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Death's Infinity

von atraealae
KurzgeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16
Hannah Baker
24.04.2015
24.04.2015
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Death's Infinity

Ich lag ganz still da und starrte an die Decke.
Das einzige Geräusch, das ich hörte, war das stetige Klopfen meines Herzens. Pochend pumpte es Blut durch meine Venen, während sich kalte Schweißtropfen auf meiner Stirn bildeten.
Warum schlief ich noch nicht?
Ich spürte, wie mein Atem schneller wurde, hörte die wimmernden Geräusche, wenn ich ausatmete. Ich müsste schon längst wegdämmern. Wenigstens ein bisschen schläfrig werden.
Doch alles was ich spürte, war Angst. Angst, die mir die Kehle zuschnürte und mein Herz noch schneller schlagen ließ.
Was, wenn es nicht funktionierte?
Ich schloss meine Augen und versuchte einzuschlafen, doch wie in so vielen vorangegangen Nächten gelang es mir auch heute nicht. Während sich ein flaues Gefühl in meinem Magen ausbreitete, drückte die Angst mir die Kehle weiter zu. Ich lag auf dem Boden und japste nach Luft, während in meinem Blickfeld farbige Pünktchen umhertanzten.
Die Zähne fest aufeinander gepresst krümmte ich mich zusammen, nur um mich danach wieder zu strecken und zu winden. Unregelmäßig flatterte mein Herz und mein Sichtfeld verschwamm vor meinen Augen, doch ich konnte nicht sagen, ob das nur an meinen Tränen lag.
Ich hatte schreckliche Angst.
So hatte ich es mir nicht vorgestellt, zu sterben. Schlaftabletten sollten einen doch friedlich zum Einschlafen bringen. War ich denn nicht einmal für den Tod gut genug?
Meine Hände und Füße begannen unangenehm zu kribbeln, während mir übel wurde.
Ich musste mich übergeben.
Röchelnd und würgend wälzte ich mich herum, versuchte zu atmen und gleichzeitig das Gefühl meines platzenden Magens loszuwerden, während mein Puls sich noch einmal beschleunigte.
Ich musste mich beruhigen. Gleichmäßig atmen. Einschlafen.
Frieden finden.
Doch ich konnte nicht.
Klauen der Todesangst hielten mich fest umschlossen und schüttelten mich. Setzten mich auf das Karussell des Todes bis mir schwindelig war.
Der Rand meines Sichtfeldes war mittlerweile gänzlich von grauen Schlieren bedeckt.
Ich hyperventilierte.
Oder zumindest glaubte ich das.
Meine gesamte Realität verzerrte sich. Die Geräusche, die ich hörte, wurden unwirklich. War ich das? Oder war es der Tod?
Krampfhaft ballte ich meine Hände zu Fäusten, während mir ein Schwall Erbrochenes im Rachen hochstieg, den ich direkt wieder verschluckte, weil ich  nach Luft schnappte.
Der Tod war nicht still.
Ich hatte ihn mir immer als einen sanften Kuss vorgestellt, der mich von allem erlösen würde, doch das war er nicht. Er war der Tod.
Eine Unendlichkeit, die zur Unendlichkeit führte.
Ich riss meine Augen auf und würgte wieder.
Der Tod war eine Unendlichkeit. Er hatte seine eigene Zeit. Sekunden waren Stunden und Stunden Minuten. Er war etwas Eigenes, Höheres.
Schmerzhaft krampfte sich mein Magen zusammen.
Der Tod war nicht schön oder romantisch.
Er war wie das Tor am Ende eines langen Flurs.
Und mein Herz klopfte an.
Er war unendlich und doch nicht greifbar; er umhüllte alles und war doch nicht zu sehen.
Aber er war noch etwas.
Unausweichlich.
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