Blitzlicht

von Huelk
GeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
Kimi Räikkönen Romain Grosjean
31.03.2015
31.03.2015
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Kommentar: Hallo zusammen! Mir war mal wieder ein bisschen nach einem Kimi/Romain-Oneshot und der kam ganz spontan aus gegebenem Anlass zustande. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen. :)

Disclaimer: Der Inhalt des Oneshots entspricht nicht den wahren Begebenheiten, sondern ist einzig und allein meiner Phantasie entsprungen. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahe treten.





Blitzlicht



Genf, Schweiz
8. August 2012


Eigentlich hatte Kimi romantischen Abenden bei Kerzenschein und Rotwein nie besonders viel abgewinnen können. Zuhause schon, aber hier, in einem öffentlichen Restaurant, das war etwas ganz anderes. Romain hatte ihm zwar versichert, dass sie vollkommen ungestört sein würden, nur was nützte ihnen das, wenn sie sich morgen auf den Titelseiten wieder fanden? Wie sollte man ein Abendessen mit dem Teamkollegen vor der Weltpresse erklären?
Vielleicht war es tatsächlich ein wenig naiv, sich auf den Plan des Jüngeren einzulassen, aber er konnte einfach nicht nein sagen, wenn Romain ihn so strahlend anlächelte. Es erschreckte ihn immer wieder, wie leicht er für ihn nachgeben konnte, wie sehr er sich von ihm beeinflussen ließ. Sollte er sich womöglich doch Sorgen machen?

Immerhin hatte ihm der Franzose nicht zu viel versprochen. Es war ein schönes Restaurant, das von außen wie von innen einen guten ersten Eindruck vermittelte. Die Diskretion der Angestellten war etwas, das Kimi ebenfalls schätzte, an dem Essen hatten sie auch nichts beanstanden können und alles in allem war es ein wirklich schöner Abend geworden.
Allerdings schien Romain ihm doch ein bisschen zu viel Wein getrunken zu haben. Das hatte er vor allem bemerkt, als der Jüngere vorhin so ungehemmt ihre Finger auf dem Tisch miteinander verschränkt hatte. Das war nicht besonders unauffällig, aber Kimi hatte sich ihm auch nicht wirklich entziehen können. Nicht einmal, als der Kellner ihnen die Rechnung gebracht hatte, war Romain in den Sinn gekommen, ihn los zu lassen. Das hatte dem Finnen dann schon ein wenig Röte in die Wangen getrieben, aber glücklicherweise hatte niemand etwas dazu gesagt.
Was Kimi an einem etwas angesäuselten Romain mochte war, dass er dann noch verschmuster und anhänglicher wurde, als er es ohnehin schon immer war. In diesem Zustand hob Romain die Bezeichnung niedlich auf eine ganz neue Ebene.


„Ich fahre“, stellte Kimi also klar, als sie nun den Parkplatz erreicht hatten und griff sich rasch die Schlüssel, die der Franzose gerade aus seiner Hosentasche geangelt hatte.
„Das musst du nicht. Ich kann noch fahren“, entgegnete Romain fast ein wenig schmollend. Zu süß, wenn er so ein zerknautschtes Gesicht machte.
„Das Risiko gehe ich nicht ein“, entschied der Ältere und schob ihn sanft aber bestimmt von der Fahrertür weg.
Romain seufzte ergeben, während er widerwillig zur Beifahrerseite trottete. „Du musst nicht immer so tun, als würde ich gar nichts vertragen. Du hast immerhin mehr getrunken als ich“, warf er noch ein, aber das würde ihm bei Kimi nichts nützen.
„Ich bin aber besser im Training“, gab er zu bedenken und konnte sich ein überlegenes Grinsen nicht verkneifen. Damit hatte er einfach recht.

Sie hatten beide nicht wirklich viel getrunken und sie waren sicherlich beide noch fahrtauglich. Anderenfalls hätten sie sich auch ein Taxi rufen können, aber sie waren sich von Anfang an einig gewesen, dass es dazu nicht kommen würde.
Romain verschränkte die Arme und sah wenig überzeugt aus, ehe er meinte: „Das ist nichts, worauf du stolz sein müsstest.“
Kimi beschloss, diese Aussage zu ignorieren und stattdessen einzusteigen. Er warf schon einmal den Motor an, um Romain zu signalisieren, dass er es eilig hatte. Der Jüngere schüttelte leicht den Kopf über seinen Finnen, bevor er ebenfalls einstieg. Er hatte den Gurt noch nicht ganz auf die linke Seite gezogen, als Kimi bereits losfuhr.

„Sind wir auf der Flucht?“, erkundigte Romain sich nicht ganz ernst gemeint, nachdem er sich angeschnallt hatte, bekam aber nur ein dezentes Schmunzeln zur Antwort.
Es war wohl eher die Ungeduld, die Kimi antrieb. Er wollte wieder mit Romain alleine sein, ohne sich beobachtet zu fühlen und ohne darüber nachdenken zu müssen, ob er ihn gerade berühren konnte oder nicht. Er wollte es einfach tun, wenn ihm danach war. Romain nahm es so hin, denn er hatte diese Seite an ihm früh kennen gelernt. Es störte ihn nicht und es war schon viel wert, dass Kimi sich überhaupt auf diesen Abend eingelassen hatte.


„Danke“, sagte Romain nach einem langen Moment der Stille zwischen ihnen und ließ Kimi den Blick kurz von der Straße abwenden, um zu ihm rüber zu sehen. Auch in der fortgeschrittenen Dämmerung war das Lächeln des Jüngeren wunderschön.
„Wofür?“, wollte der Finne wissen, denn soweit er sich erinnerte, hatte er nichts Besonderes getan.
„Für den schönen Abend“, erklärte Romain ganz selbstverständlich und hatte wieder dieses strahlende Lächeln im Gesicht, das Kimi immer so warm werden ließ. „Ich weiß doch, dass Romantik nicht so dein Ding ist.“

Also, ganz so schlimm war er ja nun auch wieder nicht. Aber ihm reichte eben auch ein Teelicht, wo Romain lieber ein ganzes Meer aus Kerzen hatte. „Ich hab nichts gegen Romantik. Ich hab was gegen Blitzlicht, das die Romantik kaputt macht“, stellte er klar.
Romain lachte leise und griff nach seiner rechten Hand, die locker auf seinem Oberschenkel lag. Ganz warm...

Kimi begann sich gerade wieder ein wenig zu entspannen, sich wohl zu fühlen, als plötzlich, wie aus dem Nichts, ein grelles Blitzen seine Augen blendete. Die nächsten fünfzig Meter sah er bloß Sterne, ehe er nach mehrfachem Blinzeln wieder halbwegs gut sehen konnte. War das etwa...?
Es dauerte einen Moment, bis Romain den kleinen Schreck überwunden hatte, dann aber deutlich zu amüsiert zu lachen begann. Das war überhaupt nicht witzig!

„Perkele...“, fluchte Kimi leise in sich hinein und schloss ganz automatisch beide Hände fest um das Lenkrad.
„Sie haben dich erwischt“, begann Romain ihn ein wenig zu ärgern, fing aber gleichzeitig an, versöhnlich seinen Nacken zu kraulen. „Warst du weit drüber?“
Wen interessierte das? Geblitzt war geblitzt, daran konnte er nichts mehr ändern.
„Kann sein“, grummelte Kimi und starrte ein bisschen wütend geradeaus auf die Straße.
Nur gut, dass ihm das nicht wieder in Finnland passiert war. Die Schweiz war mit ihren Bußgeldern zwar auch nicht besonders billig, aber in Finnland wurde die Höhe der Strafe an das Gehalt angeglichen, sodass es für jeden gleich schmerzhaft war. Das war ja auch eigentlich richtig so und im Prinzip ärgerte er sich auch nur über sich selbst.

„Entschuldige, ich hätte dich nicht ablenken sollen“, räumte Romain nach einer Weile ein, klang aber immer noch ziemlich belustigt.
Kimi winkte ab. Selbst schuld, wenn man sich ablenken ließ und vor allem, wenn man sich so schlecht gedulden konnte wie er. Er wusste ja, dass schnelles Fahren abseits der Rennstrecke nichts brachte, aber die Aussicht auf einen gemütlichen Abend mit Romain war eben zu verführerisch.
„Kein Wunder, dass du Blitzlicht nicht magst“, fuhr Romain fort, während er versuchte, sich das Lachen zu verkneifen. Schaffte er aber nicht. „Ich meine, hat dich das damals nicht auch deinen ersten Formel-1-Sieg gekostet?“

Kimi musste aufpassen, dass er den Fokus seiner Aufmerksamkeit nicht schon wieder auf Romain richtete. Woher wusste der das schon wieder?
Ja, 2003 in Australien war das passiert. Als er in Führung liegend, nach einer Aufholjagd vom letzten Platz, in die Boxengasse einfuhr, war sein Speedlimiter ausgefallen. Genau einen einzigen km/h war er zu schnell gewesen und er hatte dafür eine Durchfahrtstrafe kassiert, die ihm statt den ersten den dritten Platz eingebracht hatte. Sehr ärgerlich, aber...
„Damals warst du noch lange nicht in der Formel 1“, wunderte Kimi sich.
„Na und? Das kann man googlen“, entgegnete Romain schulterzuckend und aus dem Augenwinkel konnte der Finne das unschuldsheischende Lächeln des Jüngeren sehen. Das wurde ja immer besser. Jetzt wurde er also schon von seinem Freund im Internet gesucht.

Trotzdem. Wirklich böse sein konnte Kimi ihm nicht. Romain wusste einfach zu genau, wie er seine Finger bewegen, wie er seine Stimme einsetzen musste, um ihn einzuwickeln. Da war Widerstand zwecklos.
Kimi würde diesen kleinen Vorfall eben gelassen nehmen, so wie immer. Einen ruhigen Abend mit einem verschmusten Romain bekam er ja auch so. Aber über irgendetwas schien sich der Jüngere immer noch zu amüsieren und er hasste es, wenn er nicht wusste worüber.

„Was?“, stieß Kimi also ein bisschen gereizt aus.
Romain zögerte einen Moment, ehe er zu einer Erklärung ansetzte: „Also im Internet, da gibt's echt eine Menge über dich. Auch so ein Video, von deiner Yacht und wie du dann...“ Er wurde von Kimis sehr bösem Blick unterbrochen. Sofort hob der Franzose beschwichtigend die Hände, grinste aber dennoch weiter. „Ich meine nur, das sah nicht gerade so aus, als seist du besser im Training.“
Seit wann wurde Romain eigentlich so unverschämt? Er bedachte den Jüngeren mit einem weiteren, sehr finsteren Blick und ließ seine Stimme noch tiefer klingen, als sonst: „Ganz dünnes Eis, Romain. Ganz dünnes Eis.“
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