Wer nichts wagt

von Huelk
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Esteban Gutiérrez Nico Hülkenberg Sergio Pérez
21.04.2015
21.04.2015
1
2.555
7
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21.04.2015 2.555
 
Kommentar: Hallo Ihr Lieben. Nach dem positiven Feedbackkonnte ich es einfach nicht lassen und habe quasi einen zweiten Teil zu  „Alles oder nichts“ geschrieben. Im Grunde ist es die Szene aus Estebans Sicht und soll ein wenig Aufschluss über Checos Pläne geben. Man muss den ersten Teil aber nicht zwingend kennen. Viel Spaß damit!

Disclaimer: Der Inhalt des Oneshots ist frei erfunden und entspringt lediglich meinen eigenen Gedanken. Einzig und allein die Rennergebnisse und das Datum entsprechen der Realität, der Rest ist fiktiv. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, verdiene kein Geld damit und möchte auch keinem zu nahe treten.





Wer nichts wagt



Suzuka, Japan
13. Oktober 2013


Das konnte doch nicht wahr sein!
Er hatte es sich so fest vorgenommen. Nachdem Checo ihn stundenlang aufgebaut hatte, glaubte er, dass er es diesmal hinbekommen würde. Immerhin hatte sein Freund geschlagene zwei Stunden ermutigend auf ihn eingeredet. Danach hatte er sich so selbstsicher gefühlt, dass ihm sein Vorhaben wie ein Kinderspiel erschienen war. Und nun?
Am liebsten wäre er sofort im Erdboden versunken. Er konnte spüren, dass seine Wangen knallrot sein mussten. Das war aber auch peinlich gewesen. Dabei hatte es sogar einen vernünftigen Grund gegeben, Nico aufzusuchen. Sie waren beide in die Punkte gefahren und er hatte den Deutschen sogar vollkommen alleine erwischt. Das war schon fast wie ein Sechser im Lotto, denn bekanntlich war man hier nie alleine. Es wäre der ideale Zeitpunkt gewesen, es zu sagen, aber dann...

„Ich hab's schon wieder vermasselt“, räumte er gequält ein und traute sich nicht, Checo dabei anzusehen. Stattdessen schlug er die Hände vors Gesicht und sank auf seinem Platz noch mehr zusammen. Der Ältere musste ihn doch langsam für total dämlich halten.
Er hörte, wie der McLaren-Pilot einen irrtierten Laut von sich gab, bevor er fragte: „Wie hast du das denn wieder fertig bekommen? Jetzt mal ehrlich, der Zeitpunkt war doch...“
„Perfekt“, unterbrach er seinen Landsmann und sah dabei verzweifelt zu ihm auf. „Ich weiß. Perfekter geht nicht. Aber ich... keine Ahnung!“ Es war zum Heulen. Warum konnte er nicht so locker und offen sein wie Checo? Warum musste er so verdammt schüchtern sein? Er hasste das. Er konnte nicht mal so locker drauflos reden und abwarten, was passiert. Er dachte immer viel zu viel nach und am Ende führte das nur dazu, dass er seine Chancen ungenutzt ließ. Er hätte sich eine reinhauen können.

Das Schlimmste war, dass Checos Blick seine eigene Verzweiflung inzwischen widerspiegelte. Kein Wunder. Sein Freund hörte sich dieses Theater schon die ganze Saison über an. Er musste es dem Älteren schon hoch anrechnen, dass er ihm nicht längst gesagt hatte, dass er ihn mit diesem Mist verschonen sollte. Er wusste, dass er furchtbar anstrengend war.
„Also... ich weiß ja nicht, wie oft ich dir das schon gesagt habe, aber wenn du nichts wagst...“, setzte Checo zum gefühlt hunderttausendsten Mal an.
„Dann werde ich auch nichts gewinnen, ich weiß“, beendete er den Satz und klang selbst in seinen eigenen Ohren unsäglich unglücklich. Er wusste, dass nur er selbst seine hinderliche Situation ändern konnte, aber er wünschte sich eben, dass Nico von sich aus kommen würde. Es wäre so viel leichter, wenn er sich sicher sein könnte, dass sein Teamkollege wenigstens ähnlich fühlte, aber er war sich halt nicht sicher.

Für einen Moment blieb es still zwischen ihnen. Checo kratzte sich ein bisschen ratlos am Hinterkopf, während er selbst tief seufzte und die Steinplatten unter seinen Füßen musterte.
Er liebte Nico. Dessen war er sich schon seit einer ganzen Weile sicher. Er mochte es, wenn sie Zeit miteinander verbrachten. Er nutzte jede Gelegenheit dafür. Er war froh, dass der Blonde so bereitwillig mit ihm trainierte, dass er auch nach gemeinsamen Presseterminen oft noch etwas mit ihm unternehmen wollte und sich immer Zeit nahm, die technischen Daten nach den freien Trainings mit ihm zusammen auszuwerten.
Nico hatte eigentlich nie schlechte Laune. Sie hatten so viel Spaß miteinander. Besonders dann, wenn Nico es sich herausnahm, Monisha Kaltenborns strengen Ton zu imitieren oder Peter Saubers wilde Gestikulation. Er musste oft über den trockenen Humor oder die Bemerkungen des Deutschen lachen und er ließ sich so gerne von ihm mitziehen.
Es war ihm immer schwer gefallen, richtig aus sich herauszukommen. Aber mit Nico war das leichter und es gelang ihm immer besser. Er wollte ihm so gerne sagen, was er für ihn bedeutete, was er alles für ihn tat, ohne es zu wissen, aber... Er traute sich eben nicht.


„Dabei hätte der Typ es doch echt mal langsam begreifen können“, grummelte der Ältere plötzlich und riss ihn damit wieder aus seinen Gedanken. Offensichtlich war sein Blick sehr fragend, denn Checo fuhr gleich fort: „Oder etwa nicht? Ich meine, wie oft hast du ihm jetzt schon gesagt, dass er gut ist, dass was drauf hat... Wie viel Bestätigung braucht der denn?“
„Hey, hör auf so zu tun, als müsste er ständig hören, dass er toll ist. So einer ist er ja wohl wirklich nicht!“, empörte er sich. Das konnte Checo doch nicht einfach so sagen! Nico war nicht so eingebildet, das wusste er einfach. Er hätte es gemerkt, wenn es so wäre.
Checo stöhnte ein bisschen genervt. „Schon klar, nichts gegen Nico. Aber mal ganz im Ernst, könntest du nicht auch mal so entschlossen sein, wenn du versuchst es ihm zu sagen?“
Ja, das würde bestimmt helfen, aber das war eben leichter gesagt, als getan. Er konnte nichts weiter tun, als einmal mehr beschämt den Blick zu Boden zu richten. Er wollte doch entschlossen sein und sicher war er sich ja auch, aber... Innerlich verdrehte er selbst über sich die Augen.

„Du machst es dir echt ganz schön schwer“, murmelte Checo, sodass er sich nicht sicher war, ob sein Freund das mehr zu sich selbst sagte. Da war zumindest was dran. Er tat sich wirklich ziemlich schwer damit. Er könnte verstehen, wenn Checo langsam keine Lust mehr hatte, sich das anzuhören.
„Tut mir leid“, nuschelte er deprimiert. „Ich dachte echt, diesmal kriege ich das hin, aber... Ich weiß auch nicht, als er mich so angesehen hat und ich es ihm sagen wollte und... Ich hab einfach Angst gekriegt.“ Das hörte sich für ihn selbst schon total daneben an.
„Wovor denn? Meinst du, Nico frisst dich auf, nur weil du dich in ihn verknallt hast?“, fragte Checo und manchmal könnte er ihm für seine direkte Art den Hals umdrehen. Das half ihm gerade überhaupt nicht, wenn sein Freund das hier noch so laut aussprechen musste.
Er versuchte, den Älteren wirklich böse anzusehen, aber das schien seine Wirkung zu verfehlen. Anderenfalls hätte er ihm jetzt kaum lachend mit einer Hand durch die Haare gewuschelt. „Lass das gefälligst!“, versuchte er abzuwehren, aber er klang mal wieder viel zu freundlich dabei. Er schaffte es leider nie beeindruckend zu wirken.

„Okay, weißt du was?“, sagte Checo schließlich und irgendwas an seinem Ton verriet schon, dass er gerade wieder so eine beknackte Idee im Kopf hatte. Das hatte ihm jetzt gerade noch gefehlt. Er glaubte nicht, dass er heute noch eine verrückte Idee seines Freundes verkraften würde, also verzog er unwillig das Gesicht.
„Fang bloß nicht wieder so an...“, bat er und hoffte, dass der Ältere ihn verschonen würde. Tat er aber natürlich nicht.
„Erst mal zuhören, dann kannst du immer noch meckern!“, wies Checo ihn gespielt autoritär an. Er konnte sich nicht wirklich vorstellen, dass sein Landsmann sowas wie Autorität besaß, aber er ließ ihn besser in einem anderen Glauben. „Also, pass mal auf... Nico steht da drüben und der glotzt schon die ganze Zeit herüber.“
Checo machte eine Kopfbewegung, die wohl unauffällig sein sollte, in die Richtung, die er meinte und sofort verspannte sich er sich wieder. Es machte ihn immer nervös, wenn Nico ihn ansah, aber... „Nico glotzt nicht!“
Sofort hob Checo entschuldigend die Hände. „Von mir aus, dann guckt er eben zuckersüß hier rüber.“ Bei dem Unterton fand er das jetzt auch nicht unbedingt besser, aber okay... „Da du dich ja nicht traust, ihm zu sagen, was du fühlst, müssen wir halt rausfinden, wie es bei ihm aussieht.“

Er konnte nicht verhindern, dass er jetzt frustriert stöhnte. „Man, Checo, das habe ich doch schon hundert Mal versucht. Das finden wir doch nie raus.“ Er merkte selbst, dass er mutlos klang, aber er hatte Nico doch so oft nette Worte gesagt. Entweder der Deutsche verstand wirklich nicht, was er ihm damit signalisieren wollte oder er wollte es nicht.
„Aber wenn er dich mag, also so richtig mag, dann müsste es ihn doch tierisch nerven, wenn ich mich an dich ranmache, oder?“ Das meinte der Ältere jetzt ja wohl hoffentlich nicht ernst. Wie blöd war das denn? Das klappte sowieso nur in Filmen und überhaupt...
„Hast du sie noch alle? Ich will ganz bestimmt nicht, dass du dich an mich ranmachst!“ Das war auch so alles schon peinlich genug. Da brauchte er nicht noch eine Show von Checo, die alles noch schlimmer machte.
„Komm schon, wir sind schon so lange befreundet, da könntest du mir ruhig mal vertrauen“, schmollte Checo jetzt und er hasste es, wenn er das tat. Wie sollte man so einem Blick denn widerstehen?

Er seufzte, bevor er zugab: „Das tue ich ja, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut geht. Ich meine... nachher glaubt er das wirklich und dann traut er sich vielleicht erstrecht nicht, mich anzusprechen.“
„Macht er so ja auch nicht. Außerdem denke ich eher, dass er mir dann fürchterlich eine reinhauen will“, gab Checo sich weiterhin optimistisch.
Überzeugt war er davon trotzdem nicht. Das konnte schließlich auch gewaltig nach hinten losgehen und er wollte auch nicht, dass Nico etwas Falsches von ihm dachte. Auf der anderen Seite hatte Checo natürlich vollkommen recht. Wenn er nicht rausfand, wie Nico fühlte, dann würde das nie etwas werden und dann würde er vermutlich noch in fünf Jahren unglücklich herum sitzen und sich fragen, ob er eine Chance bei Nico hatte.

„Also, ich glaube schon, dass er dich zumindest sehr gern hat“, sagte Checo nun wieder mit aufmunternder Stimme. „Ich denke nicht, dass er sonst so viel Zeit mit dir verbringen würde und selbst, wenn er nicht auf dich steht, ich denke nicht, dass er nicht mehr mit dir reden würde, wenn du ihm sagst, was los ist.“
Wenn Checo das sagte, klang es immer so leicht. War es aber leider nicht. Er wollte ihm ja glauben, aber er war hin und hergerissen zwischen der Hoffnung, dass etwas dran sein könnte und der Angst, dass es in einer Katastrophe enden würde.
„Okay, aber wie willst du das denn anstellen? Du kannst doch jetzt nicht so tun, als wären wir zusammen. Hier sieht uns doch jeder“, gab er zu bedenken, aber er fürchtete schon, dass Checo das herzlich egal war.
„Na und? Er guckt doch eh schon die ganze Zeit. Ich muss dich ja nicht küssen, aber...“ Sein Freund hielt kurz inne, als er sein ungewolltes Grinsen bemerkte. „Was? Das kann ich ganz toll!“
„Das will ich gar nicht wissen“, entgegnete er. Checo sollte ihm nicht beweisen, was für ein ausgezeichneter Küsser er war, er sollte ihm helfen, Nico näherzukommen.
„Schon gut“, grummelte Checo und legte dabei einen Arm um ihn. „Aber es ist nicht sehr nett, dass du von Nico immer so schwärmst und gleichzeitig so tust, als hätte ich Herpes oder so...“
Er konnte nicht verhindern, dass er über Checos gespieltes Schmollen lachen musste. Das konnte keiner so gut wie er. Er war froh, dass er so einen Freund wie ihn hatte, als...


Er war viel zu perplex, um irgendwie reagieren zu können, als Nico plötzlich vor ihnen stand und die Arme vor der Brust verschränkte. Checo hatte doch noch gar nichts gemacht und dass sein Teamkollege plötzlich so böse aussah, behagte ihm auch nicht. Er sah, wie er Checo ein wenig unsanft zur Seite stieß, bevor er das Wort an ihn richtete: „Wir müssen reden.“
Was sollte das? Er konnte Nico nicht wirklich folgen. Das ging alles ein bisschen zu schnell. Das konnte unmöglich nur daran liegen, dass Checo einen Arm um ihn gelegt hatte. Das war doch absurd und außerdem... Nein, er hatte Nico bestimmt mit irgendetwas verärgert, aber mit was? Hatte er etwas gesagt oder getan, das dem Deutschen nicht gefiel?
„Was ist denn dein Problem?“, mischte sich Checo stattdessen ein und klang selbst ein wenig überrascht. Vermutlich hatte nicht mal er mit einer solchen Reaktion gerechnet.
Aber Nico sah nicht einmal dem McLaren-Fahrer. Er starrte nur ihn an. Die ganze Zeit. Was sollte das? Er verstand das nicht so richtig. Er wollte Nico nicht wütend machen oder etwas in der Art.

„W-worüber denn?“, stammelte er also und verfluchte sich im Stillen dafür, dass er immer so verunsichert klang. Er würde so gerne selbstbewusster sein und nicht immer nur so tun, als ob er das sei. Für den Rennsport musste er es natürlich, aber eigentlich war er sich seiner selbst oftmals nicht besonders sicher.
„Hast du was mit ihm?“, fragte Nico so plötzlich, dass er ihm nicht sofort folgen konnte und deutete dabei auf Checo. Es dauerte einen Moment, bevor er begriff, was genau Nico damit meinte. Aber das... das war doch... Sie hatten noch gar nichts gemacht...

„N-Nico...“, war alles, was er hervorbrachte. Er wollte ja etwas dazu sagen, aber was? Wie sollte er das anstellen? Er war immer viel zu aufgeregt, wenn Nico vor ihm stand.
Er sah, wie der Blonde selbst mehrfach den Mund öffnete, dann aber doch wieder schloss. Er wirkte fast so, als hätte er sich soeben selbst überrascht. Was passierte hier nur?
„Was ist denn bei dir nicht in Ordnung?“, ergriff also Checo das Wort und aus dem Augenwinkel sah er, wie sein Freund Nico ein bisschen beleidigt ansah.
Aber er wollte nicht riskieren, dass die beiden wirklich noch aufeinander losgingen, also gab er lieber rasch zu: „Nein, hab ich nicht.“ Seine Wangen wurden glühendheiß, als er das gesagt hatte. Es fiel ihm schwer, klar zu denken, allerdings war ihm auch klar, dass das die beste Gelegenheit war, ihn zu fragen. „Warum willst du das denn wissen?“

Er beobachtete, wie Nico tief Luft holte und sich den Nacken rieb. Das sah so süß aus, aber das konnte er jetzt schlecht sagen und er schämte sich auch gleich wieder für diesen Gedanken, auch, wenn den außer ihm keiner bemerkte.
„Entschuldige ich... das war so nicht geplant“, begann Nico nun etwas weniger aufgebracht. Checo schnaubte, was den Deutschen kurz unterbrach. „Ich weiß, dass mich das gar nichts angeht. Aber ich... also...“
Es war kaum mit anzusehen, wie schwer Nico sich tat. Er konnte seine Worte kaum glauben. Versuchte Nico ihm gerade wirklich zu sagen, dass... Aber das war doch unmöglich...

„Na endlich!“, rief Checo plötzlich aus und fast wäre er dabei zusammengezuckt. Musste der immer so unsensibel dazwischen brüllen? „Ich dachte schon, das passiert nie mehr. Na los. Nun sagt euch schon, wie lieb ihr euch habt. Diesen Eiertanz kann sich ja keiner mit angucken!“
Er musste gegen den Drang ankämpfen, sich die Hand vor die Stirn zu schlagen. Er mochte Checo. Sehr sogar. Er war sein aller bester Freund, sein größter Halt hier, fast schon wie ein Bruder, aber... Manchmal war er dermaßen daneben...
„Wunderbar, dann kann ich ja gehen“, fügte Checo noch hinzu und noch ehe einer von ihnen etwas hätte sagen können, war er auch schon verschwunden.
Sollte er ihm nachher danken oder lieber eine verpassen?
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