Chicago PD

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Erin Lindsay Greg "Mouse" Gerwitz Jay Halstead
25.04.2015
22.10.2015
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Jay schreckte schweißgebadet aus dem Schlaf und atmete schwer. Er war noch völlig betäubt von seinem Traum, dass er gar nicht bemerkte, dass jemand neben ihm lag. Erst nachdem er sich gefasst hatte erkannte er das Mädchen, dass er gestern in der bar kennengelernt hatte. Amy? Amber? Anna? Nein, Anastasia. Sie schlief ruhig und friedlich und ihre hellblonden Haare gaben einen starken Kontrast zu dem schwarzen Bettlaken. Jay fuhr sich stöhnend über das Gesicht und schaute auf die Uhr. Viertel vor sechs. Um sieben musste er zur Arbeit fahren, einschlafen würde er sowieso nicht mehr können, also stand er auf und zog sich seine Sportsachen an. Eine kleine Laufeinheit beruhigte ihn und brachte ihn auf andere Gedanken. Er versuchte sich gar nicht erst zu erinnern was er geträumt hatte, er wusste es auch so. Seit seiner Rückkehr aus Afghanistan handelte jeder seiner Albträume von Bomben und Schüssen und Schreien. Und von dem Tag. Jay schüttelte den Gedanken sofort wieder ab und machte sich auf den Weg.

Als er eine Dreiviertel Stunde später wieder in seiner Wohnung ankam, war Anastasia wieder weg. Schade eigentlich, Jay hatte sie gemocht. Sie war nett und witzig und sehr aufgeschlossen gewesen. Und auch ziemlich hübsch. Doch er wusste, dass das sowieso nie etwas hätte werden können.
In der halben Stunde die ihm noch blieb, duschte er, zog sich an und verschlang ein kleines Frühstück. Dann machte er sich auf den Weg zur Arbeit.

Alle saßen an ihren Schreibtischen und tippten etwas ein oder schrieben etwas auf oder starrten einfach Löcher in die Luft. Es kam selten vor, dass die Intelligence nichts zu tun hatte, doch heute hatten sie keinen Fall und langweilten sich. Ruzek kritzelte etwas auf ein Blatt, Orlinsky sah aus als würde er schlafen, Antonio starrte auf seinen Computer und tippte etwas, Lindsay starrte an die Decke und dachte nach, Mouse und jay warfen sich einen Papierball zu. "Du siehst müde aus Jay."
stellte Mouse fest. Jay verdrehte die Augen. Mouse kriegte alles mit und er wusste auch warum Jay müde aussah. "Hatte einen Albtraum, nichts regelmäßiges." beantwortete Jay die unausgesprochene Frage von Mouse. Diese Frage stand schon seit Jahren im Raum, keiner von beiden hatte sich je getraut sie auszusprechen. Doch Jay war sich ziemlich sicher, dass alles gut war beim ihm. Er hatte keine Post-Traumatische-Belastungsstörung und er war auch nicht depressiv. Alles war gut. Oder redete er sich das nur ein? Plötzlich ertönten Schritte, die die Treppe hinaufkamen. Alle drehten sich zu den ankommenden Personen. Es war Voight mit einem älteren Mann. Der Mann trug eine Army-uniform und Jay und Mouse erkannten sofort wen sie vor sich hatten und standen auf. Sie standen gerade und sagten gleichzeitig: "Lieutenant Colonel Sparks, sir." Die anderen Detektives im Raum beobachteten staunend was passierte. Der Lieutenant lachte leise. "Sie können sich rühren, detektives, sie sind keine Soldaten mehr. Trotzdem schön zu sehen, dass das training nicht verloren gegangen ist." Jay und Mouse entspannten sich und schauten sich an. "Ich muss sie korrigieren sir, ich bin kein Detektive. Ich bin nur ein...Berater." warf Mouse ein. Der Lieutenant lächelte schwach. Jay trat hinter seinem Schreibtisch hervor und fragte: "Entschuldigen sie sir, was können wir für sie tun?" Voight trat einen Schritt vor und sagte: "Lieutenant Sparks bittet um unsere Hilfe bei einer Reihe von Morden." Der Lieutenant erklärte: "Ja, es gab eine Reihe von Morden. Jeder der Opfer hatte eine Gemeinsamkeit, die mir Sorgen bereiten." Lindsay stand auf. "Welche Gemeinsamkeit?" Sparks Blick fiel auf Jay und Mouse. "Sie alle waren Soldaten bei den Army Rangers. Und alle waren in Afghanistan stationiert." Alle Blicke richteten sich auf Jay und Mouse, die den Lieutenant erschrocken anstarrten.

"Das kann doch nicht wahr sein!" rief Jay während er mit finsterem Gesicht durch den Raum tigerte. Mouse saß einfach nur an seinem Schreibtisch und starrte mit ausdruckslosem Gesicht in die Luft. Der Lieutenant war wieder gegangen und jetzt lag es an der Intelligence den Fall zu lösen, der Jay solche Bauchschmerzen bereitete. Er wusste nur zu gut, was die toten Soldaten in Afghanistan durchgemacht haben mochten und nach all dem wurden sie hier getötet? In ihrem Zuhause, wo sie eigentlich in Sicherheit sein sollten. Das war nicht fair. Jay schaute zu Mouse und Sorge bereite sich in ihm aus. Jay hatte Mouse immer als einen Bruder angesehen. Einen kleinen Bruder, der einfach nicht auf ihn hören wollte. Wie oft hatte Mouse seinen Befehl missachtet und sich selbst in Gefahr gebracht? Jay konnte es gar nicht mehr zählen. Doch er war ja nicht besser. Immer als erstes ins Gefecht. "Hey, Jay. Wir haben etwas." riss Lindsays Stimme ihn aus seinen Gedanken. Er stand auf, genau wie Mouse und sah zu wie Lindsay etwas an dem Weißen Brett befestigte. Ein Bild. Jay trat näher und erschrak. Ein junger Mann starrte ihn finster an, eine Narbe zog sich über seine linke Wange und seine Haare waren verstrubbelt. "Ich kenne ihn. Das ist Spencer Callahan. Er war bei uns in Afghanistan. In meiner Einheit. Hat er etwas damit zu tun?" Lindsay schaute Jay interessiert an. "Glaubst du das?" Jay betrachtete das Bild und schüttelte den Kopf. "Nein." sagte nicht er, sondern Mouse. "Spence kann keiner Fliege etwas zu leide tun. In der Armee gibt es zwei Arten von Soldaten. Die Soldaten die wie Jay sind und sich einfach überall hineinstürzten und dabei nur an die Rettung denken. Leute die kein Problem damit haben den Feind auszulöschen. Und dann gibt es Soldaten wie mich, die alles mit Logik regeln. Erst nachdenken, dann handeln. Die sich hinter den Jay's der Armee verstecken und niemandem ein Haar krümmen. Spencer gehört zu der zweiten Kategorie. Da könnt ihr mir vertrauen." Mouse Blick hing an dem Bild, dann riss er sich los und schaute zwischen Lindsay und Jay her. Jay nickte langsam und sagte: "Ja, genauso sehe ich es auch. Wie kommt ihr darauf?" fragte er an Lindsay gewandt. Sie schaute zu Voights Büro. "Voight ist der Ansicht, dass es jemand aus dem inneren sein muss. Ein früherer Soldat, der zu viel erlebt hat. Oder der jemanden dort drüben verloren hat und sich rächen will. Es ist aber nicht leicht die Rangers auszufinden. Alle Namen sind geschwärzt. Callahan ist der einzige den wir bis jetzt ausfindig gemacht haben. Antonio und Atwater verfolgen gerade eine andere Spur. Orlinsky und Ruzek befragen die Angehörigen der Opfer." Lindsay kam einen Schritt näher an Jay und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Sie sah ihm tief in die Augen und lächelte aufmunternd. "Wir kriegen diesen Mistkerl, Jay. Vertrau mir. Und wenn du reden musst, dann bin ich da. Ich möchte, dass du das weißt." Sie schaute noch einen Moment in Jay'S Augen, dann drehte sie sich zu Mouse nickte ihm zu und sagte: "Du kannst auch mit mir reden, Mouse." Mouse grinste. "Oh nein, ich möchte euch nicht im Weg stehen." Jay lachte und boxte Mouse gegen den Oberarm. Lindsay lächelte. Sie hasste es wenn sie diesen Ausdruck in Jay's Augen sah. Diese Verzweiflung und Wut. Und diese Verschlossenheit. Lindsay wusste nicht, was Jay und Mouse in Afghanistan erlebt hatten, doch es musste schrecklich gewesen sein. Doch wenn die beiden zusammen waren, war es irgendwie anders. Da machte einer einen Witz und die Verzweiflung, die Wut und die Verschlossenheit verschwanden aus Jay's Augen. Es war als wäre er ein anderer Mensch. Lindsay würde auch gerne die Person sein, die ihn zu diesem anderen, besseren Menschen machte, doch Hauptsache war, dass es überhaupt so einen Menschen gab.