The Magic Of A Special Moment

von - Leela -
KurzgeschichteRomanze / P12
Beauregard
27.04.2015
27.04.2015
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Auch diese Geschichte gehört zu dem wundervollen Wettbewerb »Die Vorgabensammer« von Wortzauberin, dieses Mal mit den Vorgaben für Runde 2 des Wettbewerbs.

Ich wünsche eine wundervolle Lesezeit.


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The Magic Of A Special Moment

Es ist wie ein leichtes Flügelschlagen, dessen Geräusch durch die Luft zu mir getragen wird, ummantelt von Sternenstaub, der von fremden Welten erzählt.“
      Die letzten Töne von Gitarrensaiten verklangen sanft in den Bäumen. Der Schein eines kleinen Lagerfeuers erhellte die alten Steine der Mauern, die einst zu einer stattlichen Burg gehört hatten, als der Tag in die Nacht überging. Das Knistern der Flammen erfüllte die spät abendliche Atmosphäre.
      Der geneigte Zuhörer hätte sich vermutlich gewundert, hätte er den Gitarrenspieler gesehen, denn es handelte sich um einen kleinen Geist. Rundlich war er wie eine Kugel, und sein rosa schimmerndes Selbst wirkte flauschig; doch seine Zähne waren nicht zu unterschätzen. Und er war eine sie. Flossy gehörte zu den Tooth Scaries, kleinen Stadtgespenstern, die gerne Angst und Schrecken verbreiteten, obwohl sie nicht wirklich böse waren. Flossy hatte schon lange kein Interesse mehr daran, Leute zu erschrecken. Genau genommen, seit sie ihre Liebe zur Musik entdeckt hatte. Ihre Gitarre war ihr ein und alles, denn mit ihr brachte sie einen wundervollen Zauber in die Welt. – An diesem Abend hatte ein besonderer Anlaß sie hier herauf auf die Burgruine geführt. Denn sie war heute Abend hier oben nicht allein.
      Die letzte Textzeile des Liedes verhallte zwischen den eingestürzten Wänden des alten, verfallenen Gemäuers, aus dem man direkt hinauf in den Himmel sehen konnte. Flossy hatte diesen Song speziell für jemanden geschrieben, der ihr sehr nahe stand – näher als jemals jemand zuvor. Und es war jemand, der so ganz anders war als sie oder einer von ihrer Sorte.
      Ein leichtes Flügelschlagen ließ sie zu dem verwitterten Dachbalken aufblicken, an dem bis eben noch ihr Freund kopfüber gehangen und ihr zugehört hatte. Diese Pose war nicht ungewöhnlich für ihn, denn das Wesen, welches sich nun auf dem steinernen Boden nahe des Geistes niederließ, hatte einige Gewohnheiten mit seinen nahen Verwandten, den Fledermäusen, gemein. Es sah aus wie ein kleines Schweinchen, kaum größer als Flossy selbst, doch mit ledernen Flügeln wie die einer Fledermaus, welche sich von seinen Armen über seinen Rücken spannten. Beauregard und sie hatten sich einst in einer gefährlichen Situation kennengelernt, welche die Tooth Scaries und die Flederschweine zufällig zusammengeführt hatte, und als alles gut überstanden gewesen war, da hatte es genauso zwischen ihnen begonnen, wie der Moment in diesem Augenblick gerade geendet hatte: Mit einer Gitarre am Lagerfeuer, und den damals noch zarten Gefühlen, die sich nach der überstandenen Aufregung Gehör verschafften. Dies war heute genau ein Jahr her.
      „Bitte spiel es noch mal!“ Beauregards seelentiefer Blick traf den seiner Freundin, als sie aufsah.
      Doch Flossy schüttelte den Kopf. „Nicht heute Abend.“
      „Aber warum denn nicht? Es ist so schön…“ jammerte das Flederschwein.
      Flossy sah gedankenvoll in die Flammen und stützte sich leicht auf ihre Gitarre. „Du beantwortest dir deine Frage selbst!“
      Das Flederschwein stutzte. „Aber… Ich verstehe nicht…“
      „Dieses Lied ist etwas Besonderes.“ erklärte sie. „Und ich möchte, daß es etwas Besonderes bleibt.“ Und damit untertrieb sie nicht. Sie hatte dieses Lied extra für ihn geschrieben, zu ihrem ersten Jahrestag.
      „Aber es wird immer etwas Besonderes für mich sein!“ widersprach Beauregard.
      „Wenn du es immer hörst, wann immer du es willst, wird es irgendwann zur Gewohnheit. Auch wenn es dann noch etwas Besonderes für dich sein sollte, ist es nicht mehr etwas so Besonderes wie jetzt, in diesem Moment.“
      Beauregard kniete sich vor sie und legte die Hände auf die blaue Latzhose, die er trug, während er sie inständig ansah. „Das mag sein, aber dieser Moment läßt sich ohnehin nie wiederholen! Jeder Moment wird neu und auf andere Weise besonders sein!“
      „Ja, das stimmt. Aber diesen Zauber hier kann man nur erhalten, wenn man nicht versucht, ihn zu oft zu wiederholen!“ gab sie kompromißlos zurück. „So wie jetzt! Ich habe dieses Lied für einen speziellen Moment geschrieben. Einen speziellen Moment wie diesen eben. Es sollte ein magischer Moment werden! Merkst du nicht, daß es die Magie zerstören würde, wenn wir diesen Moment nicht so belassen, wie er ist?“
      „Aber wir würden die Magie doch nur wiederholen!“ argumentierte er hilflos. „Mit Musik kann man doch keine Magie zerstören!“
      Flossy atmete ärgerlich durch. „Wenn man von etwas nicht genug bekommen kann, bleibt immer etwas auf der Strecke! Und in diesem Fall sollte dieses Lied heute Abend etwas einzigartiges sein! Es ist aber kein einzigartiger Moment mehr, wenn ich es ein zweites Mal spiele! Also, ja: Man kann mit Musik Magie zerstören. Und gerade in diesem Moment, mit diesem Lied, war es mir so wichtig, daraus eine Magie für uns beide entstehen zu lassen. Für mich hast du diesen Moment bereits zerstört.“
      Beauregard hielt betroffen inne und sah zu Boden. „Das tut mir leid…“ brachte er leise hervor. Dann faltete er verlegen die Hände vor dem Körper. „Aber… dann kannst du das Lied doch jetzt noch einmal spielen.“ argumentierte er vorsichtig. „Wenigstens für mich…“
      „Nein.“ Flossy klimperte ein wenig auf den Seiten herum. „Ich kann etwas anderes für dich spielen.“
      „Aber ich möchte gerne dieses noch einmal hören!“ bat er betrübt.
      „Das wirst du, wenn es wieder an der Zeit ist. Aber das ist nicht heute!“ wiederholte sie.
      „Aber wann könnte ein besserer Zeitpunkt sein als heute?“ fragte das Flederschweinchen verzweifelt, in dessen Geist noch immer bunte Notenzeilen aus dem Lied bis in seine Seele flossen, wie eine Erinnerung, die er versuchte festzuhalten.
      Flossy verdrehte die Augen. „Wo werden wir absteigen, wenn das Karussell aufgehört hat sich zu drehen?“
      Das Flederschwein sah den Geist konsterniert an. „Wie meinst du das?“
      Flossys Blick ging bewußt an ihrem Freund vorbei in die Flammen, und sie bemühte sich nicht einmal, den Frust in ihrer Miene zu verbergen. „Ich habe bereits mehrfach gesagt, daß ich das Lied heute nicht mehr spielen werde! Und das werde ich auch nicht! Ich habe es sogar begründet, obwohl ich es nicht muß. Aber du fängst immer wieder davon an! Dieser Kreisel kann sich bis in alle Ewigkeiten drehen, bis ich das Lied nie wieder spiele – oder wir können das Rad anhalten. Wo würde das Rad dann halten? Sind wir dann immer noch Freunde, oder ist dann alles vorbei?“
      Beauregard schreckte zusammen. Diese Reaktion hatte er von Flossy nicht erwartet. Doch in einem kannte er seine Freundin zu gut: Sie war eine resolute Persönlichkeit. Zwar hatte er nicht gedacht, daß ein simples Lied solch eine Stimmung auslösen würde, doch er wußte, daß sie nicht spaßte. Ein wenig decouragiert sah er zu Boden. „Na gut. Dann möchte ich lieber nicht, daß du es heute noch einmal spielst.“
      Flossy lächelte. Er hatte verstanden. Und was ihr noch viel wichtiger war; sie spürte einmal mehr, welchen Stellenwert sie in seinem Leben hatte. Sie hoffte, eines Tages würde er auch verstehen, warum sie so gehandelt hatte. – Zwar war der magische Moment, den sie sich gewünscht hatte, unwiderruflich vorbei, doch war es nie zu spät für neue magische Momente, wenn man es nur wollte. Und sie wünschte sich, ihm ging es da gerade ebenso wie ihr. Sie legte die Gitarre zur Seite, schwebte auf und reichte ihm auffordernd die Hand.
      Er sah kurz gedankenvoll zu ihr auf, doch dann lächelte er, ergriff ihre Hand und folgte ihr hinauf zu den Zinnen, die für ein Stück noch gut erhalten waren. Dort ließen sie sich nieder, legten die Arme umeinander und sahen zu, wie die Sonne zwischen den Bäumen verschwand.
      Während sie die Zeit vergaßen, geriet hinter ihnen Flossys Gitarre ins Rutschen und fiel von dem Stein, an dem sie gelehnt hatte, in die Flammen des Lagerfeuers. Das Feuer fraß sich in das Holz und die Saiten zersprangen, und als die Magie von Musik und Feuer kollidierte, entlud sie sich in einem prachtvollen Feuerwerk. Ein funkelnder Sternenregen hüllte die Silhouetten des kleinen Geistes und des Flederschweinchens ein, als das ungewöhnliche Pärchen in trauter Zweisamkeit über das weite Land schaute.


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Die Vorgaben:

Allgemein:

● Im gesamten Text müsst ihr genau sechs Fragen in eure direkten Reden einbauen. Es dürfen nicht mehr und nicht weniger sein. Das betrifft nur die direkten Reden, der Rest der Geschichte darf so viele Fragen enthalten wie ihr wollt. Die Frage, die ihr euch selbst aus den Vorgaben aussuchen dürft (siehe unten), ist davon ausgenommen. Insgesamt sollen es also am Ende sieben Fragen sein. ✔
● Einer eurer Charaktere muss einen für ihn bedeutsamen Gegenstand verlieren. Ob er diesen wiederfindet oder er für immer verloren bleibt, ist euch überlassen. ✔
● Einer eurer Charaktere muss sich weigern, der Bitte eines anderen nachzukommen und diese Weigerung auch durchziehen.  ✔

Meine gesammelten Vorgaben:

Bei Nummer 1 dürft ihr euch einen Satz aussuchen, der entweder den Anfangssatz oder den Schlusssatz eurer Geschichte bilden soll. Ihr könnt ihn als direkte Rede verwenden, müsst aber nicht. Außerdem ist es euch erlaubt, Zeit und Person zu wechseln. Ansonsten muss der Satz aber so übernommen werden, wie er hier steht. → »Es ist wie ein leichtes Flügelschlagen, dessen Geräusch durch die Luft zu mir getragen wird, ummantelt von Sternenstaub, der von fremden Welten erzählt.«  ✔
Bei Nummer 2 muss die von euch gewählte Frage in eurem OneShot vorkommen und auch beantwortet werden. Wann sie beantwortet wird, ist egal und auch wie ihr die Frage beantwortet, ist euch selbst überlassen, da sie einiges an Spielraum lässt. → »Wo werden wir absteigen, wenn das Karussell aufgehört hat sich zu drehen?« ✔
Bei Nummer 3 muss ein Teil eurer Geschichte an einem der folgenden Handlungsorte spielen. Dieser Teil muss mindestens 400 Wörter haben. → »Burgruine« ✔
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