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Vorahnung

GeschichteAllgemein / P12
Gandalf Legolas Thranduil
18.04.2015
11.12.2016
23
33.702
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18.04.2015 1.425
 
„Wen bringt ihr mir da?“ Die Stimme, sie drang abweisend durch die große Halle.
„Mein König, wir haben dieses Weib im Wald aufgegriffen. An der Grenze zu eurem Reich.“ Der Anführer der Wachen verneigte sich vor seinem König, gab der Gefangenen in seinen Händen einen unsanften Schubs, sie fiel beinahe auf die Knie. Doch riss sie sich aus dem groben Griff los, richtete sich wieder auf, sah kalt zum König hoch.

Der König erhob sich, sein Blick auf die Gefangene war abschätzend. Sie wagte es sich ihm so offensichtlich entgegen zu stellen, es belustigte ihn und überraschte ihn. Normalerweise wichen alle seinem Blick aus, sorgten dafür, dass er seine Aufmerksamkeit nicht zu lange auf einen legte. Langsam kam er die Treppe vom Thron herab geschritten, blieb wenige Schritte vor der zierlichen Frau stehen. Etwas an ihr kam ihm bekannt vor. Doch er konnte es gerade nicht einordnen. In ihren Augen regte sich etwas, dass ihn stutzig werden ließ. Wer war diese Frau?

Sie trug die typischen Kleider der Waldläufer. Die schwarze Hose lag eng um ihre schlanken Beine, sie steckten ab dem Knie in gut verschnürten schwarzen Lederstiefeln. Das schwarze Hemd war mit einem Korsett eng um ihren Oberkörper verschnürt. Der schwarze Kapuzenumhang und die schwarzen Handschuhe sowie das schwarze Tuch um ihren Hals waren ebenfalls ein typisches Zeichen dieses Volkes, einzig der schwarze Mantel passte nicht ganz ins Bild. Doch konnte er es in diesem Moment keinem Volk zuordnen. Ihr Gesicht war bleich, sie wirkte beinahe blutleer. Ihre dunklen Haare waren zu einem strengen Zopf geflochten, der mit Nadeln zu einem Knoten gesteckt war. Ihre Augen waren verschleiert, doch schimmerten sie smaragdgrün.

„Wer seid ihr und woher kommt ihr?“ Seine Stimme war keinen Deut freundlicher geworden, er beobachtete ganz genau, wie die Frau reagiert. Doch nichts zeigte sich in ihren unnahbaren Zügen.
„Ich komme aus Caras Galadhon, die Herrin des Golden Waldes schickte mich direkt in eure Hallen, König Thranduil Oropherion. Meine Herkunft tut nichts zur Sache, doch bin ich keine der euren und keine der anderen.“ ihre Stimme war weich. Doch drang sie nicht minder stark durch die Halle.
„Und ob eure Herkunft etwas zur Sache tut. Warum schickt euch die Herrin der Galadhrim?“ flüsterte der Herrscher nahe an ihrem Gesicht. Sein Blick in ihre Augen wurde schärfer, er erkannte etwas in ihnen, dass ihn immer mehr verwirrte. Er konnte es nur noch nicht greifen. Aber das würde auch noch werden.
„Die Herrin der Galadhrim schickt mich, damit ich Kunde und Rat bringe.“ Sie warf einen Blick auf die zwei Krieger neben ihr, dann wieder auf den König. Unter keinen Umständen würde sie die Dinge offenlegen, wenn jemand unbekanntes dabei war.

Der König verstand ihre Blicke, wenn gleich er auch nicht sagen konnte, warum dem so war. Mit einer kaum bemerkbaren Handbewegung schickte er seine Krieger weg, beinahe lautlos zogen sich auch alle anderen Wächter aus der Halle zurück.
„Werdet ihr jetzt sprechen? Wir sind alleine.“ Er umrundete sie langsam, seine Kleider streiften leise über den Boden. Doch sie blieb stoisch ruhig stehen. Eine Erinnerung kam ihr in den Sinn, doch sie drängte sie zurück, jetzt war nicht die richtige Zeit dafür.

„König, ich sprach bereits mit Herrn Elrond und Frau Galadriel, genauso wie mit dem Istari Saruman und Gandalf. Den Erebor, Thal und Esgaroth besuche ich, sobald ich hier fertig bin.“
„Dann rede nicht um die Sache. Was ist so wichtig, dass du sogar die Zwerge und Menschen aufsuchen musst?“ Er stand mit dem Rücken zu ihr, seine Hände dahinter verschränkt. Die Frau seufzte, er hörte es ganz genau.
„Weil die Bedrohung zunimmt. Die Bosheit regt sich wieder, die dunkle Macht wird stärker. Noch hat sie keine starke Macht, sammelt im Verborgenen seine Kraft. Ihm fehlt etwas. Doch wenn er es findet, verschwindet das Sternenlicht, verschwindet das Mondlicht und verschwindet das Sonnenlicht. Eine ewige Dunkelheit wird über den Ländern Mittelerdes hängen. Es wird wie vor drei Jahrtausenden …“ der Satz wurde nicht zu Ende gesprochen, der König wandte sich verwundert um.

Die Frau hatte gespürt, dass etwas in ihr vorging. Als sie mit der Botschaft angefangen hatte, war es mit ihrer Kraft bergab gegangen. Kaum erwähnte sie die ewige Dunkelheit war es auch vor ihren Augen immer dunkler geworden. Ihre Sicht trübte sich schnell, etwas veränderte sich in ihr. Sie spürte, wie ihre andere Natur zum Vorschein kam, doch konnte sie ihr keinen Einhalt mehr gebieten. Ihre Knie gaben nach, mit dem Fall auf den Boden kam gnädige Dunkelheit über sie.

Der König wandte sich um, bekam gerade noch zu sehen, wie seine Gefangene bewusstlos wurde. Er dachte gar nicht darüber nach, ob es sich gehörte oder nicht. Er fing sie auf, verhinderte dank seiner schnellen Reflexe, dass sie auf den Boden stürzte. Verhinderte so sicher ein paar Verletzungen.

„Fenron“ Thranduil konnte zum ersten Mal seit sehr langer Zeit seine Überraschung nicht verbergen. Die Frau lag regungslos in seinen Armen, ihr Gesicht gezeichnet von Schwäche und Pein. Vorsichtig strich er ihr ein paar lose gewordene Haarsträhnen zurück, nur um heftig zusammen zu zucken.
„Das kann nicht … unmöglich“ flüsterte er leise. Gerade als er noch einmal nach seinem Wächter rufen wollte, erschien dieser lautlos vor ihm. Vorsicht nahm der Krieger die zierliche Frau in seine Arme, der Blick des Königs hatte ihm genug Auskunft gegeben.

„Bring sie zu Sethal, er soll dafür sorgen, dass sie ruht. Wenn sie aufwacht, lasst mich rufen.“ Thranduil sah seinem ersten Wächter nach, schüttelte dann aber den Kopf. In seinen Gedanken ging er die Möglichkeiten durch. Er konnte es fast nicht glauben, was er gesehen hatte. Nach einem letzten Blick aus der Halle in Richtung der Heiler ließ er das Tagesgeschäft im Thronsaal ruhen und zog sich in sein Arbeitszimmer zurück. Sein Berater Ateitha, der ihm immer dienstbeflissen die Schreibarbeiten abnahm, wartete sicher schon auf die ausstehenden Korrespondenzen.

Sethal eilte auf Fenron zu, kaum, dass dieser seine Räume betrat. Sethal hatte den Ruf des Königs genauso vernommen, verwundert über die Überraschung und auch die Sorge in der Stimme.
„Wen bringt ihr mir da?“ fragte der oberste Heiler neugierig. Schließlich bekam er nicht jeden Tag eine Fremde vom engsten Vertrauten des Königs zur Obsorge.
„Ich kann dir deine Fragen nicht beantworten. Nur der König weiß etwas, aber er hat noch nicht gesprochen. Sorg für ihre Ruhe, ihre Sicherheit obliegt mir. Wenn sie aufwacht, lass nach dem König schicken.“ Vorsichtig wurde die Frau in eines der Betten gelegt. Der Heiler öffnete ihr unter den Argusaugen Fenrons den Umhang, entfernte das Halstuch. Ebenso verfuhr er mit dem Mantel und den Handschuhen. Mehr wollte er jedoch nicht tun. Obwohl er wusste, dass sie unbewaffnet war, ahnte er, dass sie ihm gefährlich werden könnte, sollte er ihr zu nahetreten.
„Ich werde nach euch rufen, sobald sich ihr Zustand ändert“ versprach Sethal. Fenron nickte, teilte zwei seiner Männer als Wache ein und ging dann seinen restlichen Aufgaben nach.

„Mein König“ Ateitha sprach seinen Herrscher bereits das dritte Mal an, doch der war in anderen Gedanken versunken. Als er in das Arbeitszimmer gekommen war, hatte er den König mit dem Rücken zum Pult angetroffen. Sein Blick war in die Ferne gerichtet gewesen, ein Schatten der Trauer hatte seine Züge überdeckt. Der Schreiber hatte sich durch ein leises Räuspern bemerkbar gemacht, der König war nur langsam in Bewegung gekommen. Jetzt schien es Ateitha, als ob er wieder in einer anderen Welt weilte. Der König war unaufmerksam. Auch für ihn eine Seltenheit. Erneut sprach er seinen Herrn an, wartete geduldig, ob er eine Antwort gab.
„Lass es für heute gut sein. Ein paar Briefe kannst du bereits erledigen“ ohne weitere Details zu befehlen, entließ Thranduil seinen Helfer.

Er konnte seine Gedanken im Moment nicht auf die Anliegen seines Volkes oder seiner Handelspartner konzentrieren. Die unbekannte Frau ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Bilder von längst vergangenen Zeiten kamen ihm in den Sinn. Von einer Frau, die ihm ein wichtiges Geschenk gemacht hatte. Und von den Erlebnissen mit ihr. Auch wenn er es nicht gerne tat, der Schmerz war trotz den dreitausend Jahren noch nicht vergangen, sah er sie ebenfalls an der Seite seines Vaters.
„Kann es wirklich wahr sein? Aber warum schickst du dann keinen Boten? Warum begibst du dich selbst auf diese gefährliche Reise?“ Da er davon ausging, dass er alleine war, sprach er mit sich selbst. Antworten fand er jedoch keine, es verursachte lediglich ein unangenehmes Pochen hinter seinen Schläfen. Um sich abzulenken ging er noch ein paar Briefe durch, doch wie vorher fand er nicht in die Dinge hinein. So ließ er es blieben, zog sich in seine Gemächer zurück.

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Rechtschreibfehler wurden korrigiert :)
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