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Die verquere Welt von Hetalia

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHumor, Poesie / P16 / MaleSlash
Amerika England Finnland Kanada Spanien Süd-Italien
08.04.2015
17.11.2015
40
31.605
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Dieses Kapitel
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28.04.2015 1.270
 
Die Länder trauerten. Es war der  26. Februar 1947 und gestern war Preußen aufgelöst worden. Alle trauerten gemeinsam – bis auf einen.

Ivan wollte nicht mit den anderen zusammen zum Friedhof gehen. Keiner würde ihm glauben, dass er wirklich trauerte. Deshalb trauerte er zuhause, allein. Wie immer.Nein!Es gab eine Zeit, da war er nicht allein gewesen. Noch vor kurzem. Als Preußen nicht mehr  Preußen sondern die DDR war. Ivan hatte es genossen, dass es nicht mehr so furchtbar still in seinem Haus war. Über alles konnte sich Gilbert beschweren, was er auch getan hatte.

Ich bin ich und du bist duWenn ich rede, hörst du zu.Wenn du sprichst, dann bin ich still,weil ich dich verstehen will.

Ivan erinnerte sich noch gut an eine Diskussion zwischen ihm und Gilbert. Gilbert war ihm ständig ins Wort gefallen und irgendwann hatte es Russland gereicht und er hatte nach Gilbert geschlagen. Dieser hatte ihn ausgelacht und gesagt, dass er es ruhig noch mal versuchen könne. Er würde ja doch nicht treffen. Dann hatte Gilbert wieder gelacht, hatte sich umgedreht und wollte den Raum verlassen. Aber im Türrahmen hatte er sich noch mal umgedreht und gesagt: „Versuch mal deine Probleme nicht mit Gewalt zu lösen. Das schaffst du zwar eh nicht, aber einen Versuch ist es wert“. Diese Aussage beschäftigte Ivan seit Gilberts Tod sehr.Was meinte er damit?Wie sollte er seine Probleme den sonst lösen? Schließlich war er Russland! Russland redete nicht. Wenn Russland ein Problem mit einem anderen Land hatte, marschierte man dort halt ein und spielte nicht Psychater für das Verhalten des anderen.

Wenn du fällst, helf´ ich dir auf,und du fängst mich, wenn ich lauf.

Es war das erste und einzige Mal das Ivan jemandem ohne Gegenleistung  geholfen hatte, als er Gilbert zur DDR gemacht hatte und ihn so vorm Verschwinden gerettet hatte. Und das, obwohl Gilbert einen Krieg nach dem anderen mit ihm angefangen hatte. Ivan hatte nie ein Danke oder ähnliches gehört, aber Gilbert hatte es ihm anders gezeigt. Zum Beispiel hatte er Ivan kommentarlos die Marmelade gereicht, als sie mal zusammen gefrühstückt hatten. Sie hatten aber auch eine kleine, friedliche Vergangenheit.Zusammen hatten sie fangen im Wald gespielt, eine Schneeballschlacht gemacht oder sich einfach unterhalten. Ihre gemeinsame Vergangenheit fing schon sehr früh an und war eigentlich so gut wie gar nicht friedlich, aber trotzdem konnte Ivan Gilbert das nicht übel nehmen. Er war halt so wie seine Bevölkerung war.  Kämpferisch, stur, stolz und vor allem hatte er ein übergroßes Durchhaltevermögen.

Wenn du kickst, steh ich im Torpfeif ich Angriff, schießt du vor.

Was Ivan immer sehr erstaunlich fand, war das Gilbert sich nie verteidigt hatte. Er hatte immer offensiv gekämpft, egal wie es um ihn oder seine Armee stand. Hatte eine Niederlage nie auch nur in Betracht gezogen, immer nur den Sieg gesehen.Für ihn, Ivan, war ein Sieg zwar auch nichts Besonderes mehr, aber er war auch das größte Land der Erde und kaum einer konnte mit ihm konkurrieren.  Das Preußen es trotzdem getan hatte, war mutig gewesen und manchmal hatte Gilbert sogar Erfolg gehabt.Man konnte es fast mit Fußball vergleichen, fand Ivan. Wenn Gilbert ihn angegriffen hatte, hatte er sich im ersten Moment nur verteidigen können, aber immer wenn er Gilbert angriffen hatte, ging dieser direkt zum Gegenangriff über.

Spielst du pong, dann spiel ich pingund du trommelst, wenn ich sing.

Als Gilbert  1833 mitbekam  das Russland schon wieder eine neue Nationalhymne hatte, hatte er Ivan ausgelacht. Aber als Ivan sie ihm vorspielte, summte er sie den ganzen nächsten Tag über. Ganz ähnlich lief es aber auch beim Preußenlied. Als Gilbert stolz verkündet hatte, dass er eine neue Nationalhymne zu ehren von Friedrich Wilhelm III bekommen hatte, konnte  Ivan nur den Kopf darüber  schütteln.  

Seufzend stand Ivan von dem Sofa auf, auf dem er schon seit knappen 2 Stunden saß und ging ans Fenster. Es schneite. Natürlich schneite es, es war schließlich noch Februar. In Russland schneite es immer im Februar. Lange sah er aus dem Fenster und sah den Schneeflocken beim Fallen zu. Er vermisste jetzt schon die bissigen Kommentare von Gilbert und das dann doch verunsicherte Zurückweichen, wenn Ivan ihn dann anlächelte. Ihm fiel auf, dass er fast nur durch Gilbert so geworden war wie er heute war. Aber auch Gilbert hatte sich durch den Kontakt mit dem Russen verändert. Das wusste Ivan ganz genau.

Allein kann keiner diese Sachen,und zusammen können wir viel machen.

All diese gemeinsamen Erinnerungen kamen in Ivan hoch. Ihm ging auf, wie viel er eigentlich mit Gilbert erlebt hatte. Gilbert hatte ihn zwar nie als Freund bezeichnet und am Ende eher beschimpft, aber im Grunde hätte alles noch viel schlimmer laufen können. Zum Glück war es aber nie so weit gekommen. Sie waren immer haarscharf an der Grenze zur totalen Katastrophe vorbeigeschlittert. Sie hatten so viel miteinander erlebt und jetzt sollte es einfach vorbei sein. Einfach unvorstellbar! Es wollte einfach nicht in Ivans Kopf, dass Gilbert jetzt tot war. Er drehte leicht den Kopf und sah auf die Uhr, schon fast 18:00 Uhr. Bald würden seine Schwestern heim kommen und ihn fragen warum er den nicht auf dem Friedhof war. Ivan würde keine Antwort haben, denn keiner kannte die Beziehung die er zu Gilbert gehabt hatte. Er müsste ihre enttäuschten Blicke ertragen und wissen das er es hätte vermeiden können.

Ich mit dir und du mit mir-

Ganz plötzlich war diese Idee in seinem Kopf.Um diese Uhrzeit würde keiner mehr auf dem Friedhof sein. Also holte Ivan seinen Autoschlüssel und ging raus. Seinen Mantel und seinen Schal hatte er eh immer an. Bevor er aber zum Friedhof fuhr, hielt er noch bei einem Blumenladen und kaufte dort eine Sonnenblume und  eine Kornblume.Als Ivan vor dem Friedhofstor stand kamen Zweifel in ihm auf.Was wenn ihn jemand sehen würde?Egal, dachte er sich dann. Er besuchte nur ein Grab. Das Grab eines Freundes!Er lief über den Friedhof. Man fand Gilberts Grab ganz leicht. Es war das neueste auf dem Friedhof und es lagen schon viele Blumen darauf. Am meisten stachen der Nelkenstrauß von Spanien und der Irisstrauß von Frankreich heraus. Die beiden hatten schließlich ihren besten Freund verloren. Aber auch Ungarns Tulpenstrauß war nicht gerade klein.Vorsichtig legte Russland seine beiden Blumen dazu und gedachte der langen gemeinsamen Zeit mit Preußen.  Es tat gut, hier von ihm Abschied zu nehmen und als er wieder zuhause war und seine Schwestern fragten wo er den gewesen war, konnte er sagen, dass er einem Freund Lebwohl gesagt hatte. „Leb wohl Preußen, ich werde dich nie vergessen Gilbert!“, dachte Russland mit einem kleinen ehrlichen Lächeln auf den Lippen.

                                              Das sind wir!

Wir

Ich bin ich und du bist du.Wenn ich rede, hörst du zu.Wenn du sprichst, dann bin ich still,weil ich dich verstehen will.Wenn du fällst, helf ich dir aufund du fängst mich, wenn ich lauf.Wenn du kickst, steh ich im Tor,pfeif ich Angriff, schießt du vor.Spielst du pong, dann spiel ich ping,und du trommelst, wenn ich sing.Allein kann keiner diese Sachen,zusammen können wir viel machen.Ich mit dir und du mit mir-                                    dass sind wir

Von Irmela Bender



Nelke                = spanische NationalblumeIris                     = französische NationalblumeTulpe                = ungarische NationalblumeKornblume      = preußische (und deutsche)NationalblumeSonnenblume= russische Nationalblume


Wir hoffen, euch gefällt das Kapitel.
Oh mein Gott, ich habe aus einem fröhlichen Kindergedicht eine traurige Geschichte geschrieben. Wie habe ich das geschafft??
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