Aufbruch zu neuen Gefilden

von Nairalin
GeschichteHumor, Familie / P12
Feanor Fingolfin Nerdanel
10.04.2015
10.04.2015
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Hallo, meine liebsten Leser!

Willkommen zu einem Projekt, welches schon ewig in Planung ist, aber erst jetzt umgesetzt wurde. So halb auch gegen meinen Willen, aber es gibt da so ein, zwei Personen – und ja, ihr beide seid gemeint! – die mit Hasen herumwerfen und mir keine Ruhe lassen! :D

Dies ist mein persönliches Modern AU, wo ich auch einiges Dinge aus der History of Middleearth verwende. Eines der Konzepte daraus ist der zweite Gesang der Ainur, welcher aber in einem Paradies endet, welches ich unrealistisch finde und deshalb eine realistischere Version annehme. Weil für ein Paradies müssten die Menschen und Elben komplett umdenken und es ist ja aus eigener Erfahrung bekannt, dass jeder nur dann agiert, wenn es schmerzt. Zudem welchen Sinn hat eine Existenz, wenn man nichts mehr lernen muss/kann?

Weiters kommen natürlich Personen vor, die nur in der HoME zu finden sind, da C. Tolkien sie nicht im Silmarillion inkludiert hat.

Eine Namensliste findet sich am Ende (weil die verdammten Elben haben zu viele Namen >.< und ich will ja auch noch etwas Ratespaß lassen ;D).

Weiters werde ich in dem AU etwas einführen, was ich bislang nicht hatte. Das wird sich auch momentan ausschließlich auf alle Werke dazu beschränken, nämlich eine visuelle Unterscheidung der Sprache. Meine Elben sind Quenya-Muttersprachler, wenn sie diese sprechen wird es kursiv dargestellt werden. Alles andere ist Englisch (/Gälisch/Irisch/Walisisch/etc) und andere Sprachen werden nur durch Phrasen alá zB. ‚sagte er in Gälisch‘ dargestellt werden.

Ich verwende auch die Einheit Rangwë, Pl. Rangwi (unterteilt Paldarangwë und Pityarangwë), welcher Ro eine Zahl gab, nämlich 0.96m (Paldarangwë und Pityarangwë sind jeweils unterschiedlich, da die Noldor ein Duodezimalsystem verwenden und die Vanyar bei uns nur ein Dezimal; in unserem Fall wäre eine Paldarangwë 1.635km, da sie hier vorkommt)

Atar/ Atya = [Qu.] Vater, Papa

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Aufbruch zu neue Gefilde



Fluchend saß er vor dem Laptop und starrte auf die Bildschirmoberfläche, die sich einmal mehr aufgehängt hatte und ihm mit einem weißen Smiley auf blauen Grund das Abstürzen des Gerätes mitteilte.

Verdammtes Teil!“, schimpfte er laut und verfiel in eine Litanei über Microsoft und die Unfähigkeit ein ordentliches Arbeitsgerät zu erstellen. Er startete das Gerät neu und loggte sich ein. Er strich sich durch das schwarze Haar und wartete bis sich die Oberfläche aufbaute und er neu beginnen konnte. Doch kaum öffnete er den Internetbrowser wurde sein Laptop erneut langsam. Erneut kamen wüste Flüche über seine Lippen und er beendete das Programm. Feanáro funkelte den PC vernichtend an, bevor er ihn herunterfuhr und aufstand. Aus dem Schrank an der gegenüberliegenden Wand holte er sich seinen Werkzeugkasten und trug alles zum Schreibtisch. Danach öffnete er eine der Schubladen, wo er mehrere Chips lagerte, die er gleich brauchen würde.

Er mochte ja eigentlich Schmied sein, der sich auf die Industrie und gerade auf die Herstellung von Elektronikkleinteilen spezialisiert hatte, aber er wusste genug, um seine Arbeitsgeräte zu ‚tunen‘ - wie seine Söhne es nannten – und technisch aufzuwerten. Einen schmalen Schlitzschraubenzieher nahm er aus dem Werkzeugkasten und drehte den Laptop um. Geschwind schraubte er das Gehäuse auf und musterte das Innenleben seines Acers. Vorsichtig löste Feanáro den Chip vom Arbeitsspeicher heraus und suchte nach einem passenden und vor allem besseren, den er verwenden konnte.

Nach und nach probierte er durch und schaute nebenbei auch, was er noch austauschen konnte. Er war vollkommen vertieft und bekam auch nicht mit, wie jemand sein Büro betrat und ihn beobachtete. Immer wieder fluchte er, als er gewisse Dinge nicht austauschen konnte. Er legte sich einen Plan zurecht, was er herstellen musste. Möglicherweise musste er sich mit Aracáno zusammensetzen, der IT studiert hatte. So wie es war, konnte er nicht arbeiten, wenn er jedes Gerät erst komplett auseinandernehmen musste, damit es seinen Ansprüchen genügte.

Er begann, wieder alles zusammenzusetzen und schließlich den Deckel festzuschrauben. Erst jetzt schloss er ihn wieder an das Kabel an und fuhr den Laptop hoch. Er schickte ein Stoßgebet an Eru hoch, das alles so klappte, wie er es sich vorstellte. Er meldete sich an, sobald er konnte und öffnete wieder alle Dokumente, sowie auch den Webbrowser. Zusätzlich öffnete er den Taskmanager, um alles genau im Blick zu haben.

Doch es wurde alles wieder langsam und er war kurz davor das Gerät an die Wand zu werfen. Allerdings kam er nicht dazu, denn Arme legten sich von hinten um seinen Hals und ein Kopf legte sich auf seinen. Ein erheitertes Kichern erklang und er seufzte frustriert.

„Dan, denkst du nicht, dass du lieber Nate fragen solltest?“, wurde er von seiner werten Frau gefragt. Er knurrte unwillig.

Du sollst mich doch, wenn wir zuhause sind, nicht so nennen, Nerdanel!“, erwiderte er auf Quenya, ohne auf ihren Einwurf einzugehen. Er würde seinen Halbbruder sicher nicht auf ihr Anraten hin zu Rate ziehen. Wenn, dann ging er von sich aus hin. Rotes Haar fiel über seine Schulter und er seufzte. „Oder soll ich dich auch hier bei diesem menschlichen Namen nennen?

Wir sollten uns an die neuen Namen gewöhnen“, war ihr Kommentar. Damit hatte sie sicher nicht Unrecht, aber deshalb musste er diese grässlichen, neumodischen Namen nicht mögen, die kaum noch eine Bedeutung hatten. Sie wurden nicht so vergeben, wie es bei ihrem Volk Gang und Gebe war. Vor allem kam erschwerend hinzu, dass sie nicht einfach immer den gleichen tragen konnten, sondern dieser sich generationsübergreifend ändern musste, da sonst auffiel, dass sie nicht alterten. Und so war er jetzt zum mit Sicherheit fünften Mal sein eigener Enkel. Natürlich wechselten sie innerhalb der Familie auch offiziell den Status. Seine Söhne waren untereinander schon ihre eigenen Kinder gewesen, wie auch die ihrer Onkel oder Cousins und umgekehrt. Das ging aber auch nur so problemlos, weil sie eine große Familie waren und es deshalb nicht auffiel. Jedoch würde Feanáro niemals vergessen, wie er einmal Lassemistas jüngeren Bruder spielen durfte…

Und sieh es doch einmal positiv. Du heißt wieder Dan und merkst es dir einfacher.“

Ihre Stimme hatte einen frotzelnden Klang angenommen und er legte den Kopf nach hinten. Sie schaute ihn höchst amüsiert an und ihre grünen Augen leuchteten warm. Ehe er etwas erwidern konnte, hatte sie ihn geküsst. Genüsslich ließ er es über sich ergehen, da es lange gedauert hatte, bis er ihr Vertrauen erneut erlangt hatte. Die neue Welt war doch für einiges gut, auch wenn sie im Prinzip nichts anderes war als das alte Arda. Durch den Gesang hatte sich nur eines geändert: Die Kontinente und ihre Stellung. Gerade das, was einst Eriador und das Gebiet von Cuiviénen gewesen war, hatte sich stark verändert. Und der neue Kontinent im Westen, Amerika, war hinzugekommen. Der Rest war gleich geblieben und hatte sich sonst formmäßig kaum verändert.

Neala“, murmelte er rau und entspannte sich. Sie lächelte nur und spielte mit seinen Haaren. „Glaub nicht, die Spitze sei mir entgangen!“ Jetzt lachte sie und schüttelte den Kopf.

Das hätte mich auch verwundert“, meinte Nerdanel sah zu seinem Laptop. „Warum versuchst du es nicht mit einem anderen Internetbrowser?

Der Einwand kam plötzlich und er blinzelte irritiert. Nachdenklich starrte er auf das farbige Symbol von Google und legte den Kopf schief.

Es funktioniert doch nur dann nicht so, wie du willst, sobald du Chrome offen hast.“

Feanáro nickte leicht. Vielleicht sollte er wirklich etwas Neues ausprobieren.

Und es würde dir weniger Arbeit machen, als die Maschine zu zerlegen.

Zähneknirschend musste er ihr Recht geben. Sie spielte erneut mit seinen Haaren und küsste ihn kurz auf die Wange. Er brummte nur und ging auf die Google-Suche, um einen neuen Browser zu finden.  Die obersten Ergebnisse kannte er schon, doch dann stach ihm einer ins Auge. Ein Grinsen breitete sich in seinem Gesicht aus, welches jungenhafter nicht sein konnte. Mit einem Klick drückte er auf Download und wartete ab, bis das Programm fertig heruntergeladen wurde, um es zu installieren.

Bist du dir sicher, dass du ausgerechnet diesen Browser verwenden willst?“, meinte seine Frau amüsiert und er grinste noch breiter. „Und du weißt, wie jeder in der Familie sich dazu äußern wird?

Er lachte und drehte den Kopf zu ihr, griff mit einer Hand an ihre Wange und küsste sie zärtlich.

Das ist es mir wert“, sagte er leise und seine Schultern bebten vor unterdrücktem Gelächter. Sie schnaubte nur und strich sich das Haar hinters Ohr.

Wie alt bist du nochmals?“, fragte sie betont unschuldig und er grinste.

Alt genug, um über mich selbst zu lachen!“

Das Symbol des neuen Webbrowsers stach ihm ins Auge und es erheiterte ihn absolut den feurigen Fuchs auf der Weltkugel zu sehen.

Nate-“ „Nolofinwë oder Aracáno“, knurrte er genervt, da er die menschlichen Namen wirklich nicht ausstehen konnte. Nerdanel seufzte nur und löste sich. Doch er hatte ihren Arm gepackt, rutschte mit dem Stuhl nach hinten und zog sie in seinen Schoß.

Von mir aus!“, meinte sie augenrollend und blickte ihn direkt an. „Nolvo wird das überaus amüsieren, dass der Feuergeist sich den Feuerfuchs als Webbrowser zulegt, mein Liebster.“ Er zuckte mit den Schultern und legte seine Arme eng um sie herum. Sanft begann er die Stelle hinter ihrem Ohr zu liebkosen, was ihr ein Kichern entlockte. Seine Augen erfassten ihr Gesicht, die feinen Lachfalten um ihre grünen Iriden, die feine, olivstichige Haut mit den zarten Sommersprossen und ihre geschwungenen Augenbrauen. Sie war bezaubernd und in seinen Augen gab es niemanden, der an sie herankam. Vor allem kaum eine Frau wagte es, ihm zu widersprechen oder ihn gar zu kritisieren – und er hatte in den ersten Jahrhunderten viele spitze Kommentare schlucken müssen, die zugegebenerweise gerechtfertigt waren.

Ich muss jetzt aber los“, seufzte sie und löste sich von ihm. Ihr Unwille war deutlich aus ihrem Gesicht zu lesen und sie beugte sich kurz vor, um ihn zu küssen. „Sehen wir uns nachher?“ Feanáro nickte nur und ließ sie gehen, um sich wieder mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Die Tür ging zu und er schloss die Augen. Erst danach begann er wieder seine Arbeit fortzusetzen. Doch dann klingelte nach einer Zeit sein Mobiltelefon und er griff danach.

„Dan McGregor“, meldete er sich und griff nach seinem Terminkalender. „Wie kann ich behilflich sein?“

„Dan, Nathan hier“, kam die dunkle Stimme seines Halbbruders durchs Telefon und Feanáro seufzte.

„Was gibt es?“, fragte er nur und vernahm das Schnauben. Aracáno mochte es nicht, wenn man direkt das Gespräch so kurz hielt.

„Mein Auto ist liegen geblieben…“, knurrte Aracáno frustriert. „Könntest du mich abholen, Armand ist in einer Verhandlung bei Gericht, Fanny ist mit dem Zug in die Stadt, Iris hat offenbar gerade Klienten im Haus und Fiona brauche ich bei dem Stress, den sie sich selbst macht, nicht fragen. Sie hat mir heute schon einmal das Ohr fast abgeschrien, weil ich wagte, sie daran zu erinnern, dass Dad uns alle heute Abend zum Essen sehen will.“

Also rief er wirklich als letztes an. Ein leicht bitterer Nachgeschmack blieb.

„Und ich wollte dich eigentlich nicht stören, da Neala mir sagte, du würdest deinen Laptop auseinandernehmen und es würde nicht so laufen, wie du wolltest.“ Das ließ ihn aufhorchen.

„Deine Söhne hatten keine Zeit?“, fragte Feanáro vorsichtig. Ein Schnauben erklang, welches ihn richtig vermuten ließ.

„Wo Ryan ist, kann ich nicht sagen, nur nachdem Matt ebenfalls zeitgleich verschwunden ist, sind sie wohl in den Highlands unterwegs“, drang durch den Lautsprecher des Handys. Er hatte so etwas schon fast vermutet und sie nahmen prinzipiell kein Telefon mit, wenn sie die Gegend erkundeten. „Tom hat mir aufgelegt, kaum, dass ein Klient ihn ansprach und mein Jüngster geht nicht an das verdammte Telefon ran!“

„Ich komme“, meinte er kurz angebunden und stand auf. Mit einem Handgriff hatte er seine Jacke geschnappt und verließ das Manor mit schnellen Schritten. „Wo stehst du?“

Eine knappe Wegbeschreibung folgte und er fuhr los. Werkzeugkoffer und Abschleppseile waren schon im Auto, die würde er brauchen. Es dauerte nicht lange, bis er den anthrazitfarbenen Mercedes am Straßenrand entdeckte. Er drehte kurz nach ihm um und stellte sich schließlich vor ihn.

Die hünenhafte Gestalt seines jüngeren Halbbruders hatte sich aus dem Auto gequetscht. Er stand nun im Anzug vor ihm und wirkte absolut frustriert. Feanáro hob nur eine Augenbraue und umarmte ihn nur kurz zur Begrüßung, auch wenn sie sich selbst jetzt immer noch nicht so nahe standen, wie sie es sollten. Auch wenn schon um Welten besser als damals in Valimar.

„Was hast du mit dem Auto angestellt, dass es nicht mehr fährt?“, fragte er und konnte den leicht spöttischen Unterton nicht ganz aus der Stimme verbannen. Ein Grummeln erklang, während er die Motorhaube öffnete und sich das Innere genau ansah. Nur zu oft hatten sich die vielen Ausbildungen nebenbei ausgezahlt, auch wenn er nur einen Bruchteil in seinem Lebenslauf angeben durfte, um nicht das Misstrauen der Menschen zu erwecken.

„Nichts!“, kam überaus unwirsch und Aracáno ging auf und ab. „Ich fuhr die ganze Zeit problemlos, kein Lämpchen hat aufgeleuchtet und mitten unterm Fahren stirbt der Motor ab!“ Feanáro hörte ruhig zu, während sein Halbbruder sich über die Technik ausließ und sein Unverständnis laut kundtat.

„Könntest du nun den Mund halten?“, fragte er dann irgendwann leicht genervt und versuchte, sich zu konzentrieren. Wie sehr vermisste er doch die alten Motoren ohne neumodischen, elektronischen Schnickschnack! Da war es um einiges leichter, Fehler auszumerzen und Dinge auch provisorisch in Gang zu setzen. Er konnte das Schnauben Aracános vernehmen, doch kein bissiger Kommentar kam, was Feanáro ihm stillschweigend anrechnete.

„Ich bekomme es hier nicht zum Laufen, kann auch keine offensichtliche Ursache erkennen. Das heißt-“ „Wir müssen ihn abschleppen und du musst ihn in der Werkstatt einer genaueren Untersuchung unterziehen“, vollendete Aracáno stöhnend seinen Satz.

„Die Sterblichen und ihre Unfähigkeit etwas arbeitsfähig zu machen!“, grummelte Feanáro nur und holte das Abschleppseil heraus. Schnell hatte er alles befestigt und packte das Werkzeug, welches er vorher geholt hatte, wieder zurück ins Fahrzeug.

„Ich würde eher meinen, sie bauen absichtlich Fehler ein, damit sie durch den dadurch entstehenden Konsum genug verkaufen können. Sie sind nicht dumm, zumindest nicht alle.“

Abstreiten konnte er es nicht wirklich. So kam es ihm oft genug vor.

„Irgendwann baue ich eine Firma auf, die Geräte und Autos herstellt, die wirklich halten, was sie versprechen…“, murmelte er, als er in Aracános Auto einstieg und sich ansah, ob wirklich gar nichts im Display zu sehen war. Doch es machte nicht einmal einen Rührer. Kein Licht begann zu brennen, als er den Schlüssel herumdrehte und auch kein Geräusch erklang. „Vielleicht die Batterie…“

„Ah, das klingt vernünftig!“, meinte sein Halbbruder erheitert und Feanáro sah ihn nur verwundert an. „Was meinst du?“ „Eine Firma zu gründen und unsere eigenen Produkte herzustellen, wie wir sie brauchen. Du müsstest sicher nicht mehr deinen Laptop auseinandernehmen!“ Ein Grinsen war in Aracános Gesicht.

„Ach, und du erstellst dann die Software, oder wie?“, fragte er trocken und ein Nicken folgte. „Wir könnten sie Silverstar Ltd. nennen, oder auch etwas wie Tirion Ltd.“, schlug Aracáno mit plötzlicher Begeisterung vor. Skeptisch musterte er den Jüngeren, ließ ihn aber weitersprechen.

„Wir könnten dich als den Executive Director einsetzen und Arvo als Non-executive Director, er wäre perfekt dafür. Die restlichen notwendigen Positionen können wir problemlos innerhalb der Familie vergeben.“

„Ich werde darüber nachdenken“, unterbrach er Aracáno und deutete ihm an einzusteigen. „Wir fahren erst einmal heim.“ Damit nahm er seine Sachen und stieg in sein eigenes Auto. Plötzlich klingelte das eingebaute Kommunikationssystem und er drückte auf die Freisprechanlage.

„Was ist los?“, fragte er nun doch etwas genervt und wartete.

Wir sollten das wirklich durchziehen, Toronya“, sagte Aracáno und er seufzte, auch wenn er überrascht über die Quenyanutzung war.

Wir haben keinen Plan, noch irgendeine Idee, was wir machen sollen und wie wir es angehen!

Computer wäre doch schon einmal ein Gewinn. Die meisten Laptops geben den Geist nach 3-4 Jahren mittlerweile auf, Menschen müssen nachkaufen und viel Geld wird für nichts beim Fenster hinausgeschmissen. Weder Windows noch Apple bieten das, was die meisten brauchen. Apple ist zwar eine Modemarke, aber die Leistung, die man braucht, bringt es nicht und man zahlt mehr den Namen, als das Produkt. Die Graphik ist natürlich nett, aber Graphik ist nicht alles. Was der Geschäftsmann braucht ist ein Gerät, welches lange und vor allem gut funktioniert mit einem Betriebssystem, welches einfach zu bedienen ist wie das von Windows. Linux ist zu kompliziert und zu aufwendig für den normalen Bürger. Wenn wir ein Produkt bieten würden, welche Qualität und Simplizität in sich vereint, lange hält und auch noch leistbar ist, können wir den Markt erobern. Und von dort auf andere Bereiche ist kein großer Schritt“, kam sofort der Kommentar und Feanáro dachte wirklich nach. Sein eigener Laptop am Schreibtisch kam ihm in den Sinn.

Ich schnappe mir Aracáno und wir arbeiten das Betriebssystem, sowie die einzelnen Programme aus, die wir anbieten können, während du und Tyelperinquar über das Gerät nachdenkt. Vielleicht wäre es möglich Lómion noch einzuspannen, auch wenn er offiziell Bauingenieur ist. Faniël könnte man beim Design einsetzen. Du weißt, welches Talent sie hat!“, versuchte Aracáno es weiterhin. „Wenn wir das als Familie angehen, haben wir innerhalb kürzester Zeit durchschlagenden Erfolg. Dadurch, dass wir die Möglichkeit haben, alles familienintern zu machen, haben wir keine Kosten, erst bei der Gründung der Firma und beim Einreichen der Patente, sowie der Produktwerbung kommen die auf uns zu.

Es klang erstaunlich einleuchtend, das musste er zugeben. Die Größe der Familie hatte mehr als nur einen Vorteil. Sie hatten all die Spezialisten vor Ort und direkt bei der Hand. Sie konnten mühelos Prototypen entwickeln und ausprobieren, Details würden nicht hinausgehen. Verrat aus Geldgier würde nicht vorhanden sein.

Wir haben aber noch Produktionskosten-“ „Der Großteil wird von Maschinen gemacht und es ist nicht so, als ob nicht genug Material vorhanden ist, das man erneut verwenden kann!“, fuhr ihm sein Halbbruder dazwischen.

Und warum willst du mich unbedingt als Executive Director?“, fragte er misstrauisch.

Führe du und ich folge“, kam plötzlich todernst und Feanáro erstarrte, während er vorsichtig die nächste Kurve nahm. Er schloss gequält die Augen. Wieso nahm er den Schwur von vor mehr als acht Zeitaltern immer noch ernst? Hatte es ihm nicht schon das Leben gekostet? Sowie das seiner Kinder?

Mir wäre wohler, wenn du das übernimmst“, gab er leise zu. Die Aufgaben eines Executive Director waren etwas, was er absolut ermüdend fand und er würde nicht mehr wirklich alles machen können, was er musste. Die Entwicklung kostete Zeit. Zeit, die ihm dann nicht übrig blieb und die er besser investieren konnte.

Wir könnten auch Arvo diese Rolle geben und dich als Non-Executive Director nehmen“, kam es leicht erheitert aus der Lautsprechanlage. Das Tor des Anwesens wurde sichtbar und er drückte einen Knopf, damit es aufging. Er schnaubte amüsiert. Ein Lachen war zu hören. „Ich meine, genug Erfahrung im Regieren eines Reiches hat er.“ Zu wahr. Er hatte Tirion einst lange genug regiert, auch oder gerade gegen Findis‘ Willen.

Feanáro hielt und legte auf. Als er ausstieg, ging auch schon Aracáno auf ihn zu, ein breites Lächeln im Gesicht.

Schau nicht so ernst, wir können das locker stemmen!

Sein Halbbruder strahlte ein Selbstbewusstsein aus wie nur selten.

Und du könntest Olwë unter die Nase reiben, dass wir unersetzlich sind!

Das jungenhafte Grinsen war ansteckend, auch wenn er es nicht mochte. Und das letzte Argument war wirklich überzeugend. Er griff sich ans Kinn und dachte nach. Die Nautiker waren auf Computer angewesen, wie eigentlich jeder in der heutigen Welt. Selbst die Schiffsbauer benötigten für genaue Maße und dementsprechende Geräte die Elektronik. Es war verlockend. Er sah gespielt skeptisch zu Aracáno, der ihm die Hand hinhielt.

Ich denke, ausnahmsweise könntest du eine brauchbare Idee haben, Nolofinwë“, sagte er nur herablassend, auch wenn seine Augen schelmisch funkelten. „Aber glaube nicht, dass das zur Gewohnheit wird!“ Er konnte das Luftschnappen hören, als er Nolofinwë sagte. Es war etwas, was er selbst jetzt noch verweigerte, wobei es mehr Routine war, als wirkliche Ablehnung und bewusste Distanzierung.

Und Silverstar Ltd. klingt nach einem brauchbaren Namen, der modern und doch einprägsam ist.

Feanáro löste das Abschleppseil und verräumte es wieder. Er schielte zu seinem Bruder, der ihn immer noch ungläubig ansah.

Nun komm, ich schaffe es heute so oder so nicht, dass ich den Wagen fertig mache“, seufzte er und packte den Jüngeren am Arm. „Wir können allerdings schon alles fürs Abendessen vorbereiten, damit Atya das nicht tun muss!“ Er zog Aracáno hinter sich her und betrat das Manor. Er musterte seinen Halbbruder von der Seite, der seine Haare modisch kurz trug und dessen klare Gesichtszüge dadurch betont wurden. Natürlich war es auch ein Nachteil, weil er dadurch weniger wahrnahm. Die Haare waren wie feine Fühler und man konnte schneller reagieren, allerdings liefen auch keine Orks mehr herum und legten einen Hinterhalt. Die Welt mochte in der Hinsicht sicherer geworden sein, aber sie hatte neue Gefahren entwickelt, die ihn die alte Welt zurückwünschen ließen.

Sie mussten Sicherheitsmaßnahmen vornehmen, um sich selbst zu schützen. Eine davon war der verbotene Gebrauch von Quenya in der Öffentlichkeit. Niemand sollte sie verstehen können, sollten sie diese Sprache erneut einsetzen. Gerade am Telefon war es immer gefährlich, dass mitgehört wurde. Und wenn jemand aufgrund der Unkenntnis versuchte, diese Sprache zu finden konnten sie auch auf einer Überwachungsliste landen, worauf Feanáro keinerlei Lust hatte. Ihm reichte der normale Unsinn, wo ab der Nennung eines bestimmten Wortes aufgenommen wurde.

Eine weitere Maßnahme war das ständige Wechseln der Identität. Wer normal leben wollte, ohne die eigene Magie zu nutzen, um sich zu verstecken, war als Unsterblicher unter Sterblichen darauf angewiesen. Die Menschen hatten vergessen, dass es die Eldar und Ainur gab. Sie waren zu Sagengestalten verkommen und eine Einbildung. Womit das Nichtaltern natürlich auffiel. Zudem war es zu gefährlich, dass einer von ihnen als Experiment endete, sollten die Menschen herausfinden, dass es sie doch gab. Ewige Jugend war zu verlockend und die Fírimar achteten nicht einmal die Einzigartigkeit eines jeden Lebens. Sie klonten, um in ferner Zukunft vielleicht einmal dessen Körper zu übernehmen oder den Klon auch als Ersatzteillager zu nutzen. Wenn sie nun einen Elda fanden … er schüttelte den Kopf und schauderte. Er wollte es sich nicht vorstellen.

Verschwiegenheit war ebenfalls das Um und Auf. Niemand wurde eingeweiht, ohne nicht vorher gründlich geprüft worden zu sein. Jeder Mitwissende war durchleuchtet worden und jeder hatte bislang auch geschwiegen. Zurückgezogenheit war der nächste Punkt. Sie konnten und durften nicht zu nahe an anderen wohnen. Weshalb sie gewaltige Ländereien hier in Schottland, Wales und Irland besaßen. Es war unverkäuflich und ihnen verschrieben, der Staat hatte Jahrhunderte zuvor alles zugesichert und unterschrieben. Im Prinzip gehörten ihre Ländereien weder der englischen Krone noch dem Staat Irland.

Diese Punkte waren ihre Lebensversicherung. Sie fielen genug durch ihr Aussehen und ihr Können auf, auch wenn sie letzteres gut verbergen konnte. Doch keiner von ihnen war fähig ihre Größe zu ändern. Mandos mochte auf den ersten Blick gnädig gewesen sein, als er sie alle hatte gehen lassen. Doch keiner von ihnen hatte gewusst, dass die Eldar vergessen worden waren, dass die Menschen damit humanoide Wesen ihrer Größe nicht kannten. Und ein Mann mit über zwei Metern fünfzig wie es bei Maitimo, Turucáno und Aracáno, dem jüngsten Sohn seines Halbbruders, der Fall war, fiel mehr als nur ein wenig auf. Das hatte ihn Jahrhunderte lang Probleme bereitet. Auch wenn es mittlerweile zumindest in Schottland, Wales und Irland bekannt war und kaum jemand noch darüber sprach. Ihre Familie, die McGregors, wie sie genannt wurden, kannte hier jeder. Nur mehr die Engländer und Ausländer verhielten sich immer wieder auffällig.

Aracáno holte bereits das Gemüse aus dem Kühlschrank, während er selbst den Tisch deckte. Es würden nicht alle Familienmitglieder anwesend sein. Curufinwë und Artafinde weilten momentan in London, da ein wichtiger Gerichtsprozess stattfand, bei dem sie eine der Parteien vertraten. Ebenso war seine Schwester Findis oder Fiona, wie sie jetzt hieß, in den Vereinigten Staaten, da sie einen Job bei der Vogue ergattert hatte. Nicht dass ihn das störte, eher im Gegenteil. Mit ihr waren ihre beiden ältesten Kinder und ihr Ehemann gegangen. Und es war fraglich, ob Findecáno – Ryan – und Nelyafinwë – Matthew – zum Essen erscheinen würden.

Nerdanel meinte, als ich mit ihr telefoniert habe, dass du Probleme mit deinem Laptop hast?“, kam die Frage von der Seite und Feanáro drehte sich um.

Sie hat es dir also gesagt.“

Aracáno nickte nur und krempelte sich die Ärmel seines Hemdes hoch. Seine Finger lagen auf der Arbeitsfläche, während er ihn eingehend anstarrte.

Ich habe wohl ein Problem mit dem Internetbrowser gehabt“, knurrte er schließlich und holte aus einer Schublade Besteck heraus. Er mochte es nicht, wenn ihm sein Verfehlen so offen gezeigt wurde. Natürlich verstand er die Computersprachen und beherrschte sie, aber konnte mit ihnen nicht so recht etwas anfangen. Es machte ihm auch wenig Spaß, sich damit zu beschäftigen, was für ihn selbst ein Widerspruch war. Sein Halbbruder tat sich in der Hinsicht irgendwie leichter.

Welchen hattest du nochmal?“, fragte dieser ihn nun und wirkte nachdenklich.

Google Chrome“, erwiderte er kurz angebunden. Er konnte sehen, wie sich die Mundwinkel des Jüngeren leicht hoben, auch wenn er nichts sagte.

Ich würde dir eher zu Safari oder auch Firefox raten.

Bei der Nennung von letzterem konnte er einen erheiterten Unterton aus der Stimme heraushören. Beherrscht legte er das Besteck zu jedem Platz und ignorierte den leichten Stich der Wut. Er hasste es, wenn er sich unfähig fühlte. Wenn er mehr Zeit hätte, würde er wahrscheinlich noch einmal in Erwägung ziehen, nochmals IT zu studieren. Vielleicht konnte er auch seine Nichte dazubringen, ihm eine neue Identität dafür zu erstellen und in die Akten zu schmuggeln. Doch jetzt musste er wohl oder übel Aracános Kommentare über sich ergehen lassen.

Wobei ich zugegebenerweise auch eher zu Firefox tendiere“, kam nun lachend von eben jenem und Feanáro sah auf. Aracáno zuckte nur mit den Schultern und ein angedeutetes Grinsen zierte sein Gesicht.

Soll ich mir nachher deinen Laptop ansehen?“, wurde er gefragt. Feanáro schüttelte den Kopf, weniger weil er nicht wollte, dass sein Halbbruder sich an seine Sachen machte, sondern weil es sich schon erledigt hatte.

Ich habe schon den Browser installiert“, grummelte er leise und spürte den intensiven Blick. „Und es funktioniert jetzt, also schau nicht so! Ich bin nicht unfähig!“

Das wollte ich niemals andeuten, Toronya!“, erwiderte Aracáno und kam auf ihn zu. Er holte Teller aus dem Geschirrschrank und half ihm dabei den Tisch zu decken. „Eher das Gegenteil, vor allem da ich denke, wenn es dich mehr interessieren würde, dass du mich so oder so um Paldarangwi überholen würdest.“ Feanáro brummte unbestimmt und nahm die Wertschätzung wortlos entgegen.

Und ich habe Firefox installiert“, gab er versöhnlich zu, auch wenn es ihm immer noch gegen den Strich ging. Ein erheitertes Lachen erklang und er seufzte frustriert.

Der Feuerfuchs für den Feuergeist!“, meinte Aracáno amüsiert und stellte den letzten Teller auf seinen Platz. „Aber es passt zu dir.“ Damit begann sein Halbbruder wieder über die mögliche Limited zu sprechen und die genauen Details, so als wäre alles vorher nie passiert.

Feanáro war irgendwie erleichtert, dass der Jüngere nicht darauf herumritt. Manchmal war selbst er bereit zu sehen, dass Nolofinwë durchaus passend war, egal wie oft sich dieser auch närrisch verhielt. Schweigend lauschte er den begeisterten Worten und ein Plan begann sich immer mehr herauszukristallisieren. Er wusste schon jetzt, dass sie damit ein Imperium aufbauen konnten.

Im Kopf begann er bereits, Notizen zu machen und die wichtigsten Punkte schon für sich abzuklären. Dann müsste er nur mehr Arafinwë überzeugen, dass er die Geschäftsführung übernahm und ihnen damit Freiraum gab. Und wenn er seine beiden Halbbrüder dafür bei ihrem Vaternamen nennen musste.

Und er betete, dass der Firmenname Silverstar Ltd. nicht vergeben war.

Er wollte diesen haben.

Um jeden Preis.

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Finwë = Modern: Fionn McGregor
Feanor = [Qu.] Feanáro; Modern: Dan McGregor
Nerdanel = Neala McGregor
Fingolfin = [Qu.] Nolofinwë ‘Nolvo’ Aracáno; Modern: Nathan ‘Nate’ McGregor
Finarfin = [Qu.] Arafinwë ‘Arvo’; Modern: Arman McGregor
Findis = Modern: Fiona Heavens
Finvain Ìrimë= Modern: Iris Cameron
Fániël = Fanny McGregor
Maedhros = [Qu.] Nelyafinwë Maitimo; Matthew ‘Matt’ McGregor
Curufin = [Qu.] Curufinwë; Modern: James McGregor
Fingon = [Qu.] Findecáno; Modern: Ryan McGregor
Turgon = [Qu.] Turucáno; Modern: Thomas ‘Tom’ McGregor
Argon = [Qu.]Aracáno; Modern: Caelan McGregor
Aredhel = [Qu.] Irissë, Ariana McGregor
Finrod = [Qu.] Artafindë/ [Te.] Findaráto; Modern: Collin Fionn McGregor
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