Verlorene der Einsamkeit

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
30.04.2015
18.05.2015
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Kapitel 1












Es war kalt, eiskalt!
Wieso nur war er diesem Abschaum hinterher gerannt? Wieso konnte er nicht wie alle anderen einfach mal wegsehen, sondern musste immer den Helden spielen?
Das hatte er nun davon. Raphael trieb im eisigen Wasser des Hudson und wurde vom Gewicht seiner Waffen und Lederkleidung  in die dunklen Tiefen gezogen.
Irgendwie musste er es schaffen wieder aus dieser verdammten Strömung heraus zu kommen, schon allein damit er dem kleinen Pisser, der ihn in diese Situation gebracht hatte, endlich den Gar ausmachen konnte.
Während er versuchte mit dem Gesicht über Wasser zu bleiben, einerseits um zu atmen, aber auch um Ausschau nach möglichen Auswegen aus dieser nassen Hölle zu halten, schwor er sich nie wieder in dunkel Gassen zu gehen aus denen ein Hilfeschrei schallte.
Denn seine Neugier und sein Heldendrang hatten ihn erst in diese hoffnungslose Lage gebracht.
Nur, dass die Lage doch nicht so hoffnungslos war wie es zuerst schien. In15 diesem verlassenen Industriegebiet, durch das der Fluss Raphael gerade trug, gab es mehrere halb verrottete Stege, an denen früher einmal Containerschiffe und auch private Boote angelegt hatten.
Er war zwar kein Boot, dennoch wäre einer dieser brüchigen Anlegestellen sein Ausstieg aus diesem nassen, dreckigen Moloch.
Er trieb geradewegs auf einen der Pfosten zu, die ins Wasser ragten, aber viel schneller als es Raphael lieb gewesen wäre.
Statt sich an dem Pfosten einfach nur festklammern und hochziehen zu können, wurde der junge Stammesvampir von den Wassermassen gegen das brüchige, abgesplitterte Holz geschleudert.
Zuerst spürte er nur den dumpfen Schmerz des Aufpralls, krallte seine Hände in das Holz, um nicht wieder weggeschwemmt zu werden und versucht sein Gewicht irgendwie auf den Steg zu hieven ohne, dass wackelige Gerüst zum Einsturz zu bringen.
Raphael wusste nicht mehr genau, wie lange es dauert und wie er es eigentlich geschafft hatte, dennoch lag er einige Zeit später auf dem Rücken und atmete schwer.
Dieser Rogue würde einen langsamen und qualvollen Tod leiden, dem war sich Raphael sicher!
Nicht nur hatte dieser Abschaum eines blutrünstigen Vampirs es gewagt eine unschuldige, junge Menschenfrau in einer dunklen Seitenstraße anzufallen und sie fast blutleer zu saugen, bevor Rafe ihr helfen konnte, dieser Mistkerl hatte ihn auch noch während des Kampfes in den Hudson gestoßen.
Sah er etwa aus wie ein verdammter Goldfisch.
Vielleicht sah er nicht so aus, aber er fühlte sich momentan definitiv wie ein solcher. Er war durchnässt bis auf die Knochen und hatte kaum Kraft, geschweige denn Motivation übrig um sich aufzuraffen und dem Rogue hinterher zu jagen.
Aber dann wären seine Bemühungen und dieser kleine Schwimmkurs vollkommen umsonst gewesen.
Nur dieser Gedanke reichte, um Raphaels Körper in Bewegung zu setzten oder es wenigsten zu versuchen.
Als er versucht sich aufzurichten fuhr Rafe ein stechender Schmerz durch den Rücken, der ihn fast wieder in die Knie zwang.
Er tastete vorsichtig unter seinem schwarzen Shirt nach der Ursache für seinen Schmerzen und fand Blut.
Er blutet aus einer klaffenden Wunde am unteren Rücken.
Bei seinem Zusammenstoß mit dem Holzpfosten war allem Anschein nach ein Stück des morschen Holzes abgesplittert und hatte sich in seinen Körper gebohrt.
Der blutverkrustete Übeltäter lag direkt hinter ihm und hatte sich erst gelöst,  als Raphael aufgestanden war.
Das einzig Positive an dem ganzen Schlamassel war, dass der Duft nach Blut vielleicht diesen Rogue anlocken würde und er ihn nicht erst wieder aufspüren musste, bevor er ihm den Hals umdrehte.
Doch ein gewaltiger Nachteil waren all die anderen Rogues, die in Manhattan zuhause waren und sich bevorzugt ihn dunklen, verlassenen Gebieten, wie diesem alten Industriegebiet versteckt hielten.
Er musste schnell hier weg und wieder unter Menschen.
Rafe begann loszulaufen, den Schmerz dabei so gut es ging zu ignorieren und nach potenziellen Bedrohungen Ausschau zu halten.
Wenigsten hatte er seine 64er Magnum noch im Holster unter seinem Arm und zwei funktionsfähige Fäuste, um sich zu verteidigen.
Denn seine geliebten Malbranche Klingen, die sein Vater Dante ihm zum 16ten Geburtstag geschenkt hatte, waren von den eisigen Wassermassen verschluckt worden.
Und dabei war das seine einzige glückliche Erinnerung an seinen Vater, den Ordenskommandanten von Seattle.
An solche trübseligen Gedanken konnte er seine Zeit und Aufmerksamkeit in diesem Moment nicht verschwenden.
Aus den Augenwinkeln sah er die ersten verzehrten Fratzen der bluthungrigen Vampire.
Raphael zog langsam, aber mit sicherem Griff seine Magnum und eröffnete das Feuer, als der erste Rogue auf ihn zu sprang, bereit ihm die Kehle herauszureißen.


“N’ kühles Bier und deine Nummer, Kleine!”
Wie sie es hasste, wenn diese besoffenen, alten Weicheier ihr niedliche Spitznamen gaben. Nur, weil sie eine junge Frau war musste sie sich alles gefallen, lassen.
Und dabei hatte sie wahrscheinlich größerer Ei als der Kerl, der ihr über den Tresen gerade seine Bestellung zugebrüllt hatte.
Tori knallte dem Trottel das Bier direkt neben seine Hand, obwohl sie ihm die Flasche am liebsten direkt über den Kopf gezogen hätte.
“3 Dollar.”
Ihr Ton blieb monoton und professionell, sie ließ sich nicht anmerken, was sie von ihrem Kunden hielt.
“Sei doch nich’ so abweisend, Schätzchen.”
Tori, die nebenbei Geschirr spülte und polierte, stellte das noch nasse Bierglas in ihrer Hand zur Seite und wandte sich nun vollkommen dem Gast zu.
“Ich bin weder ihre Kleine, noch ihr Schätzchen. 3 Dollar!”
Immer noch den selben Tonfall beibehaltend, streckte sie ihre Hand mit der Handfläche nach oben aus, um das Geld entgegenzunehmen.
“Ohne deine Nummer is’ die Bestellung nich’ komplett, also kriegst de keine Kohle.”
Sichtlich angetrunken und beleidigt, griff der Kerl nach seinem Bier und wandte sich zum Gehen.
Tori seufzte.
Heute war der Abend der Vollidioten. Das gerade war nicht der erste schleimige Typ, der sie heute anmachte und versuchte ohne zu bezahlen, abzuhauen.
Gerade als sie Big B, dem Türsteher der Kneipe “Scars” ein Signal geben wollte, den Kerl aufzuhalten, schloss sich eine eine Hand um das Handgelenk des Mannes und eine dunkle, bedrohliche Stimme sagte: “Das Bier nehme ich, was dagegen?”
Man musste es dem Betrunkenen hoch anrechnen, dass er nicht schrie oder das Bier fallen lies, den erschrocken hatte er sich mit Sicherheit.
Wenn nicht durch das schnell Auftauchen, dann durch Elijahs ernsten Blick aus tief schwarzen Augen.
“N…N…Nein!”
Der Mensch lies sich das Getränk abnehmen und verschwand in einer Geschwindigkeit, die Tori ihm nicht mehr zugetraut hätte durch die Tür, die Big B bereits offen hielt.
“Das Geld. Den Rest darfst du behalten, Vici”
Eli stand mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen ihr gegenüber am Tresen und hielt ihr einen Schein entgegen.
“Für meinen Retter geht das aufs Haus. Ich bringe euch gleich noch eine Runde an den Tisch.”
Elijah war kein Mensch. Er war ein Stammesvampir und zwar einer der gefährlichen Sorte, denn Eli war ein Ordenskrieger, ausgebildet um den Abschaum seiner Spezies zu jagen und die Menschen vor ihnen zu schützen.
Aber Tori hatte keine Angst vor ihm, denn sie kannte Eli und den Rest der beiden Teams schon ziemlich lange.
Seit sie angefangen hatte, im Scars, einer kleinen Kneipe im Süden Manhattens zu kellnern, waren die Soldaten willkommene Stammgäste und teilweise auch Freunde geworden.
Tori begann die Runde für die Jungs vorzubereiten, als Elijah, von dem sie erwartet hatte,, schon längst zu den anderen zurückgekehrt zu sein, etwas bemerkte.
“Raphael ist noch immer nicht aufgetaucht. Du machst also gerade einen Drink zu viel!”
Das lies sie kurz inne halten.
“Ist irgendwas passiert? Wurde er bei der Mission verletzt?”
“Nicht, dass ich wüsste. Hat heute bei der Mission einen guten Job gemacht und war auf dem Weg hierher auch noch bei der Truppe dabei.  Aber als wir ankamen, war Raphael verschwunden.”
“Mhmmm…vielleicht war ihm einfach nicht nach feiern zu Mute.”
Alle Gläser waren mit mehr oder weniger roten Flüssigkeiten gefüllt, je nach dem wie viel Blut die Mixgetränke enthielten.
Tori hatte für jeden der Kämpfer sein ‘Übliches’ zubereitet und machte sich mit dem Tablett voller Getränke auf den Weg zu ihrem Tisch, wobei Elijah ihr auf dem Fuße folgte.
Er war heute besonders aufmerksam, fand sie.
Das Bier hatte er an der Bar stehen gelassen, da er es sowieso nicht trinken konnte.
Der Stamm war nicht in der Lage menschliche Nahrung, ob Essen oder Trinken zu verdauen. Sie konnten zwar ein oder zwei Bissen ertragen, aber für sie war es weder schmackhaft noch nahrhaft.
Die Jungs waren vertieft in Gespräche über Waffen, Kämpfe und Frauen, was vollkommen typisch war.
Doch als sie das Tablett auf den Tisch stellt, verstummten die Gespräche und alle Aufmerksamkeit galt Tori.
“Eine Runde aufs Haus für euch alle!”
Auf diese Aussage hin erhielt sie mehrere breite Grinsen und Daumen nach oben, aber auch vereinzelt Jubelrufe.
Neben ihr rutschte Elijah auf seinen Platz neben seinem Teamkollegen Jax, einem großen, schlank gebauten Stammesvampir mit schwarzem Humor und einer unerschöpflichen Quelle an schlechten Anmachsprüchen.
Nachdem sie jedem der Jungs sein Getränk vor die Nase gestellt hatte, wollte Tori sich einen Stuhl von einem anderen Tisch heranziehen, doch Eli griff sie am Handgelenk und zog sie neben sich auf die Bank.
“Wenn Jax sich nicht so breit macht ist hier noch Platz für dich.”
“Ich mache mich nicht breit, ich bin nur so muskulös gebaut”
Jax gab sich leicht beleidigt, rutschte aber dennoch so weit er konnte   in Richtung Wand.
Bevor sie sich setzte, beugte Tori sich an Elijah vorbei zu dem schmollenden Krieger und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
“Du bist ein Schatz. Danke, Jax!”
Dieser riss sichtlich überrascht die Augen auf und wandte sich ihr zu.
“Also dafür hat es sich gelohnt von Eli als fett beleidigt zu werden. Bekomme ich noch einen Kuss, vielleicht auf die Lippen?”
“Womit hättest du dir den denn verdient?”
Lachend ließ sie sich auf die Bank neben Eli gleiten und nahm sich selbst die Cola vom Tablet.
Sie unterhielt sich wirklich gerne mit der Truppe von Soldaten, alle waren freundlich und ungezwungen.
Schon als Tori die Gruppe gerade erst kennen gelernt hatte, fühlt sie sich bei ihnen wohl und konnte mit den Kriegern von Herzen lachen.
Für Victoria war das etwas besonderes, da es kaum jemanden gab dem sie genug vertraute, um ihm gegenüber Gefühle zu zeigen, aber mit den Jungs war das ganz anderes.
Man merkt allerdings, dass die Stimmung heute angespannt und nicht so sorglos war, wie sonst.
Niemand wusste wo Raphael war.
Und egal wie lässig und sorglos die Jungs sich gaben, sie alle machten sich Gedanken.
“Vici, mein Mäuschen! Ich bräuchte hier hinten mal deine Hilfe. Wärst du so gut?”
Die Stimme, die offensichtlich aus dem Lagerraum, einem kleinen Raum, der hinter dem Tresen vom Lokal abzweigte, kam, gehörte ihrem Chef Robert.
Niemals hätte sie vermutet, dass eine Paradiesvogel, wie Robert eine ganz normal Kneipe leiten würde, aber auf eine seltsame Art und weiße passten die Bar und ihr Inhaber wirklich gut zusammen.
“Entschuldigt mich kurz, Jungs!”
Tori stand von der Bank auf und ging Richtung Lagerraum, wobei sie sich deutlich bewusst war, dass Elijahs Blick an ihr haftete bis sie außer Sichtweite war.
Gerade als Victoria sich darüber Gedanken machen wollte, ob ihr Elis Aufmerksamkeit gefiel oder nicht, sah sie wobei Robert ihre Hilfe brauchte.
Neben dem Lieferanteneingang war ein blutüberströmter Rafe zusammengesackt.

Raphael hatte sich mit letzter Kraft zum nächstgelegenen, einigermaßen sicheren Ort geschleppt, der ihm eingefallen war.
Nun saß er verwundet im Lagerraum des “Scars”.
Das “Scars” war eine einfache, gemütliche Kneipe im Süden der Halbinsel Manhattan, die er und auch die anderen Soldaten des New Yorker Hauptquartiers oft nach einer erfolgreichen Mission oder anstrengenden Nacht besuchten, um zu feiern oder einfach um einmal aus dem Alltag rauszukommen.
Mittlerweile waren die Ordenskrieger und die Angestellten so etwas, wie Freunde und man vertraute einander.
Das und die Tatsache, dass er wusste seine Kollegen sind in der Kneipe, hatten ihn nach seinem Kampf gegen das Roguenest hierher geführt .
Rafe wusste, wenn er einfach durch die Tür marschiert wäre, hätte er alle Gäste verscheucht.
Also war er um das Gebäude herum gegangen.
Nachdem er lautstark gegen die Stahltür, die den Lieferanteneingang darstellte, gehämmert hatte, war es Robert der ihm öffnete.
Wie immer war der Betreiber des “Scars” farbenfroh und in den grellsten Farben gekleidet. Er trug eine pinke Lederjacke über einem orangen, halb transparenten Hemd und dazu sehr passende grell orange Jeans.
Raphael war ziemlich froh, dass Tori ihn in diesem erbärmlichen Zustand nicht sehen musste.
Victoria arbeitete als Teilzeitkraft am Tresen der Bar, obwohl sie eigentlich studierte und selbst keinen Tropfen Alkohol trank.
Sie beide waren zwar nur befreundet, dennoch musste eine Frau nicht unbedingt mitbekommen wie schwach er war.
Doch kaum hatte sich die Tür hinter ihm geschlossen musste Rob genau sie nach hinten rufen.
Hatte der Kerl denn kein Feingefühl ?
“Vici, wärst du so gut bei unserem verwundeten Freund zu bleiben, während ich den Verbandskasten hole und Nadel und Faden suche?”
Tori starrte ihn mit einer Mischung aus Überraschung, Sorge und Wut an.
“Ja, klar.”
Damit rauschte Robert aus dem Lagerraum.
“Hey Tori”
Raphael lächelt schwach. Er wusste genau, was er jetzt zu erwarten hatte. Sie würde ihn anschreien und ihm eine Standpauke der aller feinsten Art halten.
Womit er nie gerechnet hätte, waren die ruhigen Worte, die er dann hörte.
“Du siehst aus, als könntest du einen Drink gebrauchen. Warte kurz!”
Für einen kurzen Moment verschwand auch Tori aus dem Lagerraum , kam aber schnell mit einem Glas gefüllt mit einer roten Flüssigkeit wieder zurück.
“Dein üblicher Drink mit extra Schuss.”
Sie kniete sich vor ihn und hielt ihm das Getränk hin, dabei sah sie ihm mit unerschütterlichem Blick in die Augen.
Diese unglaublichen, dunkelblauen Augen, in denen er sich schon mehr als einmal verloren hatte, musterten sein Gesicht und wanderten langsam, aber zielsicher abwärts.
Rafe brauchte irgendetwas anderes auf das er sich konzentrieren konnte.
Der Drink, sie hielt ihm immer noch das Glas entgegen.
Mit dem etwas weniger verletzten Arm griff er danach und führte es Richtung Mund.
Sobald der Duft nach Blut ihm bewusst in die Nase stieg, fuhren seine Fangzähne aus. Erst jetzt merkte er, wie ausgehungert er eigentlich war und wie dringend er das Blut brauchte.
Dass es mit Alkohol vermischt war, machte es in dieser Situation sogar noch besser.
Tori hatte recht, er konnte den Drink wirklich gut gebrauchen.
Als das Glas leer war, nahm sie es ihm ab und stellt es auf irgendeines der Regal, das sie gerade erreichen konnte.
“Wir müssen dir den Mantel und das Shirt ausziehen, damit wir dich verarzten können. Kannst du dich ein wenig vorbeugen?”
“Ja, aber meine rechte Schulter dürfte ausgekugelt sein, das macht den Striptees ziemlich schwierig.”

“Wenn du schon wieder deine albernen Witze reissen kannst, dann geht es dir zumindest besser, als du aussiehst.”
Der Mantel war schnell abgestreift, das zweite Kleidungsstück erwies sich da schon als größere Herausforderung.
Tori nahm mit beiden Händen den Saum seines blutverschmierten und nassen Shirts und begann es langsam nach oben zu ziehen.
Um mit dem einigermaßen intakten Arm durch den Ärmel zu kommen, beugte Raphael sich leicht nach vorne, wobei die Bewegung dazu führte, dass er Victoria näher kam und ihren unglaublichen Duft einatmete.
Sie duftete nach Sommerregen vermischt mit Mohnblumen, ein weicher und sehr warmer Geruch, der ihn ziemlich überrascht hatte, als er ihr zum ersten Mal begegnet war. Damals war sie eine Eisprinzessin und die Krieger hatten sie nur langsam zum Schmelzen gebracht.
Jetzt aber vertraute man einander, weshalb Tori ihn auch so nahe an sich heran lies. Raphael musste sich zusammennehmen um nur nicht in den wundervollen Nacken direkt vor seiner Nase zu beißen und ein wenig zu Naschen.

Seine rechte Schulter war wirklich ausgekugelt.
Wenn sie seinen anderen Arm auch aus dem Ärmel des Shirts befreien wollt, würde sie Rafe damit Schmerzen zufügen.
Mehr als er ohnehin schon auszuhalten hatte.
Victoria entschied sich schließlich dazu den Shirtarm einfach zu zerreißen, statt Raphael weh zu tun.
Das Kleidungsstück war sowieso nicht mehr zu retten.
Ein wenig verwirrt war Tori schon, dass sich Rafe nicht über ihre rigorose Methode beschwerte, wahrscheinlich aber war das seinem Zustand und dem hohen Blutverlust geschuldet.
Gerade kam Rob mit dem erste Hilfeset zurück, er hatte zudem noch Desinfektionsmittel und ein paar Blutkonserven für Raphael mitgebracht.
“Danke Boss. Ich flicke ihn zusammen und geben dann den andren Bescheid, damit sie ihn nach Hause schaffen.”
“Gut, Schätzchen. Solange übernehme ich die Theke und kümmere mich um die Gäste. Dem kleine Raphael ist es mit Sicherheit lieber, wenn du dich seiner annimmst.”
Mit einem Augenzwinkern verließ ihr Boss, das Lager.
Wie konnten Männer in solchen Situationen nur weiterhin anzügliche Bemerkungen machen? Dachten die denn wirklich nur an das eine?
Tori schüttelte ungläubig den Kopf, öffnete den Verbandskasten und bereitete alles vor, um den Krieger vor ihr versorgen zu können.
Währenddessen hatte Raphael sich wieder an die Wand zurückgelehnt und trank zügig die Blutbeutel, die Rob ihm in die Hand gedrückt hatte.
Der musste sie frisch von einer willigen Blutwirten gespendet bekommen haben, da Stammesvampire nur frisches, noch warmes Blut zu sich nehmen konnten.
Nachdem er sich genährt hatte, sah er schon wieder deutlich besser aus, bekam wieder Farbe ins Gesicht und die Prellungen und Blutergüsse begannen zu verblassen.
“Als erstes sollten wir deine Schulter wieder einrenken, da sie sonst falsch zusammenheilt und im schlimmsten Fall später nochmal ausgekugelt werden muss.”
“In Ordnung. Ich vertraue dir,  Tori!”
Raphael gab ih mit einem Nicken zu verstehen, dass sie es durchziehen sollte,
Sie legte ihm die Hand an die Brust und faste den Arm am Ellenbogen und am Bizeps.
“Du wirst gleich einen heftigen Schmerz spüren, wenn das Gelenk zurück an seinen Platz springt, aber dann wird es schnell besser werden. Versprochen.”
Ohne auf seine Antwort zu warten führte sie die eine, ruckartige Bewegung aus und brachte damit Rafes Schulter zurück an ihren Platz.
“Verdammte Sch….!”
“Das hätten wir. Jetzt musst du dich etwas zur Seite drehen, damit ich an die Wunde an deinem unteren Rücken rankomme. “
Tori wusste, dass die Wunde auch von selbst heilen würde, aber da sie sehr tief war, verlor Raphael weiterhin Blut, deshalb musste die Verletzung trotz Stammesgenen versorgt werden.
“Sei dieses Mal ein bisschen feinfühliger, Kleines”
Raphael warf ihr eine  gespielten, verletzen Blich zu, dennoch war das Lachen in seiner Stimme deutlich zu hören.
“Du weißt, dass du mich so nicht nennen sollst!”
Sie würde ihn dieses Mal damit durchkommen lassen, da er verletzt war, aber normaler Weise würde sie ihm eine Kopfnuss verpassen. Tori hasste niedlich Spitznamen!
Obwohl Raphael sich wegen seiner Herkunft keine Infektion oder Vergiftung einhandeln konnte, desinfizierte sie die Wunde einmal gründlich, denn sie als Mensch konnte sich so etwas durchaus einfangen.
Der brennende Schmerz des Mittels lies Raphaels unterdrücktes Lachen zu einem Stöhnen werden.
“Ich werde die Wunde mit drei, vielleicht auch vier Stichen nähen müssen”, warnte sie ihren Freund, “Versuch still zu halten.”
“Ihr Wunsch ist mir Befehl, Prinzessin”
Dieses Mal boxte sie ihn dann doch, auf die gesunde Schulter natürlich.
Nachdem Raphael einigermaßen wieder hergestellt war und Tori für ihn ein einfaches weißes Hemd unter Roberts Sachen gefunden hatte, was fast einem Wunder glich, ging sie zurück in die Kneipe.
Tori nickte ihrem Boss kurz zu, um ihm zu signalisieren, dass alles soweit in Ordnung war und ging dann direkt auf den Tisch der Ordenskrieger zu.
Als erstes bemerkt Jax sie.
“Vici! Wo warst du nur solange? Ich hab dich vermisst”, rief er ihr durch den halben Raum entgegen.
Doch als sie näher trat verhärteten sich die Mienen der Vampire.
Eli ergriff das Wort: “Rieche ich da Blut, Vic?”
Sie nickte nur kurz und gestikulierte ihnen ihr in den hinteren Bereich des Lokals zu folgen.
Als sie am Tresen vorbei waren, blieb Victoria stehen und drehte sich zu den Kriegern um.
“Raphael ist vorhin schwer verletzt durch unseren Hintereingang gestolpert, deshalb hat Rob mich gerufen.
Ich habe ihn weitestgehend zusammengeflickt aber ihr solltet ihn trotzdem so schnell es geht ins Hauptquartier bringen.”
Die Männer vor ihr schauten sie teilweise erstaunt, teilweise besorgt an.
“Danke, Vici. Der Orden schuldet dir was.”
Elijah nickte ihr zu und griff dann an ihr vorbei, um die Lagertür zu öffnen.

Raphael wartete darauf, dass Tori mit seine Teamkollegen, die im “Scars” die erfolgreiche Mission gefeiert hatten, zurückkam.
Zwar hatte ihm die Freundin keine Standpauke gehalten, aber sowohl sein Teamkäptn, als auch der Commander im Hauptquartier würden ihn nicht ohne davon kommen lassen.
Kurz darauf öffnete sich die Tür und sein Team mit Victoria im Schlepptau kamen in das kleine Lager der Kneipe, welches fast zu eng für alle Personen war.
Elijah kam auf Raphael zu und hielt ihm die Hand hin, um ihm auf zu helfen.
“Du kannst uns später alles erklären, jetzt schaffen wir deinen erbärmlich aussehenden Hintern erstmal zurück ins Hauptquartier, damit Savannah dich verhätscheln und pflegen kann.”
“Abgemacht!”
Er stützte sich auf seinen Freund, während Jax ihnen die Tür aufhielt.
“Du siehst echt übel aus, Mann.”
Mit einem Grinsen schlug Jax Rafe auf die Schulter. Dieser zuckte zusammen und flucht heftig.
“Upps. War keine Absicht.”
“Behalte deine Hände einfach bei dir”, schnauzte er seinen Teamkollegen.
Raphael wollt sich noch einmal umdrehen, um sich von Tori zu verabschieden und sich zu bedanken, aber die Hintertür des “Scars” war bereits wieder verschlossen.
Jetzt fühlte er sich ziemlich schlecht. Er musste schnell wieder fit werden, damit er das auf jeden Fall nachholen konnte.
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