Die Macht der Zeit

KurzgeschichteAbenteuer, Romanze / P12
Lara Croft
30.04.2015
30.04.2015
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- Vorwort -

So, bevor ich nun los lege, dachte ich mir es wäre sinnvoll ein paar Worte an die werte Leserschaft loszuwerden. Herzlich Willkommen zu meinem Crossover Über Tomb Raider und der Uncharted - Reihe. Seit langer, langer Zeit konnte ich endlich wieder etwas vernünftiges zu Papier bringen, auch wenn es in dem Fall nur ein Oneshot ist. Ich habe nun Mal das Fable für diese beiden Spiele und kann mir nichts sehnlicheres vorstellen, als die beiden Charaktere in einem Game! Zur Info, Uncharted gehört selbstverständlich Naughty Dog und die drei Spiele handeln von einem Abenteurer, namens Nathan Drake. Lara Croft gehört zu Crystal Dynamics, bzw. Square Enix und diese Geschichte ist reine FanFiction, ich versuche kein Geld damit zu machen.
Ich hoffe sehr, dass euch meine Idee gefällt und irgendwie unterhalten kann! Die Geschichte spielt ein Jahr nach Lara's Abstecher auf Yamatai und vor Uncharted 1. An dieser Stelle wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen! Seid gnädig für irgendwelche Rechtschreibfehler, ich habe mein bestes versucht so gut es ging alle Fehler raus zu filtern. Außerdem wäre es super nett, wenn ich eure Meinung dazu lesen könnte! Das würde mich riesig freuen! Auch wenn es Kritik und Fragen gibt, bin ich offen dafür! :)

Los geht's!


Die Macht der Zeit


TOMB RAIDER - UNCHARTED CROSSOVER



Es klopfte. Dringend und ungeduldig hämmerte jemand an der Haustür und nur widerwillig stand er auf, um diese zu öffnen. Während er sich langsam erhob und aus dem viel zu gemütlichen Bett steigen wollte, dabei vorsichtig darauf achtete, die junge Frau neben sich nicht zu wecken, verweilte sein Blick trotzallem auf die schlafende Schönheit. Sie lag auf dem Bauch, den Kopf auf die andere Seite und ein Kissen mit beiden Händen fest verschlungen, so dass sie wie ein unschuldiges, kleines Mädchen aussah, das keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte. Aber er wusste es besser und wusste ganz genau, dass sich hinter diesem Mädchen eine vollkommen entschlossene Frau verbarg. Er lächelte und fuhr sich durch sein dunkles, kurzes Haar, bis das Klopfen an der Tür wieder seine Aufmerksamkeit lockte. Die ganze Zeit hatte es ununterbrochen geklopft und nicht einmal hatte es aufgehört. Also wer auch immer da seine Faust gegen die Tür hämmerte, schien eine beachtliche Kondition zu haben. Mit einem letzten Blick auf die Brünette in seinem Bett, stand er schließlich seufzend auf, um sich auf dem Boden nach seiner Jeans umzusehen, diese anzuziehen und letztlich zur Tür seines Hotelzimmers zu gehen. Er beeilte sich nicht einmal, sondern schlenderte noch immer schlaftrunken hinüber und öffnete sie, darauf gespannt, wer es wohl wagte, ihn um dieser Zeit zu stören. "Ja?" Nicht mal höflich blieb er und ließ den Störenfried wissen, wie genervt er war. "Zur Hölle noch mal! Endlich!" Die Stimme kam ihm zu vertraut vor und unter tausenden hätte er seinen alten Mentor wieder erkannt. "Sully, was willst du?" grummelte der dunkelhaarige und verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Gegenüber, ein viel älterer Mann, dessen Haare schon beinahe ergraut waren und der genüsslich eine Zigarre im Mundwinkel zerkaute, erwiderte stattdessen: "Junge, ich dachte wir hätten noch was zu erledigen! Und was sehe ich? Du treibst dich mit einem Mädchen im Bett herum." Irgendwie hatte der jüngere von Beiden geahnt, dass es solche Diskussionen geben würde, nur hatte er eigentlich vorgehabt, sich vor diesen soweit wie möglich zu drücken. Tja, wenn sein Mentor etwas wollte, dann konnte er sehr hartnäckig sein. Es gefiel ihm trotzdem nicht, wie Sully darüber sprach und schnell fühlte er sich schäbig und hatte ein schlechtes Gewissen, da die Frau in seinem Bett nicht nur irgendeine belanglose Eroberung war, sondern weitaus mehr. Wie viel mehr, das wusste er gar nicht. "Hey, lass sie aus dem Spiel." begann er und schaute seinem Gegenüber ernst in die Augen, bevor er weiter sprach: "Warum bist du hier Sully?" "Warum?" jetzt schien der ältere vollkommen empört über seinen Schützling zu sein. "Da gibt es noch jemanden, der nennt sich Sir Francis Drake! Hast du etwa vergessen, dass du noch hinter deinem Vorfahren her bist?" "Quatsch." beteuerte er schnell und winkte mit einer Hand ab. Das war doch Unsinn! Kaum ging es einmal nicht um Gold oder irgendwelche Schätze, rieb Sully ihm dieses Detail schnell unter die Nase. Natürlich hatte er nicht Unrecht, schließlich ging es dem Braunhaarigen wirklich darum, endlich mehr über seinen legendären Vorfahren entdecken zu können. Ihn fesselten vergangene Kulturen und Zeiten so sehr wie keinen anderen. Na ja, nicht ganz, schließlich lag noch immer schlafend jene Frau im Bett, die das gleiche Interesse teilte wie er. "Ich hab's nicht vergessen." "Und was soll das dann hier? Mädchen wie sie wirst du noch genug im Leben treffen, Junge. Also mach's kurz und zisch ab. Ich warte hier." Irgendwie hatte er mit so einer Antwort seitens seines Mentors gerechnet, doch heute hatte er keinen Spruch auf Lager und schnaubte nur spöttisch. Unschlüssig schaute er hinter sich, nicht, dass sie durch dieses Gespräch aufgeweckt wurde und wandte dann wieder an Sully: "Sie ist nicht irgendein Mädchen! Ich kann jetzt nicht einfach gehen, Sully!" "Klar, kannst du. Schnappt dir deine Sachen und komm. Glaubst du wirklich sie ist es wert? Sie hat dir das Hirn vernebelt, jetzt kannst du nicht mehr klar denken." beteuerte Sully weiter und nahm seine Zigarre aus dem Mund, damit er die Luft frustriert ausstoßen konnte. "Nein, sie ist ganz anders. Und ich werde sie jetzt auch nicht einfach zurück lassen! Sie hat mir verdammt nochmal geholfen!" Ungläubig hob Sully eine Braue und das sagte schon alles. "Hör zu," begann der jüngere und ordnete seine Gedanken, damit er seinem Freund und Mentor vernünftig erklären konnte was Sache war. Das jedoch war nicht so einfach und obwohl er Sully schon eine Menge Jahre kannte, war er in diesem Thema so einsilbig geworden, wie ein kleiner Junge, der etwas angestellt hatte.

--

Wenige Tage zuvor...

Lara sah zum X-ten Male auf ihre Armbanduhr und stieß die Luft genervt aus ihren Lungen. Ungeduldig tigerte sie einige Schritte hin und her, während sie seit einer Viertel Stunde auf die Ankunft ihrer Freunde wartete. Es war nicht die Kälte, die die Brünette hier in Moskau so sehr störte, nein viel mehr die Ungeduld, da sich Miss Croft auf einen netten Museumsbesuch in Moskau's Historischem Staatsmuseum gefreut hatte. Mit dieser Idee hatte sie lediglich Sam, ihre beste und engste Freundin, überzeugen können. Kaum zu glauben, dass Lara nach den Ereignissen von letztes Jahr tatsächlich hier stand und fröstelnd die Hände aneinander rieb. Nicht zu vergessen waren all die Erinnerungen in ihrem Kopf, die immer und immer wieder wie ein Film vor ihren Augen abliefen. Wie bitte schön war das zu vergessen? Gestrandet auf der Insel Yamatai und beinahe getötet von einem Machtbesessenen Mann, der versucht hatte eine uralte Prophezeiung wahrzumachen, wobei Sam beinahe das größte Opfer gegeben hätte. Jetzt waren all diese Geschehnisse vorbei und Lara ein vollkommen anderer Mensch. Sie fühlte sich stark, auf anderer Seite jedoch sehr schwach. Alles was sie nun antrieb, war das Entdecken und Lüften alter Geheimnisse und Mythen, an die schon ihr Vater zuvor geglaubt hatte. Es schien als müsse sie nun eine Schuld begleichen und hatte für ihre anfängliche Skepsis an ihrem Vater, eine gewaltige Lektion bekommen. Gerettet von der grausamen Insel, das Drachen-Dreieck und nach großem Verlust - insbesondere von Roth - da war ihr klar geworden, wie blind und naiv sie nur gewesen war und wie viel es doch wirklich zu lernen gab. Sie hatte ein gewaltsames Kapitel hinter sich gebracht und es war tatsächlich ein Phänomen hier zu stehen, zu leben, zu reden, was Monate zuvor gar nicht möglich gewesen wäre. Eine gewisse Angst packte die Britin jedoch immer und würde zunächst auch nicht von dannen ziehen. Wenn es für Dr. Smith - ihrem damaligen Psychologen - eine Art von Angst war, dann war es für sie eine Art von Vorsicht und die war ja bekanntlich besser als Nachsicht.
Der rote Platz in Moskau faszinierte sie und und fesselte mehr als einmal ihre Aufmerksamkeit. Für den Moment hatte der Schneefall aufgehört und doch war der Himmel immer noch mit dicken Wolken bedeckt. Es war Winter und das war in Russland deutlich zu spüren. Die junge Aristokratin stöhnte genervt, als sie schon wieder auf dem Absatz kehrt machte und noch immer keine Spur von ihrer Freundin sah. Wie lange sollte sie denn noch warten? Lange würde das Museum sicherlich nicht offen haben. Flehend wanderte ihr Blick zu der großen Basilius-Kathedrale und wie winzig sie sich im Gegensatz zu dem beeindruckenden Gebäude fühlte. Unglaublich aber Lara konnte tatsächlich wieder so etwas wie Bewunderung ja, Begeisterung verspüren. Ganz in ihrem Element versunken, folgte sie den Wilden Mustern der großen Kuppeln, die wahrlich ein Blickfang waren. Wenn man bloß bedachte, was allein hier auf dem Roten Platz geschehen war, dann war diese Kathedrale ein wahrer stummer Zeitzeuge. Lara rieb sich die Arme und beschloss schließlich in die Tasche ihres Mantels zu greifen und ihr Handy hervor zu holen. Ungeduldig wählte sie die Nummer von Sam und hörte dem langweiligen Tuten im Höhrer zu. Dann endlich meldete sich jemand, eine schuldbewusste Sam: "Hey Lara," "Sam, wo bist du?" Lara wollte nicht streng klingen, trotzdem war ihr gerade dieser Ton anzuhören. Die Japanerin am anderen Ende der Leitung seufzte schwer, ehe sie weiter redete: "Ich kann doch nicht mitkommen. Weißt du, äh also... " Zunächst sagte Lara nichts zu diesem Gestammel und ließ ihre Freundin verzweifelt nach einer Ausrede suchen. Sie atmete lediglich aus und tigerte wieder einige Schritte herum. "Schon okay. Ich gehe alleine. Danke, dass du mich begleiten wolltest, Sam." "Bist du sauer?" Na ja, einen erst eine Viertel Stunde warten lassen und dann kurzfristig abzusagen, das hätte manch einer als sehr unhöflich empfunden aber die Brünette war das inzwischen von Sam gewohnt und schüttelte nur den Kopf, obwohl es ihre Freundin natürlich nicht sehen konnte. "Nein, dann habe ich den ganzen Spaß eben für mich Allein!" Sie wollte heiter klingen, mehr schlecht als Recht. "Wirklich okay?" fragte Sam unsicher nach und Lara konnte förmlich ihr besorgtes Gesicht vor sich sehen. "Ja, Sam. Vollkommen okay." Und so verabschiedeten sich beide wieder, mit dem Versprechen nächstes Mal irgendein Café zu besuchen, worauf Lara jedoch nur halb sowenig Interesse zeigte, im Gegensatz zu Moskau's Staatsmuseum. Seufzend packte sie ihr Handy weg und holte stattdessen ihr Notizbuch hervor, während sie gedankenverloren den Weg zum Museum ansetzte. Sie konnte es nicht lassen und blätterte wieder einmal in dem Buch herum, welches einen wunderbaren, jedoch schon abgenutzten Lederumschlag hatte. Von all ihren Schätzen war das Lara's liebstes. Sie konnte schon gar nicht mehr zählen, wie oft sie es durchgelesen und immer wieder etwas hinein geschrieben hatte. Beinahe wie einen Augapfel hütete sie ihre Aufzeichnungen und Erinnerungen und ließ nicht zu, dass auch nur jemand Hand daran legte. Zum wiederholten Male blätterte Lara weiter und achtete nur flüchtig welchen Weg sie antrat, das hatte jedoch ganz schnell zur Folge, dass sie vollkommen unerwartet und heftig gegen den ersten Passanten hinein lief und ihr Notizbuch aus den Händen verlor. Allein aus Höflichkeit widmete sie sich erst der Person zu, die sie aus ihrer Unachtsamkeit vollkommen angerempelt hatte. Die Engländerin wollte schon anfangen sich auf russisch zu entschuldigen, da bückte sich der Mann schon nach unten und hob das kleine, leicht durchnässte Notizbuch auf. Eine Weile blieb es still zwischen Beiden, während Lara die Ungeduld packte, sich jedoch mahnte ruhig zu bleiben und stattdessen die Person vor sich anfing zu mustern. Ein junger Mann, kaum älter als sie, blätterte neugierig in dem Buch herum, ehe er es ihr mit einem Grinsen auf den Lippen wieder hergeben wollte. "Tolles Buch." quittierte er schließlich in perfekten Englisch, wobei Lara der Mund offen blieb. Mehr als überrumpelt zermalte sie ihr Hirn nach einer Antwort, oder irgendeinem Wort um zur Konversation beizutragen, während sie ihr Gegenüber etwas misstrauisch musterte. "Danke!" platzte es dann und ihr Mund blieb dennoch offen, inständig nach einer Fortsetzung des Gesprächs zu suchen. Sie kannte diesen Mann nicht und sollte es doch einfach kurz und knapp machen. "Stöbern Sie eigentlich gern in fremden Notizbüchern herum?" Lara fühlte sich überlegen und wollte schon an ihm vorbei gehen, doch hatte sie nicht so schnell mit einer Antwort seinerseits gerechnet, welche sie mitten in ihrer Bewegung verharren ließ: "Wenn sie mir vor die Füße fallen, dann gerne. Besonders wenn man dabei so nette Bekanntschaften machen kann." Er zwinkerte ihr zu, doch Lara verdrehte nur ihre Nussbraunen Augen und erwiderte: "Nein Danke, bedauerlicherweise kann ich mich Ihrer Ansicht nicht anschließen." und damit stapfte sie endlich und entschieden an dem Kerl vorbei, der ihr noch lange hinter her sah und dessen Blick sie auch noch lange im Rücken spürte. Es gab nur eine Sorte solcher Draufgängerischer, vollkommen ungenierter Männer und diesen wollte die Engländerin gekonnt aus dem Weg gehen. Mochte sie vielleicht etwas kühl und vorschnell gewesen sein, das störte sie nicht im geringsten. Lara war vorsichtig und vertraute nur noch sehr schwer irgendwelchen fremden Menschen. Auch ein Resultat ihres vergangenen Abenteuers. Vielleicht für unwissende ziemlich übertrieben und womöglich unnötig, für sie jedoch selbstverständlich. Die Brünette hatte sichtlich das Gefühl, als hätten sich ihre Sinne geschärft, als hätten sich bloß noch mehr gebildet, die vorher noch gar nicht da gewesen waren. Ihr Brauner Zopf war geflochten und schwang bei jedem Schritt mit, während sie den Weg durch die verschneiten Straßen ansetzte, in der Hoffnung den Fremden, mit braunem, kurzen Haar und grau-grünen Augen einfach zu vergessen. Nur um sicher zu gehen, drehte sie sich im Laufen sogar einmal um, war demnach mehr als erleichtert ihn nicht mehr zu sehen. Kopfschüttelnd beschleunigte sie ihr Tempo und machte, dass sie endlich dorthin kam wofür sie eigentlich hier war.

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Lara konnte es nicht glauben. Sie konnte es nicht glauben, wohin sie ihr Trip nach Russland gebracht hatte. Unwissend in eine Gelegenheit geraten, die sie eigentlich nicht betraf, sie trotzallem so reizte wie das Entdecken eines Artefaktes. Einzig und allein war jener Kerl Schuld gewesen, dem sie zuvor auf dem Roten Platz begegnet war. Und was für eine Begegnung! Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, was dies für sie bedeuten sollte. Als Lara das Museum schwer beeindruckt und noch neugieriger verlassen hatte, war sie schnurstracks in die Hände von Fremden Männern gelaufen, die sie mit Pistolen bedroht und verlangt hatten, ihr zu helfen einen gewissen Nathan Drake zu finden. Sie sollte dabei ganz nützlich sein, doch, wer war dieser...Nathan Drake? Der Name war vollkommen fremd in Lara's Ohren. Die Stirn hatte sie gerunzelt und hatte verlangt, dass man sie gehen ließ. Was jedoch so gut wie nichts gebracht hatte. Im Gegenteil, es war bloß schlimmer geworden. Die Engländerin spuckte Blut beiseite und versuchte sich wieder aufzurappeln nach dem man sie brutal niedergeschlagen hatte. Mit purer Abscheu schaute sie ihre drei Widersacher, einen nach dem anderen, in die Augen. "Zeigen Sie uns nun wo sich Drake versteckt?" zischte einer und fuchtelte schon wieder mit seiner Pistole herum, dass Lara genervt seufzte. Sie ließ sich Zeit beim Aufstehen und maß dabei die Kerle nach ihrer Gefahr für sie. Mit einigen Tritten und Faustschlägen würde sie vielleicht etwas ausrichten können, nur wäre sie bis dato längst Geschichte. Lara hob die Hände und baute sich vor ihnen auf. "Ich habe keine Ahnung wer das ist." Jedes Wort war Gift und verbesserte die Laune der drei Männer ganz und gar nicht. Direkt gegenüber von Lara stand ein Mann, der einen ganzen Kopf größer war als sie und die Waffe mit solch einer Selbstverständlichkeit in der Hand hielt, das zeigte, wie lange er schon damit zu tun hatte, unschuldigen Menschen das Licht auszuknipsen. Seine Beiden Begleiter hielt Lara zunächst für harmlos und so konzentrierte sie sich auf den Blauäugigen vor ihr. "Miss, Sie brauchen diesen Mistkerl nicht in Schutz zunehmen, wirklich. Es wäre doch ein Jammer um ihr mickriges Leben oder nicht?" erwiderte der Mann und zuckte nicht im geringsten mit der Wimper. Lara's Augen zogen sich misstrauisch zusammen. Von wem redeten sie, zum Teufel noch mal? Die Brünette öffnete gerade den Mund, um noch mal ruhig und deutlich sagen zu können, wie Ahnungslos sie war, da schnitten ihr bereits drei gezielte Schüsse die Luft ab. Reflexartig duckte sie sich, obwohl keiner der Schüsse ihr gegolten hatte und war überrascht, als alle drei Männer vor ihr tot umfielen. Alle sauber in den Kopf getroffen, lagen nun auf dem Boden, umgeben derer Blutlache. Gerade noch bevor Lara die Flucht antrat, erkannte sie eine Gestalt, die sich aus einer dunklen Gasse erhob und auf sie zu kam. Der geheimnisvolle Schütze war kein anderer, als jener Kerl, vom Roten Platz. In einer Hand hielt er bloß eine Pistole, die er nun in sein Holster steckte, während er zu Lara eilte, die ihn immer noch perplex anstarren konnte. Oh, die Leichen bereiteten ihr gewiss keinen Kummer, denn kannte sie sich erschreckend gut damit aus. Nein, diese Misere in die sie hinein geraten war, ließ ihr viel mehr keine Ruhe. "Ich kann alles erklären..." entschuldigend hob der junge Mann die Hände und auf ihren perplexen Gesichtsausdruck hin, umspielte ein Grinsen seine Lippen. "Da bin ich aber gespannt." ihre Stimme allerdings war schneidend wie ein Messer. Anstatt ihr jedoch Antwort zu geben, griff er nach ihrem Arm und zerrte sie mit sich.
Als wäre nichts geschehen, saßen sich beide letztendlich in einem Café gegenüber und anstatt irgendwas zu sagen, blickten sie einander an, als gäbe es keinen Morgen mehr. Lara war doch tatsächlich sprachlos. Ihr Gesichtsausdruck allerdings sprach Bände und schüchterte ihr Gegenüber langsam ein. Der Braunhaarige krazte sich unbeholfen am Hinterkopf. Er wusste, er war der jungen Frau eine Erklärung schuldig. Denn noch immer ließ er sie im Dunkeln und das gefiel ihr ganz und gar nicht. Wenn es schon Leichen zu verantworten gab, dann war diese ganze Angelegenheit nicht zu unterschätzen!
"Möchten Sie gerne etwas bestellen?" Es war der Kellner, der die Stille zwischen ihnen unterbrach und derjenige, der das Wort erhob. Lara schaute nach Rechts und erwiderte den Blick, des jungen schwarzhaarigen Mannes, dessen blaue Augen sie schon wieder an den Bewaffneten Kerl von vor wenigen Augenblicken erinnerten. Sie stutzte, reagierte dann aber doch auf seine Frage: "Einen Tee bitte." "Für mich ein Bier." fügte Lara's Gegenüber eilig hinzu und lehnte sich seufzend zurück, als der Kellner wieder eilig von dannen zog. "Wer sind Sie?" kam es wieder von Lara. Ihr Misstrauen schrumpfte kein bisschen, auch nicht, da er ihr scheinbar das Leben gerettet hatte. Und damit verschonte sie ihn nicht im geringsten. Sie ließ ihn durchaus spüren, wie zornig sie war. Gerade noch geglaubt, ihn nie wieder sehen zu müssen, schien das Schicksal sie ärgern zu wollen und vollbrachte genau das Gegenteil. "Sie sind doch dieser Drake, nach dem die Mistkerle suchen, nicht wahr?" Sie war schlau, der Schuldige zuckte mit den Schultern. "Schuldig im Sinne der Anklage." war seine amüsante Antwort, was Lara trotzdem nicht zum Lachen brachte. Viel mehr verschränkte sie bloß die Arme vor der Brust und signalisierte ihm so, dass er weitersprechen sollte. "Mein Name ist Nathan Drake. Ja, diese Typen waren hinter mir her. Dass ich Sie da rein geritten habe, war eigentlich nicht geplant." Er machte wieder eine Pause, als der Kellner ihre Bestellungen brachte, wobei er der erste war, der sehnsüchtig ein Schluck von dem Alkohol nahm. Lara musterte ihn und rührte mit dem Löffel ihren Tee, mehr nachdenklich als überhaupt. Sie wusste ehrlich nicht was sie nun von ihm halten sollte, wartete jedoch gespannt darauf was er noch zu sagen hatte. "Eigentlich war es bloß ein harmloser Auftrag gewesen." Schnaubend schüttelte er den Kopf, wie naiv er doch gewesen war. "Man wird angeheuert ein Artefakt zu finden, dann wird man ausgetrickst, verraten und beinahe umgebracht. Verdammt, ich hätte nicht gedacht, dass es schon wieder so ausarten würde..." "Halt, Moment." Lara hob eine Hand und legte den Löffel beiseite. Sie ordnete die Situation und erwiderte: "Sie sollten ein Artefakt für diese Männer bergen? Was sind Sie? Archäologe?" Irgendwie glaubte sie seiner Geschichte nicht, da er nicht gerade den Eindruck machte, ein wahrhaftiger, studierter Archäologe zu sein. Immer hin hatte er gerade drei Männer vor ihren Augen getötet. Nathan lachte belustigt. "Nein, nicht wirklich. Ich erlebe viel mehr Abenteuer, statt im Sand herum zu graben, Lady." Beide sahen sich an, bis Lara den Kopf schüttelte und einen Schluck ihres Tees nahm. "Warum glauben Sie 'im Sand graben' ist das einzige was Archäologen tun?" Ihre Frage überraschte ihn und er leugnete nicht, dass ihm das überlegene Leuchten in ihren Augen gefiel. "Kennen Sie etwa Archäologen?" "Kennen? Sie sitzen gerade mit einem am Tisch, Mr. Drake. Also, sagen Sie mir nun welches Artefakt Ihnen aufgetragen wurde. Das sind Sie mir nach dieser gesamten Geschichte schuldig." Das verschlug ihm bloß nur noch mehr die Sprache. Ganz genau dieses Detail hatte er nicht erwartet und das anfängliche Interesse zeigte sich ja beinahe als Beginn einer Faszination. Wieso stolperte ihm diese Frau gerade in Moskau vor die Füße? Umso mehr gab es seiner Stimmung einen Dämpfer wenn er daran dachte, dass sie beinahe erschossen worden wäre, nur wegen seiner Naivität und seiner Überheblichkeit. Er erzählte ihr die gesamte Geschichte. Dass man ihm sogar eine hohe Summe an Geld versprochen hatte, sollte er erfolgreich sein. Aber wie oft sollte der junge Abenteurer denn noch eine Lektion bekommen um es endlich zu verstehen, dass man sich eben nicht auf jedes Geschäft einlassen sollte. Von Sully allerdings hätte er bestimmt schon längst einen auf den Deckel bekommen, obwohl der alte Mistkerl ein genauso großes Plappermaul war, wie er selbst. Um weiteres zuzugeben, war Nathan lediglich zu stolz. Zu sehr würde es an seinem Ego kratzen, noch mehr zu offenbaren, dass alles schief gelaufen war. Insbesondere vor ihr, da sie wahrhaftig zu behaupten schien eine Archäologin zu sein.
"Wissen Sie eigentlich was für ein Riesen Glück Sie haben?" war dann Lara's Resultat nach der ganzen Geschichte. "Das habe ich ganz bestimmt, Miss...?" Nathan stoppte und wartete darauf, dass er ihr Antwort auf die Unwissenheit gab. "Lara Croft." war dann schon alles, was seinen Kopf in Sekunden zum Rauchen brachte. Nein, von einer Croft hatte er noch nie etwas gehört. Aber was nicht war, konnte doch noch etwas werden oder nicht? Seine Gedanken brachten ein Spitzbübisches Grinsen auf seine Lippen zurück. Zum wiederholten Male musterte er sie scheinbar unauffällig, tat überheblich und desinteressiert, während er ihr dabei zu sah, wie sie ihren Tee trank. Schon am Akzent hatte er deutlich heraus gehört, dass sie wohl Engländerin war. Jetzt sah er die Theorie bloß noch mehr bestätigt. Die ganz feine Dame saß gerade und nippte an der Tasse duftenden Tees. So etwas kannte er wirklich nur aus Filmen und diese Absurdität brachte ihn zum Lachen. Lara's Blick flog zu ihm, um zu verstehen was ihn zum kichern brachte. "Sie machen den Eindruck als hätten Sie bereits die Höhere Töchterschule hinter sich." Diese Offenheit von Nathan überrumpelte sie. Das kannte die junge Frau gar nicht. Nicht einmal ihr damaliger Therapeut Dr. Smith, der ihr nach Yamatai wieder Schritt für Schritt geholfen hatte ins Leben zurück zu kehren, hatte sie so offen, ungeniert und einfach gefragt wie er es tat. Sie schenkte ihm ein Lächeln und erwiderte: "Sie kennen mich nicht." Dass sie diese Worte so einfach von ihren Lippen fallen ließen, minderten nicht im geringsten ihre Wirkung. Denn sofort fiel ihrem Gegenüber das Grinsen aus dem Gesicht, da er nicht mit solch einer geheimnisvollen Antwort gerechnet geschweige denn eine derartige erwartet hatte. Trotzdem gab der junge Mann nicht so schnell nach: "Dann haben Sie bestimmt noch eine vornehme Ausbildung zur Archäologin genossen und mit Daddy's Hilfe jegliche Türen aufbekommen nicht wahr?" Manch einer sollte meinen, dass Lara bei einer derartigen Wortwahl sehr empfindlich reagieren sollte. Und wie sehr sie diese Worte in den Kopf piksten, das konnte sie gar nicht sagen. Da er es jedoch auf eine Reaktion zu provozieren versuchte und Lara mehr Verstand einsetzte statt unüberlegtes Handeln, erwiderte sie kühl: "Es geht hier aber nicht um mich und meine Ausbildung, Mr. Drake. Sie haben mich in diesen Schlamassel hinein gezogen. Erzählen Sie mir mehr von dem geheimnisvollen Artefakt, nach dem Sie her sind." Damit lehnte sich die Engländerin neugierig nach vorn, während Nathan den Themenwechsel annahm und begann zu erzählen was er wusste.

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"Meine Güte, Nathan. Sie schaffen sich nicht gerade Freunde." Auf Lara's Satz hin, fing Nathan an unsicher zu lachen. "Wie kommen Sie nur darauf?" fragte er ironisch über diese absurde Situation, als die Beiden gerade dabei waren so schnell wie möglich einer Gruppe von Bewaffneten Männern zu entkommen. Wer gedacht hatte, Nate's Schießerei blieb unentdeckt, der lag da vollkommen falsch. Das Problem war nur, wie man es schaffte heil aus dieser Lage heraus zu kommen. Lara wusste nun, dass Nathan hinter einer geheimnisvollen Uhr her war, die es laut der Hintergrundgeschichte sogar schaffen sollte, die Zeit zurück zu drehen. Zunächst hatte sie es skeptisch betrachtet aber dann war ihr sofort klar, dass es besser war, jene Situation ernst zu nehmen. Genau wie früher war sie skeptisch gegenüber ihres Vaters gewesen und hatte am eigenen Leib erfahren, dass damit nicht zu spaßen war. Lara sah die Welt mit ganz anderen Augen und glaubte Nathan. Das allerdings taten die Verfolger hinter ihnen auch und jagten sie nun durch die Nacht von Moskau. Es war spät am Abend und statt des geplanten Rückflugs nach England saß Lara noch immer hier fest. Die Lichter der Straßen erhellten die große, historische Metropole. Nur hatten die beiden nicht die Zeit gerade jetzt alles weitere davon zu sehen. Noch immer hatte keiner von den Männern eine Pistole gezogen und rannten ihnen nur hinter her. Das aber war nur eine Frage der Zeit und je mehr sie über die Straßen liefen - jeden Passanten aus dem Weg schubsten, der ihnen entgegen kam - da merkten sie, dass sie sich immer mehr außerhalb des Zentrums bewegten. Viele Autos fuhren in entgegengesetzter Richtung in die Stadt, während sich Lara und Nathan voller Kraft in die andere Richtung bewegten, dicht gefolgt von drei bis vier Männern. "Irgendeinen Plan?" warf die Brünette außer Atem nach Links und schaute in jene Richtung zu Nathan. Dieser blickte nur einmal kurz zurück, um zu sehen, wie weit die Kerle noch waren und schüttelte den Kopf. "Sieht schlecht aus." aber bevor Nathan schon die Hoffnung aufgab, fiel ihm ein rauschender Fluss auf. Die Strömung war stark, doch war das Wasser die Letzte Lösung um aus dem Sichtfeld der Männer zu entkommen, die immer weiter aufzuholen schienen. Er machte es kurz, zog Lara blitzschnell am Arm in die Richtung und rannte durch das Gestrüpp zum Fluss. Lara bemerkte sein Vorhaben und schaute zu ihm, bevor sie skeptisch einwarf: "Das Wasser ist eiskalt. Wir könnten erfrieren bevor wir wieder Land erreichen!" "Das ist der einzige Plan den ich im Moment habe. Können Sie gut schwimmen?" bei der letzten Frage fühlte sich die Brünette beinahe beleidigt, erwiderte jedoch nur zynisch: "Na wenn Sie meinen. Machen Sie sich um mich nur keine Sorgen, Nathan." Weitere Worte waren nicht nötig als die Beiden in vollem Tempo nach vor sprangen und in die Tiefe stürzten. Das kalte Wasser stach wie tausende Nadeln in ihren Körpern, sobald sie es berührt hatten und nun tief in diesem versanken. Dazu tat die Strömung ihr einiges, um es den beiden Überlebenden so schwer wie möglich zu machen, wieder an die Oberfläche zu gelangen. Die Dunkelheit verschlang beide, die Kälte zerrte an ihren Kräften und als Lara verzweifelt versuchte bloß nach oben zu schwimmen, kam ihr Überlebensinstinkt mit einem Schlag zurück. Alle Erinnerungen, die vergessen, verdrängt und zurück gestellt worden waren, kam so schnell zurück, dass Lara eine panische Angst bekam zu Ertrinken. Sie wollte nach oben, wollte Luft, Licht und Leben. Die Dunkelheit um sie herum machte es ihr jedoch umso schwerer. Ihre nasse Kleidung zog sie in die Tiefe, die Strömung machte sie müde und plötzlich machte ihr ein harter Schlag am Hinterkopf einen Strich durch die Rechnung, so dass die Dunkelheit an Oberhand gewann.
Nathan zog die junge Frau mit aller Kraft an Land. Ein mühsames Unterfangen, da er selbst am Ende seiner Kräfte war aber er konnte nicht leugnen, dass er sich um sie gesorgt, ja beinahe um sie geängstigt hatte, als sie ihm aus dem Blickfeld geraten war. Sie war es, die momentan wegen ihm in der Klemme saß und bei Gott, dass hatte sie nicht verdient. Sein schlechtes Gewissen war so groß und drückte ihm das Gehirn platt. Jetzt hatte er sie auch noch in solch eine Gefahr gebracht. Und so wie Lara vor ihm lag, hätte man meinen können, dass wirklich kein Leben in ihr steckte. Der Fluss hatte sie ein Stück weit getragen und als Nate es geschafft hatte, sich und Lara aus den Fluten zu bringen, war er kraftlos auf die Knie zusammen gebrochen. Vollkommen durchnässt, vor Kälte am zittern und fürs erste in Sicherheit, beugte er sich über sie und strich ihr die braunen Haarsträhnen aus dem Gesicht, bevor er anfing Lara eine Herzmassage zu geben. Wer wusste schon wie viel Wasser sie geschluckt hatte. Da war es dem Braunhaarigen mehr als egal, dass seine Zehen abfrieren würden. Er konnte und wollte es einfach nicht verantworten, sie auf dem Gewissen zu haben. Zögerlich senkte er seinen Kopf über ihr Gesicht und stoppte. Ihre Augen waren noch immer geschlossen, ihre Lippen gefährlich blau vor Kälte und das Warme Glänzen zunächst verschwunden. Er war sichtlich erstaunt, dass sie eingewilligt hatte, mit ihm nach dem Artefakt zu suchen. Und das nicht nur weil sie selbst im Fadenkreuz der Übeltäter war, nein er hatte ein Strahlen in ihren Augen gesehen. Und dieses Strahlen kam ihm nur zu bekannt vor. Der junge Mann öffnete ihren Mund für die Mund zu Mund Beatmung, als Lara unerwartete die Augen aufschlug und sein Vorhaben bremsen wollte: "Das haben Sie ja prima hingekriegt!" kritisierte sie ihn, um diese fremde Lage schnell vom Tisch zu kriegen. Wie vom Blitz getroffen zog sich Nathan schnell zurück, während Lara sich langsam aufrichtete und mit zwei Fingern die Stelle abtastete wo ihr Kopf am meisten schmerzte. "Wie kommt es, dass ich schon zwei Mal beinahe ums Leben gekommen wäre, nur weil ich mit Ihnen zu tun habe, Nathan?" "Alles in Ordnung?" fragte er stattdessen und überging ihre freche Frage. Lara nickte wortlos und wollte zur Bestätigung aufstehen. Nate war jedoch schneller auf den Beinen und half der unsicheren Frau wieder hoch, damit sie schnell einen besseren, vorallem Sicheren Ort zum ausruhen fanden.
Dies gestaltete sich trotzallem als eine harte Tortur, denn öfters blieben sie stehen, damit Lara eine Pause machen konnte. Ihr Kopf pochte wie verrückt und alles schien vor ihren Augen zu flimmern. "Scheiße ist das Kalt." fluchte Nathan schließlich laut heraus und da konnte Lara ein zustimmendes Schnauben abgeben. "Das können Sie laut sagen, Nathan." warf sie dann doch ein und er drehte den Kopf zu ihr. Sie zitterte am gesamten Körper, genau wie er, ließ sich dies jedoch nicht anmerken und schaffte es sogar nicht zu stottern. "Sagen Sie ruhig Nate zu mir." fast schon mechanisch und wie gewohnt, gab er seinen Spitznamen preis und brachte Lara dazu ihn wieder anzusehen. Ihre Braunen Augen waren voller Neugier, nicht die geringste Spur von Angst. Nein, sie war wirklich ein Artefakt für sich, welches Nathan über den Weg gelaufen war. Und ihre Stärke beeindruckte ihn. "Was haben Sie eigentlich in Moskau gemacht, Lara?" fragte er die Brünette, um die Stille zu unterbrechen, um das Thema zu wechseln und vor allem um mehr über sie zu erfahren. Lara dachte daran, als Sam ihr abgesagt hatte und konnte nicht glauben, wie viel Glück ihre Freundin gehabt hatte. "Ich wollte das Staatsmuseum besuchen. Eigentlich mit einer Freundin aber sie hat im letzten Moment abgesagt." "Ein Jammer wenn nicht jeder das selbe Interesse teilt, wie man selbst." offenbarte er ehrlich und Lara nickte zustimmend. Das war wirklich ein Jammer, denn mit Sam hatte sie niemals lange über Geschichten, Mythen und Sagen reden können. Lara fesselten diesen Themen nun mal viel zu sehr, als dass sie dies einfach ablegen konnte. Und daran hatte ihr Vater einen großen Teil beigetragen. "Na ja, vielleicht ist es auch besser so. Ich beschäftige mich gern allein damit." "Ach ja? Dann muss ich aber sagen, dass wir etwas gemeinsam haben, Lara."

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"Also," ein Mann mit breitem Russischen Akzent, erhob das Wort und blickte missbilligend auf seine beiden Geiseln herab, die an Stühlen festgebunden, Rücken an Rücken auf diesen saßen und dessen jegliche Chance genommen war, sich überhaupt zu bewegen. "Sie konnten also noch jemanden dazu überreden, nach der versteckten Uhr von Zar Alexander I. zu suchen, Mr. Drake. Wirklich schade um ein so hübsches Gesicht." Damit war Lara gemeint und als Nathan das hörte, riss er den zunächst hängenden Kopf nach oben, damit er den Widersacher in die Augen schauen konnte. "Sie hat nichts damit zu tun! Ich sollte das Artefakt finden, nicht? Lasst sie gehen und ich werde euch helfen." "Und dann leben wir alle glücklich bis an unser Lebensende. Hm," Der Blondhaarige Mann vor Nathan schnaubte spöttisch und stützte sich mit beiden Händen an seinen Spazierstock ab. Dieser Kerl war nicht mit den restlichen Männern neben und hinter ihm zu vergleichen. Seine angeheuerten Söldner gaben dem Mann im schwarzen Anzug Schutz, weiterhin seine Drohungen auszusprechen. Denn es war ihm in diesem Moment so ernst wie noch nie und er schalte sich selbst tausende Male, ausgerechnet einem Amateuer wie Nathan Drake vertraut zu haben. Dieser schaute ihn nun voller Wut an, doch sagte er nichts. "Sie sollten mich nicht zum Narren halten, Drake. Selbstverständlich wird ihre Freundin uns begleiten." Damit hatte Nate jedoch bedauerlicherweise gerechnet aber einen Versuch war es wert gewesen. "Sehen Sie es als eine Art Absicherung an. Im Morgengrauen werden wir aufbrechen und Sie haben die restliche Nacht Zeit weiter über ihr Engagement zu grübeln." Damit machte der Fremde einmal kehrt und ordnete seinen Männern den schroffen Befehl an, die Tür zu diesem Verließ gut zu bewachen. Kurze Zeit später waren sie schließlich allein. Erst jetzt spürte Nathan Reaktionen hinter sich und obwohl er sich nur schwer umdrehen konnte, drehte er seinen Kopf so weit möglich, bis sein Nacken schmerzte. "Nach dieser Geschichte bist du mir definitiv etwas schuldig, Nate." grummelte Lara als erstes und starrte noch immer die Wand vor ihr an. Der angesprochene lachte und schüttelte den Kopf. "Zuerst müssten aber einige Antworten genügen. Wer ist dieser Bastard und wie konnte er uns finden? Wage es ja nicht mir etwas zu verschweigen." Lara ließ ihn spüren wie wütend sie war. Nathan seufzte ergeben, denn natürlich hatte sie das Recht zu erfahren, wer sein geheimer Auftraggeber gewesen war. "Gregor Wladislav. Er hat mich auf die Spur gebracht und..." Der junge Mann machte eine Pause, da es ihm sichtlich schwer fiel weiterzusprechen. Lara ließ ihm ausnahmsweise diese Zeit. "...total verarscht. Als ich ihm in Moskau auf die Schliche gekommen bin - und dir begegnete - hat er versucht mich zu töten. Er macht nicht gerne Zeugen und da er uns wohl zusammen gesehen hat, dachte er sofort wir hätten eine Bindung. Dann haben sie dich auch noch auf der Straße erwischt und tja...den Rest kennst du ja." "Warum hast du mir nicht schon vorher von ihm erzählt?" Er hatte geahnt, dass Lara diese Frage stellte und nun hatte er keine Chance mehr auszuweichen oder das Thema gekonnt zu wechseln. "Spuck's aus, Nate." drängte sie ihn weiter. Es war komisch eine Konversation zu halten, ohne sich anzusehen, denn gerne hätte er jetzt ihren entschlossenen Gesichtsausdruck vor sich gehabt. Dann aber ganz schön unerwartet, hörte er sie schwer ausatmen und dann sprechen: "Schon gut. Erzähl' es mir später. Ich für meinen Teil möchte hier raus. Und du?" "Auf Jeden Fall." pflichtete er enthusiastisch bei und begann den Kopf in jede Richtung zu drehen, irgendwas brauchbares zu finden, was ihnen helfen konnte. Dasselbe machte Lara, dessen innerer Überlebensinstinkt sie wie wild antrieb. Auf dem Boden lag viel Papier, viele Zeitungen aber nicht einmal eine Nadel war zu entdecken. Die Brünette wollte schon aufgeben und sich etwas anderes ausdenken, da fiel ihr die Idee wie Schuppen von den Augen. "Nate." flüsterte sie zischend an ihren Hintermann gewandt. "Spiel gefälligst mit!" "Was..." Doch weiter kam er nicht, denn da schnitt ihm Lara laut das Wort. "Oh mein Gott! Verflucht nochmal!" Das brachte den jungen Mann dazu sich sichtlich Sorgen um das Benehmen der Engländerin hinter ihm zu machen. Er riss die Augen weit auf, glaubte kaum dem Spektakel welches sich ihm bot. "Bitte! Helfen Sie mir!" Zur Bekräftigung ihrer Lage begann Lara im Stuhl hin und her zu zappeln. Ihre Arme die hinter ihrem Rücken zusammen gebunden waren, schmerzten tierisch, doch war dieses Detail ertragbar. "Hilfe!" Und Tatsache. Hinter der Tür begann sich etwas zu bewegen und kurze Zeit später, riss jemand diese auf. Ein stämmiger Mann in Söldneruniform, dazu noch bewaffnet, blickte im Raum umher und suchte nach der Ursache des Lärms. "Was ist hier los?" brummte er und ging hinüber zu Lara. "Bitte, ich habe solche Schmerzen." jammerte Lara weinerlich, spreizte ganz sachte ihre beiden Schenkel und blickte hinauf zu dem Mann. Er zuckte nicht mit der Wimper als er direkt vor ihr stand und sich zu ihr bückte. "Was schmerzt?" "Meine Hände. Können Sie einer Lady nicht diese Lächerlichen Seile abmachen?" Auf diese Frage schüttelte der Söldner den Kopf und Nate meldete sich zu Wort: "Kein Wunder, dass du keine Frau abekommst und stattdessen hier unten verrottest, Kumpel." Das gab bloß ein weiteres Knurren auf Russisch und da versuchte es Lara mit aller Unschuldigen Art, die sie aufbringen konnte, obwohl sie sich vollkommen lächerlich dabei vorkam. Es war definitiv gegen ihre Natur, sich so klein zu begeben. "Ich wette Sie sind ein Gentleman. Sehen Sie, dieser Mistkerl hinter mir hat mich in diese Misere geritten!" "Hey!" protestierte Nathan sofort, doch bekam er seitens des Söldner keine Beachtung, denn die galt ganz allein Lara. "Sie haben Ihre Waffe. Ich habe nichts, also geben Sie mir wenigstens die Gelegenheit nur einmal meine Arme zu strecken. Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar." Und beinahe hätte es sogar Nate abgekauft. Sie war verdammt gut. Gut genug um den Mann zu überzeugen, ihr tatsächlich die Handgelenke frei zu machen. Während sich dieser über Lara's Schulter bückte - ganz ohne Hintergedanken, natürlich. Ironie lässt grüßen! - ließ er sich Zeit und genau dass wurde ihm zum Verhängnis. Seine vollkommene Ablenkung nutzte Lara aus und trat mit dem Fuß heftig zwischen seine Beine, natürlich dann, als ihre Hände endlich befreit waren. Der Söldner krümmte sich vor Schmerz auf den Boden und bevor er irgendwas tun konnte, trat ihm Lara mit dem Fuß ins Gesicht und setzte ihn außer Gefecht. Die Brünette ging hinunter zu dem Mann am Boden und durchsuchte aus reiner Gewohnheit seine Taschen. Ein Räuspern hinter ihr, ließ sie umdrehen. "Könntest du vielleicht..." Nate ließ den Satz in der Luft hängen. Doch was er bekam war lediglich ein Grinsen ihrerseits, bis sie wieder aufstand und ihm die Seile mit einem Messer aufschneidete. Dies war nur eines was sie dem Söldner geklaut hatte. Denn es gab noch mehr. "Lass Mal sehen." forderte Nate sie auf und Lara reichte ihm eine Karte in die Hand so wie eine MP 5, die noch volles Magazin besaß. "Was ist das?" Die Karte sah auf den ersten Blick völlig suspekt aus. Doch war schnell klar, dass dies ein Lageplan des Gebäudes war, in dem sie drin steckten. Das Areal war groß nur war leider nicht markiert, wo jegliche Söldner stationiert waren. Lara seufzte. "Wir sind wohl mitten im Wespennest gelandet." "Oh ja." Nickte er zustimmend, bis ihm etwas ganz anderes einfiel. "Sag Mal, wo hast du gelernt so zu zutreten?" "Ich habe dir doch gesagt: Du kennst mich nicht, Nate. Es gibt vieles was du nicht über mich weißt." Nicht im geringsten entmutigt erwiderte ihr Gegenüber: "Das kann man aber ändern." Lara schaute verlegen fort, als ihre Mundwinkel zuckten. Statt ihm zu antworten - so stimmte sie ihm jedoch nur zu - ging die Brünette zur Tür ihres Verließ und öffnete sie einen Spalt, damit sie hinaus spähen konnte. "Okay," Nach ihrer kurzen Analyse drehte sich Lara wieder zu Nate um. "Niemand zu sehen. Komm' schon!" "Na klar, Lara. Ich bin direkt hinter dir." erwiderte er daraufhin, in einem ganz anderen Ton, den Lara jedoch vergeblich zu ignorieren versuchte.

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"Hier!" Lara riss ihren Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam und fing gleich darauf ein Gewehr auf, welches ihr in diesem Gefecht sehr zum Nutzen war. Sie nickte dem jungen Mann zu und eröffnete ebenso das Feuer auf ihre Gegner. Und so gut, wie sie eben mit dem Bogen traf, traf die Aristokratin noch besser mit einer Knarre in der Hand. Sie zielte gekonnt und erledigte die meisten mit nur einem Schuss. Gleichzeitig aber blieb sie in Bewegung und nutzte jede Möglichkeit um in Deckung zu gehen. Das war in der großen Lagerhalle recht gut möglich, wenn man die großen Container schlau genug als Deckung nutzen und dann aus dem Hinterhalt agieren konnte. Nate war überaus beeindruckt, was die Junge Frau drauf hatte und wunderte sich umso mehr, wovor Lara überhaupt Angst hatte.  Sie wirkte so gefasst und unbeeindruckt von der Schießerei, so dass es ihm beinahe so vorkam, als langweile sie sich. Lara allerdings wusste nur eins: Sich zu retten. Entweder hielt sie still und ließ sich von dem ein oder anderen Söldner töten oder aber, sie griff an und schlug zurück. Mochte es eine schwere Vereinbarung mit ihrem Gewissen sein, wollte sie diejenige sein, die am Ende überlebte. Schließlich wollte Lara diesen Mistkerlen, den Sieg auf keinen Fall gönnen. Nicht hier und auch nicht auf Yamatai. Zuerst war die Konfrontation mit dem Tod eine Grauenhafte Sache gewesen und nur schwer hatte sie die Dinge akzeptiert, wie sie nun einmal waren. Ihr erster Mord basierte schließlich darauf, dass ein verrückter Bastard, sie beinahe getötet und vergewaltigt hätte. Nur durch ihre Entscheidung zu überleben, musste sie töten. Es war ein schmaler Grat gewesen und eine andere Wahl hatte es nicht gegeben. Lara hatte es trotzdem angenommen. Sie ließ dass Gefühl vorbei ziehen und konzentrierte sich auf das wichtigste. Zusammen mit Nate rannte sie davon, als die meisten ihrer Gegner am Boden lagen. Es musste ein Ausgang gesucht werden. "Los! Weg hier!" Lara warf das verbrauchte Gewehr fort, als wäre es nichts und lief hinüber zum halb geöffneten Tor. War es entweder Absicht oder Dummheit ihres Widersachers, dass sie ihnen diesen Spalt zur Freiheit gönnten? In diesem Moment aber nutzten beide jede Gelegenheit und rollten sich beinahe synchron unten hindurch nach draußen. Es war kalt. Lara rieb sich kurz die Arme und schaute sich um. Sie trug noch immer die gleichen Klamotten wie am Vortag, also jene grüne Winterjacke, mit Pelz an der Kapuze und eine Jeans, zusammen mit gemütlichen Stiefeln an den Füßen. Und ihr war trotzdem kalt. Die Luft, die sie aus dem Mund ausstieß, wurde sofort zum nebligen Hauch der Kälte. "Lara!" zischte Nate plötzlich warnend und die Brünette schaute zu ihm. Dieser war längst in Deckung hinter einem großen Lastwagen gegangen, als aus der Ferne großes Licht von Scheinwerfern eines Autos auftauchten. Lara begriff schnell und kniete sich neben ihn. "Wir schnappen uns das Auto und dann nichts wie weg." beschloss Nathan und begutachtete die Lage. Das Auto war einige Meter vor ihnen zum stehen gekommen, auf der anderen Seite der großen Lagerhalle. Die Lichter erschloschen nicht, sondern blieben an, als ob das Auto jemanden erwartete. Gregor Wladislav war derjenige, der sich jedoch immer noch nicht blicken ließ. Als Nate sich sicher war, dass wirklich niemand mehr heraus kam - was ja wohl daran lag, dass die beiden schon ihr übriges getan hatten - erhob er sich und schlich einmal herum zum schwarzen BMW. Der Fahrer, der die ganze Zeit gewartet hatte, hatte keine Chance mehr zu reagieren, als er von Nathan unerwartet, einen Kopfschuss per Pistole bekam. Dieser riss die Leiche ohne Hemmungen aus dem Auto heraus und gab Lara ein Zeichen, dass sie kommen sollte. Die Brünette setzte sich sofort in Bewegung und nahm auf dem Beifahrersitz platz, so dass der junge Mann einmal wenden und dann kräftig aufs Gaspedal treten konnte. "Noch kein Zeichen von Gregor." murmelte Lara mit Unbehagen in der Stimme. Sie traute dem Frieden nicht und erst gar nicht dieser leichten Flucht. "Bestimmt hat er..." Als Nate gerade zu einem Scherz ansetzen wollte und dabei bereits ein amüsiertes Grinsen im Gesicht hatte, wurde er jäh von einem lauten Getöse unterbrochen. Lara drehte sich um und entdeckte am dunklen Himmel einen Hubschrauber, der ihnen gefährlich schnell hinter her flog. "Hast du mal einen Helikopter abgeschüttelt?" Noch immer drehte sich die Aristokratin nicht um und öffnete stattdessen das Fenster, damit sie hinausschauen konnte. Das war kein gewöhnlicher Hubschrauber, der angebraust kam. Es war eines der Modelle, die der Armee gehören konnten. Wie ein gefährliches Monstrum näherte er sich immer mehr und Lara nahm deutlich die beiden Gestalten im Cockpit wahr. Das musste Gregor sein. Besagter Gregor holte seine eigene Pistole heraus und noch bevor er anfing zu schießen, zog Lara den Kopf schnell zurück. "Gib Gas, Nate!" zischte sie und sank in den Sitz zurück, als der Fahrer jenes tat. 200 km/H und noch immer hing der Helikopter dicht hinter ihnen. Zum Glück für sie, war die Straße lang und eine ganze Weile ging es gerade aus. Das warf gleichzeitig die Frage, wo zur Hölle Gregor die beiden verfrachtet hatte. "Hast du eine Ahnung wo wir sind?" sprach Nate schließlich die Gedanken laut aus. Lara überlegte. Nein, in dieser Gegend kannte sich die junge Frau definitiv nicht aus. Sie schüttelte ahnungslos den Kopf. Es wäre wirklich nicht schlecht, wenn sie jetzt an ein Telefon heran kämen. Noch besser wäre natürlich ein GPS Gerät. Daraufhin begann Lara im Handschuhfach zu kramen, soweit das bei Nate's Fahrstil möglich war. Er wich den Schüssen von Gregor ständig aus und wunderte sich wonach Lara wohl suchte. "Aha!" machte diese dann als sie etwas gefunden hatte. Ein GPS war es, was Lara dann zu Tage förderte und sofort anschaltete. Im nächsten Moment machte das Auto eine scharfe Bremsung. Nate drehte das Lenkrad und machte daraus eine heftige Wendung. Das Auto fuhr brausend weiter, während Lara immer noch tippte. Das dünne, flache Gerät war per Touchscreen bedienbar und erinnerte an ein flaches, viel zu großes Iphone. "Verdammt," fluchte sie jedoch hinaus. "Es funktioniert nicht!" "Was? Dann hast du was falsch gemacht." Auf diese Provokation zischte Lara sofort: "Ich sage; das. Ding. Funktioniert. Nicht." "Oh nein." warf Nate zurück, denn das Problem des GPS war noch weit aus geringer, als das was sich vor ihnen abspielte. Noch mehrere Meter entfernt war eine Straßenblockade von mehreren Autos, genau jenem Typ in dem sie saßen, errichtet worden. "Mist!" fluchte der Braunhaarige weiter, als er erkannte, dass sie weiterhin in die Blockade rasten. Daraufhin ergriff Lara das Lenkrad, zog es kräftig in ihre Richtung, so dass das Auto beinahe schleuderte. Allerdings fuhr es nun direkt nach Rechts in eine schmalere Straße hinein.

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"Also, das kann doch kein Zufall sein." stieß Nathan verblüfft aus. Lara kam um den Wagen herum, auf seine Seite. Sie legte eine Karte auf die Motorhaube und breitete sie komplett aus. Die Nacht neigte sich dem Ende zu und aus der Ferne war bereits helle Morgensonne zu erkennen. Die Karte war hilfreicher als das GPS gewesen und hatte sie hier her ins nirgendwo in einen Wald geführt, wobei vor ihnen nichts außer einem alten Denkmal stand. Es war eine uralte Figur eines Mannes auf einem Pferd, die hier auf der Karte jedoch auch eingezeichnet war. Das hieß, dass diese Statue eben nicht so bedeutungslos war, wie sie vermuteten. "Siehst du," Lara deutete mit dem Finger auf die Stelle, wo sie sich ungefähr befanden, die außerdem mit einem Kreis umkringelt worden war. Nate warf skeptisch einen Blick darauf. "Wir sind hier richtig. Ich glaube, wir müssen uns umschauen." Sie hob den Blick und schaute ihn an. Seit Stunden schaute sie den jungen Mann erst richtig wieder an und als die winzigen Sonnenstrahlen auf sein Gesicht trafen, zog er reflexartig die grauen Augen zusammen. Lara gab zu, dass er so schlimm wie anfangs gedacht, gar nicht war. Sie sympathisierte mit ihm und irgendwie hatten sie sich in vielen Situationen tapfer geschlagen. Zu beginn hielt sie ihn für arrogant und glaubte, dass er ein riesiges Großmaul war. Nur Stück für Stück hatte er ihr die Wahrheit über Gregor erzählt und noch immer glaubte Lara, dass er noch viel mehr verbarg. So ein Dickkopf. Sie schüttelte den Kopf, um ihn frei von ihren Gedanken zu bekommen, doch natürlich fiel es dem jungen Mann auf. "Was ist?" "Schauen wir uns dieses Denkmal genauer an." Die Aristokratin drehte sich um und tat sofort das, was sie am meisten begeisterte. Gewohnt und gelernt untersuchte sie das alte Kunstwerk, was deutlich zu signalisieren versuchte, dass irgendwas versteckt war, in diesem Gebiet. Sie ging einmal herum, strich mit ihren Händen über das alte Gestein. Blätter fielen von den Bäumen, oder wurden von ihr fortgestrichen. Konzentrier' dich, spornte sie sich in Gedanken an. "Aha!" stieß sie schließlich erfolgreich aus und begann mit der Hand an winzigen Gravierung zu streichen, zu drücken bis ein merkwürdiges Geräusch ertönte, das selbst Nathan's Aufmerksamkeit erregte. Bisher hatte er bloß zugeschaut, Lara dabei zugesehen, wie sie neugierig und fasziniert das Gebilde inspiziert hatte. Diese Faszination hatte er so, bei niemanden zuvor gesehen. Nun, außer bei sich selbst vielleicht. Aber Lara war anders und ihm gefiel die junge Frau viel zu sehr. Sie war selbstbewusst, gefasst und was sollte er schon sagen? Sie war hübsch. Diese langen, braunen Haare...wie musste sie wohl aussehen, wenn sie offen waren? Lara bekam von all den Gedanken jedoch nichts mit, weil das Spektakel vor ihren Augen weitaus interessanter war. Die beiden Abenteurer konnten fasziniert und sprachlos mitansehen, wie die Statue von ganz alleine anfing leicht zu beben und sich dann mit bröckelnden Geräuschen zur Seite schob. "Hm," machte Lara amüsiert und blickte in das freigewordene Loch hinein. "Ziemlich dunkel hier drin." Eine winzige Treppe führt hinab ins Unbekannte und zu groß war die Verlockung einfach hinein zu spazieren. "Hat mich nie aufgehalten." meinte Nate locker und kam zu ihr. Lara erwiderte ähnliches: "Ist doch nur..." Sie blickte noch mal hinunter ins dunkle. "Eine Gruft." Danach bekam sie einen trockenen Hals und wollte selbstverständlich voraus gehen. Denn es war der Reiz, die Neugier, die sie wie üblich antrieb. Da ignorierte sie die Tatsache, dass die Treppe wirklich tief hinab in eine uralte Gruft führte. Ihre Hände kribbelten jedoch vor purer Ungeduld. Sie setzten hier tatsächlich einen Fuß rein, vor Gregor und seinen Schergen.

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Lara zog den Reißverschluss ihrer Jacke auf und nahm die Kühle Brise willkommen. In der Gruft waren sie beide nicht nur auf jede Menge Fallen gestoßen, sondern traten nun in einen unterirdischen Tempel hinein, der Abertausendjahre alt sein musste. Die Luft war hier unten merkwürdig warm, so dass Nathan wenig später das gleiche tat und seine Winterjacke komplett auszog. Erst jetzt fiel der jungen Aristokratin sein Ring auf, der an einem Band um seinen Hals hing. So neugierig wie sie eigentlich war, ließ sie es sich jedoch nicht anmerken. "Hübsch. Ein Geschenk von einer deiner Verehrerinnen?" Nathan lachte und schüttelte den Kopf, als er den Ring reflexartig mit einer Hand umschloss. Doch Lara wollte gerne einen Blick darauf werfen und streifte seine Hand neugierig beiseite. Der junge Mann ließ es geschehen, dass sie direkt vor ihm stand und sein Ego, sowie sein Selbstvertrauen hieß diese Situation bloß willkommen. Er hatte etwas womit er doch noch glänzen konnte! Seinen Legendären Vorfahren! Wie konnte er das bloß vergessen. Lara nahm den Ring derweil in ihre Hand und drehte ihn von allen Seiten. "Sic parvis magna." nuschelte sie erstaunt und hob die Augenbrauen. Aus reiner Gewohnheit wollte er es ihr übersetzen, als dann Lara jedoch zeitgleich genau das selbe tat, war er beeindruckt. "Großes aus kleinen Ursprüngen." Und natürlich kann sie auch Latein, dachte er für sich und wollte ihr erklären, woher er den Ring hatte. "Gehörte ursprünglich einem Verwandten von mir." "Ach ja?" Er sah wie sie ein neugieriges Funkeln in den Augen bekam und deutlich zu machen schien, er solle weitererzählen. "Genauer gesagt, gehörte es Sir Francis Drake." "Ein so großer Entdecker soll dein Vorfahr gewesen sein?" Lara lächelte belustigt, wollte es nicht ganz glauben. "Ist diese Vorstellung etwa so abwegig?" fragte er, beinahe empört darüber, dass sie tatsächlich zweifelte. Die Brünette schaute nach oben und erwiderte seinen Blick. In die grauen Augen, in die sie diesmal blickte strotzten vor Selbstvertrauen und nur zu gerne bereitete es ihr daher Freude ihn so zu provozieren. Die zurückgezogene, vorsichtige, junge Frau war überrascht, was für einen riesigen Wandel sie durchgemacht hatte und dass ihr diese Freude - oder Freude überhaupt - nach einem so schlimmen Erlebnis überhaupt noch vergönnt war. Sie war wieder unterwegs, wieder wurde sie gejagt und verfolgt, wegen einem Artefakt. Und seit langer Zeit fühlte sie keine Angst. Sie fühlte Stärke und die war kaum zu beschreiben. Lara fühlte sich gefasst und entschlossen, sie war sich sicher, diesem Gregor auf keinem Fall das Feld zu überlassen. Denn jetzt reizte sie das gesamte Abenteuer und zu tief steckte sie nun mit drin. Sie konnte nicht aufgeben. Das war ein Satz, den sie sich gedanklich tausend Mal im Kopf zu schrie. Aufgeben kam also nicht in Frage. "Sehen wir mal was hier finden." Die Brünette drehte sich um, noch nicht mal ihren Satz zu Ende gesprochen und begann sofort sich umzusehen. "Und was war dein größter Fund bisher?" Lara hielt mitten in ihrer Bewegung inne und drehte sich wieder um. "Was meinst du?" "Du weißt schon was ich meine." erwiderte ihr Gegenüber überlegen. "Hm, ich glaube das war das hier." Nachdenklich griff sie zum Hals und zog das braune Band zurecht, bis ein grüner, runder Anhänger heraus blitzte. Warum sie ausgerechnet ihm, etwas so privates anvertrauen wollte, konnte Lara selbst nicht einmal erklären. Irgendwie schien sie den jungen Mann doch mehr zu mögen, als sie gedacht hatte. Auch wenn er Schuld an dieser Misere war, nahm sie ihm dieses Abenteuer ganz und gar nicht mehr übel. Und es gefiel ihr, dass sie tatsächlich einen Gleichgesinnten in ihm gefunden hatte, der jedoch genauso viel verbarg wie sie selbst. Auch in diesem Punkt, waren sie sich so ähnlich, dass man es kaum für möglich hielt. Lara trat also wieder an ihn heran und vergaß, dass sie eigentlich vorgehabt hatte vom Thema zu weichen. "Als Kind habe ich diesen Anhänger gefunden und ich war so stolz darauf, dass ich sofort zu jedem laufen und Bericht erstatten wollte." Die beißende Erinnerung an ihren geliebten Mentor und zweiten Vater namens Roth wollte mit einem Schlag ihre Offenheit und Freude zu Nichte machen. Denn auch ihm hatte sie ihren ersten Fund sofort gezeigt und lang und breit erzählt, wie sie ihn gefunden hatte. Die wundervolle Kindheitserinnerung wollte zerbrechen, als das grausame Bild von Matthias auftauchte, der Roth eine gefährliche Axt in den Rücken geschmettert hatte und nur weil sich jener schützend vor sie geworfen hatte. Noch immer sah sie das Gesicht des Mannes vor ihr, der ihr das Leben gerettet hatte und konnte nicht glauben, dass es ein Jahr her war. Lara schluckte tief und mit einem Schlag war sie wieder kühl und ernst. "Nicht schlecht. Hattest du auch Zöpfe, eine Schaufel und Eimer?" scherzte Nathan, doch er sah, dass sein Witz nicht gut aufgenommen wurde. Lara's leerer Gesichtsausdruck fiel ihm ungewöhnlich schnell auf und als er sich schon entschuldigen wollte, begann sie bereits damit, den Tempel zu erkunden. Na klasse. Der unausgesprochene Gedanke in seinem Kopf, wäre ihm ebenso fast von den Lippen gefallen, als er sich Lara anschloss und ebenso anfing sich umzusehen. Und das alte Bauwerk hatte es in sich. Woher diese Wärme kam, konnten sich beide nicht erklären aber was sie sofort anzog war selbstverständlich das erste Rätsel. Die Wände gaben es bereits preis, dass nichts ohne Grund in diesem Tempel so platziert worden war, wie es sollte. Lara fielen einigen Platten auf dem Boden auf und sofort tippte sie mit ihrem Fuß darauf. Die Platte senkte sich und von irgendwo hallte sogar der Mechanismus eines Tores wider, welches wohl geöffnet werden sollte. Die Brünette sah sich neugierig um, was nötig war um die Bodenschalter zu drücken. "Nate! Sieh dir das an." wandte sie an den Braunhaarigen und dieser eilte sofort zu ihr, um anzusehen, was Lara entdeckt hatte. Es war klar, dass etwas schweres auf die vier Platten geschoben werden musste. "Sieh mal die Statuen." Die Aristokratin schaute sich auf die Worte ihres Begleiters um und entdeckte tatsächlich zwei Statuen am Eingang, durch den sie eben noch gekommen waren. Derweil schien der Rest des alten Gesteins so leer zu sein und machte nicht den Anschein, etwas besonderes sei hier versteckt. Das war aber Keineswegs zu unterschätzen. Die beiden Abenteurer machten sich auf und begannen gleichzeitig die gleichgroßen Statuen auf die Bodenschalter zu schieben.

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Beide Abenteurer stiegen gleichzeitig eine brüchige Treppe empor, vollkommen hypnotisiert von dem Podest, welches direkt vor ihnen lag. Viele Wandfackeln erhellten den kleineren Teil des Untergrundtempels. Und ein Objekt war Grund der ganzen Aufmerksamkeit. "Nur nichts überstürzen." flüsterte Lara, die immer noch damit rechnete auf eine Falle zu treten. Ein Artefakt in greifbarer Nähe wie bei Indiana Jones konnte nicht ohne irgendeine Falle enden. Als sie es jedoch nach oben geschafft hatten und immer noch nichts geschehen war, war ihre Angst kein Stück kleiner geworden. "Ist das...Die Uhr?" Damit war das kleine, durchaus tickende Artefakt gemeint, welches direkt vor ihnen lag. Es erinnerte beinahe an einen uralten Kompass, war jedoch so edel und antik verziert, dass Lara sich sicher war, sie musste in die Zeit von Zar Alexander I. gehören. Es gab noch weitere kyrillische Zeichen an den Wänden, sahen diese jedoch noch etwas frischer aus, als die Uhr selbst. Jemand musste schon einmal hier gewesen sein. "Wir haben sie tatsächlich gefunden!" stieß Nathan euphorisch heraus und wandte sich an Lara. Diese realisierte das gesagte etwas später, konnte dann letztlich ein Lächeln zu standen bringen. Der Amerikaner war etwas enttäuscht über ihre zurückhaltende Reaktion. Er hatte wirklich damit gerechnet, das junge, freudige Mädchen in ihr wieder zuerkennen. Stattdessen hatte er beinahe das Gefühl, als dürfte sie sich nicht freuen. Es war also schon beinahe reflexartig, als er die junge Frau an der Hüfte hoch hob und sich einmal mit ihr im Kreis drehte. "Wir haben die Uhr, Lara!" vielleicht sprach da auch viel mehr seine Erleichterung mit, dass sich diese Verfolgungsjagd mit Gregor endlich dem Ende zu neigte. Lara war vollkommen überrascht von dieser völlig fröhlichen Art und wollte tatsächlich lachen. Sie wollte lachen. Das Lachen, was ihr im letzten Jahr eiskalt genommen worden war. Und als sie es tat, strahlten ihre Augen und dieses Funkeln erwärmte tatsächlich das Herz, des jungen Mannes. So etwas wunderbares hatte er noch nie gesehen. Das war echt und vollkommen real. Und wann traf man im Leben auf solche Menschen? Er hatte so etwas nie kennen gelernt. Wie denn auch? Wenn man keine Eltern hatte, im Heim aufgewachsen und auf den Straßen von Kolumbien gelandet war, wo sollte denn da Platz für wahre Freundschaft bleiben? Diese hatte der junge Abenteurer auch nur durch seinen Mentor Sullivan erfahren, der mehr als ein Freund, ja schon sein Vater war. Auch diese Freundschaft hatte viel mitgemacht, nur glaubte Nathan, dass es bei Lara etwas ganz anderes war. Und damit konfrontierte er zum ersten Mal etwas vollkommen neues. Ihre nussbraunen Augen mochten zwar strahlen aber weit dahinter waren die Traumata erkennbar und nur zu gern hätte er erfahren, was sie durchgemacht hatte, was sie so gebrochen hatte. Sie wirkte nicht schwach, eher das komplette Gegenteil davon. Aber wenn er diesen Blick las, wusste er wie viel sie zu verbergen versuchte. Zunächst beließ er es dabei, setzte sie wieder auf den Boden ab und überließ ihr das weitere Vorgehen. Lara ging einen Schritt zurück, noch immer lag ein Lächeln auf ihren Lippen und gerade als sie nach der geheimnisvollen Uhr greifen wollte, ließ sie mehreres Klicken von vielen Gewehren inne halten. "Also ich muss schon sagen, ich bin wirklich kein Mensch für ein Happy End." Die Stimme von Gregor hallte bedrohlich in der gesamten Umgebung wider und als die beiden sich umdrehten, erkannten sie, dass es keine Chance zum Entkommen gab. Eine Truppe Söldner zielte allesamt auf die Abenteurer und machte auch nur die kleinste Bewegung zunichte. Lara und Nathan hob ergeben die Hände und ließen Gregor zunächst reden. "Wissen Sie eigentlich, wer die Uhr von Zar Alexander I. noch gefunden hat, Miss Croft? Ich sage es Ihnen. Es war ein Mann den wir alle nur zu gut kennen. Sie kennen ihn unter dem Namen Lenin." Gregor trat weiter aus seiner Truppe von Söldnern heraus. "Er hat die Uhr gefunden und sie nicht benutzt. Er hat alle seine Begleiter getötet und hat diese Zeichen an die Wände geschrieben. Sie wissen sicher, was Sie bedeuten, nicht?" "Sie werden es uns doch gleich verraten, oder?" machte Lara gleichgültig. Der Russe schnaubte unbeeindruckt und stützte sich gerade mit beiden Händen an seinem Spazierstock ab. "Er verbietet jedem die Uhr zu benutzen. Die Zeit darf nicht verschoben werden. Aber stellen Sie sich nur mal vor, wenn wir sie zurück und vorwärts verschieben könnten! So vieles könnte ungeschehen gemacht werden." "Sie haben Sie doch nicht mehr alle." spottete Nate, doch erhielt er seitens Gregor nur einen boshaften Blick. "Ich hätte mich von Anfang an, an Miss Croft wenden sollen. Dann wäre mir einiges erspart geblieben." Er schüttelte den Kopf über sich selbst. "Ich habe einiges über Sie gelesen, Lady Croft. Vor allem über den Zwischenfall von letztes Jahr. Auf der Insel im Drachendreieck. Wirklich beeindruckend, dass Sie die verlorene Zivilisation von. Yamatai entdeckt haben." Über diese Information war Nate sichtlich erstaunt. Sein Kopf drehte sich nach Rechts zu Lara doch sie schaute nicht zu ihm. Ihr schien das Gesagte sehr zu missfallen, denn er konnte deutlich erkennen, wie angespannt sie wurde. Er selbst hatte einen Artikel über ein paar Überlebende gelesen, die von irgendeiner Insel gerettet worden waren, nur hatte ihn das an jenem Tag nicht wirklich interessiert. Jetzt aber schon, denn Lara war eine dieser Überlebenden. Und jetzt wusste er nur zu gut, wie sie sich fühlte und warum, sie so zurückhaltend und kühl war. Er war vollkommen erstaunt darüber, dass Lara sich nichts hatte anmerken lassen, denn nicht mal im Traum, wäre er darauf gekommen, sie sei auf einer Insel gestrandet gewesen. Was dort passiert war, wusste nur sie und zu gern, hätte er mehr davon erfahren. "Sie und noch wenige andere haben überlebt, nicht wahr?" "Halten. Sie. Den. Mund." knurrte Lara und atmete aus. Das schien Gregor vollkommen zu empören, denn damit hatte er nicht gerechnet, Nathan selbst nicht aber so wütend wie sie klang, sah sie auch aus. Lara biss die Zähne brutal aufeinander und fixierte Gregor mit einem Blick, der ihn schon hätte tausend Mal töten können. "Sie wissen gar nichts." Und urplötzlich ging alles ganz schnell. Ehe sich der Russe versah, drehte Lara sich um und griff nach der Uhr. Ein lautes Beben beherrschte die Halle zusammen mit ihren Worten: "Stopp!" Ein Lichtstrahl erschien, der von ihren Händen ausging und auf einmal war alles still, selbst das Beben hatte urplötzlich aufgehört. Lara öffnete die Augen, die sich kurz zuvor vor Schreck geschlossen hatten und sah sich um. Noch immer hier in dem Tempel aber etwas war geschehen. Die Zeit stand still und nichts und niemand bewegte sich, nicht einmal Nate. Gregor hatte den Mund geöffnet, doch kam nichts heraus. Die Söldner standen bewegungsunfähig da, zielten immer noch in ihre Richtung. Das war die Gelegenheit. Lara hetzte sich die Treppe nach unten bis sie vor Gregor stand. Auch wenn er sich nicht bewegte, starrte ihn die Aristokratin wütend an. Sie griff nach der erstbesten Pistole aus dem Gürtel eines Söldners, richtete sie zwischen die Augen ihres Widersachers und atmete ein. Ihre Hand kribbelte. Dieser Mann war und wäre weiterhin über Leichen gegangen, um seine Ziele zu erreichen. Es musste getan werden, was getan werden musste. Lara musste einem Ungetüm ein Ende bereiten. Wenn sie es nicht tat, wer dann? Sie war eine Croft. Und auch wenn die Welt ihr niemals dankbar dafür sein würde, einen Wahnsinnigen weniger auf der Welt zu haben, war es richtig was sie tat. Alle angestauten Gefühle wollten plötzlich an die Oberfläche kommen. Alles Unterdrückte, alles Vergessene kam hoch. Der laute Knall, der Pistole riss sie zurück in die Wirklichkeit. Gregor fiel noch immer mit offenem Mund zu Boden. Die Blutlache am Boden wurde groß, umgab den Mann als Lara die Pistole selbst einsteckte. Erst dann schaute sie auf ihre Hand. Die Uhr leuchtete immer noch. Ihr Blick wich zu den Söldnern, dann zurück zur Treppe, wo ihr Ziel immer noch bewegungsunfähig stand. Im Geiste völlig benommen, stolzierte sie diese wieder nach oben, blickte den Abenteurer an, obwohl er durch den Zeitstillstand immer noch an ihr vorbeischaute. Nicht einmal der beste Psychologe der Welt, hätte sie wieder so stark gemacht, wie er es getan hatte. Er mochte seine eigene freche Art haben aber das schätzte die junge Frau nur umso mehr an ihm. Das was sie glaubte niemals mehr zu können, hatte er möglich gemacht. Lara seufzte, legte Arm um ihn und ließ die Uhr ganz langsam aus ihrer Hand gleiten. Wie in Zeitlupe fiel diese zu Boden und zerbrach in Tausend Teile. Der Zauber verflog und in wenigen Sekunden war ein merkliches Aufatmen aller Beteiligten zu hören, die sich endlich wieder bewegen konnten und realisierten, dass Gregor tot war. Die Söldner senkten ihre Waffen und begannen ihren Auftraggeber von diesem Ort zu schaffen. Nate schüttelte benommen den Kopf und war überrascht, als er sah, dass Lara direkt neben ihm stand. "Was ist passiert?" fragte er vollkommen überfordert. Lara deutete auf den Boden, wo eine zersplitterte Uhr lag. "Es ist vorbei." Damit übersprang sie alle inneren Mauern und stellte sich auf die Fußspitzen, um dem jungen Mann einen Kuss auf die Wange zu geben. "Und wofür war der?" machte Nate perplex - auch wenn ihm das selbstverständlich nichts ausmachte - und schaute sie an. Statt einer Antwort setzte sich Lara vielsagend in Bewegung und wollte die Treppe wieder hinunter gehen. Sie lächelte belustigt als sie hörte, wie Nathan aus der Starre erwachte und Lara einzuholen versuchte. "Hey und warum läufst du weg, meine Hübsche?" warf er ihr verspielt nach, was die Brünette sogar zum Kichern brachte. Von der Gefahr befreit, gingen sie gemeinsam jenen Weg zurück, der sie hier her geführt hatte.

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"Nette Gesichte, Nate. Aber es wird wirklich Zeit, dass du deinen Arsch hieraus schaffst." beharrte Sully und verschränkte abwartend die Arme vor der Brust. "Du verstehst es nicht, oder Sully?" brummte der jüngere von Beiden unglücklich. "Und was bitteschön soll ich ihr sagen? Ich muss gehen, weil dort draußen das große Abenteuer wartet?" Nate schnaubte spöttisch. "Sie wollte mitkommen, Sully." "Hey, entweder sie oder ich." Das war Sullys endgültig  Antwort und egal was Nathan versuchte, der ältere blieb bei seinen Worten. Schwerenherzens ging der Braunhaarige wieder in das Hotelzimmer und steuerte direkt auf das Schlafzimmer. Lara schlief immer noch und nuschelte nur einige Worte im Schlaf. Noch nie war ihm eine Entscheidung so schwer gefallen, wie diese. Gedankenverloren zog er sich den Rot-weißen Pullover über den Kopf. Packte die wenigen Sachen, die er besaß in einen Rucksack und setzte sich noch ein letztes Mal auf das Bettende. Vielleicht sollte er ihr wenigstens einen Brief hinterlassen. Er kam sich bei dieser Vorstellung so schäbig vor, wie sonst etwas. Ein paar idiotische und einfallslose Zeilen sollte also genüge tun, dafür, dass ihm der Mut fehlte es ihr persönlich zu sagen? Prima, Nate. Als er den Zettel neben ihr auf die freie Bettseite legte, saugte er noch ein Mal und für immer das Bild der jungen und mutigen Frau auf, die ihm geholfen hatte, einer selbstverursachten Misere zu entkommen. Sie würde ihn hassen, das wusste er. Und sollten sie einander vielleicht eines Tages wiedersehen, hatte sie allen Grund ihm schlimmsten Falls eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Das traute er ihr wirklich zu und der Gedanke ließ ein trauriges Lächeln auf seinen Lippen erscheinen. Mit einer Hand griff er nach seinem Rucksack, ging zur Tür und schaute noch einmal zurück, bevor er seufzend, das Hotelzimmer verließ und sich ebenso daran erinnerte, ihr das Zimmer an der Rezeption zu bezahlen. So leise wie möglich schloss er die Tür und sah Sullivan nicht einmal in die Augen, als sie den Aufzug erreichten und damit nach unten fuhren. "Glaub mir, Junge." versuchte es Sully versöhnlich, doch bekam er nicht einen einzigen Funken von Nate's Aufmerksamkeit. Dieser hatte in Gedanken seinen Mentor verscheucht und hatte sich gerade wieder zu Lara gelegt um den Morgen gemeinsam mit ihr ausklingen zu lassen. "Es war besser so." war das einzige noch von Victor zu hören, der sich die nächste Zigarette in den Mund schob und kein schlechtes Gewissen über seine Aktion zu haben schien. Aber Nate wusste und ahnte es schon, dass er Lara noch lange nicht los war. Er konnte es versuchen so viel er wollte aber sah man sich immer zwei Mal im Leben.

THE END.