Anfang einer Freundschaft

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
Albus Dumbledore Severus Snape
08.04.2015
08.04.2015
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Anfang einer Freundschaft


Albus Dumbledore reiste per Flohpulver zu Severus Snape nach Hause. Er kam in einem recht geräumigem, hellem Wohnzimmer heraus und suchte nach Severus. Diesen fand er zusammengekauert und weinend in einer Ecke des Zimmers, um ihn herum lagen zerrissene Fotos verstreut.
„Es tut mir leid!“, schluchzte er heiser vor Tränen. „Es tut mir so leid!“
Ein Weinkrampf schüttelte den Körper des jungen Mannes durch.

Albus sah zu seinen Füßen ein Foto, dass noch ganz war und hob es auf. Darauf war eine junge, arme Familie abgebildet. Eine junge Frau, mit langen, schwarzen Haaren blickte glücklich lächelnd auf ein in eine dunkle Decke gewickeltes Baby in ihren Armen. Der junge Mann hatte ebenfalls schwarze Haare, die aber zu Igelschnitt geschnitten waren. Der Blick aus den dunklen Augen war ebenfalls glücklich auf das Bündel gerichtet. Er hatte einen Arm um ihre Taille geschlungen.

Aber es wunderte Albus, dass die Beiden auf dem Bild so glücklich aussahen. Hatte er doch in Erfahrung gebracht, dass der alte Snape Alkoholiker war und Frau samt Kind schlug. Anscheinend schien das Glück der jungen Eileen Prince für sie und ihr Kind die Hölle geworden zu sein. Nur das Kind hatte das überlebt, hockte vor ihm auf den Boden und weinte bitterlich. Albus hatte nie geglaubt, dass der junge Mann sowas wie Mitleid oder ähnlichem empfand. Einfach weil er nie Gefühle zuließ. Nicht einmal nach dem Werwolfangriff. Deswegen war er auch so entsetzt.

„Ich... ich wollte niemanden enttäuschen!“, sagte er verzweifelt. „Ich w...wollte niemandem wehtun.“

Er klammerte seine Arme um seinen Oberkörper und wog sich vor und zurück.
Albus war überfordert. Was sollte er jetzt tun? Er sollte seinen Spion sich nicht selbst überlassen oder alleine lassen in seinen Zustand. Was war, wenn Voldemort ihn rief? Dumbledore konnte nicht riskieren einen seiner besten Männer zu verlieren. Das konnte er sich nicht leisten. Es standen zu viele Leben auf dem Spiel.

„Bitte, verzeiht mir!“, schluchzte Severus vollkommen am Ende mit den Nerven.

Albus musste etwas tun. Er musste den jungen Mann beruhigen. Ihn Trösten. Aber wie? Wenn er sich so einigelte, dann... Albus hätte sich an den Kopf klatschen können. Er konnte den jüngeren doch trotzdem trösten. So hockte er sich vor ihm hin, legte eine Hand auf dessen bebenden Rücken und streichelte ihn. Tief in seinem Inneren konnte Albus nicht mitansehen, wie der Jüngere litt. Sein Mitleid übernahm die Oberhand. Er wollte Severus beruhigen. Um seinetwillen. Nicht wegen der Angst seinen Spion zu verlieren, sondern wegen Severus. Tief verschlossene Gefühle für den jungen Mann erfüllten Albus und ließen ihn sich fragen, warum er Severus von sich gestoßen hatte.

´Weil du Angst hattest! Du hattest ihn so zu verlieren, wie deine Schwester!´; sagte seine innere Stimme. ´Aber jetzt braucht er dich umso mehr! Er ist am zerbrechen! Wenn du ihm hilfst, dann wird er sich dir öffnen.´

Diese Erkenntnis traf Albus und er fragte sich, warum er nicht früher darauf gekommen ist.

´Weil Severus nie so emotional war!´

Er wollte, dass Severus sich ihm anvertraute. Mit ihm über seine Sorgen sprach und nicht in sich hineinfraß, bis er vollkommen zusammenbrach. Albus legte seine Arme um den schmalen Körper. Zuerst wehrte sich Severus, doch irgendwann verließ ihn die Kraft und er ließ seine Arme kraftlos an seine Seiten sinken und er hing weinend in den Armen des Schulleiters von Hogwarts. Dieser strich mit der rechten Hand durch die Haare, welche gewaschen waren und nach Kräutern dufteten. Er fragte sich, warum ihm das nie aufgefallen war.

´Weil du ihn immer ignoriert hast.´sagte seine innere Stimme.

Albus wusste nicht, wielange er den weinenden Mann in seinen Armen hielt, bis dieser verzweifelt weiter sprach. „Ich... ich kann nicht m.. mehr! Ich halt d... das nicht mehr aus! Ich will das nicht mehr! Ich will niemandem mehr wehtun!“

War das die wahre Persönlichkeit des sonst so kühlen Tränkemeisters? War der junge Mann so sensibel und hatte das nur verborgen? War er so verletzlich und verbarg es vor Anderen, aus Angst wieder verletzt zu werden?

Albus ließ Severus los -welcher sich sofort einigelte – und rief mit einem Aufrufezauber eine Phiole Beruhigungstrank. Er wendete sich wieder dem zusammengekauerten jungen Mann zu, wo er aber leider nicht an dessen Mund kam, um ihm den Trank einzuflößen.

„Beruhig dich, Kind!“, sagte Albus sanft.


„Mommy!“, weinte eine Kinderstimme.
Eine junge Frau hielt ihren fürchterlich weinenden Jungen im Arm, weil Vater ihr wieder wehgetan hatte. Das linke Auge der Mutter war geschwollen und ihr tat der Bauch weh, wo er sie vor nicht einmal einer halben Stunde mehrmals getreten hatte.

„Beruhig dich, Kind!“, sagte sie sanft und versuchte nicht ängstlich oder verweint zu klingen, um ihren Sohn nicht noch mehr zu beunruhigen.


Diese Aussage brachte Severus dazu den Kopf zu heben und in die blauen Augen des Ordensführers zu blicken. Dessen Anwesenheit verwirrte ihn und ließ ihn vor Angst und Scham zusammenzucken. Er versuchte, einen nächsten Weinkrampf zu stoppen, aber bevor er wieder zusammenbrach wurde ihm etwas in den Rachen gekippt und er schluckte reflexartig. Er schlief ein. Mit einem Zauber levitierte Albus Severus auf das Bett, deckte ihn zu und blieb nachdenklich auf das schlafende Gesicht blickend stehen.
Hatte er seinen Spion doch falsch eingeschätzt? Er hatte immer gedacht, dem ehemaligen Schüler des Hauses Slytherin gefiel es die Aufträge Voldemorts auszuführen. Schmerzen zuzufügen. Weswegen war er sonst ein Todesser geworden? Er hatte andere gefoltert und jetzt musste er mit den Konsequenzen klar kommen. Der Bengel hätte sich Voldemort ja nicht anschließen müssen. Angwidert wandte Albus den Blick ab und sah aus dem Fenster. Also, die Aussicht, die er hier hatte war echt schön. Er konnte auf mehrere kleiner Gärten blicken und sah mehrere Menschen in ihrem Garten arbeiten oder Grillen. Noch immer in seinen Gedanken um den Tränkelehrling betreffend sah er in den Himmel. Der junge Mann war zu ihm gekommen als er seinen Fehler erkannt hatte. Er hatte nicht einmal um vermindertes Strafmaß oder ähnlicher Dinge gebeten. Er hatte ihnen Informationen geliefert und damit viele Leben gerettet. Nichts hatte er dafür verlangt. Was ziemlich untypisch für einen Slytherin war.

„Professor Dumbledore!“, hörte er die verschlafene und verwirrte Stimme des Tränkelehrlings.

Albus drehte sich zu dem Jüngeren um, der auf seinem Bett saß, die rechte Hand auf ein Kissen gestützt und ihn aus von Tränen noch leicht geröteten Augen ansah.

„Severus, ich wollte mit Ihnen über ihre Aufträge reden.“, sagte Albus und sofort sah er, wie der junge Mann alle Farbe verlor und zu Zittern begann.

„Ich erfülle alle Aufträge zu Ihrer vollsten Zufriedenheit.“, keuchte Severus.

„Das ist mir bewusst.“, sagte Albus sanft.

„Auch die von ihm.“, flüsterte Severus voller Unbehagen und mit gesenktem Blick. „Ich bin Abschaum.“

„Das bist du nicht.“, meinte Albus ehrlich.

„Wieso?“, fragte Severus aufgebracht. „Ich habe mich dem dunklen Lord angeschlossen und viele Leben zerstört, indem ich seine Aufträge ausgeführt habe.“

„Aber du bereust es. Dir tun deine Taten leid.“

„Wieso sagen Sie das jetzt? Sonst haben Sie mir das auch nie geglaubt!“

„Ich kannte nicht dein wahres Wesen.“

„Mein wahres Wesen darf keiner kennen.“

Severus knetete nervös seine Hände in seinem Schoß und er wurde noch blasser als ihn eine Erkenntnis traf. „Haben Sie gesehen, wie ich … ?“, fragte er, doch traute sich nicht seine Frage auszuformulieren. Er wollte nicht schwach wirken, auch, wenn er sich so fühlte. Severus wollte nichts lieber als im Erdboden zu versinken.

„Ich habe dich heute erst richtig kennen gelernt. Du bist nicht so kaltherzig, wie du dich immer gibst. Ich habe erkannt, dass du nicht so skrupellos bist. Ich dachte immer, dir gefällt das Foltern.“, sagte Albus.

„Nein!“, sagte Severus aufgebracht und stand abrupt auf. „Ich hasse es. Ich kann es nicht sehen, wenn jemand leidet! Es erinnert mich immer an Mom!“

„Wieso an deine Mutter?“ Albus dachte immer der Junge stand seiner Mutter ganz nahe.

„Weil ich dann immer Mom sehe, statt meiner Opfer.Es tut weh und erinnert mich immer, wie Vater uns geschlagen hat. Ich hasse es zu Foltern, auch wenn ich meine Mutter nicht sehe.“, sagte Severus. „Ich bekomme immer Albträume.“

„Wieso siehst du deine Mutter?“
„Weil Vater ihr immer wehgetan hat. Ich hasse ihn.“

Als Severus den Blick hob konnte Albus lodernde Wut und Hass erkennen.

„Ich hasse ihn. Deswegen bin ich zu den Todessern gegangen.“

Severus stand schweigend auf und sah sich den Boden an.

„Aber ich liebe ihn auch. Wieso? Wieso liebe ich jemanden, der meine Kindheit zur Hölle gemacht hat?“, fragte Severus verzweifelt.

„Weil er dein Vater ist.“

Severus schnaubte.

„Er hätte sich wie ein Vater verhalten sollen.“, sagte Severus kalt und sah den Ordensführer an.

„Wollen Sie noch etwas? Sonst würde ich Sie bitten zu gehen. Wie Sie sehen muss ich aufräumen.“

„Nur noch eines, Severus. Wenn du jemanden zum Reden brauchst, der alles weiß, dann komm zu mir. Du musst damit nicht alleine klar kommen.“, sagte Albus und drückte beim Hinausgehen seine Schulter.

„Auf Wiedersehen, Professor!“

Als Albus weg war stahl sich ein kleines, trauriges Lächeln auf sein Gesicht. Das der Schulleiter von Hogwarts sein wahres Wesen kannte freute ihn und dies verwirrte ihn. Er machte sich an die Arbeit.
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