Carol Beer und der Blutspender

von Ronsen
GeschichteHumor / P12
Carol Beer
16.04.2015
16.04.2015
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Blutspenden ist der Zweithäufigste medizinische Eingriff in den USA. Gleich nach der Fettabsaugung.

Carol Beer, die britische Empfangsdame am Saint Jones Krankenhaus in Pennsylvania, erwartet sehnlichst ihre Mittagspause nach einem arbeitsreichen Vormittag. Unglücklicherweise betritt gerade drei Minuten vor Zwölf ein weiterer Patient das Krankenhaus. Es ist ein stattlicher Mann mittleren Alters, bekleidet mit einem Holzfällerhemd und einem roten Basecap. Sein Gesicht ist geziert von einem beeindruckenden, tiefschwarzen Vollbart. Er tritt an den Empfang heran, doch Carol blickt weiter starr in Richtung Uhr. Der Mann wirkt aufgeregt, ungeduldig.
„Ähm… hallo?“
„Oh guten Tag, ich habe Sie nicht gesehen“, Carol nimmt die Brille ab und beginnt, die Gläser am Ärmel ihrer blumigen Bluse zu säubern.
„Ich komme zum Blutspenden. Mein Bruder hat sich beim Holzfällen verletzt und ich will ihm helfen.“
„Ich bin noch nicht fertig“, sagt Carol gereizt und putzt weiter in Seelenruhe ihre Brille. Als sie schließlich fertig ist, blickt sie in die verzweifelten Augen des Mannes.
„Herzlich willkommen im Saint Jones Hospital. Mein Name ist Carol, wie kann ich Ihnen helfen?“
Der Kerl kneift die Augen zusammen.
„Ich bin zum Blutspenden hier“, wiederholt er eindringlich.
„Name?“
„Terry Jones.“
Carol beginnt, auf ihrer Tastatur herumzutippen. Dann wendet sich ihr stoischer Blick wieder an den Mann.
„Computer sagt nein.“
„Was?“
„Wir haben einen Patienten namens Larry Jones…“
„Genau!“, ruft der Bärtige erregt, „Das ist mein Bruder. Larry Jones. Wir waren beim Holzfällen und ihm ist ein gewaltiger Ast auf den Kopf gefallen. Ich bin der Einzige in unserer Familie mit der passenden Blutgruppe.“
Carol zuckt nur unbeteiligt mit den Schultern. Dann beginnt sie wieder mit Tippen.
„Eine der Schwestern könnte Sie waschen und rasieren. Das könnte Ihnen gut tun.“
„Was? Nein.“
„Ich hätte da auch noch einen freien Termin beim Proktologen zur präventiven Untersuchung ihrer Prostata.“
„Nein!“
„Sie sollten besser auf Ihre Gesundheit achten. Ich reserviere Ihnen den Termin, falls Sie es sich anders überlegen sollten.“
„Hören Sie“, versucht es der kräftige Mann etwas ruhiger, „Können Sie mir einfach einen Termin zum Blutspenden geben? Es ist dringend!“
Carol zeigt dem Mann einen Zettel, der wie ein Sehtest geschrieben ist. Das erste Wort ist groß, die darunter werden immer kleiner.
„Da steht: Computer sagt nein“, liest der Mann vor und kneift die Augen beim letzten Wort zusammen, „Was steht ganz unten?“
Als Antwort hustet Carol ihm ins Gesicht.
„Zwölf Uhr, ich habe jetzt Mittagspause.“
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