Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vorahnung

GeschichteAllgemein / P12
Gandalf Legolas Thranduil
18.04.2015
11.12.2016
23
33.702
3
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.06.2015 1.659
 
Auch wenn ihr keine der Dunedains oder der Elben seid, eure Rolle ist nicht unbekannt. Eure Erscheinung bleibt einem in Erinnerung und ihr gleicht den Worten meines Vaters aufs Haar. Was auch immer euer Begehr ist, der Meister wird euch nicht anhören und schon gar keinen Glauben schenken. Ihr seid eine Frau. Es gibt nur ein Wesen, vor dem der Meister Angst hat. Der König unter Buche und Eiche ist der einzige, der euch jetzt helfen kann. Lasst mich eure Nachricht überbringen.

Ana musste sich die eilig geschriebenen Worte zwei Mal lesen. Nicht, weil sie so klein geschrieben waren, sondern weil sie erkannt worden war. Wer auch immer ihr helfen wollte, wusste, an welchen Stellen Hilfe zu holen war. Sie ignorierte ihre Bedenken wegen der Fesseln, die Schnur fiel nur einen Augenblick später von ihren Gelenken. Ihre Haut war blutig, das Seil hatte sie wund gescheuert. Als sie darüber strich, entkam ihr ein Zischen. Sie ignorierte die Schmerzen und die Tatsache, dass sie sich die Wunden entzünden könnte. Die Nachricht an den Grünwaldkönig war wichtiger.

Der Meister muss von der Lage überzeugt werden, doch mich hört er nicht an. Und wenn er mich anhören würde, würde er meine Worte als Lug und Trug abtun. Vor dir hat er Angst, so wurde es mir versichert. Hilf mir das Volk zu retten.

Sie schrieb weder ihren Namen noch, dass sie gefangen genommen worden war. Sie hoffte, dass er es nicht erfahren würde. Denn er würde für sie Vergeltung üben wollen. Schnell rollte sie alles wieder sorgfältig zusammen und legte das kleine Bündel in die Ecke des Fensters zwischen den Gitterstäben und der Mauer. Der Junge würde es sehen, doch nur, weil er es wusste. Sie hörte auch das Rascheln von Kleidern wenige Minuten später, doch dieses Mal sah sie gar nicht nach. Ihr Gespür hatte sie überzeugt, dass es der richtige war.

Sie wollte sich gar nicht ausdenken, wie Thranduil auf ihre Worte reagieren würde. Sie konnte nur hoffen, dass er nicht mit einer ganzen Einheit seiner Krieger in die Stadt einfiel. Und auch, dass er seine Rüstung zu Hause ließ. Er war so schon eine beeindruckende Erscheinung, die den Meister mit Sicherheit in die Knie zwingen wird. An die Predigt, die sie zu hören bekommen würde, wollte sie auch noch nicht denken. Sie verabscheute es, wenn sie die Hilfe von mächtigen Männern in Anspruch nehmen musste. Vor allem gegenüber den Menschen. Normalerweise war sie nicht so, schließlich sicherten die Menschen die Existenz vieler anderer Wesen oder es herrschte eine Symbiose, die für beide Seiten gewinnbringend war. Aber hier, bei diesem einen Mann, endete ihre Geduld und ihre Nachsicht. Dass die Menschen ein sehr kurzes Leben im Vergleich zu Zwergen oder gar den Elben hatte, es war keine Entschuldigung für dieses Verhalten.

„Er lagert vor der Stadt“ hörte sie über eine Woche später den Burschen flüstern. In den vergangenen Tagen war ihr nur dann Aufmerksamkeit zu Teil worden, wenn sie ihre Ration Essen und Trinken bekam. Langsam aber sicher spürte sie, dass sie schwächer wurde. Zum einen aß und trank sie zu wenig, zum anderen oder gerade deshalb schrie ihr Vampir laut nach Stärkung.
„Wann kommt er“ konnte sie nur leise fragen. Die Schwäche spiegelte sich in ihrer Stimme wieder.
„Am Abend, haltet durch“ bat er noch, dann war Ana wieder alleine. Sie legte sich wieder hin, ließ ihren Körper zur Ruhe kommen. Doch das ganze Ruhen hatte ihr auch die letzten Tage schon nicht mehr geholfen. Sie baute auf die Hilfe des Königs, auch wenn es ihr gegen den Strich ging.

„Holt sie endlich aus der Zelle“ Ana schreckte hoch, als sie die vertraute herrische Stimme vor der Tür wahrnahm. Sie konnte sich gerade so aufrichten, das Aufstehen war schon nicht mehr möglich, Schwindel erfasste sie. Die Schlüssel klirrten laut, ihr Schädel schien zu bersten. Dann hörte sie das Schaben des Türschloss und der Scharniere, das Kratzen der Tür am Boden. Ein Stein hatte sich darunter verfangen. Sie hielt sich die Ohren zu, die Geräusche strapazierten sie noch mehr als die Tage der Gefangenschaft.
„Mein Gott“ hörte sie ihn da schon neben sich. In seinen Augen lag nicht mehr die Besorgnis um sie, die sie eben noch gehört hatte. Wut auf die Menschen strahlte ihr eisblau entgegen. Sie versuchte ein Lächeln, es misslang ihr gewaltig.

„Was habt ihr mit ihr gemacht?“ Thranduil hob sie vorsichtig in seine Arme, leicht wie eine Feder hielt er sie an seiner Brust. Ihr Kopf sank auf seine Schulter, ihre Augen schlossen sich dankbar. Sie hatte nicht einmal die Kraft, ihre Arme um seine Schultern zu legen.
„Sie bekam drei Mal täglich eine Mahlzeit und einen Becher Wasser. Sonst war sie die ganzen Tage alleine hier drinnen“ der Anführer der Wache war kleinlaut geworden. Ana spürte, dass jeder der Männer Angst vor dem Elbenkönig hatte.

„Wo sind ihre Waffen?“ Thranduil ging nicht näher auf die Worte ein. Dass es eine unzumutbare Situation war, hatte er ihnen anscheinend schon vorher verdeutlicht. Jetzt erkannte er auch noch, dass sie einen Schlag ins Gesicht erhalten hatte. Vor ihnen klirrte es, als besagte Waffen gebracht wurden. Ana war bei dem lauten Geräusch heftig zusammengezuckt, ein Stöhnen war ihr entkommen, wie der Elb es selten gehört hatte. Sie musste heftige Schmerzen haben, er spürte die Tränen unter ihrem Haar.
„Legolas, Fenron, wir sind hier fertig.“ Die zwei Elben waren bei Anas Stöhnen hochgefahren. Ganz vorsichtig hatte Fenron den Bogen, die Pfeile, das Schwert, die Messer und Dolche an sich genommen. Etwas stimmte ganz und gar nicht mit Ana und sein König hielt sich nur dank der Frau in seinen Armen mit der Rache zurück.

Den Weg aus der Stadt bekam Ana nicht wirklich mit, sie spürte nur, dass sie getragen wurde. Thranduil warf Legolas einen düsteren Blick zu, als dieser Ana entgegen nahm. Erst als Thranduil auf seinem Pferd saß, nahm er sie wieder in seine Arme, trieb den Hengst zur Eile. Im Lager wartete nicht nur Sethal, auch Gandalf war eingetroffen. Anscheinend hat es in Thal und dem Einsamen Berg die Runde gemacht, dass in Esgaroth eine eigenartige Frau eingesperrt war.

Als Thranduil von einem Boten aufgesucht worden war, der eine eilige Nachricht aus Seestadt hatte, wollte er auf der Stelle jemand hinrichten. Auch wenn kein Name auf der Botschaft gestanden war, er hatte sofort gewusst, dass es Ana war. Als ihm der Bote noch mitteilte, wie es zur Verhaftung gekommen war und wie die Frau reagiert hatte, war er sich noch sicherer gewesen. Sofort hatte er Legolas und Fenron mit dem Abmarsch ihrer Einheiten beauftragt, er selbst war nur wenig später an ihrer Spitze geritten. Nur wegen Anas Sicherheit hatte er das Lager vor den Ufern des Sees aufgeschlagen und war nicht in die Stadt eingefallen. Als er eine Unterredung mit dem Meister wollte, hatte ihn dieser beinahe einen Tag warten lassen. Dass er den Meister Esgaroths nicht gleich zur Rechenschaft gezogen hatte, war bemerkenswert. Schließlich hatte er sich an der Königin vergangen und ihn warten lassen.

„Sethal“ Thranduil rief seinen Heiler noch bevor er wirklich im Lager war. Sethal eilte an seine Seite, vorsichtig hob er die Frau aus Thranduils Armen und trug sie sicheren Schritts zum Zelt des Königs. Dort erwartete ihn schon Gandalf, der Ana mehr als besorgt musterte. Erst als sie lag, nahm er sich die Zeit sie genau anzusehen, wusste aber sofort, was notwendig war.
„Eure Hoheit, sie ist in allen Bereich unterversorgt. Die Mahlzeiten waren nicht ausreichend, zu trinken bekam sie auch zu wenig. Und ihre andere Seite schreit deswegen auch schon wieder nach Nahrung. Und man hat ihr eine heftige Ohrfeige verpasst, ich erkenne die Verletzung unter der glatten Haut.“ Gandalf strich ihr vorsichtig übers Haar, nahm einen Becher mit Wasser von Sethal entgegen.

„Ana, du musst trinken. Danach darfst du weiter schlafen“ die Stimme kam ihr genauso vertraut vor, doch es war nicht der Elbenkönig. Knochige Hände legten sich unter ihren Nacken, halfen ihr hoch. Etwas kaltes berührte ihre Lippen. Doch nach nur wenigen Schlucken sank sie bereits wieder in die Dunkelheit.

Gandalf sah den Elbenkönig und seinen Sohn düster an, ihm gefiel Anas Zustand genauso wenig. Er war sich sicher, dass sie ihre Stärke schnell abrufen wollte, denn sie würde den Meister Esgaroths für dieses Vergehen zur Rechenschaft ziehen. In ihrer Position als Herrscherin. Thranduils Blick glitt über das schmerzverzerrte Gesicht der Frau und er fragte sich, was wirklich geschehen war. Doch er musste warten, bis sie wach wurde.
„Lasst uns ebenfalls etwas Ruhe finden. Du hast bereits die Jäger ausgesandt, sie müssten bald zurück sein. Und mit Blut wird es ihr schnell besser gehen. Ich glaube, dass die Schmerzen von ihrem Vampir kommen. Sie reagiert auf Geräusche und Licht noch empfindlicher als ihr Elben. Sogar die ältesten der Hochelben haben stumpfe Sinne gegen dieses Wesen.“

Thranduil nickte Gandalf und Sethal nur zu, entließ sie aus seinem Zelt. Er hingegen trat an Ana heran, begann langsam ihr Haar zu flechten. Er wusste, dass sie es vor allem in unruhigen Nächten nicht offen trug. Bei ihrem letzten Besuch hatte er sie aus einem Albtraum geholt, wo sie dachte, dass sie stranguliert wurde. In Wahrheit hatten ihre Haare um ihre Schultern und ihren Hals gelegen. Es beruhigte ihn, sie nun ruhen und in Sicherheit zu sehen. Nach den Haaren kümmerte er sich um ihre Kleider. Als er sie hoch gehoben hatte, waren ihm die verborgenen Waffen sehr wohl aufgefallen, die er ihr jetzt abnahm. Genauso wie er ihr den Umhang entzog. Mit einem letzten Blick auf sie zog er sich auf einen der Stühle zurück, versank in Bildern der Vergangenheit und wartete auf die Rückkehr seiner Jäger.

Legolas gesellt sich zu ihm, erkannte, dass der Zustand von Ana seinem Vater schwer zu schaffen machte. Sie blieben in einträglicher Stille, denn keiner wollte die Ruhe der Nacht stören. Gelegentlich sorgte der Prinz dafür, dass das Feuer das Zelt weiter wärmte.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

So, Ana wurde aus den Fängen des Meisters befreit - natürlich eilt der Grünwaldkönig zu Hilfe, wenn diese Frau ruft. Reviews?
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast