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Vorahnung

GeschichteAllgemein / P12
Gandalf Legolas Thranduil
18.04.2015
11.12.2016
23
33.702
3
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Dieses Kapitel
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25.10.2015 1.725
 
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„Gandalf, kannst du deine Erscheinung etwas weniger auffallend gestalten?“ Ana war schon auf den Beinen bevor die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwanden. Sie hatten bereits die Pferde versorgt und bepackt. Gandalf war aus dem Staunen nicht herausgekommen, wie effektiv Ana bei dieser Arbeit war. Er wusste, dass es keine Routine für sie war. Denn wenn sie zu Gast bei den Elben oder Menschen war, wurden ihr alle Hilfsarbeiten abgenommen. Darum ließ er sie jetzt einfach werken, schließlich wollte sie es ihr Lebtag so.
„Was meinst du mit weniger auffallend? Ein grauer Mantel ist doch nicht auffallend.“ Sie schnaubte, warf ihm einen Blick zu, der ihn beleidigen hätte können. Wenn er nicht gewusst hätte, auf was sie eigentlich anspielte.
„Stell dich nicht zu dämlich an, Zauberer. Sonst jag ich dich von meiner Seite“ lachte sie leise.
„Der Hut und der Stab sollten doch kein Problem in dieser Gegend sein. Schließlich komme ich oft nach Gondor und Ithilien. Wenn der Feind weiß, dass ein grauer Zauberer unterwegs ist, dann weiß er es schon sehr viel länger und würde es nicht jetzt erfahren. Darum musst du dir nun wirklich keine Gedanken machen.“

„Woher kennst du diese Wege?“ Gandalf staunte, als er hinter Ana ritt. Sie bewegte ihr Pferd sicher durch die Steine, als ob sie jeden Tag hier wandeln würde. Doch konnte sie nicht viel mehr als er erkennen, dachte er zumindest.
„Ich kenne die Wege nicht halb so gut, wie du glaubst. Aber ich sehe den Weg so scharf und klar, als ob es heller Tag wäre. Erinnere dich an mein Wesen. Dank der Ruhe des Tages kann ich auf seine Besonderheiten ohne die dazugehören Nachwirkungen zugreifen. Darum wählte ich die Nacht als unsere Reisezeit, denn der Feind hat keine so scharfen Augen und seine Sinne sind noch geschwächt.“ Dann waren sie beide still, um so wenig wie möglich entdeckt zu werden. Der Weg am Rand der Emyn Muil bis hin zu den Totensümpfen war ein schwerer, doch kamen die zwei gut voran. Der Morgen war noch nicht angebrochen, als sie die gefährlichen Sümpfe erreichten.
„Wir reiten weiter. Rechts liegt der Anduin, in seinem Nebel sind wir für den Feind genauso wenig erkennbar, wie in der Dunkelheit der Nacht.“ Ana sprach bevor sie die Frage von Gandalf gehört hatte. Bevor er aber wegen dem Nebel fragte, rief er sich ihr Können ins Gedächtnis.

Ana versank während des Rittes wieder tief in ihren Gedanken. Sie ließ sich dieses Mal nicht von den Erinnerungen überrennen, sondern nahm sie bewusst zur Kenntnis. Es war, als ob ihr Unterbewusstsein ihr etwas sagen wollte. Denn immer wieder ließ es die paar Augenblicke des Kampfes erkennen, wo die Maske des Feindes nicht perfekt gesessen hatte. Wo man hinter das Eisen und die Macht gesehen hatte. Und besonders Ana hatte einen wertvollen Blick ergattert, auch wenn er ihr gar nicht bewusst war. Sie konnte sich nur undeutlich an das Bild erinnern und nur in Momenten, in denen sie selbst am Ende ihrer Kräfte war, kam diese Bild hoch. Seit damals quälte es sie, wollte ihr etwas erzählen und doch schaffte es die Geschichte nicht bis zu ihr durch.

Die Sümpfe schwanden als sich wieder einmal die Nacht über ihnen offenbarte. Der Nebel des Anduin lichtete sich mit jedem Meter, sie waren in Nordithilien gestrandet und führten ihre Pferde nun zwischen dem Fluss und dem Schattengebirge weiter Richtung Süden. Dank der Dunkelheit würde es dem Feind weiter schwer fallen, sie allzu bald oder allzu leicht zu finden. Schließlich war Ana eine Meisterin darin, sich nicht zu zeigen und Gandalf hütete sich davor, aufzufallen. Sie schwiegen nach wie vor, beide hingen sie ihren Gedanken nach und verständigten sich nur hin und wieder durch Handzeichen.

Gandalf hatte sie dazu bringen wollen, Mittags eine Rast einzulegen, doch Ana war stur im Sattel geblieben. Er fragte sich bereits, wann sie Vernunft annehmen würde, doch sie deutete ihm nur, dass sie bis Gondor kommen würde. Schließlich hatte sie mit Lembas gefrühstückt und einen Schluck Dorwinion genossen. Beides füllte ihren Magen länger als einen Tag, wie bei jedem anderen Bewohner Mittelerdes auch. Gandalf schüttelte den Kopf, ein leises Seufzen entkam ihm ob dieser Frau. Würde er sie nicht schon so lange kennen, er würde sie glatt für dumm halten. Aber Ana wusste in den meisten Fällen, was sie tun konnte und was nicht. Außer jemand dritter machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Aber danach sah es im Moment nicht aus, denn er erkannte in der Ferne bereits die Lichter Osgiliaths.

„Haltet ein, Reiter aus dem Norden, was wollt ihr in Osgiliath?“ Der Wächter hat schon eine Zeit lang beobachtet, wie sich zwei Schatten näherten. Doch war er sich sicher, dass die zwei Reiter ihre Anwesenheit nicht wirklich verhüllen wollten.
„Wache Gondors, wir kommen mit Nachricht aus dem Norden und möchten übergesetzt werden.“ Anas Stimme war klar und weithin zu hören.  Nein, die zwei wollten sich auf keinen Fall anschleichen. Die Tore öffneten sich und in langsamen Trab betraten die zwei die Grenzstadt am Anduin. Zwei Krieger Gondors standen bereits als Eskorte bereit, als sich Ana und Gandalf aus dem Sattel schwangen.
„Der Zauberer und die schwarze Reiterin. König Ecthelion wird sich freuen euch wieder zu sehen“ meinte der Rufer, als er ebenfalls zu den Neuankömmlingen gestoßen war.
„Wird er das wirklich?“ fragte Ana scharf nach. In letzter Zeit hatten sich zu viele auf ihre Ankunft gefreut und sie dann verteufelt.
„Ja Herrin, er erwartet euch seit einer Woche. Kommt, der Fährmann wartet bereits. Trotzt der angebrochenen Nacht ist es sicher genug. Reitet danach schnell, hinter den Mauern von Minas Tirith erhaltet ihr alles, war ihr braucht.“

Die Überfahrt war nicht ganz einfach. Nahorin war nicht an das Wasser gewohnt, kaum kam es mit Ana in die Nähe des Wassers, wollte es steigen und sich losreißen. „Sch“ beruhigte Ana den Kaltbluthengst, führte ihn vorsichtig zum Boot. Gandalf sah ihr zu, wartete, bis sich das Pferd am Halfter von seiner Herrin sicher und vor allem ruhig halten ließ. Ana bekam nicht mit, wie Gandalf die beiden Flößer zur Ruhe rief. Sie erledigten ihre Arbeit in absoluter Stille, damit sie das Pferd nicht aufschreckten. „Wir können los“ flüsterte Ana, als sie Nahorin soweit hatte. Das Pferd war von Anas Blick gefesselt, es schien, als ob es in Trance war. Was vielleicht sogar stimmte, denn kaum warf Gandalf einen Blick auf die beiden, sah er einen Schimmer in Anas Augen, den er so noch nie gesehen hatte.

Ana konzentrierte sich auf ihr Pferd, sie spürte die uralte Magie in ihr aufsteigen, die sich schon immer mit jedem Wesen in den Welten verband. Ohne wirklich etwas zu tun, hielt sie den Blick Nahorins gefesselt, seinen Geist sorgsam umfangen und seinen Körper ruhig. Der Hengst schnaubte zwar ein paar Mal, es wirkte angespannt, doch stand er still und ergab sich der Führung seiner Herrin. Vor allem die Elben wussten, dass die Pferde ihren eigenen Willen hatten. Und sie zeigten diesen Willen normalerweise sehr eindrucksvoll. Die einen warfen ihre Reiter ab, die anderen scheuten vor Menschen, es war nicht immer gleich und doch hatte es den gleichen Ursprung. Doch gegen Anas Magie konnten sie sich nicht wehren, sie waren dazu geschaffen, sich dieser einen Macht zu unterwerfen.

„Lady, ihr könnt euer Pferd vom Floss bringen. Danke, dass ihr es während der Überfahrt ruhig gehalten habt.“ Gandalf wartete schon auf Ana, sie verabschiedete sich noch von den Flößern und bat sie um Wachsamkeit. Die Dunkelheit war nah, sie waren ein Bollwerk. Ana und Gandalf saßen dann schneller im Sattel, als die Flößer ablegen konnten. Sie ließen keine Zeit verstreichen, gaben den Pferden die Sporen und machten sich auf den Weg über die Pelennor- Felder. Ana spürte bereits den Sonnenaufgang im Rücken, doch sie wollte die schützenden Mauern erreichen. Sie bemerkte gar nicht, wie sie ihr Pferd immer schneller trieb, wie sie immer niedriger auf dem Rücken lag. Gandalf beobachtete sie eine Weile, doch bald schon erkannte er, dass sie von einer inneren Unruhe getrieben wurde.

„Halt ein“ befahl er hart, Nahorin gehorchte genauso wie Schattenfell. Ana zuckte auf Nahorins Rücken zusammen, Gandalfs Stimme war zwar leise gewesen, doch wie ein Peitschenschlag über sie hinweg gefegt.
„Was hat dich getrieben, dass du das Pferd zu Tode hetzt?“ Der Zauberer kam an ihre Seite, er erkannte in ihren Augen Erinnerungen, die sie tief verschlossen halten wollte.
„Die Vergangenheit, Gandalf mein Freund“ ihre Stimme war so abwesend, wie ihre Augen. Gandalf nahm ihr die Zügel aus der Hand, ließ Nahorin an seiner Seite laufen. Ana wollte ihn antreiben, doch er ließ es nicht zu.
„Es ist alles gut. Niemand verfolgt uns, die Sonne kommt nur langsam über den Horizont. Wir haben die notwendige Zeit. Minas Tirith ist nah.“ Seine Stimme war beschwörend, was Ana aus ihren Gedanken riss. Sie nickte, gab sich seiner Führung hin.
„Danke, mein Freund“ antwortet sie schwach.

„Ana“ Gandalf riss seine Freundin aus den Gedanken, als die Mauern der Stadt näher kamen. Sie richtete sich auf, mittlerweile spürte sie, wie sie müde wurde und wie ihre Kraft nachließ. Ihre Augen waren verschleiert, Gandalf nickte mit dem Kopf nach vorne.
„Sieh, die Wächter. Sie kommen uns entgegen“ jetzt erkannte es auch Ana. Sie lächelte leicht, ließ sich wieder zurück auf den Rücken Nahorins sinken und schloss ihre Augen. Irgendetwas stimmte hier nicht, sie war zwar nach dem Erreichen des Ufers mit einem schnellen Tempo losgeritten. Doch reichte das bei weitem aus, sie so stark zu schwächen. Aber bevor sie sich darüber Gedanken machte, wurden sie von den Männern Gondors umzingelt.

„Seid gegrüßt, edle Dame, hoher Zauberer. Unser Truchsess erwartet euch, er hofft auf eure Unterstützung.“ Der Anführer der Wache zog neben Ana, sie stoppten nicht, nahmen das Tempo auf und geleiteten die zwei Neuankömmlinge sicher in die Stadt. Sie saßen nicht ab, als sie im ersten Ring waren. Die Wachen zerstreuten sich zwar, aber der Anführer und zwei weitere Männer blieben an ihrer Seite. Bis zum obersten Ring, wo sie von einer Abordnung der Stadtväter erwartet wurden. Anas Blick glitt müde über die Anwesenden, Gandalf wusste, dass sie sich nur dank ihrer Müdigkeit zurück hielt. Sonst hätte sie hier schon für demütig gesenkte Häupter und gebeugte Rücken gesorgt. Aber diese Männer kannte keine Demut vor den Mächtigen, sie glaubten, allem und jedem überlegen zu sein. Nun, Ana würde ihnen ihren Fehler bald zeigen, da war er sich sicher.

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