Gruppe 18: Die Legende der Sternendrachen ging verloren

von MDU-Story
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
29.04.2015
29.04.2015
10
8.438
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
29.04.2015 943
 
Kapitel 2 - tabi babo


Du Verräter! Du elendiger Verräter! Narren seid ihr, allesamt! Ihr werdet ja schon sehen, was ihr davon habt!...
Schweißgebadet schreckt er aus einem mehr als nur merkwürdigen Traum auf. Er sitzt in seinem Bett, hält sich eine Hand an den Oberkörper und kann deutlich spüren, wie schnell sein Herz schlägt und wie stark es gegen seinen Brustkorb hämmert.
Warum fühlen sich diese Träume immer wieder so lächerlich echt an? Und warum sucht ihn dieser eine, spezielle Traum immer und immer wieder heim?
Er schließt die Augen und versucht ruhig zu atmen. Er versucht sich nur auf seine Atmung zu konzentrieren, um nicht Gefahr zu laufen, vielleicht auch noch zu hyperventilieren. Das ist doch lächerlich. Das war nur ein Traum.
Aber warum kann er selbst jetzt noch die donnernde Stimme in seinen Ohren hören. Er sieht die vor Wut glühenden Augen dieses Drachen. Sie starren ihn an. Sie starren ihn ungemein eindringlich an. Ihn. Direkt. Als könnten sie die tiefsten Geheimnisse seiner Seele ergründen. Aber das ist absurd. Das alles zusammen ist einfach nur absurd. Es gibt keine Drachen und es hat garantiert auch noch nie irgendwelche Wesen gegeben, die einem Drachen gleich kämen.
Langsam hebt er seine Hände und streicht sich über das müde und schweißnasse Gesicht. Er ist sich ganz sicher, dass das alles nur Humbug ist. Aber… aber warum fühlt es sich dann so echt an? Die Schmerzen. Diese Stimme. Sein Blick. Das Sterben.
„Alles nur Humbug“, versucht er sich nun laut ausgesprochen einzureden, aber selbst in seiner Stimme kann der die Zweifel hören. Dieser Traum kehrt immer und immer wieder. Für einen Zufall ist bereits drei Mal zu viel. Er lässt die Hände sinken und kann seine Schwester sehen, die am Fußende seines Bettes steht und ihn sorgenvoll mustert.
„Syxt? Alles in Ordnung?“
Er würde ihr am liebsten sagen, dass er das Gefühl hat, verrückt zu werden. Er träumt von einem Drachen. Lichtverschlinger soll sein Name sein. Ein Mythos. Mehr nicht. Aber wie kann er von einem Mythos träumen, wenn er noch nie in seinem Leben von diesem gehört hat? Der Name, Lichtverschlinger. Er hat ihn jetzt zum ersten Mal gehört. In diesem Traum. Und wenn er darüber nachdenkt, war dieser Traum viel realistischer als alle anderen zusammen. Der wütende Blick des Drachen, kurz bevor er zu Stein erfror, war nicht nur getränkt von unglaublicher Wut. Da war mehr. Für den Bruchteil einer Sekunde war da ein Flehen. Als hätte der Drache um seine Hilfe gebeten. Aber warum er? Wie kann das sein?
Die einzige Erklärung, die er findet, ist, dass er langsam durchdreht. Aber das darf er nicht. Er muss sich doch um seine Schwester kümmern. Das hat er ihrer Mutter am Sterbebett versprochen. Er schüttelt langsam den Kopf und hebt diesen etwas, nur um festzustellen, dass seine Schwester noch immer am Bett steht und vermutlich auf eine Antwort wartet. Er betrachtet das junge Ding und lächelt ein wenig.
„Alles klar. Nur ein schlechter Traum“, will er sich herausreden und winkt mit einer Hand ab, während er seine Beine aus dem Bett schwingt, um aufzustehen, aber sie hindert ihn daran. Seine um zehn Jahre jüngere Schwester stellt sich vor ihn. Noch immer liegt viel zu viel Sorge in ihren kristallklaren Augen.
„Wirklich? Du hast geschrien und du bist schweißnass.“
„Otilia… ich… es ist alles klar. Ich habe in den letzten Tagen einfach nicht genug Schlaf bekommen. Das ist alles.“
Sie glaubt ihm nicht und das sieht er nicht nur in ihren Augen. Auch ihre Körperhaltung wird sicherer, weil sie ihn zurechtweisen möchte, aber etwas Anderes scheint ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Denn sie richtet ihren Blick nicht auf ihn, sondern auf sein Kissen.
„Was ist das für eine Notiz?“
Er möchte sie bereits fragen, ob sie nun mit seinem Verstand spielen möchte. Eine Notiz. Wo sollte eine Notiz herkommen? Papier ist ein Luxusgut, das sich nicht jeder Mensch leisten kann. Er dreht dennoch den Kopf etwas zur Seite und traut seinen Augen kaum. Da liegt tatsächlich eine Notiz. Er streckt seinen Arm aus und nimmt das beigefarbene Papier in die Hand. Echtes Papier. So etwas hat er erst einmal zwischen seinen Fingern verspürt. Er faltet den Zettel auf und fängt an die feinsäuberliche schwarze Schrift zu lesen und muss das drei Mal machen, bis er überhaupt irgendein Wort versteht, weil es einfach viel zu absurd ist.

‚Syxt, Du musst mir helfen. Du musst mich rächen und ihn aufhalten. Du bist der Auserwählte. Es ist an der Zeit. Halte den bösen Zauberer Talur auf oder das Ende wird über die Welt hereinbrechen. Das absolute Ende! Es liegt an Dir. Wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne stellt, tausend Jahre nach dem Fluch, der auf mir lastet, kommt er zurück und wird die Welt, wie Du sie kennst, zerstören. Talur ist böse. Es ist Deine Aufgabe, ihn aufzuhalten!‘

Er lässt den Zettel fallen und starrt ungläubig auf diesen. Was soll das? Ist das ein kranker Scherz? Will jemand mit seinem Verstand spielen? Er schaut mit großen Augen auf seine Schwester, die nun den Zettel immer und immer wieder liest und nicht minder überrascht und verwirrt wirkt.
„Was hat das zu bedeuten, Syxt?“ Er würde ihr antworten, wenn er die Antwort finden würde. Er schaut auf seine Hände und sieht erst jetzt das Zittern. Er zittert am gesamten Leib. Er hat Angst und das kann er nicht verbergen, auch wenn er als ihr großer Bruder stark sein müsste.
„Ich hab absolut keine Ahnung, was das zu bedeuten hat, aber Otilia?“, meint er und schaut sie an. Die Sorge ist ihm ins Gesicht geschrieben, genauso wie die Angst vor der Ungewissheit. „Heute ist eine Sonnenfinsternis!“
Review schreiben