Gefängnis aus Mustern

GedichtAllgemein / P12
19.04.2015
19.04.2015
1
350
5
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
19.04.2015 350
 

Man fragt mich, ob ich zufrieden sei,
Nein, sage ich, denn ich bin nicht frei.

Ich lebe in einem Gefängnis aus Mustern,
die Gitter aus Normen und Konventionen.
In Freiheit leben, das würde ich gern,  
Fragt sich nur, wo würd‘ ich dann wohnen?  

In dieser Welt gibt es keine Freiheit im Denken.
Unvoreingenommen kann man nicht sein.
Selbst wenn ich versuche mich selber zu lenken.
Einflüsse und Wissen schränken mich ein.

Man fragt mich ob ich zufrieden sei,
wozu die Frage will ich wissen.
Die Antwort ist dir einerlei.
Wir sind doch alle Egoisten.

Menschen und Dinge, die uns nicht betreffen,
haben wir viel schneller vergessen.
Interessen und Meinungen, die für uns fremd sind,
können wir nur an eigenen Maßstäben messen.  

Alles wird ständig analysiert,
Unnötiges stundenlang diskutiert,
Wichtiges nur erkannt, nicht gebannt,
oder sogar schlichtweg ignoriert.
Solange es uns nicht passiert.

Ich stehe vor einer Mauer aus Blindheit.
Ein jeder hat sich einen Käfig gebaut.
Der Einfachheit halber, Bequemlichkeit.
Der uns die Sicht auf die Wirklichkeit raubt.

Ich geh durch die Stadt und sehe mich um.
Kaum einer schaut um sich herum.
Niemand schaut mir ins Gesicht,
sie ziehen vorbei und beachten mich nicht.

Ich würd‘ gern wissen was sie denkt,
das Mädchen in der Gruppe dort.
Trägt kurz den Rock, Gesicht und Sorgen
unter viel Schminke gut verborgen.
Sie wirkt als ob an jedem Ort,
sie alle Blicke auf sich lenkt.

Nur der müde, träumerisch trübe
Ausdruck ihrer schwarzen Augen,
lässt mich ahnen, lässt mich glauben,
dass die Vorgaben der Welt,
sowie der Druck der Konventionen,
wohl auch ihr die Freude rauben.

Sie anzusprechen trau ich mich nicht.
Das wäre komisch, nicht normal.
Sie würde glauben ich bin nicht ganz dicht.
Man kennt sich halt nicht, ach ist auch egal.
Und trotzdem  - all diese Leute.
Ich möchte wissen wer sie sind.
Warum sind wir für andre blind?

Es gibt viele, gar Millionen
Übliche Muster und Methoden
die unser Denkvermögen schonen,
Freiheit, was? Wieso denn?

In einem Käfig bin ich sicher.
Fesseln sind mir fast sympathisch.
Ich fühl mich wohler im Gewohnten.
Die Gitter sind selbstverständlich quadratisch.
Review schreiben