Leave it all behind

GeschichteSchmerz/Trost / P18
Ian Gallagher Mickey Milkovich
30.04.2015
30.04.2015
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Eigentlich sollte ich ja für die Prüfungen lernen oder zumindest mal meine andere Fanfiction weiterschreiben, ABER ich musste einfach zum Staffelfinale von Shameless etwas schreiben. Mir hat die Trennungsszene von Ian und Mickey so gar nicht gefallen, deshalb gibt es hier jetzt meine Version.

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Schweißgebadet wacht Mickey aus dem nächsten Albtraum aus. Er reibt sich die Augen und lässt seinen Blick durch sein Zimmer schweifen. Jedes Mal aufs Neue hofft er, dass Ian zurück ist, wenn er wieder aufwacht. Jedoch wird er jedes Mal enttäuscht. Als nächstes greift der Schwarzhaarige zu seinem Handy, doch auch hier kein Zeichen von Ian.
„Fuck“, flucht er und wirft sein Handy achtlos auf den Nachttisch.
Noch immer ist ihm viel zu warm. Mickey versucht die klebrigen Klamotten von seinem verschwitzten Körper zu lösen, aber es klappt nicht. Nur in Unterwäsche und einem ärmellosen Shirt bekleidet, geht er ins Wohnzimmer und schnappt sich seine Zigaretten, die auf dem Tisch liegen.

Der Glimmstängel gibt ihm wenigstens für einige Minuten die Ruhe, nach der er sich schon lange sehnt. Seit er weiß, dass Ian bipolar ist, konnte er kaum abschalten. Er hat immer versucht für ihn da zu sein, sich um ihn zu kümmern, aber es war nie genug. Immer wieder hat er Schelten und Zurückweisungen von seinem rothaarigen Freund kassiert und das obwohl er für ihn alles tun würde.
Gerade als es zwischen ihnen besser lief und sie endlich mal wieder Sex hatten, musste Ians Schwester Sammi dazwischen funken und ihnen wieder alles kaputt machen. Ian wurde von der Militärpolizei eingesackt und das alles vor Mickeys Augen. Als wäre das nicht schon Strafe genug ist Ian danach einfach mit seiner Mutter abgehauen, anstatt zurück zu Mickey zu kommen. Für den Schwarzhaarigen war das wie ein Schlag in die Magengegend. Er ruft ihn fast stündlich an, aber nie erhält er eine Antwort und wird sogar weggedrückt. Das macht ihn jedes Mal aufs Neue fertig.
Langsam beginnt die unerträgliche Hitze in Mickeys Körper nachzulassen, aber trotzdem kleben seine Klamotten überall. Eigentlich würde er sich am liebsten zurück ins Bett legen, dennoch zwingt er sich unter die Dusche. Das kalte Wasser auf seiner warmen Haut tut ihm verdammt gut.

Gerade mit einem Handtuch bekleidet, wird Mickey von seinem Bruder Iggy überrascht.
„Fuck, was willst du hier?“, flucht der Schwarzhaarige.
„Ich wohne hier, Vollidiot!“, gibt sein Bruder zurück, „Eigentlich wollte ich dich fragen, ob du mit ins Alibi kommst?“
„Na gut, meinetwegen“, antwortet Mickey nach kurzem Überlegen.
„Aber zieh dir was an!“, ruft Iggy als er Mickeys Zimmer verlässt.
„Fick dich!“, brüllt der Schwarzhaarige zurück und zeigt ihm seinen Mittelfinger.
Danach kramt er eine Jeans aus seinem Kleiderschrank. Dort herrscht ein wildes Chaos und seine Klamotten sind mit Svetlanas Klamotten, die sie zurück gelassen hat, total vermischt. Plötzlich fällt ihm das Hawaiihemd, das er in einem Koffer gefunden hat, in die Hände. Sofort muss er an Ians verschmitztes Grinsen denken. Ein wehmütiger Schmerz breitet sich in seiner Brust aus. Daraufhin stopft Mickey es zurück in den Schrank und nimmt stattdessen ein graues T-Shirt, das schon etwas zerlöchert ist, aber das ist ihm egal.

Kaum haben die beiden an der Theke Platz genommen, stellt Kev ihnen auch schon das erste Bier hin. Innerhalb weniger Minuten hat Mickey es leer getrunken und verlangt nach einem Neuen. So geht das den ganzen Nachmittag und Abend lang, auch härterer Alkohol wie Whiskey fließt. Mit jedem Schluck versucht er Ian zu vergessen, aber es wird nur noch schlimmer.
Iggy hat schon längst das Alibi wieder verlassen und ist nach Hause gegangen. Mickey ist mittlerweile ziemlich betrunken und Kev will ihm auch ungern noch mehr Alkohol geben.
„Mick, geh doch endlich nach Hause. Ich habe von der Sache mit Ian gehört, aber Alkohol in sich hinein zu kippen, bringt doch auch nichts“, meint Kev.
„Ach, fick dich! Dann gehe ich eben dahin, wo ich gewollt bin“, lallt Mickey wütend.
Dann steht er auf und greift nach seiner Jacke. Er braucht einige Versuche bis er sie endlich angezogen hat.
„Hey man, ich habe das doch gar nicht so gemeint“, ruft Kev, doch er erhält von Mickey nur einen Mittelfinger.

Planlos lässt der Schwarzhaarige seinen Blick durch die Gassen schweifen. Gegenüber vom Alibi steht eine junge Frau mit natürlich roten Locken. Sie zieht an ihrer Zigarette und lächelt Mickey an als sie bemerkt, dass er sie ansieht. Kurze Zeit darauf kommt sie auf ihn zu und mustert ihn. Auch wenn Mickey eigentlich nicht auf Frauen steht, bleibt er und lächelt sogar leicht. Das muss der Alkohol sein.
Die roten Haare gefallen ihm, die helle Haut und die Sommersprossen auch. Er ist erst durch Ian darauf gekommen, aber irgendwie ist er bei diesem Typ geblieben.
„Hast du schon was vor?“, fragt sie dann direkt und spielt dabei mit einer ihrer Locken.
„Nein“, antwortet der Schwarzhaarige trocken.
„Warum gehen wir dann nicht zu dir und haben etwas Spaß zusammen?“
Mittlerweile ist die Rothaarige in Mickeys Komfort-Zone eingedrungen und streicht ihn mit den Händen sanft über den Bauch unter seiner Jacke. Mickey ist kaum von ihr angeturnt und trotzdem setzt er sein verschmitztes Sexgrinsen auf und nimmt sie mit nach Hause.

Mickey wohnt nur zwei Blocks vom Alibi entfernt und trotzdem brauchen sie eine Ewigkeit für den Weg. Er hat sich wirklich in Sachen Alkohol übernommen und muss deswegen hin und wieder eine Pause einlegen, weil ihm schwindelig ist. Die rothaarige Frau scheint kaum bis gar keinen Alkohol getrunken zu haben. Sie stört sich nicht daran, dass Mickey ein betrunkenes Wrack ist.
Als sie bei ihm ankommen, läuft der Fernseher und Terry liegt schnarchend auf der Couch. Mickey stolpert über mehrere Dinge, die auf dem Boden liegen. Es rumpelt ziemlich laut und beide bleiben für einen Moment erschrocken stehen, doch Terry scheint es nicht zu stören. Er dreht sich um und schnarcht weiter.
Der Schwarzhaarige führt die Frau in sein Zimmer. Es dauert keine fünf Minuten bis sie Mickey auf sein Bett stößt und sich auf ihn wirft. Sie küsst ihn überall im Gesicht und am Hals. Mickey erwidert dies kaum, aber das scheint sie nicht zu kümmern. Sie zieht ihm die Jacke aus und das T-Shirt über den Kopf. Auch sie selbst streift ihren Mantel ab und zieht das enge Tanktop aus, so dass sie oben ohne auf ihm sitzt. Dann küsst sie ihn weiter am Hals entlang.
„Wie heißt du überhaupt?“, haucht sie in sein Ohr.
„Mickey“, antwortet er.
„Gut Mickey, ich werde dich jetzt verwöhnen“, sagt sie grinsend und rutscht von ihm herunter, so dass sie an der Bettkante kniet. „Ich bin übrigens Elena“, fügt sie hinzu.
Mit Leichtigkeit öffnet sie Mickeys Gürtel und streift seine Jeans herunter, so dass er nur noch seine Boxershorts trägt. In seinem Schritt hat sich kaum was getan. Es ist schwer für ihn bei Frauen hart zu werden.

Zunächst streicht Elena ihm mit ihren geschickten Fingern über den Schritt, bevor sie ihre Hand unter den Bund gleiten lässt und seinen Penis pumpt. Dadurch wird er immerhin halb hart, aber damit ist Elena keinesfalls zufrieden. Fast ruppig streift sie ihm die kompletten Boxershorts ab und Mickey gibt nur ein genervtes Knurren von sich.
Im nächsten Moment spürt der Schwarzhaarige auch schon sanfte Lippen um seine Eichel. So gut es geht versucht er an Ian zu denken, doch es will nicht klappen. Er wird einfach nicht richtig hart. Elena bläst ihn eine gefühlte Ewigkeit. Sie versucht verschiedene Techniken, harte wie sanfte, aber Mickey ist nicht wirklich von ihr angeturnt.
„Hast du öfters solche Probleme?“, fragt die Rothaarige vorsichtig.
Mickey setzt sich auf und sieht sie mit einem leeren Blick an.
„Nein, fuck keine Ahnung was mit mir los ist“, gibt er genervt zurück.
„Bestimmt liegt es am Alkohol. Auf was stehst du? Vielleicht kann ich dich anders beglücken“, schlägt sie vor und beißt sich leicht auf die Lippen.
„Anal“, sagt der Schwarzhaarige nur.
„Okay, kein Thema!“

Elena steht auf und zieht nun auch ihre Hose aus. Sie steht komplett nackt vor Mickey, aber für ihn ist sie nichts Besonderes, obwohl sie einen flachen Bauch, einen tollen Hintern und große Brüste hat. Erneut drückt sie Mickey mit ihrem Körper in die Matratze. Sie streicht ihm sanft übers Gesicht und macht mit ihrem Zeigefinger Halt auf seinen Lippen.
„Mach ihn mir feucht“, haucht sie ihm ins Ohr.
Mickey tut ihr den Gefallen. Vorsichtig führt Elena den ersten Finger ein und weitet ihr Loch. Sie macht das nicht zum ersten Mal, dennoch ist es ein komisches Gefühl für sie. Mickey achtet dabei die ganze Zeit auf ihr Gesicht. Als sie den zweiten Finger einführt, verzieht sie leicht ihr Gesicht, doch das Gefühl wandelt sich schnell in Lust um. Während sie sich dehnt, streicht sie Mickey immer wieder über die Brust und spielt mit seinen Nippeln. Damit kann sie ihm hin und wieder ein Stöhnen entlocken, aber nur weil Ian ihn damit ab und zu in den Wahnsinn getrieben hat.

Elena merkt, dass Mickey langsam auf sie anspringt. Sie will ihn endlich in sich spüren.
„Hast du Gleitcreme, Vaseline oder so?“, hakt sie nach.
In einer schnellen Bewegung dreht Mickey sich um, sodass die Rothaarige unter ihm liegt. Ohne zu gucken wandert seine Hand zur Schublade im Nachttisch. Er holt die Creme und ein Gummi heraus. Nun legt der Schwarzhaarige selbst Hand an, um sein bestes Stück endlich hart zu bekommen. Auch wenn er betrunken ist, mit seinen flinken Fingern und ein paar versauten Gedanken, kommt er schnell an den Punkt wo er hin will.
Er braucht ein paar Anläufe, um die Verpackung des Kondoms aufzubekommen. Er stülpt es sich über und positioniert sich vor Elena.
„Auf den Bauch und Arsch nach oben!“, weist er sie ruppig an.
Elena kommt seiner Anweisung nach. Dann packt der Schwarzhaarige sie an der Hüfte und dringt in sie ein. Elena gibt ein schmerzhaftes Stöhnen von sich. Trotzdem gibt Mickey ihr kaum Zeit sich an das Gefühl zu gewöhnen. Die Rothaarige krallt ihre Finger in das Kissen unter ihr und wartet ab bis der Schmerz langsam nachlässt.

Irgendwann turnt sie dieser sanfte, ziehende Schmerz sogar an. Ihre rechte Hand wandert zwischen ihre Beine und sie beginnt ihre Klitoris zusätzlich zu stimulieren. Mickey stößt weiterhin mit einem gleichmäßigen harten Rhythmus zu. Er hatte schon viel besseren Sex, aber Befriedigung wird ihm diese kleine Nummer sicherlich geben.
„Mickey!“, ruft Elena und setzt sich auf, nach wie vor mit Mickey Penis in ihrem Hintern.
„Was ist?“, brummt er genervt.
„Wir sind hier schon eine Weile und ich muss mal“, gesteht sie.
Der Schwarzhaarige verdreht die Augen und zieht seinen Schwanz heraus. Er war fast soweit.
„Die linke Tür“, sagt er dann nur.
Elena greift nach einer Decke und bedeckt damit die wichtigsten Stellen bevor sie ins Bad verschwindet.

Es dauert nicht lange bis Mickeys Penis erschlafft und die Gedanken an Ian zurückkommen. Er lässt seinen Blick durch sein Zimmer schweifen. So viele Dinge hier erinnern ihn an Ian. Er bleibt bei einem Foto von Ian hängen, dass er sich zuletzt an die Wand gehängt hat. Als sie noch kein richtiges Paar war und Mickey sich nicht geoutet hat, hat er dieses immer in einem seiner Männerzeitschriften im Bad versteckt. Vor ein paar Jahren hat er es heimlich von Mandy gestohlen. Auch wenn die beiden viele Bilder zusammen haben, wird dieses immer sein liebstes bleiben.
Kurz darauf kommt Elena zurück. Sie lässt die Decke achtlos von ihrem Körper fallen und will da weiter machen, wo die beiden aufgehört haben. Plötzlich schlägt Mickeys Stimmung um.
„Verpiss dich!“, brüllt er.
Elena sieht ihn fragend an.
„Fuck, das mit uns hier wird nichts und jetzt raus!“, brüllt er weiter.
Dann sammelt er Elenas Klamotten ein und drückt sie ihr in die Hand.  Er schiebt sie aus seinem Zimmer heraus. Dass sie immer noch nackt ist, interessiert ihn nicht. Er schlägt die Tür hinter sich zu und lässt sich aufs Bett sinken. Um runter zu kommen, zündet der Schwarzhaarige sich erst einmal eine Zigarette an.

Es folgt wieder eine schlaflose Nacht. Mickey wälzt sich oft hin und her, schwitzt trotz luftiger Klamotten und braucht ewig bis zum Einschlafen.
Gegen Mittag wird er am nächsten Tag vom Vibrieren seines Handys geweckt. Mickeys Schädel brummt höllisch. Am liebsten hätte er den Anruf ignoriert, aber derjenige an der anderen Leitung ist hartnäckig und legt nicht auf. Der Schwarzhaarige brummt genervt und greift nach seinem Handy, das auf dem Nachttisch liegt.
IAN
Plötzlich pocht sein Herz unheimlich schnell und er ist hellwach. Vor lauter Nervosität sind seine Hände ganz zittrig. Er schafft es kaum den grünen Button zu betätigen.
„Hallo?“, bringt er hervor, doch am anderen Ende ist niemand.
Sofort tippt Mickey Ians Nummer ein und endlich geht jemand ran!
„Mick“, sagt der Rothaarige.
Ians Stimme lässt sein Herz höher schlagen. Es ist viel zu lange her, seit er sie zum letzten Mal gehört hat. In Mickeys Körper breitet sich sofort ein wohliges, erleichtertes Gefühl aus.
„Wo zur Hölle warst du?“, will er wissen.
„Ich war mit meiner Mutter unterwegs. Wie wäre es, wenn du rüber zu mir kommst?“, fragt er.
„Gib mir fünf Minuten!“

So schnell wie noch nie schlüpft der Schwarzhaarige in seine Klamotten, die überall auf dem Boden verstreut liegen. Er kann es kaum noch abwarten Ian wiederzusehen und rennt den ganzen Weg zum Gallagher Haus so schnell er kann. Ganz außer Atem kommt er dort an, wo Ian auf der Veranda auch schon auf ihn wartet.
Ian sitzt auf einer der Treppenstufen. Er wirkt abwesend und schafft es kaum Mickey in die Augen zu sehen.
„Wie geht’s dir?“, hakt er Schwarzhaarige nach.
„Ich hasse diese scheiß Pillen! Zwingst du mich sie wieder zu nehmen?“, beginnt Ian.
Er dreht seinen Kopf in Mickeys Richtung und sieht ihn eindringlich an. Die anfängliche Euphorie verfliegt und das Gefühl von Angst und Enttäuschung kommt zurück.
„Du wirst verrückt, wenn du sie nicht nimmst“, antwortet er leise.
„Willst du dann überhaupt zusammen sein, auch wenn ich es nicht tue?“, will Ian wissen.
Ohne zu überlegen nickt Mickey, aber Ian scheint diese Antwort nicht zufrieden zu stellen.
„Du hast mich mal geliebt“, fährt er fort, „Und jetzt weißt du nicht einmal mehr wer ich bin. Fuck, die meiste Zeit weiß ich es selbst nicht einmal.“
„Fuck, ich liebe dich und das weißt du!“, kontert der Schwarzhaarige.
„Was heißt das überhaupt?“, flüstert Ian.
Er schüttelt mit dem Kopf und wendet sich von Mickey ab. Er fasst sich an die Augen, um die Tränen zu verhindern, die schon längst fließen wollen.

„Das heißt, dass wir gegenseitig auf uns aufpassen“, sagt Mickey nach einer Weile leise.
Ian dreht sich wieder zu ihm und macht ein paar Schritte auf ihn zu, bis er direkt vor Mickey steht. Seine Augen sind rot und geschwollen. Er sieht nicht gut aus.
„Ich will nicht, dass du nur rumsitzt, dich sorgst und darauf wartest, dass ich wieder irgendeine verrückte Aktion bringe“, antwortet er.
„Es gibt immer Höhen und Tiefen, gute und schlechte Zeiten und all dieser Kram“, wendet Mickey ein.
Diese schwache Seite zeigt Mickey nur extrem selten, vielleicht auch nie. Doch Ian nochmal zu verlieren, steht er nicht durch. Es waren die schlimmsten Wochen seines Lebens und er liebt diesen Menschen so sehr, dass er für ihn durchs Feuer gehen würde.
„Willst du mich heiraten?“, fragt Ian mit einem ironischen Lachen.
Das verpasst dem Schwarzhaarigen einen tiefen Stich. Von Ian hätte er so etwas nie erwartet.
„Gehen wir aufs Standesamt in bescheuerten Anzügen, wie ein paar alte Schwuchteln?“, bohrt er weiter.
Wieder ein Rückschlag für Mickey.
„Fick dich“, bringt er nur hervor.
„Nein danke, ist schon zu oft passiert“, antwortet Ian und wendet sich wieder ab.
„Was zur Hölle stimmt nicht mit dir?“, fragt er.

Resigniert bleibt Ian mit dem Rücken zu ihm stehen. Für einen kurzen Moment wirkt es so als hätte er Mickeys Frage überhört oder ignoriert.
„Zu viel!“, schreit er dann und dreht sich wieder um.
Nun rinnen die Tränen hemmungslos an seinen Wangen herunter.
„Zu viele Dinge stimmen nicht mit mir“, sagt er dann mit gebrochener Stimme, „Das ist das Problem nicht wahr? Aber weißt du was Mickey? Du kannst nichts tun, nichts ändern, denn so bin ich! Fuck, so bin ich! Niemand kann mich heilen, denn ich bin verdammt nochmal nicht kaputt! Das bin ich!“
Ians Worte haben Mickey hart getroffen. Langsam aber sicher kapiert er, was Ian ihm damit sagen will.
„Also ist es das? Du machst Schluss?“
Die letzten Worte sind kaum hörbar. Es tritt gerade Mickeys schlimmster Albtraum ein und er kann und will das nicht verstehen. Ian reibt sich die Augen und sieht den Schwarzhaarigen dann an.
„Ich fürchte ja… Ich muss erst einmal mit mir selbst klar kommen, bevor ich mich wieder auf andere einlassen kann. Es tut mir leid…“, sagt er.
„Fuck“, haucht er.
Ian dreht sich um und geht langsam die Treppenstufen nach oben, bis er an der Tür Halt macht. Noch ein letztes Mal dreht er sich zu Mickey um, der immer noch fassungslos da steht.
„Es tut mir wirklich leid…“, meint er und verschwindet dann nach drinnen.

Auch lange nachdem Ian zurück ins Haus gegangen ist, bleibt Mickey an der Stelle stehen. Er kann nicht realisieren, dass das gerade wirklich passiert ist. Immer wieder schüttelt er mit dem Kopf und flucht leise. Er wischt sich ein paar Tränen aus dem Gesicht und versucht seine harte Schale wiederherzustellen. Niemand soll wissen wie sehr es ihn wirklich verletzt, dass Ian ihn so verletzt hat.
In ihm schwirren tausend Gedanken herum und doch fühlt sich alles auf einmal so leer an. Ian war der einzige Grund, warum er nach seinem zweiten Gefängnisaufenthalt wieder zurückgekommen ist. Er war das einzige, was ihn in diesem Drecksloch gehalten hat.
Als er wieder Zuhause ist, sitzt Iggy auf der Couch und sieht Fern. Er sieht seinen Bruder an und weiß sofort, dass irgendetwas nicht stimmt.
„Was ist los?“, fragt er.
„Fick dich!“, antwortet Mickey gereizt und verschwindet in seinem Zimmer.
Mickey versucht tief durchzuatmen, aber ihm wird alles zu viel. Er hasst Chicago’s Southside, dieses Haus und sein verficktes Zimmer. Plötzlich legt sich ihn ihm ein Schalter um. Er stürmt los und reißt sämtliche Poster von seinen Wänden, tritt gegen das Bett und zerreißt die Decken, die immer noch nach Ian riechen. Wütend schmeißt er alles von der Kommode und reißt alles aus den Schränken heraus.
Erst nach einer Weile kann Mickey sich wieder halbwegs beruhigen. Für einen kurzen Moment schließt er die Augen und atmet tief durch. Vor ihm ist ein riesiges Chaos, genauso wie er sich fühlt. Im nächsten Moment schnappt er sich einen alten Rucksack, stopft Klamotten, Alkohol, Zigaretten und eine Waffe hinein – mehr braucht er nicht.
„Wo willst du hin?“, fragt Iggy als sein Bruder an ihm vorbei läuft.
Doch Mickey ignoriert ihn. Mit schnellen Schritten verlässt er das Haus.

Er weiß nicht wohin seine Füße ihn tragen. Er lässt seinen Blick durch die Southside schweifen und geht zu bestimmen Plätzen, die ihn an bestimmte Ereignisse erinnern. Nie wieder will er hierher zurückkehren. Vermutlich wird er es irgendwann vermissen, schließlich hat er hier viel erlebt, mehr Schlechtes wie Gutes. Ian war immer sein Pol, der ihn hier gehalten hat, für den er zurückgekommen ist. Jetzt hält ihn hier gar nichts mehr.
Mickey läuft zu einer Schnellstraße. Er versucht zu trampen. Die ersten Autos fahren achtlos an ihm vorbei, bis irgendwann ein älterer Mann im Pickup anhält.
„Wo willst du hin?“, fragt dieser.
„Wo auch immer sie hinfahren“, antwortet der Schwarzhaarige und steigt ein.
Noch ein letztes Mal dreht er sich um und wirft einen Blick auf Chicago, bevor der Mann losfährt und Mickeys neues Leben beginnt.
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