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Die ewige Kaiserin [Anmeldung offen]

MitmachgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Mix
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Geister & Gespenster Zauberer & Hexen
25.04.2015
23.09.2021
21
75.223
16
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17.07.2021 3.648
 
Hauptcharaktere:

1. Asatsuyu no Yukiko (朝露喜子) - 17 Jahre, Tochter des jüngeren Bruders des Fürsten der Provinz Asami
2. Riho (りほ) - 20 Jahre, Yukikos Kammerfräulein und Vertraute
3. Katsuya (活也) - 17 Jahre, ein Bediensteter der Asatsuyu
4. Nakai Kouji (中井浩司) – 23 Jahre, Kammerdiener der Amamiya no Tomoyo (darkmelody)
5. Akayuma Sumiki (赤弓麻澄姫) – 19 Jahre, Verlobte des Cousins Yukikos, Masakota (iyune)
6. Asatsuyu no Kaeyura (朝露かえゆら ) / Aset Nefretis  - 38 Jahre, Yukikos angeheiratete Tante und Prinzessin eines fernen Landes (Akayo Tsukito)

Nebencharaktere:
1. Asatsuyu no Sakuya (朝露咲夜) - 42 Jahre, Yukikos Mutter
2. Ayasaki Akito (綾崎明人) – 19 Jahre, Leibwächter der Asatsuyu-Familie
3. Amamiya no Tomoyo (雨宮共代) – 20 Jahre, Tochter des Fürsten der Provinz Hisagi
4. Asatsuyu no Masakota (朝露正公太) – 18 Jahre, Yukikos Vetter (iyune)
5. Asatsuyu no Mirai (朝露光莱) – 16 Jahre, Masakotas jüngere Schwester und Yukikos Cousine (iyune)
6. Asatsuyu no Nobukota (朝露信公太) – 35 Jahre, jüngster Bruder des Yukiteru, Yukikos Vater und Nefretis' Ehemann (Akayo Tsukito)

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Der Abend rückte unaufhaltsam näher und mit ihm auch die Soirée, die Sakuya zu Ehren ihres Gastes Tomoyo geplant hatte. Zu gerne hätte sich Yukiko diesem Ereignis entzogen, doch diese Gnade wollte ihre Mutter ihr bedauerlicherweise nicht gewähren; nein, sie, die Erbin des Asatsuyu no Yukiteru, erster Verwalter der Mino-Region, hatte bei einer derartigen Veranstaltung, auf der der lokale Adel anwesend sein würde, gefälligst ihr Gesicht zu zeigen! Und vor allem Dingen dann, wenn es das erste Mal seit längerer Zeit war, dass im Anwesen der Asatsuyu zu Kouzaki ein Fest abgehalten wurde.
Und so kam es, dass sich Yukiko für die anstehende Soirée herrichtete, hatte sie sich schließlich von ihrer besten Seite zu präsentieren. Bei de Vorbereitungen war ihr Riho – wie immer – eine äußerst große Hilfe; geschickt steckte sie das lange Haar ihrer jungen Herrin mit reich verzierten, goldenen Nadeln zu einer aufwendigen Frisur hoch, half ihr dabei, sich in das schwere Gewand aus teuren, kostbaren Stoffen zu kleiden, das Gesicht weiß geschminkt, die Lippen rot bemalt. Yukiko für ihren Teil fühlte sich in dieser Aufmachung äußerst unwohl, nicht wie sie selbst; besonders die Schminke störte sie, hatte sie diese schließlich noch nie sonderlich gemocht. Nun denn, das Mädchen hoffte jedenfalls, die Erwartungen ihrer Mutter zu erfüllen und vor den anderen Gästen einen Anblick abzugeben, der dem einer Asatsuyu-Erbin würdig war.
„Eure Verwandtschaft ist bereits eingetroffen, Yukiko-sama“, verkündete Riho, während sie die nun für die Soirée zurechtgemachte Adelstochter zum Teezimmer geleitete, in dem ihre Mutter gerne die Gäste des Hauses zu empfangen pflegte. „Eure Mutter wird die Feier also sehr bald eröffnen.“
Das Mädchen warf seinem Kammerfräulein einen fragenden Blick zu.
„Weißt du, wer alles hier ist? Onkel Masateru und Tante Namida haben sich für heute entschuldigen lassen, das weiß ich, aber ansonsten…“
„Nun, soweit ich weiß ist Euer Onkel Nobukota bereits eingetroffen, gemeinsam mit seiner Frau“, antwortete Riho nachdenklich, den Blick über den Garten schweifen lassend; die Hausangestellten hatten den Großteil der Festvorbereitungen bereits abgeschlossen – Getränke und kleine Vorspeisen wurden schon jetzt angerichtet, die Tische mit bunten Blumenschmuck dekoriert, Instrumente und kleine Utensilien für die geplanten künstlerischen Darbietungen. Eigentlich sollte die heutige Veranstaltung klein und ungezwungen sein, doch Yukiko kannte ihre Mutter gut genug um zu wissen, dass sich diese gewiss nicht lumpen lassen würde – kaum etwas war ihr wichtiger, als Eindruck zu schinden, im Gespräch zu bleiben. Nach der langen Trauerzeit, die jeglichen Festivitäten einen Riegel vorgeschoben hat, hatte sie nun also sehr viel nachzuholen!
Yukiko lächelte.
„Oh, Tante Kaeyura ist auch hier?“
Das war gut – die Frau ihres jüngsten Onkels war zwar noch nicht gar zu lange ein Teil des Familie, doch Yukiko hatte sie recht rasch liebgewonnen. Vor allem Dingen mochte sie es, dass Kaeyura stets so interessante Dinge zu erzählen hatte, von all den wundersamen Orte, die sie bereits gesehen hat.
„Auch Euer Vetter Masakota wollte erscheinen, anstelle seiner Eltern. Ah, aber lassen wir uns doch einfach überraschen!“
Denn allzu lange würde sich Yukiko nicht mehr gedulden müssen, ehe sie die Antwort erfahren sollte – Riho kniete sich auf den hölzernen Boden des Engawa, schob andächtig die Tür auf, die sie in das Teezimmer führen würde, verbeugte sich respektvoll, ehe sie sich erhob und ein Stückchen zurückwich, ihrer jungen Herrin Einlass gewährend. Die Jugendliche zögerte, trat dann ein, jedoch nicht ohne die im Raum versammelte Verwandtschaft ebenfalls mit einer tiefen Verbeugung die Ehre zu erweisen.
„Ah, Yukiko, da bist du ja endlich – ich hatte schon beinahe die Befürchtung, du würdest dein Quartier heute gar nicht mehr verlassen“, wurde sie trocken von ihrer Mutter begrüßt, die gemeinsam mit drei weiteren Personen, am Tisch saß, einen Becher Tee genoss.
Das Adelsmädchen atmete kurz durch, den Blick gesenkt haltend.
„Bitte verzeiht, Okaa-sama, meine Vorbereitungen haben nun doch relativ viel Zeit in Beschlag genommen.“
„Hm, nun, zumindest kann sich das Resultat sehen lassen“, erwiderte Sakuya, ihre Tochter eindringlich musternd. „Nun denn – komm und setze dich zu uns.“
„Einen guten Abend, Yukiko – es ist wahrlich wieder eine ganze Weile her, seitdem wir uns zuletzt gesehen haben“, wurde sie sogleich von ihrem Onkel Nobukota begrüßt, der seine Nichte mit seinen stets so streng dreinblickenden Augen musterte.
Seine Gattin, die neben ihm saß, blickte das Mädchen hingegen warm an, nickte ihr sachte zu.
Yukiko für ihren Teil war durchaus froh, Kaeyura zu sehen, bedeutete die Anwesenheit ihrer angeheirateten Tante schließlich, dass  diese höchstwahrscheinlich wieder die Blicke der Festgemeinde auf sich ziehen würde und nicht das Mädchen selbst – Kaeyura war eine elegante und anmutige Schönheit, jedoch keine, die den klassischen Idealen Izayois ansprach. Nein, sie war von einer äußerst exotischen Erscheinung, die man in diesem Land sonst nie zu Gesicht bekam, stammte die Frau schließlich aus einem weit entfernten Reich. Ihre Haut war braungebrannt, das lange Haar schwarz wie die Nacht und glänzend wie edle Metalle. Sie hatte blasse, gelblich-grüne Augen, umrandet von dichten Wimpern, wobei die Schminke, die sie für sich gewöhnlich wählte, diese zwar nicht allzu stark hervorhob, jedoch einprägsame Akzente setzte. Die untere Hälfte ihres fein geschnittenen Gesichts pflegte sie stets mit einem Stofftuch zu verbergen – warum genau sie das tat, wusste Yukiko beim besten Willen nicht und sie wagte es nicht, danach zu fragen. Auffällig war auch, dass ziemlich groß war, die übrigen Anwesenden im Raum, sowohl Mann als auch Frau, überragte. Im Großen und Ganzen waren Kaeyura und Nobukota ein recht ungleiches Paar; ihre Ehe war eine rein politische, lag einnem neugeschlossenen Handelsbündnis zwischen Izayoi und der ursprünglichen Heimat Kaeyuras zugrunde, dessen Prinzessin sie auch war. Wie gut diese beiden, die schließlich vollkommen verschiedene Hintergründe hatten, sich letzten Endes verstanden, vermochte Yukiko nicht zu sagen, doch zumindest nach außen hin schienen sie sich recht problemlos miteinander arrangiert zu haben.
Der Dritte im Bunde war, genauso, wie Riho es bereits vermutet hatte, ihr Cousin Masakota, der wohl in Vertretung seiner Eltern hier war. Masakota kam sehr stark auf seinen Onkel Nobukota heraus – sie beide waren nach der Matriarchin des Asatsuyu-Klans, Yukikos Großmutter Kotaki, benannt worden - , teilten sich beide dasselbe widerspenstige Haar, die tiefschwarzen Augen und das ernste Naturell.
Er nickte seiner Cousine zu.
„Yukiko-san, es ist gut, dich zu sehen.“
Die Jüngere verbeugte sich nochmals.
„Das kann ich nur zurückgeben, Masakota-san.“  
Sakuya räusperte sich, zog so die Aufmerksamkeit der anderen wieder auf sich. Sachte schwenkte sie ihr reich bemaltes Teeschälchen in ihren Händen, nippte andächtig an dem edlen Getränk – sie hatte sich für einen Shincha aus dem Herzen der Provinz Izumis entschieden, die erste Ernte im Jahr – ehe sie dann das Wort ergriff.
„Tatsächlich möchte dein Vetter uns heute eine Ankündigung machen – und uns jemanden vorstellen.“
Yukiko legte den Kopf schief, musterte ihren Vetter neugierig; jemanden vorstellen, also?
„Selbstverständlich werde ich es später auch nochmals im offiziellen Rahmen tun, im Beisein der Herrschaften, doch ich hielt es für angemessen, meine nächste Familie vorab zu informieren“, führte Masakota weiter aus.
Kaeyura verengte die Augen; das Tuch bedeckte zwar ihren Mund, doch Yukiko konnte sich das Lächeln, welches sich nun gewiss auf ihren Lippen abzeichnete, regelrecht vor Augen sehen.
„Das klingt in der Tat äußerst vielversprechend“, ergriff sie das Wort; sie sprach mit einem sehr starken Akzenten, der es manchmal nicht immer einfach machte, sie zu verstehen, doch dafür, dass sie erst seit wenigen Jahren in Izayoi lebte, waren ihre Kokugo -Kenntnisse durchaus passabel. „Nun denn, mein Guter, mit wem haben wir denn wohl das Vergnügen?“
Sakuya bedeutete Riho, die nahe der Tür verharrte, näher zu treten.
„Deine Begleitung hält sich momentan im Empfangsraum auf, nicht wahr?“
Masakota nickte.
„Genau – Akito-kun war so freundlich, ihr vorläufig Gesellschaft zu leisten.“
„Nun gut, dann wird er sich nun wohl oder übel von ihr trennen müssen; Riho, wärst du so gut, sie zu uns zu bringen?“
Yukikos Kammerfräulein nickte respektvoll.
„Selbstverständlich, Herrin.“
Sie wandte sich ab, wollte den Raum bereits verlassen – doch Masakota hatte offenkundig andere Pläne. Rasch erhob er sich, Riho mit einer knappen Geste dazu anweisend, stehen zu bleiben.
„Wenn Ihr gestattet, so würde ich dies gerne selbst übernehmen, Tante Sakuya“, sagte er, auf die offene Tür zuschlendernd. „Das ein oder andere würde ich mit ihr nämlich noch vorab klären.“
Nachdem seine Tante ihn mit einer sachten Handbewegung entlassen hatte, verließ Masakota das Zimmer, die Tür leise hinter sich zuziehend. Kaeyura faltete die Hände zusammen, ließ ihren Kopf zur Seite fallen.
„Was denkt ihr, wer diese Person nur sein mag? Das Herzblatt des jungen Masakota?“
Nun, daran glaubte Yukiko eher nicht, hegte ihr Vetter keinerlei Interesse an einer Beziehung – tatsächlich konnte sie sich nicht daran erinnern, dass er dieses Thema jemals zur Sprache gebracht hätte, ganz im Gegensatz zu seiner Schwester Mirai, die unverhohlen für die hübschen Samurai, die im Dienste ihrer Eltern standen, schwärmte oder gar die gemeinsame Cousine Sakura, die schon so manch eine Liaison hatte; obwohl dies selbstverständlich auch dem Umstand geschuldet sein könnte, dass er sich schlichtweg unwohl dabei fühlte, derartige Dinge im Beisein seiner weiblichen Verwandtschaft anzuschneiden.
Nobukota leerte seine Teeschale, bedeutete Riho mit einem Nicken, im nochmals etwas nachzuschenken.
„Nun, ich hoffe, dass dem so ist, ist es schließlich höchste Zeit, dass sich der Junge bindet – als ältester Sohn liegt es schließlich an ihm, das Erbe seines Vaters weiterzuführen. Obwohl Masakota nicht der einzige ist, über den man dies sagen kann…“
Streng musterte er seine Nichte, die sogleich in sich zusammensank, ihre ganze Aufmerksamkeit verschüchtert auf ihr Getränk richtete; ja, wie oft nur hatte ihr Onkel mehr oder weniger subtil darauf hingewiesen? Nobukota war ein sehr traditioneller Mann, dem das Ansehen und Wohl seiner Familie über alles ging. Er selbst hatte sich ebenfalls recht früh gebunden, doch seine erste Frau verstarb tragischerweise bei der Geburt des gemeinsamen Kindes – was ihn in eine sehr, sehr tiefe und lange Trauerphase gestürzt hatte. Erst Kaeyura war es gelungen, ihn wieder aus seinem Loch zu holen, auch wenn er dies selbstverständlich niemals zugeben würde.
„…Amamiya no Tomoyo ist älter als ich und auch noch immer unverheiratet…“, nuschelte Yukiko, in der Hoffnung, auf diese Weise von sich ablenken zu können – was ihr jedoch nur bedingt gelang.
„Nun, dem mag so sein, doch du darfst nicht außer Acht lassen, dass Tomoyo-san – ganz im Gegensatz zu dir, meine Liebe – die letzten Jahre auch am kaiserlichen Hofe zu Izanami zugebracht hat“, hielt Sakuya hartherzig dagegen. „Sie nutzt ihre Zeit sinnvoll und auf eine Weise, die ihrer Familie Ansehen bringt – du hingegen bist in etwa so ambitioniert wie ein toter Koi-Karpfen, suchst den Kontakt zu niederen Bediensteten, anstatt dass du aus eigenem Antrieb an dir arbeitest.“
Die Worte ihrer Mutter taten weh, auch wenn Yukiko wusste, dass sie gewiss nicht unwahr waren – dennoch, musste es denn unbedingt sein, dies vor Nobukota und Kaeyura breitzutreten? Ihr in der Gegenwart ihrer Familie unter die Nase reiben, wie unzulänglich und enttäuschend ihre Erbin war, ganz im Gegensatz zur viel erfolgreicheren Tochter ihrer besten Freundin?
„Nun, diese Tomoyo scheint ja eine wahre Alleskönnerin zu sein“, merkte Kaeyura an, wobei sie einen durchaus schnippischen Tonfall angeschlagen hatte. „Befürchtet ihre Mutter denn nicht, dass ihre Tochter irgendwann einmal zu ihrer erbittertsten Konkurrentin werden könnte?“
Sakuya runzelte die Stirn.
„Aber das ist doch absurd, Kaeyura-san – warum sollte sie ihr eigenes Kind als Rivalin erachten?“
Kaeyura zuckte unbekümmert mit den Schultern.
„Nun, das hängt wohl davon ab, wie groß das Geltungsbedürfnis der Damen Amamiya ist, denkst du nicht auch?“
„Mit Verlaub, doch manchmal hast du wahrlich seltsame Vorstellungen…“
„Da wir gerade Amamiya no Tomoyo zum Thema haben – wo hält sich die gute Dame momentan denn auf?“, ergriff Nobukota rasch das Worte, ehe seine Frau noch etwas hätte sagen können. „Gesehen habe ich sie jedenfalls noch nicht…“
Sakuya strich sich durchs Haar.
„In ihrem Quartier – auch sie macht sich gerade für die Feier zurecht. Ah, da fällt mir ein: Yukiko, Tomoyo-san wird es dir später gewiss auch nochmals persönlich sagen wollen, doch für den kommenden Monat hat sie uns auf ihr Anwesen nach Amenomori eingeladen; der Geburtstag des Kaisers steht an, also der ideale Anlass für größere Feierlichkeiten.“
An diesem Tag wurden traditionell große Festivitäten abgehalten, sowohl in den gehobenen Kreisen, als auch beim einfachen Volk. Selbstverständlich – in den Adern der Izayoi-Familie floss schließlich das Blut der Amaterumi-no-oomikami , der herrlichen Sonnengöttin, die seit Anbeginn über die Geschicke des Volkes wachte.
Neben zahlreichen weiteren Göttern, versteht sich.
„Diese Einladung ist auch mir äußerst willkommen, denn es gibt einiges, das ich mit der lieben Tomoe besprechen möchte – auch Dinge, die nicht zuletzt dich betreffen, Yukiko.“
Ah, gewiss ging es um diese dämlichen Verlobungspläne. Nun, da hatte Nobukota ja seine Antwort! Doch wenn Yukiko ehrlich war, so wollte sie sich erst dann mit dem Thema befassen, wenn es sich nicht mehr vermeiden ließ, bis dahin legte sie keinen Wert darauf, unnötig Gedanken darauf zu verschwenden.
Die Adelstochter hörte Schritte, das Schleifen der Shouji-Tür; ah, Masakota war also wiedergekehrt. Und er war, wie die übrigen Anwesenden feststellten, durchaus in Begleitung – tatsächlich waren es drei Personen, die ihm Gesellschaft leistete, auch wenn Yukiko nur eine von ihnen bekannt war.
„Yuki-chan, wie schön, dass du hier bist! Ich habe oft an dich gedacht, weißt du?“
Mirai, die ihren Kopf in den Raum streckte, strahlte Yukiko freudig an, ehe sie sich dann aber rasch besann und auch ihre älteren Verwandten respektvoll begrüßte. Sakuya für ihren Teil wirkte ein wenig überrascht.
„Deine Anwesenheit habe ich wahrlich nicht erwartet, Mirai – auch wenn sie mir selbstverständlich höchst willkommen ist, missverstehe mich nicht. Eure Eltern ließen schließlich eigentlich verlauten, dass heute lediglich mit Masakota-kun zu rechnen sei?“
Mirai kicherte hinter ihrem vorgehaltenen Fächer.
„Wohl wahr, Tante Sakuya – und in der Tat war es ein sehr spontaner Entschluss. Allerdings hätte es mich wahrlich schwer getroffen, eine Eurer famosen Soirées zu verpassen, vor allem, da es die erste seit längerer Zeit ist! Und… nun, für meinen lieben Aniue ist es heute ja auch ein wahrlich wichtiger Tag!“
Mirai schlenderte zum Tisch, nahm neben Yukiko Platz; Riho reagierte sogleich, brachte zwei weitere Trinkschälchen, der Cousine ihrer jungen Herrin ein feines Getränk servierend, was diese mit einem charmanten Lächeln dankte.
„Ja, ein wahrlich bedeutsamer Abend ist heute – und ich würde schamlos lügen, behauptete ich, dass ich ihn nicht doch ein klein wenig beneiden…“
Während sie dies sagte, zwinkerte sie einem der beiden Unbekannten, einem jungen Mann mit hellem Haar und durchaus bemerkenswerten Augen, schelmisch zu; dieser räusperte sich, neigte den Kopf und trat ein Stückchen zur Seite, Yukiko und ihrer Verwandtschaft nun endlich den Blick auf Masakotas Begleitung gewährend. Wahrscheinlich handelte es sich bei ihm um diesen Akito, den Yukikos Vetter zuvor erwähnt hatte.
In der Tat handelte es sich um eine junge Frau, nur unwesentlich älter als Masakota. Genau wie die übrigen Damen war auch sie in feine, edle Gewänder gekleidet, das stark geschminkte Haupt mit prunkvollem Goldschmuck geziert. Ihr Haar war dunkelbraun, ein eher schmutziges Braun, das an die Farbe der Baumstämme erinnerte, zu einer viel zu komplizierten Frisur hochgesteckt; sollte Sakuya die Gelegenheit erhalten, so würde sie den eher ungepflegten, kaputten Zustand ihrer Haarpracht, der von der Art, wie sie es trug, nur bedingt verschleiert wurde, gewiss zur Sprache bringen. Das kräftige, helle Braun ihrer Augen war dafür umso hübscher, wie Yukiko befand. Für eine Dame ihres Standes – und sie war zweifelsohne eine Adelige, denn ansonsten würden sich Masakota und Mirai wohl kaum mit ihr abgeben – war ihre Haut auffallend sonnengebräunt, etwas, das auch die weiße Schminke nicht vollkommen übertünchen konnte.
Masakota räusperte sich, deutete auf die junge Frau.
„Tante Sakuya, Onkel Nobukota, Tante Kaeyura, Yukiko-san – ich möchte euch gerne Akayuma no Hatsuki vorstellen. Hatsuki-san, dies hier ist meine Familie, meine angeheiratete Tante, ihre Tochter und meine Cousine, der jüngere Bruder meines Vaters und dessen Gattin.“
Die junge Dame, Hatsuki, lächelte unbeschwert, fröhlich, zu einer Verbeugung, so wie es die elementare Höflichkeit eigentlich verlangte, ließ sie sich jedoch nicht herab.
„Das ist… ja schön…“, sagte sie lediglich, wobei ihr Tonfall durchaus ein wenig gezwungen klang.
„Hatsuki-san, also? Du bist demnach die Erbin des Akayuma-Klans zu Furumi“, sagte Nobukota, Hatsuki durchdringend musternd.
„Sollte man wohl meinen, hm?“, bekam er von dieser zur Antwort.
Yukikos Onkel runzelte die Stirn, missbilligend, entschloss sich dann aber scheinbar dazu, diese schnippische Bemerkung zu übergehen.
Masakota räusperte sich nochmals.
„Wie ihr euch gewiss bereits denkt, hat Hatsuki-sans Anwesenheit einen guten Grund – wir beide planen, in naher Zukunft den Bund der Ehe einzugehen.“
Na, das war ja eine wahre Überraschung. Die Miene des Vetters Yukikos blieb vollkommen neutral, geradezu ausdruckslos, während er dies sagte und, nun, Begeisterung sah jedenfalls anders aus. Der junge Mann an Masakotas Seite bedachte Hatsuki mit einem Seitenblick, der sogar Nobukotas Missbilligung Konkurrenz machen könnte, schwieg ansonsten jedoch.
Sakuya nickte nachdenklich.
„Die Ländereien der Akayuma sind für ihre wertvollen Zedernhölzer im ganzen Land berühmt – eine äußerst besondere Unterart, sehr begehrt und kostspielig. Eine vorteilhafte Partie für beide Seiten, wage ich zu behaupten.“
„Tatsächlich haben unsere Familie bereits entsprechende Abkommen getroffen“, pflichtete Masakota seiner Tante bei.
Mirai kicherte nochmals, schenkte ihrer Schwägerin in spe, die das Gespräch mit einer unverhohlen gelangweilten Miene verfolgte, unablässig an ihren Haarnadeln zupfte, ein liebliches Lächeln.
„Doch selbst wenn dem nicht so wäre, so würden wir die liebe Hatsuki-chan dennoch mit offenen Armen willkommen heißen! Nun denn – möchtest du unserer Tante Sakuya nicht die Ehre erweisen und ihre Gastfreundschaft mit einem kleinen Gedicht vergelten?“
Die Dichterei, das Aufsagen kleiner Verse war schon seit jeher ein beliebtes Mittel, selbst in alltäglichen Konversationen verschiedene Absichten und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Yukiko für ihren Teil war nicht allzu gut darin, sich spontan Reime einfallen zu lassen, doch zumindest die bekannten Werke konnte sie nahezu fehlerfrei rezitieren – was damals wie heute die Voraussetzung war, um in den gehobenen Kreisen bestehen zu können. Hatsuki hingegen beäugte Mirai verständnislos, kratzte sich am Kopf.
„Was… redest du da? Warum… warum sollte ich denn etwas derartig Unnötiges tun?“
Betroffenes Schweigen stellte sich ein. Sakuya bedachte die Verlobte ihres Neffen mit einem kühlen Blick, während Nobukota stumm den Kopf schüttelte. Lediglich Kaeyura wirkte durchaus ein wenig amüsiert. Mirais Lächeln blieb ebenfalls unbewegt, wuchs tatsächlich noch weiter; sie kicherte, wedelte sich mit beschwingter Miene kühle Luft zu.
„…Ah, Aniue, hast du unseren lieben Verwandten etwa nicht vorgewarnt? Darüber, dass unsere liebe Hatsuki-chan beizeiten etwas verwirrt sein kann?“
Hatsuki grummelte, Mirai anfunkelnd.
„Verwirrt? Ich gebe dir gleich verwirrt !“, gab die junge Frau rüde zurück.
„Akayuma-dono, bitte “, zischte der hellhaarige Jugendliche, Akito, Hatsuki zu.
Diese seufzte betont, machte eine wegwerfende Geste. Masakota für seinen Teil wirkte so, als würde er am liebsten im Erdboden versinken, wohingegen Mirai kein Wässerchen trüben konnte. Sowohl Sakuya als auch Nobukota stand hingegen deutlich ins Gesicht geschrieben, was sie von der ganzen Angelegenheit hielten – und Yukiko dankte den Göttern dafür, dass wenigstens sie dieses Mal nicht diejenige sein würde, dem der Unmut ihrer Mutter galt.
„Was willst du denn jetzt von mir?“, blaffte Hatsuki den jungen Mann an, zuckte dann nochmals mit den Schultern, die Arme hinter dem Kopf verschränkend; sie wirkte nun gar ein wenig nachdenklich, starrte zur Decke. „Aber gut, wenn es euch allen so wichtig ist, dann sollt ihr euer Gedicht meinetwegen haben! Lasst mich mal überlegen…“
Sie runzelte die Stirn, ehe sie dann, einige Momente später, selbstzufrieden nickte.
„In Ordnung, dann hört mal her:
Lilien sind weiß,
Kamelien sind es auch,
manchmal auch rot und… und…
ach, jetzt fällt mir nichts mehr ein…“
Sakuya verzog das Gesicht, nippte lang, ausgiebig an ihrem Tee, während sich Masakota eindeutig für das Verhalten seiner Verlobten schämte – was Yukiko sehr gut nachvollziehen konnte, war die Situation wahrlich zum Fremdschämen.
„Was für ein Meisterwerk!“, kam es spöttisch von Kaeyura, die als erste das Wort wieder ergriff. „Damit würdest du am kaiserlichen Hof gewiss sehr großen Eindruck schinden, meine Liebe – gute Hofnarren sind schließlich durchaus Mangelware!“
Hatsuki funkelte die Ältere an.
Hofnarr ? Sag mal, und wovon träumst du nachts? Das ist doch-…“
„Hatsuki-san, es genügt jetzt!“, raunte Masakota ihr zu; Yukiko hatte in diesem Moment wirkliches Mitleid mit ihrem Vetter.
Sakuyas säuerliche Miene verwandelte sich unterdessen in ein kühles Lächeln.
„Wie liebenswert. Masakota-kun, vielleicht solltest du dein Vorhaben, die Verlobung bereits heute Abend offiziell zu verkünden, nochmals überdenken – so, wie es aussieht, erscheint es mir nämlich nicht so, als wäre das arme Mädchen dem Druck gewachsen.“
Mirai nickte nachdrücklich, noch immer ihr süßliches Lächeln tragend; irgendwie hatte Yukiko gar ein wenig den Eindruck, als würde ihr diese unangenehme Situation ein geradezu diebisches Vergnügen bereiten.
„Ja, das klingt in der Tat vernünftig, meinst du nicht auch, Aniue? Die liebe Hatsuki-chan muss sich zuerst einmal an dieses gehobene Umfeld gewöhnen, denn aus unerklärlichen Gründen scheint sie schließlich keinerlei Erfahrungen zu haben, wie sie sich in unseren Kreisen zu verhalten hat – merkwürdig, nicht wahr?“
Nun, vielleicht war Hatsuki ja wirklich nervös und wusste mit ihrer Unruhe nun einmal nicht anders umzugehen – wer war Yukiko, um sich darüber ein Urteil zu erlauben? Sicher war jedoch, dass sie höchstwahrscheinlich nicht diejenige sein würde, die im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen würde…
Was Yukiko wahrlich mehr als Recht war.
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