Alles oder nichts

von Huelk
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Esteban Gutiérrez Nico Hülkenberg Sergio Pérez
11.04.2015
11.04.2015
1
2381
6
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Kommentar: Hallo und willkommen, zu einer meiner jüngeren Versuche. Vor zwei Jahren hatten die beiden es mir einfach angetan und ich habe mich mal daran versucht. Ich hoffe, dass Euch auch die beiden gefallen werden und bin schon sehr gespannt, was Ihr zu diesem Oneshot sagt. Viel Spaß damit!

Disclaimer: Der Inhalt des Oneshots ist frei erfunden und entspringt lediglich meinen eigenen Gedanken. Einzig und allein die Rennergebnisse und das Datum entsprechen der Realität, der Rest ist fiktiv. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, verdiene kein Geld damit und möchte auch keinem zu nahe treten.





Alles oder nichts



Suzuka, Japan
13. Oktober 2013


Zuerst hatte er sich in diese großen, treuen Kulleraugen verliebt. Wie sie ihn ansahen, dieses tiefe Braun und so unschuldig, dass er ihnen alles glauben würde.
Dann hatte er sich in dieses offene und ehrliche Lächeln auf den schmalen Lippen verliebt. Ein bisschen schüchtern war es aber manchmal auch.
Er hatte sich in diese Stimme verliebt, so weich und doch mit diesem harten Akzent. Er hatte sich in diese langen Finger verliebt, mit denen er immer spielte, wenn er nervös war. Er hatte sich einfach vollkommen und mit allen Konsequenzen in ihn verliebt und er wusste nicht, was er jetzt tun sollte.

Er beobachtete Esteban schon eine ganze Weile. Die pralle Sonne schien dem Jüngeren nicht viel auszumachen. Er saß schon ein paar Minuten dort und tippte auf seinem Smartphone herum. Es könnte so leicht sein, zu ihm hinüber zu gehen und ein Gespräch zu beginnen, aber er fand nie einen Weg das zu sagen, was wirklich wichtig war.
Er seufzte frustriert und zwang sich in eine andere Richtung zu gucken. Eigentlich sollte er jetzt lieber in die Interviews gehen. Es war ein erfolgreicher Tag für das Sauber-Team. Sein sechster Platz gehörte zu den besseren Ergebnissen in dieser Saison und für Esteban auf dem siebten Rang war es das erste Rennen, dass er in den Punkten beendet hatte. Ein wirklich guter Tag, aber... Es war frustrierend, dass er sich nicht dazu in der Lage fühlte, ihn perfekt zu machen. Er war nahe dran an perfekt, aber es fehlte eben etwas.


Wann hatte Esteban eigentlich damit begonnen, ihm unbewusst den Kopf zu verdrehen? Vielleicht hatte es schon in Australien angefangen, als er nicht hatte an den Start gehen können. Es war so ärgerlich gewesen, aber noch in der Box hatten seine Mechaniker eine Störung im Benzinsystem ausgemacht, die sie nicht mehr rechtzeitig vor dem Rennen beheben konnten. Er hatte sich so darüber geärgert, aber Sicherheit ging nun einmal vor.
Für Esteban war es allerdings auch nicht berauschend gelaufen. Ein 13. Platz war nicht das, was man sich nach den positiven Tests im Winter erhofft hatte. Der Mexikaner hatte nach dem Rennen nicht weniger enttäuscht gewirkt, aber was ihn besonders irritiert hatte, waren diese fast schuldbewussten Blicke, die der Jüngere ihm während der Teambesprechung zugeworfen hatte.
Er erinnerte sich noch, wie Esteban ihn umständlich angesprochen hatte, mit flatternder Stimme und er hatte sich dabei immer wieder auf die Unterlippe gebissen. „Es tut mir leid... “, hatte der Mexikaner mit gesenktem Blick gemurmelt und dann eine lange Pause eingelegt, bevor er hinzugefügt hatte: „...für dich. “ Daraufhin hatte er viel zu lange wach gelegen und über die Bedeutung dieser wenigen Worte nachgedacht.

Vielleicht war es auch erst in Malaysia um ihn geschehen, als Esteban ihm vor dem Rennen gewünscht hatte, dass es diesmal besser für ihn laufen würde. Dabei hatte er wieder so schüchtern gelächelt und war dann einfach verschwunden, ohne eine Antwort abzuwarten.
Esteban hatte es zwar wieder nicht in die Punkte geschafft, aber seine guten Wünsche hatten gewirkt. Jedenfalls sagte er sich das gerne, denn er hatte mit einem achten Platz die ersten Punkte für das Team holen können. Ihm wurde immer noch ganz warm, wenn er daran dachte, wie Esteban ihn im Parc Ferme kurz umarmt und ihn beglückwünscht hatte. Er hatte gemeint, einen leichten Geruch von Kiefernnadeln wahrzunehmen, aber das hatte er sich bestimmt nur eingebildet.

In China hatte er Esteban nach seinem Ausfall trösten müssen. Er hatte am Ende der langen Geraden einfach den Bremspunkt nicht richtig erwischt und war mit Sutil zusammen gestoßen. Nach dem Rennen wurde eine Strafversetzung für das kommende Rennen gegen ihn verhängt, da er die Kollision verursacht hatte.
Es hatte ihm leid getan, den Mexikaner so traurig zu sehen und versucht, ihn ein bisschen aufzumuntern. Sein Herz hatte schneller geschlagen, als er den Jüngeren mit seinen flapsigen Sprüchen wieder zum Lachen hatte bringen können.

Es hatte viele Höhen und Tiefen gegeben. Viele Rennen, die schlecht liefen, aber immer wieder auch Lichtblicke. Die beiderseitigen Schwierigkeiten hatten stets für genügend Gesprächsstoff gesorgt und vielleicht hatten sie überhaupt nicht bemerkt, wie viel Zeit sie auch abseits der Rennstrecke schon miteinander verbrachten.
Ihre Zimmer lagen oft nahe genug beieinander, um gemeinsam Frühstücken zu gehen und die erste Trainingseinheit gemeinsam zu machen. Sie trafen sich oft auch nach den Rennen noch, hatten in Spanien Estebans unglaubliche schnellste Rennrunde gefeiert, in Kanada versucht, ihre beiden Ausfälle zu vergessen und in Deutschland festgestellt, dass sie in den vergangenen beiden Rennen, jeweils ihr Ergebnis wiederholt hatten. Esteban den vierzehnten Platz, er selbst den zehnten.
Sie waren in Ungarn gemeinsam essengegangen, hatten in Belgien mit ihren Testfahrern Frijns und Satō Karten gespielt, in Italien seinen fünften Platz gefeiert und in Singapur gemeinsam die Stadt erkundet, wobei ein Haufen alberner Fotos entstanden waren.
In Korea war ihm dann zuletzt ein vierter Platz gelungen. Er war dem Podium so nahe gewesen und es hatte ihm seltsamerweise unendlich viel bedeutet, dass ausgerechnet Esteban gemeint hatte: „Das schaffst du auch noch. Du bist echt richtig gut. “ Es hatte etwas Bewunderndes in der Stimme des Jüngeren gelegen und er müsste schon lügen, wenn er behauptete, dass ihm das kein gutes Gefühl gab.


Es hatte so viele Gelegenheiten gegeben, an denen er mit Esteban hätte reden können. Er hätte längst versuchen sollen rauszufinden, ob diese Gefühle vielleicht auf Gegenseitigkeit beruhten. Er glaubte nicht so recht daran, aber es gab ein paar Dinge, die schon dafür sprachen und an die er sich klammerte.
Immerhin lächelte Esteban sehr viel in seiner Gegenwart, er verhielt sich anders, wurde ein bisschen nervös und er hatte auch gesehen, dass der Mexikaner manchmal rot wurde, wenn er ihn lobte. Er suchte seine Nähe, nahm ihn oft in den Arm und hielt ihn dann diese eine Sekunde länger fest, als Teamkollegen es tun sollten. Eigentlich war er sich seiner Sache sehr sicher und an Selbstbewusstsein und Ehrgeiz hatte es ihm nie gefehlt, aber...
Er schaffte es trotzdem nicht, zu dem Jüngeren hinzugehen und ihm zu sagen, was er fühlte. Nicht nur, weil er sich hunderte, nein, tausende Gedanken machte, was Esteban davon halten könnte, sondern auch, wegen einer ganz speziellen Person. Wegen ihm. Sergio.

Jetzt gerade beobachtete er wieder einmal, wie dieser sich zu Esteban setzte, ihn mit einer herzlichen Umarmung an sich drückte und wie immer so breit grinste.
Er hatte keine Ahnung, worüber die beiden Mexikaner sprachen, aber sie taten es oft. Sehr oft. Nahezu andauernd und Esteban wirkte dann immer so gelöst, so sicher, so ganz anders, als während ihrer gemeinsamen Arbeit. Esteban war oft angespannt, schien eine Mauer um sich herum aufzubauen, um sich vor eventuellem Gegenwind zu schützen.
Der Jüngere erweckte nicht selten den Eindruck, als habe er Angst vor Fehlern, als wolle er immer alles richtig machen. Er wirkte so vorsichtig, er schien sich jeden seiner Schritte ganz genau zu überlegen und wurde für gewöhnlich nur auf der Rennstrecke übermütig.

Er sah, wie Sergio den Arm um seinen Teamkollegen legte und stellte fest, dass Esteban wieder so offenherzig lächelte. Wenn er es nicht besser wüsste...
Unsinn! Er wusste es nicht besser und wer sagte denn, dass da nichts dran war? Es könnte doch gut sein, dass sie beide gewissermaßen... Daran wollte er gar nicht denken. Es machte ihn wütend, wenn er daran dachte, dass sie mehr als Freunde sein könnten. Er wollte Esteban für sich. Sergio hatte ihm zwar nie etwas getan, aber es nervte ihn, dass er so häufig in Estebans Nähe war, dass er ihn ständig berührte und ihn zum Lachen brachte.
Er wollte derjenige sein, der den Jüngeren lachen ließ. Er wollte derjenige sein, der ihm nahe sein durfte. Er wollte derjenige sein, bei dem Esteban seine Schüchternheit vergaß und sich öffnete. Er... war augenscheinlich eifersüchtig auf Sergio.


Langsam und unbewusst ballte er die Hände zu Fäusten, knirschte mit den Zähnen. Er konnte das nicht mehr ertragen. Er musste das klar stellen. Er musste endlich den Mund aufmachen und sagen, was los war. Er würde Esteban bestimmt völlig damit überfordern, ihn regelrecht mit der Wahrheit überfahren, aber darauf konnte er keine Rücksicht mehr nehmen.
Er konnte sich nicht länger davon abhalten, zu ihm zu gehen. Sein Herz schlug viel zu heftig gegen seine Rippen, die Panik davor, dass das in einer Katastrophe enden könnte, kribbelte in seinem Nacken und die Wut darauf, dass Sergio das haben konnte, was er selbst haben wollte, glühte in seinem Inneren. Er brauchte nur wenige Schritte, um die Distanz zu den beiden zu überwinden und sich mit verschränkten Armen vor seinem Teamkollegen aufzubauen.

Die Unterhaltung der beiden Mexikaner verstummte abrupt.
„Wir müssen reden“, platze es ungewollt aus ihm heraus. Das klang ja so dämlich. Das war die blödeste Eröffnung, die man nur bringen konnte und war sowas von klischeehaft, aber... Er konnte einfach nicht anders.
Er konnte förmlich sehen, wie die imaginären Fragezeichen über Estebans, aber auch Sergios Kopf kreisten. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er Sergio ein gutes Stück von Esteban weggeschubst hatte. Das war nicht so geplant gewesen und machte auch ganz sicher einen ziemlich schlechten Eindruck.
„Was ist denn dein Problem?“, fragte Sergio neben ihm, mehr perplex als wütend.
Eine wirklich gute Frage, aber er konnte sie ihm jetzt nicht beantworten. Er hatte nur Augen für Esteban, der ihn immer noch ein wenig erschrocken anstarrte. Wenn er ihn so ansah, dann erinnerte er irgendwie stark an ein Reh im Scheinwerferlicht, aber... das war gemein.

„W-worüber denn?“, wollte Esteban stockend wissen.
Eigentlich hätte er die Situation jetzt noch retten können. Er hätte nur für den Bruchteil einer Sekunde dem Verstand den Vortritt lassen müssen, aber stattdessen entfuhren ihm die nächsten unbedachten Worte: „Hast du was mit ihm?“ Dabei deutete er auf Sergio.
Das hatte auf jeden Fall gesessen. Er hätte nicht für möglich gehalten, dass Estebans Augen noch größer werden könnten, aber er belehrte ihn eines Besseren. Im Grunde sah der Jüngere genau so geschockt aus, wie er sich gerade fühlte. Hatte er diese Frage gerade echt ausgesprochen?

„N-Nico...“, stammelte Esteban daraufhin, schien nicht recht zu wissen, was er dazu sagen sollte. Aber was sagte man zu so viel Ehrlichkeit auch schon? Es kam sicher nicht alle Tage vor, dass man eine so direkte Frage gestellt bekam.
Er wollte etwas sagen, öffnete mehrmals den Mund, aber jetzt brachte er plötzlich kein einziges Wort mehr heraus. Er hatte es wahrlich geschafft, sich selbst zu überraschen und momentan nicht gerade im positiven Sinn.

„Was ist denn bei dir nicht in Ordnung?“, mischte sich stattdessen Sergio zu Wort, der gerade vollkommen ignoriert wurde. Er hatte tatsächlich für einen Moment vergessen, dass der McLaren-Fahrer auch noch da war.
„Nein, hab ich nicht“, antwortete Esteban schließlich doch noch auf die Frage, wurde dabei knallrot und umging damit Sergios Einwand. „Warum willst du das denn wissen?“ Seine Stimme klang sehr unsicher, seine ganze Körperhaltung drückte aus, dass er sich unwohl fühlte.
Das hatte er nicht gewollt. Er könnte sich selbst eine reinhauen, für diese Aktion, aber nun gab es halt auch kein Zurück mehr. Er musste das jetzt einfach klären. Der Schaden war sowieso schon angerichtet.

Er atmete einmal tief durch, versuchte wenigstens einen Moment klar zu denken. Dass Sergio direkt daneben stand und alles mithören konnte, war alles andere als optimal. Trotzdem konnte er darauf jetzt keine Rücksicht nehmen. Er rieb sich verlegen den Nacken, bevor er versuchte, sich zu erklären.
„Entschuldige ich... das war so nicht geplant.“ Er hörte Sergio neben sich schnauben und geriet kurz aus dem Konzept. „Ich weiß, dass mich das gar nichts angeht.“ Er nahm mal an, dass Sergio das gemeint hatte. „Aber ich... also...“ Wie sollte man denn bitte die wichtigsten Worte der Welt sagen, wenn man dabei ungebetenes Publikum hatte.
Dass Sergio nun auch noch so breit zu grinsen begann, machte die Sache für ihn nicht unbedingt besser. In einen schönen Schlamassel hatte er sich da reingebracht. Er musste mit aller Gewalt gegen den Drang ankämpfen, einfach wegzulaufen.

„Na endlich!“, kam es ganz unvorbereitet von Sergio und das brachte ihm einen sehr verwirrten Blick von beiden ein. Was sollte das bitte heißen? „Ich dachte schon, das passiert nie mehr.“ Was passierte nie mehr? Er stand vollkommen auf dem Schlauch. „Na los. Nun sagt euch schon, wie lieb ihr euch habt. Diesen Eiertanz kann sich ja keiner mit angucken!“
Fast blieb ihm die Luft zum atmen weg. Der wusste davon? Woher? Wieso? Ach, klar... er war ja mit Esteban befreundet aber... hieß das jetzt etwa...?
Er warf einen Blick auf Esteban, der so rot war, wie seine Wangen sich gerade anfühlten. War Esteban etwa auch...? Die ganze Zeit?

Ihm entging das unverschämte Schmunzeln, das sich nun auf Sergios Lippen schlich, bevor dieser noch meinte: „Wunderbar, dann kann ich ja gehen.“
Sprach's und war verschwunden.
Review schreiben