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Im Schatten des Templo Mayor  I

GeschichteMystery / P18 / Gen
Alexandra Moreau Catherine Corrigan Derek Rayne Nick Boyle Philip Callahan Rachel Corrigan
28.04.2015
28.04.2015
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Im Schatten des Templo Mayor



Es wurde Nacht im Legat - oder besser im Haus der Luna-Foundation auf Angel-Island in San Franciso. In seinem Büro schaute Dr. Derek Rayne nachdenklich auf die kleine alte aztekische Skulptur. Sie war Alex unheimlich gewesen. Sie hatte ihn gewarnt, sie nicht in der Nähe zu behalten, doch er wollte noch Nachforschungen anstellen.



Die dunklen Türkisaugen leuchteten plötzlich als das Licht des Mondes auf sie traf. Derek betrachtete sich das gerade näher, als es klopfte. "Herein!" rief er und Nick sah um die Ecke. "Ich wollte nur... Huch, was leuchtet denn da so grün?" Der Leiter des Legats lächelte einladend. "Oh, die Augen dieser Skulptur, komm sieh dir das mal an." Nick kam näher und sah in die Augen der alten Götterfigur. "Weißt du schon wen es..." Derek grinste als Nick sich umdrehte. "Xipe Totec und Quetzacoatl sei Dank! Es hat funktioniert Bruder. Nun können wir Rache nehmen an diesen im Gesicht behaarten Wilden die unsere Götter schmähen!" sagte der Leiter des Legates. "Wo sind wir?" "Irgendwo, aber dein Körper ist der eines Wilden - und ich glaube, meiner auch. Wo wir sind und in welcher Zeit, das werden wir schon herausfinden."  Nick sah Derek an. "Ja, jetzt wenn ich nachdenke... Computer!" murmelte er. "Da könnten wir herausfinden in welcher Zeit wir uns befinden." "Sehr gut!" in der Stimme Derek Raynes schwang Triumph mit. Er dachte kurz nach, dann schaltete er den Computer auf dem Schreibtisch ein.



Nick schnappte hinter ihm nach Luft. "Unglaublich! Wir sind 500 Jahre in die Zukunft gereist!" Er lief zum Fenster und starrte ungläubig auf die hellerleuchtete Stadt. "Hey das musst du dir ansehen!" rief er. Derek erhob sich und stellte sich neben Nick. "Unglaublich! Die Stadt ist ja riesig. Und gesegnet von Teoyaoimquit und Xocotl. Viele Sterne und Feuer brennen in ihr! Selbst jetzt, während der eigentlichen Herrschaft von Metztli, dem Mondgott erhellen Lichter wie die von vielen Feuern und Sternen diese Stadt!" Der jüngere der beiden Männer nickte andächtig, schwieg jedoch.



"Worüber denkst du nach?" fragte der Praeceptor. "Dieser hier - Nick Boyle - empfindet viel für eine Alex... Sie arbeitet hier, wie er." antwortete der andere Mann. "Dann erobere sie, wenn sie dir gefällt. Denn wenn beim nächsten Mond die Seele in deinem Körper die Opferungen zu Ehren Xipe Totecs durchführen muss wird das seine Seele an deinen Körper und deine Seele an seinen binden - für alle Ewigkeit! Und dann können wir unsere Götter hier wieder erstehen lassen! Wenn das Blut der Herzen der Opfer seine Hand benetzt, dann haben wir gewonnen!"



Derek nahm die Figur vom Schreibtisch. "Wir müssen einen Schrein für Tonatiuh errichten und ihn gleich - mit unzulänglichen Mitteln vorerst noch - ehren. Am besten mit zwei Schälchen in die wir täglich etwas von unserem Blut füllen!"



"Ich gehe und suche zwei Schalen." sagte Nick und verließ das Arbeitszimmer von Derek Rayne. In dem langen Flur sah er sich kurz um und erblickte eine altertümliche Kommode auf der zufälligerweise mehrere kleinen Schalen standen. Er lief direkt darauf zu und gerade al er eine der Schalen nehmen wollte, vernahm er eine Frauenstimme. "Derek wird ganz schön böse wenn du eine der Schalen entwendest, Nick." als er sich umdrehte stand eine schöne Afroamerikanerin vor ihm. Sie lächelte ihn freundlich an. "Das muss Alex sein." dachte er. Er lächelte. "Nein das wird er nicht. Derek hat mich gebeten sie zu holen." Sie sah ihn verwundert an. "Wofür?" Er zuckte mit den Schultern, nahm zwei der Schalen und verschwand wieder in Dereks Arbeitszimmer. 



Verwundert sah Alex ihm nach. Irgendwas war an Nick anders gewesen. Etwas Dunkles schlummerte scheinbar in ihm, versteckte sich in ihm. Sie folgte ihrem Kollegen vorsichtig, doch vor Dereks Arbeitszimmer hatte er sich nur einmal kurz umgedreht, sie entdeckt und gelächelt. "Deine Schönheit gereicht Tlazoteotl zur Ehre..." sagte er leise - zumindest war es das was Alex verstand, bevor er die Tür vor ihrer Nase schloss. Alex presste überrascht ein Ohr an die Tür, doch die Worte, die im Raum gesprochen wurden, verstand sie nicht. Erstens schien es ihr eine ganz andere Sprache zu sein und außerdem sprachen Derek und Nick sehr leise - offenbar ahnte ihr Kollege, dass sie lauschen könnte.

Alex bemühte sich etwas zu verstehen. Als es ihr nicht gelang ihre Neugier zu befriedigen klopfte sie an die Tür. 

"Das ist bestimmt deine Alex." meinte der Azteke in Derek leise in ihrer Sprache. Nick lächelte leise. "Sie ist wirklich wunderschön. Xochipilli mit ihr zu ehren, den Freuden mit ihr zu fröhnen, die Tlazoteotl verspricht muss so sein, wie die Schwarzröcke der Bleichgesichter ihren Ewigen Garten beschreiben." "Du wirst poetisch, Bruder! So kenne ich dich gar nicht!" spottete der Praeceptor freundlich. Alex klopfte erneut, diesmal lauter. "Deine Alex ist hartnäckig." sagte Derek etwas genervt. "Wenn du erlaubst, werde ich sie hereinbitten, besänftigen und mit der Hilfe Cuaxolotls ihr Herz erobern und sie in meinem Haus unter meinen und den Schutz Chiconahuis stellen." Derek neigte den Kopf. "Möge die Göttin des Herzens dir bei der Eroberung helfen und die Herrin des Herdfeuers sie an dich binden, Bruder. Lehre sie, denn sie wird den Samen tragen der unsere Götter zurückkehren lässt indem sie die nächste Priestergeneration hervorbringt durch dich!" Nick deutete eine Verbeugung an, schritt zur Tür und öffnete sie. "Kann ich dir helfen, meine dunkle Schönheit, die du von Chanticos Feuer erfüllt bist, meine Chicomecoatl?"  Alex starrte ihn fragend an. "Ist alles in Ordnung? Du redest so wirres Zeug?" Nick räusperte sich. "Verzeih, das aztekische Artefakt, die Figur von Tonatiuh lässt mich offenbar poetisch werden." murmelte er, ergriff ihre Hand und hauchte einen Kuss darauf. Erschrocken zog Alex ihre Hand zurück. "Offenbar bist du echt nicht bei dir!" 

Wie ein Blitz war vor ihrem inneren Auge das Gesicht eines indianischen Priesters, eines aztekischen Priesters aufgetaucht als Nick sie berührt hatte und dieses Gesicht hatte sich irgendwie in die Züge von Nick geschoben bis beide auf seltsame Weise eins zu sein schienen. Doch kaum hatte sie ihm ihre Hand entzogen, war die Illusion vorbei. "Komm, ich mache dir eine Xocolatl mit Vanille. Dann wirst du gut schlafen." Hinter ihnen lachte Derek. "Du willst ihr den heiligen Liebestrank mischen, Bruder?" fragte er auf aztekisch. Nick drehte sich um. "Was wäre passender?" "Nick, Derek? Was geht hier vor? Was redet ihr eigentlich? Und was meinst du mit Xocolatl, Nick? Und was ist Chanticos und Chicomecoatl? Du redest wirres Zeug! Ich rufe am besten Rachel an."

Nick runzelte kurz die Stirn als versuche er sich zu erinnern - das war zumindest das Empfinden von Alex. Dann lächelte er. "Eine heiße Schokolade, wusstest du, dass es bei den Azteken ein heiliges Getränk namens Xocolatl war - natürlich nicht gesüßt und nicht mit Milch zubereitet, aber... ich werde dir einen Nachttrunk zaubern um den Geist Chanticos, der aztekischen Göttin der Vulkane - und des Herdfeuers - in dir zu besänftigen." Er lachte leise und streichelte sanft über ihre Wange.

Wieder hatte Alex die seltsame Vision, wie sich zwei unterschiedliche Gesichter in Nicks Antlitz vermischten. "Leg dich schon hin, ich bringe dir die heiße Schokolade." flüsterte er, drehte sich zu Derek um, deutete eine Verbeugung in seine Richtung an und machte sich auf den Weg in die Küche. Verblüfft über dieses Verhalten sah Alex ihm nach. "Derek, würdest du mir das erklären?" fragte sie den Leiter des Legates. Der lächelte väterlich. "Nick hilft mir nur mich mit der Statue auseinanderzusetzen. Und jetzt lass dich ein wenig von ihm verwöhnen und geh schlafen." Dereks Tonfall war ungewohnt besänftigend. "Wovon hat Nick geredet? Wer war Tonatiuh? Und wieso bin ich von Vulkanfeuer erfüllt und seine Chica... ähm..." Derek räusperte sich. "Tonatiuh ist einer der großen Sonnengötter und Chicomecoatl ist die Göttin der Fruchtbarkeit. Ihr ist der Mais heilig. Daraus "Chica" abzuleiten ist einfach beleidigend, Alex!" "Woher weißt du so viel über aztekische Götter?" Ihre Stimme klang misstrauisch



Derek lächelte besänftigend. "Alex, ich habe Theologie studiert und Anthropologie. Das gehört dazu. Und nun geh schlafen. Möge Cipactonal dich durch Tlahuizcalpantecuhtli wecken und willkommen heißen." "Bitte?" "Cipactonal ist die Verkörperung des Tages, der Gott des Kalenders und der Astrologie und Tlahuizcalpantecuhtli ist der Gott des Morgensterns. Und nun: Angenehme Träume, Alex!" erklärte er und wirkte dabei leicht ungeduldig - was sie an Derek so nicht kannte. Außerdem hatte er bisher nie seine Studienabschlüsse erwähnt, geschweige denn so viele Götternamen, noch dazu von längst vergangenen, heidnischen - und wenn Alex sich richtig erinnerte, auch nicht gerade sympathischen Gottheiten - verwendet. Doch Dereks Stimme hatte etwas Bezwingendes, Befehlsgewohntes, das sie gehorchen ließ. Einen letzten Blick zurückwerfend verließ sie das Arbeitszimmer des Leiters des Legates.



In der Küche suchte derweil Nick das Schokoladenpulver, den Zucker, die Milch und die Vanille. Die Seele des noch jungen aztekischen Priesters griff dabei nach dem Wissen, das er fand und lächelte. Oh ja! Die dunkle Schönheit, die deren Hautfarbe der heiligen Xocolatl glich, mochte diese moderne Form des heiligen aztekischen Getränkes. Leise betete er zu Xochipilli, während er die Milch erhitzte und das Kakaopulver langsam hineinrührte. Anschließend fügte er Zucker und Vanille hinzu. "Hilf mir Xochiquetzal, Herrin des Mondes, Fürstin der Erde, lass die von dir gehüteten Blumen als dir heilige Liebe in Alex entbrennen, hilf mir mit Cuaxolotl und lass ihre Gefühle für mich wachsen, damit ich sie in meinen Armen willkommen heißen und unsere Verbindung den Göttern weihen kann." betete er leise während der das Getränk rührte. Anschließend hielt er segnend die Hand über den Topf und füllte es dann in zwei Becher, die er auf ein Tablett stellte. Er machte die Herdplatte aus und ließ den Topf in der Spülmaschine verschwinden.



Kaum lag Alex im Bett, klopfte es und - bevor sie etwas sagen konnte betrat Nick mit einem Tablett den Raum. "Der versprochene Schlummertrank, meine ebenholzfarbene Gazelle." Alex blickt ihn verblüfft an. "Wieso redest du plötzlich so romantisch daher?" Nick lächelte verlegen. "Manchmal braucht Erkenntnis Zeit und Mut - und den richtigen Augenblick..." antwortete er leise, setzte sich auf die Bettkante und reichte ihr einen Becher. "Trink solange die Schokolade noch heiß ist." sagte er den zweiten zur Hand nehmend. Alex nahm einen Schluck. "Mhm, lecker! Was hast du hineingetan?" fragte sie überrascht. "Du hast nicht das Instantpulver genommen, oder? Sonst wäre die Schokolade süßer. Und da ist noch irgendwas anderes drin." Nick lachte leise. "Meine neugierige Alex, schlaf. Wir reden morgen." antwortete er, nahm ihren leeren Becher und verließ ihr Schlafzimmer.



Kurz darauf kehrte Nick zu Derek zurück, der inzwischen einen Altar aufgebaut hatte und ihm wortlos ein Messer hinhielt. Ohne zu zögern ergriff Nick es und schnitt sich vorsichtig ins Handgelenk. Er ließ Blut in das Schälchen tropfen, das Derek ihm hinhielt und ließ sich anschließend den Schnitt verbinden. Der junge aztekische Priester beobachtete, wie sein Bruder in der Gestalt des Praeceptors sein Blut vorsichtig über die Skulptur des Tonatiuh goss. Er ertappte sich bei dem Gedanken, was Alex wohl denken würde, wenn sie wüsste, dass er nicht der Nick Boyle war den sie kannte. Würde sie eine würdige Gefährtin für ihn sein? Würde sie ihn lieben können und sich mit der Rolle der Ehefrau eines aztekischen Priesters arrangieren? Er hatte sich in dem Moment in sie verliebt in dem er sie erblickt hatte. Und mit leisem Schaudern und dem Wissen von Nick Boyle wusste er mit Bestimmtheit, dass sie ihn hassen würde, wenn sie die Wahrheit erführe. Sie würde nie die Notwendigkeit von Opfern verstehen und wenn er am Frühjahrsanfang zu Ehren Xipe Totecs ein Opfer bringen würde, dann - das wurde ihm schlagartig klar - sähe er Angst, Verachtung und Hass in den wunderschönen braunen Augen. Er schloss kurz die Augen. Nick Boyle würde Alex glücklich machen. Er war ihr zugeneigt und könnte ihr das Leben bieten, das sie verdiente und wollte.



"Yolotli! Komm hoch! Wir müssen einen Techcatl, einen Opferstein aus heiligem Vulkangestein beschaffen und ein geeignetes Opfer wählen! Du wirst zum ersten Mal zu Ehren Xipe Totecs ein Opfer häuten und seine Haut tragen und so deinen Platz unter den Höchsten der Priesterschaft erhalten! Und wir müssen zu Ehren Huizilopochtlis einen Tempel errichten in dem wir mit den täglichen Opferungen beginnen können!" Der jüngere Mann sah den älteren an, seinen älteren Bruder in dieser neuen Gestalt. "Yaoti... es könnte zu viel Zeit vergangen sein. Wir können unsere Götter vielleicht nicht..." Eine harte Ohrfeige traf ihr Ziel. "Verrate unsere Ziele nicht! Nicht für diese Frau, du Narr! Ich schwöre dir, sie wird die Erste sein die ich sonst persönlich dem Herrn der Sonne und des Krieges opfere um dich wieder an deine Pflicht zu erinnern!" drohte er.



Nicks Gestalt erbleichte. "Wie du verlangst, Bruder, ich werde gehorchen, doch bitte, verschone Alex. Sie ist stark und wird mir Söhne und Töchter schenken, die in unserem Glauben aufwachsen werden!" antwortete er, seine Angst verdrängend. Er wusste, Yaoti, sein Bruder, war ein routinierter Opferpriester, der schon seit mehreren Jahren die täglichen Opfer für den Sonnen- und Kriegsgott Huitzilopochtli vollzog und keine Gnade kannte wenn er es für notwendig hielt und hier - in dieser Zeit - war er Dr. Derek Rayne, der Leiter einer Organisation, die Artefakte sammelte und das Böse bekämpfte, während er in Nick Boyle gelandet war, einem der Ermittler und Untergebenen.

Die Luna-Foundation bekämpfte das Böse. Yolotli schluckte. Alex, die wunderschöne Alex, würde ihn als eine der Verkörperungen des Bösen sehen. Sie würde nicht mit ihm zusammen sein können, geschweige denn wollen, wenn er mit der Haut des Opfers zu Ehren des Frühlingsgottes zu ihr kommen würde. Er würde sie anwidern. Voller Schmerz ob dieser Erkenntnis schloss er die Augen. Er musste alles tun um den richtigen Nick in diesen Körper zurück zu holen um Alex glücklich zu machen. Mochte Nicks Körper sich auch inzwischen normal anfühlen, fast so wie sein eigener, wie ein Zwilling...



"Ich werde recherchieren wo wir einen Techcatl herbekommen und für scharfe Steinmesser aus Obsidian sorgen." antwortete er seinem Bruder wie mechanisch. Der nickte und winkte ihn mit der Hand aus dem Arbeitszimmer. 

Vor der Tür des Arbeitszimmers atmete er einmal tief durch. Was sollte er nun tun? Müde und traurig lenkte er seine Schritte zu seinem Zimmer. Er kam dabei an Alexs vorbei und legte sanft eine Hand an die Tür, die sich augenblicklich öffnete - offenbar war sie nur angelehnt gewesen.

Alex wachte auf, als die Tür leise in den Angeln quietschte. Es war Nick, der in ihrem Schlafzimmer stand. "Was machst du hier?" fragte sie leise. Er schüttelte traurig den Kopf, drehte sich um und wollte gehen. "Nick, irgendwas stimmt nicht. Bitte rede mit mir. Als du mich berührt hast, vorhin, da habe ich etwas Seltsames gesehen. Ein indianisches Gesicht, das irgendwie mit deinem verschmolzen ist, so als wäre es irgenwie normal. Das war seltsam. Und auch Derek benimmt sich komisch. Erklär mir das bitte! Ich bin sicher, du kannst das..." "Nicht jetzt, meine wunderschöne Alex. Ich erkläre es dir  später, ich muss etwas für ... Derek erledigen." Er verließ Alex Zimmer um sich selbst schlafen zu legen und nachzudenken.

Am nächsten Morgen war er in Gedanken noch nicht weitergekommen. Der Praeceptor hatte ihn beauftragt, provisorisches Opferwerkzeug zusammen zu suchen und so lief er auf der Suche nach einem brauchbaren Messer durch das Haus. Der Priester in Dereks Körper betrat die Küche auf der Suche nach etwas zu Trinken. "Viel zu groß das Haus." murmelte er. "Hallo Derek, seit wann ist dir denn dein Haus zu groß? wollte die blondhaarige Frau wissen die gerade die Küche betrat. Derek drehte sich um. Das musste Rachel sein, von der Alex sprach. Er spürte dass der Leiter der Luna Foundation mehr als nur Freundschaft für sie empfand. "Ist alles in Ordnung? Alex rief mich an und berichtete mir, dass ihr euch gestern Abend ganz merkwürdig verhalten habt  und immer wieder von Göttern mit unaussprechlichen Namen geredet habt.

"Bei  Huitzilopochtli, das geht dich gar nichts an!" Er ging zu einem Schrank holte ein Glas heraus und schenkte sich etwas Wasser ein ohne Rachel weiter zu beachten. Sie stellte sich ihm in den Weg als Derek die Küche verlassen wollte. "Wer ist Huitz ... " "Geh mir aus dem Weg!" befahl er sehr schroff. Rachel starrte ihn fassungslos an, da er noch nie zuvor so mit ihr geredet hatte. Nach dem sie keine Anstalten machte zu Seite zu treten schob er sie unsanft zur Seite und verließ wortlos die Küche. 

Wieder in Dereks Arbeitszimmer setzte er sich in einen der der Sessel und nahm einen Schluck aus seinem Glas, während er sich Gedanken über das bevorstehende Ritual machte. Ein lautes Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. "Kann man hier nicht mal für einen Augenblick allein sein!" Rachel trat herein. "Warum bist du so gemein Derek? Und was  ..." Sie erstarrte als sie den Altar mit den Schalen voll Blut entdeckte. "Was um Himmels Willen ist das?" fragte sie entsetzt. "Auch das geht dich nichts an Dr. Corrigan! Und jetzt verschwinde aus meinem Zimmer!" Sie drehte sich um und ging Richtung Tür. "Das bist nicht du Derek!" sagte sie noch als sie sich nochmal kurz umdrehte. Ihre Stimme klang traurig.



Nick folgte der steilen Treppe in den Keller des Hauses, Er war begeistert von dem was er dort sah. Hier lagen lauter Reliquien aus vergangenen Zeiten. Er sah sich weiter um.  "Glück muss man haben." lachte er als  er den verstaubten Techcatl in der Ecke bemerkte. In einer kleinen Nische lagen einige Opfergegenstände. Er betrachtete sie näher. "Ist zwar kein Obsidian, aber aus Stein, könnte für den Notfall auch gehen. Er kehrte zu seinem Bruder zurück und berichtete diesem von seinem Fund im Keller. "Das muss dann wohl reichen. Dann brauchen wir nur noch ein geeigntes Opfer. "Wir vollziehen das Ritual heute Abend!"



Während die atztekischen Priester  ihr Ritual nochmal durchgingen, kam Father Philip Callaghan, den Alex ebenfalls verständigt hat. Die beiden Frauen berichteten dem Priester von dem komischen  Verhalten ihrer  Freunde.  

Derek und  Nick bemerkten den Priester nicht auf ihrem  Weg in den Keller. Sie sahen sich den Opferstein und die Steinmesser die darauf lagen an. "Nicht perfekt, da es kein Obsidian ist aber machbar." murmelte der ältere der beiden Männer. 

"Derek? Bist du dort unten? Ich bin es Philip." Die  Aztekenpriester sahen sich an. "Unser Opfer?" sagte  Derek mit fast teuflischem Grinsen. Nick zuckte zusammen. Innerlich hatte er Alex Reaktion vor Augen.

Derek, ich muss mit dir reden, es ist ..." "Sei still!" fuhr der Praeceptor den fremden Priester an. "Aber es ist wichtig!" "Meine Angelegenheit ist wichtiger," unterbrach Derek ihn erneut. Nick sah sich währendessen im Raum um, nahm einem Kerzenständer und schlug Philip auf einen stummen Befehl Dereks damit nieder.

Als Philip wieder erwachte, lag er bis auf die Unterhose entkleidet und eingeschmiert mit Dreck? Oder Farbe? auf einem alten Opferstein. Er versuchte aufzustehen, stellte jedoch fest dass er  gefesselt war. Als er sich umblickte und seine Freunde sah wie sie die alten Steinmesser schärften, befürchtete er das Schlimmste. "Was macht ihr denn da? Seid ihr verrückt geworden? " Er schrie als er sah wie Derek mit einem der Messer auf ihn zukam . Gerade als Derek das Messer unterhalb seiner Brust ansetzte hörte er Alex und Rachel aufkeuchen. Die beiden Frauen standen erschrocken, mit entsetztem Blick in der Tür.



"Bring sie raus! Noch ist der Frühling nicht da!" zischte Derek Nick zu. In aztekisch, damit Alex ihn nicht verstand und auch Rachel nicht, antwortete er: "Wenn du die Ärztin für dich willst, dann solltest du mit dem Opfer warten bis wir einen Tempel herrichten konnten, der unserer Götter würdiger ist als dieser Keller! Und dann solltest du dafür sorgen, dass sie nichts mitbekommt!" Er fasste Alex und Rachel bei der Hand. "Komm, ich muss dir etwas erklären!" flüsterte er Alex von den anderen ungehört ins Ohr. Sie folgte ihm zögernd, während Rachel sich losriss und sich wütend vor Derek aufbaute - oder besser - was sie nicht wusste, vor Yaoti, einem der hochrangigsten Opferpriester Tenochtitlans, der großen Aztekenmetropole. "Du bist offenbar total von Sinnen! Lass Phil sofort frei! Was soll dieser Schwachsinn! Komm endlich zu dir, Derek!" rief sie verärgert. Derek lächelte. "Beruhige dich! Ich wollte ihn nur in seine Schranken weisen..." sagte er scheinbar belustigt, doch Yolotli konnte er nicht täuschen; innerlich tobte sein Bruder vor Wut über den Ungehorsam und die ungenügende Fügsamkeit Rachels.



Alex ließ sich von Nick in die Küche ziehen. "Magst du eine heiße Schokolade, meine Chantico?" fragte er fast schon zärtlich."Ja - nein, ich will Erklärungen Nick! Ich..." Er drückte sanft seine Lippen auf ihre. Sie erwiderte seinen Kuss überrascht. "Ich mache uns einen Lie... eine Schokolade, meine Schöne, und dann reden wir. Wir müssen einen Weg finden... Ich... du bist so wunderschön, und auch wenn ich es mit dir herbeisehne... ich weiß, es geht nicht..."



Ungewohnt häuslich machte Nick sich am Herd zu schaffen. "Was meintest du mit Lie...?" fragte Alex neugierig. Nick lachte leise. "Du hörst sehr genau zu, meine süße Alex." Er lächelte sie an. "Komm, sieh mir zu." forderte er sie auf und fügte neben dem Kakao und dem Zucker vor ihren Augen das Mark einer Vanilleschote und Chilipulver hinzu. "Der Trank des Xochipilli, des Gottes der Liebe..." flüsterte Nick als er Alex einen Becher in die Hand drückte.

"Ich habe den Namen Xochipilli und auch Chantico noch nie gehört." meinte sie und probierte vorsichtig die heiße Schokolade. Überrascht stellte sie fest, dass sie nach Nicks Rezept richtig gut schmeckte. Der Chilli schien ihr Blut zu erhitzen und die Vanille besänftigte mit der Milch die Schärfe.



Nick zog Alex zum Tisch. "Es ist wichtig, dass du dir gegenüber Ya... Derek nicht anmerken lässt, dass ich dir alles erzählt habe. Ich würde es nicht ertragen, meine Schöne, wenn dir etwas geschähe.Versprich mir, dass du schweigen wirst!" Überrascht konnte Alex nur nicken. 



Nick seufzte tief, dann begann er: "Du erinnerst dich an die Figur, die auf Dereks Schreibtisch stand?" "Diese gruselige armhohe aztekische?" fragte sie. Er nickte. "Sie stellt Tonatiuh dar, den Erhabenen Adler, unseren Sonnengott." Alex wollte ihn überrascht unterbrechen, doch Nick legte ihr sanft einen Finger auf die Lippen. "Nein, lass mich erst erzählen, dann kannst du fragen..." flüsterte er zärtlich, dann fuhr er fort: "Vor gut fünfhundert Jahren eurer Zeitrechnung trafen die Spanier, jene Männer die ihr Conquistadoren nennt, in meinem Land ein. Wir hielten sie für Götter und wurden bitter enttäuscht. Mein Bruder Yaotl und ich, wir entstammen einer ganzen Dynastie von Priestern. Soweit wir unsere Familienchronik zurückverfolgen können waren seit Anbeginn der Erzählungen unsere männlichen Vorfahren Priester. Als die Conquistadoren mit ihren Kreuzträgern und Blendern, mit ihrem heiligen Buch und ihrer Ignoranz unserer heiligen Traditionen kamen, geriet mein Bruder, einer der höchsten Opferpriester Tenochtitlans, in Wut und studierte die alten Überlieferungen. Er fand heraus, dass die Zeit unserer Götter vergehen würde und suchte nach einer Möglichkeit dieses abzuwenden. Er band unsere Seelen an den Willen Tonatiuhs und an eine steinere Gestalt des Gottes. Dr. Rayne und Nick Boyle waren die ersten beiden, die seit dem Bindungsritual in die Augen der Figur geblickt haben und so tauschten wir, mein Bruder und ich, die Seelen mit ihnen. Yaoti will... er will den Glauben an unsere Götter wieder erstehen lassen, mit allen Konsequenzen. Ich selbst werde... ich bin ebenfalls Priester, Alex..." Er schluckte und sah plötzlich traurig an ihr vorbei, als sie einen leisen, entsetzten Schrei ausstieß. "Die... Azteken haben Menschen grausam geopfert!" flüsterte sie. 

Er nickte. "Ja... ich bin noch nicht... nicht in den hohen Rängen. Meine letzte Weihe steht noch aus. Am Beginn des Frühlings soll ich zum ersten Mal das Ritual zu Ehren Xipe Totecs, des Gottes des Frühlings und der Landwirtschaft vollziehen. Zur gleichen Zeit werden die Seelen Dereks und Nicks dieses auch in Tenochtitlan tun müssen oder sterben. Wenn über die Hände der beiden das Blut auch nur eines Opfers rinnt, Alex, dann sind sie an Yaotis und meinen Körper gebunden." Alex Augen weiteten sich vor Entsetzen. "Oh mein... wir müssen die beiden irgendwie warnen!" hörten sie eine Stimme von der Tür - Kat Corrigan stand da. 



"Katherine, nicht wahr?" flüsterte Nick. Das Mädchen nickte. "Kat, so nennen mich alle... Wie können wir Kontakt herstellen?" Sie kam zögernd, aber doch hoch erhobenen Hauptes an den Tisch. "Meine Schwester ist ein Medium und wir brauchen nur hier eins, das sie erreichen kann. Aber selbst wenn... ich meine, ich sollte euch warnen, selbst wenn es klappt und wir verhindern können, dass Nick in meiner Gestalt in Tenochtitlan und ich hier das Opfer zu Ehren Xipe Totecs vollzieht, dann werden wir zwar automatisch unsere Seelen zurücktauschen, da sie nicht durch Opferblut gebunden werden, aber wir werden auf ewig verbunden sein und willentlich tauschen können, mit dem Willen des einen und dem Einverständnis des anderen. Das gilt auch für Yaoti und Derek." "Derek wird nie zustimmen. Dein Bruder wird nie wieder die Chance erhalten wenn Rachel ihn an der Opferung Philips hindern konnte!" versicherte Alex Nick und streichelte sanft über Nicks Wange. "Wie heißt du übrigens... ich meine..." Nick lächelte sie an. "Yolotli..." "Das klingt... nett. Was bedeutet dein Name?" flüsterte Alex "Das Herz... und deiner, Alexandra?" "Es ist die weibliche Form von Alexander - der Beschützer, also "die Beschützerin" oder auch "Herrscherin". Das ist beides möglich." 

Nicks Augen weiteten sich erstaunt. "Yaoti hat offenbar noch nicht über deinen Namen nachgedacht... An diesen Seelentausch war eine... eine Weissagung geknüpft. "Verhindere, Krieger unter meinen Priestern, dass das Herz seine Beschützerin findet, denn die Reine wird sich mit der Freundschaft verbinden - Icnoyotl, das ist meine Schwester, ihr Name bedeutet in eurer Sprache Freundschaft - und der Sieger - wobei das hier sehr unklar wurde und auch irgendwie "Sieg des Volkes" wird einen Bruder im Herz finden, während der Herrscher des Volks nicht eins wird mit dem Krieger und doch das Mutterschaf unter seinen Willen zwingt und es empfangen lässt und den Boden für den Herrscher bereitet. Ohne Beschützerin wird das Herz deinem Befehl folgen. Ohne Hoffnung auf Umkehr wird das Mutterschaf dem Krieger untertan sein und starke Priester hervorbringen. Dann wirst du erfolgreich sein." 



Alexandra und Kat grinsten einander an. "Katherine oder Katharina kommt vom griechischen Katharoi... und bedeutet "die Reine". Kann ich auch mit Icnoyotl tauschen wenn ich Tenochtitlan sehen will?" Kat war aufgeregt. Nick sah erstaunt auf. Alex grinste. "Nick kommt vom griechischen Nike - das war die Göttin des Sieges und ist eine Kurzform von Nikolaus, übersetzt "Sieg des Volkes" - ich hab mal rein aus Interesse irgendwann die Namen der Legatsmitglieder nachgesehen... Derek ist der Herscher des Volkes und Rachel das Mutterschaf." "Und Yaoti der Krieger... und ich habe meine Beschützerin gefunden..." flüsterte Yolotli fast ehrfürchtig und küsste Alex sanft.

"Wie funktioniert das mit dem Kontakt zu deiner Schwester? Ich will Derek wiederhaben. Ich will nicht, dass er, oder besser seine Seele in Tenochtitlan bleiben muss!" drängte Kat. 



Währenddessen erwachte Yaoti, einer der höchsten Priester Tenochtitlans in seinem prächtigen Gemach und sah sich erstaunt um. Ein Diener, nein - er wusste instinktiv, dass es ein Sklave war - erhob sich hastig und beeilte sich ihm zu Diensten zu sein. "Der Rat der hohen Priester erwartet euch. Es herrscht Dürre, Herr, und Ihr... Ihr sollt die Opfer zu Ehren Tlalocs auswählen." Yaoti erschauerte als er auf sein Wissen zurückgriff. Er sollte ein Dutzend Kinder auswählen, die in Käfigen unter Qualen verhungern und verdursten sollten während sie möglichst viel weinten, vor Schmerz, Entsetzen, Entkräftung, Hunger, Durst, ganz gleich.

Yolotli, der jüngere der Brüder, der bald seine letzte Weihe zum höchsten Priesteramt empfangen sollte, betrat das Zimmer des Älteren im Tempel. Er näherte sich dem höherrangigen mit gebotener Demut und bat um ein kurzes Wort. Sein Sklave war ihm gefolgt. "Herr, es wurden die Gliedmaßen geschickt, ihr müsst für eure Weihe, für das Opfer an den großen Xipe Totec üben!" Yaoti sah das Grauen in den Augen seines jüngeren Bruders und wusste instinktiv, dass in dem Körper die Seele Nick Boyles gefangen war.



In der Zukunft, in der Küche des Legates sah Yolotli mit Nicks Augen in Kats erwartungsvolles Antlitz. "Du wirst Icnoyotl mögen, du bist sehr stark, Kat. Man hätte dich zu Ehren Tlalocs gewählt und geopfert, wenn du eine der eroberten Blumen in den Blumenkriegen gewesen wärest." sagte er sanft. "Tlaloc?" Das Mädchen sah ihn fragend an. "Unser Regengott. Er verlangt Kinder als Opfer, die in Käfigen gefangen gehalten und... und... ihre Tränen Kat, sie waren... sie sind das Opfer. Je mehr Schmerzen und Qualen die Kinder erleiden und je mehr Tränen sie vergießen, desto wertvoller ist das Opfer... gewesen." Kats Augen weiteten sich entsetzt. "Das ist furchtbar!"

Yolotli-Nicks Blick richtete sich allerdings auf Alex. Ihre Reaktion war ihm wichtig. Sie legte ihre Hand sanft auf seine. "Das ist bisher dein Glaube gewesen. Auch wenn ich das genauso schrecklich finde wie Kat und wie auch Nick es fände, jedes eurer Rituale, es ist deine Wirklichkeit, dein Weg, Ni... Yolotli." Ihre Stimme zitterte ein wenig. Betreten zog er seine Hand weg und blickte auf die Tischplatte. "Es stößt dich ab, es tut mir leid, meine Cuaxo... meine Schöne." "Mit welcher Göttin wolltest du mich vergleichen?" fragte Alex leise. Sein Blick war immer noch gesenkt. "Mit Cuaxolotl - der Göttin des Herzens. Sie hatte bisher nie eine Gestalt für mich - bis ich dir begegnet bin, Alex." flüsterte er traurig. "Wahrscheinlich sollte ich mich geschmeichelt fühlen..." murmelte sie. 

"Könnt ihr mit dem Gesäusel aufhören?" fragte Kat. Nick lachte leise. "Ja, wahrscheinlich... ist das besser." Er atmete einmal tief durch. "Alex, wir brauchen  ixtac octli... ähm... ihr nennt das heute Pulque - das ist ein Getränk aus Agavensaft - ein berauschendes Getränk... Können wir das irgendwie beschaffen? Es wird weder dir noch Kat gefallen, aber sie muss alkoholisiert sein wenn ich sie auf de Reise schicke und wir müssen abwarten, bis es wieder Abend und Icnoyotl eingeschlafen ist. Durch das Pulque wird Kats Geist die Reise antreten können. Wir müssen dann meine Schwester nur in Kats Körper in Empfang nehmen und ihr alles erklären. Und Kat: du hast vorhin gefragt, ob du in Zukunft genauso in gegenseitigem Einverständnis die Seele mit Icnoyotls tauschen kannst. Das weiß ich nicht, aber es könnte sein. Die Zeit wird es zeigen." Alex überlegte. "Ich könnte bei meinem Lieblingsmexikaner anfragen. Carlos könnte vielleicht Pulque haben. Aber meinst du nicht, dass der Alkohol Kat schadet?" Nick-Yolotli seuftze. "Das ist wie Pest und Cholera gegeneinander abwägen, oder?" fragte er leise. 

Kat schnaubte leise. "Wenn wir Derek und Nick wiederkriegen werde ich dieses Zeug trinken, Alex!" 



Alex nickte. "Gut, ich rufe Carlos an."  "Ein Spanier, ein Conquistador! So einer wird kein Pulque haben!" meinte Nick verächtlich. Alex grinste. "Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich habe Hunger auf mexikanisches Essen - wie ist es, wollen wir Essen gehen?" Er sah sie überrascht an und stimmte schließlich etwas zweifelnd zu. "Ich muss nur Yaoti - ich meine Derek informieren, dass ich dich zum Essen ausführe. Das gehört - wenn ich in Nicks Erinnerungen nachsehe - zum Ritual des Werbens um die Zuneigung einer Frau?" Kat grinste. "Ganz genau. Schokolade, Essen gehen, Geschenke..." Alex errötete unter seinem Blick, was jedoch durch ihre dunkle Hautfarbe nicht auffiel - und doch hatte sie das Gefühl, dass Yolotli-Nick es sehr wohl bemerkte. "Xocolatl ist wichtig bei der Werbung?" fragte er lächelnd. Sie räusperte sich und murmelte: "Ja, in Pralinenform oder..." "Oh, ich dachte in der Trinkvariante... dann muss ich diese Pralinen besorgen..." unterbrach er sie sanft. "Wir treffen uns in einer Viertelstunde in der Vorhalle und dann gehen wir Essen, meine Damen." Er erhob sich und deutete eine Verbeugung an, dann verließ er die Küche.



Nick klopfte an die Tür von Dereks Arbeitszimmer und wurde hineingerufen. Yaoti-Derek war sichtlich wütend. "Ich habe diese unerträgliche Frau in ein Zimmer gesperrt. Wegen ihr lebt auch dieser Lügenflüsterer noch, diese Zunge ihres Gottes! Ich habe ihn im Keller gefesselt zurückgelassen. Es ist sowieso besser ihn Huitzilopochtli offen zu opfern, du hattes völlig recht, Yolotli! Ich werde mir darüber klar werden müssen wie ich diese Corrigan zähme. Sie ist wild, das gefällt mir, aber sie könnte anschmiegsamer sein." schnaubte er wütend. "Was willst du jetzt?" Yolotli-Nick räusperte sich. "Du weißt ja, dass ich meine Cuaxolotl gefunden habe und ich möchte sie erobern und mir geneigt machen. Kitty, Dr. Corrigans Tochter, hat mir ein paar Tipps gegeben wie mir das gelingen könnte und ich habe beschlossen sie und meine Traumfrau zum Essen einzuladen - einer der Vorschläge. Kitty kommt natürlich nur als "Anstandsdame" mit, damit meine dunkelhäutige Gazelle sich nicht bedrängt fühlt." Yaoti-Derek überlegte kurz. "Tu das! Je mehr sie dich akzeptiert und je williger sie die deine ist, desto freudiger wird sie bald unseren Göttern dienen und ihnen die neue Generation der Priester schenken!" Der jüngere deutete eine Verbeugung an. "Das war die Idee, Bruder." antwortete er und wollte sich entfernen. "Kitty? Heißt die Tochter von dieser Sonnenhaarigen so?" Yolotli nickte hastig, dann beeilte er sich den Raum zu verlassen bevor sein Bruder die Lüge bemerkte.

Alex lenkte Nicks Wagen mit Kat auf dem Rücksitz gekonnt durch die Straßen San Franciscos und hielt nach zwanzig Minuten vor einem mexikanischen Restaurant.



Yaoti alias Derek atmete tief ein bevor er sich Yolotli, der mit Nick die Seele getauscht hatte, zuwandte als die Sklaven das Zimmer wieder verlassen hatten. "Na da sind wir ja in einen Schlamassel  hineingeraten." "Ja, ich soll den Gliedmaßen die Haut abziehen, das ist einfach ekelerregend. "Musst du auch so was widerliches machen?" wollte Nick wissen. Derek schloss kurz die Augen und sah seinen Freund sehr traurig an. "Viel schlimmer! Ich soll zwölf Kinder auswählen, die Tlaloc geopfert werden, da hier Dürre herrscht." Yolotli überlegte einen Moment, Yaoti merkte, dass er zuerst die Rituale irgendwie ordnen musste, dann sah der Jüngere seinen Bruder entsetzt an. "Das ist ja schrecklich! Und machst du es?" "Mir wird nichts anderes übrig bleiben, wenn wir hier wieder lebend raus kommen wollen." "Da zieh ich lieber die Haut von den Gliedmaßen." "Sehr hilfreich. Ich weiß auch noch nicht wie ich das morgen schaffen soll und wie ich damit leben soll, wenn wir unsere Seelen wieder tauschen können." antwortete Derek. "Na dann gönn dir noch etwas Ruhe, ich geh jetzt und übe, dass ich das Grauen erst mal hinter mir hab." Mit diesen Worten verließ er das Zimmer seines Bruders.

 

Nick hustete und würgte während er den Gliedmaßen die Haut abzog. Das war dasEkligste was er jemals gemacht hatte. "Bitte Gott, lass unsere Seelen schnellst möglich wieder zurückkehren." betete Yolotli. 

Yaoti hatte die Nacht kaum geschlafen. Er wurde von schrecklichen Albträumen gequält. Sein Bruder betrat das Zimmer. "Guten Morgen, wie geht es dir?" "Ich fühle mich einfach grauenvoll, wenn ich daran denke dass ich bei dem heutigen Opferritual für den Regengott die Kinder für das Ritual auswählen muss." "Wir müssen uns schnellstens überlegen wie wir unsere Seelen wieder zurücktauschen." Sein älterer Bruder stimmte ihm mit einem Nicken zu.

Als Yaoti den Opferplatz der Stadt betrat waren die Bewohner von Tenochtitlan bereits versammelt. Neben den zwölf bereitgestellten Käfigen in die die Kinder dann gesperrt wurden, standen alle Sklavenkinder der Stadt. Yaoti, fühlte sich grauenhaft. Er konnte Dereks Gefühle spüren. Angst, Entsetzen, Verzweiflung und tiefe Traurigkeit. Derek gelangte zu der Erkenntnis, dass die Gefühle und die Moral eine Frage der Seele waren. Er schloss kurz die Augen, dann atmete er einmal tief durch und zwang sich, das vielleicht Widernatürlichste zu tun, was er je würde tun müssen. Er wählte zuerst die Waisen, dann kranke Kinder die so wieso schon dem Tod geweiht waren und zuletzt die dürren und halb verhungerten. Plötzlich trat ein Paar neben ihn, das ihm sein Kind zum Opfern anbieten wollte. Ihm stockte vor Fassungslosigkeit wie man seinem Kind freiwillig so etwas schreckliches antun konnte, der Atem."Nein, ich habe meine Wahl schon getroffen." antwortete er ohne das Paar anzusehen. Er wandte den Kopf ab als die Kinder in die Käfige gesperrt wurden. Nur Yolotli sah die Tränen in seinen Augen. Auch er kämpfte darum die Fassung nicht zu verlieren. Noch nie zuvor hatten sie so etwas Furchtbares in der Art erlebt. Sie sehnten sich zurück nach Angel Island ins Legat. "Ehrenwerter Yaoti, möchtet Ihr persönlich das Erste der Kinder mit dem Saft aus den Chillischoten einreiben, damit die Sonne besonders gut auf der Haut brennt und sich schmerzhaft schält, damit die Tränen zu Tlalocs Ehren und zu seiner Freude besonders reich fließen?"

Ihm wurde kurz schwarz vor Augen. "Was kommt denn noch alles?" fragte Dereks Seele sich und schien vom Körper umgehend eine Antwort zu bekommen. Er wollte es nicht machen, aber ihm fiel auf die Schnelle keine passende Ausrede ein. Und außerdem durften sie auf keinen Fall  auffallen. Zögernd nahm er die Chilischote entgegen und näherte sich dem ersten Kind. Er schloss  die Augen so dass er das Kind nicht ansehen musste und zwang sich das grauenvolle  Ritual fortzuführen. Seine Hände wussten automatisch was zu tun war, gelenkt vom Gehirn und geschult von der jahrelangen Übung, die Yaoti zweifellos hatte. Mit der größten Selbstbeherrschung die er aufbringen konnte sagte er: "Habt Dank, für die Ehre, jetzt dürft ihr weitermachen." und reichte die Chillischote wieder zurück an den Mann der sie ihm gegeben hatte. 

Hinter sich hörte er die anderen Priester leise tuscheln. Er atmete einmal tief durch und horchte tief in den Körper hinein, in dem seine Seele gefangen war. Er musste ein Würgen unterdrücken als er entdeckte, dass Yaoti persönlich jedes der zwölf Kinder in Chillisaft praktisch gebadet hätte! Der Mann war ein Sadist par excellence! Sein Blick ging zu Nick, der ihm als Yolotli schräg gegenüber stand und nun von den anderen Priestern offenbar angesprochen wurde. Der jüngere nickte erst, dann zuckte er mit den Schultern, nickte erneut und wandte sich dann Yaoti-Derek zu.



Der Ältere wollte sich eilig entfernen, doch Yolotli rief ihn mit gebotener Ehrerbietung an. "Hoher Priester, ehrenwerter Bruder, leihst du mir bitte kurz Gehör?" Der Priester drehte sich kühl um. "Natürlich, vielleicht kommst du gleich mit? Bis zum Frühlingsanfang ist es nicht mehr weit und deine Weihe soll doch würdevoll werden. Ich will dafür noch einiges nachsehen."

Die beiden entfernten sich. "Die anderen sind misstrauisch, Dere... Yaoti. Du bist nicht so engagiert im Dienst an den Göttern wie sonst." murmelte Yolotli-Nick.

Derek ließ sich erschöpft auf  einen von Yaotis Stühlen fallen als sie das Zimmer betraten. "Was hätte ich denn tun sollen? Das abartige Ritual hat schon meine ganze Überwindung  gekostet. Mehr konnte ich beim besten Willen nicht aufbringen." Er hielt kurz inne und versuchte durch ruhiges Atmen sein  rasendes Herz wieder zur Ruhe zu bringen. "Ich habe vorher festgestellt dass Yaoti ein eiskalter, gefühlloser Mann ist. Er scheint kein Gewissen zu haben. Das war das Grauenvollste was ich bisher gemacht habe und ich musste immer an ... Kat denken." Er schloss die Augen als er weiter redete. "Ich liebe sie wie eine Tochter und dachte  wie grauenvoll es wäre wenn... ihr ...und Rachel ..." Seine Stimme versagte, aber Nick verstand was sein Freund sagen wollte. "Ich kann nicht mehr, Nick!" Yaoti alias Derek senkte den Kopf und starrte ins Leere. Nick machte sich Sorgen, so resigniert hatte er Derek noch nie erlebt. "Wir müssen uns schnellstens was einfallen lassen wie wir unsere Seelen wieder tauschen können, bevor es richtig gefährlich für uns wird."  

Der Priester von dem Derek die Chillischote in Empfang genommen hatte um das erste Kind einzureiben, kam herein. Er nickte zur Begrüßung."Yaoti was war bei dem Ritual los mit Euch? Ihr habt nicht mit dem gewohnten Eifer gearbeitet." In Dereks Gedanken ging es drunter und drüber. Er hatte heftige Kopfschmerzen. Er wusste ihm muss jetzt auf die Schnelle eine gute Ausrede einfallen. Da er auf Yaotis Erinnerungen zurückgreifen konnte und ihm gerade einfiel, dass dieser junge engagierte und vollständig ausgebildete Priester, der sonst nur kleine Handlangerdienste erledigte, nur zu gerne selbst ein Ritual durchführen würde, nutzte er dieses Wissen als Ausrede und hoffte dass es glaubwürdig klang. Er nahm all sein Kraft zusammen um wie Yaoti zu wirken. "Ich wollte Euch auch mal die Ehre zu Teil werden lassen. Ich habe schon öfter gesehen welch Freude es Euch bereitet und dass Ihr immer mit großem Eifer bei der Sache seid." Er setzte ein Grinsen auf, wie es Yaoti gerecht wurde. Der junge Priester bedankte sich ehrerbietig und völlig überwältigt davon, dass einer der höchsten Priester ihm solche große Aufgabe zugestand und verließ Yaotis Gemächer. Yaoti atmete aus und sackte wieder im Stuhl zusammen." Auch Nick war sichtlich erleichtert, dass er sich damit zufrieden gab, obwohl er instinktiv wusste, dass damit noch keine endgültige Lösung gefunden war.

"Ich denke fast, ich bin mit Yolotli besser dran. Er soll zwar Priester werden aber er hinterfragt sehr viel und er... er ist zwar sehr kunstfertig und erfahren beim Häuten und wird auch das notwendige Ritual zur Tag- und Nachtgleiche vollziehen, aber... irgendwie scheint er nicht wirklich mit dem Herzen dabei zu sein. Das ist schwer zu erklären. So wie du Yaoti beschreibst, ist er mit Herz und Seele Priester. Yolotli scheint diesen Weg nur gewählt zu haben, weil alle in seiner Familie Priester gewesen sind." Yaoti-Derek seufzte leise. "Du halbwegs Glücklicher! Bei diesem verkommenen Subjekt ist es genau anders. Er wäre auf jeden Fall Priester geworden, ganz egal ob Familientradition oder nicht!"



In San Francisco betrat Nick-Yolotli ein wenig zögernd hinter Alex das Lokal. Zu seiner Verwunderung hatte Kat ihn an der Hand gefasst und benahm sich so, als wäre er wirklich nur Nick - obwohl sie die Wahrheit kannte. Es war fast als gehöre er dazu. Ein wohlbeleibter Mann, dem man seine indianische Herkunft ansah aber auch die spanischen Vorfahren kam erfreut auf sie zu. "Alex, Gatita! Nick, Amigo! Ah und die kleine Katherine! Wilkommen!" begrüßte er die drei. Er umarmte jeden und führte sie persönlich zu einem sehr schönen Tisch.



"Carlos? Hättest du fünf Minuten?" "Aber natürlich, Alex. Du siehst sehr ernst aus, was ist geschehen?"  Nick-Yolotli merkte, dass sie unsicher wurde. Was konnte sie erzählen und was nicht. Er forschte in den Erinnerungen seines Körpers und merkte, dass der Restaurantbesitzer ein an sich recht guter Freund war. "Carlos, Alex und ich wir bräuchten Pulque. Es geht um eine Wette mit Derek." Erstaunt sah der Wirt von einem zum anderen. "Si, ich habe Pulque da. Wieviel braucht ihr?" Er sah von Alex zu Nick. "So vier, fünf Liter." murmelte Alex mit einem Blick zu ihrem Begleiter. "Natürlich, könnt ihr bekommen, aber das ist viel Pulque..." Nick-Yolotli scnaubte leise. "Viel? Bei den Frühjahrsopfern in Tenochtitlan...!" Alex unterbrach ihn kurzentschlossen mit einem Kuss. "Nick, du liest zu viel! Tenochtitlan, das ist fünfhundert Jahre her!" "Na, ich würde mal sagen etwas mehr. Ich wusste gar nicht, dass du so viel liest, Nick, Junge!" sagte der Wirt gutmütig. "Ich lasse euch drei Hübschen eure Lieblingsgerichte bringen?" "Oh ja!" rief Kat. "Hat Consuela die leckeren Quesadilas gemacht?" Carlos nickte lachend und verschwand offenbar in die Küche. Ein paar Minuten später kam eine Bedienung und stellte die drei begrüßend eine große Schüssel Tortillachips und ein Schälchen Guacamole auf den Tisch, dazu einen Teller Quesadilas. "Mit besonderen Grüßen von der Chefin, Kat." ließ die junge Frau den Teenager wissen. "Gracias, Conchita!" Die Kellnerin entfernte sich mit einem Lächeln.

"Was nimmt Nick immer?" fragte Yolotli-Nick leise. "Mole Poblano, das ist so eine Art Eintopf mit Paprika und Bohnen... und Hähnchen." antwortete Alex. Sie fragte sich sichtlich, ob Yolotlis seelische Anwesenheit in Nick seine Geschmacksnerven irgendwie beeinflusste. "Nick schmeckt es, und ich bin mir sicher, dir wird es auch gut schmecken." beruhigte Kat ihn flüsternd. "Du darfst auch was von meiner Enchilada probieren und Alex lässt dich auch bestimmt von ihrer Hähnchen-Curry-Tortilla abbeißen."

Eine halbe Stunde später wurde das Essen serviert. Nick-Yolotli probierte etwas zweifelnd das "spanische Zeug" und war angenehm überrascht von den vielen Aromen. Auch die Quesadilas und die Guacamole mit den Tortillachips hatten ihn schon gnädiger gegenüber den Einflüssen der Conquistadoren auf seine Heimat gestimmt. Mit dem Teller süßer Churos, die Consuela, die Köchin und offenbar Wirtin ihnen an den Tisch bringen ließ, hatte er sich schon fast mit dem spanischen Einfluss angefreundet. 

Es war einige Zeit vergangen. Sie waren im Lokal fast die letzten Gäste. Carlos kam mit einem Korb an ihren Tisch. "Das Pulque, Kinder, aber seid damit vorsichtig!" ermahnte er sie. Alex zog ihre Brieftasche und zahlte die Rechnung - trotz Nick-Yolotlis Einwand, denn irgendwo hatte er in seinen Gedanken die Idee gefunden, dass er hätte zahlen müssen - als Teil des Werberituals um ihre Gunst. Alex wehrte jedoch mit einem Lachen ab, sie sei dran mit zahlen und außerdem habe sie die Wette verloren. "Ah, Amigo, lege dich nie mit einer schönen Signorita wie Alex an." riet Carlos ihm lachend. Mit einem Nicken nahm Nick-Yolotli den Korb mit den fünf Pulque-Flaschen und gemeinsam verließen sie das Lokal.



Im Legat sperrte derweil Derek-Yaoti den kleinen Abstellraum auf in dem er Rachel eingeschlossen hatte. Die Psychologin stürmte verärgert auf ihn zu und versetzte ihm eine schmerzhafte Ohrfeige. "Du widerwärtiger Macho! Wenn du glaubst, dass ich unter diesen Umständen noch länger im Legat arbeite, hast du dich geschnitten!" fauchte sie ihn an. Sie versuchte an ihm vorbei zu kommen, doch das gelang ihr nicht. Derek packte sie hart am Handgelenk und zog sie hinter sich her in sein Arbeitszimmer. Er schloss die Tür ab, ließ den Schlüssel in seine Jackentasche gleiten und stieß die Ärztin auf das Sofa. "Du wirst mich in Zukunft mit Respekt behandeln! Sonst wird deine Tochter Kitty büßen, Dr. Corrigan!" Rachel hatte sich gewehrt und blickte ihn jetzt verblüfft an. "Kitty?" fragte sie. "Ja..." Derek runzelte die Stirn, dann hörte Rachel ihn plötzlich murmeln: "Yolotli, du elender Verräter!" "Derek? Du weißt ich bin Psychologin. Wenn du über irgendwas reden willst, dann..." "Schweig!" fuhr er sie an. "Der schwache, erbärmliche, vor dem Gott der Schwarzröcke der Haargesichter winselnde Derek ist Geschichte! Du, Rachel Corrigan, siehst einen stärkeren Derek vor dir, einen der den alten Göttern unserer ruhmreichen Vorfahren wieder zu ihrer Größe verhelfen wird. Und deine Tochter wird im richtigen Glauben aufwachsen und einer neuen Generation Priester das Leben schenken - genauso wie Alex - und du..." "Bist du jetzt völlig verrückt geworden? Kat sieht fast sowas wie einen Vater in dir und du drohst mir sie als Druckmittel zu verwenden wenn ich deinen Irrsinn nicht hinnehme?" 

"Irrsinn?" Der Praeceptor lachte gefährlich leise. "Hör mir gut zu, Rachel Corrigan: Vor fünfhundert Jahren - grob geschätzt, kamen die Ungläubigen in meine Heimat Tenochtitlan. Ich fand einen Weg in diese Zeit um hier und jetzt die Macht unserer Götter wieder erstehen zu lassen, gemeinsam mit meinem Bruder Yolotli band ich unsere Seelen an Tonatiuh und so konnten wir beide mit den Gestalten tauschen die du als Derek Rayne und Nick Boyle kennst. Zu dumm, dass ich Alex beseitigen muss, denn sie lähmt den Willen meines Bruders und lenkt ihn von unserer Mission ab! Ich werde ihn zwingen müssen, sie Xipe Totec zum Frühlingsbeginn persönlich zu opfern und ihr durch das Überstreifen ihrer Haut so nah zu sein, dass er ihr buchstäblich "unter die Haut" gehen wird." Derek lachte fast schon irrsinnig.



"Und was geschieht, wenn Nick - ich meine Ihr Bruder sich weigert?" fragte Rachel. Sie war unsicher, ob Derek wirklich besessen oder gerade nur völlig von Sinnen war. "Ganz einfach: Er wird sich der Tradition unserer Familie nicht versagen - und das Liebste dem Frühlingsgott zu opfern - welch glorreicheres Bekenntnis zu Xipe Totec und unseren Göttern kann es für einen wahren Priester geben?" "Sie unterschätzen offenbar wirklich Gefühle." Derek lachte gefährlich leise. "Nein, das tue ich nicht." Er kam auf sie zu, zog sie hart an sich und drängte sie zu dem improvisierten Altar. Grob brachte er ihren Körper unter Kontrolle, griff nach einem der Steinmesser und schnitt in  Rachels Handgelenk. Anschließend ließ er ihr Blut in die Schale tropfen in die auch seins getropft war. "Ja, meine Sonnenhaarige... sieh Tonatiuh wird dein Opfer annehmen, auch wenn es noch widerstrebend gegeben wird, schon bald wird es willig sein!" "Niemals!" rief Rachel entsetzt. "Oh doch, und du wirst mir gehören, Rachel, sieh nur wie sich unser Blut verbindet, bereit über Tonatiuh geleert zu werden! Schon bald werde ich diesen Schwarzrock Huitzilopochtli opfern und so meine Seele in diesem Körper binden - und dein kostbarer Derek... nun, entweder wird er lernen meine Stärke in seinem neuen Körper anzunehmen und hingebungsvoll unseren Göttern dienen oder er wird geopfert. Das wird beides den gleichen Effekt haben..." "Wenn auch nur ein kleiner Teil von Derek noch in dem Körper lebendig ist, dann wird der Plan fehlschlagen!" schnaubte Rachel. Derek-Yaoti grinste. "Wenn ich Glück habe, hat euer schwächlicher Praeceptor sich bereits geweigert die Opfer für Tlaloc zu wählen..."



Rachel sah ihn fragend an und mit geradezu sadistischer Freude erzählte er ihr von dem Ritual des Regengottes. "... und glaub mir, meine Sonnenhaarige, das Einreiben des Kinderkörpers mit Chillisaft, von mir entwickelt, zeigt großartige Erfolge!" schloss er. Sie musste würgen. "Oh, wir sind also zartbesaitet, was? Nun, meine Schöne, schon bald wirst du für mich die Chillis zerstoßen oder sie mir reichen..." spottete Derek-Yaotl. "Aber nun sollte ich dich mit Tonatiuh allein lassen, auf Knien vor seinem Abbild." Er griff nach einem Seil und fesselte sie in einer unbequemen Haltung vor dem improvisierten Altar. Dabei ging er so perfide vor, dass Rachel knien und direkt auf die blutbesudelte Statue und die Schalen mit Blut sehen musste, wollte sie sich nicht selber strangulieren. "Lerne Demut und Hingabe an meine Götter, Rachel, und als meine Frau wird es dir und deiner Tochter an nichts fehlen. Und nun wünsche ich dir eine Gute... oh nein, gut wird deine Nacht sicher nicht, vielleicht besser erkenntnisreiche und Demut lehrende, Nacht. Ich werde gut schlafen in dem Wissen, dass du bald mein sein wirst..." Er entzündete eine Duftkerze auf dem Altar und verließ das elektrische Licht löschend das Arbeitszimmer.



Es war einige Zeit vergangen, als sie Kats und Alex Stimmen auf dem Flur hörte. Ängstlich rief sie leise nach beiden, in der Hoffnung, dass eine von ihnen sie hören würde. Dann stockte ihr der Atem, als sie Nicks Stimme hörte. Sie musste Alex unbedingt warnen - und natürlich ihre Tochter Kat! "Seltsam, normalerweise arbeitet Derek um diese Zeit noch. Aber da wir schließlich diese Statue brauchen ist es vielleicht ganz gut wenn nicht mehr..." hörte sie Alex sagen und langsam öffnete die Tür sich. "Derek? Bist du noch wach?" Rachel keuchte leise.

Kat schaltete das Licht an und blickte entsetzt auf ihre gefesselte Mutter. Sie wollte auf sie zueilen, doch Nick-Yolotli hinderte sie daran. "Vorsichtig, Kleines. Yaotl hat sie so gefesselt, dass sie ersticken kann, wenn wir ihre Haltung ändern! Lass sie mich erst losbinden!" warnte er den Teenager eindringlich. Kat sah ihn bestürzt an, nickte dann jedoch.



"Dr. Corrigan, ich bitte Sie ruhig zu bleiben, während ich die Fesseln löse!" hörte sie gleich darauf Nicks Stimme sie ungewohnt anredend. Geschickt löse der gleich darauf das Seil. Rachel griff sich erleichtert an die Kehle und atmete tief durch. In ihrem Blick lag Panik. "Alex, das ist nicht Nick! Nicht wirklich, ich meine..." "Alles ist okay, Rachel, Kat und ich wissen, dass Derek und Nick mit zwei aztekischen Priestern die Seelen getauscht haben. Yolotli - also Nick - hat mir alles erzählt. Wir haben gerade etwas besorgt um das rückgängig zu machen. Aber wir brauchen deinen ärztlichen Rat - zumal es um Kat geht."

"Ich werde meine Tochter nicht opfern! Eher lasse ich mich vierteilen!" Nick räusperte sich. "Bringen Sie meinen Bruder nicht noch auf Ideen, bitte..." murmelte er. "Unsinn, Mama! Nick, ich meine Yolotli will uns helfen! Er ist total in Alex verknallt - wie Nick auch."

Die Gestalt von Nick errötete und warf einen scheuen Blick auf Alex. Die lächelte ihn an. "Ich dachte bisher immer, dass die Seelen zueinander finden, aber offenbar... du bist mir scheinbar genauso sympathisch wie Nick, also der richtige Nick." gestand sie, ebenfalls errötend. Er lächelte liebevoll. "Es sind die Seelen, die zueinander finden, Alex, aber wie bei den Menschen gibt es auch bei den Seelen Zwillinge. Ich fühle mich in Nicks Körper fast zuhause. Es ist ungewohnt sich nicht vorrangig um die Rituale zu kümmern, seltsam nicht täglich für das Opfer an Xipe Totec zum Frühlingsanfang zu üben, aber ich mag es - obwohl ich weiß, dass Nicks Seele in meinem Körper meine täglichen Pflichten hasst. Findet die eine Zwillingsseele nicht zu ihrer anderen Hälfte, so wird diese irgendwann von der anderen ergänzt. Ich vermute mal, das Nick und ich solche Zwillingsseelen sind... jeweils geprägt von ihren Zeiten, weswegen du mit ihm leichter zusammen sein kannst, weil seine Hände unbefleckt vom Blut der Opfer sind und sein werden, meine Cuaxolotl, anders als meine." Er sah zu Boden. Alex legte ihm sanft eine Hand an die Wange. "Ich könnte auch mit dir leben, aber es würde Nick und Derek zerstören, wenn sie in deiner Zeit bleiben müssen." flüsterte sie. Er nickte. "Ich werde jedoch immer von dir träumen..."



Alex fing sich als erste und löste sich aus dem Blick, den sie mit Nick-Yolotli innig getauscht hatte.

"Rachel - es gibt ein Ritual mit dem man Kats Seele und die seiner Schwester Ico..." Hilfe suchend sah sie zu Nick. "Meine Schwester Icnoyotl ist ähnlich veranlagt wie Kat. Beide sind Medien und können die Zeit mit ihren Seelen überbrücken, Dr. Corrigan. Das ist zwar nicht ganz ungefährlich, aber es ist notwendig, dass wir Derek und Nick warnen. Sie dürfen kein Opferblut vergießen! Durch ihre Hand darf kein Mensch sterben, sonst sind wir alle vier unwiderruflich gebunden! Es ist ein Glück, dass Sie Yaotl daran gehindert haben, den Conquistador-Götterflüsterer zu opfern, denn sonst wäre Dereks Seele in Yaotls Körper in Tenochtitlan gefangen." "Conquistador-Götterflüsterer? Du - Sie meinen Philip?" Nick überlegte kurz, dann nickte er. 



"Mama, wir sollten mit Reden aufhören und mit dem Ritual beginnen!" drängte Kat. Ein wenig misstrauisch sah die Ärztin zu ihren zwei Kollegen - oder besser ihrer Kollegin und diesem "besessenen" Nick. "Wie läuft das ab? Ich opfere garantiert nicht meine Tochter!" 

Yolotli schüttelte den Kopf. "Nein, Kat wird nur berauscht in einen Zwischenzustand fallen und einige Tropfen Blut auf diese Statue tropfen lassen. Einst hat Yaoti Icnoyotl gezwungen ihr Blut über genau dieser Figur zu vergießen, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass in dieser Zeit jemand stark genug sein würde, geschweige denn Willens den schwereren Weg zu gehen. Dadurch kann Kat mit Icnoyotl nicht richtig die Seelen tauschen aber sie können die Körper teilen. Meine Schwester und Kat werden nie wieder einsam sein, Dr. Corrigan. Sie werden sich immer in die jeweils andere zurückziehen können. Und ich vermute mal, meine Schwester wird das sehr gerne tun in Zukunft." "Berauscht wovon?" fragte Rachel misstrauisch. "Pulque, wie es heute genannt wird, das heilige Ritualgetränk. Es wird vermutlich schnell gehen bis sie benebelt ist, da sie kaum an Alkohol gewöhnt ist. Eine dieser Flaschen dürfte reichen." lautete die Erklärung. 

Kat hatte bereits nach einer Flasche gegriffen, sie aufgedreht und wollte trinken, doch Nick wand sie ihr aus der Hand. "Kat, das ist ein Ritual und jedes Ritual, so barbarisch oder fremd, so blutig oder unblutig, so unfreiwillig oder freiwillig es auch ist, hat seine Würde. Sich einfach betrinken ist würdelos. Wir brauchen einen Kelch oder ein... Glas, ein etwas schöneres Glas." "Ich - wir haben Römergläser unten. Ich hole eins." murmelte Kat ein wenig betreten und eilte davon um kurz darauf mit dem Benötigten zurück zu kommen. "Wirst du uns helfen, Rachel?" fragte Alex. Die Ärztin nickte. "Kat will es und es ist wichtig, Derek und Nick zu warnen. Ich hoffe, sie haben noch keine Opfer gebracht - wobei... Derek - ich meine, dieser Yaotl in ihm... er meinte, Derek hätte schon die Opfer für Tlaloc gewählt oder wäre tot." Nick -Yolotli griff sanft ihre Hand. "Der Praeceptor bedeutet Ihnen etwas, nicht wahr?" Rachel nickte. "Rachel - ich hoffe, ich darf dich so nennen,..." Sie nickte. "Für Tlaloc werden zwölf Kinder gewählt, die in Käfige gesperrt gefoltert werden, aber sie sterben in der Regel eines natürlichen Todes. Derek muss wählen, ja, aber er muss sie nicht töten und nicht ihr Blut vergießen! Aber am Tag des Frühjahrsbeginns wird er Xipe Totec ein Opfer bringen, genauso wie ich es tun werde. Nein! Rachel, bitte, das ist meine Welt, meine Zeit und ich werde mich dem nicht widersetzen. Ich will zurück, weil ich weiß, dass Alex nur mit Nick glücklich sein kann - wirklich glücklich und weil ich weiß, dass ich durch ihn immer - hin und wieder -  meine Cuaxolotl in die Arme schließen kann - in seine Arme zwar, aber... ihre Seele wird sich an meine schmiegen." Ohne sie anzusehen streckte er seine Hand nach Alex aus und sie ergriff sie mit einem Lächeln.



Vorsichtig goss Nick-Yolotli gleich darauf das erste Glas mit Pulque für Kat ein, stellte es jedoch auf den Altar. "Gib mir bitte deine Hand, Kat. Ich muss dir ein wenig weh tun, aber wenigstens einige Tropfen deines Blutes müssen auf die Statue von Tonatiuh kommen." bat er. Kat gehorchte und zuckte nicht einmal als er mit einem der Steinmesser ihre Handfläche einschnitt und sie über die Figur hielt. Das Blut wurde auf seltsame Weise aufgesaugt. Rachel riss ein Stück von ihrer Bluse ab und verband die Hand ihrer Tochter provisorisch. 

Nick hielt eine Hand über das Glas mit Pulque. "Chalchiuhtecolotl, prunkvolle Eule, leite Katherine Corrigans Seele zu Icnoyotl durch die Zeit, trage sie auf deinen Schwingen zu meiner Schwester. Atl und Chalchiuhtlicue, Herr  und Herrin des Wassers, das Zeiten und Äonen verwebt, tragt ihre Seele in meine Zeit, Coatlicue, Mutter der Erde, Mutter von Mond und Sternen, geleite sie sicher über deine Tochter Erde und leite sie mit Mond und Sternen, die hier wie dort leuchten. Itzpapalotl, Obsidianschmetterling, schütze ihr Feuer mit deinem, mögen deine obsidianbewehrten Flügel ihr ein Schild sein. Mayahuel, Hüterin des Pulque, gewähre die Gnade, dass durch das heilige Getränk der Weg bereitet werde und gelinge, Metztli, Mond der du die Zeit durchwandert hast, erhelle den Weg durch die Nacht, Nagual, du Schutzgeist, wirf dein Gewand über Katherine und verschleiere und schütze ihr Sein in Icnoyotl, Nanauatzin, der du Tonatiuh bist, an den ich meine Seele band und dem auch Katherine ihr Blut schenkte, vergib, dass ich zurückkehren will. Ometotchtli, Herr des Rausches, durch das Getränk des Patecatl, lass die Tochter jener die dir, Patecatl, der du jener aus dem Medizinland bist, Tochter jener, die Temazcalteci dient, wie sie dir dient, die Zeiten durchreisen. Xochipilli, Blumenprinz, hilf zu meiner Liebe meine Zwillingsseele zurückkehren zu lassen, damit sie ihr Glück findet, Xochiquetzal, die du seine Zwillingsschwester bist, lasse auch die Seele jenes Mannes zurückkehren der Rachel Corrigans Ergänzung ist." betete er. Dann reichte er Kat das Glas.

Die Hand des Teenagers zitterte ein wenig, doch sie zuckte nicht zurück, sondern trank tapfer das Glas des seltsam schmeckenden alkoholischen Getränks aus. Yolotli weihte jedes weitere. Irgendwann kicherte Kat. "Langsam schm... eggt mir da-has Puki!" lallte sie. Nick-Yolotli legte sie langsam hin. "Schlaf ein, Kat..." flüsterte er, hielt seine Hände über sie und murmelte beschwörend: "Coyolxauhqui, große Mondgöttin, Tochter von Coatlicue und Schwester der Centzon Huitznahua, der vierhundert Südlichen, verberge Katherine vor deinem Bruder Huitzilopochtli, hilf den Verrat gelingen zu lassen."



Kat schien es als schwebe sie. Ein Wesen - ein Skelett, ein weibliches Skelett mit Schmetterlingsflügeln kam auf sie zu und nahm ihre Hand. Im Inneren des Skelettes schien es zu brennen. "Ich bin Itzpapalotl, ich werde dich leiten, Katherine Corrigan." flüsterte die Gestalt. "So wie wir..." eine andere Gestalt, eine offenbar männliche und gleich darauf eine ihm ähnlich sehende weibliche schlossen sich an. "Wer seid ihr?" fragte Kats Seele verwirrt. "Xochipilli und Xochiquetzal." flüsterte die Frau. Der dunkle Tunnel den Kat durchwanderte wurde nur vom Leuchten des unheimlichen Feuers in tzpapalotls Innerem erhellt, bis am Ende ein Licht erschien. Xochiquetzal schwebte davon und Kat hörte sie leise rufen. "Icnoyotl, habe keine Angst, eine Freundin kommt zu dir, gesandt von deinem Bruder."

Widerstandslos schlüpfte Kats Seele neben der Icnoyotls in den Körper der jungen Aztekin. "Wir werden dich wieder zurückgeleiten, Katherine, wenn die Zeit gekommen ist - und wir werden an deiner und Icnoyotls Seite sein, wenn eine von euch zur anderen will." flüsterte Itzpapalotl und die drei Gestalten verschwanden. 

"Wer  bist du?" fragte Icnoyotls Seele. "Ich komme aus der Zeit in der gerade deine Brüder sind. Yolotli möchte zurück und ich möchte mit deiner Hilfe meine Freunde, Nick und Derek, wobei, Derek ist eher wie ein Vater für mich, warnen. Sie dürfen nicht mit Opferblut in Berührung kommen, sonst... die beiden gehen hier zugrunde. Hilf mir, bitte!" Kat merkte, wie Icnoyotls Seele mit ihrer zu verschmelzen schien. Dann spürte sie Zustimmung. "Deine Zeit ist so hell, so voller Gnade..." flüsterte es, dann erhob sich die Gestalt und lenkte ihre Schritte in die Räume ihres ältesten Bruders. Die Wachen ließen sie durch, als sie erklärte, die Götter hätten ihr einen verheißungsvollen Traum gesandt. 



Yaotl-Derek sah erstaunt hoch, als einer seiner Sklaven meldete, dass seine Schwester ihn zu sprechen wünsche, doch resignierend gab er zu verstehen, dass er sie empfangen würde. Da - wie er aus den Erinnerungen Yaotis wusste - das Mädchen Nachrichten der Götter empfing, wie die Priester glaubten, würde er sich den seltsamen Kauderwelsch anhören, ihr danken und sie wieder zu Bett schicken.

Schüchtern trat Icnoyotl ein. "Erhabener Bruder, großer Priester von Tenochtitlan." grüßte sie ihn leise. Er nickte. "Was haben die Götter dir mitgeteilt?" fragte er und bereitete sich innerlich auf Opferforderungen oder ähnliches vor. Doch die junge Frau lächelte und zu seinem Erstaunen wechselte sie in Englisch: "Nicht ich, sondern Kat will dir etwas sagen, Dr. Derek Rayne, dir und Nick Boyle." flüsterte sie. Yaotl-Derek riss erstaunt die Augen auf. Gleich darauf schloss Icnoyotl die Augen und als sie sie wieder öffnete, lag ein sanfter Glanz in ihnen. Derek erkannte instinktiv, dass Kats Seele ihn ansah. "Derek, Nick und du ihr dürft keine Blutopfer bringen. Wehrt euch, weigert euch, erfindet Ausflüchte. Am Frühlingsanfang werdet ihr wieder tauschen, wenn eure Hände bis dahin unbefleckt sind!" Yaotl-Derek lachte bitter. "Zu spät. Ich musste Tlalocs Opfer auswählen und eins der Kinder mit Chilli einreiben, Kat! Weißt du wie furchtbar das war? Ich hatte dabei dich vor Augen! Yaotl ist ein widerwärtiger Sadist der all das genießt." Kat nahm ihn in den Arm. Instinktiv erwiderte Yaotl-Derek die Umarmung. "Es geht um Blut, Derek, das sagte zumindest Yolotli in Nick - in unserer Zeit." Derek lachte bitter. "Und wie sollen wir uns weigern? Nick soll in Yolotlis Körper an der Tag- und Nachtgleiche ein Opfer häuten und die Haut überstreifen, Kat. Und ich soll übermorgen wieder ein Opfer für Huitzilopochtli vollziehen!"



Im Legat lag Kats Körper schlafend da. Plötzlich murmelte sie etwas unverständliches. Nick-Yolotli hörte genau zu. Es war seine Schwester, die ihn über das Gespräch zwischen Kat und Derek auf dem Laufenden hielt. Er fluchte leise. Fragend sahen Alex und Rachel ihn an. Schnell erklärte er, dass Derek am übernächsten Tag ein Opfer würde bringen müssen, ein Blutopfer, was seine Seele endgültig bände. "Und wenn er sich die Hand bricht?" fragte die Ärztin nüchtern. Nick-Yolotli strahlte sie an. "Du bist genial, Rachel!" sagte er und flüsterte seiner Schwester leise in aztekisch den Vorschlag zu. 



Kat hörte Icnoyotls Botschaft aus ihrer Zeit. "Rachel meint, du sollst dir den Arm brechen. Dann hast du eine Entschuldigung." Unbewusst hatte sie aztekisch geredet - gerade in dem Moment in dem ein alter Priester den Raum betrat. "Ich grüße dich, Yaotl verzeih, doch Temazcalteci schickt mich. In meinem Traum bedeutete sie mir, du brauchst meine Hilfe." Yaotl-Derek  wusste instinktiv, dass er einen der Heilkundigen des Tempels vor sich hatte. Zögernd nickte er. "Habe keine Furcht, die Göttin hat mir nicht alles mitgeteilt, großer Priester, aber genug. Gib mir deinen rechten Arm!" Überrascht tat der Opferpriester was der Medziner verlangt hatte und schon legte der eine Schiene an, die er kunstvoll mit einer Leinenbinde fest umwickelte. "Ich fürchte, großer Priester, Ihr werdet den Arm schonen müssen und den nächsten Monat kein Opfer bringen können." sagte er dann und klang dabei möglichst bedauernd. "Ich werde es den anderen Priestern mitteilen lassen." 

"Was ist mit Yolotli - er muss in fünf Tagen... ich meine..." Der Medizinmann seufzte. "Oh ja, erhabener Yaotl, das wisst Ihr ja noch nicht. Euer Bruder hat es mit den Übungen zum Häuten derart übertrieben, dass seine Hand angeschwollen ist und er wird in fünf Tagen hoffentlich genesen sein, aber sonst wird er erst im nächsten Jahr die Weihe zum hohen Priester mit dem Opfer zu Xipe Totecs Ehren empfangen können." Yaotl-Derek bemühte sich seine Erleichterung nicht anmerken zu lassen. "Wie bedauerlich. Sicher wird mein Bruder das nicht gut aufgenommen haben." Der Medizinmann grinste. "Gewiss nicht - er hat ziemlich geflucht, als ich seine Hand mit Chilli eingerieben habe." antwortete er mit einem Zwinkern. Ein leises Lächeln erschien auf dem Gesicht des älteren Mannes. "Keine Sorge, er hat mir erzählt, dass Ihr und er - oder besser die Seelen - aus einer anderen Zeit sind. Ich bin mir sicher, dass Nickaoyle - so heißt er doch, nicht wahr?" "Nick Boyle". verbesserte Yaotl-Derek automatisch, der Medizinmann nickte nachdenklich. "Nick Boyle mit Yolotli hin und wieder die Seelen tauschen wird und er hat erzählt, dass ihr eine Medizinfrau habt. So werde ich bestimmt das eine oder andere von zukünftiger Heilkunst erfahren."



Im Legat murmelte Kat etwas und Yolotli-Nick konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. "Es ist geschehen, und dank dir, Rachel, hat Temazcalteci, die Göttin der Heilkunst eingegriffen und unseren besten Medizinmann geschickt - mit Anweisungen... Dereks Arm ist als angeblich gebrochen geschient und Nicks - oder meiner - ist von den intensiven Übungen entzündet... also werden die beiden wohl keine Opfer bringen können, zumindest nicht vor der Tag- und Nachtgleiche." Rachel runzelte die Stirn. "Wie hat der Medizinmann eine Entzündung vorgetäuscht?" fragte sie irritiert. Nick-Yolotli grinste schief. "Chilli... ich vermute Nick leidet gerade wirklich..." Rachel seufzte erleichtert. "Aber er wird seelisch intakt zurückkehren, wobei ich für Derek das Schlimmste fürchte. Er... dieser Auswahlprozess... das wird ihm zugesetzt haben." Nick lächelte freundlich. "Und du wirst ihm darüber hinweg helfen, Rachel, gemeinsam mit Kat. Werdet die Familie, die ihr sein sollt. Wenn dein Derek in seinem Körper zurück ist - rechne ihm nicht das an, was Yaotl in seinem Körper mit dir gemacht hat. Er sieht Kat als seine Tochter an und er empfindet für euch beide sehr viel." Er griff nach Alex Hand. "Ich bringe Kat jetzt in ihr Bett. Sie wird noch eine Weile mit meiner Schwester verbunden sein und sich am Morgen mit dem Aufwachen lösen. Dann wird sich auch zeigen ob wir in Zukunft immer noch Pulque brauchen wenn wir mit Nick und Derek in Kontakt treten müssen oder nicht. Du Rachel, legst dich am besten hin, dort auf dem Sofa. Ich werde kurz vor Sonnenaufgang kommen und dich wieder fesseln, denn sonst fürchte ich, dass Yaotl einem von euch etwas antut - entweder Kat um eine Verbindung zu verhindern und dich gefügig zu machen oder Alex um mich unter seinen Willen zu zwingen." 

Rachel schluckte. "Nun, dann ist es wohl wirklich besser. Wenigstens komme ich so zu ein wenig Schlaf."

Nick hob sanft Kat vom Boden und trug sie in ihr Zimmer. Alex folgte ihm. "Schlaf gut, tapfere kleine Katherine..." murmelte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Der Teenager kuschelte sich in ihre Decke, murmelte etwas und drehte sich weg. Nick-Yolotli lächelte, dann wandte er sich Alex zu. "Du solltest jetzt auch schlafen gehen, meine Schöne." flüsterte er. "Ich... Nick, ich meine Yolotli... würdest du... ich meine... wir haben nicht mehr so viel Zeit gemeinsam und..."  Er sah zu Boden. "Es ist besser, wenn es wirklich Nick ist, Alex." flüsterte er. Alex legte ihre Arme um ihn und drückte ihre Lippen auf seine. "Es werden auch nächste Woche diese Arme sein, die mich umfangen, Yolotli, und Nicks und deine Seele sind einander so ähnlich." murmelte sie zärtlich. Er schloss die Augen. "Alex, du ahnst nicht, was mir das bedeutet, du kannst nicht ermessen..." gestand er sichtlich bewegt. 



Alex zog ihn hinter sich her in ihr Zimmer. Sie entkleideten einander. "Ich wusste gar nicht, dass Nick so gut gebaut ist..." gestand Alex mir einem verruchten Lächeln. Er errötete. "Es wäre so schön, wenn du auch mit meiner gewählten Gefährtin die Seelen tauschen könntest, meine Geliebte. Ich würde dir Tenochtitlan zeigen können und du würdest mich wirklich erblicken." Alex lächelte. "Dein Gesicht habe ich schon gesehen, es hat sich bei deiner ersten Berührung über das von Nick geschoben, Yolotli - und auch wenn ich nicht mit deiner Gefährtin die Seele tauschen kann, ich..." "Psst... das kannst du. Wenn ich zurückgekehrt bin, werde ich Itotia bitten ihre Seele ebenfalls an die Statue von Tonatiuh zu binden und du musst dann nur die Statue anblicken - kurz vor der nächsten Tag- und Nachtgleiche." flüsterte er, bevor er sie küsste. Gemeinsam sanken sie auf das Bett.

Der Morgen graute als Nick-Yolotli hochschrak. Alex erwachte sofort neben ihm. "Ich muss Rachel wieder fesseln, bevor Yaoti etwas bemerkt! Schau du nach Kat. Sie muss wieder nüchtern sein und Icnoyotl - wenn sie noch bei ihr ist - gut verborgen!" Er zog sich hastig eine Hose über und eilte mit nackten Füßen und nacktem Oberkörper davon.

Alex ließ sich ein wenig mehr Zeit, zog sich Nachthemd und Morgenmantel über, schlüpfte in ihre weichen Pantoffeln und ging in Kats Zimmer. Sanft rüttelte sie das Mädchen. "Icnoyotl? Kat?" flüsterte sie. Kat öffnete verschlafen die Augen. "Icnoyotl ist wieder zurück. Itzpapalotl hat meine Seele zurückgeleitet und ihre auch." murmelte sie. "Wie geht es dir?" "Ich bin noch müde und ich habe Kopfschmerzen, kannst du mir eine Tablette geben?" "Ich bringe dir eine Brühe und alles andere, was zu einem Katerfrühstück gehört. Ich glaube, wir haben alles da. Und denk daran: Verplapper dich nicht vor Yaoti, oder besser Derek." antwortete Alex eindringlich.



"Rachel, Rachel wach auf!" befahl Nick und rüttelte Dr. Corrigan unsanft wach. "Yaoti wird gleich kommen um Tonatiuh mit Blut zu ehren und wenn er dich nicht gefesselt vorfindet, wird er toben und du weißt nicht was das bedeuten kann." fügte er hinzu. Rachel erhob sich hastig. Sie eilte zu dem Altar zurück und ließ sich von Nick wieder in der unbequemen Haltung fesseln. "Denk an das Glas und die Flaschen mit Pulque - und an die leere Flasche! ermahnte sie ihn. "Danke, das hätte ich fast vergessen." antwortete er mit einem entschuldigenden Lächeln. "Alles wird gut, Rachel, Kat war großartig und Alex sieht gerade nach ihr. Halte durch!" ermunterte er sie noch, griff nach dem Korb mit den noch vollen Flaschen, warf die leere dazu und eilte das Glas ergreifend in die Küche. 



Alex lächelte ihn an. Sie kam auf ihn zu. "Danke, die Nacht war wundervoll." flüsterte sie. Nick-Yolotli grinste. "Ja, fand ich auch." antwortete er leise. "Aber wir müssen die vier noch vollen Pulque-Flaschen verschwinden lassen und sollten die leere entsorgen - und zwar dort, wo Yaoti sie nicht findet! Und das Glas muss zurück in den Schrank." ermahnte er sie gleich darauf. Alex lächelte. "Ich kümmere mich darum. Bringst du Kat das Tablett hoch? Sie hat einen Kater und muss ihre Mineralien auffüllen damit sie nachher frisch und munter aussieht wenn dein Bruder ihr begegnet." Nick-Yolotli lächelte. "Mache ich, danke, meine Cuaxolotl." flüsterte er, drückte ihr einen zärtlichen Kuss auf die Lippen, ergriff das Tablett und eilte damit zu Kat.

Er lächelte als er sie wieder wachrütteln musste. "Aufwachen, kleine Schlafmütze." Unwillig wachte Kat auf. "Komm, du musst wieder zu Kräften kommen. Alex hat dir ein Frühstück gemacht und wenn du nachher in die Küche kommst, mache ich dir eine heiße Xocolatl - ich meine Schokolade, okay?" Kat lächelte. "Weißt du eigentlich was für ein Glück Icnoyotl hat, dich als Bruder zu haben, Yolotli?" fragte sie. Er zuckte verlegen die Schultern. "Ich bin wie ich bin Kat. Aber ich bin dankbar, dass ihr zwei einander sympathisch zu sein scheint." Er reichte ihr die Tasse mit heißer Brühe. "Hier, vermutlich schmeckt das besser als Pulque." meinte er mit einem Zwinkern. Sie lächelte ein wenig gequält, trank jedoch die heiße Brühe, würgte den Rollmops herunter und knabberte an den Salzstangen. "Ich glaube, ich werde mich nie wieder betrinken - zumindest nicht freiwillig." meinte sie. Nick lachte leise. "Das ist auch besser, Kat. Ich verschwinde jetzt. Ruh du dich noch aus." Er nahm sie in den Arm wie er seine Schwester ab und zu in den Arm genommen hatte, dann nahm er das Tablett wieder mit in die Küche, wo Alex ihn mit einem Lächeln in Empfang nahm. "Ist dir nach einem Becher mit Liebestrank, meine Schöne?" flüsterte er sinnlich. Alex Lächeln wurde strahlender. "Wann immer du ihn mir zubereitest, mein Geliebter."



Derek-Yaotl erwachte mit einem Gefühl innerer Befriedigung. Rachel würde nach der vegangengen Nacht sicher fügsamer sein. Er würde heute mit ihrer Lektion in Punkto Folgsamkeit fortfahren und sie langsam in den Dienst seiner Götter einbeziehen. Er kleidete sich sorgfältig an, dann ging er erwartungsvoll in sein Arbeitszimmer.

Rachel saß immer noch so da, wie er sie gefesselt hatte. Er trat zu ihr. "Und, war deine Nacht lehrreich?" fragte er spöttisch, während er die Fesseln soweit löste, dass sie wenigstens reden konnte, obwohl ihre Position immer noch unbequem war. "Sadistischer Mistkerl!" zischte Rachel. Eine harte Ohrfeige traf ihr Ziel. "Offenbar sind die Lektionen noch nicht eingesunken." sagte er kalt. Er zog sie näher zum Altar. "Noch eine kleine Opferlektion, Rachel Corrigan. Unsere Götter baden normalerweise in Blut... und diese Lektion solltest du schnell lernen." Er befreite Rachels einen Arm, zog ihre Hand über die Statue von Tonatiuh und ergriff das Messer. Geschickt schnitt er in die Handfläche und ließ ihr Blut über die Figur tropfen. Rachel versuchte ihm die Hand zu entreißen, doch er drückte brutal zu. "Du wirst an meiner Seite sein, von jetzt an für alle Ewigkeit." Er schnitt sich ebenfalls in die Hand und ließ sein Blut über ihres fließen. "Unser erstes Kind, meine wilde Konkubine, werden wir gemeinsam Tlaloc schenken. Ich werde höchstpersönlich dafür sorgen, dass es leidet und den Gott mit vielen Tränen erfreut."

Er versuchte sie zu küssen. Angeekelt wandte Rachel sich ab. Derek-Yaotl lachte grausam. "Ich fürchte, deine kleine Kat wird nach der Tag- und Nachtgleiche von mir Tlazolteotl dargebracht, damit die Göttin uns Lust schenkt." "Rühr meine Tochter an und ich kastriere dich!" zischte Rachel. Er grinste. "Zeig mir, dass du ohne die Gnade von Tlazolteotl Lust empfindest, Rachel, und ich werde Kat nicht zu Ehren der Göttin häuten - lebendig, bei vollem Bewußtsein, meine Wildkatze. Ich werde dich jetzt losbinden und du wirst Alex und meinem Bruder und auch deiner Tochter gegenüber völlig normal sein, dich unauffällig verhalten und mir deine Zuneigung beweisen! Ein falsches Wort, eine falsche Bemerkung oder Bewegung von dir und du weißt, was geschieht!" drohte Derek gefährlich leise. "Ich hoffe, das ist eingesunken." Rachel nickte verängstigt. Er löste die Fesseln und zog sie hoch. "Komm meine zukünftige Gemahlin, zeigen wir uns der Welt." Er zog sie an sich und ging mit ihr - scheinbar lässig und liebevoll einen Arm um ihre Taille gelegt - in die Küche, wo sie auf Nick und Alex trafen.



Die beiden saßen Arm in Arm vor einem Laptop. Beide hatten eine Tasse heißer Schokolade in der Hand. "Dieses Kleid würde dir ausgezeichnet stehen, meine Cuaxolotl." Sie sahen überrascht auf, als Rachel mit Derek-Yaotl eintrat. "Guten Morgen!" grüßte Derek ungewohnt streng. "Was macht ihr beiden?" Nick-Yolotli grinste. "Wir planen unsere Hochzeit. Alex möchte gerne ein weißes Kleid und ich..." "Ein Priester hat erst mit der Weihe eine Gemahlin, Yolotli! Wie kannst du deine Vermählung planen, wenn du noch kein Priester bist?!" wurde er barsch unterbrochen. "In vier Tagen werde ich Priester sein und eine Hochzeitsplanung dauert länger." "Und wozu sollte Alex ein weißes Kleid brauchen? Sie wird ein traditionelles Gewand tragen, der Gemahlin eines Priesters würdig! Was soll ein weißes Kleid heißen?" Nick-Yolotli räusperte sich leise. "Das ist... in dieser Zeit traditionell - und schau nur, in diesem würde Alex atemberaubend aussehen." "Es wird keine Abweichung geben! Glaubst du mein Bruder wird heiraten wie diese Schwafler der Haargesichter es wollen? Glaubst du wirklich du könntest mich täuschen und mir weismachen Alex wüsste nichts von dem Tausch der Seelen? Wenn sie dich wirklich will, Yolotli, wird es eine aztekische Hochzeit werden und sie wird mit dir die notwendigen Opfer bringen müssen." Er blickte spöttisch Alex an. "Und dazu, Alexandra Moreau, wirst du niemals bereit sein!" Alex griff nach Nick-Yolotlis Hand. "Mit ihm an meiner Seite schaffe ich alles." sagte sie fest. Sie spürte seinen aufmunternden Griff. Ein sanfter Kuss streifte ihre Wange. Derek-Yaotl nickte. "Sehr schön. Teteoinnan wird euer gemeinsames Opfer freuen. Hast du ihr gesagt, dass ihr eine Frau für die Göttermutter häuten werdet? Gemeinsam? Vielleicht solltest du schon mal mit ihr üben." 

Nick merkte, dass Alex erblasste, auch wenn man es kaum sah. "Wir werden üben, meine Geliebte." flüsterte er leise, "Mach dir keine Sorgen." Derek lachte sarkastisch. "Oh, das möchte ich sehen! Dieses zarte Blümchen kann doch kaum Blut sehen!" "Überlass das bitte mir und Alex!" Spöttisch betrachtete Derek-Yaoti die beiden. "Selbst Itotia, deine Geliebte in Tenochtitlan schreckt davor zurück. Aber ich bin gespannt ob du Alexandra den Widerwillen abtrainieren kannst. Du wirst heute anfangen!"



In diesem Moment betrat Kat die Küche. "Guten Morgen!" murmelte sie gähnend. Sie lächelte ihre Mutter und Derek an, sah, dass ihre Mutter scheinbar zustimmend an seiner Seite war, grinste und umarmte beide. "Na endlich seid ihr euch einig." meinte sie und zwinkerte ihrer Mutter verschwörerisch zu, unbemerkt von Derek-Yaotl. Dann wandte sie sich ab und  fragte: "Kriege ich jetzt meine gestern versprochene heiße Schokolade, Nick?" Der lachte leise. "Aber klar, Kitty-Kat." Er stand auf und machte sich am Herd zu schaffen. Alex trat zu ihm und bemerkte, dass er Chillipulver und Vanille weg ließ. Überrascht sah sie ihn an. "Ich koche nur für eine Frau Liebestrank, meine Cuaxolotl." flüsterte er als er ihre Überraschung bemerkte. Kurz darauf reichte er Kat einen großen Becher heißer Schokolade. "Lass sie dir schmecken, Kleine." 



In Tenochtitlan standen Yaotl-Derek und Yolotli-Nick vor der Priesterschaft. "Ich bedaure, dass ich das morgige Opfer für Huizilopochtli nicht werde bringen können, doch es wäre mehr als unwürdig es mit der linken Hand bringen zu müssen. Ich bin gestern gestürzt und habe mir den Arm gebrochen. Leider wird er auch zu den Opferungen zu Ehren Xipe Totecs noch nicht wieder funktionsfähig sein. Und mein Bruder Yolotli hat laut des Urteils des Medizinmannes mit seinen Übungen übertrieben und seine Hand ist entzündet. Natürlich hofft er, dass bis zum Frühjahrsbeginn wieder geheilt ist und die Häutung des Opfers vollziehen kann um endgültig in unsere Ränge empor zu steigen."



"Nun gut, dann werdet ihr werter Yaotl die Vorbereitungen für  das morgige Ritual treffen und das Opfer wählen! Und ihr werdet dem Opferritual natürlich beide beiwohnen." Derek in Yaotl schrie innerlich auf vor Schmerz, er konnte das alles nicht mehr ertragen. Er wollte keine weiteren Opfer auswählen, oder diesen Körper dieses widerlichen Sadisten ertragen. Wenn die Zeit bis zur Tag und Nachtgleiche nun schon vorbei wäre. Nick dessen Seele in Yolotli gefangen war fühlte sich ebenfalls grauenhaft. Er sah seinem Freund an wie sehr ihm das alles zu schaffen macht und dass er mit seinen Kräften fast am Ende war. Yaotl-Derek und Yolotli-Nick bemühten sich weiterhin sich so zu geben wie die beiden Aztekenpriester. "Jawohl, ich werde alles vorbereiten." Sie verabschiedeten sich auf die übliche Weise von der Priesterschaft.

Als sie wieder in Yaotls Gemach waren, nahm Yaoti-Derek einen Tonkrug der auf dem Tisch stand und warf ihn quer durch den Raum und fluchte. Yolotli-Nick zuckte zusammen. Nick hatte Derek noch nie zuvor dermaßen aufgebracht erlebt, obwohl Derek ja auch sonst schon sehr aufbrausend sein konnte. Yaotl-Derek nahm den Krug mit der Pulque und trank einen großen Schluck des Agavenweines. "Ist der widerlich!" fluchte Derek wütend. "Was gäbe ich jetzt um eine Flasche Wodka oder sowas." Yolotli-Nick atmete tief ein und nährte sich seinem Bruder bzw. seinem Freund."Hör zu Derek, ich weiß es ist hart was du gerade alles durchmachen musst, aber denk daran: die Tag- und Nachtgleiche ist bald. Und dann können wir wieder in unsere Körper, ins Legat zurück. Zu Alex... " Nick sehnte sich nach der schönen Afroamerikanerin. "... Rachel und Kat." Bei den letzten beiden Namen versetzte es Derek einen Stich im Herzen. Wie konnte er ihnen je wieder in die Augen sehen. Ihm wurde in diesem Moment mehr denn je bewusst wie sehr er Rachel und Kat liebte. "Yolotli-Nick legte freundschaftlich seinen Arm um Yaotl-Derek. "Halte durch Derek! Du schaffst das. Und auch das mit Rachel ... es wird seine Zeit dauern, aber ... Rachel und Kat lieben dich ebenfalls und sie wissen dass nicht du so gemein warst, sondern Yaotl. Yaotl-Derek sah ihn traurig an und flüsterte kraftlos. "Danke Nick!" Er nahm nochmal einen Schluck des widerlichen Gesöffs, drehte sich um und legte sich auf das Bett. Yolotli-Nick verließ das Gemach seines Bruders und begab sich in sein eigenes Zimmer zurück. Er war irgendwie froh, dass er nicht an Dereks Stelle war. Er fühlte sich aber auch ganz schrecklich, wenn er sah wie schlecht es seinem Freund ging. Diese seelischen Qualen würden auf ewig in Dereks Seele brennen.



Im Legat strahlte Kat derweil Nick und Alex und ihre Mutter und Derek an. "Wenn ihr eine Doppelhochzeit macht, dann möchte ich die Brautjungfer von euch beiden sein, Mom, Alex!" meinte sie und nahm einen Schluck von ihrer heißen Schokolade. "Kat, wenn wir heiraten, dann… könnte die Hochzeit anders aussehen als du es dir vorstellst." warnte Nick-Yolotli sie sanft. Das Mädchen sah ihn gespielt erstaunt an. "Wieso? Was kann man an einer Hochzeit groß anders machen? Philip könnte euch trauen und…" Derek knurrte leise. "Ein Priester dieser Landräuber, dieser erbärmlichen Mörder mit Gesichtsbehaarung wie ein Tier? Sicher nicht!" Scheinbar völlig unwissend antwortete Kat: "Philip gehört doch aber hier ins Legat. Wieso willst du einen anderen Priester rufen?" 



Derek-Yaotl lächelte spöttisch. "Katherine Corrigan, du brauchst gar nicht so zu tun als hättest du nicht längst mitbekommen, dass es in diesem Haus nun nicht mehr nach dem Willen dieses Kreuzgottes gehen wird! Meinst du wirklich, ich hätte nicht mitbekommen, dass du hinter der Tür gelauscht hast als ich Alexandra vorwarf, dass sie von dem Seelentausch weiß und ich vermute, dass auch du das längst mitgekriegt hast! Wenn ich deine Mutter zur Gemahlin wähle, Katherine, dann wirst du einen neuen Namen erhalten, einen würdigen aztekischen! Und dann werde ich deine Ausbildung in die Hand nehmen und dich zu einer jungen Frau erziehen, die an der Seite eines neuen Hohepriesters von Neu-Tenochtitlan glänzen wird! Dieses Angel Island ist wie geschaffen für einen neuen Tempel." "Yaotl, das wird nie geschehen! Derek ist Theologe und man wird ihn nicht mehr ernst nehmen wenn er wieder Menschenopfer einführen will!" warf Alex ein. Eine heftige Ohrfeige von dem aztekischen Priester ließ sie zusammenzucken. "Du unterschätzt den Einfluss des Praeceptors gewaltig, Alexandra Moreau! Und du hast überhaupt keine Ahnung welche machtvollen Relikte und Talismane in den Kellern dieses Gebäudes verstauben!"



"Relikte sind nicht alles, Macht ist nicht alles." murmelte Rachel. Yaotl lachte leise. "Willst du mir etwas erzählen, was ich nicht durch Dereks Wissen erfahren hätte? Ach mein Schaf… wir hatten uns doch auch darüber unterhalten, was passieren könnte, wenn du dich falsch entscheidest, nicht wahr? Alex und Yolotli brauchen zwar keine Brautjungfer, aber… ein würdiges Opfer… und Kat wäre würdig - wobei, eher als unser Hochzeitsopfer, aber sie ist andererseits vielleicht doch zu kostbar… richtig erzogen…" "Ich glaub ich übergebe mich gleich…" flüsterte Kat leise, als sie sah, dass ihre Mutter zusammenzuckte und erkannte, dass Yaotl keineswegs so nett war wie sein Bruder. "Meinst du? Ich gebe dir eine Chance dich als meine Tochter würdig zu erweisen, Katherine Corrigan! Werde meine Tochter Chalchiuhnenetzin. Beweise mir, dass du an der Seite des Gemahls stehen wirst, den ich für dich wählen werde! Du wirst mit Alex und Yolotli das Häuten üben! Zeige mir, dass du lernwillig bist, Katherine." 

Der Teenager schluckte sichtlich. "Also erstens mag der richtige Derek meinen Namen und ich mag ihn auch. Chalchi-netzin hört sich komisch an - was heißt das überhaupt? Katherine heißt üb… hieß übrigens eine englische Königin. Das dürfte erhaben genug sein. Und woran sollen wir üben? Stellen Sie sich zur Verfügung? Wobei ich da Probleme hätte, weil der richtige Derek total nett ist." antwortete sie trotzig

"Schweine - ihr könntet an Schweinen üben…" murmelte Rachel, die sich aus Angst um ihre Tochter zurückhielt. "Mutige Worte, Katherine. Beweise mir die Gültigkeit deiner Worte, beweise mir deinen Mut, Chalchiuhnenetzin." sagte Derek-Yaoti spöttisch, griff jedoch nach dem Brötchenmesser und drückte es ihr in die Hand. "Gefühle sollten keine so große Rolle spielen…" meinte er und zog die Hand mit dem Messer auf seinen Unterarm. "Lass sehen, ob du Talent hast…" Kat ließ augenblicklich den Messergriff los und das Messer fiel zu Boden. Derek-Yaotls Blick fiel auf das Pflaster in ihrer Handfläche. Er packte Kats Arm und drehte die Innenseite der Hand zu sich. "Wieso hast du ein Pflaster?" fragte er misstrauisch. "Ich bin gestern gestolpert, hier in der Küche, Nick war da und ich hatte ein leeres Glas in der Hand, das ich in die Spüle stellen wollte und das ist zerbrochen und ich bin auf eine Scherbe gefallen." log sie. Der Blick des Praeceptors ging forschend zu dem anderen Mann. Der zuckte mit den Schultern. "Ich habe ihr die Scherbe rausgepuhlt und anschließend die Blutung gestillt, bevor ich dies Pflaster draufgeklebt habe." bestätigte der mit einem Schulterzucken. "Und übrigens, Kat…  der Name den mein Bruder dir zu geben gedenkt, heißt übersetzt soviel wie Juwelenpuppe." Sie sah verblüfft zu Derek-Yaotl. "Das ist ja nun echt selten dämlich! Ich bin bestimmt kein Püppchen und für Juwelen habe ich auch nicht viel übrig!" Der Praeceptor sah sie finster an. "Du wirst den Namen tragen, den ich für dich wähle! Ich dulde keinen Widerspruch!" Er wandte sich Nick-Yolotli zu. "Und ich denke, Rachels Vorschlag mit diesen Schweinen zum Üben ist nicht schlecht. Kümmere dich darum und bilde Kat und Alex sorgfältig aus!" Er drehte sich um, griff nach Rachel und bedeutete ihr ihm zu folgen. Sie gehorchte, aus Angst um Kat, einen kurzen, bittenden Blick zu Alex und Nick-Yolotli werfend. Letzterer nickte ihr beruhigend zu.



Am nächsten Morgen quälte sich Yaotl-Derek aus dem Bett. Derek fühlte sich grauenhaft. Er hatte fürchterliche Alpträume von den Kindern in den Käfigen und wie er das eine Kind mit Chilli einreiben musste. Er stand nur da und starrte vor sich hin als Yolotli-Nick mit einem Teller voller Früchte hereinkam. "Morgen, ich habe etwas zu essen mitgebracht." "Mit dem Zeug kannst du gleich wieder verschwinden!" fauchte Derek ihn resigniert an.

Yolotli-Nick rührte sich nicht. "Es tut mir leid Nick!" sagte Derek schnell. "Aber ich bin mit meinen Nerven am Ende." Yolotli sah seinen Bruder traurig an. "Ja ich weiß Derek ... aber du musst etwas essen, sonst brichst du noch zusammen." "Bitte, für uns! Deine Freunde!" fügte er hinzu als Yaoti-Derek sich nicht rührte. Er schloss kurz die Augen und griff dann nach einer merkwürdig aussehenden Frucht. "Beschissen, wie alles hier!" Als die Brüder gegen Mittag beim Templo Mayor (der großen aztekischen Pyramide in Tenochtitlan, die Huitzilopochtli und Tlaloc geweiht war), eintrafen war schon fast alles für das Ritual zu Ehren von  Huitzilopochtli vorbereitet. Yaotl-Derek überprüfte ob alles passte. Er schluckte und atmete schwer. Jetzt musste er wieder ein Opfer wählen. Ihm wurde schwarz vor Augen. Er hielt sich unauffällig an Yolotli fest um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. In dem Moment trat eine schöne, junge Frau auf ihn zu. "Bitte, ehrenwerter Yaotl opfert mich. Ich möchte nicht mehr in dieser grausamen Welt leben." Sie sah ihn traurig an. Derek zerriss es fast das Herz als er in die leeren und traurigen Augen der jungen Frau blickte. "Warum wollt ihr euch opfern?" wollte er wissen. Und bemühte sich nicht betroffen zu klingen. "Mein Mann misshandelt mich, in jeder Hinsicht. Wenn ihr mich nicht zum Opfer wählt, dann werde ich meinem Leben anders ein Ende setzten." Yaotl-Derek starrte ein paar Sekunden ins Leere und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Yolotli-Nick schloss die Augen und wünschte er könnte Derek helfen. 

"Ok. Dann geht und lasst euch das Lendentuch umbinden." sagte er so gefühllos wie es ihm möglich war. Denn er wusste Yaotl hätte nicht eine Sekunde gezögert. Er hätte die Frau ja sogar noch eigenhändig auf den Opferstein gezerrt und geopfert. Wie froh war er dass ihm das durch seinen angeblich gebrochen Arm erspart blieb. Die Aztekenbrüder sahen wort los zu wie die junge Frau auf den Opferstein gelegt wurde und mit roten und weißen Längsstreifen bemalt wurde. 

Die fünf Priester die Derek gewählt hatte um das Ritual durchzuführen traten an den Altar. Vier davon hielten die junge Frau an ihren Gliedmaßen fest. Der fünfte hob ein Steinmesser, murmelte die rituellen Worte  und führte einen schnellen Schnitt unterhalb des Brustkorbes durch. Mit der Hand griff er unter die Rippen in den Brustkorb hinein und zog das schlagende Herz heraus. Die Adern durchtrennte er mit der Klinge und hielt das Herz der Sonne entgegengehalten. Anschließend legte er es in eine Adlerschale. Die Abbilder der Götter tränkte er anschließend mit dem warmen Blut. Yaotl-Derek und Yoloti-Nick unterdrückten ihren Ekel und zwangen sich ihren Blick nicht abzuwenden. Als der Körper der Geopferten dann zum Verzehr die Tempeltreppe hinuntergestoßen wurde und sie zusehen mussten wie der Leichnam der Frau verspeist wurde, war es Yolotli-Nick der sich an seinem Bruder-Praeceptor festhielt um nicht vor lauter Ekel das Gleichgewicht zu verlieren. Yaotl-Derek stand nur da und zwang sich nicht wegzusehen. Er spürte, dass Yaotl mit einem Lachen zugesehen hätte. Also zwang er sich zu einem fiesen Grinsen. Noch nie zuvor hatte er sich zu so viel Selbstbeherrschung zwingen müssen wie in diesen schrecklichen Momenten dieser abartigen Welt. 

Zurück in Yaotis Gemach über kam die beiden ein unerträgliches Gefühl der Übelkeit. Sie mussten sich beide übergeben. Yaotl-Derek zitterte. "Und wieder ein Mensch für dessen Tod ich verantwortlich bin." flüsterte der sonst so dominante Derek resigniert. Nick schüttelte den Kopf. "Sie hat doch gesagt sie hätte Selbstmord begangen und so ihre Seele verdammt. Du hast sie also eher gerettet. Das würde zumindest Philip dir sagen." versuchte er Dereks Seele zu trösten.

Sie ließen sich auf den Boden sinken, saßen einander gegenüber und starrten sich traurig an. Yolotli-Nick rückte näher seinen Bruder-Freund und nahm ihn in den Arm. "Hoffentlich hat das Grauen bald ein Ende." flüsterte Nick. "Dank dieser angeblichen Medizingöttin der Azteken hat es das sicher bald... das walte der Allmächtige." murmelte Yaotl-Derek.



In der Küche seuftze Nick-Yolotli leise. "Dann sollten wir uns mal diese Schweinehälften liefern lassen... Es tut mir wirklich leid, Alex, Kat, ich hätte euch das gern erspart, denn ich weiß, dass euch die Rituale sehr nah gehen werden." Er gab ihnen unauffällig ein Zeichen zu schweigen, denn er hatte bemerkt, dass Derek-Yaotl hinter der Tür lauschte. "Ach Liebling, mit dir an meiner Seite überstehe ich alles." sagte Alex liebevoll und zwinkerte Kat zu. Die schnaubte verärgert. "Juwelenpüppchen, wie? Ich werde dem Kerl zeigen wohin er sich sein Juwelenpüppchen stecken kann!" Hinter der Tür erklang ein Lachen, das sich dann entfernte. 



"Widerlicher Mistkerl!" murmelte Alex verächtlich. "Aber nur noch drei Tage und dann sind wir ihn los..." Ein Schatten huschte über Nick-Yolotlis Antlitz. "Und wir werden uns wiedersehen, Yolotli. Ich bin sogar bereit dieses Ritual zu vollziehen das es mir erlauben wird mit deiner... Geliebten Itotia die Seele zu tauschen wann immer wir wollen." Er zog sie in seine Arme. "Sie ist... du würdest sagen... meine Verlobte. Yaotl hat sie für mich gewählt. Ihr Vater ist einer der hochrangigsten Priester von Tenochtitlan und eigentlich war sie als Opfer vorgesehen. Daher schreckt sie vor den Opferungen auch zurück. Ich mag sie, Alex, aber ich liebe Itotia nicht - nicht wirklich." Alex küsste ihn sanft. "Aber ich denke, du wirst sie trotzdem freundlich behandeln und lieben und ehren - vor allem wenn du weißt, dass es meine Seele sein wird, die in ihr sein könnte." "Selbst ohne dieses Wissen, meine Cuaxolotl." flüsterte er. 



Alex räusperte sich und bemerkte nüchern: "Okay, ich rufe dann wohl besser mal im nächsten Schlachthof an, denke ich." Nick-Yolotli überlegte kurz, wie immer, wenn er Informationen in den Gedanken und dem Wissen Nicks abrief. "Gute Idee." stimmte er dann zu. "Ich solle mich um schärfere Messer kümmern als diese unzureichenden." meinte er und hob seufzend das Brötchenmesser auf, das immer noch am Boden gelegen hatte.



Kat spürte plötzlich, dass sie gerufen wurde - tief in sich drin, nicht etwa von ihrer Mutter oder gar Derek-Yaotl. Sie schloss die Augen und stand der brennenden Skelettfrau mit den Schmetterlingsflügeln gegenüber. Diese lächelte - Kat war sich sicher, dass sie lächelte - sie an. "Itzpa- ähm -papillon?" Ein leises Lachen erklang. "So ähnlich, ja, Kat. Itzpapalotl, doch Papillon - Schmetterling, ja... mein Name bedeutet Obsidianschmetterling. Du warst mutig, Katherine Corrigan und bist nicht vor meiner Erscheinung zurückgewichen wie es viele Mädchen aus deiner Zeit getan hätten und ich habe dir versprochen, dass du unter meinem Schutz stehen wirst, wann immer du mit den Widrigkeiten der aztekischen Zeit zu tun hast. Geh in dein Zimmer, wenn du aus der Trance erwachst in die ich dich gerufen habe. Auf deinem Bett wirst du ein Geschenk finden. Das wird das Häuten dieser Tierkadaver einfacher machen."

Schlagartig war Itzpapalotl verschwunden und Kat schlug wieder die Augen auf. "Kat? Alles in Ordnung mit dir?" fragte Alex besorgt. Der Teenager nickte. "Ich glaube schon. Und irgendwie scheint es, dass Götter existieren, wenn man an sie glaubt - oder jemand den man mag an sie glaubt... aber... ganz gleich. Ich bin sofort wieder da." murmelte Kat und rannte aus der Küche.



Nick-Yolotli räumte gerade das Geschirr in die Spülmaschine als sie zurück kam. "Du kannst dir das Suchen von Messern sparen, Yolotli." sagte sie ein wenig ängstlich. Fragend sah er sie an. "Wie meinst du das?" Wortlos legte sie drei Obsidianmesser auf den Küchentisch und reichte ihm einen Bogen aus dem Bastpapier, das der aztekische Priester erkannte: Amatl. Sprachlos sah er auf die makellosen schwarz glänzenden Klingen, die mit geradezu beängstigender Präzision das Häuten ermöglichen würden. Er ergriff den Bogen den Kat ihm reichte. "Das kann ich leider nicht lesen - aber du bestimmt." meinte sie. Er nickte. Ein wenig unsicher las er vor: "Ich halte meine Hand über dich und lege in deine Hand drei Messer von meinen Flügeln. Sie werden dich und deine Freunde schützen, die erzwungenen Übungen erleichtern und den Übergang - so gewünscht - von einer Zeit in die andere unmittelbar machen." Er sah erstaunt hoch. "Die Messer - nur Itzpapalotl hat Messerklingen aus Obsidian an ihren Flügeln!" "Ich habe - sie hat mich gerufen - sie hat mich auch geleitet - gestern, gemeinsam mit diesen Zwillingen, Xochipilli und ähm... egal... und gerade eben hat sie mir gesagt, dass sie mir etwas auf mein Bett gelegt hat. Und da hab ich den Brief und die drei Messer gefunden. Sie haben alle drei unterschiedliche Größen - also vermute ich mal, das Größte ist für dich, das Mittlere für Alex und das kleine Messer für mich." Kat schluckte. Unsicher sah sie Nick an. 

Er nahm sie in den Arm. "Diese Messer, Kat, sind ein unbezahlbares Geschenk. Hüte sie sorgfältig und gib sie nur aus der Hand wenn Nick - euer Nick - oder Alex in Zukunft darum bitten, Kat, denn ein mit ihnen vergossener Tropfen des eigenen Blutes macht einen Seelentausch in Zukunft unmittelbar. Wenn Yaotl auch nur eins dieser Messer in die Hände bekommt und euer Derek sich verführen lässt, dass er sich eins dieser Messer genauer ansehen will Kat... ich will nicht daran denken, wenn der Praeceptor sich in dem Moment schneidet in dem Yaotl ein Opfer bringt. Er würde die Macht über Dereks Körper nicht wieder aufgeben." 



Alex war hinzugetreten. Mit leichtem Grausen sah sie auf die kalt glänzenden schwarzen Klingen. "Aber du die über Nicks? Was geschieht, wenn du ein richtiger Priester bist und er...?" "Ja, ich würde - obwohl es verführerisch wäre bei dir zu bleiben, meine Cuaxolotl - um Nicks Willen wieder zurückkehren. Auch ich müsste mich dazu nur mit einem dieser Messer schneiden und es wäre ganz gleich ob ich in dieser Gestalt und Zeit Opferblut vergossen habe oder Nick in meiner Gestalt in meiner Zeit." "Wäre es dann nicht gut, Derek mit einem der Messer zu schneiden - also ich meine deinen Bruder in Derek?"  Nick-Yolotli dachte einen Augenblick nach. Alex murmelte: "Das klingt für mich logisch..." doch er schüttelte den Kopf. "So wie Nick Derek einschätzt, würde er Kat die Messer wegnehmen - im guten Glauben das Richtige, das einzig Richtige zu tun - um sie in Zukunft zu schützen. Und ich denke, Kat, das ist kein Weg, wie man mit einem Geschenk umgehen sollte. Diese Messer gehören dir und wir müssen darauf vertrauen, dass bis in drei Tagen alles gut geht."

Traurig sah Kat auf die drei Messer. "Könnten wir ihn nicht schneiden während er schläft?" "Kat, die Botschaft lautete, dass der Übergang - so gewünscht - unmittelbar wird. Im Schlaf kann Yaotl nicht wünschen in Tenochtitlan zu sein." Er gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. "In Yaotls Fall gibt es nur den Zwang in drei Tagen. Hab Geduld." Kat umarmte Nick-Yolotli. "Ich möche zwar unseren Nick auch wieder haben, aber ich werde dich vermissen." "Aber du kannst doch in Zukunft durch meine Schwester in meine Zeit kommen und ich werde - so Alex will - sie mit meiner auserwählten zukünftigen Gefährtin Itotia verbinden. Wir werden uns wiedersehen Kat, wann immer einer von euch beiden das wünscht." Alex küsste Nick zärtlich. "Mach das mit Itotia. Aber nur wenn sie einverstanden ist - zwinge sie bitte nicht." "Niemals, mein Liebling."



Drei Stunden später wurden drei große Schweinehälften geliefert. "Nun gut..." murmelte Nick-Yolotli leise und warf einen entschuldigenden Blick auf Alex und Kat. "Dann sollten wir mit dem Unterricht beginnen." Er bedeutete beiden je eines der Obsidianmesser zu nehmen und griff nach dem dritten. "Das Opfer für Xipe Totec wird zuerst von den Kriegern mit Pfeilen erschossen und anschließend gehäutet. Trotzdem ist es immer leichter keines der Einschusslöcher zu verwenden, sondern einen glatten Schnitt über dem Brustkorb zu machen. In dem Fall dieser Schweinehälfte macht einfach mal einen glatten Schnitt vom Halsansatz bis zum Ende und dann jeweils einen kürzeren oben und unten von rechts nach links." gab er nüchtern Anweisungen. Ein leiser Schauer lief über Alex Rücken als sie Yolotli zum ersten Mal in seiner Rolle als angehenden aztekischen Priester erlebte.

Die Obsidianmesser glitten durch die Schwarten der Schweinehälften wie durch Butter. Unter Yolotlis Anweisung, unter Nicks Augen - irgendwie - gelang es Kat und Alex die Haut von den Hälften abzuziehen. "Und was machen wir jetzt damit?" fragte Kat und hielt ihre gerade abgezogene feuchte Schweinehaut hoch. Sie hörten Schritte - Derek-Yaotls, das erkannten alle drei. Nick-Yolotli bedeutete ihnen die Obsidianmesser in der Schublade unter dem Tisch verschwinden und nur die einfachen Küchenmesser, die sie schon vorab mit Blut beschmiert hatten, liegen zu lassen, was hastig geschah.

"Ich denke, die können wir entsorgen und dann das Fleisch zerlegen um es einzu... ähm... -salzen?" "Wir können es auch einfrieren." entgegnete Alex gerade in dem Moment in dem Derek-Yaotl die Küche betrat. Mit einer wortlosen, herrischen Geste verlangte er die Ergebnisse der Übungsstunden zu sehen. "Sehr gut, Yolotli, scheint, dass dein neuer Körper geschickt unter deinem Geist ist..." lobte er, dann inspizierte er als nächstes das Ergebnis von Alex.

"Du wirst noch sehr viel üben müssen, bevor ihr, mein Bruder und du, meine Erlaubnis zur Vermählung bekommt, Alex. Das ist schlampig ausgeführt!" tadelte er barsch und wandte sich dann Kat zu. "Und, Katherine?" Leiser Spott lag in der Stimme. Der Teenager reichte ihm die Haut. Er betrachtete sie eingehend, dann lächelte er zufrieden. "Ein ausgezeichnetes Ergebnis für dein erstes Mal, meine Tochter Chalchiuhnenetzin." lobte er sie. Sein Blick wurde augenblicklich wieder hart. "Wobei du, Bruder, offenbar noch eine Lektion brauchst! Diese Häute werden nicht einfach entsorgt! Du wirst den beiden helfen sie anzulegen und zu tragen! Und auch du wirst sie dir umlegen. Nähe die beiden in die Haut hinein!" "Yaotl, bitte. Die beiden haben sich doch recht gut geschlagen, erspare ihnen für heute doch..." "Das kommt überhaupt nicht in Frage!" unterbrach Derek-Yaotl ihn.

"Und nun zieht eure Oberteile aus!" befahl er gleich darauf barsch. Ängstlich gehorchte Kat und zog ihr T-Shirt aus. Derek-Yaotl musterte sie kühl, griff nach der Schweinehaut und wickelte sie um ihren Oberkörper. Kat musste einen Brechreiz unterdrücken, was jedoch unbemerkt blieb. "Fühle, Chalchiuhnenetzin. Xipe Totecs bist du wahrhaft würdig. In Neu-Tenochtitlan werde ich mit dir eine Dynastie der Priesterinnen begründen..." Derek-Yaotls Stimme klang in diesem Moment fast väterlich, fast so als wäre er wirklich Derek - nur dass der nie so etwas Widerliches getan hätte wie diese feuchte Haut um sie zu legen oder sie als Priesterin eines Gottes zu sehen, der seine Opfer gehäutet haben wollte.

"Bring mir Nadel und Faden, Alexandra!" Mit einem entschuldigenden Blick zu Kat eilte sie davon und brachte kurz darauf das Gewünschte. Derek-Yaotl trennte die Haut des Schweinekopfes mit einem der Messer ab, dann nähte er die restliche Schweinehaut so zusammen, dass sie Kats Oberkörper einhüllte. Sie wollte nach ihrem T-Shirt greifen, doch Derek-Yaotl hinderte sie daran. "Nein, deine Kleidung wird diese Haut sein, Tochter! Sie wird an dir trocknen und dich über den Frühling kleiden. Ich bin stolz auf dich, meine Chalchiuhnenetzin." Er legte die Nadel auf den Tisch. "Und nun nähe Alex ebenso in die Haut wie ich meine zukünftige Tochter eingenäht habe - und du solltest dich auch daran gewöhnen. Immerhin wirst du in zweit Tagen komplett in die Haut dieses Schwarzrockes eingenäht nachdem du ihn Xipe Totecs zu Ehren enthäutet hast." 

Nick-Yolotli deutete eine Verbeugung an. "So sei es." Mit einem Nicken verließ Derek-Yaotl die Küche. "Vergib mir, Alex..." flüsterte Nick und knöpfte vorsichtig ihre Bluse auf. Kurz darauf hatte er sie in die Haut eingenäht. "Bah, ist das widerlich!" murmelte sie sichtlich angeekelt. "Es tut mir leid, meine Geliebte, aber jetzt muss ich dich bitten mir diese Haut auf den Leib zu nähen." Mit sichtlichem Widerwillen tat sie es.

"Wenigstens haben wir Zeit für diesen Philip gewonnen. In Tenochtitlan wird man sicher alles vorbereitet haben - trotz der angeblichen Gelenkentzündung - und ich werde in meiner Gestalt das Frühlingsopfer bringen, während ich mich hier weigern kann." Er küsste Alex sanft. "Wie gern wäre ich jetzt mit dir allein - weniger - vor allem weniger widerlicher bekleidet." "Weniger geht ja..." flüsterte sie errötend, "Aber ich gebe zu, diese "Oberteile" sind wirksamer als ein Liebestöter." fügte sie frustriert hinzu. Kat kicherte leise. "Wenigstens ist es nur oberhalb der Liebestöterlinie, oder?" Alex grinste widerwillig. "Kat, du bist ekelig!" Nick-Yolotli räusperte sich leise. "Wobei sie recht hat - und wir - Alex, ich sehne mich nach dir..." flüsterte er. 

Sie hüstelte leise. "Kat ist noch nicht volljährig, Nick, ich meine Yolotli und... wir sollten erstmal das Fleisch verarbeiten. Wäre ein Jammer wenn es verdirbt." Er stimmte zu und gemeinsam zerlegten sie die drei Schweinehälften und froren sie ein, wuschen sämtliche Gerätschaften und dann zogen Alex und Nick sich auf ihre Zimmer zurück, während Kat die Obsidianmesser sorgfältig in ihrem versteckte und dann in die Bibliothek ging um ein Buch zu finden mit dem sie sich ablenken konnte.



Am nächsten Morgen starrte Rachel entsetzt auf ihre Tochter und ihre Kollegen als sie die Schweinehäute über deren Oberkörper sah. Derek-Yaotl lachte befriedigt. "Ja, Rachel, ich bin stolz auf unsere Tochter. Unsere kleine Chalchiuhnenetzin wird die erste Priesterin im Dienste unserer Götter in dieser Zeit sein - die erste Priesterin überhaupt. Quetzalcoatl, Huizilopochtli, Huehueteotl und Xipe Totec werden sie weit über ihr Geschlecht erheben und Teteoinnan und Tlazolteotl werden die Ironie schätzen wenn eine Frau ihnen zu Ehren die weiblichen Opfer kunstfertig häutet." Rachel würgte und taumelte zum Waschbecken. Verächtlich kommentierte Yaotl das mit Dereks Stimme: "Ich weiß nicht, was der Praeceptor an dir schätzt, Rachel Corrigan! Du bist schwächlich und trotzig! Bring mir etwas zu Essen in mein Arbeitszimmer. Wenigstens dazu solltest du in der Lage sein. Dann nutzt du wenigstens etwas!" Er verließ die Küche.



"Mama? Es tut mir leid, ich..." Kat wollte sich in Rachels Arme werfen, doch die wandte sich ab. Kat schluchzte auf und rannte aus der Küche. "Rachel?" fragte Nick-Yolotli leise. "Verzeih, aber... er kam gestern dazu und... ich hätte versuchen müssen es zu verhindern." Rachel drehte sich zu ihm um. "Nein, ich - Yolotli, du hast meiner Tochter wahrscheinlich das Leben gerettet - und mir. Aber ich konnte es nicht über mich bringen Kat mit diesem... diesem Ding über sich zu umarmen." Sie lachte bitter auf. "Aber wenn er Kat für talentiert hält weiß er wenigstens, dass ich zwar schwächlich bin, aber wenigstens gutes "Zuchtmaterial"." Sie schluchzte leise auf. Nick-Yolotli griff zu einem großen Küchentuch, legte es sich über den Oberkörper und zog Rachel tröstend an sich. "Übermorgen ist der Spuk vorbei. Yaotl wird nie wieder die Chance haben seine Seele in Derek zu transferieren und du wirst keinem von uns... na ja, mir vielleicht erneut in Nick, wenn er es denn zuläßt, was ich ja sehr hoffe..., begegnen." Rachel machte sich ein wenig peinlich berührt aus der Umarmung frei. "Du bist ganz anders als dein Bruder und ich bin sicher, dass Nick einen erneuten Tausch akzeptieren kann - wenn er keine Opfer darbringen muss."

Alex reichte Rachel ein Tablett mit einem Brunch für Derek-Yaotl. "Vielleicht solltest du das "Master Idiotl" bringen, bevor er Amok läuft." meinte sie mit einem gezwungenen Lächeln. Die Ärztin nickte. "Danke - euch beiden, vor allem dafür, dass ihr für Kat da seid." murmelte sie, lachte dann ironisch und meinte: "Und ich dachte als Psychologin ist man auf Irre vorbereitet - aber..." "Rachel, mach dir nicht zu viele Gedanken. Übermorgen gegen Mittag hast du mit deinem Derek genug zu tun. Er wird - nach allem was Alex und Kat mir über ihn erzählt haben - eine Menge verarbeiten müssen und deine kompetente Hilfe dringend nötig haben." unterbrach Nick-Yolotli sie sanft. "Und Kat ist für mich wie eine kleine Schwester und das nicht nur weil sie seit gestern sowas wie Icnoyotls Seelenschwester ist." Er drehte sie zu sich um. "Und jetzt geh. Yaotl gehört nicht zu den Geduldigsten." Er nickte ihr aufmunternd zu.



Als Rachel die Küche verlassen hatte, schnaubte Alex wütend: "Derek wäre nie im Leben eingefallen sie zur Dienstmagd zu degradieren! Sorry, Schatz, aber dein Bruder ist ein mieser Drecksack! Kaum zu glauben, dass du mit dem Kerl verwandt bist!" Beruhigend zog er sie an sich.



Rachel war derweil am Arbeitszimmer von Derek angekommen und klopfte. "Na endlich! Komm rein!" Umständlich öffnete sie die Tür und ließ vor Schreck das Tablett fallen als sie eine in sich zusammengesunkene verängstigt wirkende Kat auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch des Praeceptors sah. 

Verächtlich wandte er sich an Kat. "Schau, Chalchiuhnenetzin, wie erbärmlich die Frau ist, die dich geboren hat. Sie weiß deine Stärke nicht zu würdigen und verletzt dich stattdessen."  Er stand auf und streichelte über Kats dunkle Haare. Väterlich fügte er hinzu: "Ich möchte, dass du in Zukunft mit deinen Sorgen zu mir kommst. Ich werde sie zu strafen wissen, wenn sie dich erneut zurückweist!"

Kat zuckte zusammen. "Ja..." flüsterte sie zögernd. Derek-Yaotl tätschelte ihr die Schulter, dann wandte er sich augenblicklich wieder eiskalt an Rachel: "Ich habe Chalchiuhnenetzin auf dem Flur angetroffen, du wertlose Kreatur! Sie war völlig aufgelöst. Wenn du ihr in Zukunft nicht den Respekt erweisen kannst, der ihr zukommt, geschweige denn ihr die Mutter sein kannst, die du ihr sein müsstest, wirst du dich von ihr fern halten. Offenbar war ihr richtiger Vater derjenige mit den richtigen Genen! Und jetzt putz diesen Dreck weg, den du verursacht hast und bringe ein neues Tablett!"



Rachel schluchzte auf. "Kat, ich liebe dich, das..." Derek-Yaotl versetzte ihr eine Ohrfeige. "Auf dein wertloses Geschwätz kann meine Tochter verzichten. Du wirst sie in dieser Schule abmelden. Ich werde mich um Hausunterricht kümmern und ihren sogenannten Religionsunterricht selber übernehmen. Und nun verschwinde!" "Mama!" rief Kat und wollte zu Rachel laufen, doch der Praeceptor fing sie ab. "Diese Kreatur ist nicht deine Mutter, meine Tochter, deine Mutter wird Teteoinnan, die Göttermutter sein. In ihrem Dienst wirst du groß sein, ihr geliebtes Kind." sagte er väterlich und nahm sie in die Arme. 

Rachel unterdrückte ein erneutes Aufschluchzen, räumte hastig die Scherben und alles Mögliche auf das Tablett und eilte davon. Tränenblind taumelte sie in die Küche und sank weinend im Türrahmen zu Boden. Erschrocken eilten Alex und Nick-Yolotli zu ihr. "Rachel, was ist passiert?" erkundigte ihre Kollegin sich besorgt. Schluchzend erzählte Rachel was gerade geschehen war. Nick holte einen Eisbeutel für Rachels Wange. "Sei stark, Rachel, für Kat. Glaub mir sie wollte Yaotl garantiert nicht in die Arme laufen, aber der Weg ihr Zimmer hier im Legat führt am Arbeitszimmer von Derek vorbei. Was hätte sie tun sollen?" sagte er sanft. "Ich weiß, aber sie ist diesem Monster ausgeliefert!" "Das Monster wird ihr nichts tun, solange er glaubt sie gehorcht - und Kat bemüht sich diese Rolle zu spielen." flüsterte Alex. 

Nick-Yolotli erhob sich. "Komm, Rachel, auf die Beine. Ich mache ein neues Tablett zurecht und du suchst schnell das Putzzeug zusammen und wischt den Mate-Tee, die Milch und den Zucker auf, bevor mein Bruder noch ungemütlicher wird." forderte er die Ärztin nachdrücklich auf. Schwerfällig erhob sie sich mit seiner Hilfe. 

"Alexandra! Schick diese schwächliche, minderwertige Magd rauf! Ich will mein Frühstück und sie soll hier aufwischen!" rief der Praeceptor wütend. "Ich wische das schnell weg, Rachel. Hilf du Nick!" flüsterte Alex hastig und eilte mit dem Putzzeug aus der Küche. 

Tadelnd empfing Yaotl Alex. "Alexandra, habe ich dich aufgefordert das aufzuwischen?" "Nein, aber Rachel bereitet das Frühstück für Euch zu." Der Praeceptor lachte verächtlich. "Versuch nicht zu verschleiern, dass dies faule Stück winselnd in der Küche hockt und die Gutmütigkeit meines Bruders ausnutzt!" zischte er leise, offenbar damit Kat ihn nicht hörte. "Ich will, dass sie verschwindet und ich werde dafür sorgen, dass Chalchiuhnenetzin bei mir bleibt! Ich möchte in einer Stunde mit Yolotli und dir reden." Alex nickte stumm. "Danke, dass du den Dreck beseitigt hast, den diese Kreatur verursacht hat." sagte er dann laut. "Bitte, schon okay." antwortete Alex und eilte hastig davon.

Mit einem aufmunternden Lächeln reichte Nick-Yolotli Rachel das neue Frühstückstablett. "Stärke, Rachel! Ich habe für Kat eine heiße Schokolade und ein Croissant hinzugefügt." flüsterte er. Sie nickte und ging. "Herein!" rief Yaotl und sie zuckte zusammen als sie die Stimme von Derek so unfreundlich hörte, jene Stimme, die ihr über die letzten Jahre sonst freundlich und liebevoll gegenüber gewesen war. Sie betrat mit gesenktem Blick, ihre Tränen wegblinzelnd, das Arbeitszimmer. "Das Frühstück, wie gewünscht. Für Kat ist eine Tasse Schokolade und ein Croissant dabei." Sie stellte es vorsichtig auf den Schreibtisch. "Für wen ist die Schokolade, Rachel?" fragte Yaotl eisig. "Für Katherine, meine Tochter!" sagte Rachel leise. "Für deine Tochter?" fragte er spöttisch. Sie nickte. "Für deine angebliche Tochter?" Er lachte. "Wohl eher für meine Tochter Chalchiuhnenetzin, die von mir die Zuwendung bekommen wird, die du ihr versagst!" fuhr er Rachel an. "Deine Katherine hast du von dir gestoßen, Rachel. Katherine existiert nicht mehr! Du wirst Chalchiuhnenetzin in Zukunft nicht mehr ansprechen, ansehen oder sonstwie belästigen! Und jetzt verschwinde!"



"Er will uns in einer Stunde in Dereks Arbeitszimmer sehen." flüsterte Alex Nick gerade zu. "Er plant irgendeine Schweinerei um Rachel das Sorgerecht entziehen zu lassen - vermute ich." Nick-Yolotli fluchte leise. "Ich hoffe, Rachel hält durch. Wir müssen zusehen, dass wir sie von meinem Bruder und Kat bis übermorgen fern halten." sagte er noch, bevor er die in die Küche taumelnde Rachel auffing, die vom Schmerz überwältigt in seinen Armen zusammenbrach. Vorsichtig hob er sie hoch und setzte sie auf einen der Küchenstühle. "Ich bringe sie in meinem Zimmer unter - wenn du mich in deinem aufnimmst." schlug er Alex vor. Die nickte mit einem besorgten Blick auf ihre Freundin und Kollegin. "Aber erstmal ziehe ich mir einen Pullover über, bevor ich sie ins Bett verfrachte. Er eilte davon und kam kurz darauf zurück. Rachel wirkte fast apatisch als er sie auf seine Arme hob und davontrug. Er legte sie vorsichtig auf sein Bett. "Ich werde dir deine Bluse und deinen Rock ausziehen, Rachel, mehr nicht." flüsterte er beruhigend. Sie ließ es widerstandslos geschehen. Mit großer Besorgnis deckte er sie zu. "Bleib die nächsten zwei Tage hier, Rachel. Alex und ich werden dafür sorgen, dass du zu Essen und zu Trinken hast." Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und verließ sein Zimmer. Hastig zog er den Pullover aus den er sich übergezogen hatte, als er die Stimme des Praeceptors hörte. 

"Geh jetzt, Chalchiuhnenetzin, ich möchte, dass du in den Keller gehst und dir zwei Stunden lang die Heuchelei von Philip Callaghan anhörst und danach wirst du wieder zu mir kommen und ich werde dir beweisen, dass er Unsinn redet." "Ja. Yaotl." Kat klang nicht begeistert. "Ich bin dein Vater, meine Tochter." Nick-Yolotli wurde bei dem freundlichen Ton, den er noch nie von seinem Bruder gehört hatte, direkt übel. "Wie du meinst." hörte er Kat ein wenig zögernd antworten, dann erklangen ihre hastigen Schritte.

Als sie an ihm vorbeikam lächelte sie ihm gequält zu, steckte sich den Finger in den Hals und tat als müsse sie sich übergeben. Nick-Yolotli drückte ihr wortlos die Schulter um sie aufzumuntern.



"Yolotli? Bring Alex mit. Ich will mit euch reden!" rief Derek-Yaotl herrisch. Alex eilte die Treppe hinauf. Genervt die Augen verdrehend als Nick-Yolotli einen Arm um sie legte. Gemeinsam betraten sie das Arbeitszimmer.



Kat öffnete die quietschende Tür zum Relikte-Raum im Keller. "Philip?" flüsterte sie leise in die Dunkelheit. "Ja, Kat, bist du das?" ächzte der Priester. "Ich mache das Licht an, aber bitte erschrick nicht!" bat sie schüchtern. "Ich mache die Augen zu." 

Das Licht flammte auf und Kat erblickte den an einen Ring in der Wand gefesselten Philip Callaghan, nur mit einem Lendentuch bedeckt, mit Farbstreifen beschmiert. "Geht es dir gut?" fragte der Priester mit zusammengekniffenen Augen. "Nicht wirklich. Yaotl schickt mich... er meint... ich - ich solle mit dir reden und..." "Wer in Christi Namen ist Yaotl, Kat?" Philips Augen gewöhnten sich langsam an das Licht und er blinzelte. "Der aztektische Priester, dessen Seele in Derek ist - und Dereks ist in seinem Körper, in Tenochtitlan." Sie setzte sich auf den schwarz glänzenden Techcatl aus Vulkangestein. Instinktiv wusste sie plötzlich, dass es ein aztekischer Opferstein war, der sich jedoch seltsam vertraut anfühlte und tröstend wirkte. 

"Aztekischer Priester? Derek ist besessen? Von einem Dämonen, meinst du?" "Nein, Yaotl hat irgendeinen Zauber gewirkt und über eine Statue von Tonatiuh, die Derek und Nick sich angeschaut haben kam es zum Seelentausch. So habe ich zumindest Yolotli verstanden - Yolotli ist in Nick - also seine Seele." erklärte Kat. Philip kniff die Augen zusamen und musterte das Mädchen vor sich. "Was trägst du denn da als Oberteil?" fragte er. Sie sah auf den Techcatl hinunter. "Sowas wie Leder... nur frischer..." murmelte sie. "Er hat Alex, Yolotli und mich gezwungen Schweinehälften abzuziehen. Wobei - Yolotli kann das ziemlich gut, ich meine, selbst in Nicks Körper. Er ist fast Priester... aber er ist total nett." "Das heißt, du trägst die Haut von einem Schwein?" Philip war sichtlich angewidert. "J... ja. Philip, er hat gedroht Mama etwas anzutun und er demütigt sie die ganze Zeit. Ich habe Angst um Mama!" 

"Katherine, du tust was ein Dämon dir gesagt hat! Hast du kein Vertrauen in die heilige Jungfrau und die Nothelfer? Wo ist dein Glaube an den Allmächtigen?" tadelte er. "Das ist da, Philip, aber nicht alles funktioniert über Gebete und Fasten!" "Du lästerst den Allmächtigen, Kat!" murmelte er fassungslos. "Nein, das tue ich nicht!" widersprach sie. "Ich rette mit Alex und Yolotli gerade dein Leben - und die Seelen von Nick und Derek!" "Belüge dich nicht selbst, Kat! Du bist hochmütig, wenn du dir anmaßt Seelen retten zu wollen! Und Hochmut ist eine Todsünde! Dafür kommst du in die Hölle!" brach der nächste Tadel über Kat herein. Sie schloss traurig die Augen und presste ihre Handflächen auf die tröstlich glatte Oberfläche des Techcatl. "Katherine?" flüsterte es sanft in ihr. Kat lächelte. Itzpapalotls irgendwie unheimlich wirkende Gestalt erschien in ihrem Geist. "Obsidianschmetterling..." flüsterte sie und lächelte traurig. "Lass deinen Verstand nicht verwirren. Deine Mutter und dieser Mann, Philip, sie stehen unter Schock, weil sie deine Stärke nicht begreifen können, dein Vertrauen in den Schöpfer aller Dinge, das sich von ihrem durch ihr Alter beschränkten Blickwinkel weder ihr noch ihm erschließen wird. Deine Freundin Alex hat durch Yolotli begriffen und durch ihre Liebe. Philip fühlt Neid, er fühlt Zorn und deine Mutter völlige Verzweiflung und Hilflosigkeit im Angesicht deines Rückgrats, das du die letzten drei Tage bewiesen hast. Lass dich nicht entmutigen." flüsterte die Skelettgestalt tröstend. 

Kat öffnete die Augen wieder. Sie spürte Itzpapalotls Feuer auf seltsame Weise tief in sich. "Du wirfst mir Hochmut vor, Philip, aber ich könnte dir antworten, dass der Neid aus dir spricht, oder der Zorn und die Wut, geboren aus der Frustration und der Angst. Hast du eine Ahnung wie sehr Derek in Yaotls Körper leidet? Kannst du dir vorstellen wie sehr es Nick in Yolotlis Körper schaudert, wenn er menschliche Gliedmaßen häuten muss um sich auf das Frühlingsopfer an Xipe Totec, den Frühlingsgott der Azteken vorzubereiten? Dadurch, dass ich mitspiele, sollst du das Opfer von Yolotli in Nicks Gestalt sein, das ihn in die höchsten Priesterränge befördert, da es als höchste Kunst gilt das Opfer für Xipe Totec zu häuten. Ursprünglich wollte Yaotl dich zu Ehren von Huitzilopochtli, dem Kriegsgott opfern und dir das Herz rausschneiden. Das solltest du vielleicht wissen."  Philip lachte rau. "Macht es einen Unterschied welchem Dämon ich von welchem Dämon in Menschengestalt geopfert werde? Und ich bin Priester, Kat! Ich bin nicht zornig auf dich oder wütend und mit Sicherheit nicht neidisch auf deine Ketzerei! Und wieso sollte ich Angst haben, spricht der Herr uns doch seinen Trost zu - wie im Psalm 23!" "Hochmütig bist du also auch noch. Nur weil du Priester bist hältst du dich für etwas besseres und glaubst mich daran erinnern zu müssen, dass der Schöpfer aller Dinge uns leitet? Jeden von uns?" fragte Kat traurig. Philip riss erstaunt die Augen auf. Er musste schlucken. Kat hatte ihm einen Spiegel vorgehalten in dem er sich nicht gerade sympathisch widerspiegelte. "Kat... ich..." "Bitte schweig einfach, Philip. Wenn das ganze vorbei ist hätte ich gern Derek mit seinem Wissen dabei, denn er ist Theologe, wie du und er hat dann ein unglaubliches Wissen, geboren aus der Erfahrung, einer der vielleicht furchtbarsten Erfahrungen, die eine Seele machen kann, aber mit einem Verstehen, das dir wahrscheinlich nicht nur im Moment völlig abgeht." unterbrach sie ihn traurig mit sanfter Stimme. 

"Kat, mach mich los und dann..." "Philip, damit ist weder dir noch irgendwem in diesem Haus geholfen." Der Priester wirkte verärgert. "Hör dich doch einfach mal reden! Du versuchst mich zu widerlegen und eine theologische Diskussion mit mir zu führen, die weit über deinem Alter ist! Erleichtere dein Herz, meine Tochter, ich kann dir die Beichte abnehmen." Sie lache traurig auf. "Außer Angst um meine Mutter, Alex, Derek und irgendwie auch Nick habe ich mir momentan glaube ich nichts Schwerwiegendes vorzuwerfen. Klar, "wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein..." - aber ich werfe mitnichten, Philip, ich habe eher das Gefühl, dass du mich mit Vorwürfen und Unterstellungen bewirfst als wolltest du mich steinigen. Das macht mir Angst. Weißt du mit welchen Worten mich Yaotl hier in den Keller geschickt hat? Ich solle mir deine Heuchelei anhören und er wolle mir danach erklären welchen Unsinn du geredet hast. Und ehrlich gesagt... ich bin gerade über mich selbst schockiert, weil ich geneigt bin ihm zuzuhören." 

"Kat, du sitzt auf einem heidnischen Altar und redest ketzerischen Unsinn!" rief Philip verzweifelt. Itzpapalotl flüsterte leise in ihr: "Der Techcatl ist der aus Vulkangestein bestehende Opferaltar eines aztekischen Tempels. Er wirkt tröstlich auf dich, Kat, da die Erinnerungen an uns in ihm sind und du dir durch deinen Mut unserer aller Bewunderung verdient hast." Eine verärgerte Stimme knurrte: "Gib ihr ein Messer aus deinen Flügeln, das Chalchiuhnenetzin ermöglicht ihn in einen meiner Priester zu senden! Soll er am eigenen Leib erfahren was ihre Freunde erdulden! Acacitli ist ähnlich veranlagt wie Yaotl. Er wird sicher tauschen." Itzpapalotl lachte leise. "Das, Kat, war Huitzilopochtli. Was meinst du... würde Philip diese Lektion verdienen?" "Ich überlege noch..." flüsterte Kat kaum hörbar. 

Sie öffnete die Augen und blickte den katholischen Priester an. "Ich weiß, dass dies ein Techcatl ist. Weißt du, dass er aus Vulkangestein besteht?" Philip keuchte auf als vor dem Teenager plötzlich eine Flamme aufleuchtete und eine kalt schimmernde Obsidianklinge erschien, gefasst mit einem juwelenbesetzten Bronzegriff, der eine Puppe darstellte. "Mächtiger als einer der anderen - in deiner Hand mächtiger als alle drei gemeinsam, Chalchiuhnenetzin. Hüte diesen Dolch gut und gebrauche ihn weise. Mit ihm kannst du die Seelen zwischen den Zeiten hin und her senden. Er ist an deine Seele gebunden und wird mit dir reisen!" Kat erkannte die Stimme von Xochipilli - dem Liebesgott. "Aber du wirst - um diese Seele in Acacitlis Körper senden zu können - erst zu Icnoyotl reisen müssen um dessen Seele mit Philip Callaghans tauschen zu lassen. Tu es, Chalchiuhnenetzin!" forderte Huitzilopochtli. "Während des Opfers wird er Respekt und Demut lernen!" 

Vorsichtig ergriff Kat den Dolch. "Wieso nennt ihr mich Juwelenpuppe? So nennt er mich und ich will das nicht!" flüsterte sie tonlos. "Katherine, deine Seele leuchtet in hellsten Farben - schöner als Juwelen und sie wirkt zart wie eine exquisite Puppe obwohl sie sehr schwer zu brechen wäre. Welcher Name wäre also passender?" erklärte Xochiquetzal, Xochipillis Zwillingsschwester sanft. "Und wir haben ihn für dich ausgesucht, als stete Erinnerung, dass du immer auch ein Teil unserer Zeit sein wirst. Yaotl benutzt ihn lediglich." fügte Itzpapalotl hinzu.

"Welche dunklen Mächte sind das?" wollte Philip wissen. Kat blickte ihn traurig an. "Der Dolch ist ein Geschenk mit viel Verantwortung - obwohl gerade eine gewisse Versuchung mitspielt ihn lehrreich gegen dich oder für dich einzusetzen. Vielleicht werde ich das Übermorgen sogar tun und der Versuchung nachgeben. Und laut einer... Freundin... ist er eine Erinnerung daran, dass ich... ich nicht mehr nur in diese Zeit gehöre." Kat starrte einen Moment lang auf die Klinge und gerade als Philip etwas sagen wollte hob sie Schweigen gebietend die Hand. "Aber ich glaube, Hochwürden, das alles ist etwas was du besser vergessen - und vor allem nicht gegenüber Derek erwähnen solltest, ganz gleich wessen Seele ihm wann innewohnt." 

Sie schloss noch einmal kurz die Augen, dankte für den Dolch und rutschte vom Techcatl herunter. "Ich lasse dich jetzt wohl besser allein. An sich sollte ich zwei Stunden mit dir quatschen und vermutlich wird Yaotl ärgerlich sein, dass es nur die Hälfte war, aber ich will nicht, dass ich nach zwei Stunden wirklich gering von dir denke, Philip. In der einen Stunde bist du in meiner Achtung keineswegs gestiegen." teilte sie ihm schonungslos aufrichtig mit. Trotz Philips Protest schaltete sie das Licht aus und verließ den Raum. 



Hastig eilte sie in ihr Zimmer um den kostbaren Dolch zu verstecken. Auf dem Rückweg beschloss sie sich direkt Yaotls Zorn zu stellen und wollte an die Tür von Dereks Arbeitszimmer klopfen, als sie im Raum Nick sagen hörte: "Du kannst Kat nicht dem Einfluss von Rachel entziehen. Sie ist ihre Mutter! Du wirst Rachel gewinnen müssen um auch Kat wirklich zu gewinnen!" Beruhigt stellte Kat fest, dass die Stärke ihrer neugewonnenen Beschützer sie nicht verlassen hatte. Entschlossen klopfte sie an. "Reinkommen!" knurrte Derek verärgert. Vorsichtig drückte Kat die Türklinke hinunter. "Rachel, ich habe auf dein Gewinsel keine..." begann Yaotl, fing sich aber augenblicklich als er Kats angesichtig wurde. "Chalchiuhnenetzin, hatte ich nicht gesagt, dass ich möchte, dass du zwei Stunden mit diesem Schwafler redest?" tadelte er väterlich. Kat zuckte mit den Schultern. "Er wurde nach dem ersten Satz schon langweilig und hat seine Lehren selbst Lügen gestraft. Eine Stunde länger und ich wäre an Langeweile gestorben." Yaotl blickte sie mit Dereks ihr so vertrauten Augen und verwirrenderweise so vertrautem fast väterlichem Stolz an, dass Kat fast glaubte, Derek sei wieder zurück, doch sie wusste, Derek hätte ihr sofort die widerwärtige Schweinehaut vom Körper gerissen. "Chalchiuhnenetzin, meine Tochter, du machst mich wahrhaft stolz!" rief Derek-Yaotl, sprang begeistert auf, eilte  zu Kat und umarmte sie fest. Sie rang ihren Widerwillen gegen die Umarmung nieder, zwang sich ruhig zu bleiben, damit sie normal reden konnte und sagte: "Danke, Vater. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich mich gern noch etwas ausruhen." Da er ihren Blick auf Alex und Nick-Yolotli versperrte, sah sie nicht den ungläubigen, fast  entsetzten Blick, den die beiden wechselten.

Yaotl klopfte ihr auf den Rücken. "Geh, mein Kind. Wir unterhalten uns heute Abend." Kat machte einen Knicks und eilte davon. In ihrem Zimmer zog sie sich einen Pullover über, dann huschte sie in das Zimmer ihrer Mutter. Es war leer. Panik drohte ihr die Kehle zuzuschnüren. Hatte Yaotl ihr irgendwas angetan?

Sie rang ihre Angst nieder. Ihre Mutter war mit Alex und Nick-Yolotli zusammen gewesen. Alex hatte sogar aufgewischt... und im Gegensatz zu den eher provisorisch genutzten Zimmern von ihr und ihrer Mutter lagen die Zimmer von Alex und Nick viel weiter entfernt von Dereks Räumen. Sie sah zuerst in Alex Zimmer nach und schließlich entdeckte sie Rachel in Nicks Bett.



"Mama?" flüsterte sie leise. Rachel richtete sich auf und sah ihre Tochter fragend an. Sie lächelte. "Ich habe offenbar geträumt." murmelte sie erleichtert als sie registrierte, dass Kat einen Pullover trug. "Was mache ich in Nicks Bett?" flüsterte sie überrascht und wollte aufstehen, doch Kat hinderte sie daran. "Du hast nicht geträumt." sagte sie leise. "Nick und Derek sind... Oh Mama!" Sie schluchzte leise und sank in Rachels ausgestreckte Arme. "Ach Kat, es tut mir so leid. Ich war heute Morgen in der Küche nur absolut schockiert als ich euch drei mit diesen Häuten sah und irgendwie wusste, dass ich dafür verantwortlich bin. Ich habe schließlich vorgeschlagen, dass ihr Schweine nehmen könntet. Ich würde dich nie zurückweisen, ich hoffe, das weißt du!" "Ja, Mama, natürlich - ich dich auch nicht. Ich habe Angst um euch alle und versuche Yaotl zu täuschen um ihn nicht noch mehr zu reizen und in Sicherheit zu wiegen. Offen gestanden war es irgendwie sogar in Ordnung die Schweinehälften abzuziehen. Yolotli ist ein toller Lehrer, total geduldig und so und er hat Humor wodurch er diesen Häutungsunterricht viel weniger schlimm gemacht hat, aber... ach Mama... als Yaotl in Dereks Gestalt dazu kam hat er uns alle gezwungen uns... auszuziehen und mir diese widerliche Haut eigenhändig umgelegt und mich eingenäht. Und dann war er so fies zu dir und so komisch zu mir." "Kat, wir verlassen das Legat. Komm, pack die nötigsten Sachen und dann..." "Mama, bitte, das geht nicht so einfach." widersprach sie. "Übermorgen ist die Tag- und Nachtgleiche. Alex und Yolotli können Yaotl nicht allein aufhalten. Du musst nur daran denken, dass Derek, der richtige Derek, uns beide ganz anders behandelt." Rachel nickte.

"Nick... also er meinte ich solle bis übermorgen hier bleiben und mich verstecken." "Glaub mir, das ist eine gute Lösung. Yaotl plant dich zu beseitigen - in meinem Leben. Lass nicht zu, dass er auf die kranke Idee kommt dich auf den Techcatl, den Opferstein im Reliktekeller zu zerren. Das würde unserem Derek den Rückweg versperren und wir wollen ihn doch alle wieder zurück haben." Rachel seufzte. "Ich wünschte, ich könnte so leicht ...diese Seele von Derek trennen wie du, Kat." gestand sie. 

"Du liebst ihn, Mama - und lieben tut die Seele." sagte sie tröstend. "Und du musst für ihn stark sein und wahrscheinlich braucht auch Philip eine oder zwei Sitzungen bei dir, denn Yaotl hat ihn unten im Keller an der Wand gefesselt und er ist ziemlich verstört." "Mach dir keine Sorgen, Kat. Ich hatte Angst, dass du... dass ich... dich heute Morgen in der Küche so sehr verletzt habe, dass du wirklich zu ihm gegangen bist, freiwillig." Kat schüttelte entschieden den Kopf. "Er hat mich abgefangen. Ich wollte in mein Zimmer laufen und dann hat er gedroht, dich zu misshandeln wenn ich nicht sage was passiert ist." "Es tut mir wirklich leid, Kat." flüsterte Rachel und drückte ihre Tochter an sich, den Gedanken verdrängend, was sie unter dem Pullover trug. Sie sprachen noch eine ganze Weile miteinander, bis es dämmerte. Angewidert verzog Kat das Gesicht. "Ich gehe jetzt lieber in mein Zimmer und ziehe den Pulli wieder aus. "Seine Widerlichkeit" geruhte zu äußern, dass er heute Abend mit mir reden würde." Rachel musste ungewollt lachen als sie Kats neuste Benennung von Yaotl hörte. "Ich bin stolz auf dich, Kat - und Derek wäre es auch, das wissen wir beide." Der Teenager nickte, umarmte Rachel noch einmal und huschte von Yaotl unbemerkt in das eigene Zimmer.

Es dauerte nicht lange, bis er sie zu sich rief. "Der Schwafler hat dich also gelangweilt?" fragte er belustigt zur Begrüßung. Kat zuckte die Schultern. "Ja. Aber bitte verzeih, ich habe Pater Callaghan früher wirklich gemocht und geachtet, das muss ich irgendwie selber auf die Reihe kriegen." Yaotl nickte nachdenklich. "Dann sollte ich den Unsinn seines schwachen, jämmerlichen, heuchlerischen Irrglaubens endlich mit Wissen um die Stärke und Macht unserer Götter ersetzen, was meinst du?" Kat krümmte sich innerlich, setzte aber ein erwartungsvolles Lächeln auf. "Oh ja, bitte!" heuchelte sie engagiertes Interesse. "Welche Gottheiten sagen dir denn schon etwas?" fragte er gespannt. Kat runzelte die Stirn. "Also Huitzilopochtli - er ist der... der Kriegsgott, Xipe Totec der Gott des Frühlings. Ni... Yolotli nennt Alex immer seine Cuaxolotl - das ist die Göttin des Herzens. Xochipilli ist der Blumenprinz, der Gott der Liebe und Itzpapalotl ist die Feuergöttin. Teteoinnan und Tlazolteotl hast du heute Morgen erwähnt, ebenso wie Quezacoatl und durch die Statue von Tonatiuh seid ihr hier, Yolotli und du. Aber die - na ja, Aufgabengebiete - kenne ich nicht." Yaotl wirkte sichtlich erfreut und begann von Mictlan, der Unterwelt zu erzählen - überraschend interessant. Kat musste fast gegen ihre Faszination ankämpfen.



Es klopfte. "Ich habe Geschnetzeltes mit Reis gekocht und dachte ihr hättet vielleicht Hunger?" fragte Alex vor der Tür laut, bevor Yaotl sie verärgert hereinrufen konnte. Kats Magen knurrte wie aufs Stichwort, was den aztekischen Priester mit einem leisen Lachen reagieren ließ. "Ich danke dir, Alexandra, Chalchiuhnenetzin und ich kommen gleich!"



Er wandte sich Kat zu. "Ich würde gern kurz mit dir über... deine Mutter reden." Sie zuckte zusammen. "Ich verstehe nicht, was Derek Rayne an ihr findet. Wie ich empfindet er für dich wie für eine Tochter, das konnte ich sehr deutlich in seinen Erinnerungen sehen aber... seine Gefühle für sie sind mir unerklärlich." Kat sah hoch. "Sie versucht mich zu schützen, das zum einen. Du drohst ihr im einen Moment mich zu opfern, im nächsten sie selbst, wodurch ich schutzlos wäre - wie sie denkt. Zum anderen: Derek hat ihre innere Stärke und Wärme erkannt. Meine Mutter ist ein sehr warmherziger Mensch, aber sie macht keinen Unterschied zwischen Körper und Seele. Aber es gibt ein japanisches Sprichwort: Weil der Bambus geschmeidig ist, fürchtet er nicht den Sturm. Ich denke, meine Mutter ist wie Bambus..." Yaotl sah sie nachdenklich an. "Sie hat immer noch Hoffnung, dass die Seele von Derek Rayne in diesen Körper zurückkehrt?" "Wahrscheinlich..." Kat zuckte die Schultern. "Chalchiuhnenetzin, er hat gestern sein erstes Opfer gebracht und dessen Blut kettet seine Seele an meinem Körper. Ich möchte, dass du das verstehst." sagte Yaotl eindringlich. Innerlich grinsend vor Schadenfreude nickte sie. "Das habe ich verstanden. Aber ein Schriftsteller hat mal geschrieben: "Wir Frauen beten an wen wir lieben und wenn wir unsere Anbetung verlieren, verlieren wir alles...". Ich kann dich nur um Geduld mit meiner Mutter bitten." Yaotl sah sie überrascht an, dann lächelte er. "Du sollst sie bekommen, die Geduld mit deiner Mutter. Und nun lass uns zum Essen gehen. Wobei - geh schon voraus, ich werde sie holen."



Kat versteckte ihr Grinsen, machte einen Knicks und eilte davon. Sicher würde es dauern, bis Yaotl in Nicks Zimmer nachsah und vielleicht kam er ja sogar nicht einmal auf den Gedanken.

Sie hastete in die Küche. "Alex, Nick, ich meine Yolotli, er sucht Mama!" Die beiden drehten sich um. "Dein "Vater"?" fragte Alex mit beißendem Spott. Kat starrte sie an. "Ihr glaubt ich nenne ihn so weil ich es wirklich will?" "Es klang ziemlich überzeugend, Kat." murmelte Yolotli. "Du kennst mich nicht so wie Alex mich kennt - oder Derek oder der richtige Nick, aber du solltest mitgekriegt haben, dass ich Derek zurück haben will." flüsterte sie hastig als sie Yaotls Schritte hörte.

"Wo ist Rachel? Sie sollte mit der Familie essen, oder nicht?" fragte er beim Betreten der Küche und legte einen Arm um Kats Schulter. "Yaotl, du bist mit ihr sehr... unvorsichtig umgegangen und..." "Ja, ja... aber sie soll sehen, dass ich auch geduldig sein kann." unterbrach er seinen Bruder. "Vater, lass Mama doch noch ein wenig Ruhe. Die kann sie sicher brauchen um sich mit dem Gedanken an ein Leben in ihrer neuen Familie anzufreunden." schlug Kat gespielt fröhlich vor. Yaotl musterte sie, lächelte und nickte. "Du bist deinem Alter weit voraus, Chalchiuhnenetzin. Vielleicht ist das wirklich ein weiser Rat."



In Tenochtitlan strich Yolotli-Nick nachdenklich über seine ruhig gestellte Hand, als eine junge Frau seinen Raum betrat. "Yolotli?" fragte sie schüchtern. Er drehte sich um und lächelte. Instinktiv wusste er, dass Itotia Yolotlis Verlobte war. "Du hast dich die letzten Tage nicht nach mir erkundigt - und mein Vater hat mir berichtet, dass du - du vielleicht das Opfer nicht bringen kannst. Bist du... du ungehalten mit mir?" Yolotli-Nick lächelte. Sie war nicht so mutig oder selbstbewusst wie Alex aber ihr irgendwie ähnlich. "Itotia - dein Vater hat sein Bestes getan. Wir werden sicher heiraten können." Sie sah ihn aufmerksam an. "Du bist irgendwie anders und doch irgendwie nicht..." Sie lächelte. Yolotli-Nick erwiderte das Lächeln. "Du wirst übermorgen verstehen, Itotia, dann werde ich dir alles erklären..." versprach er.



Das Abendessen im Legat verlief überraschend angenehm. Yaotl und Yolotli beantworteten Kats und Alex Fragen über die aztekische Göttervielfalt und der Ältere ließ sich sogar dazu herab den Tisch mit abzuräumen.

Der folgende Tag verlief recht ereignislos. Yaotl bestand darauf, dass sie sich Schweinshaxen liefern lassen mussten um das Häuten nochmals zu üben, bevor er am Abend Nick-Yolotli aufforderte vor ihm niederzuknien und ein Rasiermesser aus der Jackentasche zog. Alex keuchte ängstlich auf. Yaotl sah überrascht auf. "Ich will ihm nur den Kopf kahl scheren, damit morgen die Haut des Opfers für Xipe Totec leichter übergestreift werden kann, Alexandra." beruhigte er sich mit einem spöttischen Lächeln und ließ dem die Tat folgen. Kat biss sich auf die Lippen. Nick würde sich über die Glatze ärgern, da war sie sich sicher.

"Wir sehen uns Morgen früh um uns auf das große Ereignis vorzubereiten!" verkündete Yaotl, bevor er sich zurückzog. Kat scharrte nachdenklich mit dem einen Fuss über den Boden. Alex lächelte. "Was ist los? Du denkst doch über irgendwas nach." Kat nickte. "Yolotli, sagt dir der Name Acacitli etwas?" Er nickte. "Einer von Yaotls besten Freunden, einige Jahre älter als er, ähnliche Einstellungen, sehr routiniert und kaltblütig bei Opferungen. Izel, der Sohn von ihm ist in Icnoyotls Alter und die zwei mögen sich auch, denke ich zumindest. Woher kennst du Acacitlis Namen - und fragst nach ihm?" 

Kat atmete einmal tief ein und erzählte dann von dem Gespräch im Reliktekeller, das sie mit Philip geführt hatte und von Huitzilopochtlis Aufforderung dem Pater eine Lehre zu erteilen. "Kat, das ist nicht so einfach. Acacitli wird seine Seele bestimmt nicht freiwillig mit einem Mann tauschen den er zutiefst verachtet - ein christlicher Priester ist für ihn der letzte Abschaum." "Es wäre wahrscheinlich einfacher als du glaubst, Yolotli... Itzpapalotl war sehr großzügig und... es ist ein Obsidiandolch mit ziemlich gefährlichen Eigenschaften - zumindest in meinen Händen..." "Was meinst du damit?" Alex war sichtlich entsetzt. 

Kat zupfte sich nachdenklich am Ohr. Alex lächelte leicht. Das tat auch Derek Rayne, wenn er sich unbeobachtet fühlte und nachdachte. "Wenn ich mich richtig erinnere, lauteten die Worte von Xochipilli: "Mächtiger als einer der  anderen - in deiner Hand mächtiger als alle drei gemeinsam, Chalchiuhnenetzin. Hüte diesen Dolch und nutze ihn weise. Mit  ihm kannst du die Seelen zwischen den Zeiten hin und her senden. Er ist  an deine Seele gebunden und reist mit dir!" Sie haben mir auch erklärt, dass nicht Yaotl diesen Namen für mich ausgesucht hat, sondern sie - weil... weil ich irgendwie auch in deine Zeit gehöre..." Nick-Yolotli und Alex sahen einander sichtlich beunruhigt an. "Erzähl das keinem anderen, Kat!" ermahnte er sie. Kat nickte. "Und Derek ist da sicher ein besserer Ratgeber als wir - in Yaotlis Gestalt dürfte er den anderen Priestern begegnet sein. Ich würde mit ihm reden. Nicht so direkt, dass du ihm sagst, dass Itzpapalotl dir die Macht verliehen hat durch diesen Dolch einen Seelentausch zu erzwingen, ganz klar, aber wenn Philip Callaghan zu rechthaberisch wird - oder bleibt, denn dir gegenüber war er meiner Ansicht nach keinesfalls fair - frage Derek mehr theoretisch um Rat. So in Richtung: Sag mal, was wäre wenn Philip auch eine Lektion bekommen würde - in welchen Priester würdest du ihn schicken?" riet Nick-Yolotli ihr. Alex stimmte ihm zu. 



Am nächsten Morgen wachte Kat auf. Erschrocken stellte sie fest, dass die Schweinehaut um ihren Oberkörper verschwunden war. Neben ihrem Bett lag jedoch auf einem Stuhl ein prachtvolles grünes Gewand, bestickt mit bunten Blumen, ein Kranz aus Ringelblumen lag in einer Wasserschale und ein Kamm zum Hochstecken der Haare, geschmückt mit den türkisen prächtigen Federn eines Quetzal stand auf ihrem Nachttisch. "Geh, mache dich schön, Chalchiuhnenetzin, reinige und bade deinen Körper und hülle ihn in den Duft von Rosen und die Kleider, die meine Schwester dir gesandt hat." hörte sie die Stimme von Xochipilli. Xochiquetzal leises Lachen erklang. "Hab keine Angst - auch Huitzilopochtli und mein Gemahl, Tlaloc sind mit dir."

Erleichtert stand Kat unter der Dusche und wusch sich ausgiebig, bevor sie sich mit dem Rosenöl einrieb, das bereit stand, dann zog sie fast ehrfürchtig das wunderschöne Kleid an, das keinesfalls aztekisch, sondern gotisch geschnitten war, flocht sich einen Zopf, setzte den Kranz aus Ringelblumen auf und steckte sich mit dem Kamm den Zopf hoch. Mit einem leisen Aufschrei nahm sie einen Schmerz am linken Nasenflügel  und am linken Ohrläppchen wahr, gleich darauf auch am rechten und dann zog ein Gewicht daran, und außerdem schien irgendwelche Insekten sie in die Stirn zu stechen. Erschrocken sah sie in den Spiegel und erstarrte: In ihren Ohren waren schwere Ohrgehänge aus Obsidian und von ihrem linken Nasenflügel liefen zwei Kettchen zum linken Ohrgehänge und auf ihrer Stirn bewegten drei zierliche Schmetterlinge sanft ihre Flügel. In ihrem Haar schimmterten tränenförmige - Kat schluckte leise - Diamanten?! Um ihre Taille erschien ein Gürtel aus Obsidianplättchen mit einem Waffengehänge in dem ihr juwelenbesetzer Dolch nebst den drei einfachen Obsidianmessern steckte. Als Kat auf ihre Füße blickte, sah sie die mit Obsidianschmetterlingen besetzten einfachen Ledersandalen. Sie lächelte, deutlicher hätten Xochiquetzal, ihr Bruder Xochipilli und Itzpapalotl keine Botschaft an Yaotl senden können... Sie dankte ihren Beschützern stumm und trat auf den Flur, genau in dem Moment in dem auch Derek-Yaotl sein Zimmer verließ, in ein weißes Hemd und eine einfache Leinenhose gekleidet. Sprachlos starrte er Kat an. "Xochiquetzal hat dich in ihren Dienst gerufen?" fragte er leise. Kat schüttelte den Kopf. "Nein, sie hält mit ihrem Bruder und Itzpapalotl  ihre Hand über mich." antwortete sie sanft.

Derek-Yaotls Blick fiel auf das Waffengehenk. "Ebenso wie Huitzilopochtli..." sagte er und wies auf den Gürtelschmuck.  Kat lächelte. "Ja, wahrscheinlich hätte ich nach vorgestern darauf kommen können... Er hat schließlich Itzpapalotl gedrängt... aber sollten wir nicht Yolotli die Ehre erweisen und bei seinem Opfer anwesend sein?" Yaotl zögerte kurz, dann nickte er.

Gemeinsam betraten sie den Reliktekeller, wo Philip Callahgan inzwischen wieder auf dem Techcatl gefesselt war. Kat sah überrascht, dass ihre Mutter auch anwesend war, in einem schlichten schwarzen Kleid, das helle Haar unter einem Turban verborgen, der mit schwarzen Federn, gehalten von einer silbernen Mondsichel geschmückt war. Rachel war blass und wollte zurückweichen als Yaotl in Dereks ihr so vertrauter Gestalt entgegen kam, doch sie zeigte Stärke und ließ zu, dass er sie mit einem Kuss auf die Wange begrüßte. 

Alex stand neben dem in ein Leinenhemd und eine Leinenhose - ähnlich wie Derek-Yaotl - gekleideten Nick-Yolotli - doch ihre Kleidung war genauso prächtig wie Kats: Ein blutrotes Gewand hüllte sie ein und auf ihren Locken saß ein Haarreif aus Gold von dem Sonnenstrahlen aus dem gleichen Metall ragten, während die Ärmel mit Adlerfedern verziert waren. Tonatiuh, der "erhabene Adler"  würde über sie wachen. Kat trat zu Rachel. "Hab keine Angst, Tlazolteotl ist ein Aspekt des Mondes - zwar auch die Göttin einer christichen Todsünde, Chalchiuhnenetzin, aber doch auch der Vergebung, der Beichte und Reinigung und der Heilerinnen - und eine solche ist deine Mutter." flüsterte Xochiquetzal erklärend in Kats Gedanken. 



"Normalerweise wird das Opfer für Xipe Totec von den Kriegern mit Pfeilen erlegt, aber in Ermangelung dessen, wird mein Bruder zuerst das Herz herausschneiden." sagte Derek-Yaotl erklärend. Nick-Yolotli trat vor. "Nein, das werde ich nicht tun!" sagte er fast sanft. Der Praeceptor sah ihn konsterniert an. "Bist du von Sinnen? Der Weg zurück ist versperrt, Bruder!" "Nein, Nick und Derek haben kein Opferblut vergossen und ich will zurück - um Alex Glückes willen." "Nein!" brüllte Yaotl, wollte seinem Bruder den Steindolch entreißen um Philip selber zu opfern - im nächsten Moment taumelte er jedoch zurück. Yolotlis Blick ging ein letztes Mal zu Alex...

Derek griff sich verwirrt an die Stirn und sah sich um. Er erblickte seine geliebte Rachel, Kat, die wie eine Tochter für ihn war und seine geschätzte Mitarbeiterin Alexandra, Alex. Doch alle waren ihm in der Kleidung die sie trugen irgendwie fremd. Nick - und er wusste instinktiv, dass es Nick war - vollkommen - Körper und Seele, strich sich leise fluchend über seinen kahl geschorenen Kopf und umarmte Alex, die sich in seine Arme geworfen hatte und ihn küsste.



"Schön, dass du wieder zurück bist, Derek." sagte Kat liebevoll, griff nach einem der gefährlich aussehenden Dolche an ihrem Gürtel und befreite den dem Praeceptor erst jetzt erschrocken auffallenden, offenbar betäubten Philip.

"Kat... Rachel... Wie habe ich euch vermisst!" flüsterte er, half aber sofort den Priester vom Opferstein zu heben. "Yaotl hatte ihn hier gefesselt - wir sollten ihn vielleicht auf sein Zimmer bringen." Kat hatte begriffen, dass  Nick und Derek sich reorientieren mussten und Alex und Rachel ebenfalls mit der Situation zurecht zu kommen versuchten. Sie war diejenige, die mit dem Seelentausch am besten zurecht gekommen war und so in diesem Moment am klarsten sah und ergriff so die Inititative.

Philip Callaghan blinzellte. Mit einem leisen Aufschrei wich er vor Kat und Derek zurück. "Nick und ich sind wieder zurück, wir reden, wenn du dich ausgeruht hast Philip." beruhigte der Praeceptor ihn, bevor er Nick bat ihm zu helfen den Pater ins Bett zu bringen. Philip versuchte sich zu wehren, doch Yaotl hatte dafür gesorgt, dass er benommen war.

Als sich Derek, Nick, Rachel, Alex und Kat - fast als hätten sie sich verabredet - im Wohnzimmer trafen, sahen die zwei Männer von einer zur anderen. Derek lächelte Kat an. "Ich bin so stolz auf dich - obwohl ich gestehen muss, dass mich deine Stärke während der vergangenen Woche fast ängstigt... und musstet ihr wirklich... ich meine... habe ich euch wirklich gezwungen diese Häute...?" Alex räusperte sich. "Das bist ja nicht du gewesen - außerdem muss ich sagen, ist das durch dies tolle Kleid irgendwie mehr als ausgeglichen - und sehen wir es mal praktisch: Drei Schweinehälften haben uns einen Vorrat an Kotteletts beschert, von denen wir heute Abend ein paar auf den Grill schmeißen können." Nick grinste. "Meine Alex, immer praktisch veranlagt, wie?" neckte er sie.

Als Dereks Blick auf Rachel traf machte ihn die abwartende Zurückweisung und leise Angst in ihren Augen betroffen. "Meine ge... liebe Rachel, es tut mir so leid, dass du von diesem Widerling in meinem Körper so behandelt worden bist aber..."



Yolotli taumelte leicht als er die Augen öffnete und sich an die Helligkeit gewöhnte die auf der großen Tempelpyramide herrschte. Acacitli stand vor seinem Bruder und ihm. Yaotl schrie wütend auf und wollte auf Yolotli losgehen, woran er von zwei Priestern gehindert wurde. 

Überrascht blickte Yolotli Acacitli an als der ihm einen Obsidiandolch in die Hand legte. "Nimm den Verband ab und ehre Xipe Totec, nimm deinen Rang unter uns an!" forderte er ihn mit einem Lächeln auf. 



Im Legat redeten Nick und Derek auf Rachel ein. Alex lächelte Kat zu. "Chalchiuhnenetzin - nimm deinen Dolch und füge Alex einen winzigen Schnitt in der Hand zu - und dann versetze dich in Icnoyotl um Alex mit Itotia tauschen zu lassen. Yolotli wird sein Opfer an mich vollziehen und Alex Anwesenheit dabei würde ihn ehren - ebenso wie ihre Stärke wenn sie an seiner Seite ist." Sie kannte die dunkle Stimme nicht, wusste jedoch instinktiv, dass es der Frühlingsgott der Azteken war. Sie zögerte nur einen kurzen Moment und trat an Alex Seite. An Nick geschmiegt bemerkte die den Schnitt in ihre Hand mit dem scharfen Obsidiandolch nicht einmal. Kat schloss die Augen und rief nach Itzpapalotl. "Ich werde dich geleiten - denn meinem Wunsch entsprichst du, Chalchiuhnenetzin!" wies die Stimme Xipe Totecs sie sanft zurecht als sie sich auch schon in Icnoyotls Körper befand. Neben der stand Itotia. "Hab keine Angst..." flüsterte sie Yolotlis zukünftiger Frau zu als sie ihr vorsichtig in die Hand schnitt.



Im Legat schwankte Alex plötzlich und fand sich gleich darauf im gleißenden Sonnenlicht auf der Tempelpyramide von Tenochtitlan wieder. Ihr Körper war nicht ihrer. Neben ihr stand eine junge Frau an deren Hüfte sie den seltsamen Dolch entdeckte, den Kat in dem atemberaubenden Kleid getragen hatte. "Kat?" fragte sie leise. "Ja, Alex... Ich denke, Nick und Itotia kommen für eine Weile zurecht und Derek muss mit Mama genug ausdiskutieren. Ich bin gebeten worden, dich in Yolotlis Verlobter ihm beim Opfer beistehen zu lassen." 

Yolotlis Blick ging zu Itotia, die neben seiner Schwester Icnoyotl stand und er erstarrte, als er merkte, wie seine Seele nach seiner zukünftigen Gemahlin rief wie nie zuvor, kaum, dass er sie erblickt hatte. Alex! Sie war in Itotia - aber wie? Er begriff, was geschehen sein musste als er dem Blick Kats aus Icnoyotls Augen begegnete. 
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