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Die Eislandschaft

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
Gray Fullbuster Juvia Loxar Natsu Dragneel
13.04.2015
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Die Eislandschaft


Fallende Flocken. Eine einsame Lichtung. Umschlossen von riesigen Tannen. Im Hintergrund die hohen Bergwipfel. Nur wir beide in dieser Welt aus Kälte und Stille. Nicht einmal ein raschelnder Ast durchbricht die Mauer aus Ruhe. Sie steht vor mir. Fünf, nein Moment, zwei Meter entfernt. Naja es könnten eigentlich auch sieben sein, denn ganz ehrlich, ich war noch nie besonders gut im schätzen. Ich persönlich weiß ja eigentlich gar nicht, wie ich hierhergekommen bin. Wie landet man überhaupt in einer verschneiten Einöde ohne ein einziges Cafe  oder Skiresort? Also ich meine natürlich, außer man hat Erza beim Kuchen essen gestört... Allerdings glaube ich auch, dass ich dann die Blessuren vom Aufprall spüren würde. Und warum wäre dann Juvia hier? Hat Erza sie mir mitgeschickt, als Reisegeschenk oder so? Meine Fantasie läuft heute wohl mal wieder Amok. Vielleicht versucht sie mich auch einfach von dem stechenden Schmerz abzulenken, der mein durchbohrt, weil diese Schneelandschaft mich so sehr an Ul erinnert wie kaum etwas anderes. Ich zittere, fällt mir nun ebenfalls auf. Eigentlich sollte ich ja gar nicht zittern. Schließlich bin ich ein mehr oder weniger voll ausgebildeter Eismagier. Mir sollte diese klirrende Kälte nichts ausmachen.

Vielmehr sollte sich normalerweise Juvia zu Tode frieren. Denn sie steht barfuß vor mir nur mit einem weißen, schlichten Sommerkleid bekleidet. Aber ich entdecke nicht das kleinste Anzeichen für einen bevorstehenden  Kältetod. Ganz im Gegenteil. Die Wassermagierin strahlt eine Gelassenheit und Normalität aus, die mein Zittern verschwinden lässt. Auch der Schmerz in meinem Herzen, wird nun von dem schnellen Pochen übermalt. Juvias Wirkung auf mich ist unverkennbar und schon seit einiger Zeit verliere ich mich gerne in ihr. Mein Vertrauen in Juvia lässt mich manchmal selbst erschrecken, muss ich zugeben. Schließlich habe ich sie sehr lange nur als gefährliche Stalkerin angesehen. Das war gesunder Menschenverstand, wenn man die Aktionen betrachtet, die sie des Öfteren abgeliefert hat. Aber die Absichten, welche hinter den ganzen verrückten Aktionen steckten hatte ich erst sehr viel später erkannt. Und nun hob Juvia den Blick, der schon die ganze Zeit auf ihre Füße gerichtet war. Ihre hellen, blauen Augen suchen meinen Blick. Alles an ihnen strahlt pure Wärme aus, die so gar nicht in das Bild dieser Eislandschaft hineinpasst. "Gray," setzt sie mit ihrer klaren Stimme an, während sie sich ein kleines bisschen vorbeugt, als würde sie mir gleich ein Geheimnis offenbaren. Wie sie meinen Namen so ganz ohne Respektfloskel ausspricht, lässt mich erschaudern. Ein kleines Lächeln zeichnet sich auf ihren Lippen ab. "Juvia liebt dich." Ihre Worte vibrieren in meinem ganzen Körper, so laut, dass ich mein Blut in den Ohren Rauschen höre und so schnell, dass meine Beine fast unter nachgeben. Aber die eine Sache, welche mich tief nach Luft schnappen lässt, sind die Tränen, die Juvia währenddessen die Wangen runter rinnen und schon kurz darauf gefrieren. Weint sie, weil sie langsam genug von meiner ständigen Abweisung hat? Ist sie wütend oder verzweifelt? Plötzlich überwältigt mich das dringende Bedürfnis sie in die Arme zu schließen. Und in diesem Augenblick lasse ich es zu, werde ich schwach. Ich habe einfach Angst. Ja, das ist wohl die beste Art dieses Gefühlschaos, welches so unaufhörlich in mir tobt, möglichst einfach zu beschreiben. Denn jedes Mal, wenn sie mich wieder anfällt, mich sexuell belästigt und mich fast schon wie den  Messias irgendeines dunklen Kultes behandelt, frage ich mich, ob auch sie bald verschwinden wird. Was passiert, wenn sie eines Tages genauso weg ist wie  Mutter oder Vater, wie Ul, vielleicht sogar wie Ultear? Dieselben Gedanken hatte ich in meiner Anfangszeit bei Fairy Tail auch. Was geschieht, wenn all diese Menschen plötzlich weg sind? Könntest du so etwas nochmal verkraften? Doch diesmal ist es sogar noch schwieriger sich auf das ganze einzulassen. Als sich meine Arme um ihren zierlichen Körper schließen, krallt sich Juvia an meinem Hemd fest. Der Stoff ist wohl schon kurz vorm zerreißen, aber mich stört das eher weniger. Das Kleidungsstück hätte ich bestimmt sowieso aufgrund meiner Angewohnheit ausgezogen. Was mich im Moment mehr interessiert, ist der Grund warum Juvia weint. Ich könnte mir etliche vorstellen und mehrere dutzend kämen wohl noch hinzu wenn ich dieses Mysterium Frauen-Gehirn etwas besser verstehen würde. "Bitte lass mich nicht allein." Die brüchige Stimme und die unerwartete Antwort auf meine stumme Frage, lassen mich einen Schritt zurücktreten. Verdutzt starre ich Juvia an. Ist sie mir wirklich so ähnlich? Ich habe nicht viel Ahnung davon was die Wassermagierin in der Vergangenheit durchmachen musste, noch weiß ich, warum sie so vernarrt in mich ist. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich eigentlich ziemlich wenig über Juvia. Aber vielleicht, nur ganz vielleicht, hat auch sie schrecklich Dinge erlebt. Vielleicht hat auch sie Menschen verloren, die sie mehr als alles andere auf der Welt geliebt hat. Vielleicht ist sie in ihrem Inneren genauso kaputt, zerbrechlich und rastlos, wie ich ich es war, heute in einsamen Augenblicken manchmal immer noch bin. Vielleicht hat sie genauso große Angst wie ich eines Tages in einer Welt aus weiß allein aufzuwachen. Und vielleicht, aber nur ganz vielleicht, kann ich ihr die Furcht nehmen, so wie sie sie mir manchmal nimmt, indem ich einfach auf sie zugehe. Also trete ich wieder eine Fußlänge nach vorne und hebe meine Hand. Sanft, so vorsichtig dich ich kann, lege ich sie auf die porzellanweiße Wange. Ihr dampfender Atem wärmt mein Gesicht ein wenig. Als ich ihre Haut berühre zuckt die Frau vor mir zusammen. Unsere Augen treffen sich. Ich weiß nicht was sie in meinen sieht, doch es muss sie faszinieren, denn sofort wird sie ruhig. Ich dagegen werde immer nervöser. In dieser unwirklichen Stille bin ich mir sicher, dass auch sie das laute, nein, ohrenbetäubende Pochen meines Herzens hören kann. Eine Sekunde zögere ich. Warum tue ich das überhaupt? Ich könnte es lassen und unbeschadet weiterleben. Einfach so. Doch mein Wille ist in diesem Moment stärker als mein Kopf. Er drängt sich mit aller Kraft durch die Mauer aus Vernunft und Verstand, reißt alle Zweifel  nieder und zündet sie an, sodass  sie Teil eines Scheiterhaufens werden, um den mein Herz in einem wilden Rhythmus tanzt. Alles kommt mir so viel intensiver vor, jedes Geräusch, jeder Atemzug. "Juvia, ich," beginne ich mit rauer Stimme. Es sind meine ersten Worte, seit ich in diesem surrealen Szenario gelandet bin und schon jetzt fühle ich Erleichterung, denn der erste Schritt ist getan. Jetzt muss ich denn Satz nur noch beenden, dann werden sich alle Missverständnisse wie von selbst aufklären. Wer hätte gedacht, dass das ganze so leicht ist? Doch genau in dem Moment, in dem ich so viel Zuversicht fasse, wie schon lange nicht mehr, wird die ganze Welt um mich herum schwarz...

Im ersten Augenblick bin ich von dem ganzen Lärm um mich herum so überrumpelt, dass ich mehr als gewillt bin meine Ohren zu zuhalten. Diese Gilde ist wirklich ein einziges Chaos und natürlich muss Gajeel wieder anfangen zu singen, nein, besser gesagt zu plärren. Ich bin mir fast schon sicher, dass der Kerl einen Deal mit dem Ohrenarzt der Umgebung gemacht hat. Seit der Eisen-Dragon Slayer hier bei Fairy Tail ist, muss der Typ Patienten bis zum Überlaufen haben. Doch dann lenkt etwas anderes meine Aufmerksamkeit auf sich. Jemand stellt vor mir eine Tasse Cafe ab. Ich kann mich entsinnen,  ihn bestellt zu haben, bevor ich wohl in meinen Tagtraum abgedriftet bin. Worum es da wohl ging? Das Einzige, woran ich mich noch halbwegs erinnern kann, ist eine verschneite Waldlichtung. Hmm komisch, ich könnte schwören, dass da noch mehr gewesen war. Als ich mich nun genauer mit der Tasse und der sich darin hin und her bewegenden Flüssigkeit befasse, stelle ich fest, dass auf dem Cafe ein Herz aus Milchschaum thront.  Und natürlich ist mir auch klar, wer das gewesen sein muss. Aus irgendeinem Grund bringt mich das zum Grinsen. Als ich nun meinen Blick hebe bestätigt sich meine Vermutung. Mit erwartungsvollem Gesicht  blickt mich Juvia hinter der Theke an. Sie hilft Mira heute wohl wieder beim bedienen, es ist ja auch ziemlich was los. Vor ein paar Monaten noch wäre sie nie so nah an mich herangetreten. Wahrscheinlich hätte sie sich einfach hinter dem nächstbesten Balken versteckt und mich angeglotzt, während jeder, der ihr dabei die Sicht verdeckte, den Todesblick zu spüren bekommen hätte. Tja, ich nehme an wir alle verändern uns. "Danke," sage ich und hebe meine Tasse um einen Schluck des Cafés zu nehmen. Er schmeckt gut. Zart bitter mit einer leichten Nussnote. Juvia hingegen errötet.

Sie nickt und ist schon dabei kehrt zu machen, wahrscheinlich um das nächste Mitglied zu betreuen, doch ich beuge mich schnell über die Theke und schließe meine Hand fest um ihr Handgelenk. Die Haut der Wassermagierin ist so viel wärmer als meine, fällt mir nicht zum ersten Mal auf. Abrupt hält Juvia in ihrer Bewegung inne. Zuerst starrt sie meine Hand, dann mein Gesicht mit großen Augen an. Was ihr in diesem Moment wohl durch den Kopf geht? Ehrlich gesagt weiß ich selbst auch nicht was ich gerade tue, aber die Worte sprudeln einfach so aus mir heraus. "Nenn' mich von jetzt an Gray." Selbst als der Satz zu Ende gesprochen ist, weiß ich noch immer nicht, warum ich ihn ausgesprochen habe. So sehr hat mich das -sama doch nun auch wieder nicht gestört, oder? Naja vielleicht ein bisschen... "Gray," murmelt Juvia geistesabwesend. Ihre Wangen werden nun tiefrot und ich merke schon wie sich bei mir dasselbe Symptom anbahnt. Kann sowas tödlich sein? Ich glaube, ich habe gerade etwas sehr, sehr, sehr dummes getan. Mein Herz pocht schneller, während ihre Stimme immer noch in mir nachvibriert. Gray. Plötzlich habe ich das Gefühl, die ganze Gilde hält inne und hat ihre Aufmerksamkeit nur auf uns beide gerichtet. Ich spüre ihre Blicke in meinem Rücken wie kleine Nadeln.  Na ganz toll, jetzt wird das hier auch noch zum Showdown des Tages. Meine eine Hälfte ist immer noch in Juvias Augen gefangen. Die andere Hälfte, die die ihr Gehirn heute wohl nicht zu Hause gelassen hat, ist fieberhaft am überlegen, wie sie die Situation wieder Normalisieren kann. Außerdem läuft diesem Teil von mir ein kalter Schauer über den Rücken, als er aus dem Augenwinkel Miras Endlich-zeigen-meine-Methoden-Wirkung-Lächeln sieht. Diese Ich sieht einen tiefen Abgrund, der sich vor ihm auftut.

Doch zum Glück gibt es hier wohl immer noch eine hirnlosere Person als ich, eine, die das ganze Schauspiel um mich und Juvia gar nicht erst mitbekommen hat. Denn als ich mich von Juvia abwende, sehe ich Happy und Natsu, welche eine graue Blechdose hin und her werfend noch immer durch die Gilde tollend. Und als die beknackte Feuerbirne das nächste Mal wirft, schafft es der flügelschlagenden Kater nicht den Metallbehälter aufzufangen. Die Dose fliegt auch über mich hinweg mit dem Unterschied, das mindestens die Hälfte der sich  anscheinend darin befindenden gelben Farbe auf meinem Kopf und um mich herum tropft. Kurz darauf landet die Blechdose dann ganz elegant und ohne noch ein einziges Spritzer Farbe zu verschütten. Ungläubig starre ich den Behälter ein paar Sekunden lang an. Wie wahrscheinlich kann es sein, dass die beiden mit einer offenen Farbdose durch die Gegend flanieren und sich fast die Hälfte davon in einem Moment, in dem ich dringend ein Ablenkungsmanöver benötige, über mich ergießt? Versucht das Universum mir etwa zu helfen? Oder ist Natsus Dämmlichkeit einfach nur unermesslich? Naja, wenn ich genauer darüber nachdenke trifft wohl beides irgendwie zu. Aber hey, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, also nutze ich diese Gelegenheit. "Verdammt, du laufende Müllbrennanlage! Bist du wirklich so blöd oder tust du nur so?" "Was hast du gesagt, Eisspargel?", erwidert der Feuertopf und streckt herausfordernd eine Faust in die Höhe. Perfekt, das Manöver ist geglückt. Langsam aber sicher wenden sich alles wieder ihren eigenen Geschäften zu. Einige bewegen sich aber auch in Richtung Happy um eine Wette auf unseren Kampf abzuschließen. Selbst der Master macht mit und setzt auf Natsu. Na warte, den werde ich eines Besseren belehren. Das Wettgeld sollte er sich lieber sparen um das Chaos und die zerstörte Einrichtung nach unserem Kampf zu bezahlen. Und so rollen wir schon bald als Haufen aus rollenden Armen und Beinen über den Dielenboden, mit aller Macht darin bestrebt der Kuchen essenden Erza aus dem Weg zu gehen, denn sonst endet dieser Kampf für uns beide nebeneinander auf dem Friedhof.

Ich bin mir meines Sieges fast schon sicher, als mich Natsu mit etwas komplett aus der Fassung bringt. "Gern geschehen," meint er leise und zwinkernd. Zuerst weiß ich gar von was er redet, doch einen Augenblick später erstarre ich. Moment, das war mit Absicht? Verdutzt blicke ich den Dragon Slayer vor mir an. Er hat mir ganz bewusst geholfen? Mein kleiner Aussetzer verschafft ihm genug Zeit um mir einen harten Schlag in die Magengrube zu verpassen, sodass ich eine Sekunde später nach Luft schnappend auf dem Rücken liege. Siegreich grinsend beugt sich Natsu über mich. "Tja, das ist dann wohl mein Sieg." Wäre ich jetzt in der Lage zu sprechen, so würde ich diesem Cheater wohl ein paar saftige Schimpfworte um die Ohren pfeifen. Doch schon im nächsten Augenblick ist die Aufmerksamkeit der Kerze auf etwas  anderes gerichtet, denn Lucy betritt gerade durch das Gildentor den Schankraum. Mit hinter dem Kopf verschränkten Händen und dem liebevollsten Ausdruck in seinen Augen, den ich je bei Natsu gesehen habe, der sich immer in seinen Seelenspiegeln manifestiert, wenn die Blondine sein Blickfeld für sich beansprucht, eilt der Rosahaarige zufrieden in ihre Richtung. Kurz darauf erscheint ein anderer Kopf über mir. Blaue Locken streichen mir leicht übers Gesicht als sie sich mit sorgenvollem Gesicht neben mir niederlässt. "Hat G-g-gray große Schmerzen?" Sie versucht meiner Bitte nachzukommen. Auf gewisse Weise macht mich dies stolz und glücklich zugleich. Aus irgendeinem Grund beginne ich zu denken, dass das von vorhin vielleicht gar kein Fehler war. Mir will zwar selbst nicht ganz klar werden wieso, aber was soll's? Im Hintergrund höre ich Cana währenddessen irritiert fragen:" Was zur Hölle war denn da gerade los? Ist Gray jetzt etwas paarungsreif geworden?" Mira dagegen scheint ihre Begeisterung kaum in Grenzen halten zu können. "Wir haben gerade den Beginn von etwas Wundervollem erlebt!" Plötzlich entsteht ein leises Lachen in meiner Kehle, sucht sich seinen Weg an die Oberfläche. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, denke ich, hat sie damit, so verrückt es auch klingen mag, sogar recht.

Hallo, an alle, die mich kennen und die mich hiermit (gezwungenermaßen) kennenlernen ^^! Ich hoffe, ihr hattet Spaß. Über Reviews würde ich mich riesig freuen :D. Bei Fragen, Vorschlägen oder auch einfach zum Reden könnt ich mich gerne auch privat anschreiben, ich beiße nicht (außer es geht um Schokolade...).

Schönen Tag noch und ich hoffe, wir lesen uns!
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