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Liebe unter Blutsbrüdern

von Anmiwin
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Old Shatterhand Winnetou
03.04.2015
03.04.2015
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Er war so unendlich erschöpft. Seltsamerweise verspürte er keine Schmerzen, dafür aber eine solch große Müdigkeit, dass es ihm immer noch schwer fiel, auch nur die Augen zu öffnen. Dabei wollte Winnetou das am liebsten so oft wie möglich tun, um sich wieder und wieder zu vergewissern, dass sein Blutsbruder, sein geliebter Scharlih, auch wirklich noch an seiner Seite saß.

Als er zum ersten Mal aus seiner langen Ohnmacht nach dem Überfall der Geier im Llano Estacado erwacht war, hatte der Apatsche es kaum glauben können, wen er da vor sich sah. Sein Blutsbruder – hier? Das konnte doch gar nicht sein - dieser weilte doch gerade in Afrika? Hatten ihm denn vielleicht seine schweren Verletzungen gar den Verstand geraubt?
Aber Scharlih war da, war wirklich und wahrhaftig da, und saß nicht nur an seiner Seite, sondern hielt Winntou dabei fest in seinen Armen, mit einem Gesichtsausdruck, der nichts anderes als tiefste Liebe und unendliche Sorge enthielt.

Winnetou hatte sein Glück dann auch kaum fassen können, als er erkannte, dass er keinem Trugschluss aufgesessen war, und seitdem fühlte er sich einfach nur unendlich geborgen, unendlich geliebt. All seine Schwäche, seine Ängste, seine Sorgen, ja, auch die Schmerzen, die er anfangs noch verspürt hatte, waren vergessen, seit er wusste, dass er in den Armen seines so sehr herbeigesehnten Blutsbruders lag.

Wie viele Tage zwischenzeitlich vergangen waren, wusste er nicht, und auch jetzt glitten die Stunden an ihm irgendwie nebulös vorbei. Mal schien die Sonne hoch am Himmel, wenn er erwachte, dann wieder war es tiefste Nacht, dann dämmerte es wieder, und Winnetou vermochte gar nicht zu sagen, ob es gerade Abend oder Morgen war.
Es war ihm aber auch völlig gleichgültig, nichts schien ihm im Moment wichtig. Einzig und allein die Tatsache, dass sein Scharlih ihm nicht von der Seite wich, ihn weiterhin eng umschlungen in seinen Armen hielt, zählte noch in dieser Zeit.

Sicher, anfangs hatte der Apatschen-Häuptling sich natürlich noch große Sorgen gemacht, vor allem um seinen Iltschi. Wie hatte der edle Rappe nur den Ritt durch die Wüste überstehen können, den er ganz ohne die Führung Winnetous machen musste, weil dieser bewusstlos auf seinem Rücken mehr lag als saß? Und was war aus dem Siedler-Treck geworden, dessen über achtzig Teilnehmer wohl nur durch Winnetous und dann auch durch Bloody-Fox's Hilfe vor dem schon sicher geglaubten Tod durch Verschmachten gerettet worden waren?

Aber Scharlih hatte ihn dahingehend sofort beruhigt. Die Siedler befanden sich hier auf Helmers Home in Sicherheit, und die Geierbande, die für ihre schreckliche Lage verantwortlich gewesen war, hatte man bis auf zwei Banditen, die Hals über Kopf geflohen waren, an einem einzigen Abend ausgelöscht.
Und das Wichtigste war: seinem Iltschi ging es wieder bestens, er unterstand zur Zeit der persönlichen Pflege und Betreuung durch Emery Bothwell, Scharlihs Freund aus England, und der ließ den treuen Rappen nicht mehr aus den Augen.

Überhaupt waren hier auf Helmers Home – und Winnetou konnte es noch gar nicht richtig fassen, dass sein Iltschi den Weg hierher durch die Wüste ganz alleine gefunden hatte – viele berühmte Westmänner versammelt, die durch einige unglaubliche Zufälle in den letzten Wochen nach und nach zusammengetroffen waren und sich dann auf den Weg durch den Llano Estacado gemacht hatten, um Winnetou und den Stamm der Mescaleros am Rio Pecos zu besuchen.

In der Wüste waren sie schließlich auf den Siedler-Treck getroffen, der zu der Zeit noch von Bloody Fox versorgt wurde, da Winnetou an jenem Morgen erneut zu dessen Oase aufgebrochen war, um die Wasserschläuche ein weiteres Mal zu füllen.
Zusammen mit den zähesten Männern der Siedler, die sich schon wieder einigermaßen erholt hatten, sowie Bloody Fox, hatten die Westmänner dann abends den Angriff der Geier-Banditen nicht nur erfolgreich abgewehrt, sondern die Verbrecher auch fast vollständig vernichtet.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand wissen konnte: Winnetou war am Nachmittag des gleichen Tages auf seinem Weg zur Oase auf einige der Verbrecher gestoßen und dabei von ihnen schwerst verletzt worden. Nun lag er  hilflos und ohne Bewusstsein im heißen Wüstensand, während die Geier, dieses Mal die echten, schon darauf warteten, dass er seinen letzten Atemzug tat.

Irgendwie hatte er es dann aber doch noch geschafft. Winnetou war sich ganz sicher: Der große Geist hatte ihm beigestanden, hatte dafür gesorgt, dass er einen ganzen Tag später noch einmal zu sich gekommen war, dass es ihm irgendwie gelingen konnte, auf den Rücken seines Hengstes zu steigen, der die ganze Zeit über treu an seiner Seite geblieben war - und Manitou hatte dann auch schlussendlich dafür gesorgt, dass Iltschi völlig selbsständig den Weg zu der nächsten Ansiedlung am Rande der Wüste – Helmers Home – gefunden hatte.

Und dort wartete die beste Hilfe, die man unter diesen Umständen und in dieser Gegend nur bekommen konnte: Nicht nur, dass sich unerwartet Old Shatterhand dort aufhielt, der seinem Blutsbruder einen Überraschungs-Besuch hatte abstatten wollen - nein, auch ein deutscher Arzt befand sich als Gast auf dem Anwesen. Und dieser benötigte dann auch all seine ärztliche Kunst, um den halb verschmachteten und schwer verwundeten Apatschen, der zudem auch noch soviel Blut verloren hatte, dass es ein wahres Wunder war, dass er überhaupt noch atmete, das Leben zu erhalten, und das sogar, ohne dass irgendwelche Folgeschäden zurückbleiben würden.

Seitdem waren elf Tage vergangen, von denen Winnetou eigentlich nur die letzten beiden richtig in Erinnerung hatte, wenn auch nicht vollständig. Die schweren Verletzungen hatten nämlich zur Folge, dass er die ersten vier Tage in tiefster Bewusstlosigkeit verbracht hatte, in der dann auch noch das Wundfieber sein Leben zusätzlich bedrohte.

Nur der Hilfe seines Unterhäuptlings war es zu verdanken gewesen, dass Winnetou auch diese lebensgefährliche Situation überstanden hatte. Dieser hatte sich zu jener Zeit mitsamt zwanzig weiteren Apatschen ebenfalls in der Wüste aufgehalten, um Winnetou entgegen zu reiten, da man von der drohenden Gefahr durch die umherstreifende Geier-Bande gewusst hatte.
Entschah-koh, so hieß der Unteranführer, hatte aus einigen Heilkräutern, die dem Doktor nicht bekannt waren, einen fiebersenkenden Tee gebraut, der dem Bewusstlosen immer wieder eingeflößt wurde und dadurch sein Leben letzten Endes auch rettete.

Nachdem Winnetou dann endlich zum ersten Mal wieder zu sich gekommen war und seine große Freude und Erleichterung über Old Shatterhands Anwesenheit verarbeitet hatte, verbrachte er die darauffolgenden Tage mehr mit Schlafen als mit Wachen.
Wenn der deutsche Arzt nicht die noch neue Methode des Legens einer Infusion gekannt und angewandt hätte, wodurch sogar ein bewusstloser Körper problemlos mit Flüssigkeit und den wichtigsten Nährstoffen versorgt werden konnte, hätte man den Häuptling der Apatschen wahrscheinlich nicht mehr retten können, denn gerade in den ersten beiden Tagen musste seinem Körper eine unglaublich große Menge an Wasser zugeführt werden, um den Blut- und Flüssigkeitsverlust irgendwie wieder auszugleichen.  Mit der Methode des vorsichtigen Einflößens von Wasser oder Tee, die auch noch sehr gefährlich war, hätte man das niemals im ausreichenden Maße hinbekommen.

So aber erholte sich der junge Häuptling zwar sehr langsam, aber doch sicher von den Verletzungen, auch wenn noch eine längere Zeit vergehen würde, bis er erstmals auch nur würde aufstehen dürfen.

Unter anderen Umständen hätte Winnetou bestimmt alles daran gesetzt, seinen Körper wieder seinem Willen zu unterwerfen, sobald er in der Lage gewesen wäre, sich auch nur etwas zu bewegen. Dann hätte ihn auch niemand in diesem Bett halten können, auch nicht Tobias Helmer selber, der sich ehrlich um ihn sorgte.
Nein, er hätte sich mit Hilfe seiner Apatschen so schnell wie möglich auf den gefährlichen Weg durch die Wüste gemacht, um später im Kreise seiner Mescaleros die nötige Erholung zu finden, auch wenn dieses Unterfangen eine weitere Gefahr für sein Leben und seine Gesundheit bedeutete. Doch seine deutliche Schwäche auch nur eine Minute länger als nötig den Bleichgesichtern zu offenbaren, wäre Winnetou niemals in den Sinn gekommen.

Jetzt aber war die Situation eine völlig andere. Es war klar - er hatte dem Doktor sein Leben zu verdanken, der mehr als nur eine Nacht durchwacht hatte, um sich um Winnetou aufopferungsvoll zu kümmern; und alleine dem Arzt zuliebe konnte er das jetzt doch nicht alles wieder aufs Spiel setzen!

Und dann war da natürlich auch noch Scharlih. Winnetou hatte ihn noch nie so gesehen wie in dem Augenblick, als er zum ersten Mal erwacht war. Übernächtigt, das Gesicht hohlwangig, unrasiert, Angst und Sorge eingebrannt in den Gesichtszügen, und dann erst seine Augen! Diese unglaublich blauen Augen, in denen Winnetou immer Manitous großen Himmel erkannte, diese Augen hatten soviel Leid und Schmerz ausgestrahlt, dass der Apatsche sich sofort darüber im Klaren gewesen war, was sein Blutsbruder in der letzten Zeit durchgemacht hatte, wie sehr seine Seele gelitten hatte unter der ständigen Angst, seinen besten Freund zu verlieren.

In diesem Augenblick hatte Winnetou beschlossen, alles zu tun, was von ihm verlangt wurde, nur um den Schmerz aus Scharlihs Augen wieder verschwinden zu sehen. Er ließ es zu, dass der Doktor ihn ständig untersuchte und die Verbände wechselte, dass sein Bruder ihn am ganzen Körper wusch und ihm die ersten Speisen Löffel für Löffel anreichte, genauso wie zuvor schon alle Getränke, und er blieb weiter im Bett, auch als er selber das Gefühl bekam, vielleicht doch schon wieder einige Schritte gehen zu können.

Dadurch erreichte Winnetou dann auch endlich, dass sich sein Freund langsam wieder entspannte, Angst und Sorge allmählich aus seinem Gesicht wichen und die von Winnetou so geliebte Fröhlichkeit und Unbekümmertheit dort wieder Einzug hielt.

Und Winnetou hatte mittlerweile auch erkannt, dass es ihm nicht nur überhaupt nichts ausmachte, von seinem Blutsbruder so intensiv gepflegt und betreut zu werden - im Gegenteil, er genoss es auch richtiggehend, dass dieser ihn so liebevoll umsorgte!

Scharlih saß weiterhin bei ihm im Bett, hielt ihn weiterhin mit seinen Armen fest umschlungen, egal, ob Winnetou wach war oder schlief, und weigerte sich vehement, den Apatschen auch nur für kurze Zeit aus den Augen zu lassen, auch wenn die Freunde wie Emery oder auch Old Firehand, der sich ebenfalls unter den Westmännern befunden hatte, es ihm immer und immer wieder anboten, und die sich dann in der Zwischenzeit um Winnetou gekümmert hätten.
Insgeheim war der Indianer froh, dass Scharlih sich nicht dazu überreden ließ, denn es wäre ihm unendlich schwer gefallen, einem anderen über längere Zeit seine Schwäche so offensichtlich darzulegen.

Mittlerweile hatte sein Freund es sich angewöhnt, jeden Abend den Körper des Apatschen gründlich zu pflegen und ihn anschließend mit einem gut riechenden Öl, welches ihm Entschah-koh zu diesem Zweck überreicht hatte, den gesamten Körper vorsichtig zu massieren.
Am Anfang war das wohl auch wirklich notwendig gewesen, denn Winnetous Haut war durch den Blut- und Flüssigkeitsverlust stark ausgetrocknet. Auch half die Massage dabei, die Durchblutung zu fördern und vor allem die Muskeln zu lockern, die durch das lange Liegen doch sehr in Mitleidenschaft gezogen worden waren und auch immer noch wurden.
Jetzt, elf Tage später, war das natürlich nicht mehr so wichtig, aber Old Shatterhand hatte diese Angewohnheit beibehalten und übte sie jeden Abend mit intensiver Sorgfalt und einem sehr großen Zeitaufwand aus.

Winnetou war an den meisten Abenden schon in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen, wenn sein Bruder mit dieser Pflege begann, aber an den letzten beiden Abenden war seine Genesung doch schon so weit vorangeschritten, dass er erstmals davon erwachte, als er von Old Shatterhand aus der Bauch- in die Rückenlage gedreht wurde, damit dieser dort seine Massage fortsetzen konnte.
Aus einem Grund, den Winnetou selbst nicht so richtig erfasste, hatte er die ganze Zeit über so getan, als wenn er weiter schlafen würde, zum einen, weil er diese Massagen wirklich sehr genoss, vielleicht aber auch deswegen, weil er die wunderbare Ruhe, ja, fast schon den Zauber, der die ganze Szenerie umgab, nicht zerstören wollte.

Ja, er genoss es wirklich, die wunderbar weichen Hände seines Blutsbruders zu spüren, welche mal fest, mal sanft über seinen ganzen Körper glitten und seine Haut dabei zu liebkosen schienen, dann wieder kräftig seine Muskeln kneteten, jeden einzelnen. So hatte noch niemand jemals an Winnetous Körper gehandelt, und er musste sich eingestehen, dass er das alles wirklich mehr als äußerst angenehm empfand.
Und jedes Mal, wenn Scharlihs Finger sich zufällig bestimmten Stellen näherten, durchzuckte Winnetou ein so seltsames Gefühl, wie eine heiße Flamme, welches er so noch niemals gespürt hatte. Selbst wenn sein Freund sich nur seinen Brustmuskeln widmete, und das tat er jetzt gerade in aller Ausführlichkeit, musste der Apatsche sich richtig zusammennehmen, um weiterhin keine Regung zu zeigen.

Überhaupt hatte dieser Abend irgendwie etwas ganz Besonderes an sich. Durch die fast geschlossenen Augenlider konnte Winnetou erkennen, dass sein Blutsbruder seiner Aufgabe hochkonzentriert nachkam, und auch er wirkte dabei so, als würde er das alles sehr genießen.
Immer wieder glitten seine Hände sanft, fast schon zart über Winnetous Haut, streichelten sie beinahe, und in Scharlihs Gesicht war dabei eine Mischung aus Bewunderung und tiefster Liebe zu erkennen - und noch irgend etwas, ein Funkeln in seinen blauen Augen, welches Winnetou aber nicht zu deuten wusste.

Im Augenblick bearbeiteten die Hände seines Freundes den Oberbauch des Apatschen, massierten die seitlichen Muskeln, glitten tiefer, massierten jetzt die Region um seinen Nabel herum nur mit den Fingerspitzen, federleicht, und es fiel Winnetou immer schwerer, seine ruhige und tiefe, aber langsame Atmung beizubehalten. Er wollte nicht, dass sein Bruder spürte, dass er wach war - er hatte nämlich seltsamerweise die Befürchtung, dieser würde dann seine Handlung unterbrechen, oder noch schlimmer, ganz beenden, was der Häuptling wirklich sehr bedauern würde.

Winnetou konnte sich tatsächlich nicht daran erinnern, jemals etwas so sehr genossen zu haben - schließlich war er ja überhaupt keine körperlichen Berührungen, schon gar keine liebevollen, mehr gewöhnt!
Im Gegenteil - spätestens seit dem Tod seiner Schwester, die ihn, wenn sie unter sich gewesen waren, oftmals in emotionalen Momenten in die Arme genommen hatte, war es ihm nicht mehr möglich gewesen, einen anderen Menschen so nahe an sich heran gelassen.

Selbst Old Shatterhand durfte ihn seitdem zwar immer mal wieder umarmen - meistens wenn sie sich nach langer Zeit wiedersahen oder sich für mehrere Monate voneinander verabschiedeten - oder er durfte ihm mit einer freundschaftlichen Geste die Hand auf die Schulter legen, aber mehr hatte Winnetou nie zugelassen.

Warum eigentlich nicht? Fast schien es Winnetou, als wäre er gerade davor immer regelrecht zurückgeschreckt, nein, als hätte ihn irgendeine diffuse Angst davon abgehalten. Aber vielleicht entsprach das tatsächlich der Wahrheit, denn seit dem Tod Ribannas - und später auch noch dem seiner nächsten Angehörigen - hatte er geglaubt, nie wieder körperliche Nähe ertragen oder auch nur zulassen zu können.

Jetzt aber wünschte sich Winnetou mit aller Macht, dass sein bester Freund seine fürsorgliche Massage bis in alle Ewigkeit weiterführen würde. Hatte er sich eigentlich jemals in seinem Leben so wohl, so geborgen, so geliebt gefühlt? Scharlihs Liebe schien ihn einzuhüllen wie ein Kokon aus Wärme, Trost und Geborgenheit, und Winnetou wollte einfach nicht, dass das jemals wieder endete.

Doch nun wurde es allmählich immer schwieriger, den Schlafenden zu spielen. Scharlihs Hände hatten sich jetzt seinen Hüften genähert, massierten auch hier langsam und genüsslich das Öl ein, wobei sich seine Finger immer weiter der Mitte näherten und über die weiche Haut dort glitten, sie sanft streichelte.
Und jetzt wurde aus den einzelnen Stichflammen, die die Handlungen seines Bruders in Winnetou bisher ausgelöst hatten, langsam aber sicher ein regelrechter Flächenbrand. Sein Körper fühlte sich mit einem Mal an wie im Fieber, und Winnetou konnte das gar nicht verstehen, denn die Gefahr des Wundfiebers war doch schon seit langer Zeit gebannt.

Sekunden später jedoch verließen Old Shatterhands Hände diesen so sensiblen Bereich wieder und begannen, Winnetous Beine kräftig zu massieren und zu kneten. Aber auch das tat dem Apatschen unendlich gut - gleichzeitig war er beinahe schon erleichtert, denn jetzt konnte er sich wieder etwas entspannen; hier fiel es ihm nämlich nicht mehr so schwer, ruhig liegen zu bleiben.
Kurz darauf allerdings, als Scharlih sich während der Massage an seinen Oberschenkeln immer mal wieder seiner Mitte näherte, waren die Stichflammen sofort wieder da, die Hitze nahm zu, und sein gesamter Körper schien sich mit aller Macht nach einer Fortsetzung der Berührungen förmlich zu sehnen.

Doch diese Sehnsucht wurde leider nicht erfüllt, denn Scharlih hatte genau in diesem Augenblick den Körper des Apatschen vollständig versorgt und beendete nun die Massage.
Innerlich aus leisem Bedauern aufseufzend, begann Winnetou sich schon mit dieser Tatsache abzufinden, als er plötzlich eine feuchte Wärme auf seiner Körpermitte spürte. Richtig! Genau das hatte sich Scharlih in den letzten Tagen immer ganz am Ende seiner Pflege angewöhnt - die Pflege des Intimbereiches!

Noch bevor Winnetou sich fragen konnte, ob er das wohl genauso genießen würde, musste er schon wieder alles daran setzen, um nicht immer wieder heftig zusammenzuzucken. Sein Freund hatte sich nämlich ein weiches Tuch gegriffen und wusch nun vorsichtig Winnetous empfindlichste Zone, und aus den einzelnen Stichflammen wurde auf einmal ein wahres Inferno. Eine Gluthitze strömte, von seiner Mitte ausgehend, durch den restlichen Körper, ihm wurde heiß und kalt zugleich und Winnetou verstand die Welt nicht mehr. Was geschah hier nur mit ihm?

Auf einmal unterbrach Scharlih seine langsamen Bewegungen, und durch die fast geschlossenen Augenlider konnte Winnetou erkennen, dass sein Freund mit einem Ausdruck des leisen Erstaunens auf die Körpermitte des Apatschen herabsah. Dieser aber sehnte sich jetzt umso mehr nach einer Fortsetzung - und als hätte Scharlih das gespürt, begann er, die Körperpflege vorsichtig weiterzuführen, wobei seine Hand einen leichten Druck auf Winnetous Männlichkeit ausübte.
Hatte dieser vorher an ein Flammen-Inferno gedacht, bekam er nun das Gefühl, gleich innerlich verbrennen zu müssen, so gut tat ihm diese eine Berührung. Nur am Rande bekam er mit, dass Scharlih scharf Luft holte - und dann wusste Winnetou auch schon nicht mehr, was er noch denken oder fühlen sollte, denn sein Freund hatte plötzlich eine Hand um seinen Schaft geschlossen und begann, diese nun langsam und vorsichtig auf und ab zu bewegen.

Winnetou konnte sich nicht mehr erklären, wie es ihm eigentlich noch gelang, aber unter Aufbietung all seiner Selbstbeherrschung brachte er es fertig, irgendwie ruhig liegenzubleiben und weiterhin einen Tiefschlaf vorzutäuschen. Sein Körper schien nur noch aus dem einen Punkt in der Mitte zu bestehen, er spürte, dass ihm der Schweiß ausbrach, und eine Vielzahl an unfassbaren Glücksgefühlen strömte auf ihn ein.
Er konnte nicht mehr denken, nur noch fühlen, nur noch genießen. Wie gelang es Scharlih eigentlich, ein solches Chaos in ihm auszulösen? Der Apatsche wusste nicht so recht, was dieser da eigentlich genau tat, er wusste nur: so etwas Wundervolles war ihm noch nie geschehen.

Und dieses einzigartige Gefühl schien sich von Sekunde zu Sekunde immer noch zu steigern, so dass Winnetou es jetzt einfach nicht mehr aushielt. Ihm war es mit einem Mal völlig gleichgültig, ob sein Freund jetzt doch bemerkte, dass er wach war - er konnte einfach nicht anders, er musste sich irgendwo festhalten, und das tat er jetzt auch mit aller Kraft, indem er sich mit seinen Händen richtiggehend in das Bettlaken links und rechts von ihm verkrallte.

Genau in diesem Augenblick verharrte Scharlih in seinen Bewegungen. Nein! Alles in Winnetou schien dieses Wort zu schreien, sein gesamter Körper war eine einzige Sehnsucht nach weiteren Berührungen. Nicht aufhören! Bitte, nicht aufhören! Und wie um sein innerliches Flehen auch äußerlich deutlich zu machen, berührte er seinen Blutsbruder jetzt leicht an der Schulter.
Dieser zuckte augenblicklich zusammen, doch einen Moment später fuhr er auch schon wieder mit seinen Liebkosungen fort, denn anders konnte Winnetou das nicht nennen, was er da tat, wobei Scharlih den Druck seiner Hand nun leicht erhöhte und gleichzeitig auch etwas schneller wurde.

Jetzt glaubte Winnetou, sein Herz müsse gleich stehenbleiben, als sofort darauf ein weißglühender Pfeil seinen Körper zu durchbohren schien. Was geschah hier nur mit ihm?
Irgendwo in diesem Wirbel aus unkontrollierten Gefühlen und unzusammenhängenden Gedanken in seinem Hirn kam ihm die Erinnerung hoch an einen Moment, als sein Vater ihm die Zeugung des Lebens erklärte. Hatte er dabei nicht das Wort „Lust“ verwendet? Um nichts anderes konnte es sich hier handeln, und Winnetou war sich in diesem Augenblick absolut sicher - warum auch immer - dass es niemand anderem als seinem Blutsbruder gelingen konnte, diesen reißenden Strom an Glücksgefühlen in ihm zu erzeugen!

Die Hitze, die sich nun in seinem Inneren sammelte, war fast nicht mehr auszuhalten, und ihm wurde bewusst, dass er ganz allmählich die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren begann. Ohne es zu wollen, entwich ihm immer öfter ein leises Keuchen oder ein kurzes Aufstöhnen, seine Atmung wurde schneller, heftiger - doch er hatte zumindest noch soweit seinen Verstand beieinander, um zu verhindern, dass er nicht zu laut wurde, denn in den Zimmern nebenan befanden sich die Bewohner und Gäste des Anwesens.
Deshalb verließ seine Hand nun auch die Schulter seines Freundes und er presste die Knöchel vor den Mund, um die Geräusche zu ersticken, die unabsichtlich seine Lippen verließen.

In diesem Moment verstärkte Scharlih noch einmal den Druck seiner Hand, wurde noch ein wenig schneller, und jetzt begann das Zimmer vor Winnetous Augen zu verschwimmen. Dieses Gefühl, diese Lust in ihm wurde so intensiv, dass er glaubte, es nicht mehr aushalten zu können. Er meinte, vor Hitze zu verbrennen, spürte sein Herz stolpern, dann glühte die Lust noch mehr auf, alles wurde noch ein wenig intensiver, und nun wurde es dem Apatschen tatsächlich einfach zu viel: Die Spannung in seinem Körper war mittlerweile beinahe unerträglich und ließ ihm überhaupt keine Wahl.

Aus diesem Grund kam er mit seinem Oberkörper rasch hoch und machten einen schwachen Versuch, seinen Freund, der seitlich neben ihm kniete, von sich wegzuziehen - doch dieser ließ sich davon in keinster Weise beirren.
Im Gegenteil: er drückte Winnetou mit einer Hand auf dessen Brust sofort wieder zurück in die Kissen und fuhr unbeirrt mit seinen so unfassbar gut tuenden Bewegungen fort.
Der Apatsche glaubte währenddessen in seinem Unterbewusstsein zu registrieren, dass auch sein Freund mittlerweile schwer atmete - es hatten sich sogar schon einige Schweißtropfen auf seiner Stirn gebildet.

Jetzt aber schlossen sich Scharlihs Finger noch fester um Winnetous Schaft, die Bewegungen seiner Hand wurden noch schneller, und Winnetou glaubte nun, vor Lust vergehen zu müssen. Sein Herz raste mittlerweile unter der Hand des Freundes, und weil er nicht mehr wusste, wohin mit sich, presste er seinen ganzen Körper rücklings in die Kissen, hielt sich beide Hände an die Stirn, nahm eine aber sofort wieder weg und krallte deren Finger dafür mit aller Macht in den Oberarm seines Freundes, während er die Knöchel der anderen Hand wieder vor den Mund presste und sogar hinein biss, weil er sonst unweigerlich aufgeschrien hätte.

Nur am Rande registrierte Winnetou, dass er nun endgültig seine Beherrschung zu verlieren drohte. Sein Körper begann leicht zu zittern, immer wieder drohte ein lautes Stöhnen seinem Mund zu entweichen, er hörte seinen eigenen, teils sogar unregelmäßigen Herzschlag überdeutlich, das Blut rauschte ihm in den Ohren - und als Scharlih nun seine Geschwindigkeit noch etwas steigerte und dann auch noch die feuchte Spitze von Winnetous prall geschwollenem Schaft an der empfindlichsten Stelle mit zwei Fingern seiner Linken berührte, während die andere Hand dessen brettharte Männlichkeit mit schnellen, druckvollen Bewegungen auf der ganzen Länge massierte, hatte der Häuptling das Gefühl, als würden ihm gleich die Sinne schwinden.

Er hörte auch Scharlih aufstöhnen, vermutlich, weil er ihm die Finger seiner Hand so fest in die Schulter presste, dass dort am nächsten Morgen wahrscheinlich alles rot und blau sein würde, aber Winnetou konnte sich einfach nicht mehr beherrschen - ohne es zu wollen, wand er sich auf seinem Lager unkontrolliert hin und her, während sich seine Atmung in ein einziges Keuchen verwandelte.

Dieses unglaublich heiße Gefühl der Lust wurde jetzt so intensiv, erfüllte seinen überhitzten Körper mit so einer Macht, dass es ihn fast schon ängstigte. Wo würde das enden? Konnte sein Körper das überhaupt aushalten? Aber Scharlih wusste mit Sicherheit, was er da tat - und wenn Winnetou sich eines wünschte, dann war es die Tatsache, dass sein Freund niemals wieder von ihm abließ, gleichgültig, wohin das alles führen würde.

Nochmals spürte er Scharlihs Finger seiner Linken auf seinem hochgradig erregtem Schaft, genau auf der Spitze seiner prallgeschwollenen und durchnässten Eichel - und jetzt war alles vorbei. Sein Herz setzte aus, er schnappte mehrmals nach Luft, und dann explodierte die Welt endgültig vor seinen Augen, ebenso sein komplettes Inneres.
Er wurde von einem einzigen Lava-Strom mitgerissen, sein vollständiges Denken, seine Empfindungen, sein ganzes Sein verschwand in einem Strudel aus unglaublich intensiven Lustgefühlen, die ihn in eine völlig andere Welt entführten.

Ganz hinten in seinem Unterbewusstsein spürte er, wie sich in seiner Mitte alles zusammenzog, wieder löste, wieder zusammenzog, unendlich oft, und jedes Mal schoss ein weiterer Lustpfeil durch seinen Körper, aber dieses Mal war die Hitze einfach nur noch angenehm, die Spannung löste sich allmählich, und sein ganzes Selbst schien jetzt tief in eine wohlige Wärme einzutauchen, aus der er auch nie wieder auftauchen wollte.

Doch während dieses verworrenden Gefühls-Wirrwarr nahm er noch etwas anderes wahr: eine feuchte Wärme an seiner Hüfte, seinen Blutsbruder, der mehrmals tief und heftig aufstöhnte, der ebenfalls immer wieder zusammenzuckte und sich dann schwer atmend auf Winnetous Bauch sinken ließ - und der Apatsche hoffte von ganzem Herzen, dass auch sein Scharlih in diesem Augenblick etwas so Schönes erlebte wie Winnetou selber.

Währenddessen beruhigten sich Winnetous Atmung und Herzschlag ganz allmählich wieder, aber ein unendlich wohliges Glücksgefühl blieb, welches sein gesamtes Innerstes auszufüllen schien. Doch gerade das verwirrte ihn immer mehr, denn so viel Gutes, einen solchen Strom an herrlichen Empfindungen hatte er in seinem Leben noch nie verspürt.
Fast schon bekam er Angst, dass sich das nie mehr wiederholen könnte, denn schon jetzt verblasste die Erinnerung an diesen Höhepunkt der Lust so allmählich - aber er hatte doch schon so Vieles in seinem Leben verloren, konnte denn nicht einmal etwas Gutes bei ihm bleiben?

Doch nein - jetzt war er undankbar. Er hatte schließlich überlebt, sein geliebter Blutsbruder war zurück und dieser für ihn wichtigste Mensch überhaupt lag jetzt neben ihm, hatte ihm sogar gerade eine unvergessliche Stunde beschert, hatte ihm mit allen Sinnen gezeigt, wie sehr er ihn liebte – war das denn nichts?
Ach, wenn es doch immer so sein könnte! Wenn sie beide hier einfach bis in alle Ewigkeit so liegen bleiben könnten!

Doch Winnetou wusste genau: alles Gute würde sich bald wieder irgendwo im Nichts auflösen. Sein Freund würde ihn, wenn auch nicht sofort, irgendwann wieder verlassen, er selber würde weiterhin Missgunst, Hass, Krieg und Verrat ertragen müssen, würde sich immer wieder gegen Feinde wehren müssen, würde wahrscheinlich des Öfteren verletzt werden, die Schmerzen würden immer wieder kommen – die des Körpers und die der Seele.

In diesem Augenblick befand er sich in einem wirklich hochsensiblen Zustand, und der äußerte sich jetzt dahingehend, dass er glaubte, das alles irgendwann nicht mehr ertragen zu können. Kaum war ihm das Glück mal hold gewesen, wurde es ihm auch schon wieder genommen, und so würde es in alle Ewigkeiten weitergehen.

Diese Erkenntnis traf ihn jetzt wider Erwarten so hart, wie er es nicht für möglich gehalten hätte. Und offenbar war er immer noch nicht vollständig Herr über seinen Körper, denn ohne es zu wollen, begann dieser plötzlich zu zittern. Nun wurde ihm auch noch sehr kalt und hinter seinen Augenlidern begann es zu brennen.

Aber sein Freund war für ihn da. Er hatte sofort mitbekommen, dass Winnetou irgend etwas quälte, rutschte deswegen jetzt auch direkt hoch an seine Seite, strich ihm über die Stirn und fragte ängstlich:

„Was ist mit dir? Habe ich dir....“
Er verstummte, und Winnetou sah eine Mischung aus Erschrecken und Erkenntnis in seinen Augen, während er selber vollkommen die Beherrschung zu verlieren drohte, denn die Tränen, die ihm hinter den Lidern brannten, quollen jetzt hervor, ohne dass er es zu verhindern vermochte - und das war ihm seit dem Tod seines Vaters und seiner Schwester nicht mehr passiert.

Scharlih fragte ihn jetzt leise:
„Hast du so etwas denn noch nie erlebt?“
Winnetou konnte nur noch den Kopf schütteln, zum Sprechen hatte er im Augenblick keine Kraft. Sein Freund forschte daraufhin weiter:
„Auch nicht mit einer Frau?“
Wieder ein schwaches Kopfschütteln, aber jetzt brachen bei dem Apatschen alle Dämme. Diese sanfte, liebevolle Stimme seines geliebten Blutsbruders hatte eine solch treibende Kraft - sie brachte damit sein Innerstes zum Schmelzen, und der Tränenstrom ließ sich jetzt einfach nicht mehr aufhalten. Laut aufschluchzend ließ er sich von seinem Freund in die Arme ziehen, barg seinen Kopf an dessen Brust und vergaß dann für eine lange Zeit alles um sich herum.
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