Borderlands 2: Der Schlüssel zum Erfolg

von Dracu98
KurzgeschichteSci-Fi / P16
08.04.2015
08.04.2015
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08.04.2015 1.791
 
Täuschung ist der Schlüssel zum Erfolg


Die schnellen Schritte des Zwerges wirbelten den Sand von Lynchwood auf. Er sprang über einige Leichen rüber, beachtete nicht die Schüsse um sich herum, beachtete nicht, dass seine Kumpane einer nach dem anderen zu Boden gingen. Für ihn gab es jetzt nur ein Ziel. Zu töten. Ihn zu töten. So blutig und so hässlich wie möglich. Sein Blick richtete sich nach vorne, auf den Mann, der beinahe die ganze Stadt niedergeschossen hatte, sowohl die Männer des Sheriffs, als auch die wenigen Banditen, die sich eingenistet hatten. Es war eine schlanke, hoch aufragende Gestalt. Sie trug einen eng anliegenden Anzug und hatte ihr Gesicht hinter einem schmalen, schwarzem Helmvisier verborgen. Ein gackerndes, irres Lachen stieg in der Kehle des Zwergs auf, als er seine Buzz-Axt und mit einem gewaltigen Satz auf die Gestalt zusprang. Diese wandte sich jedoch ab und nahm scheinbar gar nicht erst Notiz von ihm. Mit einem lauten Schrei wollte er ihn auf sich aufmerksam machen:

„Sieh mir in die Augen wenn ich dich anstarre!“

Doch sein Ziel beachtete ihn nicht. Nicht weiter wichtig. Er hielt die Axt eine Armbreite vor sein Gesicht, vorfreudig auf den folgenden Moment, in dem er dem Kerl seinen hässlichen Schädel spalten würde...seine Axt glitt durch die Gestalt hindurch, als wäre sie Luft. Bevor er sich darüber wundern konnte, schlug seine Waffe in den harten Boden hinter dem Mann ein, dicht gefolgt von seinem Schädel, der mit der Wucht des ganzen Sprunges auf die rostige Klinge krachte. Ein kurzer Schmerz, ein Schwall seines eigenen Blutes, und alles wurde dunkel.

*

Zer0 begutachtete das soeben von ihm vollendete Werk. Die Gassen der Stadt waren von Leichen übersät und der Sand unter seinen Füßen rot vor Blut. Die Toten hatten beinahe alle dieselbe tödliche Wunde: Einen sauberen Kopfschuss. Ein Schuss, ein Treffer, ein Toter. So liebte er es. Hie und da hatte er sich hinreißen lassen. Einige Leichen waren durch Explosivgeschosse in den Bauch entstellt, anderen hatte er selbigen aufgeschnitten. Er war immer wieder erstaunt gewesen, wie sie mehrere Male auf sein Hologramm hereingefallen waren. Intelligente Gegner hätten diesen Trick spätestens nach dem zweiten Male durchschaut und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen, doch auf Pandora gab es herzlich wenige intelligente Gegner. Dafür aber viele. Viele Gegner, die viel Blut zu verspritzen hatten. Er drehte sich um, um einen Blick auf den letzten Gefallenen zu werfen. Ein leises Lachen entrang sich ihm, als er sich die Verblüffung des Zwerges vorstellte, als dieser durch Luft flog und sich selbst den Schädel spaltete.

„Dieser Planet ist/Voll von Idioten/Ohne Verstand.“

Er rief die Interface-Anzeige auf und warf einen Blick auf seine Schildladung. Sie war immer noch voll. Keine einzige Kugel, keine Klinge und keine Faust hatten ihn berührt. Er gönnte sich ein selbstzufriedenes Grinsen. Dieser Planet machte wirklich Spaß. Es war fast, als wäre diese postapokalyptische, von Wahnsinnigen bevölkerte Kugel nur für ihn erschaffen worden. Nur für ihn und sein Vergnügen.

Ein greller Blitz über ihm erregte seine Aufmerksamkeit. Die Sonne schien. Ein Gewitter war es also nicht. Er vollführte eine elegante Drehung zur Seite, genau in dem Moment, als der Scharfschütze abdrückte. Die Kugel schlug nur Zentimeter neben seinem Fuß ein, und hätte er die Position nicht gewechselt, hätte sie glatt sein Herz durchschossen. Zer0 warf einen Blick auf die Einschussstelle, sah kurz, wie der Sand aufwirbelte, ermittelte die Schussrichtung und zog in einer fließenden Bewegung einen Jakobs-Revolver hervor. Er zielte auf den Schützen, welcher sich auf dem Dach des Bahnhofs geduckt hielt, und drückte zweimal ab. Einmal, um die zweite Kugel seines Gegners noch in der Luft zu abzuwehren, und einmal, um ihn zu töten. Seine Hand war dabei vollkommen ruhig. Der Rückstoß beeinträchtigte ihn nicht ein bisschen. Eine entfernte, rote Blutwolke gab ihm die Bestätigung, sein Ziel erwischt zu haben.

„Herzlichen Glückwunsch, Kammerjäger“ tönte eine weibliche Stimme plötzlich aus den zahlreichen Lautsprechern der Stadt.

Zer0 erkannte sie sofort wieder. Es war die Stimme des Sheriffs von Lynchwood. Er hatte sich schon gefragt, wann sie sich melden würde.

„Das war der letzte Auftragskiller, den ich auf dich angesetzt hatte.“

Wenn Zer0s Gesicht sichtbar gewesen wäre, hätte er eine Augenbraue hochgezogen. Auftragskiller? Dieser unkoordinierte Haufen, der mit einer Schrotflinte einen Bullymong nicht auf einem halben Meter Entfernung getroffen hätte? Dieser Amateur von Scharfschütze, der durch seinen Anfängerfehler eine Schande über die gesamte Berufsgruppe gebracht hatte? Meinten die Typen von Hyperion es überhaupt ernst?

„Fassen wir einmal zusammen: Du hast meine Bank ausgeraubt,“

Zer0 erinnerte sich zurück, wie er mit der, wie Brick sie nannte, 'Durchfallbombe', wortwörtlich die Bank des Sheriffs gesprengt hatte.

„meinen Zug in die Luft gejagt“

Beim Gedanken an das explosive Feuerwerk musste Zer0 leicht lächeln.

„und meine gesamte Stadt zusammengeschossen.“

Letzteres hatte er im Grunde nur aus Langeweile getan. Mit diesem unfähigen Haufen hatte er sich letztendlich gut die Zeit vertreiben können.

„Du gefällst mir!“ rief der Sheriff in einem hochmütigen Tonfall, der Zer0 missfiel.

„Du und ich, Gunslingers Corner. Pistolen. Ich werde dort auf dich warten. Biete mir einen guten
Kampf, Schätzchen!“ kündigte sie an, dann brach ein rauschendes Knacken die Übertragung ab.

Zer0 hätte beinahe laut gelacht. Der Sheriff hatte ihm doch tatsächlich gesagt, wo sie sich aufhielt, und jetzt erwartete sie von ihm, dass er ihr mitten in die Arme lief? Dieser Haufen waffenschwingender Idioten, die mehr Zähne als Gehirnzellen hatten, konnten unmöglich das beste sein, was sie auftreiben konnte, wurde ihm nun klar. Ihre fähigsten Männer hatte sie zweifelsohne um sich geschart, und jetzt wartete sie darauf, dass er wie ein Idiot in ihre Mitte marschierte? Zer0 wusste über sein Talent, aber selbst er durfte nicht übermütig werden. Hochmut kommt vor dem Fall, und Hochmut war eine Falle, auf die Zer0 nicht hereinfallen würde. Ganz im Gegensatz zum Sheriff. Er betrachtete kurz die Karte von Lynchwood, die auf seinem Interface gezeigt wurde. Gunslingers Corner...eine lange Straße am Ende eines Minenschachts, leicht zu erreichen und mit ihren vielen Ecken und Winkeln ein idealer Ort für einen Hinterhalt. Nicht, dass man es auf Pandora nötig hätte, Leute in einen Hinterhalt zu locken, um sie dann zu erschießen. Zer0s Blick richtete sich auf die Lynchwood umschließenden Berge. Der Sheriff hatte ihm nützliche Informationen zugespielt. Es wäre doch eine Schande, diese nicht zu nutzen?

„Stolz und Ehre/Sind nur ein Hindernis/Für einen Krieger.“

*

Nach nur wenigen Minuten hatte Zer0 die Berge erklommen und eine geeignete Position ausgemacht. Er achtete darauf, die Sonne im Rücken zu haben, aber auch darauf, ihr Licht in keinster Weise zu verdecken. Unter ihm erstreckte sich die Gunslingers Corner, und dort tummelten sich, wie von ihm vorhergesagt, dutzende Banditen, Kopfgeldjäger und Auftragsmörder. Zweifellos alle angeheuert vom Sheriff, welcher sich irgendwo dazwischen befinden musste. Doch auf die Entfernung konnte er sie nicht ausmachen, zumal er nicht einmal wusste, wie sie aussah. Nachdem er kurz darüber nachgedacht hatte, griff er sich eine Granate von seinem Gürtel, zog den Stift und warf sie in die Menge unter ihm. Sämtliche Modifikationen von dieser Granate hatte er entfernt. Er hatte nicht vor, sie alle auf einen Schlag zu töten.

Er zählte in Gedanken runter. Eins...Zwei...Drei.

In dem Moment, wo die Granate mit einem leisen Klacken mitten auf der Straße landete, explodierte sie in einem heißen, brennenden Inferno. Wie eine aufgeschreckte Meute Hühner sprangen und rannten die Mengen auseinander, viele von ihnen schreiend, einige nur vor Schreck, andere vor Schmerz. Zer0 nahm sich keine Zeit, dieses Schauspiel zu genießen. Er legte sich flach auf den Boden und brachte sein Scharfschützengewehr von Vladof in Stellung, um kurz danach wieder aufmerksam das Geschehen zu beobachten. Langsam beruhigten die Massen sich wieder. Einige sprachen hektisch miteinander, stritten darüber, woher die Granate kam, beschuldigten sich gegenseitig, die fallen gelassen zu haben. Einer schrie, weil die Explosion ihm den rechten Arm genommen hatte, doch keiner achtete auf ihn, geschweige denn auf den, der beide Hände brüllend auf sein Gesicht geschlagen hatte, während zwischen seinen Fingern Blut hervorquoll.

„Kapiert ihr Affen es denn nich'?“ schallte eine Stimme über die fluchende Menge hinweg.

„Das war der verdammte Kammerjäger! Er hat nich' die Eier, um es direkt mit uns aufzunehmen, darum wirft er 'ne Scheiß Granate nach uns, um uns alle auf einmal umzulegen!“

Ausgehend von der Art und Geschwindigkeit, wie er sprach, mutmaßte Zer0, dass dieser Mann selbst mehr Eier als Hirnmasse hatte, was, in Anbetracht seiner hohen Stimme, nicht viel heißen wollte.

„Worauf wartet ihr Idioten dann bitteschön noch?“ schrie eine Stimme im Befehlston über den Platz.

Zer0 erkannte die Stimme sofort. Es war die Stimme des Sheriffs. Hektisch suchte er mit dem Zielfernrohr sie Menge ab, um die Quelle der Stimme ausfindig zu machen.

„Findet ihn, wenn ihr nicht selbst an meinem Galgen enden wollt!“ Beendete der Sheriff ihren kurzen Vortrag, und sofort stoben die Massen auseinander, einige in Gruppen, andere allein. Der Mann mit dem fehlenden Gesicht wälzte sich nach wie vor stöhnend im Dreck, bis der Sheriff auf ihn aufmerksam wurde und sein Leben mit einem „Ach, halt's Maul du Weichei“ und einer Kugel beendete. Der Mann mit dem fehlenden Arm bemerkte dies, stellte seinerseits jegliches Stöhnen ein und versuchte, den nach wie vor blutenden Armstumpf so gut es ging zu ignorieren.

Nun, da die Menge sich auflöste, konnte Zer0 viel leichter sein Ziel ausfindig machen. Sein Fernrohr blieb am Kopf einer Frau hängen, die einen altmodischen Cowboyhut trug und sich einen Sheriffsstern an die Brust geheftet hatte. Sie drehte sich um und sprach in ein Funkgerät. Kurz darauf hörte Zer0 wieder in der ganzen Stadt die Worte des Sheriffs.

„Du enttäuschst mich, Kiddo. Ich dachte, dass in deinen Knochen zumindest ein klein wenig Mumm stecken würde, aber offensichtlich habe ich mich getäuscht. Du bist ein beschissener kleiner Feig-“

Doch Zer0 ließ nicht zu, dass sie den Satz zu Ende brachte. Sein Finger krümmte sich um den Abzug, und mit einem leisen, befriedigenden Knallen schoss eine Kugel aus dem Lauf seiner Waffe, durchschnitt förmlich die Luft, bahnte sich ihren Weg auf den Kopf des Sheriffs zu, durchbohrte ihren lächerlichen Hut und drang durch ihre Schädeldecke in ihr Gehirn, ohne das sie den Schuss überhaupt bemerkte. Ihr Kopf löste sich in einer roten Wolke aus Blut auf, gepaart mit einem wunderbar lauten Platschen, gefolgt von dem dumpfen Aufprall, als ihr lebloser Körper zu Boden fiel.

Zer0 grinste wie ein kleines Kind. Was für eine dumme Frau der Sheriff doch gewesen war. Sie hatte ihm, dem Feind, ihren Aufenthaltsort und ihre Absichten preisgegeben, und doch erwartete sie, dass alles nach ihren Regeln lief? Sie hatte es einmal mehr gezeigt: Hochmut, Stolz, Ehrgefühl...als das brachte einem nichts als den Tod. Skrupellosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Täuschung hingegen stellten den Schlüssel zum Sieg dar.

„Ein dummer Fehler/Übermut und Stolz sind/Gift für Krieger.“
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