CatDog - In den Flammen der Sehnsucht

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
01.05.2015
01.05.2015
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„Sternchen? Wo bist du denn?“. Ich hörte Dunglap nach mir rufen, während ich in der Küche gerade damit beschäftigt war, eine Torte zu backen. Ich hatte mir meine pinkfarbene Kochschürze umgebunden, auf welcher ein mit Glitzer umrandetes Herz aufgenäht war und sortierte gerade alle Zutaten. Zugegeben, das Backen von Kuchen und Torten gehört nicht gerade zu meinen Stärken, trotzdem versuche ich mich immer wieder aufs Neue darin, denn Übung macht schließlich den Meister. Ich bin grundsätzlich kein besonders guter Koch und schon mehr als froh darüber, wenn ich einen halbwegs essbaren Salat zu Stande bringe. Meist kaufe ich nur Fertiggerichte oder lasse mir vom Lieferservice etwas bringen, damit Dunglap und ich etwas haben, das man zum einen auch wirklich essen kann und das zum anderen nicht unweigerlich zu einer Lebensmittelvergiftung führt. Aber so bin ich eben – ich kann einfach nicht kochen. Mein Bruder Cat hat mir schon tausendmal Nachhilfe in Sachen Kochkünsten gegeben, aber egal was ich auch versuche, ich kriege es nicht hin. Cat ist im Gegensatz zu mir ein kulinarisches Genie. Er kann aus den handelsüblichsten Zutaten ein Festmahl zaubern, von dem man noch Wochen danach spricht. Dafür ist er im Haushalt eine absolute Null. Das hat er sogar selbst einmal zugegeben. Er kann nicht mal einen gewöhnlichen Staubsauger bedienen, ohne dass es in einer Katastrophe endet. Das ist etwas, was mir wiederum gut liegt. Im Haushalt bin ich ein Ass. Egal ob Staubsaugen, Fenster putzen, Möbel polieren oder Wäsche waschen – das ist alles kein Problem für mich. Ich möchte mich wirklich nicht selbst loben, aber bisher gab es noch keinen Fleck, den ich nicht irgendwie wieder raus bekommen habe. Das ist auch der Grund dafür, dass Cat mir jeden Samstag seine verschmutzte Wäsche bringt, die ich dann für ihn mitwasche. Aber das tue ich herzlich gerne, denn im Gegenzug dafür beliefert er mich einmal die Woche mit kulinarischen Köstlichkeiten verschiedenster Art. So hat jeder seine Talente – Cat ist ein guter Koch und ich bin eine gute Putzfrau. Das hat Dunglap mal im Spaß zu uns gesagt, aber ich finde, er hat damit genau ins Schwarze getroffen. Jedoch haben wir eine Sache gemeinsam: Handwerklich sind wir beide komplette Dödel. Weder Cat noch ich sind in der Lage, irgendetwas im Haus zu reparieren und wenn wir es versuchen, dann geht das nie gut aus. Einmal habe ich zum Beispiel versucht, einen tropfenden Wasserhahn im Bad zu reparieren, was damit endete, dass unser komplettes Badezimmer, sowie der gesamte Hausflur unter Wasser standen. Wie ich schon sagte, handwerklich bin ich ein Tollpatsch. Cat ebenfalls. Er hat zum Beispiel einmal versucht, seinen Wagen wieder zum Laufen zu bringen, als dieser einmal nicht ansprang. Aber die Sache ging zum Glück gut aus. Und sein neues Auto gefällt mir wirklich gut. Zu unserem Glück haben wir Mervis und Dunglap, unsere beiden Engel, wie ich sie immer nenne. Egal ob der Abfluss verstopft ist, die Balkontür klemmt oder ein neuer Schrank aufgebaut werden muss – die beiden sind immer zur Stelle und haben solche Dinge im Handumdrehen erledigt. Genau dafür lieben wir sie so sehr. Im Prinzip kann man es so ausdrücken: Wir sind eine große Familie und ergänzen uns gegenseitig. „Sternchen?“. Dunglap rief noch einmal nach mir, während ich noch einmal prüfte, ob ich alle Zutaten für meine Schokoladencremetorte, nebenbei gesagt Dunglaps Lieblingstorte, beisammen hatte. „Ich bin in der Küche“, rief ich zurück und fing damit an, das Kochrezept genaustens zu studieren. Ich wusste zwar jetzt schon, dass das wieder ein Reinfall werden würde, aber trotzdem las ich mir eifrig die Seiten durch. „Hey Dog“, sagte Dunglap und erschien im Türrahmen. „Was machst du denn?“. „Schokoladencremetorte“, antwortete ich und drehte mich zu ihm um. Er trug dasselbe wie immer. Ein graues Sweatshirt, eine verwaschene Jeans, die an beiden Beinen schon leichte Einrisse hatte und schwarze Sandalen. Seine Lieblingsschuhe. Die trägt er zu Hause immer und wenn nicht, dann geht er barfuß. Er hat einmal zu mir gesagt, wenn man ihm seine schwarzen Sandalen wegnehmen würde, würde er das nicht überleben. Darüber musste ich herzlich lachen. Aber so war er schon immer. Und genau dafür liebe ich ihn so sehr. „Mmh, Schokoladentorte“, sagte Dunglap und stellte sich neben mich. „Freu dich nicht zu früh“, entgegnete ich und grinste. „Ich kann nicht versprechen, dass sie auch essbar ist“. Wir lachten beide und er streichelte mir sanft über die Wange. „Das kriegst du schon hin“, sagte er und lächelte mich ermutigend an. „Irgendwann“. Wieder brachen wir beide in schallendes Gelächter aus. „Besten Dank für deine Unterstützung“, sagte und tat so, als ob ich schmollte. „Komm, setz dich mal bitte“, sagte Dunglap und nahm am Esstisch Platz. „Ich möchte etwas mit dir besprechen“. „Was gibt's denn?“, wollte ich wissen, holte eine Packung Zigaretten aus dem Küchenschrank und steckte mir eine an. „Ich habe nachgedacht, Dog“, begann Dunglap, als ich mich zu ihm setzte. „Worüber?“, wollte ich wissen und griff nach dem Aschenbecher, der am untersten Ende des Tisches stand. „Wann haben wir das letzte Mal Urlaub gemacht?“, fragte er mich sanft lächelnd. „Und ich meine damit nicht unsere Wochenendausflüge, sondern richtigen, erholenden Urlaub“. Ich lächelte. Unsere Wochenendausflüge waren jedes Mal etwas besonderes. Alle zwei Wochen, das hatte sich bei uns so eingespielt, fuhren Dunglap und ich am Wochenende weg. Ans Meer, in die Berge, ins Freibad – wonach uns eben gerade war. Am darauffolgenden Wochenende unternahmen wir immer etwas mit Cat und Mervis. „Hm, Urlaub“, sagte ich laut denkend. „Waren wir nicht im November zum Skifahren in den Gladeburgh Mountains?“. „Ja“, antwortete Dunglap. „Letztes Jahr im Dezember. Das ist fast acht Monate her“. Dunglap hatte Recht. Es war schon lange her, dass er und ich das letzte Mal Urlaub gemacht hatten. Nicht, weil wir keine Zeit dazu hatten, sondern weil ich sehr familiengebunden bin und schnell Heimweh bekomme. „Stimmt, wir waren schon lange nicht mehr weg“, stimmte ich zu. Dann legte sich ein Lächeln auf mein Gesicht. „Und was gedenkst du dagegen zu tun?“, wollte ich wissen. „Nun, ich dachte mir, wir könnten mal wieder in die Stadt fahren“, antwortete er, mein Lächeln erwidernd. Er griff in seine Jeanstasche, zog einen Flyer daraus hervor und hielt ihn mir vors Gesicht. „Crystal Beach in Michigan“, sagte er, immer noch lächelnd. „Dort gibt es ein Stadtcafé, zwei Kinos, ein Wellness-Spa, ein Museum, nächtliche Cocktailpartys am Strand und nicht zu vergessen diverse Boutiquen, in denen du nach Herzenslust shoppen gehen kannst“. „Shopping!“, brüllte ich laut und fing an, übers ganze Gesicht zu grinsen. „Ist das ein Ja?“, wollte Dunglap wissen und grinste ebenfalls. „Ja!“, rief ich von Euphorie ergriffen, sprang von meinem Stuhl auf und setzte mich auf Dunglaps Schoß. „Toll“, entgegnete er und schloss mich in die Arme. „Dann kannst du dir ein paar neue Abendkleider kaufen, wenn du magst“. Ich nickte euphorisiert. „Und wir können uns an den Strand legen und uns in Ruhe entspannen“, setzte er nach kurzer Pause hinzu. „Aber, ich habe doch gar kein Strandkleid oder einen Bikini“, erwiderte ich. „Wer hat gesagt, dass du einen Bikini brauchst?“, sagte Dunglap und grinste mich an. „Tz, du wieder“, sagte ich und rollte mit den Augen. „Was denn?“, wollte er wissen und legte eine Unschuldsmiene auf. „Wie lange wollen wir bleiben?“, fragte ich und löste unsere Umarmung. „Zwei bis drei Wochen, dachte ich“, antwortete er. „Aber wir können auch länger wegbleiben, wenn du magst“. „Zwei Wochen?“, fragte ich und meine Miene wurde, obwohl ich mich wahnsinnig freute, betrübt. „Was ist los, mein Sternchen?“, fragte Dunglap und nahm meine Hand. „Ich werde Cat und Mervis furchtbar vermissen“, antwortete ich. „Dagegen lässt sich etwas tun“, erwiderte er und fing wieder an zu lächeln. „Wir fragen sie einfach, ob sie mitkommen möchten“. „Ist das dein Ernst?“, fragte ich und lächelte ebenfalls. „Sicher“, antwortete er. „Alles was mein Sternchen glücklich macht“. „Danke“, sagte ich und fiel ihm wieder um den Hals. „Keine Ursache“, antwortete er. „Die beiden könnten sowieso etwas Urlaub vertragen“. „Damit hast du wohl recht“, stimmte ich zu. „Dann rufe ich sie gleich mal an und frage sie“. Ich wollte aufstehen, doch Dunglap hielt mich sanft zurück. „Nein, warte“, sagte Dunglap und nahm meine Hand. „Ich möchte sie persönlich fragen. Lass uns in die Stadt fahren und den beiden einen Besuch abstatten“. „Ja“, stimmte ich zu. „Gerne“. „Bei der Gelegenheit können wir uns gleich nach einem passenden Strandkleid oder einem Bikini für dich umsehen“. „Oder beides“, erwiderte ich und grinste. „Natürlich“, sagte er. „Was immer du möchtest, Sternchen“.

Der Tag war wie immer ziemlich heiß und schwül. Dunglap und ich schlenderten den Gehweg entlang, an den unzähligen Geschäften vorbei. Der zarte, süße Geruch von Jasmin erfüllte die Luft und brachte mich zum Lächeln. „Ein wunderschöner Tag“, sagte ich zu Dunglap und legte meinen Arm um seine Schulter. Er hatte sich ein schwarzes, kurzärmeliges Sweatshirt übergezogen und trug noch immer dieselbe verwaschene Jeans, die er schon am Vormittag angehabt hatte. Und natürlich seine schwarzen Sandalen – was auch sonst? Ich war rasch in eine hellgrüne Bluse mit passendem Minirock geschlüpft und trug dazu schneeweiße Pumps und smaragdbesetzte Ohrringe in Sternform. Und auf meinem Kopf thronte ein weißer Sonnenhut, der ringsherum mit Blüten aus Seidenpapier übersät war. Als Dunglap und ich zusammengekommen sind, haben wir relativ schnell festgestellt, dass ich der weiblichere von uns beiden bin. Ich habe damals auch im Brautkleid geheiratet, weil Dunglap fand, dass es gut zu mir passen würde und es eine ganz normale Hochzeit werden sollte. Ich bin kein Transvestit, aber ich spiele nun einmal gerne die weibliche Rolle in unserer Ehe. Jeder, der mich kennt, weiß darüber Bescheid und akzeptiert das auch so. Cat nennt mich zum Spaß sogar immer „Schwesterherz“ oder „Schwesterchen“, was ich wirklich unheimlich süß finde. Bisher bin ich damit immer gut zurechtgekommen und deswegen auch noch niemals verspottet oder gar abgewiesen worden. Und sollte mich doch einmal jemand deswegen auslachen, dann ignoriere ich es oder sage ihm gehörig meine Meinung. „He“, sagte ich und blieb vor dem Schaufenster einer Boutique stehen. Darin ausgestellt war ein violetter Bikini mit passendem Strandtuch. „Da“, sagte ich und stieß Dunglap sanft in die Seite. „Gefällt er dir?“, fragte dieser und betrachtete sich das ausgestellte Stück. „Ja, ja, ja“, rief ich in kindlicher Verspieltheit. „Den will ich – nein: den muss ich – haben“. „Den möchtest du?“, fragte Dunglap nach und lächelte mich an. Ich nickte zustimmend. „Alles, was mein Sternchen will“, sagte er und betrat den Laden. Vor Freude hüpfend folgte ich ihm.
„Der steht dir einfach blendend“, sagte Dunglap, als wir den Laden verließen. „Als ob er für dich gemacht wäre“. Nachdem ich den Bikini anprobiert hatte und Dunglap seine Begeisterung darüber in aller Ausführlichkeit zum Ausdruck gebracht hatte, hatte er ihn mir schließlich gekauft. „Und du findest ihn nicht zu kitschig?“, fragte ich nach, während wir den Gehweg entlangwanderten. „Aber nein, Sternchen“, entgegnete er und hob abwehrend die Arme. „Damit siehst du aus wie eine Prinzessin“. „Danke“, sagte ich verlegen und errötete. Wenn Dunglap etwas richtig gut konnte, dann war es, mir Komplimente zu machen. „Was meinst du, ob er Cat und Mervis auch gefällt?“, wollte ich wissen. „Sie werden sprachlos sein“, antwortete Dunglap und rückte mir meinen Sonnenhut zurecht. „Und glaubst du, sie werden mit uns in Urlaub fahren?“, fragte ich weiter. „Ja, mein Sternchen“, antwortete er. „Ganz bestimmt“.

„So, da wären wir“, sagte Dunglap, als wir in die Auffahrt von Cats Haus einbogen. „Ich bin irgendwie aufgeregt“, gestand ich und senkte meinen Blick. „Aber Dog, mein Herzchen, du musst doch nicht aufgeregt sein deswegen“, erwiderte er und legte mir seinen Arm um die Schulter. „Bereit?“, fragte er mich, als wir die Stufen zur Eingangstür hinaufschritten. Ich nickte. Dunglap drückte auf die Klingel. Zweimal. Das hatten wir mit Mervis und Cat so vereinbart. Wenn es zweimal hintereinander klingelte, wussten sie, dass wir es waren. Unser offizielles Erkennungszeichen sozusagen. Nach einigem Warten öffnete Cat die Tür. „Hallo Cat“, sagte ich und schloss ihn zur Begrüßung in die Arme. „Hallo Schwesterchen“, erwiderte Cat meine Begrüßung. Ich sagte ja, er nennt mich immer „Schwesterchen“ oder „Schwesterherz“. „Hey Cat“, sagte Dunglap, nachdem wir unsere Umarmung gelöst hatten und schloss ihn ebenfalls in die Arme. „Hey Dunglap“, sagte Cat. „Na, alles gut bei euch?“. „Immer doch“, antwortete ich grinsend. „Was hast du da?“, wollte er wissen, als er die Einkaufstüte bemerkte, die ich in meiner Hand hielt. „Einen Bikini“, antwortete ich und fing an, übers ganze Gesicht zu strahlen. „Okay, möchtet ihr ans Meer fahren?“, wollte Cat wissen. „Ja“, antwortete ich. „Genau deswegen sind wir hier. Wir möchten mit euch reden“. „Dann kommt rein“, sagte Cat zuvorkommen und bat uns ins Haus. Wir folgten ihm durch den Hausflur ins Wohnzimmer, wo Mervis gerade damit beschäftigt war, einen neuen Schrank aufzubauen. „Verdammter Mist“, sagte er und wischte sich über die Stirn. Er trug einen blauen Overall und seine Mütze mit der Aufschrift „Orlando Tigers“. Seine Lieblingsfootballmannschaft. „Schatz, wir haben Besuch“, sagte Cat lächelnd und ging zu ihm. „Oh – oh hallo Dog, hallo Dunglap. Ich habe euch gar nicht kommen hören“, sagte Mervis und erhob sich aus dem Haufen von Bauteilen, der eines Tages mal ein Schrank sein würde. „Hallo Mervis“, sagte ich und umarmte ihn zur Begrüßung. „Du siehst aber schick aus“, sagte er, während er mich von oben bis unten betrachtete. „Und du bist total verschwitzt“, erwiderte ich und kicherte. „Ja, ich weiß“, antwortete er. „Renovierungsarbeiten“. Ich musste erneut kichern. Das war typisch. Wann immer Dunglap und ich auch zu Besuch kamen, Mervis war stets damit beschäftigt, neue Schränke und Möbel auf- oder alte abzubauen. Das liegt zum Großteil daran, dass Cat einen sehr wechselnden Stil pflegt, man weiß nie genau, was ihm gerade gefällt und was nicht. „Wart ihr shoppen?“, fragte Mervis lächelnd, als er meine Einkaufstüte bemerkte. „Ja, ich hab mir einen Bikini gekauft“, antwortete ich. „Das heißt natürlich: Dunglap hat mir einen Bikini gekauft. Wir wollen ans Meer“. „Also meinetwegen hätte es keinen Bikini gebraucht“, schaltete sich Dunglap ein und fing an zu lachen. Mervis und Cat stimmten in sein Lachen mit ein, nur ich schaute verlegen zu Boden. „Dunglap“, sagte ich und stieß ihn in die Seite. „Kein Grund, dich zu schämen, Dog“, sagte Mervis und legte mir seine Hand auf die Schulter. „Ich sehe Cat auch am liebsten ohne Klamotten“. Diesmal fingen Dunglap, Mervis und ich an zu lachen und Cat schaute verlegen weg. Das gehörte sozusagen schon zu unserem Begrüßungsritual. „Darf ich mal sehen?“, fragte Mervis mit Blick auf meine Einkaufstüte. „Sicher“, antwortete ich und holte meinen Neuerwerb aus der Tasche, um ihn Cat und Mervis zu präsentieren. „Schick, schick“, sagte Mervis und stieß einen gellenden Pfiff aus. „Damit siehst du bestimmt sehr sexy aus“. „Ohja, allerdings“, stimmte Dunglap zu und grinste mich an. „Aber mein Dog sieht immer sexy aus, egal, was er anhat“. Dann gab er mir einen Kuss auf die Wange. „Danke“, sagte ich und räusperte mich verlegen. „Ihr wolltet mit uns sprechen?“, fragte Cat und wechselte damit das Thema. Ich warf ihm einen dankbaren Blick zu. Ich fand es zwar charmant, dass Dunglap mich attraktiv fand, jedoch, fand ich, musste er das vor Mervis und Cat nicht breittreten. „Ja, Dog möchte euch etwas fragen“, antwortete Dunglap auf Cats Frage. „Dann setzt euch“, sagte Cat lächelnd. „Darf ich euch was zu trinken bringen?“. Typisch Cat. Zuvorkommend wie immer. „Danke, ich möchte nichts“, antwortete Dunglap. „Und du, Schwesterchen?“, wandte sich Cat an mich. „Im Moment nicht, danke“, lehnte ich ab und nahm auf dem Sofa Platz, auf welchem Dunglap es sich bereits gemütlich gemacht hatte. Mervis setzte sich in den Fernsehsessel – sein Stammplatz – und Cat nahm neben mir auf der Lehne des Sofas Platz. „Also, was gibt es?“, wollte er wissen und sah mich erwartungsvoll an. „Also“, begann ich. „Zunächst möchte ich euch eine Frage stellen: Wann wart ihr das letzte Mal in Urlaub?“. „In Urlaub?“, wiederholte Cat. „Hm, das ist lange her. Wann war das noch gleich, Schatz?“. „Vor zwei Jahren. Hotel Grand Plaza in Missouri“, antwortete Mervis. „Achja, richtig“, erinnerte sich Cat. „Als wir Karten für das Abschiedskonzert von Maria Coulas hatten“. „Richtig“, stimmte Mervis zu. „Warum fragst du, Dog?“, wollte Cat von mir wissen. „Naja, Dunglap und ich könnten mal wieder Urlaub vertragen“, antwortete ich. „Genauer gesagt möchten wir nach Crystal Beach in Michigan. Und da wollten wir euch fragen, ob ihr vielleicht Lust habt, uns zu begleiten“. „Ja, wir laden euch ein“, stimmte Dunglap zu. „Also, was sagt ihr?“. „Das ist sehr nett von euch, aber...“, setzte Mervis an, brach jedoch ab, als Cat ihm einen finsteren Blick zuwarf. „Das klingt toll“, sagte er und lächelte wieder. „Wir akzeptieren“. „Ja, ja wir nehmen an“, stimmte Mervis zu. Ich unterdrückte ein Kichern. Jedes Mal aufs Neue fragte ich mich, wie Cat es wohl zu Stande gebracht hatte, Mervis derart gefügig zu machen. „Klasse“, sagte Dunglap und legte mir seine Hand um die Schulter. „Ich bin sehr froh, dass ihr mitkommt. Mein Sternchen würde euch sonst schrecklich vermissen“. „Ja, das würde ich“, stimmte ich zu und legte eine Trauermiene auf. „Sehr sogar“. „Süß von dir, Schwesterchen“, sagte Cat und streichelte mir über den Arm. „Wann soll es denn losgehen?“. „Hm, das haben wir noch gar nicht besprochen“, antwortete ich. „Wie wäre nächste Woche Montag?“, schlug Dunglap vor. Mervis wollte zu einer Antwort ansetzen, kam jedoch nicht zu Wort. „Herzlich gerne“, stimmte Cat Dunglaps Vorschlag zu, ehe Mervis irgendetwas sagen konnte. Wieder musste ich ein Kichern unterdrücken. Mervis tat mir ein bisschen Leid. Schließlich war er erwachsen und hatte eine eigene Meinung. Doch Cat war dies immer herzlich egal. Er war stets sehr dominant gegenüber Mervis und traf alle wichtigen Entscheidungen im Alleingang. Welches Auto sie sich kaufen sollten? Das entschied Cat. Wann Mervis einen Termin beim Zahnarzt hatte? Das entschied Cat. Welche Wandfarbe die Küche bekommen sollte? Das entschied Cat. Er entschied sogar, was Mervis sich zu essen bestellen durfte, wenn sie ausgingen. Mervis nahm dies jedoch immer bedenkenlos hin. Ich glaube, er hat sich mit der Zeit daran gewöhnt. Trotzdem hatte ich ein wenig Mitleid mit ihm. Ich wusste nur zu gut aus eigener Erfahrung, wie starrköpfig Cat sein konnte. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Abend, als wir alle zusammen ausgegangen waren. Mervis wollte nach dem Essen unbedingt noch ein Gläschen Scotch, doch Cat erlaubte es ihm nicht. „Du musst noch fahren“, hatte er gesagt. Aber natürlich ließ er es sich nicht nehmen, selbst ein Glas zu trinken und Mervis zum krönenden Abschluss bezahlen zu lassen. Leider hatte Mervis vergessen, zur Bank zu gehen und konnte den Rechnungsbetrag nicht begleichen. Ich bot dann an, die Rechnung zu übernehmen, doch Cat lehnt eisern ab. Er hat bitter mit Mervis geschimpft, weil er vergessen hatte, mehr Geld mitzunehmen. In diesem Moment tat er mir unendlich Leid. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein armes Schwein. Er lief blutrot an und ich glaube, er hat sich in Grund und Boden geschämt. Schlussendlich konnten Dunglap und ich Cat doch noch dazu überreden, dass wir für alles bezahlten. Den ganzen Nachhauseweg über hatte Cat Mervis dann ausgeschimpft und ihm an den Kopf geworfen, dass er immerzu alles vergessen würde. Der Ärmste. Aber Mervis hatte sich mit der Zeit mit Cats ständigen Nörgeleien zurechtgefunden. „Dann also nächste Woche Montag“, sagte Cat und erhob sich vom Sofa. „Um welche Uhrzeit sollen wir bei euch sein?“. „Gegen 9:00 Uhr“, antwortete ich und warf Dunglap einen Blick zu. Dieser nickte zustimmend. „Aber ihr müsst nicht bei uns vorbeikommen, wir holen euch ab“. „Okay“, stimmte Cat zu. „Gut, dann hätten wir das ja geklärt“, sagte ich. „Habt ihr vielleicht noch Lust, ins Café zu gehen?“.

Nachdem wir Cat und Mervis dazu überredet hatten, noch einen Cappuccino mit uns zu trinken und wir uns noch knappe drei Stunden über die bevorstehende Urlaubsreise unterhalten hatten, waren Dunglap und ich nach Hause gefahren und ich hatte damit angefangen, meinen Koffer zu packen. Ich mache das für gewöhnlich immer eine Woche im Voraus, weil man leicht etwas vergessen kann. Zudem packe ich immer mehr ein, als ich eigentlich brauche, weil man ja nie weiß. Jetzt durchwühlte ich gerade den Schlafzimmerschrank und probierte die verschiedensten Klamotten an. Ich hatte schon siebzehn Blusen, vierzehn Miniröcke und achtundzwanzig Tops eingepackt. Dazu noch neun Paar Schuhe, fünfzehn String Tangas und natürlich meinen frisch erworbenen Bikini. Außerdem war ich mit neun verschiedenen Parfums, elf Lippenstiften in acht Farbtönen, sechzehn verschiedenfarbigen Lidschatten, zwölf Döschen Rouge, sieben Packungen Feuchtigkeitscreme und acht verschiedenfarbigen Nagellacken kosmetisch ebenfalls bestens ausgerüstet. Ich packte noch zwei Bücher ein, nur für den Fall, dass das Wetter mal nicht mitspielen würde, eine Familienpackung Papiertaschentücher, einen Nagellackentferner, vier Packungen Wattepads zum Abschminken, mein Mundpflegeset, drei Haarbürsten, eine Stange Zigaretten und sieben verschiedene Sonnenbrillen. Dazu legte ich noch dreizehn Paar Ohrringe, neunzehn Halsketten und fünfzehn Ringe in eine reisegerechte Schmuckkassette und packte diese ebenfalls mit ein. Am Ende stand ich mit drei vollgepackten Koffern und zwei randvollen Schminktaschen, jeweils in der Größe eines Aktenkoffers, da und überprüfte genaustens, ob ich nicht irgendwo noch fünf verschiedenfarbige Eyeliner und acht Haarspangen dazwischenquetschen konnte. Ja, ich gestehe, ich neige dazu, von allem viel zu viel einzupacken. Aber man kann ja nie vorher wissen, ob nicht eine Halskette abreißt oder ein Nagellack ausläuft. Daher gehe ich immer auf Nummer sicher. Außerdem soll ja die Farbe meines Make-Ups zum jeweiligen Outfit passen. Als Dunglap und ich das erste Mal verreisten – zwei Wochen Santa Barbara – hatte ich es auf unschlagbare sieben Koffer und fünf Schminktaschen gebracht. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, nur noch das nötigste einzupacken. „Bist du meschugge?“, hatte Dunglap damals zu mir gesagt. „Wann willst du denn das alles anziehen?“. „Im Urlaub“, hatte ich geantwortet und über beide Ohren gegrinst. Fakt ist, dass ich von den sieben Koffern nur zwei komplett benutzt und von den fünf Schminktaschen nur eine halbe ausgeleert habe. Seitdem kontrolliere ich immer genau, was ich einpacke und was ich weglassen kann. Aber unter drei Koffer und zwei Schminktaschen bin ich noch nie gekommen. „Sternchen, hast du was an?“, hörte ich Dunglap fragen, als er an die Tür klopfte. „Das kann ich ausziehen, wenn du willst“, antwortete ich und kicherte. Ich trug lediglich einen roten Spitzen-Tanga und einen pinken Bademantel, da ich bis eben damit beschäftigt gewesen war, Klamotten anzuprobieren. „Komm rein“, sagte ich und begutachtete noch einmal die Koffer. „Hey Stern...“. Dunglap brach ab, als er mein Reisegepäck erblickte. „Was bei allen guten Geistern...?“, stieß er hervor. „Dog, bist du eigentlich irre? Du kannst doch nicht schon wieder so viel unnützes Zeug mitschleppen“. „Das ist kein unnützes Zeug“, protestierte ich. „Das brauche ich alles“. „Und wann?“, wollte Dunglap wissen, während er damit anfing, einen der Koffer zu durchwühlen. „Im Urlaub“, antwortete ich, genau wie damals und kicherte. „Dog, das ist krank“, sagte Dunglap und schüttelte den Kopf. „Ich würde eher sagen, das ist gute Vorsorge“, erwiderte ich mit einem Kichern. Dunglap faltete die Hände, wie zu einem Gebet, und schüttelte abermals den Kopf. „Gut, wenn du meinst, dass du es brauchst“, sagte er, da er sowieso wusste, dass er mich nicht davon abbringen konnte, all das Zeug mit auf unsere Reise zu nehmen. „Jedes einzelne Ding“, entgegnete ich, auch wenn mir klar war, dass ich zwei Koffer und eine Schminktasche zuviel gepackt hatte. „Oh Sternchen“, sagte Dunglap mit hilfloser Miene und ließ sich rückwärts ins Bett fallen. Ich zögerte nicht und legte mich zu ihm. „Du weißt, dass das krankhaft ist?“, sagte er mit ernstem Blick und sah mir tief in die Augen. „Klar“, antwortete ich, übers ganze Gesicht grinsend. Dunglap rollte mir den Augen. „Was soll ich mit dir bloß machen?“, fragte er. Ich musste kichern. „Mir scheint, ich muss schwerere Geschütze auffahren“, setzte er nach kurzer Pause hinzu. „Und welche?“, wollte ich immer noch kichernd wissen. „Ich muss dich... KITZELN“, sagte er und stürzte sich lachend auf mich. Er fing an, mich heftig am Bauch zu kitzeln. „Dunglap... Dunglap... h-hör auf“, brachte ich lachend hervor. „Bitte“. „Erst, wenn du es sagst“, antwortete er kichernd und machte unbeirrt weiter. „Ach komm“, brachte ich quiekend vor Lachen hervor. „Sag es“, erwiderte er und fing an, mich an den Knien zu kitzeln. „Sag das Zauberwort“, forderte er mich nochmals kichernd auf. „Du bist...“, sagte ich lachend. „Ich bin...?“, sagte Dunglap und kitzelte mich wieder am Bauch. „...der Beste“, beendete ich kichernd meinen Satz. „Das war nicht das Zauberwort“, erwiderte er schmunzelnd und näherte sich meiner Intimzone. „Komm, sag es“. „Hengst!“, stieß ich kichernd hervor und Dunglap ließ sofort von mir ab. „Na bitte, geht doch“, sagte er und grinste über beide Ohren. „Das war nicht sehr nett“, sagte ich und tat so, als ob ich schmollte. Dunglap sagte nichts, sondern gab mir stattdessen einen Kuss auf die Wange. „Ich liebe dich auch, Sternchen“, flüsterte er, während er sein Sweatshirt auszog. Dann legte er seine Arme um mich und ich kuschelte mich so nah ich konnte an ihn heran. „Na, freust du dich schon auf unsere Reise?“, wollte er wissen, während er mir sanft über die Wange streichelte. „Natürlich“, antwortete ich lächelnd. „Aber weißt du, worauf ich mich noch mehr freue?“. „Nein – worauf?“, fragte er. „Mit dir zusammen zu sein“, antwortete ich. „Das ist süß“, sagte er lächelnd und gab mir einen sanften Kuss. „Und nun?“, wollte ich nach kurzer Pause wissen und legte mein verführerischstes Lächeln auf. „Hat mein Sternchen Lust, ein bisschen mit seinem Hengst zu spielen?“, fragte er grinsend. Ich nickte.
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