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Vorahnung

GeschichteAllgemein / P12
Gandalf Legolas Thranduil
18.04.2015
11.12.2016
23
33.702
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01.11.2015 1.651
 
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Ana glitt aus dem Sattel, ihre Stiefel erzeugten ein lautes Donnern auf den glatten weißen Steinen. Gandalf glitt beinahe leichtfüßig neben sie, nahm ihr die Zügel von Nahorin aus der Hand. Sie nickte ihm zu, die Bewegung hat ihren Körper gestärkt, die Müdigkeit verdrängt. Ihr Augen blitzten kalt, als sie das Empfangskomitee musterte. Die acht Männer standen da, gekleidet in samtene Hosen und seidene Hemden. Die schwarzen Lederstiefel glänzten und blitzen in der aufgehenden Sonne. Ihre Mäntel waren aus schwerem Samt und mit Satin gefüttert. Der Saum war je nach Rang mit mehr oder weniger Fell gesäumt, bei dem einen in reinem Schwarz oder grau, bei anderen gescheckt. Ihre Köpfe zierten Stirnreifen oder niedrige Kronen. Um ihren Hals hingen dicke goldenen Ketten mit Edelsteinen besetzt und ihre Finger waren mit den dazugehörigen Ringen verziert. Doch bewegten sie sich keinen Millimeter, als Ana vor ihnen stand.

„Sogar die Elben haben mehr Respekt vor der Regentschaft“ zischte sie, als die Herren sie überheblich musterten. Sicher, Ana sah nach der langen Reise nicht unbedingt wie die Königin aus, die man erwartet. Ihr schwarze Kleidung war die der Waldläufer und mit dem Staub der Reise bedeckt. Ihr Haare war streng geflochten, um den Kopf fest gesteckt und ebenfalls staubig. Selbst ihr Gesicht war von den Strapazen der Reise gezeichnet, und daran war neben dem Staub auch der Schlafmangel Schuld. Sie hatte gar nicht die Chance mit dem Prunk ihrer Garderobe zu protzen, doch wenn man Ana kannte, wusste man, dass sie das auch nicht nötig hatte.

„Bringt mich zum Truchsess“ sie wandte sich von den aufgeputzten Gockeln ab und dem Anführer der Wächter zu. Der sah sie so erstaunt an, dass ihm beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. Der Mann hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass diese Frau das Geleit der Anführer ausschlug und ihn wählte. Unsicher blickte er zum Zauberer, der ihn jedoch freundlich anlächelte und leichte nickte. Ein zweiter Wächter nahm ihm die Zügel der Pferde ab, gab ihm zu verstehen, dass er auf die Pferde achten würde. Wenn sie schon Wert auf die Stadtwache legte, dann würde die Stadtwache auch Wert auf sie legen. Gandalf folgte ihr, staunte nicht schlecht, als sie zu ihrer Kraft zurückfand.

Ana warf Gandalf einen stechenden Blick zu, als sie sich dem Wächter zu wandte und an der Seite des Zauberers entlang eilte. Sie hielt ihren Umhang vor ihrem Körper zusammen, der Wind auf der obersten Ebene Minas Tirith war immer da. Selbst wenn man ihn sonst nicht spürte. Die drei achteten nicht darauf, ob ihnen die acht Männer folgten oder nicht. Ana war schon gespannt, wie ihre Ecthelion entgegen treten würde. Am Auftreten sein Gefolge hat sie ja deutlich Missfallen gezeigt, sonst wäre sie an der Seite des höchsten Mannes nach dem Truchsess geblieben. Mindestens genauso war sie gespannt darauf, ob man ihr Ruhe gönnte oder sofort ihr Eingreifen forderte. Doch würde sie dem Wächter des Throns Gondor auch ohne viel Aufsehen zeigen, was sie für richtig hielt. Hier fürchtete man mehr den Zauberer an ihrer Seite als die hohen Elben aus dem Norden. Ana verdrängte diese Gedanken, konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt. Als man ihnen das Tor öffnete, wurden sie bereits erwartet und angekündigt.

„Mein Herr, Lady Ana und Gandalf der graue Zauberer sind eingetroffen. Wie befehlt ihr?“ Ana neigte nur nach elbscher Art zur Ehrerbietung ihren Kopf leicht. Sie würde in dieser Welt das Knie vor keinem Menschenmann mehr beugen. Ecthelion sah sie weder erstaunt noch überrascht an. Möglicherweise hat sich die Nachricht über ihre Gefangennahme doch schneller verbreitet als gedacht. Der Stadthalter Gondors erhob sich, gab den Männern das Zeichen zum Abtreten. Und mit dem zweiten Wink seiner Hand kamen ein paar Diener, die den Tisch in der Nische deckten.
„Danke, dass ihr gekommen seid. Ich sehe, dass ihr euch nicht geschont habt, darum bitte ich euch, nehmt an meiner Tafel Platz. Genießt mit mir etwas Speis und Trank und findet danach in den Mauern der Feste Erholung. So viele Tage habe ich schon im Schatten des dunklen Landes regiert, auf den einen kommt es nicht mehr an. Doch will ich nicht hören, dass ich die Herrschaft nicht richtig behandle.“

Ana schnaubte, ging jedoch nicht auf diese letzte Aussage ein. Die Verfehlung des Meisters Esgaroths hat also schneller die Runde in der Welt gemacht als erwartet. Zum Teil war sie damit zufrieden. Schließlich sollten die Menschen wissen, wer das Sagen hat und wer sich unterordnen musste. Ecthelion erhob sich aus seinem Stuhl, der am Fuß der Treppe zum Thron, verneigte sich leicht vor den beiden Gästen. Er hatte zwar erwartet, dass die Lady mehr Respekt vor seiner Stellung zeigen würde, aber es wunderte ihn nicht, dass sie es nicht tat. Er bat sie nur mit einer Handbewegung zum gedeckten Tisch, Gandalf schob Ana auf die Seite und richtete ihr den Stuhl. Der Truchsess würde nicht auf die Idee kommen, ihr entsprechend entgegen zu kommen.

Während Ana und Gandalf sich an den aufgetragenen Speisen bedienten, sprach der Verwalter Gondors über die Entwicklung im Land. Ana horchte mit beiden Ohren zu, doch lauschte sie auch auf die Dinge, die dazwischen nicht gesagt wurden. Und das gefiel ihr nicht. Gandalf erkannte an ihrer Haltung, dass sie angespannt wurde. Was ihm Sorgen machte. Denn Ana war müde und ausgelaugt, genauso wie er. Wenn sie jetzt aus der Haut fuhr, wäre es nicht nur für ihren Körper schlecht. Gondor müsste sich um einen weiteren Stadthalter umsehen, da Ecthelion nicht davon kommen würde.

„Truchsess, spart euch die Worte. Wir werden uns von eurer Schilderung überzeugen, sobald wir uns erholt haben. Sind Zimmer für uns bereitet worden?“ Ana hatte genug gehört, sie erhob sich mit einem letzten Blick auf Ecthelion und wandte sich um. Sofort war der Anführer der Wächter an ihrer Seite, und führte sie raus aus der Halle. Gandalf spürte sie dicht hinter ihr, er holte sie ein, kaum dass sie den großen Platz erreicht hatten.
„Wo sind unsere Pferde?“ Ana sah sich suchend um, doch der Platz war leer. Die acht Männer Gondors haben sich um ihre Truchsess versammelt gehabt, als sie zu speisen begonnen hatten. Doch hatten sie geschwiegen, oder eher nur getuschelt, was es mit Ana auf sich hatte.

„Im Stall, bei den Pferden der Wächter. Im königlichen Stall würde es nicht lange euer Pferd bleiben. Falls ihr etwas aus sen Taschen bracht, die sind bereits in euren Räumen“ Ana sah sich verblüfft zu dem Mann um, er zuckte nur verhalten mit den Schultern. Ana sah ihn weiterhin fragend an, Gandalf fasste ihren Blick in Worte.
„Wir haben für euch eine Unterkunft nahe den Königsgemächern richten lassen. Die Familie des Truchsess bewohnt die Räume in der Feste. Der Zauberer ist neben euch untergebracht“ gab ihnen der Wächter sogleich die Auskunft, die die zwei haben wollten. Ana nickte, fragte sich, was sich der Truchsess dabei gedacht hat. Die Gemächer des verstorbenen Königs lagen oberhalb der Feste, der Weg dorthin führte über verschlungene gut bewachte Pfade.

„Lady, wir werden den Weg wie immer bewachen lassen. Sollte etwas sein, bitte gebt dem Mann vor eurer Tür Bescheid, dazu wurde er eingeteilt. Wir wissen von Esgaroth und von den Verfehlungen der Mächtigen. Doch wissen wir kleinen Männer aus dem Volk, was wir euch zu verdanken haben.“ Er öffnete ihr die Tür, verneigte sie tief vor der Frau und wandte sich dem Zauberer zu. Der lächelte nur leicht, nahm die nächste Tür ohne Aufforderung.
„Ich danke für die Unterstützung, und dass ihr versucht, die Fehler eurer Herrn auszubessern. Macht euch keine Sorgen, euch werde ich mein Missfallen nicht spüren lassen. Könnt ihr mir unauffällig den Hauptmann eurer Wache schicken? Ich möchte mit ihm über seine Beobachtungen des Dunkle Landes sprechen, bevor mir eurer Oberhaupt etwas verkaufen will, dass ich vermutlich nicht glauben werde.“ Ana hielt den Mann zurück, bevor er verschwand. Dieser jedoch nickte nur und versicherte ihr, dass sein Anführer bald bei ihr erscheinen würde.

„Ana“ Gandalf war zu ihr gekommen, nach dem Wächter sich so weit entfernt hatten. Sie wandte sich ihm zu, während sie ihren Umhang, das Tuch und die Waffen ablegte.
„Lass uns etwas zur Ruhe kommen. Solange ich nicht mit dem Hauptmann gesprochen habe, werde ich nichts unternehmen und auch nicht mit Ecthelion sprechen. Das wolltest du doch wissen, oder?“ Sie sah ihn fragend an, er nickte jedoch nur und stellte sich wieder einmal die Frage, wie es diese Frau immer wieder schaffte, ihn zu überraschen.
„Und nein, ich brauche keine Hilfe. Es wurde bereits eine der Helferinnen aus den Häusern der Heilung gerufen. Auch wenn ich keine Heilerin benötige, es sind vermutlich die einzigen Frauen im Moment am Hof.“ Sie war schon dabei die Schnürungen an den Stiefeln und Armschienen zu lösen, als sich die Tür leise öffnete. Die besagte Frau trat ein und nahm Gandalf die Möglichkeit, ihre Aussage anzuzweifeln. Der Zauberer zog sich mit einem „lasst mich rufen, wenn der Hauptmann hier ist“ zurück.

„Herrin, ich werde eure Kleider mit nehmen und reinigen lassen. Bis dahin könnt ihr das Kleid anziehen, dass ich aus den Häusern mitgebracht habe. Es ist zwar nichts Besonderes, doch wird es seinen Zweck erfüllen. Die Gewänder aus eurer Tasche sind bereits bei den Wäscherinnen. Die solltet ihr im Laufe der nächsten Stunden wieder erhalten.“ Ana sah überrascht auf, als die Helferin ihr ein weiches Tuch zum Abtrocknen reichte. Sie hatten ein Bad vorbereitet gehabt, dass Ana wirklich genossen hatte.
„Ich danke dafür, aber welche Gewänder aus meiner Tascher?“ Sie hatte keine Wechselsachen eingepackt. Aber noch bevor die Heilerin etwas sagen konnte, fiel ihr der Moment ein, in dem Thranduil ihr Nahorin aufgeschwatzt hatte. Im Stillen verfluchte sie diesen Mann gerade aufs Heftigste.
„Herrin, es müssen eure Sachen sein, sie sind genauso edel gearbeitet sind, wie diese Dinge hier.“ Ana gab der Frau zu verstehen, dass es schon seine Richtigkeit hatte, nur nicht in ihrem Wissen geschehen war. Was die andere zum Lächeln brachte, mit dem sie sich auch verabschiedete.

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