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[Projekt] Ich will dich nicht...

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Connor Kenway OC (Own Character) Robert Faulkner
24.04.2015
04.10.2015
30
133.778
13
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
24.04.2015 2.518
 
Hallo ^^
Da ich in letzter Zeit das Bedürfnis hatte, zwischendurch etwas anderes zu schreiben, um mich so für mein Hauptprojekt "An deiner Seite" zu motivieren, habe ich mich dazu entschieden bei dem Projekt "Ich will dich nicht..." mitzumachen. Ich hatte vor kurzem den Gedanken, bei "An deiner Seite" gelegentlich aus Connors Sicht zu schreiben, was ich aber verworfen habe, da es mich irgendwie am Schreibfluss hinderte. Gereizt hat es mich allerdings weiterhin und so ist mir auch nicht aus dem Kopf gegangen, dass die liebe minervina in einer ihrer Reviews sagte, dass es sie durchaus interessiert hätte, auch schon zu Zeiten von "Freiheit". Mir ging es irgendwie ebenso und deshalb dachte ich, dieses Projekt bietet sich an, "Freiheit" einmal von einer anderen Seite zu betrachten und neu zu erzählen. Von Connors Seite.
Ich sage von vorneherein, dass ich mir zwar natürlich Mühe geben werde, Connors Charakter gerecht zu werden, allerdings bitte ich euch nicht allzu streng zu sein, solltet ihr zwischendurch der Meinung sein, dass dem nicht so ist. Vor allem da es schließlich ja auch um Liebe gehen wird, wird das eine ziemliche Herausforderung, der ich mich aber gerne stellen möchte.
Solltet ihr "Freiheit" nicht gelesen haben, so ist das nicht wirklich schlimm. Zwar werde ich vermutlich an einigen Stellen nicht zu sehr ins Detail gehen, da ich vermeiden möchte, irgendwelche Textpassagen zu kopieren und umzuschreiben, aber ich möchte versuchen, eine vollkommen andere Geschichte zu schaffen und auch wenn "Freiheit" und seine Handlung bekannt sein sollte, so hoffe ich, dass ich es trotzdem schaffe, diese "Neuauflage" spannend und unterhaltsam zu halten. :)
Erwartet übrigens keine Regelmäßigkeit bei der Veröffentlichung der Kapitel. Ich schreibe zwischendurch immer mal weiter, weshalb ich nicht sagen kann, in welchen Abständen es weitergehen wird.

Zu guter Letzt hier noch der Link zum Projekt: http://forum.fanfiktion.de/t/21704/4
Ich habe die Sätze in eine eigene, für meine Zwecke passendere Reihenfolge gebracht. Lasst euch überraschen. Ich tu es auch. ;)
Viel Spaß

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1. Ich will dich nicht fragen


Januar 1783

Der eiskalte Wind trieb die Schneeflocken stetig vor sich her. Ein weißer Schleier hatte sich bereits über das Land gelegt, das in vollkommener Dunkelheit dalag. Das einzige Licht spendete die Laterne, die mit jedem Schritt ihres Trägers hin und her schwenkte. Er behielt alles genau im Blick. Besah sich jeden Winkel seiner Umgebung. Trotzdem bemerkte er weder, dass sein Kamerad schon seit einiger Zeit nicht mehr auf seiner Patrouille seinen Weg gekreuzt hatte, noch den Schatten, der hoch oben in einer Baumkrone hockte und zu ihm hinunter blickte. Es wäre ein leichtes für diesen Schatten gewesen, den unvorsichtigen Wachmann zu töten. Er hätte einfach abspringen und ihm bei der Landung seine Klinge in den Nacken rammen können. Doch er, Connor, hielt sich zurück.

Der Grund war sie. Eine junge Frau, die vor kurzem an einem offenstehendem Fenster erschienen war und trotz der Kälte dort stehen blieb und scheinbar wie er selbst den Wachmann beobachtete. Würde sie Connor entdecken, würde sie sicher anfangen zu schreien. Jarvis, der Templer den er schon seit Tagen beschattete und von dem er sich die Informationen erhoffte, die er brauchte, wäre alarmiert und er würde sicher all die Wachleute um sich scharen, die noch irgendwo hier lauern mussten.

Es wunderte Connor eigentlich, dass er bisher nur diese beiden Männer auf dem Hof entdeckt hatte. Den einen hatte er bereits unschädlich gemacht. Es fehlte nur noch der Mann unter ihm, doch noch immer stand die Frau am Fenster. Nun geh schon , dachte Connor und löste kurz eine Hand von dem Ast, auf dem er hockte. Die Kälte fraß sich bereits durch seine dünnen Handschuhe und er konnte keine klammen Finger gebrauchen, sollte er erneut klettern müssen.

Der Wachmann näherte sich bereits wieder seinem Standort, die Gelegenheit ihn zu töten wäre wieder gegeben, doch noch immer starrte Connor zu der jungen Frau hinüber. Aber da wandte sie sich endlich ab und verschwand in den Schatten des Raumes, in dem sie sich befand. Connor wartete erst gar nicht ab, dass sie vielleicht zurückkehrte. Er ließ sich fallen und noch während er auf dem Rücken des Mannes landete, bohrte er ihm seine versteckte Klinge in den Nacken. Der Mann konnte keinen Laut mehr von sich geben. Er war sofort tot.

Langsam richtete Connor sich auf und blickte kurz zu dem Fenster hinauf. Es war niemand zu sehen. Der Assassine packte den Toten bei den Armen und zog ihn ein Stück abseits des Hofes, wo er ihm im Schatten des Stallgebäudes ablegte. Er hob eine Handvoll Schnee auf und während er auf das Haupthaus zu schlich, wusch er sich damit das Blut von den Händen. Selbst nach all den Jahren und all den Menschen, die durch seine Klingen den Tod gefunden hatte, konnte und wollte Connor sich nicht an dieses Gefühl an ihnen gewöhnen.  Nicht aus Reue oder aus Ekel, sondern weil er schlicht und ergreifend bestimmte Tode nicht länger als nötig im wahrsten Sinne mit sich herum tragen wollte. Er kannte die Namen seiner letzten beiden Opfer nicht, doch zu sehen, wie sie wehrlose Männer und Frauen, sogar Kinder schlugen, damit sie taten, was man ihnen sagte, war für ihn Grund genug, dass sie den Tod verdienten. Nun waren sie tot und somit waren sie für Connor Geschichte. Er musste nach vorne blicken. Zu seinem eigentlichen Ziel.

Der Assassine blieb vor der Veranda des Hauses stehen. Er hatte es sich bereits bei Tageslicht genau angesehen und hatte versucht auszumachen, an welcher Stelle er am besten hinein gelangen konnte. Türen und Fenster waren allesamt geschlossen und vermutlich verriegelt. Er hätte eine der Türen aufknacken können, doch wollte er vermeiden, dass er auf dem Weg durch das Haus irgendwelche unliebsame Begegnungen machte. Jarvis befand sich sicher im oberen Stockwerk, denn nirgendwo brannte Licht, was ihm sagte, dass die Bewohner des Hauses schliefen und nach all dem, was er in den letzten Tagen gesehen hatte, waren dies nur Jarvis Männer, die Sklaven, der Templer selbst und die junge Frau, die er gerade an dem Fenster gesehen hatte. Er hoffte, Jarvis schnell stellen zu können, ohne die anderen irgendwie auf sich aufmerksam zu machen.

Kurz streckte Connor die Arme durch, ließ seine Fingerknöchel knacken und lief schließlich mit langen Schritten auf die Hauswand zu. Gezielt ergriff er den oberen Rahmen eines Fenster und nutzte den Schwung seines Anlaufes, um mit den Füßen ein Stück an der Fassade hochzulaufen, nur um sie am unteren Rahmen abzustützen, sich abzudrücken und geschickt Stück für Stück zum Vordach der Veranda zu klettern. Darauf blieb er zunächst hocken und ließ seinen Blick über die Fensterreihe über sich schweifen. Hier musste er irgendwo hinein und er versuchte ein Fenster auszumachen, dass sich vielleicht mühe- und geräuschlos aufbrechen ließ. Doch er fand etwas viel besseres. Ein offenes Fenster, jedoch erinnerte er sich schnell an den Grund, warum es offen stand. Es war das Fenster, in dem er die junge Frau gesehen hatte. Sie konnte sich immer noch in dem Raum dahinter befinden, doch musste er diese Chance nutzen.

Entschlossen kletterte Connor zu eben jenem Fenster hinüber, doch bevor er hindurch kletterte, warf er einen Blick in den Raum. Er war dunkel, doch als in diesem Moment der Mond hinter den Wolken auftauchte, hüllte er ihn in ein schwaches Licht. Es war ein Schlafzimmer. Das große Bett war bis auf die Tatsache, dass die Bettdecke fehlte, unberührt. Connors Blick glitt zu dem Kamin, in dem nur noch eine schwache Glut schwelte und in dem Sessel davor entdeckte er eine zusammengesunkene Gestalt. Es war die Frau. Sie war in die Bettdecke gewickelt und schien zu schlafen.

Vorsichtig, um keinen Laut zu erzeugen, schob Connor das Fenster mit einer Hand noch weiter auf und hievte sich schließlich hindurch. Kurz sah er zu der Frau hinüber, doch sie schien noch immer zu schlafen. Vollkommen lautlos trat der Assassinen neben das Fenster, lehnte sich gegen die Wand und spähte hinaus. Nun, da der Mond den Hof erleuchtete, wollte er sehen, ob er nicht einen Wachmann übersehen hatte. Doch bisher lag alles vollkommen ruhig da und Connor wollte sich gerade wieder dem Raum zuwenden, als vom Sessel her ein Rascheln zu ihm drang. Es klang, als würde sich die Frau aufrichten und es reichte für Connor nur ein Blick um zu sehen, dass sie es tatsächlich tat.

Sie hatte ihre Hand offenbar nach dem Schürhaken neben dem Kamin ausstrecken wollen, doch Connor war schon bei ihr. Mit einer Hand packte er sie an einer Schulter, drückte sie in den Sessel zurück und hielt ihr die versteckte Klinge an die Kehle. Halte deine Klinge fern vom Fleisch Unschuldiger, das hatte das Assassinenkredo ihn gelehrt, doch er hatte sicher nicht vor sie zu töten. Er musste verhindern, dass sie schrie und wenn er sie dafür bedrohen musste, so blieb ihm vorerst keine andere Wahl. Doch sie gab keinen Laut von sich. Er hörte bloß, wie ihre Atmung sich beschleunigte und im fahlen Mondlicht konnte er ihre weit aufgerissenen Augen glänzen sehen. Sie hatte Angst und er hatte das Gefühl, dass sie nichts tun würde, was ihn dazu bringen könnte, ihr zu schaden.

Mit einem leisen Schaben glitt die versteckte Klinge in die Halterung an seiner Armschiene zurück und Connor sah, wie die Frau sofort nach ihrem Hals tastete. „Ich tu dir nichts“, sagte der Assassine ruhig, doch war ihre Stimme dennoch ein panisches Krächzen, als sie reagierte. „„Was….was wollt ihr hier? Ihr habt hier nichts zu suchen!“ Es war seltsam, wie sehr manche Menschen noch auf die eigentliche Sicherheit ihres Heimes plädierten, wenn diese eigentlich längst verletzt worden war. Natürlich hatte Connor hier nichts zu suchen. Doch was brachte es ihr, ihn darauf hinzuweisen? Er stand vor ihr, bewaffnet und er könnte sie noch immer töten, wenn er die Absicht hätte. Nichts würde ihn abhalten, noch nicht einmal diese versteckte Rüge und auch wenn er sie nicht töten wollte, so würde er sicher nicht gehen. Auch nicht angesichts ihrer anwachsenden Panik.

Er wünschte sich, er hätte einen anderen Weg als ihr Zimmerfenster gewählt, denn bisher hielt sie ihn auf und er wusste nicht, wie er diese Situation lösen sollte, ohne sein Vorhaben zu gefährden.  Ich will dich nicht fragen müssen, dachte er grimmig, als er in diese ängstlichen Augen sah. Je länger er sich hier aufhielt, desto höher lag die Wahrscheinlichkeit, dass ihn irgendwer hier entdeckte, oder dass sie womöglich doch anfing zu schreien. Connor trat einen Schritt von ihr zurück und erhob beide Hände, um ihr zu zeigen, dass sie keine weiteren Waffen trugen. Er hoffte, dass es sie ein wenig beruhigen würde und dass sie eben nicht beginnen würde zu schreien. „Ich werde dir nichts tun. Ich will nur wissen wo sie sind“, sagte er, doch schienen seine Worte sie nicht zu beruhigen. Sie wirkte nun eher verwirrt. „Wo wer ist?“
„Robert Faulkner, David Walston und ein Mann namens Norris. Ich weiß dass man sie her gebracht hat, doch ich konnte sie hier nicht finden. Also: Wo sind sie?“

Mit jedem gesprochenen Wort wurde er ernster, denn es war, als würde er sich selbst dadurch an die Dringlichkeit seines Vorhabens erinnern. Es war nun fast eine Woche her, dass seine drei Freunde verschwunden waren und bisher hatte er keine Spur zu ihnen finden können. Zumindest bis er erfuhr, dass sie hierher gebracht werden sollten. Zu Richard Jarvis, einem Sklavenhändler. Doch Connor hatte sich in dieser Nacht bereits auf dem Grundstück umgesehen und es sah ganz danach aus, als wären seine Informationen falsch gewesen oder Jarvis hatte Faulkner, Big Dave und Norris bereits weggebracht. Das galt es nun herauszufinden, doch er hatte nicht das Gefühl, dass die Frau ihm dabei helfen konnte.

„Ich…weiß es nicht“, stotterte sie und Connor war gewillt, diese Worte als wahr anzusehen. Sie hatte noch immer Angst und wenn sie nicht gerade eine exzellente Schauspielerin war, so war es unwahrscheinlich, dass sie log. „Aber der Mann mit dem du hier lebst weiß es. Er hat es eingefädelt oder etwa nicht?“, fragte der Assassine. „Ja aber…er ist nicht hier er ist in Boston. Er kommt erst morgen zurück.“ Jarvis war nicht hier? Wie hatte er das nicht merken können? Er musste ausgerechnet dann aufgebrochen sein, als Connor kurzzeitig seinen üblichen Beobachterposten verlassen hatte. Der Assassine hätte sich selbst dafür schelten können. Er war vollkommen umsonst hier. Oder auch nicht?

Nachdenklich sah er die Frau an, die ihn noch immer anstarrte, als fürchtete sie um ihr Leben. Das tat sie wohl auch. Wenn sie solche Angst vor ihm hatte, so konnte sie ihm sicher doch eine unerwartete Hilfe sein. „Gut, dann wird er mir morgen alles erklären und du hilfst mir dabei, ihn dazu zu bringen.“ Connor trat an ihr vorbei zum Fenster und schloss es. „Komm nicht auf die Idee hinaus zu springen. Du würdest dir alle Knochen brechen.“ Er bezweifelte zwar, dass sie so dumm sein würde, doch er musste sicher gehen, dass sie wirklich keine Fluchtversuche unternahm. Wenn Jarvis nicht hier war, so war sie vielleicht Connors einzige Möglichkeit, doch noch an den Templer heran zu kommen. Wenn sie um ihr Leben fürchtete, so würde Jarvis dies auch tun und Connor sagen, was er wissen wollte um sie zu retten. Ihr Leben gegen das seiner Freunde.

Der Assassine trat an die Zimmertür, zog den Schlüssel aus dem Schlüsselloch und öffnete die Tür ein Stück. Kurz sah er prüfend in den Flur und lauschte, ob sich jemand in der Nähe befand. Er konnte noch immer nicht sicher sein, dass nicht irgendwo noch weitere Wachen waren. Langsam drehte er sich zu der Frau um und sagte vollkommen ruhig und gleichgültig: „Zu schreien nützt dir ebenso nichts, es ist niemand hier der dir helfen würde. Ich würde vorschlagen du verhältst dich ruhig und morgen ist dann alles vorbei. Dir wird nichts passieren.“ Connor hoffte, dass sie seinen Worten Glauben schenkte und sich tatsächlich ruhig verhielt. Er würde das Haus nach Wachen durchsuchen müssen, doch brauchte er dabei keine hysterische Frau, die dabei irgendjemanden auf ihn aufmerksam machen konnte.

Connor verließ den Raum, schloss die Tür hinter sich und drehte den Schlüssel im Schloss um. Er hörte noch ihre Schritte, die auf die Tür zu eilten, doch er hatte sich längst abgewandt, als sie gegen die geschlossene Tür schlug und ihm wütend hinterher rief. Offenbar schien sie kurzzeitig ihre Angst vergessen zu haben, doch Connor kümmerte sich nicht weiter um sie. In seinen Gedanken war er längst dabei, über den neuen Weg, den er gehen musste, nachzudenken. All das hatte sich anders entwickelt, als er es erwartet hatte. Er hatte Jarvis direkt stellen wollen, ohne größere Umwege. Er hatte nie vorgehabt, die Frau irgendwie zu involvieren, denn sie schien im von Anfang an nichts mit Jarvis´ Geschäften zu tun gehabt zu haben. Er hatte sich nie mit ihr befassen und sie somit auch nie nach seinen Freunden fragen wollen, denn schlussendlich hätte sie ihm mehr Probleme bereiten können, als er gebrauchen konnte. Doch durch sie hatte er erfahren, dass Jarvis nicht hier war und durch sie würde er schon bald wissen, wo seine Freunde waren und sie Nachhause holen.
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