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Pet Rock

von somali77
GeschichteAllgemein / P18
Revy Rock
05.04.2015
12.02.2020
50
36.112
13
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26.09.2017 522
 
~


Sein Ton ist neuerdings eine gute Nuance abgebrühter geworden.

Er gibt diese anfängliche Angst nicht mehr zwischen uns, diese Hemmung aus Höflichkeit und gespannter Erwartung, und das macht vieles auf einmal anders.

Wir wissen Dinge übereinander, die wir vorher nicht gewusst haben.

Ich weiß, dass er immer ein Fläschchen Desinfektionsgel in der Tasche hat, das er sich bei Straßenhändlern kauft und sich in unbeobachteten Momenten damit die Hände einschmiert, weil öffentliche Türklinken und so ihn anekeln. Besonders die von Toiletten.

Er weiß, dass ich, wenn ich alleine bin und nicht halb bewusstlos vor Alk oder sonstigem Shit ins Bett falle, nie ohne Walkman einschlafen kann.

Ist das der Zustand, wenn man länger eine Art von Beziehung im weitesten Sinne hat?
Stück für Stück verliert sich die Fremdheit, man schält Schicht für Schicht voneinander ab, bis man darunter schließlich so entsetzlich entblößt ist, dass es einen schon wieder abschreckt...

Er macht kein Geheimnis daraus, dass er denkt, dass ich in extremem Dreck lebe und in meinem Appartement vergammle, aber ich bin eben Gunman und kein Hausmütterchen, mein Standpunkt dazu ist, dass -er- sich ja ein French Maid- Outfit anziehen und putzen könnte.

Da hat er aber dann auch keine Lust drauf.


Und dann war da noch der eine Abend, am Jahrestag von der einen Sache, als die kleine Rebecca in New York gestorben ist... etwas, das ich jedes Jahr glaube, verdrängen zu können, was bisher noch nie funktioniert hat. Im Yellow Flag war ich da so dermaßen aus der Welt gesoffen, dass ich brabbelnd in der Ecke lag und ihn nicht mal wieder erkannt hab.

Dutch hat mich heimgetragen.


Rock kann es sich seither nicht verkneifen, immer mal wieder eine kleine, stichelnde Bemerkung darüber fallen zu lassen. Aber was soll ich machen?
Fakt ist, wir kennen uns kaum ein paar Monate. Was ist sind schon ein paar Monate, gegen die Ewigkeit in der Hölle?


Was sich außerdem wohl verändert hat- die Berührungsängste fallen, genau wie die Kleidung. Er kommt jetzt furchtlos in mein Appartement, während ich schlafe, er bringt mir eine Morgenzigarette, weckt mich mehr oder weniger sanft. Seine Krawatte, die über meine nackte Haut gleitet, fühlt sich vertraut an, riecht so vertraut nach ihm, dass sie mich selbst im Halbschlaf nicht mehr erschreckt. Im Gegenteil. Sie ist nämlich aus Seide: leicht und kühl. Ein Beweis für seinen verwöhnten Bonzen- Arsch, mit dem ich mich ausnahmsweise mal anfreunden kann. Seide auf nackter Haut fühlt sich gut an...


Ich hasse früh aufstehen. Ja, halb elf ist früh.

Aber ich hasse es wider anderslautender Gerüchte nicht, irgendwie beschäftigt und in halbwegs geordneten Verhältnissen zu sein, und das auch noch eine ganze Weile zu bleiben, also hält sich mein Unwille in Grenzen.


„Du musst aufwachen“, sagt er in unaufgeregter Beharrlichkeit, „Wir haben einen Job.“

„Einen Job von wem?“, grunze ich.

So früh am Morgen... oder vormittag braucht es eine Weile bis mein Hirn in Schwung kommt. Ich kratze mich in der Morgenmatte am Hinterkopf.


„Von Mister Chang“, sagt Rock ganz ruhig, „Von den Triaden.“


Ich brauche ganze drei Sekunden, bis mich die Neuigkeit... der unwahrscheinliche Zufall mit voller Wucht erreicht.

„Huh?!“, blinzle ich dann.


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