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Vorahnung

GeschichteAllgemein / P12
Gandalf Legolas Thranduil
18.04.2015
11.12.2016
23
33.702
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18.10.2015 1.642
 
„Wir waren von Elendil durch einen Boten informiert worden, dass die Mächte Mordors gegen die Menschheit ziehen. Gondors Länder im Osten waren schon gefallen, der Anduin gerade noch nicht eingenommen. Die Nachricht, dass Osgiliath gefallen war erhielten wir während dem Marsch in den Süden. Doch dazu komme ich etwas später. Als uns der Bote verließ, entbrannte eine heftige Diskussion. Du musst wissen, ich war damals die Vertraute des Grünwaldkönigs, Oropher hielt mein Wort sogar über das seiner Generäle. Und als ich es wagte, zu sagen, dass er nur mit der Hälfte seiner Männer zur Unterstützung gehen sollte, wurde ich von seinem ersten General nieder gebrüllt.“ Ana schmunzelte heute über ihr Verhalten von damals, dann schüttelte sie den Kopf um zurück zu finden.

„Er nannte mich alles möglich, sicher waren auch Dinge wie „unfähig“, „keine Kriegerin“ und „eine Frau“ dabei. Dass ich zu diesem Zeitpunkt mehr Kriegskönnen besaß als jeder der Generäle ignorierte er gekonnt und sehr bewusst. Schließlich hatten sie mich des Öfteren beim Training mit dem Prinz oder gar dem König beobachtete. Auf jeden Fall schlug ich Oropher die Halbierung seiner Truppen vor und auch ein Großteil seiner Männer war für diese Strategie. Thranduil war zu diesem Zeitpunkt noch ungestümer, doch hatte er schnell erkannt, was meine Beweggründe waren. Wie lange würde es dauern, bis der Feind den Weg in die entlegenen Bereiche des Landes antritt? Diese Frage stellte ich auch in die Runde. Der erste General fiel mir sofort ins Wort, dass ich mich nicht in Dinge einmischen sollte, von denen ich nichts verstand. Schließlich waren genug Männer am Werk, dass der Plan gelingen musste. So beugte ich mich dem Urteil und verließ den Besprechungssaal. Oropher hatte in meinen Augen erkannt, dass er mich nicht halten würde können.“ Sie sah Gandalf an, lächelte leicht.
„Und, was kam dann?“ Gandalf wollte sie zwar nicht aus ihren Gedanken reißen, aber er wollte erfahren, wie diese Frau die ganzen Jahre erlebt hatte.

„Ich verschwand und bezwang gleich einmal den Anführer der Königswache und seinen Stellvertreter. Beide waren mir gefolgt, da sie zu diesem Zeitpunkt mein Schatten waren. So wie Nohanyl heute noch ein Schatten ist, wenn es ihm möglich ist und der König ihn nicht mit irgendwelchen Aufgaben von seiner Seite fernhält. Aber ich schweife ab. So habe ich mich abreagiert. Zwei oder drei Stunden später traf ich auf Vater und Sohn, beide schwiegen sich an. Ein Zeichen für mich, dass keiner der zwei wirklich zufrieden war mit dem Gespräch mit den Generälen. Beim Abendessen, das wir dann in schmuckloser Dreisamkeit einnahmen, brach er das Schweigen und eröffnete mir die Pläne für die Schlacht. Doch hätten sie es mir besser verschweigen sollen. Denn Oropher hatte zwar einen Teil meiner Bedenken in den Wind geschlagen, doch ließ er sein Reich auch nicht ungeschützt zurück.“ Sie seufzte, wandte sich dem Feuer zu um wieder etwas vom Brennmaterial nachzulegen. Dann begann sie wieder, leiser dieses Mal, als ob sie es nicht wirklich glauben und erzählen wollte.

„Er machte mich im Gegenzug zu seinem General. Nicht zu irgendeinem, ich wurde sein oberster General, sein Feldherr und seine linke Hand. Zu seiner Rechten fand man seinen Sohn, von dem er wusste, dass er mindestens so geschickt war wie ich, da wir viel Zeit miteinander verbrachten. Und Thranduil hatte wirklich viel in dieser Zeit gelernt. Sein erster General war zwar noch General, doch unter Thranduils Führung. Mir hatte er die Generäle unterstellt, die kein Problem mit mir hatten. Jene, die mir auch heute noch treu ergeben sind, wenn sie denn noch am Leben oder in Mittelerde weilen. Ich wehrte mich, wollte diese Stellung nicht, da ich gesehen hatte, was uns noch alles bevorstand. Die Visionen damals ließen sich nicht lenken. Mein einziges Glück war, dass nicht nur ich sie empfing. Meist hatte die goldene Herrin ebenfalls die Bilder gesehen. “

Ana sah auf, als sie die Pferde hörte. Sie wusste, dass in dieser Höhle keine gefährlichen Wildtiere waren. Doch wollte sie sicher gehen. Als ihr Gandalf nach blickte, konnte er nur den Kopf schütteln. Ihr Schritt war trotz ihrer Müdigkeit, trotz den schweren Erinnerungen und der noch schwereren Zukunft sicher und fest. Beinahe reißerisch eilte sie ins Dunkel. Doch die Pferde scheuten nicht, er hörte, wie sie sich beruhigten und sogar hinlegten um die Beine zu entlasten. Als Ana zurückkam, trug sie neben zwei weiteren Decken eine weitere Feldflasche. Es war Gandalf nicht bewusst gewesen, dass die Pferde noch etwas getragen hatten, als er sie gehen hatte lassen. Sie reichte dem Zauberer eine der Decken, als sie sich setzte, legte sie sich die zweite um die Schultern. Es würde trotz des Tages kalt werden, das wusste sie aus Erfahrung. Bevor sie weiter sprach reichte sie Gandalf die Flasche, lachte leise als sich seine Augen vor Erstaunen öffneten.
„Du musst ihm wahrlich viel wert sein. Niemand würde diesen Tropfen für eine Reise erhalten“ murmelte er kaum vernehmlich. Er räusperte sich und bat Ana, in ihrer Erzählung weiter zu machen. Was sie zwar nicht gerne, aber verstehend tat.

„Wir bekamen vier Tage, danach marschierten drei Viertel der Krieger des Grünwalds in den Süden. Auf den Wilderlanden trafen wir auf die Streitmacht von Bruchtal unter Elrond und die Galadrims unter Celeborns Vater. Gilgalad kam mit Elrond, die Elben der Anfurten schlossen sich über Rohan der Schlacht an. Doch alle kamen sie, damals war der Zusammenhalt noch groß, die Menschen wussten ihren Platz im Weltengefüge. So etwas wie in Esgaroth wäre nie vorgekommen, und es macht mich traurig, dass sich das so dramatisch wandelt. Doch vielleicht wird es wieder, denn dunkle Zeiten stehen auch jetzt bevor. Aber zurück zu damals, es wird dich mehr interessieren als meine Zweifel über die Gesinnung der Menschheit. Wir trafen auf den Wilderlanden mit den Galadrim und den Bruchtal- Elben zusammen. Gemeinsam zogen wir in den Süden, vor die Mauern Mordors. Doch das Lager schlugen wir hier auf, am Rand der Emyn Muil, wo uns die Felsen Schutz boten. Diese Höhle hier“ ihr Handbewegung umfasste das gesamte Volumen „wurde nicht als Schlaflager genutzt. Hier drinnen hielten wir den Besprechungen ab. Hier in der Mitte war ein großer Steintisch errichtet worden, wo Pläne und Karten auflagen. An den Wänden standen Steinbänke, um die Diskussionen nicht im Stehen führen zu müssen.“

„Und wo waren die Schlaflager?“ Gandalf hatte sich gedacht, dass der Stab hier untergekommen wäre.
„Die Zelte waren vor den Felsen aufgebaut, das Zelt des Königs, des Prinz und meines waren direkt vor den Felsen. Damit diese sicher geschützt werden konnten. Auch die anderen Anführer lagerten in diesem Bereich, doch waren im Lager die Gruppen hauptsächlich für sich. Ich selbst hatte genug von allem dem, kaum dass wir hier angekommen waren. Wenn du dich die ganze Zeit gegen deinen Feind beweisen musst, zerrt das mehr an den Nerven als die ganzen Visionen. Oropher ließ mir meinen Willen und somit die meiste Zeit in meinem Zelt. Nur bei den Besprechungen musste ich anwesend sein.“ Das Kriegsgeschehen ließ sie aus, sie wollte die blutigen Tatsachen nicht wieder heraufbeschwören. Und wie das Ganze ausgegangen war, das wussten auch alle der heute lebenden.

„Bevor du die Handlungen und Geschehnisse durch analysierst und mir auch noch sagst, dass ich nichts ändern hätte können, muss ich dir sagen, dass du dir die Mühe sparen kannst. Das haben schon andere probiert und sind genauso gescheitert. Gandalf, ich weiß es, doch macht es das Ganze nicht leichter.“ Ana sah den Zauberer bittend an, der nickte nur und lächelte.
„Ich hatte nicht vor, dir das zu sagen. Schließlich erkenne ich, wie es dir geht. Ich wollte dich nur bitten, für heute deine Stärke zur Seite zu schieben und deinem Körper und deinem Geist Ruhe zu gewähren. Hier wird uns nichts passieren, etwas liegt noch immer an diesem Ort. Und ich schwöre, dass es nichts mit der dunklen Macht zu tun hat.“ Ana lachte, als sie Gandalfs Verwirrung sah.
„Ja, elbsche Magie liegt an diesem Ort. Vor unzähligen Jahren haben die mächtigen Herrscher des edlen Geschlechts diese Höhle mit ihrer Magie geschützt. Dieses Wissen haben jedoch nur wenige Elben und die Dunedains. Es war zu ihrem Schutz, damit sie in dieser Gegend sichere Ruhe finden. Darum werde ich deiner Bitte ohne Wenn und Aber nachkommen können. Denn heute wird der Zauber Bruchtals und Loth- Loriens über uns wachen.“

Es dauert noch genau eine halbe Stunde und Ana bekam nicht mehr mit, ob Gandalf ebenfalls schlief oder nicht. Ana fiel in den traumlosen Schlaf, den die Magie der Herrin des Goldenen Waldes ermöglichte und zog sich tief in ihr Inneres zurück. Ihre Gedanken, die sich immer wieder um den Krieg am Ende des zweiten Zeitalters drehten, kamen endlich zur Ruhe. Schwärze, gütiges Vergessen umhüllte sie. Und so schaffte sie es in den paar Stunden bis zum Abendgrauen wieder ihre Kräfte zu sammeln und sich gegen den Feind wappnen. Gandalf hatte die Frau noch etwas beobachtet. Er war erstaunt gewesen, als er bemerkt hatte, dass sie sofort eingeschlafen war. Weder hatte sie ihre Waffen abgelegt, noch ihre Kleidung gelockert. Sie hatte einfach die eine Decke auf den Boden gelegt, wie den Boden eines Nestes. Darauf hat sie sich zusammengerollt, nachdem sie sich in ihren Umhang und die zweite Decke eingewickelt hatte.

Es war für ihn sehr beeindruckend, wie wenig Ansprüche Ana stellte. Selbst hier, in dieser kargen und trostlosen Umgebung dachte sie zuerst an ihn. Sie hatte nicht einen Tropfen des kostenbaren Rotweins getrunken, die Flasche lag noch immer in seinen Händen. Und auch hatte sie ihm eine Decke mehr gelassen, schließlich hatte er selbst zwei mit. Die dritte Decke an seinem Pferd war nicht für ihn bestimmt gewesen, die hatte ihm Beorn mitgegeben. Langsam erhob er sich um ebenfalls Ruhe zu finden. Doch vorher legte er die Decke von seinen Schultern über Ana, die sich noch tiefer in den Stoff grub. Er selbst würde ohne jedes Mittel auskommen, die Magie in ihm sorgte dafür, dass sein Körper nie fror.
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