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Different moments ~

KurzgeschichteAllgemein / P18 Slash
14.04.2015
29.05.2019
96
157.315
8
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93 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
03.05.2015 1.278
 
P 16 sag ich einfach mal. :3

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Gilbert betrat das Anwesen. Es war Winter und sein Atem blieb in kleinen Wölkchen in der Luft hängen, bevor er sich irgendwann in den Nachthimmel erhob. Er setzte einen Fuß auf die Treppe und trat durch die Tür hindurch. Leise schloss er diese, er wollte niemanden aufwecken. Er blickte sich um. Er kannte dieses Haus zu gut. Er hatte hier gelebt, in diesem kahlen Haus, hatte gelacht, geweint und sich Sorgen um Oz gemacht. Nur um Oz. Wo war er bloß abgeblieben ? Die Vorstellung, dass dieser bereits im Abyss umgekommen war, ließ in ihm die Tränen aufsteigen. Er wollte es nicht wahrhaben, dass sein Master tot war. Außerdem glaubte ihm niemand, dass Oz im Abyss war, er war der Einzige, der gesehen hatte, dass die Baskervilles ihn in den Abgrund geschickt hatten. Aber warum hatte er es gesehen und die Anderen nicht ? Warum fühlte es sich so falsch an, einen legalen Vertrag mit Raven zu haben ? Und warum schoss er immer mit der linken Hand, es war fast so, als ob sie verflucht wäre... aber diese Fragen würden ihm noch beantwortet werden. Auch wenn er es nicht wusste, sogar bald. Gilbert schüttelte nur den Kopf, um die Gedankenflut aufzuhalten, die ihn mitzureißen drohte. Das eigentliche warum er hier war, war Vincent. Er machte sich das erste Mal in seinem gesamten Leben - von dem er wusste - Sorgen um seinen Bruder. Er stieg die Treppen hoch, sein Herz schrie, er sollte doch rennen, um schneller bei ihm zu sein, falls etwas passierte... doch er wusste genau, dass er zu viel Lärm machen würde, würde er rennen. Außerdem war das sowieso ein großes Risiko, allein schon wegen der Kopfjägerin oder Herzog Nightray... Er seufzte. Alles war so verdammt kompliziert... Er war nun endlich in dem Flur, in dem Vincent und er das gemeinsame Zimmer hatten. Er schich noch langsamer, es waren Ferien, was, wenn er Elliot und Leo aufwecken würde ? Er kannte Elliots Temperament gut genug. Sowieso war dieser nicht gerade gut auf Gil zu sprechen, da er das Haus verlassen hatte. Allerdings nicht aus Angst, sondern aus Sorge um die Anderen, seine Geschwister... um Vincent allerdings nicht. Er wusste selbst nicht warum. Endlich kam Gil an der Tür an. Langsam drückte er die Klinke herunter. Er vernahm kein Geräusch... doch. Da war ein leises, gehetztes Keuchen. In einer Ecke des Raumes. Da kam es her. (Meine Katze schnarcht x'DDD)Langsam und besonders leise lief er weiter. Das Keuchen stoppte. Schlagartig. Zu schlagartig. Gilberts Herzschlag beschleunigte sich. Was war da los ? Er legte seine linke Hand an den Griff seiner Pistole. Nur um sicher zu gehen. Es konnte ja auch nichts weiter sein... eventuell nur eine Frau... allein bei dieser Vorstellung wurde er rot. Nichts schlimmes, nein überhaupt nicht. Er blickte vom Boden auf und erblickte Vincent. Er saß schlaff auf einem Stuhl. Sein blondes Haar war zersaust und fiel ihm in leichten Locken über die Schultern, das kam wohl dadurch, dass er sich die Haare nicht richtig getrocknet hatte. Seine Augen waren weit geöffnet und unheimlich milchig. Da wusste Gil es schon. Aber er wollte es nicht wahrhaben, noch nicht. Sein Blick glitt weiter zu seinem leicht lächelnden Mund, es war ein erleichtetes Lächeln und passte nicht zu den Augen. Er blickte zum Hals. Dort thronte eine große und tiefe Wunde, dunkles Blut sickerte hervor und befleckte den schwarzen Mantel den sein Bruder trug. Und dann war es wirklich klar. Gilbert wusste nicht was er sagen oder tun sollte. Er stand einfach nur da, merkte, wie ihn eine große Trauer überkam. Und große Wut. Auf Vincent und noch mehr auf ihn selbst. Warum ? War die einzige Frage, die immer und immer wieder in seinem Kopf nachhallte. Aber er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Er war völlig benebelt. Er starrte auf die Wunde und merkte, wie ihm langsam schwarz vor Augen wurde. In der geöffneten Hand von Vincent lag eine Schere, glänzte, das Metall sowie das Blut. Die ganzen Kuscheltiere, waren es nur Versuchskaninchen für sein eigentliches Vorhaben ? Dieses Vorhaben ? Gilbert merkte, wie die Trauer in ihm immer mehr zunahm, aber die Tränen wollten nicht kommen. Was für eine Erlösung sie wären. Aber sie wollten nicht. Sie wollten es verdammt nochmal nicht ! "Warum hast du das getan ?", wollte er eigentlich schreien, seine Wut rauslassen, aber das einzige was herauskam war ein leises Flüstern. Ohne es wirklich zu wollen, umarmte er den toten Körper. Er wollte sicher gehen, vielleicht war es nur ein dummer Scherz... nur ein verdammt dummer Scherz... aber der Körper war kalt. Gil vergrub sein Gesicht in den blonden, zerstrubbelten Haaren und flüsterte immer wieder, warum er das nur getan hatte... aber diese Frage konnte ihm Vincent nicht mehr beantworten. Er spürte nicht einmal das Blut, das seinen nun nicht mehr weißen Schal befleckte und seinen Körper hinunterrann. Das einzige, was er bemerkte, war diese große Leere in ihm. Die Dunkelheit, die Trauer und die Wut. Warum bin ich nicht früher gekommen ? Warum, warum, warum,... "Verdammt Vince, wach auf ! Das ist nicht mehr lustig !", schrie er nun wirklich. Weckte er doch die Anderen auf, es interessierte ihn nicht. Er stieß sich von dem schlaffen Körper weg. Er starrte in das verzerrte Gesicht und verpasste ihm eine Ohrfeige. Aber es tat sich nichts, außer dass Vincents Kopf sich in die Schlagrichtung drehte und Gilbert rote Striemen an der geschlagenen Wange sah. "Verdammt noch mal Vince !", rief er abermals, seine Stimme wurde zusehends schwächer. Und dann endlich kamen sie. Die Tränen. Sie rannen seine Wange hinunter, tropften auf den Boden und bildeten einen Kleinen See. Gilbert weinte. Er wusste nicht, was er sonst tun konnte, die Tränen  wollten gar nicht mehr aufhören, aus seinen goldbraunen Augen hinaus zu treten. Dann fiel sein Blick auf einen weißen Zettel am Tisch. Er erhob sich langsam und lustlos und ging zum Tisch. Er nahm den Zettel und begann zu lesen. Es waren die letzten Worte seines Bruders. Seinens Bruders, den er immer so gehasst hatte.

Lieber Gilbert, lieber Elliot, oder wer auch immer mich findet,
es tut mir unendlich leid. Ich weiß sicher fragt ihr euch jetzt, warum ich das getan habe. Nun, ich habe keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Ich wollte es nicht ertragen, Gil leiden zu sehen, wenn jemand mich beleidigte, wollte nicht sein sorgenvolles Gesicht sehen, wenn er mich immer und immer wieder beschützte. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was ich überhaupt sagen soll. Es ist halt einfach alles zu viel für mich. Ich bin schwach, richtig schwach. Ich weiß das, und ihr wusstet auch, dass es mal so kommen würde. Man weiß immer, dass der Tod kommt, und manchmal muss man ihn sich selbst holen. Alte Leute beten dafür zu sterben, um nicht zum Pflegefall zu werden. Bei manchen klappt es. Aber ich bin noch jung, also musste ich es tun. Es tut mir wirklich leid. Ich hoffe, ihr könnt mich ein bisschen verstehen,
lebt wohl !
Und auch du Gil, bitte lebe wohl, mache dir keine Sorgen, wir werden uns wieder sehen, du musst nur daran glauben.

Vincent


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Inspiriert von Vivien Lacroix's "Scheren schneiden nicht nur durch Stoff". Allerdings mit einem großen Unterschied. xD Meine Güte, ich fühl mich doch gleich viel besser, wenn ich so etwas schreibe ! :3 (das... ._. müsst ihr nicht verstehen... nur das im Februar mein Opa gestorben ist... die Anspielung mit dem Pflegefall trifft auf ihn zu... ;w;) Aber naja, bitte macht euch keine Sorgen ! xD

An die Schwarzleser (falls es welche gibt xD) meldet euch doch mal ! :3 Wenn nicht, bleibt ihr halt Schwarzleser, was soll's mich kümmern ! xD

~Schnuff
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