen, das Idol erkennen konnte, welches auf einer Trage lag, die nun vorsichtig in den Krankenwagen geschoben wurde. Security Leute versuchten derweil krampfhaft die Reporter davon abzuhalten noch näher an das Geschehen heranzukommen. Diese jedoch ließen sich nicht beirren und streckten die Arme mit ihren Mikrofonen und Diktiergeräten an ihnen vorbei, als auch eine ältere Frau mit blonden Haaren aus dem Gebäude trat.
"Yashiru-San, wir bitten um ein kurzes Statement. Wie geht es Akisu? Gibt es schon neue Erkenntnisse zu ihrem Verschwinden und plötzlichen wieder Auftauchens?", hörte man die Stimme der Reporterin rufen.
Ein wütender Blick traf die Meute und Mirâ konnte durch den Bildschirm ihres Handys hindurch die Kälte spüren, welche in den goldgelben Augen der Frau lag.
Trotz des wütenden Blickes blieb die blonde Frau jedoch erstaunlich ruhig: "Es gibt nichts weiter zu sagen. Die Ermittlungen laufen noch. Und nun bitte ich Sie uns in Ruhe zu lassen."
Damit war für sie anscheinend das Thema erledigt, weshalb sie in ihre schwarze Limousine stieg, welche hinter dem Krankenwagen stand. Kurz darauf setzten sich beide Fahrzeuge in Bewegung und verschwanden aus dem Blickfeld der Reporter.

Mirâ beendete den Stream und seufzte. Es war also so gekommen, wie sie es sich gedacht hatte. Damit war auch ihre Hoffnung gestorben, irgendwie an das Idol heranzukommen. Das erneute kurze Vibrieren ihres Smartphones ließ sie aufschrecken und dabei fast das rote Telefon ins Wasser fallen. Gerade noch so konnte die junge Frau eben dies verhindern und atmete erleichtert auf. Zwar sollte ihr Telefon wasserdicht sein, wenn man dem Hersteller glauben konnte, doch sie traute dem Frieden nicht so ganz. Sich noch einmal ins Gedächtnis rufend ihr Smartphone das nächste Mal einfach im Zimmer zu lassen, öffnete sie nun wieder den Gruppenchat ihres Teams, in welchem mittlerweile mehrere Nachrichten eingetroffen waren.
"So was hab ich geahnt, als ich gestern die ganzen Reporter vor dem Krankenhaus gesehen habe...", schrieb Akane mit einem wütenden Emoji am Ende.
"Du hast die Reporter gestern schon gesehen und nichts gesagt?",  kam es kurz darauf von Kuraiko.
"Wir wollten das morgen alles in Ruhe mit euch besprechen. Woher hätten wir ahnen sollen, dass das so schnell geht?", hatte Hiroshi darauf geschrieben, woraufhin von der Schwarzhaarigen jedoch nur ein genervtes Emoji zurückkam.
"Wir sollten versuchen ruhig zu bleiben und einen Weg zu finden trotzdem mit ihr in Kontakt zu treten. Auch wenn es gerade ziemlich verzwickt ist.", versuchte Masaru die Situation etwas zu beruhigen.
"*sfz* Irgendwelche Ideen?", kam es anschließend von Kuraiko zurück, welche sich anscheinend wieder beruhigt hatte.
"Vielleicht kann uns ja Nagase helfen. Wenn er sich schon so angeboten hat...", folgte anschließend eine Nachricht von Yasuo.
Mit unzähligen schnaufenden Emojis bestückt ließ eine Antwort von Kuraiko nicht lange auf sich warten: "Wie sollte uns dieser Idiot helfen können? Dieses Elitekrankenhaus ist besser geschützt als Fort Knox. Shuya mag durch seine Verwandten Geld haben, aber selbst er kommt da nicht einfach so rein."
Da hatte die junge Frau nicht ganz Unrecht. Mirâ kannte dieses Elitekrankenhaus nicht, aber es musste einen Grund haben, wieso Akisu gerade dahin verlegt wurde. Als sogar Hiroshi Kuraiko zustimmte, war sich Mirâ erst Recht sicher, dass diese Bedenken berechtigt seien. Sie mussten sich also etwas einfallen lassen. Die junge Frau überlegte kurz, bevor ihr nur eine einzige Möglichkeit einfiel. Sie musste mit Kyo sprechen. Er konnte ihnen mit Sicherheit einen Weg zu Akisu eröffnen, auch wenn ihm das womöglich überhaupt nicht gefallen würde. Allerdings blieb ihnen wohl keine andere Wahl, als den Studenten um diesen Gefallen zu bitten. Mit dem Gedanken den jungen Mann zu kontaktieren, sobald sie aus der Wanne gestiegen und umgezogen war, schrieb sie ihren Freunden, dass sie eine Idee habe und sich später noch einmal dazu melden würde. Kaum hatte die Violetthaarige ihr Smartphone wieder ausgeschaltet und weggelegt, erhob sie sich seufzend aus dem warmen Wasser und griff nach ihrem Handtuch, in das sie sich einwickelte.

Donnerstag, 20.August 2015

Mit mürrischem Blick starrte Kyo auf die sechs Oberschüler, welche es sich an einem großen runden Tisch auf dem Foodcourt von Junes bequem gemacht hatten.
"Was geht hier vor sich?", fragte Kyo genervt und richtete seinen Blick auf Mirâ, "Sagtest du nicht du wolltest mit mir reden? Wieso ist dieser Kindergarten auch hier?"
"Ich frage mich, wer hier das Kindergartenkind ist...", murrte Kuraiko ebenso genervt und bedachte den Studenten mit einem strengen Blick.
Dieser stockte kurz und räusperte sich dann: "Was soll das hier?"
"Entschuldige Kyo. Wenn ich gesagt hätte, dass wir alle mit dir reden wollen, wärst du sicher nicht gekommen. Jedenfalls habe ich das gedacht.", entschuldigte sich Mirâ mit einem schuldbewussten Blick, woraufhin der Blauhaarige nur schnaufte.
"Na dann rückt mal raus mit der Sprache. Worum geht's?", fragte er anschließend.
"Es geht um einen Gefallen. Du hast ja sicher gestern mitbekommen, dass deine Schwester in ein anderes Krankenhaus verlegt wurde.", erklärte die Oberschülerin ruhig, woraufhin der Student jedoch nur mit den Schultern zuckte, "Es ist so. Wir müssen unbedingt mit ihr reden, aber wir bezweifeln, dass wir einfach so an sie heran kommen. Deshalb..."
"Vergesst es!", unterbrach Kyo sie harsch und ließ die Violetthaarige damit stocken, "Ich kann euch dort nicht reinbringen."
„W-Warum?“, fragte Mirâ verunsichert, obwohl ihr klar war, dass es mit Sicherheit darum ging, dass Kyo Akisu und vor allem seine Mutter nicht sehen wollte.
Der Blauhaarige schnaufte jedoch nur und zuckte mit einem „darum“ mit den Schultern.
"Sag mal, was ist dein Problem?", Kuraiko war aufgesprungen und hatte ihre Hand mit ganzer Wucht auf den Tisch geknallt, sodass sich sogar Fremde nach ihnen umdrehten, "Es geht um deine Schwester! Und sie ist aktuell der einzige Anhaltspunkt, den wir haben, um diesen ganzen Irrsinn zu stoppen."
Kyo sah sie mit großen Augen an, während sich Hiroshi neben ihm in seinem Stuhl zurücklehnte, ehe er dem Studenten in die gelben Augen sah: "Kuraiko hat recht. Wenn wir keine Anhaltspunkte finden, dann wird wahrscheinlich noch jemand in diese Welt verschleppt. Und wer weiß, wie lange es noch mit unseren Aktionen gut geht und wir die Leute retten können."
Der Blauhaarige schwieg kurz und schien zu überlegen, bevor er die Arme vor der Brust verschränkte und fragte, was ihn das eigentlich anginge. Die dunkelbraunen Augen von Masaru trafen ihn, welcher ihm ernst erklärte, dass sie nicht wüssten, wer der Nächste wäre und niemand vor diesem Schicksal befreit wäre, weshalb auch er der Nächste sein könnte. Abschließend erklärte er, dass Akisu ihnen vielleicht etwas zu ihrem Verschwinden erzählen könnte und sie damit der Wahrheit etwas näher bringen würde. Sie war in diesem Moment eben die einzige Person, die sie dazu befragen konnten.
Erneut schnaufte Kyo: "Damit ihr sie am Ende noch weiter mit in diese Sache ziehen könnt?"
Erstaunte Blicke trafen den Studenten, weshalb dieser erklärte, dass er bereits durchschaut hatte, dass sie alle anscheinend schon in der gleichen Situation gewesen waren, wie seine kleine Schwester. Aus diesem Grund würde er nicht zulassen, dass sich Akisu noch weiter in eine solche Gefahr begab, immerhin hatte er gesehen, wie gefährlich diese Welt war. Mirâ verstand Kyos Sorgen nur zu gut, immerhin würde sie auch nicht wollen, dass Junko in diese Sache mit hineingezogen wurde. Doch leider ließ sich nicht bestreiten, dass das junge Idol aktuell der einzige Anhaltspunkt war, den sie hatten, auch wenn bei ihr keine Persona erschienen war. Noch während Mirâ darüber nachdachte, kam ihr eine Idee, wie sie Kyo vielleicht doch noch überreden konnte. So erzählte sie ihm, dass er sich vorerst keine Gedanken darüber machen sollte, dass Akisu in weitere Gefahr gebracht werden würde. Sie erklärte ihm, dass bei ihrer Rettung keine Persona erschienen war, weshalb noch gar nicht klar war, ob die Blonde sie überhaupt begleiten konnte.
„Aber um das genauer festzustellen müssen wir mit ihr sprechen.“, schloss Mirâ ab und schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen, „Ich bitte dich, Kyo.“
Erneut sah der Ältere die Gruppe erstaunt an und seufzte dann ergeben, als ihm keine weiteren Argumente einfielen. Er kratzte sich im Nacken und richtete seinen Blick auf die Stadt, welche sich um das Junes herum abzeichnete, bevor er erklärte, dass er sehen würde, was sich machen ließe. Jedoch wolle er für nichts versprechen, aber alles tun was in seiner Macht stand. Allerdings betonte er, dass es zu auffällig wäre, wenn die ganze Meute dort auftauchen würde und sie sich deshalb überlegen sollten, wer mit Akisu sprach. Mirâ nickte und erklärte, dass sie ihn dann begleiten würde, immerhin habe sie noch etwas, was sie Akisu zurückgeben müsse. Der Student sah die Violetthaarige auf diese Aussage hin fragend an, doch seufzte dann mit einem Schulterzucken.
„Ich melde mich bei dir, halt also dein Handy in Bereitschaft.“, sagte er abschließend und wandte sich von der Gruppe ab.
„Vielen Dank, Kyo. Du bist uns eine große Hilfe.“, bedankte sich Mirâ mit einem freundlichen Lächeln bei dem Studenten.
Dieser schnaufte nur erneut: „Abwarten.“
Damit hatte er die Gruppe verlassen, welche ihm noch nachsah, bis er im Junes verschwunden war. Mirâs Gesicht umspielte ein zufriedenes Lächeln. Sie war froh, dass Kyo ihnen half, auch wenn er wieder einmal so tat als würde ihn das Ganze nichts angehen, jedoch wusste sie auch genau, wie sich der Student fühlen musste. Mit Sicherheit wollte auch er, dass die Sache aufgeklärt wurde, immerhin war seine geliebte kleine Schwester in Gefahr geraten. Auch sie selbst hätte so reagiert, da war sich Mirâ sicher.

Am Abend

Es dämmerte bereits, als sich die Gruppe voneinander getrennt hatte und Mirâ so nun auf dem Weg nach Hause war. In ihrer linken Hand hielt sie eine Tüte mit Einkäufen, welche sie unterwegs noch auf Wunsch ihrer Mutter getätigt hatte, während sie in ihrer rechten Hand ihr Smartphone hielt und die Nachrichten las, die sie erhalten hatte. Die meisten Nachrichten waren in ihrem Gruppenchat, wo es zu Beginn noch einmal um das Gespräch mit Kyo ging, bevor es immer weiter in unwichtige Themen abdriftete. Mit einem Lächeln schloss die Violetthaarige den Gruppenchat und öffnete die andere Nachricht, welche sie von Matsurika bekommen hatte. Diese fragte an, ob die Ältere am nächsten Nachmittag Zeit für sie hätte. Es wäre wichtig, hatte sie noch zusätzlich geschrieben. Etwas stutzig machte Mirâ diese Nachricht schon, denn sie kam nicht umher wieder einmal zu denken, dass es sich bei dem Gespräch wohl wieder um Hiroshi drehen würde. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Schwarzhaarige sie mit der Begründung es wäre wichtig, herausgelockt hatte. Trotzdem stimmte Mirâ dem Treffen zu und verabredete sich für den späten Nachmittag mit der jüngeren Schülerin. Seufzend packte sie ihr Smartphone wieder in ihre Tasche und hoffte, dass das Gespräch nicht wieder so enden würde, wie die letzten, wo Matsurika ihr regelrecht ein Ohr über Hiroshi abgekaut und sie über den Blonden ausgefragt hatte. Aber es brachte nichts nun darüber nachzudenken, also hob sie den Blick wieder und bemerkte, dass sie bereits an der Kreuzung angelangt war, wo sie vor einiger Zeit Alec getroffen hatte. Zu ihrem Erstaunen fiel ihr erneut das auffällige Motorrad auf, welches an einer Mauer stand, weshalb sie sich fragend umsah und tatsächlich den jungen Mann entdeckte, der gerade eine neue Blume in die Vase stellte und dann die Hände zusammenlegte, um für das hier verunglückte Mädchen zu beten. Mirâs Blick wurde leicht traurig, als sie dieses Bild so sah, doch sie setzte sich in Bewegung, nur um einen Moment später neben dem Älteren zu knien und ebenfalls ein Gebet an das kleine Mädchen sendete.
Überrascht sah der Schwarzhaarige auf, als er die Oberschülerin neben sich bemerkte und sah sie fragend an. Diese hatte soeben ihr Gebet beendet und richtete ihren Blick nun ebenfalls auf den jungen Mann neben sich, bevor sie leicht lächelte.
„Ich dachte es bringt vielleicht etwas, wenn auch jemand anderes für die Kleine betet.“, sagte sie daraufhin.
Ein kleines Lächeln umspielte Alecs Gesicht: „Ja vielleicht. Danke.“
„Nicht dafür.“, meinte die junge Frau und beobachtete, wie Alec sich langsam erhob, bevor sie selber wieder aufstand, „Du bist anscheinend doch ziemlich häufig hier. Oder?“
„Das Schicksal der Kleinen lässt mich einfach nicht los. Schon traurig genug, dass ein so junges Mädchen so früh ihr Leben verlor. Und das nur, weil ein idiotischer LKW Fahrer sich nicht konzentrieren konnte.“, meinte der Schwarzhaarige mit abgewandten Blick.
Erneut hatte Mirâ das Gefühl, dass hinter diesem Unfall mehr steckte, als es auf den ersten Blick schien und dass Alec mehr damit zu tun hatte, als er zugab. Allerdings traute Mirâ sich nicht den jungen Mann genauer darauf anzusprechen, immerhin schien er so schon mit dieser Situation zu kämpfen. Klar interessierte sie, was wirklich dahintersteckte, doch sie wollte auch nicht unhöflich werden und ihre Nase in Dinge stecken, die sie nichts angingen.
„Manchmal ist das Schicksal wirklich grausam…“, meinte sie stattdessen nur und blickte auf die einzelne Blume, die vor ihr stand.
„Ja leider.“, murmelte Alec und sah ebenfalls noch einen Moment auf die Blume, bevor er sich direkt an die junge Frau wandte, „Es scheint auch Schicksal zu sein, dass wir uns in letzter Zeit häufiger treffen.“
Mirâ lachte nur leicht: „Anscheinend. Aber zumindest brauchtest du mich die letzten beiden Male nicht retten.“
„Das stimmt. Du hast ja irgendwie ein Talent dafür Schwierigkeiten anzuziehen.“, lachte nun auch Alec und blickte dann in den Himmel, während er auf sein Motorrad zuging, „Es wird dunkel. Du solltest dann besser nach Hause gehen. Nicht das du wieder in Schwierigkeiten gerätst. Hier fang!“
Überrascht hob Mirâ die Hände und konnte gerade noch so einen Motorradhelm auffangen, den der Schwarzhaarige ihr zugeworfen hatte. Überrascht blickte die Violetthaarige auf den jungen Mann, welcher gerade dabei war sich seinen Helm über den Kopf zu stülpen und zu befestigen. Es dauerte eine Weile, bis er den Blick der jungen Frau bemerkte und ihr dann erklärte, dass er sie dieses Mal heim fahren würde. Als Dank für das Gebet für das kleine Mädchen. Mit großen Augen starrte die Oberschülerin den Älteren an und schluckte schwer. Sie hatte noch nie in ihrem Leben auf einem Motorrad gesessen, doch bevor sie etwas sagen konnte, hatte der Schwarzhaarige sich bereits den Helm in ihren Händen wieder gegriffen und ihn ihr auf den Kopf gesetzt.
„Keine Sorge, so gefährlich ist das nicht. Ich fahre auch vorsichtig. Außerdem gehe ich so auf Nummer sicher, dass du wirklich heil Zuhause ankommst. Bei dir weiß man ja nie.“, meinte er anschließend und stieg dann auf seine Maschine, bevor er hinter sich auf den Sitz zeigte.
Noch einmal schluckte Mirâ schwer, doch nahm sie letzten Endes all ihren Mut zusammen und setzte sich hinter den jungen Mann, welcher sie anhielt sich richtig festzuhalten. Mit einem leicht mulmigen Gefühl umfasste die Oberschülerin also Alecs Oberkörper und hoffte inständig, dass sie nicht herunterfallen möge. Noch kurz erkundigte sich der Schwarzhaarige in welche Richtung genau er fahren musste, bevor er seine Maschine startete und losfuhr. Anfangs war es für Mirâ doch etwas ungewohnt auf einem Motorrad zu sitzen, doch nach wenigen Metern entspannte sie sich bereits wieder, als sie merkte, das Alec genau zu wissen schien, was er hier tat. Daraufhin konnte sie sogar den kurzen Trip bis zu sich nach Hause genießen, denn so schlimm empfand sie es letzten Endes doch nicht.

So dauerte es nicht allzu lange, bis die junge Frau sicher vor ihrem Heim angekommen war. Sich noch einmal bei dem Schwarzhaarigen bedankend, gab sie diesem den geliehenen Helm zurück. Alec verstaute den Kopfschutz wieder und erklärte noch einmal, dass sie es als Gegenleistung sehen konnte und er sich so keine Sorgen machen brauchte. Dies entlockte Mirâ nur ein kleines Kichern, bevor sie sich von dem Schwarzhaarigen verabschiedete und ihm einen sicheren Heimweg wünschte. Auch der junge Mann verabschiedete sich mit einem Nicken und startete dann sein Motorrad, um einen Moment später davon zu sausen. Mirâ sah ihm nach und hörte einen Moment später ihr Smartphone, welches den typischen Klang der Persona App von sich gab. Mit einem gekonnten Griff nahm sie das Gerät zur Hand und öffnete seit langer Zeit mal wieder die merkwürdige App, welche sich von selbst auf ihrem Handy installiert hatte. Mit wenigen Handgriffen hatten sie die Seite mit ihren Social Links geöffnet und war erstaunt, wie weit sie bei einigen der angegebenen Arcanas bereits gekommen war. Auch Alecs Social Link hatte sich an diesem Abend bereits auf drei Balken gefüllt. Ihre Lippen formten sich wieder zu einem Strich. Jedes Mal wenn sie diese App öffnete und sich die Social Links ansah hatte sie das Gefühl, dass dies nicht richtig war und dass diese Verbindungen beinahe wie eine Pflicht waren. Dabei wollte sie keine Gedanken mehr daran verschwenden und trotzdem daran glauben, dass alle geformten Social Links auch wahre Freundschaften waren. Doch immer, wenn sie die App öffnete überkamen sie diese Zweifel, weshalb sie die letzten Wochen nicht mehr darauf geschaut hatte… auch um ihr Gewissen zu erleichtert. Sie seufzte schwer und schloss die App, um weitere Gedanken daran zu verdrängen und das Smartphone wieder wegzustecken. Doch noch bevor das Telefon in ihrer Tasche verschwand, ertönte ein weiterer Ton, welcher ihr dieses Mal andeutete, dass sie eine Nachricht bekommen hatte. Fragend nahm sie das Handy also wieder vor sich und öffnete die eingegangene Nachricht, die von Kyo kam und in welcher er der Violetthaarigen einen Ort und eine Uhrzeit geschrieben hatte.
„Kyôzô-kû, Zentralstation, 10:00 Uhr. Sei pünktlich!“, stand in der Nachricht geschrieben, welche Mirâ noch einige Minuten anstarrte.
Anscheinend hatte Kyo es doch geschafft ihr eine Möglichkeit zu verschaffen, mit Akisu reden zu können. So stand also fest, dass sie am nächsten Morgen in den Bezirk Kyôzô fahren würde, von welchem die Violetthaarige bisher jedoch nur gehört hatte. Also musste sie sich später noch eine U-Bahnverbindung heraussuchen, um dorthin zu gelangen. Sie seufzte und antwortete Kyo mit einem kurzen Emoji, bevor sie sich umdrehte und nun endlich das Haus betrat.

Mit etwas Verspätung heute das nächste Kapitel. ^^ Ich hatte zwar am 01.06. aus einer anderen Seite geuploadet, aber da mein PC gesponnen hat, habe ich es leider hier nicht geschafft und dann... schlicht und einfach vergessen... Mein Hirn ist aktuell ein Sieb, also seht es mit bitte nacht. Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen. ^^
Bis zum nächsten Mal.
Eure Shio~
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