Buried Secrets

von Chemistry
GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Grimalkin Leanansidhe Meghan Chase OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
17.04.2015
01.02.2017
18
52983
3
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Prolog


Der Wilde Wald lag dunkel und verlassen da.
Lautlos waberte der Nebel über den feuchten Boden, schlängelte sich um die raschelnden Büsche und warf tiefe Schatten, wo keine sein sollten. Fahles silbriges Licht strömte durch die dichten Baumkronen, die so dick und belaubt waren, dass zwischen den Ästen kein einziger Stern im Himmel zu sehen war.
Hier und da leuchteten einzelne Farbtupfer und durchbrachen das vorherrschende Grau. Ein Fleck mit Blumen, die geradezu elektrisierend lila waren, wiegte sich sanft im Nebel. Ranken wanden sich um die Stämme einiger sterbender Bäume, wobei ihre langen roten Dornen in starkem Kontrast zu der Baum standen, den sie töteten.
Eine kühle Brise trug die verschiedensten Gerüche durch die Gegend. Zerdrückte Blätter, Zimt, Rauch und Äpfel, frische Erde, Lavendel und der durchdringende Gestank von Moder und Verwesung. Scharenweise Insekten, Irrwische und Blumenelfen schwirrten umher und leiser Gesang erfüllte die Luft, ruhig und harmonisch.
Der Wald war so düster und still, als wäre er in ewigen Zwielicht gefangen. Und doch bewegten sich drei Gestalten in der Finsternis, die eindeutig nicht hierher gehörten. Schnell und leise huschten sie vorwärts, in schwarze Umhänge mit Kapuze gehüllt, die ihre Gesichter in der Dunkelheit verbargen. Zwei von ihnen trugen ein kleines Bündel mit sich. Zwei Bündel aus vielen Decken, die die kleinen und zarten Wesen in ihnen warm halten sollten. Die Dritte, größer und gebauter als die anderen beiden, dessen Kapuze ein wenig nach hinten verrutscht war, hatte feuerrotes Haar und smaragdgrüne Augen und trug seine zwei Dolche bereit, sollte von irgendwo her eine Gefahr auflauern und es wagen sie anzugreifen.
Die Gestalten redeten nicht, sie machten keine Rast, sie aßen und tranken nichts, bis sie ihr Ziel erreichten. Sie hielten erst an, als sich der Wilde Wald lichtete und eine große Ödnis vor ihnen ausbreitete, an der bereits eine vierte Person auf sie wartete. Diese stand mit einem edlen Feenross vor einer großen steinernen Brücke, die über und über mit Wurzeln und Ranken überwuchert war, und trug ebenfalls einen Umhang, der so verdunkelt war, dass man seine markanten Umrisse nur erahnen konnte.
Als die drei Gestalten nah genug waren, ließ er sein Tier los, sprintete ihnen entgegen und schloss die kleinste von ihnen sofort in die Arme. Zärtlich drückte er sie an sich, um das Baby in ihren Armen nicht zu zerquetschen, küsste sie immer wieder, wie im Fieber. Erst dann warf er einen Blick auf das rosige Gesicht an ihrer Brust. Das Mädchen mit dem blond-silbernen Haar schlief tief und fest, die Lider geschlossen und den Mund zu einem kleinen O geöffnet. Die Wangen waren leicht gerötet, die Haut sauber und rein. Das war mit Sicherheit einer der glückseligsten Momente seines Lebens, wenn er nicht von dieser trübseligen Situationen überschattet gewesen wäre.
„Keirran“, flüsterte die Mutter so verzweifelt und hoffnungslos, dass es sich anfühlte, als würden tausend Nadeln in sein gebrochenes Herz stechen. „Wir haben nicht viel Zeit.“
„Ich weiß. Es ist nur..“ Er seufzte und fuhr mit den Fingern sanft über die Wange des Kindes in ihren Armen. Am liebsten würde er die Zeit für immer stillstehen lassen, wenn er so für immer bei ihr bleiben konnte. „Das ist alles so.. Thalia, ich.. Ich kann und will das nicht tun. Ich habe dich so lange nicht gesehen und .. ich kann dich nicht nochmal einfach gehen lassen. Dieser Brief.. Lass mich mit dir kommen. Wir finden gemeinsam eine Lösung. Es gibt immer einen-“
Sie verzog schmerzerfüllt das Gesicht und verdrängte die Tränen, die in ihren blau-grünen Augen brannten. „Nein“, unterbrach sie ihn schnell. „Ich muss das allein machen. Es gibt keinen anderen Weg. Bitte .. mach es nicht noch schlimmer, Keirran. Wir müssen das tun. Für uns, aber besonders für sie. Damit sie in Sicherheit sind.“ Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Ich weiß, ich habe dir wehgetan, und du bist der, das alles hier am wenigsten verdient hat, aber es geht nicht anders.“
Die zweite Gestalt zog die Kapuze vom Kopf und entblößte schwarzes Haar mit lila Strähnen und Katzenohren, die wachsam nach oben gestellt waren. Ihr blutete ebenso das Herz wie Keirran, aber hier war es nicht sicher, und bald würden Ritter des Lichten Hofes auftauchen, die sofort den Sommerkönig über ihren Standort informieren würden. Ganz sachte verlagerte sie das zweite Baby auf einen freien Arm und berührte Thalia mit der anderen Hand an der Schulter. „Thalia, wir müssen uns beeilen.“
Diese begann hilflos zu schluchzen. „Ja, nur.. Gib mir einen Moment.“ Die Tränen begannen zu fließen und strömten über ihr Gesicht, doch sie achtete nicht darauf. Es war richtig so. Nur so waren ihre Kinder vor den grausamen Höfen von Sommer und Winter in Sicherheit. Auch wenn es sie wahrscheinlich zerstören würde, sie nie wieder zu halten, zu sehen, wie sie ohne Mutter aufwuchsen und ihr Vater mit ihnen auf sich gestellt war, so war es doch der einzig richtige Weg. Sie musste sie gehen lassen, ob es ihr gefiel oder nicht.
„In Ordnung. Ich bin soweit. Puck, hol bitte den Korb.“
Die dritte Gestalt nickte und verschwand in Richtung Ross.
Thalia atmete tief durch und blickte mit einem Lächeln zu Keirran hoch. „Pass gut auf die beiden auf. Sie .. ähneln dir mehr als mir.“
„Das werde ich“, flüsterte er, und legte seine Stirn an ihre. Sein Atem war kühl und angenehm auf ihrer Haut. „Mit allem, was ich habe, und was mir etwas bedeutet. Das schwöre ich.“ Vorsichtig gab er ihr einen letzten Abschiedskuss, der so erfüllt war mit Liebe und Sehnsucht, dass es sich anfühlte, als würde er sein Herz herausreißen und in ihre Hände legen. Sie gab sich dem Kuss hin, ein allerletztes Mal, bevor sie ihn und die anderen nie wieder sehen würde. „Ich liebe dich, Thalia. Vergiss das niemals.“
„Ich liebe dich auch“, flüsterte sie. „Gib gut auf die beiden Acht. Vielleicht werden sie eines Tages die ganze Wahrheit erfahren. Doch solange es sich nicht vermeiden lässt .. sag ihnen nichts von mir oder ihrer Herkunft. Lüge. Lüge, wenn es sein muss, hörst du? Wenn sie von mir wüssten, würden sie entweder durchdrehen oder sogar nach mir suchen.“ Sie setzte eine entschlossene Miene auf. „Soweit darf es nicht kommen.“
„Ihnen nichts sagen? Bist du dir-“
„Ich bin mir sicher“, unterbrach sie ihn erneut und übergab ihm ihr Ein und Alles, das Einzige, was noch für sie zählte. Das Baby zitterte kurz, wachte jedoch nicht auf. „Nun, geh bitte. Puck und Violetta warten bereits.“
Der Prinz blieb, wo er war. Thalia konnte sein Zögern sehen, und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen. „Ich werde zurechtkommen, Keirran. Das habe ich immer getan. Ich weiß, dass du dir Sorgen machst, aber das brauchst du wirklich nicht. Ich bin .. mächtig.“ Liebevoll strich sie über seine Wange. „Und jetzt flehe ich dich an. Geh und kümmere dich gut um sie. Du weißt, dass ich dich immer lieben werde, egal wo ich bin oder was ich mache.“
Er warf ihr einen letzten sehnsüchtigen Blick zu. Dann nickte er gequält, legte das Mädchen neben ihren Zwillingsbruder in den Korb und verdeckte diesen behutsam mit einem dünnen Seidentuch, bevor er sich in den Sattel schwang, den Korb in seinem Schoß platzierte und über die Brücke für immer in das Eiserne Reich verschwand.
Violetta umarmte ihre beste Freundin noch einmal innig, setzte sich ihre Kapuze wieder auf und verließ die Gruppe ebenfalls, um nach Arkadia zurückzukehren und dem Sommerkönig zu berichten, seine Tochter sei für immer verschollen - allein, mit dem Wissen, dass der Sommerhof diese niemals finden würde, so sehr das Königspaar es auch versuchte.
Jetzt blieben nur noch die ehemalige Prinzessin und der Feentrickster Robin Goodfellow zurück, der sie mitleidig betrachtete. „Was wirst du jetzt tun?“, fragte er mit etwas brüchiger Stimme. Es war wirklich eine Seltenheit, Robin so niedergeschlagen zu erleben.
Sie wandte sich ihm zu, wischte sich die Tränen ab und zuckte mit den Schultern. „Untertauchen. Tief im Wilden Wald verstecken, vielleicht auch in der Welt der Sterblichen. Ich würde alles tun, um die Kleinen zu schützen, auch wenn das bedeutet, dass ich selbst dabei zu Grunde gehen sollte.“
Er runzelte nachdenklich die Stirn, und wurde sofort mit einer Idee gesegnet, die sie eventuell sogar retten und vor den Höfen verstecken könnte. „Vielleicht musst du das gar nicht.“ Er zog seinen Umhang fester um sich und musterte die Gegend  misstrauisch. „Es gibt einen Ort, ein paar Tage Fußmarsch von hier, wo du dich verstecken kannst. Eine alte Freundin von mir hat dort gelebt, bevor sie..“ Er stockte kurz. „Es liegt tief im Wilden Wald und wird nur selten von jemandem aufgesucht. Besonders nicht diese Senke, da sie das Zuhause von einem Wyvernnest war. Dort bist du geschützt und niemand wird an dieser Stelle nach dir suchen. Da bin ich sicher.“
Das klang nach einem guten Unterschlupf. Nur für sich allein sein war genau das, was sie jetzt brauchte, um von allem Abstand zu bekommen. Erneut holte Thalia tief Luft, dann hob sie entschieden das Kinn. „Gehen wir es an.“
Und damit setzten sie sich erneut in Bewegung, bevor sie selbst wieder zu Schatten wurden und mit der Umgebung zu einem verschmolzen.
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