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Pet Rock

von somali77
GeschichteAllgemein / P18
Revy Rock
05.04.2015
12.02.2020
50
36.112
12
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.02.2017 706
 
~

Er kollabiert aufs Hotelbett und ich gebe ihm noch einen Schubs hinterher. Nur aus Prinzip. Für mehr Schwung auf dem Weg nach unten. Dafür wippt er ein Stück von der Matratze wieder zurück, wie von einem Trampolin. Das sieht lustig aus, aber die Federung quietscht ganz entsetzlich.

„Bist du sicher, dass du das Richtige runtergespült hast?“, lache ich, und greife ihm in das zottelige Nest am Hinterkopf, das einmal seine Frisur war, „Du siehst aus wie Scheiße!“

„Revy!“, weint er, und klammert sich an dem Kissen fest, in dem er sein Gesicht vergräbt, „Lass mich einfach in Ruhe, herrgott! Bitte! Einmal!“

„Ernst, jetzt? Wo ich doch schonmal hier bin...!“

„Ernsthaft!“


Das ist fast schade. Hm. Andererseits, in dem Zustand ist er eh zu nichts zu gebrauchen...



„Kaugummi?“, biete ich ihm an und setze mich zu ihm aufs Bett.
„Nein!“, winkt er angewidert ab.

Dann nicht.

„Wird wohl nichts mit unserem Date heute abend“, ich seufze. „Ist ein Bisschen so, als ob du deine Tage hättest, huh? Witzig.“

Er gibt ein Grunzen von sich, in dem so viel Verachtung steckt, dass er nicht mehr deutlicher sagen muss, was er von solchen Sprüchen hält.

„Sollen ich dir nen Tampon in den Arsch schieben?“
Dazu gibt er nicht mal mehr eine Antwort, nur einen entschlossen gereckten Mittelfinger. Okay, okay... meine Güte. Ich klopfe eine Zigarette heraus.


„Hier ist Nichtraucher“, kommt es vom Bett aus gemurmelt, ein wenig erstickt durch das Kissen vor seinem Gesicht.

Wir teilen einen Blick.


„Sagt wer?“
Ich zucke die Schultern und schnippe das Feuer an...

„Boah, Revy! Mir wird schlecht von dem scheiß Rauch, grade!“

… und lasse es unverrichteter Dinge wieder in der Tasche verschwinden.


„Jaaah, ist ja gut“, brumme ich, „Meine Güte. Brauchst du noch was? Benny kommt später mal nach dir sehen. Ich lass´ das ganze Trink- Zeug da. Falls du kotzen musst...“

Ächzend stehe ich nochmal auf, schiebe mit der Fußspitze umständlich und mit hörbarem Schleifen den Papierkorb vom Schreibtisch herüber.

Er rollt sich im Bett auf den Rücken.
„... Danke...“, murmelt er schwach.

„Bedank´ dich, wenn du wieder fit bist“, bemerke ich mit meinem besten, verdorbenen Grinsen und anzüglicher Tonlage.

Ein schwaches Lächeln hebt seine Mundwinkel. Kurz. Und weil er inzwischen den Arm über die Augen gelegt hat, kann ich nicht ausmachen, was das genau für ein Lächeln war: Sarkasmus, Vorfreude, Ironie, Freundlichkeit...? Der Typ hat zu viele Facetten für mich...


„Also dann...“
„Revy-... warte mal.“

Ich bleibe stehen.


„Ich könnte... auch mal was für dich tun“, schlägt er ganz leise vor. Sein Blick sucht meinen. Vorsichtig, seine Arme sind immer noch vor dem Gesicht, wie zum Schutz. Eine Art Distanz. Zur Vorsicht: Besuch und Gespräche bis auf weiteres nur noch durchs Unterarmgitter- Fenster... Ich schnaube spöttisch. So blass um die Nase hebt er sich kaum von den Laken ab.

„Du tust mehr als genug.“


„Ich meine...“, fängt er an.
„... auf keinen Fall.“, würge ich sofort ab.


Peinliche Stille streckt sich.


„... verstehe.“, meint er dann.

Ich beobachte ihn.

„Willst... du dich trotzdem ab und zu... treffen?“, fragt er, ohne mich weiter anzusehen. „Vielleicht können wir-... muss nichts Festes sein. Aber. Ich meine... wenn wir was ausmachen-... einmal die Woche, oder so, wo wir-...?“
„Hmm.“

„Nichts-... in der Öffentlichkeit. Lass uns da-... lieber auf Augenhöhe bleiben? Soweit es geht? Okay...?“

Ich kneife die Augen zusammen. Denke an diese erste Geschichte beim Nachtmarkt. An seine natürliche Unterwürfigkeit vor anderen Leuten, mit Türen aufhalten, Feuer geben, tausend Verbeugungen, Essen bringen, Chauffeur spielen-... und frage mich ob er da ehrlich ist? Andererseits- wen interessiert´s...

„Von mir aus.“

„Wir müssen ja auch nicht immer... irgendwie-... es muss ja nicht jedes Mal was mit Sex sein. Du musst auch nichts tun-... wir könnten einfach nur-... eine Zeit frei halten. Die wir einfach nur-... so für uns haben.“

„Du meinst, Eine, bei der du am Ende nicht kommen darfst?“

Er verzieht das Gesicht zu einem schiefen Grinsen und versteckt es wieder hinter den Armen;
„Nein. Ich. Ach... vergiss es!“

„Du meinst, sowas wie einen Pizza- und- Netflix-Tag?“

Er blinzelt aufwärts.
Erwartungsvoll, und völlig unleserlich. Über die Handrücken weg.
Verdammt. Ich bin so schlecht in dem „rate was ich denke“- Spiel.

„Ich... schau´ gern den Discovery Channel“, biete ich an.


Er lässt die Arme sinken...  und lacht.


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