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Die ewige Kaiserin

MitmachgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Mix
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Geister & Gespenster Zauberer & Hexen
25.04.2015
20.10.2021
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90.315
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10.07.2021 3.519
 
Und nochmals ein kleines Kapitelchen~ Aber zuerst nochmals vieeeelen Dank für die wundervollen Steckis, die ich in der Zwischenzeit erhalten habe und natürlich auch noch ein Danke für die Empfehlungen, hat mich sehr gefreut! :D
Doch nun geht es jetzt erstmal weiter!

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Hauptcharaktere:

1. Asatsuyu no Yukiko (朝露喜子) - 17 Jahre, Tochter des jüngeren Bruders des Fürsten der Provinz Asami
2. Riho (りほ) - 20 Jahre, Yukikos Kammerfräulein und Vertraute
3. Katsuya (活也) - 17 Jahre, ein Bediensteter der Asatsuyu
4. Nakai Kouji (中井浩司) – 23 Jahre, Kammerdiener der Amamiya no Tomoyo (darkmelody)
5. Akayuma Sumiki (赤弓麻澄姫) – 19 Jahre, Verlobte des Cousins Yukikos, Masakota (iyune)

Nebencharaktere:
1. Asatsuyu no Sakuya (朝露咲夜) - 42 Jahre, Yukikos Mutter
2. Ayasaki Akito (綾崎明人) – 19 Jahre, Leibwächter der Asatsuyu-Familie
3. Amamiya no Tomoyo (雨宮共代) – 20 Jahre, Tochter des Fürsten der Provinz Hisagi
4. Asatsuyu no Masakota (朝露正公太) – 18 Jahre, Yukikos Vetter (iyune)
5. Asatsuyu no Mirai (朝露光莱) – 16 Jahre, Masakotas jüngere Schwester und Yukikos Cousine (iyune)

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„…Nun, Hatsuki-san, du weißt noch, was wir besprochen haben, nicht wahr? Heute ist es wirklich ungemein wichtig, dass wir einen guten Eindruck machen, also bitte – gib… dir einfach ein bisschen Mühe, in Ordnung?“
Sumiki, die die aus feinstem Gold gefertigte und mit funkelnden Edelstein verzierte Halskette, eine Importware aus dem fernen Khangu, ungemein viel interessanter fand als die Belehrungen, die sie sich auch dieses Mal von ihrem lieben Verlobten anhören durfte, nickte lediglich beiläufig, ihm pflichtschuldig ein halbes Lächeln schenkend.
„Was auch immer du sagst, Masakota.“
Masakota, der sich heute in einen roten Sokutai gekleidet hatte, das widerspenstige, schwarze Haar unter einem Kanmuri-Hütchen verbarg, seufzte missbilligend, runzelte die Stirn.
„Achte bitte auch darauf, meine Tante und ihre Gäste unter keinen Umständen so… informell anzusprechen, denn dann bist du schneller persona non grata  , als wir beide schauen können. Oh, und sehe heute auch bitte davon ab, über Miya Kenjirou zu sprechen, diese Geschichte sind… wahrlich etwas wunderlich .“
Sumiki schluckte, nestelte unruhig an einer der edlen Haarnadeln, mit denen sie das lange, dunkelbraune Haar hochgesteckt hatte, herum, einen nervösen Blick aus der fahrenden Kutsche werfend; sie sah, wie ein Vogel am Himmel vorbeizog, ein Spatz. Sie hörte sein Zwitschern, räusperte sich lautstark.
„Wunderlich? Was sagst du denn da, wenn hier jemand wunderlich ist, dann bist das doch wohl du!“, gab sie ungehalten zurück, einen eher unfreundlichen Tonfall anschlagend.
„Genau das meine ich, wann immer dieses Thema zur Sprache kommt, wirst du sogleich ungemein… emotional , Hatsuki-san“, bekam sie frostig zur Antwort. „Weißt du, am besten wäre es, würdest du überhaupt nichts sagen und mich für dich sprechen lassen, denn dann laufen wir wenigstens nicht Gefahr, jemanden zu beleidigen.“
„Was auch immer du sagst, Anata “, gab Sumiki schroff zurück; wie leid sie es doch war, jedes Mal gemaßregelt zu werden, so, als wäre sie ein dummes, kleines Kind! Was erlaubte sich Masakota denn überhaupt? Manchmal schien er wirklich zu denken, dass er das Recht hatte, ihr irgendwelche Vorschriften zu machen, was in einem Land wie Izayoi, in dem es traditionell die Frauen waren, die die Machtpositionen inne hatte, einfach nur eine vollkommen lächerliche Vorstellung war. Nun denn, aber in einem hatte er wohl leider in der Tat Recht: Sollte es sich Sumiki heute, an dem Abend, an dem Masakota die Verlobung offiziell verkünden wollte, mit dem Rest der Familie verscherzen, so würde sie diese Hochzeit wohl vergessen können und mit ihr auch das Leben in Luxus und Reichtum, welches sie sich schon seit jeher gewünscht hatte.
Zumindest heute sollte sie sich vielleicht also in der Tat ein klein wenig darum bemühen, ein bisschen mehr wie Hatsuki zu sein, auch wenn dies an für sich ein Ding der Unmöglichkeit war. Nun ja.
„…Allerdings kannst du mir doch kaum verbieten, über die großartigen Myakenjirou zu sprechen, denn das würde schreckliches Unheil über uns bringen, mein Lieber“, fügte sie mit einem süßlichen Lächeln hinzu.
Masakota rückte seinen Hut zurecht, seufzte nochmals.
„Wenn es dir in der Tat so wichtig ist, dann kannst du meinetwegen die Dienerschaft daran teilhaben lassen…“
„Aber ihre Taten sind doch etwas, das wirklich jeden betrifft, egal, ob er jetzt Adeliger oder Diener ist!“
„…Jedoch erst nach der Hochzeit, wenn es denn unbedingt sein muss.“
Der junge Mann verstummte, richtete seinen Blick auf die hölzerne, ihm gegenüberliegende Wand der Kutsche. Er und seine Verlobte hatten sich heute alleine zum Anwesen seines Onkels in der Stadt Kouzaki aufgemacht, hatten seine Eltern schließlich derzeit Verpflichtungen, die sie unmöglich versäumen konnten. Sumiki war dies nur recht, mochte sie es schließlich nicht allzu sehr, in Masaterus und Namidas Nähe zu sein, die beide immerhin noch strenger und formeller als ihr Sohn waren. Tatsächlich hatte ihre eigene Mutter schon mehr als einmal alle Hebel in Bewegung setzen müssen, um die Wogen zu glätten, die bei den gelegentlichen… Missverständnissen zwischen Sumiki und den Schwiegereltern in spe entstanden waren.
Schließlich und endlich, nach einer für die Jugendliche schier unerträglichen Ewigkeit, kam der Ochsenkarren zum Stehen. Einer der Diener schob den schweren Vorhang, der den Eingang verschloss, zur Seite, ermöglichte den beiden Adeligen auf diese Weise das Verlassen des Wagons. Sumiki stürmte nach draußen, froh darüber, endlich wieder die unbewegte Erde unter ihren Füßen spüren zu dürfen; sie streckte sich, hörte das Knacken ihrer Gelenke, spürte den lauen Abendwind, der ihr ins Gesicht blies. Am Horizont wurde es allmählich dunkel, die Sonne senkte sich langsam, aber sicher, verschwand nach und nach hinter den massiven Gebirgsketten, die sich in der Ferne erhoben. Die feinen Federwölkchen hatten eine schöne, rote Farbe angenommen, die einen prächtigen Kontrast zum dunkler werdenden Himmel bildete. Mirai, Masakotas jüngere Schwester, würde nun gewiss irgendein furchtbar intelligent klingendes Gedicht rezitieren, was Sumiki, der wahrlich nicht allzu viel an der Poesie, der Literatur im Allgemeinen lag, bestenfalls ein verächtliches Schnauben entlockte. Doch auch sie war heute nicht zugegen, immerhin.
Sumiki erblickte bereits das Anwesen des besagten Onkels, Asatsuyu no Yukiteru; so, wie es aussah, war es sogar noch größer und prächtiger als das Haus, welches die Familie ihres Verlobten bewohnte. Gewiss waren sie sogar noch wohlhabender als Masakotas Eltern, hatten mehr Besitz und eine bessere Stellung; da könnte die junge Frau doch glatt neidisch werden…
Unweit des großen Eingangstores, welches Zugang zum Grundstück gestattete, wurden das Paar und die Bediensteten, die ihm für diesen Besuch zur Seite standen, auch schon von einem jungen Herrn erwartet, der in etwa im Alter der beiden zu sein schien – das erste, was Sumiki dachte, als ihr Blick auf ihn fiel, war, dass sein hübsches Gesicht vollkommen von diesen schrecklichen Augen, aus denen er sie anblickte, entstellt wurde. Sie waren von einem intensiven, rotbraunen Farbton, der vage an die herrlichen Rubine, die Namida aus Xīngguó hat einführen lassen, erinnerte; es war zwar nicht so, als wäre ihr die Farbe per se zuwider, in dieser Form verlieh sie seinen Augen jedoch etwas Unnatürliches, etwas, das ihr äußerst säuerlich aufstieß.
Zumindest einen Entschluss hatte sie am heutigen Abend daher schon gefasst: Ihr war vollkommen gleich, wer diese Person sein mochte, denn sie wusste bereits jetzt, dass sie ihn nicht leiden mochte. Denn wenn es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gab, dann konnte man dasselbe doch auch über den Hass sagen, nicht wahr?
Masakota hingegen schien ihn zu kennen, zumindest schien er erleichtert sein, ihn zu sehen.
„Akito-kun, wie schön, dich zu sehen! Es ist wahrlich schon eine Weile her, nicht wahr?“
Der junge Mann, Akito, verbeugte sich tief, respektvoll, vor den beiden Gästen.
„In der Tat, Masakota-dono; als Ojou-sama erwähnte, dass auch Ihr uns heute Abend mit Eurer Anwesenheit beehren werdet, habe ich sie sogleich darum gebeten, Euch in Empfang nehmen zu dürfen…“
„Und dies bereitet mir eine wahrliche Freude, Akito-kun. Ah, darf ich dir im Übrigen meine Begleitung vorstellen?“
Masakota trat einen Schritt zurück und deutete auf Sumiki, die Akito mit einem spöttischen Lächeln bedachte, noch nicht einmal daran dachte, sich zu einer noch so kleinen Verbeugung herabzulassen.
„Dies hier ist Akayuma Hatsuki; sie ist nun schon seit fast zwei Monden eine Angehörige unseres Haushaltes!“
Akito stellte sich wieder gerade hin; einen Moment lang glaubte Sumiki, so etwas wie Irritation, Überraschung, vielleicht auch gar ein gewisses Beunruhigen in diesen furchtbaren Augen aufblitzen zu sehen, doch wenn dem so war, dann war es bereits nach dem Bruchteil einer Sekunde wieder verschwunden.
„Sehr erfreut, Akayuma-dono. Doch Masakota-dono, wenn Ihr dies so ausdrückt, meint Ihr damit dann etwa…?“
Masakota ließ sich zu einem kleinen Lächeln hinreißen, schüttelte sachte den Kopf.
„Verrate es noch niemandem, ja? Wir planen, es im Laufe des heutigen Abends offiziell zu machen.“
Dann, endlich, wandte er sich Sumiki zu, die inzwischen schon damit begonnen hatte, erneut an ihren Haarnadeln zu drehen.
„Hatsuki-san, das hier ist Ayasaki Akito; in den Tagen unserer Kindheit hat er eine Zeit lang in unserem Haushalt gelebt, weswegen wir beide gut miteinander bekannt sind.“
„Also dein ehemaliger Diener, hm? Und deine Tante hat uns nicht persönlich begrüßen wollen, sondern stattdessen lieber ihn geschickt, wie toll…“, gab Sumiki zurück, in der Hoffnung, auf diese Weise einen Nerv zu treffen.
Masakota jedoch ließ sich nicht beirren, schüttelte nochmals den Kopf.
„Nicht Diener , sondern viel eher ein Freund aus Kindheitstagen.“
„Ein Teil der Gäste sind zwar bereits schon eingetroffen, dennoch seid Ihr noch äußerst früh dran, Masakota-dono“, sagte Akito, Sumiki mit einem unbehaglichen Seitenblick bedenkend; gut, wenigstens er wirkte so, als wäre ihm ein wenig unwohl! „Ich bin mir sicher, dass es Ojou-sama eine Freude sein wird, vor der offiziellen Eröffnung der Soirée einige Worte mit Euch wechseln zu können, im Privaten.“
„Und dies wäre auch uns eine Freude, habe ich auch Tante Sakuya schließlich schon seit Längerem nicht mehr gesehen. Allerdings würde ich es vorziehen, zuerst einmal unter vier Augen mit ihr zu sprechen; Akito-kun, dürfte ich dir solange Hatsuki-san anvertrauen?“
„Ich brauche doch keine Anstandsdame!“, empörte sich diese sogleich; nein, bei ihm würde sie es noch nicht einmal versuchen , die Hatsuki zu mimen, soweit käme es ja noch!
„Du bist hier fremd, Hatsuki-san, es wäre meiner Tante gegenüber äußerst unverschämt, dich frei umherwandern zu lassen“, entgegnete Masakota; vor Akito versuchte er zwar, geduldig und verständnisvoll zu wirken, doch Sumiki konnte bereits erkennen, dass ihn das Verhalten seiner Verlobten langsam aber sicher ein wenig frustrierte.
Die junge Frau verschränkte die Arme, lächelte mit einer gewissen Gehässigkeit; was für ein Spaß es doch war, Masakota in die Enge zu treiben!
„Gut, dann stell mich deiner Tante doch einfach vor und schieb mich nicht bei deinem kleinen Diener ab.“
„Später, Hatsuki-san – wie gesagt, es gibt einige Dinge, die ich gerne mit ihr persönlich besprechen möchte. Sei unbesorgt, gleich danach wirst auch du sie und ihre Familie kennenlernen.“
Ohne seiner Verlobten noch weitere Aufmerksamkeit zu schenken, wandte sich der Adelige zu Akito hin, nickte diesem zu.
„Ich vertraue darauf, dass du gut auf sie Acht gibst. Oh, und haltet bitte die anderen Gäste etwas auf Abstand, bis meine Tante und ich zurückkehren, die Vorstellung möchte nämlich ich gerne übernehmen.“
Es war unglaublich – zwar kannte Masakota die junge Frau erst seit so kurzer Zeit, doch offenkundig hatte er schon ein gewisses Gespür für sie und ihr Verhalten entwickelt! Nun, sollte er sich allerdings einbilden, dass er ihr gewachsen war, dann hatte er sich gehörig geschnitten – er würde sehr bald erkennen, wer in dieser Beziehung das Sagen hatte. Aber nun denn, dann sollte er dieses Mal eben seines Weges ziehen, die beiden würden rasch genug wieder zusammenfinden.
Sumiki sah Masakota nach, wie sich dieser in das Anwesen zurückzog, verdrehte dabei die Augen, ehe sie ihm langsam folgte, das Tor zum Anwesen durchschritt. Akito folgte ihr; sie konnte seinen stechenden Blick in ihrem Nacken spüren und dies bereitete ihr mehr Unbehagen, als sie willens war, sich einzugestehen. Sie atmete tief, schaute stattdessen um, den Vorplatz des weitläufigen Hauses inspizierend. Vor dem Haupteingang war ein großer, mit Pflasterstein versehener Platz angelegt. Zwei große Statuen, die offenbar Tiger darstellen sollten, flankierten das niedrige Treppchen, welches zum Portal führte, die Fläche selbst wurde von frischen, gut gepflegten Blumen, Büschen und Bäumen gesäumt, einige einheimisch, während andere Sorten äußerst exotisch wirkten.
Ein paar Pflanzen, aber bei Weitem nicht genug für Sumikis Geschmack! Nun denn, sie war sich jedenfalls sicher, dass es ein Spaß werden würde, dieses herrliche Anwesen genauer zu erkunden – wer weiß, welch schöne Dinge sie dort so entdecken konnte.
„Akayuma-dono, dürfte ich Euch eine Erfrischung anbieten?“
Seine Worte und sein Tonfall klangen höflich, doch Akito wirkte vorsichtig, geradezu argwöhnisch.
„…Hör auf, mich anzustarren“, forderte sie den jungen Mann auf.
Er blinzelte, senkte dann auch tatsächlich den Blick.
„Ich bitte um Verzeihung.“
„Ja ja, schon gut! Und ja, ich will etwas Wasser.“
„Nur Wasser? Alternativ könnte ich Euch auch gerne einen erfrischenden Mugicha anbieten; an heißen Tagen wie heute ist es ziemlich angenehm.“
Ach, dieser Tee konnte ihr doch gestohlen bleiben! Die Teezeremonien mit ihrer Mutter und ihrer zukünftigen Schwiegermutter waren schon schlimm genug und für sie kaum zu ertragen.
Sumiki seufzte betont.
„Bist du etwa taub? Ich will Wasser, deinen Tee kannst du behalten.“
Stille stellte sich ein; so, wie es aussah, hatte es Akito die Sprache verschlagen, was der jungen Frau nur recht war. Lange sollte die Ruhe allerdings nicht anhalten, ergriff er kurz darauf wieder das Wort:
„Seid Ihr… wirklich Akayuma Hatsuki?“
Diese Frage ließ Sumiki, die gerade die warmen Treppenstufen, die zum Eingangsportal des Anwesens führte, hinaufschlenderte, in ihrer Bewegung erstarren. Nervosität keimte in ihr auf, unangenehm heiß und brodelnd, als wäre da eine Onsen-Quelle in ihrem Bauch.
Was wollte er mit dieser Frage bezwecken? War er etwa nicht nur ein alter Freund Masakotas, sondern auch ein Bekannter Hatsuki? Ihre Mutter hatte ihr zwar oft genug gesagt, vor welchen Personen sich Sumiki ganz besonders in Acht nehmen musste, aber einen einfachen Diener wie diesen Akito hätte sie selbstverständlich nicht auf dem Schirm gehabt! Würde er etwa Masakota darauf ansprechen, oder – noch schlimmer – gar seine Eltern ? Na, dann wäre der Traum vom unbeschwerten Leben im endlosen Wohlstand wohl dahin…
„Was soll diese dämliche Frage?“, gab sie rüde zurück, sich zu Akito umwirbelnd. „Was für ein Blödsinn, natürlich bin Hatsuki, das sieht man doch!“
„Selbstverständlich, Ihr habt ihr Gesicht. Allerdings seid Ihr ein wenig… anders , werdet Eurem Ruf nicht wirklich gerecht…“
Ihrem Ruf wurde sie nicht gerecht , sagte er also. Sollte sie etwa zu einer Tatami-Matte werden, auf der alle herumtrampeln konnte, nur, um ihrer Umgebung zu gefallen? Die liebe, kleine, süße Hatsuki sein? Wie lächerlich…
Sumiki schnaubte, verengte die Augen.
„Ach ja? Na, dann kann ich dich ja auch genauso gut fragen, aus welchem Loch du eigentlich gekrochen bist!“
Er blinzelte, runzelte die Stirn.
„…Wie bitte?“
Das fragst du noch, du Einfaltspinsel? Hast du etwa noch nie dein Spiegelbild gesehen?“
„Ich… ich verstehe nicht, worauf Ihr hinausmöchtet, Akayuma-dono…“
„Wie unintelligent. Aber gut, was sollte man von einem unwichtigen Diener wie dir auch erwarten?“
Sie schnaubte belustigt, machte eine wegwerfende Geste, Akito den Rücken zudrehend, ihren Weg zum Hauptportal fortsetzend. Es stand offen, bereit, den Gästen des heutigen Abends Einlass zu gewähren. Ohne auf ihren ungewollten Begleiter zu achten, trat sie ein, hinein in die Eingangshalle des Anwesens. Die breiten Shouji-Türen, die diesen Raum mit zwei langen Korridoren verband, die sich wie Flügel gen Osten und Westen öffneten, waren ebenfalls aufgeschoben, gestatteten auch einen ersten Blick in die geräumigen Kammern, die an die Flure angeschlossen waren, eine schöne Aussicht auf den inneren Garten, zu dem hin der überdachte Engawa geöffnet war.
Das kleine, rotbraune Eichhörnchen, welches an einem der Bäume hochkletterte, rasch in der dichten, grünen Krone verschwand.
„Akayuma-dono, wir sollten uns in das Teezimmer begeben und dort auf Masakota-dono warten“, sagte Akito, der sich sichtliche Mühe gab, einen höflichen – oder zumindest neutralen – Tonfall zu wahren.
Sumiki zuckte mit den Schultern, folgte dem jungen Mann in einen der offenen Räume, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Zu ihrer Enttäuschung musste sie feststellen, dass das Zimmer ganz und gar nicht beeindruckend war, nicht die prächtige, dekadente Einrichtung hatte, die sie so sehr schätzte – das wertvollste, das sie auf den ersten Blick entdecken konnte, war wohl das Wandgemälde in der Tokonoma-Nische; es stellte einen in Nebel gehüllten Bambuswald dar, doch dies war auch schon alles, was Sumiki dazu sagen konnte. Unaufgefordert ließ sie sich auf einem der Kissen nieder, beobachtete Akito gelangweilt dabei, wie er Wasser aus einem großen Steinkrug schöpfte, dieses in eine Keramikkanne überführte, welchen er, zusammen mit einem passenden Trinkschälchen, auf dem Tisch platzierte.
„Ayasaki, hast du jemals von der großartigen Myakenjirou gehört?“
Diese zugegeben doch recht spontane und unerwartet kommende Frage schien Akito ehrlich zu überrumpeln. Er blinzelte, wirkte irritiert.
„Wie bitte? Mi… Miya Kenjirou? Das ist doch ein Männername…“
Sumiki kicherte.
„Oh, du armer Unwissender! Anscheinend hast du zum ersten Mal den Namen der Göttlichen gehört, hm? Aber keine Sorge, es gibt viele, viele Geschichte, die ich mit dir teilen kann, es würde dir auf alle Fälle gut tun!“
Akito runzelte die Stirn, hob dann skeptisch die Augenbrauen.
„…Mit Verlaub, doch ich denke nicht, dass ich einer solchen… Erleuchtung würdig bin. Verschwendet Eure Zeit nicht auf einen… hm, wie habt Ihr mich genannt? ..Ah, einen unwichtigen Diener wie meiner Wenigkeit, verehrte Akayuma-dono!“
Sumiki rümpfte die Nase; nun machte er sich aber über sie lustig…
„Jeder sollte über sie Bescheid wissen“, gab sie gönnerhaft zurück. „Also keine Sorge, es wäre mir eine Freude, dich der Erleuchtung ein Stückchen näher zu bringen!“
„Wenn mir nach Erleuchtung sein sollte, dann werde ich zu O-Ren-sama , beten, vielen Dank“, bekam sie nun etwas gereizt zur Antwort.  
Sumiki tippte sich gegen das Kinn, grinste nun schelmisch, vergnügt.
„Wie, du verweigerst dich der Bitte einer dir übergeordneten Adeligen, der Angetrauten deines Freundes ? Wie ungezogen!“
Ungezogen in der Tat – und äußerst unangemessen. Ein solches Fehlverhalten gehört entsprechend gemaßregelt, natürlich! Allerdings spreche ich dabei nicht von ihm , Hatsuki-chan.“
Diese Stimme… Sumiki konnte sich ein verächtliches Zischen nicht verkneifen, kaum dass ihr Blick auf das Mädchen fiel, welches mit einem süßen Lächeln im Türrahmen stand, die untere Hälfte des Gesichts hinter ihrem filigranen, mit Kirschblüten bemalten Fächer verborgen. Und dabei war sie davon ausgegangen, wenigstens heute ihrer Ruhe vor ihr zu haben! Na, so hatte sie sich wohl getäuscht.
„Was tust du denn hier, Mirai?“, verlangte Sumiki rüde zu wissen.
Mirai, Masakotas jüngere Schwester, verbeugte sich sachte, ehe sie den Raum betrat. Sie hatte sich in einen purpurroten, mehrschichtigen Kimono gekleidet, das lange, seidig glänzende Haar, welches von einfallsreichen Kanzashi geschmückt wurde, trug sie offen. Mirai war eine perfekte Adelsdame, zumindest, wenn Sumiki nach den Aussagen ihrer Mutter ging, die ihr die zukünftige Schwiegertochter auch so gerne als glänzendes Beispiel präsentierte.
„Oh, meine Erledigungen haben mich nach Kouzaki geführt und wenn ich ohnehin schon vor Ort war, wäre es doch ein Unding, diese Soirée zu versäumen! Außerdem wollte ich meinen Bruder nur eher ungern so lange Zeit mit dir alleine lassen, schließlich wissen wir alle, wie schwierig der Umgang mit dir sein kann!“
Auch Akito wirkte durchaus erleichtert, Mirai zu sehen; sogleich erhob er sich, verbeugte sich tief vor dem Mädchen.
„Willkommen, Mirai-dono – es ist eine wahrliche Freude, Euch zu sehen!“
Sie kicherte – ein hochfrequentes Kichern, das Sumikis Nerven wirklich strapazierte. Schon vom ersten Moment an hatte sie die kleine Schwester ihres Verlobten auf den Tod nicht leiden können, war sie schließlich die Verkörperung aller Eigenschaften, die sie nicht ausstehen konnte – Mirai war ach so stolz auf ihre hervorragende Bildung, verhielt sich stets so, wie es von ihr erwartet wurde, war eines dieser sanftmütigen, zuckersüßen Liebchen, die allem Anschein nach von jedermann so sehr hochgeschätzt wurden.
Einfach nur ätzend.
Sie war alles, was Sumiki selbst nicht war und niemals sein wollte – nun ja, von ihrem Vermögen selbstverständlich einmal abgesehen.
„Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Akito-san, es ist so schön, dich wieder einmal zu sehen; und du hast meinen Dank dafür, dass du Hatsuki-chan geholfen hast“, antwortete sie freundlich, dem jungen Mann ein warmes Lächeln schenkend. „Ich hoffe, sie hat dir keinen allzu großen Kummer bereitet – ihre Stimmung ist manchmal nämlich durchaus etwas… wechselhaft.“
Akito zögerte, schüttelte dann jedoch seinen Kopf – was für ein Lügner, Sumiki hatte doch deutlich sehen können, dass sie seine Nerven gehörig strapaziert hatte!
„Gewiss nicht, Mirai-dono. Tatsächlich wäre es mir eine… nun… eine außerordentliche Freude, Akayuma-dono auch für den weiteren Verlauf des Abends zur Seite stehen zu dürfen…“
Mirai schmunzelte.
„Du bist schon immer ein wahrlich schlechter Lügner gewesen, Akito-san! Aber weißt du, genau deswegen schätzt dich auch mein Bruder so sehr, denn Menschen, die keine Probleme damit haben, die Wahrheit zu ihrem Gunsten zu verbiegen, waren ihm schon immer mehr als suspekt gewesen.“
Mit diesen Worten trat sie an den Tisch, nahm auf dem freien Platz neben Akitos Platz, Sumiki direkt gegenübersitzend.
„…Nun denn, ich bin mir trotz allem sicher, dass wir alle zusammen einen schönen Abend verleben werden, heute, auf der Soirée unserer Tante Sakuya“, sprach sie weiter, Sumiki vielsagend anlächelnd.
Oh, Sumiki für ihren Teil war sich sehr sicher, dass zumindest sie ungemein viel Spaß haben würde! Sie würde bloß ein wenig darauf achten müssen, dass sie es nicht übertrieb, aber andererseits…
Nun, letzten Endes wollte sich Sumiki überraschen lassen.
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