No smoke without fire

GeschichteHorror / P18
Carl Grimes Daryl Dixon Glenn Rhee Merle Dixon OC (Own Character)
31.03.2015
09.11.2019
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Die Stimmung im Kanalisationssystem war angespannt. Es wurde kaum gesprochen wenn doch, dann hielten sie die Sätze kurz.
Sie hatten nur noch wenig Marsch vor sich, während die Sonne an der Oberfläche bereits untergegangen war. Mit insgesamt 40 Mann, gemischt aus Hilltop und Alexandria bahnten sie sich ihren Weg.
Daryl atmete hörbar aus, als er merkte wie sich jemand neben ihm positionierte.
Merle. Und jener schien Gesprächsbedarf zu haben.
Daryl hörte nicht auf abwechselnd, nach vorn auf den Weg und zu seinem Bruder zu sehen.
„Frag einfach, wen dir was auf der Seele brennt.“, merkte Daryl an.
„Du wirst Vater?“
Daryl presste leicht die Lippen aufeinander, Er hatte sich gedacht ,dass Isabella es sich nicht nehmen lassen würde, es Merle rein zu drücken.
„Ja.“, entgegnete er knapp.
„Und was soll das mit dem Jungen, der bei euch wohnt?“
„Warum interessiert dich das überhaupt?“
Die beiden Brüder bildeten das Schlusslicht der Gruppe und liefen langsamer, umso tiefer das Gespräch wurde.
„Du bist mein Bruder, Daryl.“
Jener lachte abfällig: „Ich muss dir leider was sagen.“, er wand den Blick zu Merle. „Als Bruder hast du auf ganzer Linie versagt.“
Er atmete hörbar aus und gab etwas zu: „Das stimmt, ja.“
Schweigen herrschte für ein paar Minuten.
„Das Baby ist wirklich von dir oder hat Barbie sich von dem Hipster schwängern lassen?“
Daryl blieb stehen, packte Merle am Kragen und stieß ihn gegen die Wand des Tunnels.
Al war stehen geblieben, drehte sich zu den Brüdern: „Alles klar?“
„Ja!“, rief Daryl, ohne den Blick von Merle zu nehmen. „Lauft schon mal vor!“
Kopfschüttelnd führte Al den Weg fort und Daryl wollte nun endlich Gewissheit.
„Was ist es, Merle? Sag es mir!“, er drückte ihn fester gegen die Wand. „Was ist es, dass du so einen Hass auf meine Frau hast!“
Merle riss sich los, stieß seinen Bruder zurück: „Du würdest die Wahrheit vielleicht ertragen. Aber sie nicht!“
Daryl schüttelte den Kopf und lief weiter. Spielchen. Das war alles, was Merle konnte und er hatte schon lange genug davon.
Merle rannte den eiligen Schritten seines Bruders hinterher.
„Ihre Mutter und ich..wir hatten was am Laufen.“
Daryl blieb stehen, starrte Merle ungläubig an und lachte: „Selma und du? Selma Grey? Die Frau, die einem Redneck niemals auch nur die Hand reichen würde, hatte eine Affäre mit dir? Willst du mich verarschen?“, Daryl begann zu lachen und lief weiter.
Merle zog seinen Bruder zurück: „Das ist mein ernst, du Arschloch!“
„Sorry, aber das ist dann doch wirklich etwas zu weit her geholt, findest du nicht?“
Merle ließ ihn weiterlaufen, ließ ihn ein wenig gewähren, bevor er sagte: „Chesire.“
Daryl drehte sich im Gehen um: „Was?“
„Das Meerschweinchen von Selma.“
Daryl blieb stehen, als Merle hinzufügte: „Das im Wald abgehauen ist.“
Daryl hatte ihm nie davon erzählt. Geschweige denn, wie das Mistvieh hieß, dem er hinterher gerannt war.
„Was..“, Daryl verlor die Kontrolle über seine Mimik.
Merle kam näher: „Selma Grey, Mädchenname Monroe. Die Locken waren nicht echt, ist ´ne Dauerwelle. Das Schmetterlings Tattoo auf ihrer Schulter kenne ich sehr gut,..ich hab sie kennengelernt, als ihre Freundinnen sie in einen abgefuckten Club geschleift hatten, weil sie mal Bock auf was anderes hatten.“
Daryl atmete abgeflacht aus.
„Die Affäre ging nicht lang und sie ist zu ihrem Macker zurück. Zu ihren Kindern, Isabella und Evan, von denen sie mir damals erzählt hat und Bilder zeigte. Die Schlampe hat mich abserviert und als ich deine Barbie das erste Mal live in deiner Hütte gesehen hab, wusste ich sofort, wer sie ist!“
Der jüngere Bruder wusste nicht, was er sagen sollte. Doch eine Frage interessierte ihn brennend: „Hast du Selma geliebt?“
Merle ballte die Faust und gab zu:„Ja..“
„Darum hasst du Isabella so sehr? Für etwas, von dem sie weder was weiß, noch was dafür kann? Bist du bescheuert!?“
Merle knurrte: „Sie ist der Inbegriff für alles, was ich verloren hab!“
Daryl schüttelte den Kopf: „Du bist krank, man,..“, er ließ Merle erneut stehen, der aber schnell aufholte.
„Sie ist am Leben, Daryl!“
Der jüngere Bruder blieb abrupt stehen, sah ihn fassungslos an: „Du hast sie gefunden..“
„Sie gehört zu der Gruppe, die ich meine. Sie ist gefährlich..“
„Die Gruppe mag gefährlich sein aber wir haben größere Probleme..“
Merle schüttelte den Kopf: „Nicht die Gruppe. Selma.“
Daryl legte die Stirn in Falten.
„Hör gut zu, Daryl. Auch wenn du mir nicht glaubst! Selma hat sich der Welt in der wir gezwungen sind zu leben, angepasst. Sie hat sich die Haare abrasiert, nennt sich Alpha!“
„Hey!“, Rick´s Rufen unterbrach das Gespräch. „Wir sind da.“
Daryl wand sich an Merle: „Wir reden später darüber.“
„Wo kommen wir raus?“, fragte Al, den Blick auf den Schachtdeckel über ihren Köpfen gerichtet.
„In einer der Lagerhallen.“, erwiderte Dwight,
„OK.“, Daryl richtete das Wort an alle: „Sobald wir oben raus sind, teilen wir uns auf. So leise wie möglich, so viele Saviors wie möglich.“
Al atmete hörbar aus: „Keine Gefangenen. Keine Überlebenden!“
Ace nickte, zog das Messer aus seinem Halfter, welches Oscar´s Aufmerksamkeit erregte.
Jane zog die Waffe: „Dann lasst uns anfangen..“

Carol war die Erste, die aus dem Schacht kletterte. Nachdem sie die Lage gecheckt hatte, sah sie zu dem Rest der Gruppe hinab: „Die Luft ist rein.“
Während der Rest sich nach oben zog, schlich Carol weiter durch die Halle, machte eine Tür am Ende des Ganges aus und trat darauf zu.
Steine, die sich unter ihren Sohlen fest gesetzt hatten, verursachten ein kratzendes Geräusch, als sie nach der Klinke griff und diese langsam nach unten drückte.
Carol hörte die beiden Männer hinter dem Holz reden, riss die Tür auf und schlug dem ersten sofort die Klinge des Messers zwischen die Augen. Der zweite Savior war davon so überrascht, dass er wie gelähmt zu Carol sah. Jene zog das Messer aus dem ersten Mann und rammte es dem nächsten in die Brust.
Keine Gefangenen. Keine Überlebenden.
Al lief, gemeinsam mit Daryl und Ace in eine andere Richtung, dicht gefolgt von Oscar, der den Weg angab.
Die Halle stand voll mit leeren Kisten, die bereits bessere Tage gesehen hatten. Sie waren für die Gegenstände gedacht, mit welchen die Saviors untereinander handelten.
Oscar deutete mit der unverletzten Hand, in welcher er sein Messer hielt, nach oben: „Wenn wir zu Negan wollen, müssen wir da rauf.“
Die Lampe über ihren Köpfen begann zu flackern und hinterließ eine Gänsehaut bei Jane, die dabei war, zum Vorhof zu gelangen, um dort die Lage zu checken.
Für ihren Geschmack, war es viel zu Still im Sanctuary. Zwar war es bereits spät und die meisten Männer würden in ihren Betten liegen aber dennoch ließ sie das Gefühl nicht los, dass sie genau in eine Falle liefen.
Sie sah sich nochmal um. Ihre Leute hatten sich bereits verteilt, die ersten Schüsse aus den Waffen der Saviors wurden abgefeuert. Ab jetzt musste alles schnell gehen.
Mit der flachen Hand stieß sie die Tür nach draußen auf und trat in den Hof.
Genau hier. Genau hier hatte sie Daryl die Freiheit ermöglicht und auch ihre Eigene.
Sie hob den Kopf. Genau hier hatte Eugene sie ans Messer geliefert.
Negan; Die Gedanken kreisten um den Mann, der sie überhaupt erst dazu gebracht hatte, all diese schrecklichen Dinge zu tun, als die Tür hinter ihr gegen die Wand knallte.
Jane fuhr herum. Ihre Hand begann zu zittern, als sie den Savior Jonah sah, dem ein breites Grinsen über die Lippen kam.
„Jane? Ganz allein hier draußen?“, er trat in den Hof und sah sich um. „Tatsächlich.“, lachte er und zog das Messer aus seinem Gürtel. „Und jetzt bekomme ich endlich, wonach ich mich schon so lange sehne!“
Ihr Versuch ihm zu entkommen, ging nach hinten los, Jonah erwischte sich am Kragen der Jacke, stieß sie gegen die Wand und warf sie dann zu seinen Füßen.
„Oh scheiße, Jane..“, lachte er, als er sich so auf sie setzte, dass sie die Arme nicht mehr bewegen konnte. „Mach es mir doch nicht so einfach.“
Im Inneren der Halle fielen Schüsse, während Jane versuchte sich zu wehren.
Jonah ließ die Klinge seines Messers über ihren Oberkörper wandern und musterte dabei den ängstlichen Ausdruck in ihren Augen.
„Also?“; fragte er amüsiert. „Töte ich dich, bevor oder nachdem ich dich gefickt habe?“
Jane begann zu schreien, als er aussprach, was er vorhatte.
Über ihren Köpfen wurden Flutlichter eingeschalten, die das gesamte Gelände in den Außenbereichen beleuchteten.
Geblendet vom Licht, war Jonah einen Moment unaufmerksam und Jane schaffte es die Arme frei zu bekommen. Sie schlug ihm die Faust ins Gesicht, worüber jener aber nur amüsiert lachen konnte.
„Du Schlampe, ich werde dich vorher töten...“
Ein Schlag auf den Hinterkopf, ausgeführt von Daryl, der mit einer Schaufel ausgeholt hatte und Jonah erwischte, dass er Sterne sah.
Stöhnend ging er neben Jane zu Boden, während Daryl ihr die ausgestreckte Hand reichte.
„Alles OK?“, fragte er.
Wieder fielen im Inneren Schüsse.
„Alles gut.“, log Jane und versuchte ihre Atmung in den Griff zu bekommen.
Ein Savior trat hinaus, einen den nur Jane sah, denn Daryl stand mit dem Rücken zur Tür. Sie riss Daryl zur Seite, der über den am Boden liegenden Jonah stolperte und ebenfalls dort landete.
Der Savior richtete die Waffe auf Jane: „Du Ratte!“, schrie er, kurz bevor die lange Klinge eines Messer durch seine Brust hindurch gestoßen wurde.
Fassungslos sah der Savior hinab zur Klinge, die Atmung bereits am Abflachen, sank er auf die Knie und legte den Blick auf Oscar frei.
„Die fette Sau konnte ich eh nie leiden“, merkte er trocken an, zog das Messer aus dem Körper und verschwand im Inneren des Gebäudes.
„Jonah!“
Die Augen der Alexandria Gruppe wanderten zu dem, der über das Walkie - Talkie gerufen wurde. In dem ganzen Chaos, hatte Jonah sich bereits wieder auf die Beine gedrückt.
Es war Negan´s Stimmte, die aus dem Gerät drang.
„Jonah, Außenposten! Sofort! Sie sollen her kommen!“
Jane riss die Augen auf. Die Außenposten in denen sich ebenfalls Saviors aufhielten, konnten über Funk nicht erreicht werden, die Reichweite war nicht groß genug. Und das wusste Jane.
Jonah sah vom Gerät auf, wand den Blick zwischen Daryl und Jane hin und her und rannte los.
„Fuck!“, Daryl setzte sich ebenfalls in Bewegung.
Das Flutlicht reichte, um einen Großteil des Waldstückes, welches sich um das Sanctuary befand, zu erleuchten. Daryl war dem Savior dicht auf den Fersen, als er durch den Wald rannte. Er schien nicht die Ausdauer zu haben, wie der Redneck.
Daryl erwischte den Ärmel seiner Jacke, riss ihn mit so viel Schwung zurück, dass Jonah zu Boden ging.
Er schnappte sich das Walkie - Talkie aus der Hand des Saviors und warf es weiter in den Wald hinein.
„Du Wichser!“, brüllte Jonah, drückte sich auf die Beine und schlug Daryl die Faust ins Gesicht.
Der Savior hatte ihn gut erwischt, Daryl schwankte zur Seite und spuckte Blut auf das Laub.
„Jetzt bist du tot, Redneck!“
Wie von Sinnen stürzte sich Jonah schreiend auf Daryl, riss ihn unter sich zu Boden, wobei Daryl das Jagdmesser gezückt und so gehalten hatte, dass es durch den Druck von Jonah´s Körper direkt in dessen Herz gerammt wurde.
Daryl kam mit dem Rücken hart auf dem Boden auf, Blut lief dem Savior aus dem Mund, als er nach Luft schnappte und die letzten Atemzüge machte.
Doch unter Daryl, verdeckt von Moos und Laub öffnete Etwas die Augen.
Das Blut von Jonah tropfte herab und gab dem verwesenden Walker die Kraft, die er brauchte.
Leises Knacken der Knochen und als Daryl bemerkte, dass sich Etwas unter ihm bewegte, war es bereist zu spät. Der Walker rammte seine Zähne in Daryl´s Schulter.
Der Redneck schrie auf, schob den Savior von sich und rollte sich zur Seite, während der Walker schmatzend nach mehr lechzte.
„Daryl!“, Ace kam angerannt, hielt die Waffe auf Jonah gerichtet, als ihm noch nicht klar war, dass dieser bereits tot war.
Daryl kniete auf dem Waldboden, hielt sich die Hand zwischen Schulter und Hals und sah das viele Blut an der zitternden Hand, spürte das fehlende Stück Fleisch.
Ace bremste abrupt ab, als Daryl zu ihm aufsah.
Ace schnappte nach Luft, sah von Daryl zu dem Walker der sich nicht aus seinem Waldboden Grab erheben konnte. Das Maul des Toten war weit aufgerissen, verschmiert mit frischem Blut.
Ace sah wieder zu Daryl, dem das Blut über die Weste und den freien Oberarm rannten.
„Nein….“, Ace hielt sich die Hand vor das Gesicht, brüllte: „Nein!!“
Daryl starrte noch immer auf die blutige, eigene Hand.
Die einzigen Gedanken in seinem Kopf kreisten um Isabella.
Kein Kinderzimmer, dass er einrichten würde. Niemals würde er das Baby sehen. Niemals würde er Finn aufwachsen sehen. Niemals wieder würde er seiner großen Liebe einen letzten Gute Nacht Kuss geben können
Es war das Ende. Das Ende dieser Liebe. Das Ende dieser Familie. Sein Ende.
Ace zog Daryl auf die Beine, wusste nicht was er sagen sollte. Also tat es Daryl selbst.
„Wir haben nicht mehr viel Zeit.“

Hilltop hatte Verluste erlitten und das nicht wenig. Die Saviors waren zwar nicht in der Überzahl aber es schien, als würden sie überall plötzlich aus ihren Löchern kriechen.
Eine kleine Gruppe Alexandria´s hatte sich verschanzt, der Rest war irgendwo verteilt.
Oscar wischte frisches Blut von seiner Klinge und schielte durch das schmale Fenster in der Tür.
„Wir müssen rauf, wenn wir zu Negan wollen!“, merkte er erneut an. „Und das sollte bald passieren, bevor er es wirklich schafft, jemanden zu den Außenposten zu schicken!“
Al schüttelte den Kopf: „Das müssen wir verhindern! Ich komme mit rauf! Keine Ahnung wo Daryl und Ace sind, aber das muss erledigt werden!“
Oscar nickte, deutete auf die Tür: „Wir werden Feuerschutz brauchen!“
Carol lud die Waffe durch: „Den werdet ihr bekommen!“
Auf der anderen Seite des Raumes wurde die Tür aufgestoßen, eine Tür, die außer Sichtweite war. Alle Waffen wurden in diese Richtung gelenkt, als Ace mit Daryl um die Ecke kam.
„Scheiße, man!“, Oscar schüttelte den Kopf. „Wir hätten euch fast abgeknallt!“
Das Licht war zu schummrig, um es auf den ersten Blick zu erkennen. Doch umso näher die beiden kamen, umso deutlicher wurde es.
Carol war die Erste, die es sah und realisierte. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und drehte sich zu Al.
Die Fleischwunde an seiner Schulter, aus der das frische Blut noch immer floss, ließ Daryl schwer atmen. Das Gesicht blass und dicke Schweißperlen rannten seine Stirn hinab.
„Was..“, Al trat auf ihn zu: „Nein...“, aufwühlt lief Al auf und ab, schüttelte den Kopf, als sich die Realität unbarmherzig in sein Herz bohrte.
Die Blicke zwischen Daryl und Oscar trafen sich. Letzterer schluckte schwer und presste die Lippen aufeinander.
„Das ist nicht wahr..“, schluchzte Al. „Das..das kann nicht passiert sein..“
„Wir haben nicht mehr viel Zeit.“, sagte Daryl ruhig, obwohl er innerlich alles andere als das war. Er sah sich um: „Wo ist der Rest?“
„Verteilt..“; entgegnete Carol und konnte den Blick nicht von dem tiefen Biss nehmen.
„Merle auch?“, fragte er.
„Ja.“, nickte Carol.
„Al..“, er trat auf seinen besten Freund zu. „Wie lange noch?“
Al schüttelte den Kopf: „Du erwartest doch jetzt nicht im ernst von mir, dass ich dir deinen Todeszeitpunkt ausrechne!“
„Wie lange, Al!“
Jener wand den Blick zur Wunde, sah sich Daryl genau an: „Man kann es unmöglich genau sagen. Bei manchen dauert es länger, bei manchen geht es schneller.“; er atmete hörbar aus, legte den Kopf in den Nacken und ließ eine Träne die Wange hinab rinnen. „Aufgrund deiner Farbe im Gesicht und dem Fieber, was dich schwitzen lässt und dem vielen Blut, dass du verlierst...eine Stunde. Vielleicht mehr, vielleicht weniger.“
Al schüttelte den Kopf, als er realisierte, wie tief der Biss gewesen war.
Daryl ergriff das Wort: „Es geht jetzt darum, Negan zu finden und zu töten. Das war von Anfang an, unser größtes Problem und auch das gefährlichste.“, Daryl lachte bitter. „Ich bin der Einzige hier, der jetzt nichts mehr zu verlieren hat. Also werde ich es machen. Ich werde Negan töten.“
Carol schüttelte den Kopf: „Was, wenn deine Kraft nicht reicht, Daryl? Oder es einfach nicht funktioniert? Dann war all das umsonst..“
„Es wird nicht umsonst sein.“, Daryl suchte den Blickkontakt zu Oscar, der diesen nickend erwiderte.
Al schluchzte: „Ich kann dich das nicht machen lassen, man..“
„Du musst.“, er sah in die Runde. „Das müsst ihr alle.“
Oscar hielt den Blick gesenkt, als er anmerkte „Wir sollten los. Uns rennt die Zeit davon. In jeglicher Hinsicht..“
Daryl sah zu Ace, der mindestens genauso blass war, wie der Todgeweihte.
„Ich richte es Aaron aus..“, sagte Daryl leise.
Als Ace den Satz hörte, hatte er das Gefühl, sein Herz wäre in eine Presse geworfen worden. Er schloss die Augen, nickte, während die Tränen sich ihre Weg bahnten.
„Carol.“, Daryl wand sich zu ihr, die ebenfalls mit roten Augen zu kämpfen hatte. „Sag meinem Bruder was passiert ist..“
„Mache ich.“, sie presste die Lippen aufeinander und nahm ihn in den Arm. „Es tut mir so leid, Daryl..“
Als die Umarmung wieder gelöst wurde, sah er zu Al, dessen Lippen bebten und nur ein Schluchzen aus seiner Kehle kroch.
„Komm. Lauf ein Stück mit mir.“, sagte Daryl und schenkte ihm, trotz allem ein Lächeln.
Weiter von dem Rest der Gruppe entfernt, drehte Al sich zu Daryl und merkte an: „Sag das jetzt bitte nicht...“, heiße Tränen wollten nicht versiegen.
Daryl streifte langsam den Ehering vom Finger, legte ihn in Al´s Hand.
„Bitte pass auf meine Familie auf, Al. Ich bitte dich von ganzen Herzen darum...“, Daryl´s Stimme brach, als er anfing zu weinen. „Pass auf meine Kinder auf, auf Izzy,..“
Al nickte weinend: „Versprochen..“
Daryl kniff die Augen zusammen und ließ den Tränen freien Lauf, als Al ihn in seine Arme zog und ihn fest an sich drückte.
Eine letzte Umarmung.
Als Daryl jene langsam löste, brach Al innerlich zusammen.
„Oscar!“
Jener trat hinter Carol hervor, als Daryl nach ihm rief.
„Lass uns gehen.“, sagte Daryl, richtete die Worte an den Rest der Gruppe, noch immer unter Tränen: „Es war mir eine Ehre...“

Im oberen Stockwerk angekommen, merkte Daryl, dass Oscar immer wieder auf die Bisswunde sah und schließlich fragte der Savior: „Bist du sicher, dass du es schaffst?“
Daryl war stehen geblieben und drehte sich zu Oscar: „Hör mir zu, OK?“
Er nickte, hatte Tränen in den Augen.
„Du bist ein guter Junge, das weiß ich! Du hast ein gutes Herz, auch wenn dir jeder in deinem Leben bisher was anderes gesagt hat! Ich weiß es! Und dass sage ich jetzt nicht, weil ich sterben muss. Reiß dich ein wenig zusammen, mach was aus der Chance, dass du nach Alexandria darfst.“
Oscar legte die Stirn in Falten „Du hast gesagt, ich darf nicht..“
Daryl unterbrach ihn: „Ich hab heute morgen mit Ace und den anderen gesprochen. Dadurch, dass du Enid und auch vielen anderen das Leben gerettet hast, hat sich einiges geändert. Ich wollte dir das eigentlich erst sagen, wenn wir zurück sind..“
Oscar rannte eine Träne das Gesicht hinab, die er sich gleich darauf wieder abwischte.
„Sieh ein wenig nach Finn, OK?“
Oscar nickte.
„Und was Ava angeht..“, Daryl huschte ein Lächeln über die Lippen. „Wenn du meinst, dann versuch dein Glück. Aber ein wenig charmanter, als bisher.“
Oscar ließ sich zu einem Lachen hinreißen.
Daryl nahm den Jungen in den Arm und drückte ihn fest: „Du schaffst den Neuanfang. Ich weiß es!“
Oscar schloss die Augen und weinte stumme Tränen an Daryl´s unverletzter Schulter.
„Das ist nicht fair, man...“, Oscar´s Stimme brach.
Langsam löste Daryl die Umarmung, atmete tief durch: „Das Leben ist niemals fair. Aber wir sollten das Beste daraus machen.“, er legte Oscar die Hand auf die Schulter. Und jetzt freu dich..Du bekommst dein Feuerwerk, Junge.“
Oscar riss die Augen auf: „Was?“
„Du weißt, was du zu tun hast.“, Daryl presste die Lippen aufeinander. „Und jetzt gib mir die Granate...“

Negan, der am Tisch seiner Resistance saß, stand die Überraschung ins Gesicht geschrieben, als Daryl die Tür zu seinem Aufenthaltsraum aufstieß.
„So einfach?“, fragte er dennoch grinsend. „Keine Wachleute mehr? Ihr habt alle getötet?“
„Wie es aussieht.“, Daryl schlug die Tür hinter sich zu.
Als Negan die Bisswunde sah, warf er lachend den Kopf in den Nacken: „Shit, Daryl. Du bist ein toter Mann!“
„So wie du.“
Negan legte den Kopf schief: „Wie lang hast du noch? Eine halbe Stunde? Du kannst dich ja kaum noch auf den Beinen halten, so viel Blut wie du verloren haben musst.“
Daryl atmete tief durch. Eine Tatsache, bei der er Negan Recht geben musste.
Sein Kreislauf fuhr bereits herunter und das Zimmer schwankte bedrohlich.
Lucille lag vor ihm auf dem Tisch, doch Negan´s Augenmerk lag auf dem Redneck.
„Ich..“, sagte er grinsend. „Ich werde hier lebend raus kommen. So oder so. Aber für dich gibt es keine Rettung. Du wirst verrecken. Und ich werde dabei zusehen. Und weißt du, was ich danach machen werde?“, er leckte sich über die Lippen, bevor er hinzufügte. „Ich werde nach Alexandria fahren. Ich werde mir deine Frau holen und sie zu meiner Sklavin machen. Oh, sie wird den Jungen nie wieder sehen und dein Baby werde ich ertränken!“
Daryl umklammerte die Lehne des Stuhles, als er den Worten lauschte.
„Ich werde deine hübsche Frau quälen, dass sie sich wünschen wird, sie hätte dich niemals kennengelernt, denn im Endeffekt wird sie wissen, dass das alles deine Schuld ist!“

Als Oscar zur Gruppe stieß, war jene wieder größer geworden. Die Stimmung war auf einem Tiefpunkt, denn es hatte die Runde gemacht, was passiert war.
„Wir müssen hier weg!“, sagte Oscar. „Sofort!“
Ace packte ihn am Arm: „Was ist hier eigentlich los?“
Durch die verweinten Augen sah Al die Fernbedienung in Oscar´s Hand: „Scheiße, was ist das?“
Oscar atmete hörbar aus: „Das ist der Auslöser für den Sprengstoff, der hier überall im Sanctuary verteilt ist!“
Carol riss die Augen auf: „Wie bitte?“
Jane wischte sich mit der Hand über das Gesicht und sah entsetzt zu Oscar, als sie die Worte an alle richtete: „Überall im Sanctuary. Nur nicht in dem oberen Areal von Negan..“
„Wir müssen hier weg!“, wiederholte Oscar unruhig. „Jetzt, man!“
Al packte ihn am Kragen, wobei Oscar fast der Zünder aus der Hand fiel: „Was hier los ist, will ich wissen!“
„Daryl sagte, ich soll hier alles in die Luft jagen, wenn er mir ein Zeichen gibt.“
„Was für ein Zeichen?“, fragte Ace schockiert.
Er sah zu Oscar, den Al noch immer fest hielt: „Er hat eine Granate..“
„Was ist hier los?“, Merle´s Stimme hallte durch den Raum, als er diesen betrat.

Negan grinste zufrieden: „Ich schaue seelenruhig dabei zu, Redneck. Wie geht es dir im Moment? Schmerzen? Schwindel? Du kotzt mir hier doch jetzt nicht auf den Tisch oder?“
„Kann ich nicht mal in Ruhe sterben?“, merkte Daryl gelangweilt an.
Negan nahm die Füße vom Tisch und beugte sich über die Platte: „Wie ist es? Zu wissen, dass man versagt hat und die Familie nicht beschützen konnte? Es ist ein scheiß Gefühl, nicht wahr?“
Daryl atmete schwer, das Fieber versuchte ihn in die Knie zu zwingen. Doch er musste Negan hier drin halten, ihn bei Laune halten, bis Oscar und die anderen ins Sicherheit waren.
„Ich weiß wie das ist, Redneck. Ich hab auch versagt. Jetzt kann ich es dir ja erzählen, denn es wird niemals den Raum verlassen. Weil ich einmal, einmal, verfickte Scheiße nicht aufgepasst hab, ist meine Tochter ermordet worden! Vor meinen Augen und ich war machtlos. Oh ja, das war ich..“, er sah zu Lucille. „Bis ich mir dieses Prachtstück angefertigt hab und die richtigen Leute um mich herum hatte.“
„Meinst du die Leute, die dich allesamt verraten haben?“, entgegnete Daryl trocken.
Negan presste de Lippen aufeinander: „Du bist ein Hurensohn, weißt du das?“
„Und du bist ein einsamer Mann, Negan. Du hattest niemals Menschen wie ich in meinem Leben. Niemals. Du weißt nicht, was das für ein Gefühl ist, wenn man Freunde hat. Denn alles was du hattest, war ein Lüge. Männer, die aus Angst vor dir getötet haben und deine Ehefrauen, die aus dem selben Gründen mit dir ins Bett gestiegen sind! Du weißt nicht, was echte Liebe wirklich bedeutet!“
Negan verzog wütend das Gesicht, drückte sich nach oben und erhob sich. „Weißt du was? Ich werde deine Frau nicht her holen. Ich werde sie alle töten. Den Jungen, das ungeborene Kind und ganz am Ende deine geliebte Frau.“, er trat um den Tisch herum, lief gefährlich nahe auf die Tür zu.
Daryl verließen mehr und mehr die Kräfte, er würde den Plan nicht mehr durchziehen können, wenn Negan nun durch diese Tür ging.
„Ich werde deiner Frau die Kehle aufschlitzen..“, sagte Negan leise und testete aus, ob Daryl tatsächlich keine Gefahr mehr war, indem er nach dem Knauf griff.
Als eine Träne die Wange des Redneck´s hinab rannte, war sich der Saviors sicher und merkte lachend an: „Du Witzfigur.“
Er drehte den Knauf, schob die Tür auf und fixierte den Blick von Daryl.
Eine kurze Sekunde Unachtsamkeit, in der er Merle nicht sah, der die Tür mit dem Fuß so hart aufstieß, dass Negan zurück geschleudert wurde und mit dem Oberkörper auf dem Tisch landete.
Merle schlug die Tür hinter sich zu, positionierte sich direkt davor und sah zu seinem Bruder: „Tu es!“
Daryl schüttelte den Kopf, als Merle im Begriff war, das eigenes Leben ebenfalls zu opfern.
Merle lachte: „Du dachtest doch nicht, dass ich dich das allein machen lasse, Bruderherz. Lass mich wenigstens einmal in meinem Leben das Richtige tun..“
Negan wollte sich erheben, wurde aber von Merle zurück auf den Tisch gedrückt, in dem er die Hand in Negan´s Nacken legte.
„Lass mich los, du Bastard!!“
Es war nicht nur Wut, die aus Negan´s Kehle kroch. Es war Angst.
Daryl zog den Stift aus der Granate, legte sie auf den glänzenden Tisch und schob sie an, sodass sie direkt vor Negan liegen blieb.
„Nein!!!“, mit aller Macht kämpfte er dagegen an, doch Merle hatte Negan fest im Griff.
Daryl hielt den Blick auf die Granate gerichtet.
Er hatte alles, in seiner Macht stehende getan, um seine Familie zu beschützen.
Er hatte gekämpft, mit allem was er hatte.
Die letzten Gedanken galten Isabella. Ihr Lächeln, ihre Stimme, der Duft ihrer Haaren und wie sie es geschafft hatte, das Herz des Rednecks zu erobern.
Das Herz, welches nur noch wenige Sekunden zu schlagen hatte.

Als die Granate explodierte, wurde der Knall bis nach draußen getragen, wo sich die Hilltop und Alexandria Gruppen aufhelten.
Oscar sah zu Al, der auf die Knie gesunken war und die zitternden Hände im Erdboden vergraben hatte. Die Tränen nahmen ihm beinahe die Luft zum Atem.
Rick, dessen Augen ebenfalls rot unterlaufen waren, sah sich um und nickte Oscar zu.
Alle, die es lebend aus dem Sanctuary geschafft hatten, waren hier am Waldrand versammelt.
Oscar senkte den Blick, starrte auf den Knopf in der Mitte des Zünders.
Letzte Gedanken an die Dinge, die Daryl ihm gesagt hatte, bevor er den Daumen auf die Fernbedienung drückte.
Die Explosion war gewaltig, der Boden unter ihren Füßen bebte und das Sanctuary sackte Stück für Stück in sich zusammen.




*Auf meiner Homepage findet ihr ein Video, wo es um den Inhalt des Kapitels geht. Schaut gerne mal rein. Den Link findet ihr in meinem Profil*
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