Die Nacht vor dem Sturm

KurzgeschichteDrama / P12
04.04.2015
04.04.2015
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Die Nacht vor dem Sturm

Die Inspiration für diese Geschichte, bekam ich durch die Geschichte von little raindrops, die mit ihrer Geschichte "Understanding" ebenfalls einen alternativen Ausgang der Folge 50 aus "Z wie Zorro" zu Papier brachte. Nur war ihr Ausgangspunkt ein anderer. Darum möchte ich euch auch dringend empfehlen ihre Geschichte zu lesen, die mich sehr gefesselt hat: http://www.fanfiktion.de/s/5482e0680001cb3c93bd92c/1/Understanding
Danke, für die Inspiration.



Titel: Die Nacht vor dem Sturm
FSK: 12
Kapitel: keine (Oneshot)
Serie: Z wie Zorro (Kaiketsu Zorro)
Genre: Drama
Sichtweise: Erzähler
Disclaimer: Die Serie „Z wie Zorro“, an die diese Geschichte angelehnt ist, sowie Ideen daraus, gehören nicht mir. Alle Rechte liegen bei der Autorin der Manga-Reihe und den Filmemachern der Anime-Serie. Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte.

Kurze Zusammenfassung:
Diego hört ein Gespräch zwischen Lolitas Eltern und seinem Vater mit, in dem klar wird, dass Lolita mit einem anderen Mann verheiratet werden soll. Benommen durch das Erfahrene, beschließt er loszuziehen um die Kanonen zu zerstören, welche die Armee seit jeher gegen das Volk richtet, obwohl ihm klar ist, dass er von diesem Kampf womöglich nicht zurückkehren wird.
Dennoch, bevor er sich auf die Mission begibt, die ihn das Leben kosten könnte, will er ein letztes Mal noch Lolita sehen und sucht sie des nachts schlafend in ihrem Zimmer auf…
(Alternativer Ausgang der Folge 50)






Der Windhauch, der nur ganz sachte mit dem leichten Stoff der Vorhänge spielte, wurde zum Windstoß, als das gekippte Fenster leise geöffnet wurde.
Lolita war so tief in ihrem Schlaf gefangen, dass sie nicht bemerkte, wie er, mit Maske und Hut bekleidet und in seinen schwarzen Umhang gehüllt, kaum hörbar das Zimmer betrat.

Er konnte vernehmen, wie etwas unverständliche Worte ihre Lippen verließen. Leise griff er nach seinem Hut, ließ ihn sachte zu Boden sinken, ehe er näher an ihr Bett heranschritt. Sie musste träumen. Er konnte nur ahnen, was es war, dass sie bis in ihren Schlaf verfolgte und doch war er sich so sicher…

Er hatte ihren Blick gesehen, als sie ihn am Spalt der zugelehnten Türe entdeckte während ihre Eltern gerade seinem Vater gegenüber überglücklich von der Neuigkeit berichteten, dass sie endlich den richtigen Mann für ihre Tochter gefunden hätten. Dieser Mann sollte nicht er sein, Diego de la Vega, sondern irgend ein anderer Mann aus gutem Hause, der seit einem Tanz mit ihrer Tochter glücklicherweise so vernarrt in diese war, dass er ihr ständig irgendwelche Briefe schickte. Und plötzlich war es egal geworden, dass ihrer beider Eltern vor Jahren bereits einen Bund geschlossen hatten. Einen Bund, der den Plan beinhaltete, sie und ihn, Lolita und Diego im richtigen Alter zu verheiraten. Das alles interessierte Don Carlos, Lolitas Vater, nun nicht mehr. Er wollte einen guten Mann aus gutem Hause für seine Tochter. Diego, der sich in seinen Augen in den letzten Monaten als Feigling und Schwächling entpuppt hatte, würde das ganz gewiss nicht sein.

Eigentlich hätte er wütend sein sollen. Wütend auf Don Alejandro de la Vega, seinen Vater, der nun nicht einmal den Versuch startete etwas gegen diese Hochzeitspläne zu unternehmen. Doch konnte er seinem Vater nicht die Schuld dafür geben, dass alles so gekommen war, wie es jetzt war. Er selbst hatte dieses Bild von sich hervorgerufen. Bewusst! Nur um das Volk hier vor Ungerechtigkeit und Leid beschützen zu können. Nur,  damit er wieder und wieder als Zorro hinaus reiten konnte, um diese ungerechte Welt ein Stückchen besser zu machen, ohne damit sich selbst oder gar irgendjemand anderen in Gefahr zu bringen.

Resignierend hatte er die Augen geschlossen, hatte ihrem Blick, der so vieles in sich trug in diesem Moment – Traurigkeit, Schmerz,…ein Flehen an IHN, dass wenigstens ER reagieren möge auf das, was hier ohne ihr Zutun gerade um sie herum passierte – einfach nicht länger standhalten können. Und dann hatte er sich abgewandt, war einfach gegangen, um nicht noch mehr hören zu müssen…


Und nun,…stand er hier. An ihrem Bett. Sah sie schlafend da liegen und wusste doch ganz genau, was sie in dieser Nacht noch bis in den Schlaf verfolgte. Ihre Augen waren fest geschlossen, doch verriet die einsame Träne in ihrem Augenwinkel, dass dieser schmerzerfüllte, flehende Blick, noch immer in ihnen lag.
Er beugte sich langsam und behutsam zu ihr hinab, näherte seine Hand ihrem Gesicht und strich sie vorsichtig weg, darauf bedacht sie nicht aufzuwecken.
Und er begann sich zu fragen, ob sie wohl auch um ihn weinen würde. Würde sie um ihn weinen, wenn er diese Nacht nicht zurückkehren würde? Und um wen würde sie weinen? Um Zorro? Oder um ihn,…Diego?
Er hatte sich die letzten Stunden so viele Sorgen gemacht, so oft darüber nachgedacht, wie er es nur schaffen wollte diese Schlacht zu schlagen und zu gewinnen. Und er hatte immer wieder mit dem Gedanken gekämpft, dass er dieses Mal womöglich nicht gewinnen konnte und dass dies sein letzter Kampf sein könnte. So viel Furcht hatte in all diesen Gedanken gelegen.
Doch jetzt, da er sie da liegen sah, waren all diese Sorgen so zweitrangig. Das einzige, das jetzt da war, war die Sorge um sie. Lolita. Was würde werden, wenn er nicht mehr da sein sollte um sie zu beschützen? Wer würde da sein, wenn sie in Gefahr geriet? Und was wäre mit ihr selbst…? Würde sie weinen? Um ihn…?

„Diego…“ ihre leise Stimme riss ihn aus seinen trüben Gedanken und er stutzte, spürte, wie sein Herz mit einem Mal schneller schlug.
Ihr Schlaf war unruhig und sie drehte sich von der Seite auf den Rücken, die Augen fest zusammengekniffen. Sein Blick folgte ihrer Bewegung und für einen Moment war er versucht seine Hand erneut nach ihrem Gesicht auszustrecken, ihr liebevoll und beruhigend darüberzustreichen. Doch er verbat sich selbst diesem Impuls nachzugeben, erwiderte stattdessen nur, ebenso leise: „Lolita…“ seine Stimme war voller Wärme und Gefühl für die Frau, die da vor ihm lag.
Sie erwachte nicht, ihre Augen blieben fest geschlossen, und doch sah er, wie sich ihr Gesicht augenblicklich entspannte, als habe sie ihn gehört, als wusste sie nun unterbewusst, dass er hier war. Es machte ihn glücklich und doch legte sich auch eine unglaubliche Schwere auf sein Herz während sein Blick weiter auf ihr ruhte. Er wollte ihr so gerne mehr geben, sie spüren lassen, dass er da war. Dass er immer für sie da sein würde. Und wenn er,…heute Nacht…
Er wollte sich nicht vorstellen, dass dies vielleicht das letzte Mal sein würde, dass er sie so ansehen konnte, das letzte Mal, dass er einfach bei ihr war und dass er sie vielleicht nie wieder…
Sein Herz wog schwerer als Blei. In seinem aufkeimenden Verlangen sie nur einmal noch,…nur einmal…und in seiner großen Furcht davor, dass dies womöglich die letzte Nacht sein würde, in der er die Möglichkeit hätte, war es ihm selbst gar nicht erst bewusst, dass er sich langsam immer mehr zu ihr hinabbeugte, sich ihren Lippen näherte,…ehe sein Gesicht dem ihren so nahe war, dass sie sicherlich seinen Atem spüren musste.
Doch dann…kam er wieder zur Besinnung und erschrocken über sich selbst, stoppte er noch in der letzten nötigen Bewegung. Nein, er durfte nicht riskieren, dass sie ihn bemerkte.
Er zwang sich dazu die Beherrschung wieder zu erlangen, schloss die Augen, biss sich auf die eigenen Lippen und wich schließlich ein ganzes Stück von ihr zurück.

Er hatte sich gehen lassen. Und das durfte er nicht. Lolitas Sicherheit stand an erster Stelle, genauso wie die Sicherheit jedes anderen Bürgers hier in der Stadt. Sollte er sich jetzt aus Selbstsucht verraten, würde sie nicht mehr sicher sein. Für die Armee war jeder interessant, der Informationen über Zorro hatte. Lolita jetzt hier, auch noch in der Gestalt Zorros zu küssen, wäre unverantwortlich.

Während die Klarheit allmählich wieder seinen Verstand beherrschte, wandte er sich noch mehr von ihr ab, wollte gehen. Doch…

„Diego…“ ihre Stimme, die nun flehend klang, ließ ihn den Blick sogleich wieder herumreißen.
Er sah, wie sie ihre zarten, schlanken Finger in die Bettdecke krallte. Es war ein Alptraum, ohne Zweifel.
„Lolita…!“ eindringlich und wieder von seinen Gefühlen geleitet, wandte er sich ihr erneut zu, sah in ihr angespanntes Gesicht. Und pötzlich…

Nur langsam aus dem Schlaf erwachend, öffnete sie ihre Augen…und sah direkt in die seinen. Denn er schaffte es nicht sich nochmal abzuwenden. Wie erstarrt verharrte er vor ihr, verfolgte, wie ihr Blick begann langsam die Konturen seines Gesichtes nachzuzeichnen. Und dabei spiegelten seine Augen so unverhüllt jedes Gefühl wider, dass er für sie hegte.

„Zorro…“ wisperte sie, hörbar verwirrt.
Es brachte beides, ein Ziehen in seiner Brust, aber auch Erleichterung mit sich, dass sie in ihm auch jetzt nicht mehr als den dunkel maskierten Helden sah. Er hatte keine Ahnung, wie er auf ihre nächste Frage, was er hier tat, antworten sollte. Doch war er auch nicht im Stande sich darüber jetzt weitere Gedanken zu machen.
Unterdessen richtete sie sich ein wenig auf, sagte jedoch gar nichts, sondern sah ihn an, sah ihn einfach nur an.

Sie war noch völlig befangen von diesem Traum. Ein Alptraum, in dem sie ihn, Diego, verlieren sollte. Denn wie er es schon richtig erahnt hatte, waren es die Gespräche ihrer beider Väter, die sie noch verfolgten bis sie zu Bett gegangen war und noch darüber hinaus.
Sie hatte sich selbst gesehen, wie sie Diego gegenüberstand, nur um sich für immer von ihm zu verabschieden, bevor ihr Vater sie an einen anderen Mann geben wollte. Selbst jetzt, in wieder erwachtem Zustand, sah sie noch immer Diegos Gesicht genau vor sich, seine schmerzerfüllten Augen in dem Moment, da auch ihm bewusst war, dass es kein Zurück mehr gab…

Genau so nah wie Diego ihr in diesem Traum gewesen war, war es jetzt Zorro. Zorro,…der sich noch immer nicht von der Stelle rührte als sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen und direkt in seine Augen sah. Die stahlblauen Augen, deren intensiver, liebevoller Blick auch die schwarze Maske nicht verbergen konnte. Ein Blick, der so Vieles in sich trug, jetzt, da er auf die ihren traf… Wärme, Gefühl, Schmerz,…Liebe…

Schmerz,…Liebe,…Schmerz…

„Z-Zorro…?! Nein,…du,…du bist…?!“ Die Worte lagen auf ihren Lippen, doch verstummte sie noch in dem Versuch sie auszusprechen wieder.

Es war…der selbe Blick…wie…
Ihr Traum… Sie sah ihn wieder vor sich. Sie sah seinen Blick. Und sie erinnerte sich auch an den Moment, in dem er da an der zugelehnten Türe gestanden, durch den Spalt hindurch gesehen und dabei ihren Blick getroffen hatte. Seine Augen, so voller Schmerz… Seine stahlblauen Augen… Und plötzlich…klärten sich ihre Gedanken auf… Wurden so klar, wie sie es nie zuvor gewesen waren…

Wieso nur hatte sie es nie gesehen? All die Wochen, die Monate? All die Zeit… Jedes Mal, wenn er sie wieder gerettet hatte. Jedes Mal, wenn sie danach in seinen Armen gelegen hatte, wenn er sie festgehalten hatte…und ihr so tief in die Augen gesehen hatte, dass es ihr schummerig wurde,…dass sie es hätte sehen müssen

Die Augen,…der Blick…

Und wortlos setzte sie sich noch weiter auf in ihrem Bett, stützte sich gänzlich hoch aus der Matratze, und kam ihm dabei bereits so nahe, dass sie sie sich unmittelbar, Auge in Auge, ihre Gesichter direkt voreinander, gegenübersaßen. Denn er wich noch immer nicht zurück, nicht einen Millimeter. Auch nicht, als ihre Hände, ohne dass ein einziges weiteres Wort ihre Lippen verließ, nach seinem Gesicht tasteten, vorsichtig über seine Wangen bis hin zu seinen Schläfen glitten, den schwarzen Stoff fanden, der alles bis jetzt so zuverlässig verborgen hatte, und an ihm weiter nach hinten tasteten, bis…
Nein, er wich nicht zurück. Er hätte es gekonnt, denn sie tat es langsam, bedächtig. Und auch wenn er in ihren Augen lesen konnte, was soeben geschehen war und was sie vorhatte, er tat es nicht. Stattdessen senkte er den Blick, schloss die Augen und wartete,…wartete trotz aller Ängste, als wäre es eine Befreiung für ihn. Und dann spürte er, wie der Stoff fiel…

Doch was er nicht mehr sehen konnte, war, dass auch sie ihre Augen hinabgesenkt hatte. Sie sah ihn nicht an, als sie den Knoten löste. Und sie suchte auch nicht erneut seinen Blick, als die Maske zu Boden fiel und sie sich ihm stumm annäherte. Nein. Denn es war nicht nötig. Sie war sich mit einem Mal so sicher… So sicher….
Mit gesenktem Blick beugte sie sich zu ihm, ihr Atem traf sein Gesicht, ehe ihre Lippen die seinen berührten und ihn kurz und sehr leicht unter der Berührung zusammenzucken ließen. Er brauchte einen Moment… Dann gab er ihrem sanften Drängen nach…und mehr…
Mit der Hand fasste er in ihren Nacken, begann sie seinerseits ein ganzes Stück zurückzudrängen und erwiderte den Kuss mit ganzer Seele. Sie spürte, wie seine Lippen an den ihren erzitterten durch die Emotionen, die in diesem Augenblick die Kontrolle über seinen gesamten Körper erlangt hatten. Es war nicht nur die Maske aus Stoff, die soeben von ihm gefallen war. Er war vollkommen entblößt, nackt, legte ihr in diesem Moment alles offen, was er war.
Ergriffen von dieser Ehrlichkeit, löste sie sich kurz von ihm, wisperte gegen sein Gesicht: „Diego,…ich…“
Die Worte, diese wenigen Worte nur, die eigentlich so unbedeutend und nichtssagend waren, bedeuteten ihm in diesem Moment die Welt und sorgten dafür, dass seine Reaktion noch ungestümer ausfiel, als er wieder nach ihren Lippen haschte und sie damit unterbrach.

Endlich wusste sie es. Endlich wusste sie, wer er war. Er musste sich nicht länger vor der Frau verstecken, die ihm alles bedeutete und die er, durch seine Bemühungen alles zu verheimlichen, sogar beinahe verloren hätte. Sie wusste nun wer er wirklich war und was die ganze Zeit über tatsächlich Fassade gewesen war.

Seine Hände umfassten ihren Körper, seine Finger, noch durch die schwarzen Handschuhe bedeckt, gruben sich tief in den Stoff ihres Nachthemds und er legte all die Leidenschaft in den Kuss, die er die ganze Zeit über vor ihr verbergen hatte müssen.
Es ließ sie nach Luft ringen, als er sie wieder freigab. Und auch er atmete schwerfällig, hörte sie nach einiger Zeit mit leiser Stimme fragen: „Wieso hast du mir nie etwas gesagt?“

Doch anstatt ihr zu Antworten, wandte er sich augenblicklich von ihr ab, umging die Frage. Denn plötzlich, in diesem kurzen Moment nur, kam er wieder völlig zur Besinnung. Und mit der Besinnung kehrte auch der Verstand zurück, der ihm doch eigentlich verboten hatte… „Ich hätte das nicht tun dürfen…“
Sie stockte: „Was…?“
„Dich wissen lassen, wer ich bin…“ In Gedanken, den Blick abwesend, schüttelte er den Kopf. „Es tut mir Leid…“
Sie verstand nicht, öffnete jetzt zum ersten Mal ihre Augen und sah in das Gesicht, das sie so gut kannte und das gerade dennoch eine Ernsthaftigkeit in sich trug, die sie so zuvor noch nie gesehen hatte. „Wie…wieso…? M-mir tut es Leid… Leid, dass ich so zu dir war. Die ganze Zeit. Ich hab dich für einen Feigling gehalten. Dabei hast du nur eine Fassade aufgesetzt um nicht…“
„Und ich hätte sie wahren müssen.“ Fiel er ihr ins Wort. „Unbedingt.“
Ungläubig sah sie ihn an, verstand nicht, wieso er dieses Bild von sich ihr gegenüber aufrecht erhalten wollte.
„Aber,…wieso?“ setzte sie erneut an. „Diego, du weißt, ich würde dich nie…“
„Das ist es nicht.“ unterbrach er sie mit fester Stimme, sah ihr dabei zum ersten Mal wieder in die Augen. „Ich habe dich in Gefahr gebracht.“
Sie verstand noch immer nicht.
„Das hätte ich nie tun dürfen. Die Armee wird jeden gefangen nehmen, der mehr weiß über Zorro…“
„Das ist mir egal.“ Unterbrach sie ihn hastig. „Glaubst du, die Armee macht mir Angst?“
„Lolita…“
„Nein. Diego, verstehst du nicht…?!“ wurde sie eindringlicher. „Ich will nicht vor der Armee davonlaufen.“
Ein kurzer Moment der Stille.
„Ich will…für immer an deiner Seite sein, Diego.“
Er sah sie an, den Mund leicht geöffnet.
„Ich habe mich entschieden.“ Sie schien so entschlossen. „Die Vorstellung ohne dich zu sein, ist für mich unerträglich. Das weiß ich jetzt…“ Nachdenklich senkte sie ihren Blick, „Nachdem mein Vater…“ schüttelte in Gedanken versunken den Kopf, „Ich will keinen anderen Mann.“ und wandte sich ihm schließlich wieder zu. Wisperte kaum hörbar: „Verstehst du das nicht?“
Einen Moment stutzte er, schüttelte dann aber doch den Kopf: „Aber, das… dein Vater hat dich ihm bereits versprochen… Und,…es ist zu gefährlich! Es geht nicht…“
„Und ob es geht!“ Sie fasste nach dem Stoff seines Hemdes, hielt ihn fest in ihren schlanken Fingern, als wollte sie ihm so noch klarer verständlich machen, wie ernst es ihr war. „ Ich fürchte nicht die Armee und noch weniger fürchte ich meinen Vater und was er will…“
Fast sanft und doch so bestimmend zog sie ihn wieder ganz an sich heran, küsste ihn abermals voller Leidenschaft, ehe sie gegen seine Lippen wisperte, sodass nur er es hören konnte. „Diego,…ich liebe dich.“ Seine Augen weiteten sich ein wenig, begannen unruhig zu flackern. „Spürst du das nicht…? Ich kann dich nicht verlieren. Und wenn es bedeutet, dass ich mich gegen meinen Vater stellen muss oder gegen die Armee oder ganz egal wen, ich tue es.“
Er wusste nicht was er sagen sollte, sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
„Stoß mich nicht von dir! Bitte…“ Ihre Augen wurden flehend.

Er brauchte noch eine ganze Weile, in der er nicht im Stande war etwas zu erwidern. Die eingekehrte Stille erschien ihr wie eine Folter. Bis er sich endlich gefasst hatte, sie einfach an sich zog und seine Lippen abermals gegen die ihren drängte und damit jedes weitere Wort überflüssig machte. Sie spürte seine Liebe, wusste augenblicklich, dass er so empfand wie sie und ließ alles geschehen.

Erst das plötzliche Poltern außerhalb ihrer Zimmertüre ließ sie wieder auseinanderschrecken. War es ihre Mutter? Oder womöglich ihr Vater? Es ließ in ihr die Panik aufsteigen.
„Schnell, du musste weg hier!“ flüsterte sie ihm leise zu, sich dessen bewusst, dass er zwar noch mit Umhang begleidet, aber nicht länger maskiert war. Sie würden sofort erkennen, wer er wirklich war.
Noch berauscht von seinen Gefühlen, hastete er auf ihre Worte hin auf, suchte nach den beiden Kleidungsstücken am Boden, die ihn wieder vollkommen unkenntlich erscheinen lassen würden und rückte sie zurecht, ehe er, ein letztes Mal noch umkehrte. Ihren Blick suchend, ging er vor ihrem Bett in die Knie, fasste mit einer vorsichtigen Handbewegung in ihren Nacken und zog sie behutsam noch ein letztes Mal zu sich hinab, um ihre Lippen mit den seinen zu vereinen. Sie schloss ihre Augen, spürte diese letzte Berührung mit all ihren Sinnen nach.
„Ich könnte dich niemals von mir stoßen…“ hörte sie ihn noch leise wispern, ehe die Hand in ihrem Nacken sie wieder losließ und er, noch ehe sie ihre Augen wieder öffnen konnte, durch das offenstehende Fenster wieder verschwunden war.

Seine Worte klangen nach in ihren Ohren, als sie sich wieder besann, eilig vom Bett erhob, an das Fenster heranschritt und, nach ihm suchend, hinaussah. Schon mehrere hundert Meter weit weg, sah sie sein weißes Pferd mit ihm davonreiten, gegen den Horizont. Und sie sah ihm lange nach, sank schließlich in die Knie und faltete die Hände,…betete dafür, dass er wohlbehalten zu ihr zurückkam…