Die Geschichte einer Luftpiratin

GeschichteAbenteuer / P12
30.03.2015
30.03.2015
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“Dora schwing deinen müden Hintern aus dem Bett und hilf uns gefälligst bei der Arbeit!” hörte sie die laute Stimme ihrer Mutter.
Mit einem letzten kleinen schnarchen rollte sie sich aus dem Bett und taumelte Schlaf trunken zu ihrer Kleidung die sie am Vortag nur notdürftig auf den kleinen Sessel in ihrem Zimmer geschmissen hatte.
Kleid anziehen, Schürze binden, Haare zu einem Knoten zurück stecken.
Inzwischen war sie so routiniert das sie das ganze auch schlafend hätte tun können.
“Jetzt beweg dich endlich du faules Kind, das Brot bringt sich nicht von alleine auf den Markt!” dröhnte es ein zweites mal von unten.
Eilig stieß sie ihre Zimmertür auf und sprang die schmale Treppe hinab die ins Wohnzimmer führte in dessen Tür die riesige Gestalt ihrer Mutter schon auf sie wartete.
“Du bist genau wie dein Vater.” schimpfte sie und warf ihr einen Beutel mit dem Mittagessen in die Arm.
“Ist gut alte Frau...” murmelte sie und schlüpfte schnell an ihr vorbei bevor sie das Donnerwetter hören konnte das darauf folgte.
So eine morgendliche Begrüßung war siegewohnt.
Immer wenn ihr Männliches Elternteil einmal wieder nicht da war wurde ihre Mutter aggressiv das es für beide reichte.
Ihr Vater war so etwas wie ein Glücksritter, wie er selber immer sagte und reiste um die ganze Welt wo er nach Schätzen und allerlei anderem suchte.
Das hieß eigentlich schmiss ihre Mutter ihn ständig raus und da blieb ihm nichts anderes übrig als sich für einige Zeit abzusetzten.
Regel Nummer 1.
-lege dich nie mit der Bäckerin des Dorfes an.
Jedenfalls nicht in diesem Dorf.
Pfeifend schnappte sie sich den Karren der schon voll gepackt mit duftendem Brot und allerlei Leckereien da stand und schob ihn vorsichtig den Hügel hinab.
Das Haus in dem sie lebten und indem sich auch die Bäckerei befand, lag am Rand des Ortes indem sie seit sie denken konnte lebte.
Einfacher roter Backstein ohne viel Schnörkel oder Stuck.
Haus für Haus.
Alles hier war klein und beschaulich (außer ihrer Mutter vielleicht).
Die Menschen hier lebten von dem was sie Tag täglich herstellten, fast alle waren Bauern oder Handwerker.
Selbst der Bürgermeister arbeitete Nachmittags zusammen mit einem seiner Söhne auf dem Feld oder schlug im Wald ein paar Bäume.
Samstags war immer Markttag, egal bei welchem Wetter oder Jahreszeit.
Natürlich konnte man auch alle anderen Tage Brot kaufen doch es war ein guter Grund um sich zu treffen und den neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen.
Außerdem kam Samstags immer einige Händler aus der Stadt, aber auch die Stadtbekannten Einsiedler nutzen den Tag um schnell alle Besorgungen zu erledigen.
So früh am Morgen war natürlich noch wenig los.
Doch das würde sich bald ändern.
Mit wenigen Handgriffen hatte sie ihren schlichten Holzwagen auseinander geklappt und einen anständigen Verkaufsstand herbeigezaubert, auf dem sie nun ihre Waren verteilte.
“Na Dora wieder fleißig am verkaufen?” fragte sie eine ältere Dame freundlich lächelnd.
“Hallo Gilda na einmal das gleiche wie immer?” antwortete sie und begann ohne auf eine Antwort zu warten, mit dem Einpacken von zwei Leib Broten.

Und so verging der ganze Tag wie jeden Samstag.
Als endlich auch das letzte Brötchen weg war strich sie sich seufzend eine ihrer roten Haarsträhnen hinters Ohr.
Feuerschopf hatten sie früher die anderen Kinder genannt und selbst heute, obwohl sie schon 17 Jahre alt war, rutschte es dem ein oder anderem noch heraus.
Früher hatte es sie genervt doch nachdem sie sich in der 5 Klasse mit Toni, den Sohn des Schmieds, heftig geprügelt hatte weil er sie so nannte war es nicht länger eine Beleidigung.
Nun wurde sie so gerufen wegen ihrem Feurigen Charakter.
Tja der Gewinner bekommt den Respekt und der Verlierer hat gegen ein Mädchen versagt.
Während sie so in Gedanken schwelgte merkte sie auf einmal das es schon zu dämmern begonnen hatte.
Schnell schob sie den Karren zurück zu ihrem Haus, aus dem seltsamerweise laute Stimmen dröhnten die ausnahmsweise nicht ihrer Mutter gehörte.
Langsam öffnete sie das Gartentürchen und schlich über den schmalen Gepflasterten Weg bis hin zu der grünen Haustür die einen Spalt breit offen stand.
Mit einem entschiedenem Ruck stieß sie,sie auf und erblickte ihren Vater umringt von drei riesigen, lachenden Männern.
“Papa? Du bist wieder da?” rief sie freudig und sprang, ungeachtet der Hünen, in die Arme ihres Vaters.
“Was machst du hier? Wo ist Mum?” stotterte sie und wischte einige Freudentränen von ihrem Gesicht.
Doch dieser grinste nur breit bevor er antwortete: “ Deine Mutter ist bei ihrer Poker-Runde und ich meine Kleine, bin hier um erst einmal Lebewohl zu sagen.”
Verwirrt trat Dora einen Schritt zurück und sah erst ihn, dann die Männer um sie herum entgeistert an.
Als könnten sie Kerle Gedanken lesen begann der größte von ihnen zu erklären: “ Weist du, dein Vater kennt sich sehr gut mit Karten aus deshalb kommt er mit auf unserer Reise in den Westen wo wir etwas Geschäftliches zu tun haben.”
“Aber wann kommst die wieder Pa?” fragte sie ängstlich.
“In spätestens einem halbem Jahr bin ich wieder zurück, versprochen.”



Schweißgebadet wachte ich auf und starrte entgeistert das Bild meines Vaters an das ich an meiner Wand angebracht hatte.
Vor zwei Jahren hatte ich ihn zu letzte gesehen und seit dem Träumte ich fast jede Nacht davon wie ich ihn das letzte mal sah.
Draußen war es noch Dunkel, nicht einmal Emma war schon wach.
Ich war froh gewesen als ich meine Mutter hatte überreden können eine Hilfe in der Bäckerei anzustellen und die liebe gutmütige Emma war nur all zu gerne dazu bereit gewesen.
Schließlich waren Jobs in so einem kleinem Dorf nicht gerade Massenware.
Heute war mein 19ter Geburtstag, das bedeutete dass sich heute mein ganzes Leben verändern würde.
Mit einem Satz schwang ich mich aus meinem Bett und schlüpfte in mein blaues Kleid um das ich, statt wie immer meine Schürze, den Gürtel band den ich mir heimlich gekauft hatte.
Seit einem Jahr bereitete ich mich darauf vor.
Jeden Penny hatte ich gespart, nur für das nötigste Geld ausgegeben.
Energisch flocht ich mir zwei Zöpfe und setzte mir darüber einen schlichten schwarzen Hut auf den Mutter mir letzten Sommer gekauft hatte.
Jetzt nur noch die Stiefel, der Mantel und mein Koffer.
So leise ich konnte schlich ich die schmale Treppe hinab.
Nach Jahre langer Erfahrung wusste ich genau welche Stufe knarrte.
Dann huschte ich durch das kleine Wohnzimmer hin zur Haustür durch die ich schon so viele male gegangen war.
Ein letztes mal blickte ich mich um.
Alles war so vertraut, der schöne gekachelte Kamin, der alte Holztisch und die hässlichen Spitzengardinen an denen meine Mutter sich so klammerte.
Doch zum herumtrödeln war jetzt keine Zeit mehr, entschlossen drehte ich mich um legte den Brief auf die Kommode neben mir und verschwand in den gerade erwachenden Morgen.
Die Zeilen die ich meiner Mum geschrieben hatte waren nur wenige.
“Alte Frau ich gehe jetzt Pa suchen. Ich bin bald wieder da.
 Ich schicke euch Briefe.
 Bis bald,
 Dora”
Mehr brauchte es nicht.
Sie würde es auch mit vielen Worten nie verstehen warum ich gehen musste.
Wie ein Schatten lief ich durch die wenigen Straßen des Dörfchens zu der kleinen Haltestelle an der drei mal am Tag ein Zug hielt.
Ich nahm den ersten der kam pünktlich um 05:30 wie jeden Morgen.
Mit einem lauten Dröhnen hielt das rauchende Ungetüm.
Eine Tür öffnete sich und ein älterer Schaffner blickte heraus.
"Nanu ein Fahrgast. Treten sie ein." rief er freundlich.
Treten sie ein…
Das klang Abenteuerlich.
Als würde ich in eine neue Welt treten.
Der Zug war noch ziemlich leer.
Auch wenn er in Richtung einer großen Stadt fuhr würde er sich erst später füllen denn bis jetzt war er nur an kleinen Dörfern vorbei gekommen, deren Bewohner nur höchst selten verreisten und wenn einmal doch, nicht um diese Uhrzeit.
Mir war das nur Recht, das Abteil war leer und es war Zeit um etwas zu schlafen.
Schnell ließ mich das beruhigende ruckeln des Zuges in einen sanften Schlaf gleiten..
Eine gefühlte Ewigkeit später weckte mich ein lautes Poltern.
Erschreckt riss ich die Augen auf und blickte auf einen Jungen Mann der verlegen den Koffer zu seinen Füßen betrachtete.
"Ich...ähm... bekomme ihn nicht da hoch..." stotterte er und ließ seinen Blick auf die Gepäckablage schweifen.
Kein Wunder, das Ding war riesig, erstaunlich das er dafür nicht eine zweite Fahrkarte hatte zahlen müssen.
Seufzend stand ich auf und half ihm das Teil nach oben zu wuchten.
Kaum hatten wir es geschafft rollte der Zug auch schon wieder an.
Neugierig sah ich nach draußen.
"Entschuldigen sie das ich sie geweckt habe. Mein Name ist übrigens Charles." stotterte er und hielt mir mit hoch rotem Kopf eine Hand hin.
Ich schüttelte sie.
"Ich heiße Dora." stellte ich mich vor.
Immer noch etwas verschlafen setzte ich mich wieder auf meinen Platz.
"Wo sind wir gerade?" fragte ich den jungen Mann.
Dieser setzte sich gerade vorsichtig vor mich wobei er seinen schicken schwarzen Hut abnahm und strich sein graues Jackett glatt.
"Farwell." antwortete er und betrachtete mich etwas zu neugierig für meinen Geschmack.
Farwell war eine Kleinstadt ganz in der Nähe der Hauptstadt.
Ich würde also schon in weniger als einer Stunde da sein.
Vor Freude hätte ich fast die merkwürdigen Blicke meines Gegenübers vergessen.
Als hätte er meine Gedanken gelesen sprach er mich an.
"Und was möchten sie in derHauptstadt machen?"
Überrascht sah ich auf.
"Woher wissen sie das ich dort hin möchte?"
"Ach ich bitte sie. Jeder in diesem Zug möchte dort hin. Also was wollen sie dort, so ganz alleine?"
"Ich suche meinen Vater." erwiderte ich sofort.
Mist… warum hatte ich das nur gesagt?
Es ging ihn rein gar nichts an wen oder was ich suchte.
"Ich suche auch jemanden. Joseph Tibbins."
Bei dem Namen erstarrte ich.
Er suchte meinen Vater.
"Warum suchen sie diesen Mann?" fragte ich und versuchte mir meine Neugier nicht all zu sehr an merken zu lassen.
"Ich bin abgesandter der Königin. Dieser Mann hat ihr etwas gestohlen und jetzt muss ich ihn finden um es wieder zu beschaffen."
"Mein Vater würde niemals etwas stehlen?!" schrie ich ehe ich über die Folgen dieser Worte nachdenken konnte.
"Ihr Vater? Na dann sollten sie mich besser nicht begleiten denn er ist ein Verbrecher und so jemanden sollte man nicht suchen."
"Wie können sie so über ihn reden? Mein Pa ist vielleicht nicht der hellste oder geschickteste oder sonst wie begabteste Mann aber er ist kein schlechter Mensch!"
Inzwischen brüllte ich und Tränen rollten über meine Wange.
Was sollte das?
Ich war noch keine drei Stunden auf der Suche nach meinem Vater und schon erfuhr ist so etwas über ihn.
Das konnte nicht wahr sein.
"Es tut mir leid ich hätte so etwas nicht sagen dürfen. Aber es nun einmal so das er sich mit Piraten eingelassen hat."
Sofort schossen mir die Gesichter der Männer wieder ins Gesicht die an jenem Abend mit meinem Vater zusammen in unserem Haus gesessen hatten.
Piraten.
Charles fuhr fort als er sah das ich mich etwas beruhigt hatte.
"Er hat die Kronjuwelen gestohlen und die Krone. In drei Monaten will die Königin ihren Sohn auf den Thron setzten und bis dahin muss wenigstens diese wieder da sein. Helfen sie mir ihren Vater zu finden."
Verblüfft starrte ich ihn an.
"Sie werden ihn einsperren wenn sie ihn haben." stotterte ich ungläubig.
"Es ist ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Lebend oder Tod, ich garantiere ihnen lebend."
Das klang wie eine Drohung.
Doch was es auch war wusste ich das ich darauf eingehen müsste um meinen Vater sein Leben zu retten.
Ich streite meine Hand aus und grinste breit.
"Dann haben wir wohl einen Deal." rief ich und lachte verwegen.
"Genau. Sie finden ihren Vater und ich bekomme die Krone."
Dann schlug er ein.
In diesem Moment hielt der Zug.
Ich hörte die laute Stimme des Schaffners.
"Endstation Hauptstadt. Alles Aussteigen bitte."
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