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Vorahnung

GeschichteAllgemein / P12
Gandalf Legolas Thranduil
18.04.2015
11.12.2016
23
33.702
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15.06.2015 1.307
 
Der Weg zur Stadt am langen See war genauso ereignislos wie zum Erebor. Als ob der Feind wusste, dass die Königin selbst unterwegs war und den direkten Konflikt vermeiden wollte. Das Problem kam, als Ana die Stadt betrat und sofort in die Arme der Stadtwache lief. Oder eher, der Anführer der Stadtwache über sie stolperte, als sie einem Jungen auf die Beine half. Das Kind war direkt in sie gelaufen, hatte nicht mehr langsamer werden können und war auf seinem Hintern gelandet. Ana hatte ihn dank ihrer Reflexe vor einem weiteren Sturz auf den Hinterkopf bewahrt. Doch da hatte sie einen Moment ihr Umfeld aus den Augen gelassen und so den Weg der Stadtwache versperrt.

„Zeigt euer Gesicht, Weib? Was lungert ihr hier am Weg? Seht ihr denn nicht, dass wir hier marschieren?“ Der Mann hatte sie sofort angeschrien. Ana hatte sich aufgerichtet, den Jungen in die andere Richtung geschoben und sich dem Mann zugewandt. Langsam, um ihn nicht unnötig zu provozieren hatte sie das Gesichtstuch gelöst und die Kapuze zurück geschlagen. Doch dann kamen die wirklichen Probleme.
„Was hat ein Mischlingsweib hier in der Seestadt verloren? Wie seid ihr überhaupt herein gekommen?“ Sie wollte zu einer Erklärung ansetzen, als er schon weiter schrie. Seine Befehle an seine Männer beinhalteten, dass man Ana fesselte, ihr die Waffen abnahm und sie zum Meister schleppte. Aus dem Augenwinkel war ihr noch der Junge aufgefallen, dem sie auf die Beine geholfen hatte.

„Wen bringt ihr mir da? Hat das nicht Zeit bis morgen? Ich wollte gerade zu Abend essen.“ Die Stimme des Meisters Esgaroths war genauso unausstehlich wie der Mann. Er war fett und ungepflegt, heraus geputzt wie ein Pfau und stank trotzdem hundert Meilen gegen den Wind.
„Mein Meister, wir griffen diese Frau wenige Straßen von hier auf. Sie behinderte unseren Marsch durch die Straßen. Bisher hat sie noch nichts über sich gesagt.“ Der Anführer der Wache gab Ana einen Tritt in die Kniekehle, dass sie nach vorne fiel. Die Bewegung war noch immer elegant und anmutig, ihr Blick stoisch ruhig auf den Mann vor ihr.
„Nun sprecht doch endlich, Mischlingsweib“ fauchte der Meister erbost.

„Ich bin kein Mischlingsweib, schließlich waren die Rassen meiner Eltern die gleichen.“ Sie sah den Meister herausfordernd an. Mit leichter Belustigung stellte sie fest, dass er nur das Vorurteil in ihr sah. Im Kerzenschein beinahe schwarze Haare, grüne Augen, blasse Haut und anmutiger Körperbau entstanden in seinen Gedanken nur, wenn sich ein dunkler Nordländer mit einer zarten Elbin vereinte. Wie weit weg er doch von der Wirklichkeit war.
„Egal was ihr seid, ihr seid kein Mensch. Also seid ihr ein Mischling, sonst würdet ihr bei den Elben sein. Schließlich ziehen die nie alleine umher. Wer also seid ihr, dass ihr alleine durch meine Straßen streift?“ Der Meister hatte sich erhoben, äußerst schwerfällig kam er vor sie.

„Mein Name ist Mornuinor. Ich komme vom Erebor und der Stadt Thal und möchte dem Meister eine Nachricht bringen. Und Rat, wenn er darum bittet.“ Sie sah ihn starr an, dachte nicht im Leben daran den Blick und das Haupt zu senken. Nicht einmal der König der Elben hatte diese Demut von ihr gefordert, und auch der König der Zwerge nicht. Und beiden wäre sie eher zu gestanden wie diesem Mann. Doch sein Verhalten war so typisch im Angesicht eines Wesens. Er glaubte, dass die Menschen die Allmächtigen waren. Vermutlich hatte er noch nie erfahren, dass sie in der Schöpfungsgeschichte die „Zweitgeborenen“ waren.

„Welche Nachricht sollte es aus dem Reich der Zwerge schon geben? Und von Thal bekomme ich genug Post, so dass ich über alles informiert bin. Sprecht“ herrschte der Meister.
„Es sind neue Nachrichten, die den Erebor erst vor zwei Tagen erreicht haben und in Thal erst gestern bekannt wurden. Nur im Westen des Landes sind sie schon länger bekannt, doch anscheinend habt ihr dorthin keine Verbindung. Ich komme um die Kunde zu bringen, dass sie im Süden wieder die Dunkelheit regt. In …“ Ana wurde rüde unterbrochen.
Zornig sprang der Meister auf, baute sich drohend vor ihr auf. Er verpasste ihr eine schallende Ohrfeige, die ihr die Sinne beinahe raubte. Einer seiner großen Ringe hatte sich in die feine Haut an ihrer Schläfe gegraben.
„Ihr droht mir? Werft dieses Teufelsweib in ihren schwarzen Kleidern ins Verlies! Vielleicht wird ihr Verstand wieder klar. Dunkelheit im Süden, dass ich nicht lache. Der dunkle Herr wurde vor elend langer Zeit vernichtet. Da kommt keiner mehr.“ Ana hörte ihn nicht weiter sprechen, die Wachen hatte sie grob an den Schultern gepackt und aus dem Raum gezerrt.

Ihr Kopf dröhnte, der Schlag vom Meister hatte gesessen und sie war froh darüber, dass sie zumindest keine offene Wunde hatte. Die Männer zerrten sie durch die Gassen, Ana versuchte auf die Beine zu kommen und mit den Männer Schritt zu halten, doch bei der kleinsten Anstrengung setzte der heftige Schwindel ein. Sie versuchte es nicht weiter, konzentrierte sich auf ihre Sinne und dass der Schmerz nachließ. Der Weg zog sich quer durch die Stadt und Ana schaffte es immer besser, sich in den Griff zu bekommen. Zwar ließ sie sich hängen, die Wächter sollten spüren, dass sie jemand grob behandelten.

„So, rein mit dir. Und wehe du machst Ärger“ zischte der Anführer der Wache, als er sie grob in die Zelle stieß. Ana stolperte über ein gestelltes Bein, fing sich aber schnell wieder. Trotzdem war sie mit der Hüfte an die Tischplatte gestoßen. Sie ließ sich den Schmerz nicht anmerken, richtete sich nur auf.
„Wo sind meine Waffen? Wenn ich schon eine Gefangene bin, möchte ich meinen Besitz zurück“ ihr Stimme war unbewegt und gelassen. Lachen war jedoch nur eine Antwort.
„Ihr seid eine Diebin, eine Lügnerin und ein Mischlingsweib. Ihr habt kein Recht auf Besitz in dieser Stadt. Der Meister wird sich in ein, zwei Tagen, vielleicht aber erst auch in einer Woche mit euch befassen.“ Noch mehr Gelächter, dann fiel die schwere Eisentür ins Schloss.

In Ana formten sich Rachepläne, sie verfluchte die Männer in allen ihr bekannten Sprachen. Man hatte ihr nicht einmal die grobe Schnur von den Handgelenken genommen, mit der man sie gefesselt hatte. Sie könnte den Knopf zwar mit Magie lösen, doch das würde ihr jetzt nicht weiterhelfen. So ließ sie sich auf der Liege nieder, um ihre Gedanken zu sammeln.

Der Meister war ein ignoranter, selbstsüchtiger Tölpel. Er sah in jedem und allem eine Gefahr für sich und seinen Reichtum. Sein Volk allerdings war ihm egal. Eigentlich würde es der Stadt ganz gut tun, wenn die Dunkelheit sie heimsuchte. Doch sah sie wieder das Gesicht des kleinen Jungen vor sich und wie er in die grässliche Fratze eines Orks blicken musste. Dass das vielleicht der letzte Anblick in seinem jungen, aber dann viel zu kurzen Leben sein würde. Unsagbare Wut auf den Meister stieg in Ana hoch. Sie spürte wie ihr wärmer wurde, versuchte unter Aufbringen all ihrer Kräfte den Ausbruch zu verhindern.

„Lady“ sie hörte eine Stimme, einen Moment brauchte sie, um sie am Fenster zu finden. Ein Gesicht schob sich vor die Gitterstäbe, die aus massiven Metall geschmiedet waren.
„Was tust du hier? Wenn sie dich sehen, werden sie dich auch einsperren. Geh zu deinen Eltern“ Ana erkannte sofort das blasse Gesicht des Jungen wieder.
„Von dort komme ich. Anscheinend haben sie eure Verhaftung gesehen und wollten, dass ich euch eine Nachricht bringe.“ Er sah sich sorgfältig, um bevor er seinen dünnen Arm durch die Stäbe zwängte und ihr eine kleine Rolle reichte.
„Schreibt auf die zweite Rolle, seid mit der Kohle vorsichtig“ dann war der Junge weg.

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Hallo alle zusammen

Ich bin wieder zurück - hat länger gedauert weil ich Urlaub hatte und dann war ich beruflich im Ausland. Auch wenn man glaubt, WLAN sollte heutzutage kein Problem mehr sein - in manchen Regionen ist es noch nicht so ausgeprägt verfügbar. Und ich war nur im Südwesten Frankreichs.

Reviews würden mich erfreuen :)

glg eure Eryn
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