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Hast du in sieben Monaten schon etwas vor?

Kurzbeschreibung
GeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
29.04.2015
18.08.2016
11
17.831
 
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29.04.2015 1.269
 
Mist! Das konnte wieder nur mir passieren. Ich war auf dem Flughafen. Nachdem die S-Bahn mich überpünktlich abgeliefert, der Check In reibungslos funktioniert und ich eine heiße Schokolade in meinem Stammcafe intus hatte, rannte ich mal wieder um mein Leben. Zumindest kam es mir so vor.
Die dämliche Airline hatte den Flugsteig für meinen Flug nach Hamburg geändert, von Flugsteig 1 auf Flugsteig 30. Und letzterer befand sich gefühlte 1000 km vom ersten entfernt.
Ich hatte noch 10 Minuten bis das Einsteigen abgeschlossen sein würde, und gab wahrscheinlich ein lustiges Bild ab, mit Hosenanzug, viel zu hohen Schuhen, meiner Aktentasche über die Schulter geworfen, und dem krebsroten Gesicht. Einige Strähnen hatten sich aus meinem Zopf gelöst, und ich hatte das Gefühl, alle Luft würde aus mir herausgepresst werden.
„Martina! Jetzt aber hurtig! Die wollen starten!“ rief mir ein Bodensteward entgegen. Moment mal, woher in aller Welt kannte der meinen Namen? Ich schaute ihn genauer an, soviel Zeit musste jetzt sein. Er war schlank, 1,80 groß, hatte graumelierte kurze Haare und ein Ziegenbärtchen. Es war Daniel, mein Exkollege aus meiner Ausbildungsstelle. „Daniel,“ keuchte ich „halt das Flugzeug auf“ Er lachte. „Keine Sorge, die warten noch auf dich, schade dass wir keine Zeit zum plaudern haben. Geschäftstermin?“ „Ja“; japste ich, und winkte ihm noch kurz zu, ehe ich den Korridor zum Flieger entlang raste. Ich kam mir vor wie Speedy Gonzalez auf Ecstasy. Und das heute, wo ich in Hamburg ein Vorstellungsgespräch hatte und souverän daherkommen wollte.
Die Stewardess führte mich zu meinem Platz. Na bravo, dachte ich mir, auch noch ein Fensterplatz. Heute geht wirklich alles schief. Man mag sich jetzt wundern, aber ich hasse Fensterplätze. Mit meinem Gardemaß von knapp 1,80 sind die nämlich tödlich.
Am Gang neben mir saß ein junger Mann, ganz in seine Zeitschrift vertieft. Er war ungefähr in meinem Alter schätzte ich, hatte rotblonde Haare und nach dem was ich sehen konnte, die blauesten Augen der Welt. Ich räusperte mich: „Sorry, aber ich bin wohl ihre Nachbarin“. Er sah auf, und ja zur Hölle, die blauesten Augen der Welt schauten mich an. Puh, da konnte man ja Herzrasen bekommen. „Hui, heute ist wohl mein Glückstag. Aber erstens bin ich du und zweitens Nils“, grinste er mich an. „Martina.“ Er stand auf, um mich durchzulassen. Ich zwängte mich in meinen Flugzeugsitz, schnallte mich an und versuchte erst mal, Luft zu bekommen. Währenddessen hatte Nils, mein Nachbar, seine Zeitschrift weggepackt und sah mich unverwandt an. „Was hast du vor in Hamburg?“ „Ich habe ein Vorstellungsgespräch. Und du?“ „Ich wohne dort. Ich war für eine Fernsehproduktion hier im Süden, und nun geht’s wieder nach Hause.“ „Du arbeitest fürs Fernsehen?“ fragte ich ihn interessiert. Neugierig war ich ja gar nicht. Und so plauderten wir den gesamten Flug über seine Fernsehsendung, in der er mit 2 Kollegen Restaurants coacht (und die von dem abgesehen meine Lieblingssendung war, aber ehe ich das zugegeben hätte….), sein Restaurant, mein Vorstellungsgespräch bei einer bekannten Reederei und viele andere Dinge. Wir waren so vertieft, dass wir uns erst wieder auf die Tatsache konzentrierten, in einem Flugzeug zu sitzen, als die Durchsage „Willkommen in Hamburg“ ertönte.
Ich verdrehte innerlich die Augen. War ja klar. Da traf man einmal in seinem Leben einen tollen Mann, und schon war es auch wieder vorbei. Um nach seiner Nummer zu fragen, war ich viel zu schüchtern. Auch wenn ich nach außen eher die selbstbewusste und taffe gab, wenn’s um Männer geht, bin ich extrem schüchtern. Sehr zum Leidwesen meiner Freundin Luisa, die mir immer erklärte, dass es so „aber fei nix mit dem Heiraten“ würde. Wo war die eigentlich, wenn man sie brauchte?
Wir verließen zügig das Flugzeug, und ich verlor Nils zunächst aus den Augen. Wieso hatte ich das geahnt? Ich stellte mich an das Gepäckband und wartete auf meinen kleinen Koffer. Heute war Freitag, und ich hatte beschlossen, mir nach dem Vorstellungsgespräch ein schönes Wochenende in Hamburg zu machen.
Da kam mein Koffer auch schon um die Ecke gefahren, und ich griff danach. Ich holte ihn vom Band, zog den Griff heraus, drehte mich um und wollte loslaufen, da wurde ich durch ein menschliches Hindernis gestoppt. „Sorry“ nuschelte ich, in Gedanken beim Vorstellungsgespräch. „Bin ich froh, dass wir uns nochmal sehen“, ertönte da die tiefe, warme Stimme, die ich schon auf dem Flug so anziehend fand. Es gab also doch einen Gott. Ich war zielstrebig in Nils hineingelaufen. Ich schaute ihm in die Augen. „Ja, das ist wirklich schön, dass wir uns nochmal sehen.“ Ha, Luisa, sieh her, ich kann mutig sein, dachte ich. „Bleibst du übers Wochenende in der Stadt?“ fragte Nils mit Blick auf meinen Zwergkoffer. „Ja, ich dachte, wenn ich schon mal da bin, soll es sich lohnen“ antwortete ich ihm. Er strahlte. „Prima. Ich habe das Wochenende frei und würde dir gerne mein Hamburg zeigen. Hast du Lust? Oder bin ich zu aufdringlich?“ Ich schmunzelte. „Nein bist du nicht. Ich gebe dir einfach meine Nummer….“ „Nein, ich gebe dir meine. Ich will nicht mit meinem Anruf in dein Vorstellungsgespräch platzen.“ Nils notierte mir seine Handynummer auf einem Zettel, den ich hastig einsteckte. „Tut mir leid, aber ich muss jetzt echt zum Hafen, wenn ich die Stelle haben möchte.“ Entschuldigend sah ich ihn an. „Aber sobald das Gespräch vorbei ist, melde ich mich. Wenn du möchtest.“ „Klar, sonst würde ich dir meine Nummer ja nicht geben. Ich drücke dir die Daumen.“ Er umarmte mich. Himmel, fühlte sich dieser Mann gut an! „Danke Nils, dann habe ich den Job ja so gut wie sicher-bei DER Unterstützung.“ Schüchtern gab ich ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange, und eilte Richtung Taxis.
Als ich in einem dieser Fahrzeuge saß, ließ ich die Situation Revue passieren. Hatte ich den Mann ernsthaft auf die Wange geküsst? Oh-mein-Gott. Für was für ein Flittchen würde der mich halten? Hastig schob ich den Gedanken beiseite. Wie Lou immer sagte: „wenn du einen Ball zugespielt bekommst, fang ihn“. Die Stimme des Taxifahrers riss mich aus meinen Gedanken. „Wir sind da, miin Deern“ Diese Hamburger. Charmant waren sie ja. Ich zahlte, und ging auf das Reedereigebäude zu. Ich atmete einmal kurz durch, und trat ins innere. Eine halbe Stunde später war es vorbei. Herr Lohse, mein zukünftiger Chef, hatte mir die Stelle direkt zugesagt. Ich konnte es kaum fassen! Mein Traumjob in meiner Traumstadt! In 3 Wochen sollte es schon los gehen. Endorphine strömten durch meinen Körper, und ich zündete mir erst mal eine Zigarette an. Nachdem ersten Zug beruhigten sich meine Nerven einigermaßen, und ich beschloss, erst einmal ins Hotel zu fahren. Gesagt, getan. Als ich mein Zimmer bezogen hatte, holte ich Nils‘ Zettel aus meiner Jackentasche, fummelte mein Handy aus den Untiefen meiner wie immer viel zu vollen Handtasche und wählte zitternd seine Nummer. Würde er sich wirklich freuen? Nach dem zweiten Freiton hörte ich wieder seine Stimme. „Egtermeyer?“ „Äh…ja hi, hier ist Martina. Ich hab den Job. Danke fürs Mut machen.“ „Schön, dass du anrufst! Das freut mich für dich, wie wäre es, wenn wir das feiern?“ Wir verabredeten uns für in einer Stunde an der Alster. Ich durchsuchte meinen Koffer. Ich hatte nichts anzuziehen! Ich brauchte Hilfe. Also rief ich Lou an, die mich erst beglückwünschte und dann in wenig damenhaftes Gekreisch ausbrach, als sie hörte, dass ich ein Date hatte. Es war doch ein Date? Danach beriet sie mich geduldig, was ich anziehen solle. Ich beendete das Gespräch und zog mir meine Lieblingsjeans und mein Lieblingshoodie an. Er war babyblau und auf der Brust stand in großen Lettern „Colombia“. Ich liebte diesen Pullover, hatten ihn mir doch meine Brüder geschenkt.
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