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日本の夢 (Nihon no yume) - Okumuras Reisen zu den Grenzen des Vorstellbaren | Teil 1 - Die Pyramiden von Visoko

von Odras
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P12 / Gen
OC (Own Character)
04.04.2015
27.06.2016
36
17.401
 
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04.04.2015 423
 
4. Mai 1919

Ich bin zusammen mit meinem Neffen Ryuichi am Bahnhof in Mito um meinen Bruder Yukio abzuholen, der aus Tokyo anreist. Ich bemerke eine europäische oder amerikanische Reisegruppe in Begleitung von Jennifer Tanogama, einer ortsbekannten Führerin für englischsprachige Reisegruppen. Ich glaube aus dem Augenwinkel einen alten Bekannten zu erkennen, aber vermutlich täuschen mich meine Sinne - es wäre ein großer Zufall.

Nein, es ist keine Sinnestäuschung. Ich bin mir ziemlich sicher - das ist Lieutenant Mycroft Winterbottom. Er war der Britische Verbindungsoffizier zu unserer Einheit während der Boxerebellion 1900. Ich wage es nach einer Weile, ihn anzusprechen. "Lt. Winterbottom?", frage ich vorsichtig. Der Mann dreht sich zu mir um, sieht mich aber zunächst etwas verwirrt an. "Colonel", verbessert er mich, während er mich eingehend mustert. Es dauert nicht lange, bis sich bei ihm die Erinnerung einstellt. "Sanjūrō!", ruft er überrascht. Ungläubigkeit und freudige Überraschung zeichnen sich auf seinem Gesicht ab. Ich stutze. Sanjūrō? So hat mich eine gefühlte Ewigkeit niemand mehr genannt. Es ist mehr als zwanzig Jahren her, dass mir bei meinem ersten Militäreinsatz in China 1900 dieser Spitzname verpasst wurde.  Was meine Kameraden damals dazu veranlasste, mich mit dieser Bezeichnung zu bedenken, entzieht sich meiner Kenntnis. Als ich dem Lieutenant, ähm... Colonel..., damals begegnete, hörte er zuerst diesen Namen. Er beließ es auch dabei, als er erfuhr, dass das nicht mein bürgerlicher Geburtsname ist. "Sanjūrō passt viel besser zu dir", hatte er damals gesagt.

Mycroft und seine Reisebegleiter sind auf dem Weg nach Naushua, einem kleinen Dorf am Rande des Aokigahara, dem Jukai, dem Meer der Bäume am Fuße des Fuji. Ich bin erstaunt, das ausgerechnet ein so makaberer Ort ihr Ziel ist. Es ranken sich dunkle Legenden um den Jukai, Geschichten von bösartigen Geistern und Dämonen, auf die ich persönlich nicht viel gebe, doch läßt sich der Fakt nicht von der Hand weisen, dass er etlichen Menschen Jahr für Jahr als Ort für ihre Selbstentleibung - bevorzugt durch Strangulation -  dient. Das soll schon seit Jahrhunderten so sein. Warum ausgerechnet der Aokigahara, frage ich, es gibt weit lohnenswertere Ziele in Japan. Sie sind auf der Suche nach einer verschollenen Freundin, erklärt Mycroft, die Spur, der sie folgten, führte sie dorthin.

Es bleibt uns nicht viel Zeit für ein längeres Gespräch. Der Zug kommt gleich und Ryuichi läuft aufgeregt umher. Ich lade Mycroft ein, mich in Tokyō, wo ich ein Haus habe, zu besuchen, sofern seine Zeit es zuläßt. Ich wünsche ihm und seinen Freunden viel Glück bei ihrer Mission, bevor wir uns verabschieden.
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