Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die ewige Kaiserin [Anmeldung offen]

MitmachgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Mix
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Geister & Gespenster Zauberer & Hexen
25.04.2015
10.06.2021
4
13.739
9
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
10.06.2021 2.829
 
Sooo, weiter geht's - und ich habe inzwischen einen OC bekommen, vielen Dank nochmals an darkmelody! :D Wie gesagt, wer möchte, kann mir auch weiterhin sehr gerne seinen Charakter schicken, würde mich sehr freuen. Ah, und auch noch danke für die neuen Favo-Einträge ^_^

_______________________________________________________________

Hauptcharaktere:

1. Asatsuyu no Yukiko (朝露喜子) - 17 Jahre, Tochter des jüngeren Bruders des Fürsten der Provinz Asami
2. Riho (りほ) - 20 Jahre, Yukikos Kammerfräulein und Vertraute
3. Katsuya (活也) - 17 Jahre, ein Bediensteter der Asatsuyu
4. Nakai Kouji (中井浩司) – 23 Jahre, Kammerdiener der Amamiya no Tomoyo (darkmelody)

Nebencharaktere:
1. Asatsuyu no Sakuya (朝露咲夜) - 42 Jahre, Yukikos Mutter
2. Ayasaki Akito (綾崎明人) – 19 Jahre, Leibwächter der Asatsuyu-Familie
3. Amamiya no Tomoyo (雨宮共代) – 20 Jahre, Tochter des Fürsten der Provinz Hisagi

_______________________________________________________________

Der Karren, der von dem großen Ochsen gezogen wurde, kam schwerfällig zum Stehen. Amamiya no Tomoyo, die die lange Fahrt über sanft gebettet auf weichen Kissen und Decken verbracht hatte, bedeutete Kouji mit einer beiläufigen Geste, als erster auszusteigen; der junge Mann sprang hastig, nervös auf, machte sich daran, ihrer Anweisung nachzukommen. Er schob die Vorhänge, die jeglichen Beobachter den Blick in den Karren verwehrte, beiseite, wurde draußen von der warmen Mittagssonne begrüßt, die ihm ins Gesicht schien. Blinzelnd hielt er sich die Hand vor die Augen, verkniff sich ein Niesen, behutsam die Füße auf den festen, unbeweglichen Untergrund setzend. Die Erde war trocken und staubig, ein wenig uneben – das würde seiner jungen Herrin, die jeglichen Schmutz verabscheute, gewiss nicht gefallen! Rasch wandte er sich um, zog einen breiten, dicken Teppich aus dem Karren hervor, den er eifrig am Boden ausbreitete, ehe der dann mit ehrfürchtig gesenktem Kopf zur Seite trat, Tomoyo, die den Kopf ebenfalls bereits nach draußen streckte, Platz machend.
„Ah, es ist wahrlich lange her, seitdem ich zuletzt hier gewesen bin! Wie viele Jahre mögen nur vergangen sein? Vier sind es gewiss“, sagte die junge Frau nachdenklich, mit andächtiger Miene aus dem Wagen steigend, das Anwesen, welches sich dort vor ihr erhob, betrachtend. Es war ein wahrlich schönes und eindrucksvolles Bauwerk, im traditionellen Baustils Izayois gehalten, so, wie man es auch in der Hauptstadt oft zu Gesicht bekam. Für die einfachen Bürger der Stadt Tousaki, Verwaltungszentrum der Mino-Region, mochte diese Residenz ein wahres Prunkschloss sein, doch verglichen mit dem Protz und Glanz des Kamelien-Palastes zu Izanami erschien dieses Anwesen geradezu bescheiden. Zusammen mit Tomoyo, die in der Kaiserstadt als Hofdame gedient hat, hatte Kouji die letzten fünf Jahre im Palast verbracht. Wohl gefühlt hatte er sich dort, in diesem so intrigantem wie dekadenten Umfeld wahrlich nie gefühlt, sein bestes gegeben, nicht aufzufallen – was ihm wahrscheinlich auch ganz gut gelungen wäre, wäre seine junge Herrin ein klein bisschen weniger geltungsbedürftig und streitsüchtig gewesen. Da Tomoyo, die Tochter eines Daimyous, aufgrund ihrer hohen Stellung nur schwer antastbar war, entluden die niedrigeren Adeligen, die unter ihrem Verhalten oftmals zu leiden hatten, ihre Frustration und Wut sehr gerne an Kouji.
Doch nun, da die junge Dame auf Geheiß ihrer Mutter wieder eine Weile lang in die Heimat zurückkehrte, hegte er die Hoffnung, dass ihm nun einige ruhige Wochen bevorstanden.
Tomoyo spannte ihren indigoblauen, mit Kranichen bemalten Fächer auf, wedelte sich kühle Luft zu, in der Hoffnung, so die drückende, sommerliche Hitze etwas zu vertreiben.
„Kouji. dies ist dein erster Besuch hier, nicht wahr? Im Anwesen der liebsten Freundin meiner Mutter, Asatsuyu no Sakuya…“
Kouji nickte scheu; bei den Feiern, die seine Herrin in der Vergangenheit besucht hatte, war ein einfacher Bediensteter wie er eher unerwünscht gewesen. Doch nun, da er unter anderem dafür zu sorgen hatte, dass die junge Tomoyo sicher die heimatlichen Gefilde erreichte, kam er auch wohl oder übel in Kontakt mit den noblen Freunden seiner Dienstherren.
Es war jedenfalls eindeutig, dass dieser Besuch Tomoyo sehr viel bedeutete – ungeachtet der Hitze und der langen Kutschfahrt, die in etwas bequemerer Kleidung gewiss ungleich angenehmer wäre, so hatte sie sich nichtsdestotrotz fein herausgeputzt, in einen edlen, mehrlagigen Kimono gekleidet, der wahrscheinlich mehr gekostet hat als alles, was Koujis Familie besaß. Das penibel gepflegte Haar hatte sie kunstvoll hochgesteckt, mit allerlei prächtigen Schmuckstücken verziert, das aristokratische Gesicht sorgsam geschminkt.
Schon immer hatte Tomoyo sehr großen Wert auf ihre Erscheinung gelegt und dies war ihr auch deutlich anzusehen. Doch auch die Dame, die nun durch das Portal des Anwesens nach draußen trat, war durchaus eine Schönheit, hochgewachsen und elegant; jede Bewegung, die sie tat, versprühte Anmut, die kalkuliert, wohlbedacht zu sein schien. Sie lächelte, als sie die junge Herrin erblickte – ein Lächeln, das Tomoyo strahlend erwiderte.
„Tomoyo-san, es ist mir eine große Freude, dich in meinem Heim begrüßen zu dürfen“, ergriff die Frau freundlich das Wort; gewiss handelt es sich bei ihr um die besagte Asatsuyu no Sakuya.
Tomoyo verbeugte sich tief, respektvoll.
„Es ist schon viel zu lange her, Sakuya-dono – aus Herzen danke ich Euch für Eure Gastfreundschaft!“
Mit einem sachten Nicken bedeutete die Dame ihren Gästen, näher zu treten, was diese auch taten – Kouji für seinen Teil hielt den Blick gesenkt, hatte bei jedem Schritt, den er tat, die Furcht, irgendetwas zu tun, das den Unmut der feinen Herrschaften auf sich ziehen könnte. Zu seiner Erleichterung zollten ihm die beiden Frauen keine weitere Beachtung – was man von dem jungen Mann, der in einem gewissen Abstand hinter Sakuya stand, nicht behaupten konnte. Seine rotbraunen Augen waren geradewegs auf Kouji gerichtet, beobachteten diesen wachsam, mit einem gewissen Argwohn.
Ein Blick, der dem Kammerdiener den kalten Schauer den Rücken hinunterjagte.
„…Deine verehrte Mutter hat mir dein in ihrem letzten Brief angekündigt; ich hoffe, du wirst uns einige Tage lang mit deiner Anwesenheit beehren?“, sprach Sakuya weiter, Kouji wieder aufschrecken lassend.
Tomoyo senkte bedauernd den Kopf.
„Ich fürchte, Okaa-sama erwartet mich sehr bald in Amenomori.“
„Ah, wie bedauerlich – nun denn, dann werden wir die kurze Zeit, die wir hier zusammen haben, umso denkwürdiger zu gestalten! Auch Yukiko wird über deinen Besuch gewiss sehr erfreut sein.“
Tomoyo lächelte, wobei Kouji nicht entging, dass sich ein geradezu mitleidiger Ausdruck auf ihrem Gesicht abzeichnete.
„Wie ist es Yukiko-san in den letzten Jahren denn ergangen?“
„Oh, sie ist auf dem Weg der Besserung, auch wenn sie noch immer unter dem unglücklichen Schicksal ihres Bruders zu leiden hat – verständlich, dies war für uns alle ein schrecklicher Schlag gewesen. Allerdings verbringt sie meiner Meinung nach ein bisschen zu viel Zeit mit den Bediensteten, was für ein Mädchen ihres Standes kein angemessener Umgang ist…“
Nun blieb auch Sakuyas Blick kurzzeitig auf Kouji verharren, auch wenn sie sich rasch wieder Tomoyo zuwandte.
„Du hast einen Begleiter, wie ich sehe.“
„Mein Kammerdiener – er hat mich bereits nach Izanami begleitet. Ich weiß seine Dienste durchaus zu schätzen.“
Eines der seltenen Lobe, die Kouji von den Herrschaften Amamiya erhielt – und die stets ein warmes, angenehmes Gefühl nach sich zogen. Es war stets schön, wenn die eigenen Bemühungen Anerkennung mit sich brachten.
Sakuya nickte sachte, mit einem kleinen, gönnerhaften Lächeln.
„Wie schön. Nun denn – Tomoyo-san, nach dieser langen Fahrt ist es das Mindeste, dir eine feine Erfrischung anzubieten! Gehen wir in unser Teehaus, dort werden wir uns auch in Ruhe miteinander unterhalten können, unter vier Augen, vorzugsweise.“
Mit diesen Worte drehte sie sich zu dem jungen Mann um, der, von seiner Position aus, die Unterhaltung aufmerksam verfolgte.
„Auch der junge Kammerdiener Tomoyo-sans wird nach dieser anstrengenden Reise gewiss erschöpft sein – kümmere dich ein wenig um ihn, Akito-kun. Bereite ihm eine kleine Erfrischung zu und stell ihm einen Platz zum Ausruhen zur Verfügung.“
Der junge Mann, Akito, blinzelte, wirkte nicht allzu erfreut.
„Bitte verzeiht mir meine Direktheit, Ojou-sama, aber-…“
„Ich kenne Tomoyo-san schon ihr Leben lang“, fiel sie ihm entschieden, nachdrücklich ins Wort. „Deine Anwesenheit ist für den Moment nicht erforderlich.“
Erst jetzt fiel Kouji auf, dass Akito ein Schwert bei sich trug, ein Privileg, das beileibe nicht jedem gewährt wurde; ob er wohl einer der Leibwächter der Asatsuyu war? Zumindest erschien es so. Der abfällige Blick, mit dem Akito den Bediensteten bedachte, trug jedenfalls kaum dazu bei, dass dieser sich wohler fühlte. Nichtsdestotrotz verbeugte er sich artig vor seiner Herrin Sakuya, sich jegliche Bedenken und Widerworte verkneifend.
„Wie Ihr wünscht, Ojou-sama…“
Tomoyo kicherte, nickte Kouji zu.
„Du hast es also gehört! Ruhe dich ein wenig aus und lass es dir gut gehen, denn das hast du dir redlich verdient, würde ich sagen!“
Dies waren ihre Worte, doch der junge Mann bezweifelte ernsthaft, dass er hier, in diesem Anwesen, zur Ruhe kommen würde.

Akito für seinen Teil machte keinen sonderlichen Hehl daraus, dass er mit seiner momentanen Aufgabe alles andere als glücklich war. Mit äußerst verhaltener Begeisterung führte er Kouji in ein Quartier in dem Trakt des Anwesens, der offenbar den Bediensteten zugeteilt war.
„Setze dich“, forderte er den jungen Kammerdiener in einem herrischen Tonfall auf.  
„V-Verzeihung…“, murmelte dieser, unruhig an seinem dunkelbraunen Haar fiedelnd, dem Befehl des anderen wie aus einem Reflex nachkommend.
Akito hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, Kouji nach seinem Namen zu fragen, fiel diesem gerade auf. Nun, ohnehin schien er keinen allzu großen Wert auf eine Unterhaltung mit dem Bediensteten legen, sprachen sein abschätziger Blick und die ablehnende Körperhaltung doch Bände.  Schon allein deswegen wagte es Kouji nicht, das Wort zu ergreifen, begnügte sich damit, den jungen Mann dabei zu beobachten, wie dieser – wie Sakuya es ihm aufgetragen hatte – eine Kanne Tee zubereitete, Mugicha, erfrischender Gerstentee, dem Duft nach zu urteilen. Akito schien etwas jünger als Kouji zu sein, wahrscheinlich hatte er die zwanzig Jahre noch nicht erreicht. Er hatte wahrlich hübsche Augen, mit dieser markanten, rötlich-braunen Farbe und auch sein Haar war von einem helleren Braunton, als es in diesem Teil des Landes üblich war; ob er wohl aus den westlichen Grenzgebieten stammte? Oder er hatte Vorfahren, die aus dem Ausland stammten, dies war ebenfalls möglich. Seine Kleidung war eher schlicht gehalten, einen hellblauen Kimono, über den er einen dunkleren Hakama trug; das Schwert hatte er inzwischen abgelegt, vorsichtig, achtsam beiseite gelegt.
Kouji atmete tief durch, zwang sich dazu, den Blick von Akito abzuwenden – er wollte nicht starren, sowas wäre ein geradezu unverzeihlicher Fehltritt – blickte sich stattdessen im Raum um. So, wie es für den izayoianischen Stil Gang und gäbe war, war die Einrichtung recht spartanisch gehalten; es gab einen Tisch mit drei seidenen Sitzkissen, einen in die Wand eingelassenen Schrank, eine Tokonoma-Nische, in welcher ein stilvolles Gemälde, ein Kakemono und eine bemalte Vase aus edlem Porzellan ausgestellt wurden, Tatamimatten bedeckten den Boden – schlicht, jedoch stilvoll und in sich harmonisch. Die Shouji-Tür, die halb aufgeschoben war, gewährte einen herrlichen Blick auf den Garten, der im Innenhof angelegt war.
„So, du gehörst also zum Stab der jungen Amamiya no Tomoyo?“, ergriff Akito schließlich das Wort; er bemühte sich darum, beiläufig und desinteressiert zu klingen, doch den Argwohn und die Ablehnung, die in seiner Stimme mitschwangen, konnte er nicht vollkommen verbergen.
Kouji blinzelte, nickte dann zögerlich.
„Bereits schon seit einigen Jahren, ja“, gab er zurückhaltend zur Antwort.
Akito schnaubte, reichte dem Bediensteten einen Becher Mugicha.
„…Es ist mir unbegreiflich, wie man sich freiwillig in den Dienst dieser… Leute stellen kann.“
Der Kammerdiener stutzte, starrte Akito, der an seinem Getränk nippte, überrumpelt an. Er hätte mit einigem gerechnet, aber gewiss nicht mit einer derartig direkten Aussage – von ihrem Inhalt einmal ganz zu schweigen.
„Was… möchtest du mir damit sagen?“, fragte Kouji schließlich; eigentlich, das wusste er, müsste er ob dieser doch recht beleidigenden Aussage eigentlich wütend werden, seine Herrin verteidigen, doch in diesem Moment wollte ihm eine angemessene Erwiderung schlichtweg nicht kommen.
Und… nun, es war gewiss nicht so, als wäre Tomoyo eine Heilige, ganz und gar, doch schlechter als seine Eltern behandelte sie Kouji keinesfalls. Und dies wusste er sehr zu schätzen.
Doch Akito zuckte mit den Schultern.
„Eigentlich müsstest du wissen, für was für Menschen du arbeitest“, entgegnete er abschätzig, seinen Gegenüber nochmals von oben herab musternd.
Kouji schluckte, fühlte, wie er allmählich wahrlich ungehalten wurde; wieso konnte dieser Kerl nicht wenigstens Klartext sprechen, anstatt sich auf dieser herablassenden Bemerkungen zu beschränken? Machte es ihm etwa so viel Freude, den jungen Kammerdiener bloßzustellen?
„Nun, Asatsuyu-sama scheint meiner jungen Herrin jedenfalls wohlgesonnen zu sein“, gab er bissig zur Antwort.
Akito blinzelte, legte den Kopf schief, den Blick dann zum aufgeschobenen Shouji schweifen lassend.
„Ojou-sama sieht über die Fehler und Unzulänglichkeiten anderer hinweg“, sagte er, einen Tonfall anschlagend, der Zeichen genug war, dass dieses Gespräch für ihn nun beendet war.
Kouji, der sich in dieser Situation ohnehin mehr als unwohl fühlte, war dies nur recht; auch er legte keinen Wert darauf, diese Unterhaltung weiterzuführen. Die Stille, die sich darauf hin zwischen den beiden einstellte, war jedoch auch nicht gerade das, was man als behaglich bezeichnen könnte. Verunsichert schlürfte Kouji sein Getränk, zupfte hin und wieder nervös an seinem Haar. Ein vorsichtiger Blick zu Akito verriet dem Bediensteten jedoch, dass dessen Aufmerksamkeit momentan offenbar ganz woanders ruhte, noch immer draußen, auf den Garten, fixiert war.
Die helle Stimme, die kurz darauf erklang, gab Kouji dann schließlich auch einen Hinweis darauf, was es gewesen war, was das Interesse des anderen auf sich gezogen hatte; draußen, in der Ferne, erblickte er zwei junge Damen, die durch den Garten schlenderten, offenkundig in eine angeregte Unterhaltung vertieft waren. Die kleinere der beiden, obschon sie nobel gekleidet war, gab im Großen und Ganzen einen kaum bemerkenswerten Anblick ab; dies lag weniger an ihrer Erscheinung, sondern viel mehr an ihrer Ausstrahlung, die sie so unscheinbar, geradezu unsichtbar wirken ließ. Ihre Begleiterin hingegen war eine wahre Schönheit, die sogar in dem einfachen Kimono, den sie gekleidet war, so edel und elegant wirkte.
So gesehen waren diese beiden ein Kontrast wie Tag und Nacht.
„Ohime-sama“, sagte Akito, dem Koujis Neugier offenkundig nicht entgangen war. „Die Tochter unserer Herrin.“
Der junge Mann war weise genug, sich die Frage zu sparen, von welcher der beiden Damen er sprach. Tomoyos Mutter, die Herrin Tomoe, sprach manchmal von ihr, der naiven, durchschnittlichen Tochter Sakuyas, davon, wie wenig sie ihre liebe Freundin um ihren Nachwuchs beneidete, wie gesegnet sie sich mit ihren eigenen, wahrlich bemerkenswerten Kindern fühlte. Kouji hatte diese Bemerkungen schon von jeher als durchaus ungerecht empfunden, musste er schließlich, wann immer er diese verletzenden Worte hörte, an seine Mutter denken.
Was würde Yua wohl sagen, wenn sie ihn nun sehen könnte? Würde sie ihn noch immer verspotten und niedermachen, obwohl er nun im Dienste solch nobler Herrschaften, der Fürstenfamilie seiner Heimatprovinz Hisagi stand? Oder würde sie ihm nun endlich wenigstens ein kleines bisschen Anerkennung zollen?
Nun, wenn er ehrlich war, so wollte er es nicht herausfinden.
Akito seufzte leise.
„Sie ist so anders als Ojou-sama“, bemerkte er, dabei missbilligend, gar vorwurfsvoll klingend, als ob das arme Mädchen dadurch eine schreckliche Sünde begehen würde.
Kouji runzelte die Stirn, den Blick wieder auf die junge Prinzessin und ihre Begleiterin richtend. Die Worte der anderen hatten offenbar ein Lächeln auf ihr Gesicht gezaubert, dieses regelrecht zum Erstrahlen gebracht – an Anblick, der in dem Bediensteten ein warmes, wohliges Gefühl auslöste. Egal, wie gewöhnlich sie auch sein mochte, ihr Lächeln ließ sie wahrlich besonders erscheinen.
Kouji sah, wie die Begleiterin der jungen Herrin innehielt, sich, nachdem sie dieser eine kleine Verbeugung dargeboten hatte, abwendete, geradewegs auf den Raum, in dem sich die beiden Männer aufhielten, zustrebte. Die Prinzessin schaute ihr kurz nach, ehe sie ihre Aufmerksamkeit dann auf den kleinen Teich richtete, über dem sich eine Vielzahl von Libellen tummelten, Frösche ein lautstarkes Konzert gaben.
„Ah, Ayasaki, hier bist du also“, sagte die Bedienstete betont freundlich – und eindeutig gekünstelt. „Kannst du es dir denn leisten, deine wertvolle Zeit in der Gesellschaft unsere… Gastes zu vertrödeln?“
Akito hatte also einen Familiennamen, aus einer der niedrigen Gesellschaftsschichten stammte er also nicht. Nicht, dass dies irgendetwas zu bedeuten hätte, doch Kouji zog es vor, möglichst viel über die Menschen, mit denen er zu tun hatte, zu wissen. Akito verengte die Augen, erwiderte den süffisanten Blick der Frau mit verhaltener Freude.
„Ich halte mich lediglich an Ojou-samas Anweisungen.“
„Oh, und die bestehen also darin, dass du hier faulenzt? Die anderen Angestellten können sich genauso gut um deinen neuen Freund kümmern. Du hingegen solltest dich lieber wieder auf das konzentrieren, wegen dem du überhaupt erst hierhin abkommandiert wurdest, mein Lieber.“
Sie lächelte lieblich – ein Kontrast zu den scharfen Worten, die sie gerade erst noch an Akito gerichtet hatte. Dieser hielt ihrem Blick stumm stand, ehe er sich dann mit einem Seufzen erhob; offenbar verstand er, worauf die Dame hinauswollte.
„Nun gut, Riho-san, dann ist er nun deine Verantwortung.“
Die Frau, Riho, lächelte unbeeindruckt.
„Aber selbstverständlich – jedenfalls weiß ich schon, wer der ideale Unterhalter für unseren ehrenwerten Gast wäre!“
Akito drehte sich nochmal zu Kouji um, nickte ihm knapp zu, ehe er sich zum Gehen abwandte.
„In dem Fall bis zum nächsten Mal, Kouji-san.“
Der Bedienstete schaute Akito nach, der den Raum verließ, rasch in den Gängen des Anwesens verschwand – und rief sich ins Gedächtnis zurück, dass sein Name seit seiner Ankunft im Heim der Asatsuyu-Familie kein einziges Mal gefallen war.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast