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so open up my eyes

von -bamboo
KurzgeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Bilbo Beutlin Gandalf Smaug Thorin Eichenschild
30.03.2015
30.03.2015
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11.453
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Ich weiß nicht, was das für ein Monster geworden ist. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit eine solche Masse an Text geschrieben!

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und würde mich über eine Rückmeldung in den Reviews sehr freuen! =)



Der Schatten, den sein Körper warf, war viel zu groß für seine so zierliche Gestalt.
Träge öffnete er seine Augen weiter und schaute den Schatten seines Körpers an, der vor ihm auf den Boden geworfen wurde.
Es sickerte sehr langsam durch seinen Kopf, sodass er erst nach mehreren dösigen Minuten realisierte, dass sein Schatten eine seltsame Form hatte und ganz und gar nicht der Schatten eines Hobbits war.
Entsetzt weiteten sich seine Augen und er riss seinen Kopf hoch.

Er sprang auf und stolperte zurück, als er seinen Körper nicht ausbalancieren konnte und er rückwärts in das Gold fiel.
Ein gurgelnder Schrei entwich ihm.

-


Thorin beobachtete mit schmalen Augen, wie Fíli es sich in einer Ecke gemütlich machte und seine Arme einladend zu Ori ausstreckte. Der junge Zwerg mit den rötlichen Haaren lächelte schüchtern und kroch in die Arme seines blonden Neffen, legte seinen Kopf auf die Brust und schloss zufrieden seine Augen.
Dori und Nori betrachteten die beiden jungen Zwerge mit zusammengekniffenen Augen und schnaubten abfällig. Sie waren wohl noch nicht so wirklich darüber hinweg, dass Ori sich ausgerechnet in den chaotischen Neffen ihres Prinzen und zukünftigen König verliebt hatte.
Auch Thorin war nicht sonderlich glücklich damit, dass Fíli sich Ori als seinen Einen ausgesucht hatte. Doch er hatte auch akzeptiert, dass Kíli sich in eine verdammte Elbin verliebte, also musste er auch akzeptieren, dass Fíli sich in Ori verliebt hatte.

Und solche Gedanken hegte ausgerechnet er, Thorin Eichenschild, der König im Exil, der sich in einen Hobbit, einen Meisterdieb verliebt hatte.
Er sollte besser leise sein.

Langsam lehnte er sich an die Wand neben der Tür und starrte über die toten Felder vor dem Einsamen Berg, die noch immer unter Smaugs Anwesenheit litten.
Gelbe, trockene und öde Landschaft, wohin das Auge auch reichte. Angewidert schnaubte er und erinnerte sich mit einem leichten Sehnen an die Zeit zurück, in der diese Felder grün waren, von Bauern beackert wurden und dort Menschen und Zwerge in Frieden lebten.
Doch jetzt war alles tot. Sogar der Grünwald wurde von einer Krankheit befallen und verlor die mysteriöse Schönheit der Elben, die er sonst immer besessen hatte.

Und dann kam dieser verdammte Drache, der alles mit seinem Feuer verpestete und jedes lebende Geschöpf umbrachte, welches nur in Reichweite seiner Krallen kam.
Und er hatte den Hobbit, an dem er sein Herz verloren hatte, zu genau diesem Drachen geschickt, wo er nun seinen Tod erleiden würde.
Der Schmerz, der sich wie eine Schwertspitze in sein Herz grub, war völlig neu für ihn und missmutig grollte er, als dieser Schmerz zunahm, je länger er an seinen Meisterdieb dachte.

Er würde Bilbo an Smaug verlieren, so wie schon er seine halbe Familie und alle, die ihm nahestanden, an dem Drachen verloren hatte.

-


Als Bilbo die Schatzkammer betreten hatte, war ihm bei ihrem Anblick schlecht geworden.
Er hatte von der verheerenden Goldkrankheit gehört, die die Linie der Durins verpestet hatte und in Zukunft ausrotten würde, und nun wusste er auch, warum diese Krankheit so schlimm bei diesen Zwergen ausfiel.
Die Mengen an Gold und Schätzen war überwältigend und Bilbo wurde von dem leuchtenden Glanz geblendet, auch wenn kaum Licht in der riesigen Schatzkammer herrschte.
Er konnte die Krankheit praktisch riechen.
Er war sich ziemlich sicher, dass Smaug dieses Gold noch mit seiner eigenen Magie vergiftet hatte und die Wirkung sich dadurch doppelt so verheerend auf die Zwerge auswirken würde, egal, ob Durin oder nicht.

Hektisch durchsuchte er das vibrierende Gold.
Er wusste, dass Smaug früher oder später auf ihn aufmerksam werden würde, und er würde nichts tun können, außer zu fliehen, wenn der Drache sich erheben wird.
Doch er konnte in diesen Massen an Gold keinen weißen, glühenden Stein entdecken. Geschweige denn finden.
Erschöpft fiel er in das Gold und sog den Gestank von Drache tief in seine Nase in. Wie enttäuscht Thorin wohl aussehen würde, wenn er ohne Arkenstein wiederkommen würde?
Sehr enttäuscht.
Da war er sich ziemlich sicher.

Der Zwerg hatte schon in den ersten Momenten, in denen er Bilbo angeschaut hatte, das Herz des Hobbits gestohlen.
Die ganze Zeit über während ihrer Reise zum Erebor hatte sich Bilbo immer tiefer in der Liebesangelegenheit verstrickt, bis es kein Entkommen mehr gab.
Und jetzt tat sein Herz nur weh, wenn er daran dachte, wie enttäuscht Thorin aussehen würde, wenn er ohne Beute von seinem Beutezug als Meisterdieb wiederkommen würde.
Er war definitiv viel zu sehr verliebt.

Und als der Drache sich dann letztendlich auch erhob, ging alles den Bach herunter.
Bilbo konnte nicht fliehen, denn der Drache zog ihn in seinen Bann.
Magie wob sich um ihn, als der Drache ihn in ein Gespräch verwickelte und ihn mit Worten beeinflussen wollte, die ihn wirklich verletzten, aber kein bisschen beeinflussten. Sie verunsicherten ihn nur ein wenig, jedoch konnten sie nicht seine Meinung auf die Zwerge beeinflussen.
Seine Sturheit verärgerte den Drachen, der realisiert hatte, dass er die fremde Kreatur nicht mit seiner Silberzunge von seiner Dummheit überzeugen konnte.
Smaug wollte ihn töten, doch der Hobbit war wieselflink und wich den Angriffen aus, versteckte sich und warf dem Drachen wüste Beschimpfungen gegen den Kopf, während er vor ihm wegrannte.

Smaug hatte irgendwann genug und stieß ein markerschütterndes Brüllen aus, bevor Bilbo plötzlich und völlig unerwartet mitten in einem Sprint zusammensackte, die Kontrolle über seinen Körper verlor und mit stumpfen Blick zu Boden fiel.
Smaug grollte zufrieden, als er spürte, dass seine Magie funktionierte, und lachte knurrend, als er den kleinen Körper des fremden Geschöpfes etwas abseits der Schatzkammer in einem verstaubten Flur fand.
„Dafür, dass du so respektlos gegenüber mir gewesen warst, werde ich dich nicht töten. Nein, kleiner Dieb, mir ist eine viel bessere Idee gekommen...“, höhnte Smaug mit seiner tiefen Stimme, die Bilbo sofort in eine Art Bann sog, aus dem er sich nicht mehr befreien konnte.
„Ich werde dich verfluchen und dir alles nehmen, was dir lieb ist. Deine Freunde, deine Familie, deine Liebe...“, grollte der Drache. Gegen Ende wurde er immer lauter, und bevor der letzte Nachhall der Drohung in dem Gang verstummen konnte, wurde alles vor Bilbos Augen schwarz und er wurde bewusstlos.

-


Der zwergische Hass auf Drachen war unbeschreiblich.
Er war einfach da, schon seit Generationen war der Hass auf Drachen bei den Zwergen vorhanden.
Sie klauten ihr Gold, klauten ihnen alles, was ihnen etwas bedeutete. Sie raubten sie aus, bestohlen sie ihrer Königreiche und Lebensräume.

Durch Drachen war die Zahl der Zwerge alarmierend zusammengeschrumpft und durch die Drachen hatten die Zwerge ihre Frauen verloren.
Gefangen genommen haben die Drachen ihre Frauen, so lange, bis Frauen unter Zwergen eine Seltenheit waren.

Würde ein Drache die Blauen Berge oder die Eisenberge attackieren und dort die Zwerge vertreiben, würden die Zwerge ausgerottet werden.

Drachen waren eine Gefahr, und mussten mit allen Mitteln vermieden oder besiegt werden.
Egal, welche Art von Drache.
Egal, welche Größe.

Hauptsache, die Gefahr wäre aus dem Weg geräumt.

-


Er hörte sie schon kommen, bevor sie überhaupt den Gang hinter der Geheimtür betreten hatten.
Ihre Diskussion, ob sie rein gehen sollten, reichte schon, um ihn zu alarmieren.
Er wollte am liebsten aufstehen und fliehen, doch eiserne Klauen nagelten ihn fest auf den Boden. Smaug beugte sich über ihn und grinste ihn mit seinen vielen, spitzen Zähnen an.
„Du wirst ihnen vor die Augen treten, jetzt gleich sogar. Und dann wirst du merken, wie schrecklich mein Fluch ist!“, grollte Smaug leise und drückte ihn mit seinem gesamten Gewicht auf den Boden.
Der Bauch des Drachen drückte sich gegen seinen Rücken und er wimmere, als Smaugs Krallen an seinen Hals gedrückt wurden.

Dann verschwand der riesige Drache und er verblieb dort, mitten auf dem Gold, welches leise sang und ihn versuchte, zu sich zu ziehen, doch selbst jetzt war er resistent gegen das Gold, auch wenn er seinen gefährlichen, verlockenden Sog spürte.
Er versuchte, sich zu bewegen, doch er konnte nicht. Irgendetwas unsichtbares, magisches drückte ihn unnachgiebig auf den Boden. Smaugs Werk.
Erst verfluchte der Drache ihn mit seiner Magie, und jetzt hielt er ihn hier auch noch fest, damit er seinen Zwergen so unter die Augen treten musste.

Die Schritte der schweren Stiefel der Zwerge in dem Gang hallten laut in seinen Ohren nach und er winselte leise, als sie immer näher kamen.
Das Gold rieb unangenehm an seinen weichen Schuppen und der eiserne Griff von Smaugs Magie machte die gesamte Situation nicht gerade leichter. Wenigstens seine neuen, empfindlichen Flügel konnte er bewegen.

Bevor er sich versehen konnte, stand schon der erste Zwerg auf dem Vorsprung hinter dem Gang und schaute auf die Massen des Goldes hinab. Und auf ihn.
Erstickte Rufe und Schreie ertönten, als die Zwerge ihn erblickten.
Sein Herz zog sich zusammen und er schnaubte gequält, als er den Hass in den Augen seiner Zwerge erkennen konnte.

Der kleine, bronzefarbene Drache mit den gequälten, grünen Augen, der dort auf dem Gold lag, war völlig unerwartet für die Zwerge gewesen.
Er sah in keiner Weise wie Smaug aus, also konnte er kaum ein Nachkomme des Drachen sein, der den Erebor auf brutale Art und Weise eingenommen hatte.
Der schmale Kopf mit den leicht nach innen gebogenen Hörnern, die sanft abgerundeten Dornen auf der Schnauze, am Kinn und am Kieferknochen...der Drache sah beinahe liebevoll aus, doch die Zwerge wussten es besser.
Jeder Drache stellte eine Gefahr dar, egal, ob klein oder groß, stark oder schwach, liebevoll oder brutal.

Kíli spannte seinen Bogen auf Befehl seines Onkels und schoss einen Pfeil auf den wehrlosen Drachen.
Er traf ihn genau an der Flanke, genau zwischen Bauch und Hinterbein. Erstaunt jubelten die Zwerge, als der Pfeil nicht an den bronzenen Schuppen abprallte, sondern völlig unerwartet in dem Fleisch versank.
Der kleine Drache brüllte panisch auf und bäumte sich auf, alle vier kurzen Beine verzweifelt nach Halt suchend. Der Rücken des Drachen drückte sich durch, als er sich aufgrund der Schmerzen aufbäumte. Die Flügel hingen nutzlos an den Seiten hinab und der Schwanz peitschte unkontrolliert von einer Seite auf die andere.
Die Zwerge lachten den Drachen aus.

Und der kleine Drache sackte zusammen, Schmerzen in der Seite und Schmerzen im Herzen.
Seine Zwerge erkannten ihn nicht und verletzten ihn sofort, nur weil er nun eine gefährliche Form besaß.
Seine schwarzen Krallen gruben sich in das Gold, als er sich unter den Schmerzen wand und seine verzweifelten Augen auf die Zwerge richtete. Sein gesamter Verstand schrie um Hilfe bei dem Anblick seiner Zwerge, sein Kopf verarbeitete die schrecklich egoistischen Zwerge und seine gutmütige Seele zersprang unter den Schmerzen, die diese Zwerge ihm gerade antaten.
Aus seiner Kehle entwich ihm ein leises, schmerzverzerrtes Grollen, und die jubelnden Zwerge verstummten, als sie den winzigen Ton vernahmen.

Dieser kleine Laut des Schmerzens hatte sich sehr angehört wie die Laute, die Bilbo von sich gab, wenn er sich verletzt hatte.
„Bilbo?“, rief Thorin nach dem Hobbit und ließ seine Augen über das Gold streifen, um seinen Meisterdieb zu finden. Immerhin hatten er den Hobbit gehört, er konnte also nicht weit weg sein!

Bilbo hob seinen schuppigen Kopf und öffnete sein Maul leicht, um instinktiv auf Thorins Ruf zu antworten, doch ihm entwich kein Laut, da sich plötzlich unsichtbare Klauen um seine Kehle legten und unnachgiebig zudrückten.
Er schloss seine Augen, als er laut nach Luft schnappte und versuchte, sich gegen die Klauen zu wehren.
Smaug versuchte mit aller Macht, ihn davon abzuhalten, zu fliehen oder sich seinen Zwergen preiszugeben. Warum?
Was hatte der Drache vor?

„Bilbo?“, rief Thorin erneut, dieses Mal nachdrücklicher und lauter. So laut, dass es lange durch die Hallen hallte und Bilbo seinen Namen viel zu oft hören musste, ohne darauf reagieren zu können.
Ein vibrierendes Schnurren antwortete auf Thorins Ruf. Mit dem Rasseln von Schuppen und dem Kratzen von Klauen auf dem Stein machte sich Smaug bemerkbar.
Die Zwerge schnappten nach Luft, als der rote Feuerdrache in ihr Sichtfeld trat. Auf den schuppigen Lippen des Drachen stand ein hämisches Grinsen, welches seine spitzen Zähne freilegte.
Bilbo sprang auf und schnappte nach Luft, als er spürte, wie die unsichtbaren Klauen an seiner Kehle verschwanden. Angst fuhr in seine Glieder, als Smaug immer näher kam und ihn und seine Zwerge mit seinen goldenen Augen verspottete.

„Mein Plan geht auf...“, säuselte der riesige Drache und beäugte den Pfeil in Bilbos blutender Seite zufrieden. „Die Köpfe von Zwergen sind so leicht zu manipulieren...“
Die Zwerge gaben verwirrte Geräusche von sich, während sie Smaugs Blicken folgten und den hilflosen, kleinen Drachen misstrauisch betrachteten.
Bilbo jammerte und versuchte, die Pfeilwunde mit seinem Kopf zu erreichen, doch als er den Pfeil in seinem Fleisch berührte, schoss höllischer Schmerz durch seinen Körper und er zuckte instinktiv zurück.
Seine Krallen schnitten durch einen großen Edelstein, der sich unter seine Klauen verirrt hatte. Unter den Schmerzen, die wie Flammen durch sein Blut schossen, bemerkte er dieses erstaunliche Ereignis kaum. Anscheinend waren seine Krallen so scharf, dass sie Steine wie Butter durchschneiden konnten.

„Kíli!“, grollte Thorin auf dem Vorsprung. Der junge Bogenschütze spannte seinen Bogen erneut und schoss nun einen Pfeil auf Smaug. Mit einem metallischen Geräusch sprang der Pfeil von den Schuppen ab und fiel mit einem leisen Geräusch auf den mit Gold übersäten Boden.
Die Zwerge atmeten geschockt ein, Smaug grollte nur belustigt.
„Hattet ihr wirklich gedacht, ihr könntet mich mit einem so einfachen, kleinen Pfeil besiegen?“, schnaubte Smaug und warf seinen Kopf nach hinten, als er laut lachte. Bilbos Schuppen erzitterten und rasselten, als das dröhnende Lachen in seine Knochen drang und seinen Körper zum Vibrieren brachte.

„Verlasse den Berg, der rechtmäßig dem König unter dem Berge gehört, und komme nie wieder, du dreckige Schlange!“, brüllte Dwalin und zog seine gewaltige Axt, die unter Smaugs Schatten winzig und ungefährlich wirkte.
Bilbo zuckte zusammen, als er die Beleidigung vernahm. Hatte der Zwerg gerade alle Drachen als dreckige Schlangen bezeichnet, oder nur Smaug? Ein völlig unbekannter Instinkt brodelte in ihm auf und er knurrte wütend.
Der Zwerg hatte gerade seine Ehre beleidigt!

Währenddessen Bilbo seine Wut neuentdeckte, loderte in Smaugs Augen ein gefährliches Feuer auf. Er schnellte vor, seine Schnauze direkt vor Dwalins Gesicht.
Ich bin König unter dem Berge! Seit 170 Jahren ruhe ich nun unter dem Berge, mir wird kein mickriger Zwerg den Berg nehmen, der sich nun schon seit beinahe zwei Jahrhunderten in meinem Besitz befindet!“, fauchte Smaug und platzierte seine gefährlichen Vorderklauen auf dem Vorsprung, auf dem sich die Gemeinschaft befand.

Fíli sprang instinktiv vor Ori und bleckte seine Zähne. Smaug registrierte den jungen Zwerg mit seinem noch jüngeren Gefährten und langsam wich die Wut aus seinen räuberischen Zügen und wurde von einem verschmitzten, gefährlich ruhigen Ausdruck vertrieben.
„Ah, wie viele Turteltauben habt ihr denn noch in eurer lächerlichen Gruppe?“, grollte Smaug, während er Fíli ebenfalls seine gefletschten Zähne zeigte.
Alle dreizehn Zwerge verstummten und starrten einander an.
„Nur Ori und Fíli.“, schnappte Kíli. Seine Wangen waren leicht gerötet und er versuchte, sich hinter seinen Haaren zu verstecken.
Der Drache lachte nur leise, als er den brünetten Zwerg anschaute und seine Scham wahrnahm.
„Eine Elbin also? Ihr rotes Haar ist wahrlich ansprechend, sehr interessant...“, grollte Smaug. Kíli erstarrte in Schock, bevor er wütend aufschrie und einen weiteren Pfeil auf Smaug schoss, dieses Mal auf dessen Gesicht gezielt. Die Pfeilspitze kratzte über die empfindlichen Schuppen, verfehlte aber das eigentliche Ziel und trudelte nutzlos zu Boden.

„Und du, schwarzhaariger Durin, dir liegt doch auch eine Liebesangelegenheit auf der Seele!“, verkündete Smaug, als er sich zu Thorin wand.
Bilbo verspannte sich und knurrte leise. Thorin war verliebt? Warum wusste er nichts davon?
„Warum sollte man dir glauben, du bist doch nur eine manipulative Schlange mit einer trainierten Silberzunge, du könntest Lügen erzählen und jeder würde dir glauben!“, spuckte der schwarzhaarige Zwerg aus. Zustimmende Rufe seiner Zwerge folgten und Smaug schnaubte nur abfällig.

„Drachen verfügen nicht nur über eine Silberzunge, sondern auch über starke Magie. Magie, die immer stärker wird, je länger Drachen in Verbindung mit Gold stehen.“, meinte Smaug nun, seine spottenden Augen auf Thorin verweilend.
Eine lange Stille folgte, und es juckte Bilbo unter den Schuppen, zu wissen, was dort oben geschah. Er hörte nur das Rasseln von Smaugs Schuppen, als der Feuerdrache seinen Kopf zufrieden neigte. Zudem konnte er das schwere Atmen der Zwerge hören, und ihre schnellen Herzschläge.
Doch er konnte nicht sehen, wie der Schock Thorins eiskalte Maske zerstörte und wie die Realisation Thorins Augen weitete.

„Was hast du mit Bilbo gemacht?“, wisperte der Zwerg entgeistert.
Der pure Schmerz in Thorins Stimme schmerzte Bilbo mehr als die Pfeilwunde. Seine grasgrünen Augen weiteten sich und er grollte wehleidig, als er den Schmerz des Zwerges förmlich schmecken konnte.
„Ich habe ihn genutzt, um euch zu manipulieren. Damit er leiden muss!“, lachte Smaug selbstzufrieden und bewegte sein Hinterteil so, dass sein Schwanz sich um Bilbo schlängelte und ihn langsam, aber sicher bedrängte.
„Oh nein...“, murmelte Balin, der es natürlich als Erster verstanden hatte und den kleinen Drachen in dem Gold entgeistert anschaute.

Bilbo kämpfte sich auf seine Beine und suchte Halt in dem losen Gold. Das Hinterbein, welches neben dem Pfeil lag und taub vor Schmerzen war, zitterte unkontrolliert und mit einem leisen Quieken verlor er sein Gleichgewicht, als das Zittern des Beins Gold löste und er unter dem lawinenartigen Rutsch zusammenklappte. Sein zierlicher Körper prallte gegen Smaugs Schwanz, der ihn vor einem längeren Sturz bewahrte.

„Du hast ihn in einen Drachen verwandelt?“, fragte Thorin ungläubig und schaute auf den kupferfarbenen Drachen zu Smaugs Füßen hinab.
Nun konnte er auch Bilbo in dem kleinen Drachen erkennen, die Haltung des Körpers, der Ausdruck in den Augen und die Art, wie er versuchte, von Smaug wegzukommen und seine Wunden zu lecken.

„Ich habe nur seine Gestalt verändert. Auch wenn vielleicht ein paar neue Instinkte hinzugekommen sind, seine Seele, seine Gedanken und sein Herz sind noch immer die seinen.“, schnaubte Smaug und betonte dabei besonders das Wort Herz. Thorin warf dem Drachen einen tödlichen Blick zu, doch Smaug ließ sich selbst von Thorins perfektionierten Todesblick nicht beeinflussen.

Bilbo stand währenddessen wieder auf, stabilisierte sich dieses Mal aber mit seinen Flügeln. Er schaffte es sogar, einigermaßen elegant auszusehen, trotz seiner Wunde.
„Bilbo?“, rief Bofur fragend nach ihm, in seiner Stimme eine Sorge und Sänfte, die Bilbo so noch nie an Bofur gesehen hatte, nicht einmal, als der Zwerg sich Sorgen um seine Brüder gemacht hat.
Er öffnete seine Schnauze, um dem Zwerg zu antworten, doch wieder legten sich Smaugs unsichtbare Klauen um seinen Hals und schnürten ihm abrupt die Luft ab.
Entrüstet grollte er. Hass flammte in ihm auf und er schnappte nach Smaug.
Der Feuerdrache ließ nur einen amüsierten Laut hören und schlug dann mit seiner Schwanzspitze nach dem kleineren Drachen.
Die Wucht kam unerwartet, und er wurde mehrere Meter weggeschleudert.

Die Zwerge, die nun auch alle realisiert hatten, dass Bilbo der Drache war, riefen dem gewaltigen Feuerdrachen Verwünschungen entgegen und wollten das kleinste Mitglied ihrer Gruppe instinktiv verteidigen.
Bilbo rappelte sich schnell wieder auf, schüttelte seinen Kopf und fixierte sich voll und ganz auf den größeren Drachen, der ihn in diese Situation befördert hatte und nun seine Zwerge so verspottete.

„Leider ist mein Plan nicht ganz aufgegangen und ihr habt dem Dieb leider nicht genug Schmerzen zubereitet, also muss ich wohl zu einem anderen Plan greifen...“, verkündete Smaug nun und schaute die Zwerge mit aufflammenden Augen an.
Mit einem eisigen Gefühl des Horrors sah Bilbo, wie Smaugs Brust in den Farben seiner tödlichen Flammen aufglühte. Wie von allein spreizten sich seine neuen Flügel, als das Glühen in Smaugs Brust gefährlich schnell nach oben stieg und der Feuerdrache sein Maul aufsperrte, um seine Zwerge zu verbrennen.
Völlig überstürzt und tollpatschig stolperte er nach vorne und schlug hektisch mit seinen Flügeln. Er hatte nur eines im Sinn:
Seine Zwerge vor dem sicheren Tod bewahren.

Er wusste nicht, wie er es geschafft hatte, aber er flog tatsächlich rechtzeitig vor Smaugs Schnauze, um die Flammen aufhalten zu können.
Seine scharfen Klauen gruben sich zwischen Smaugs Schuppen und so hielt er seinen Körper vor die Schnauze, Flügel eng an den Körper gepresst und Augen fest geschlossen.
Die Flammen, die aus dem Schlund des Drachen schossen, der so ewig unter dem Berge gehaust hatte, brannten höllisch an seinem Bauch und streichelten mit unerträglicher Hitze über seine Schuppen.
„Bilbo!“, brüllte Thorin auf, als er bemerkte, dass nicht er und seine Zwerge von den Flammen getroffen wurden, sondern Bilbo.

Smaugs Flammen stoppten wenige Herzschläge später, nachdem er auch den Körper an seiner Schnauze gespürt hatte. Entrüstet brüllte er auf und sprang zurück. Bilbo hatte schon losgelassen und fiel nun zu Boden, die Augen geschlossen und die Schuppen schwarz vom Ruß des Feuers.

„Fässer, hast du gesagt, Dieb? Die Menschen der Seestadt besitzen viele Fässer! Mein Plan wird sich wohl nun dorthin verschieben, wenn ihr hier nur Widerstand leistet! Dann werde ich meine Rache an euren Freunden in der Seestadt ausleben!“, brüllte Smaug, sein riesiger Körper vibrierend von Wut. Die Zwerge erstarrten bei den Worten des Drachen, doch sie konnten nichts dagegen tun. Der mächtige Feuerdrache wandte sich ab und wütete in Richtung des Haupteingang des Erebor.
Das Bersten von Stein in der Ferne hallte durch die gesamten Hallen des Erebor, und schon bald vernebelte in den oberen Geschossen des Berges Staub des zerstörten Steins die Luft.

Erst als Smaugs Toben verstummte und sein entrüstetes Brüllen in der Ferne verhallte, trauten sich die Zwerge näher an den kleinen, reglosen Drachen heran.
Thorin führte seine Zwerge zu Bilbo, vorsichtig und mit gezückter Waffe. Auch wenn es scheinbar Bilbo war, der in einem Drachenkörper eingesperrt wurde und dieser Drache sie gerade vor Smaugs tödlichen Feuer gerettet hatte, es war immer noch ein Drache mit verdammt scharfen Krallen und blitzschnellen Reaktionen. Ein gefährlicher Killer.

„Bilbo?“, fragte Thorin mit weicher Stimme.
Der kleine, bronzene Drache regte sich nicht.
Hatten Smaugs Flammen Bilbo etwa getötet?
Der Bilbo-Drache hatte keinen äußerlichen Schaden gezeigt, und Thorin vermutete, dass das Feuer ihm auch nicht schaden konnte. Von Drache zu Drache hatte Feuer noch nie Wirkung gezeigt, zumindest nach den Aufzeichnungen, die er gelesen hatte.

„Das war verdammt heiß.“, grollte eine warme Stimme, die die Zwerge nur zu gut kannten. Sie war etwas verfälscht, etwas breiter und tiefer als Bilbos normale Stimme, doch man konnte den Hobbit daraus identifizieren.
Erleichtert seufzte Thorin, als der Drache sich aufsetzte und zischte, als er sein Hinterbein belastete. Bis auf die Pfeilwunde an seiner Seite konnte mein keine anderen Wunden erkennen, auch keine Verbrennungen. Bilbo war tatsächlich immun gegen Smaugs Flammen gewesen.
„Jetzt verstehe ich, warum Drachenfeuer stärker als normales Feuer ist.“, schnaufte Bilbo und drehte seinen langen Kopf so, dass ein grasgrünes Auge Thorin anstarren konnte.
„Ihr wurdet nicht verletzt?“

Die Frage des Drachen stand lange in der Stille der Schatzkammer, bevor Kíli sie unterbrach.
„Bilbo, es tut mir so leid, ich wusste ja nicht, dass du es warst!“, entschuldigte sich der junge Zwerg und schaute den Drachen mit verzweifelten Augen an. Bilbo richtete sein Auge auf den brünetten Zwerg.
Ein belustigtes Schnauben entwich ihm.
„Ich nehme es dir nicht übel, und euch allen nehme ich eure Reaktion erst recht nicht übel. Ihr konntet es ja nicht wissen.“, meinte er, seine Stimme weich und in den Augen unerwartet viele Emotionen. So viele Emotionen und Gefühle würde man bei einem Drachen nicht erwarten. Doch es war Bilbo, was hätten sie erwarten sollen?

„Und Kíli, denkst du etwa, ich würde dir deine Stoppeln vom Gesicht brennen, weil du mich verletzt hast? Nein, so bin ich nicht, auch als Drache nicht.“, kicherte Bilbo mit rauchiger Stimme.

Kílis Augen weiteten sich, bevor er sie zusammenkniff und Bilbo einen tödlichen Blick zuwarf.
„Freche Schlange...“, grollte der Neffe Thorins.
Er hätte es besser nicht gesagt.

Instinkte griffen bei Bilbo über und er drehte seinen gesamten Körper so schnell um, dass Kíli gar nicht reagieren konnte.
Wut brannte in grünen Flammen in seinen Augen und dünne Rauchfahnen stiegen aus seinen Nüstern auf.
„Wie hast du mich gerade genannt, Wurm?“, fauchte er, die Lippen über die Zähne gezogen und die Dornen und Hörner drohend aufgestellt, so wie das Fell bei einem Wolf, der droht.
Kíli wich zurück. Von einem Moment auf den anderen war Bilbo von einem sanften Drachen zu einem gefährlichen Drachen geworden. Er stellte nun eine sehr große Gefahr dar.

Kíli wurde zur Seite gestoßen und ein größerer Zwerg mit schwarzen Haaren schob sich vor Bilbo, die Schwertspitze direkt zwischen seine Augen gerichtet.
Bilbos wütender Blick konzentrierte sich nun voll und ganz auf Thorin, und Thorin zuckte nicht ansatzweise zurück. Wer ihn gut kannte, konnte die unsichere Haltung seiner Schultern erkennen, doch ansonsten zeigte er keine Anzeichen von Unsicherheit und trotze dem vor Wut brodelnden Drachen ohne sichtbare Furcht.
„Wenn du meinen Neffen noch einmal so bedrohst, schlitze ich dir deinen mickrigen Hals auf.“, knurrte Thorin.

Bilbos Pupillen weiteten sich bei diesen Worten und er wich langsam zurück. Schmerz spielte sich auf seinen Zügen ab und er senkte seinen Kopf.
Thorins Worte hatten die Flammen seiner Wut sehr effektiv gelöscht und stattdessen mit einem Schmerz ersetzt, der vom Herz ausging.
Er schnaubte leise, stolperte einige Schritte zurück, weg von seinen Zwergen.  
Er brauchte Abstand, um diese Worte und die Drohung dahinter erst einmal zu verdauen.

Schlitternd und humpelnd arbeitete er sich seinen Weg durch die Mengen an Gold, folgte dem Zug frischer Luft, um einen tiefen Atemzug dieser Luft zu nehmen und damit seine gereizten Nerven und sein verletztes Herz zu beruhigen.
Die Zwerge folgten ihm nicht, doch er hörte ihr nervöses Gemurmel, als er sich langsam entfernte.
Ob sie Thorin zustimmten oder sich über die Worte ihres Anführers aufregten, Bilbo wusste es nicht.
Er wollte es auch gar nicht wissen.

-


Auf einer zerborstenen Säule im Berg saß ein verrußter Schatten.
Ein Schatten mit traurigen, grünen Augen.

Selbst als er die Rufe seiner Kameraden vernehmen konnte, kam er nicht aus seinem Versteck hervor.
Auch als er den Todesschrei eines mächtigen Drachens hörte, juckte es ihm nicht unter den Krallen, wieder ans Tageslicht zu treten.
Und als eine verzweifelte Entschuldigung durch die unendlichen Gänge des Erebors hallte, regte sich der kleine Drache auch kein bisschen.

Erst wenige Stunden später kam er wieder zu seinen Sinnen und starrte nicht mehr blind Löcher in die Luft.
Langsam bewegte er sich und zuckte zusammen, als er die Flügel auf seinem Rücken spürte.

Smaug war gestorben, er hatte seinen letzten Schrei hören können.
Und trotzdem befand er sich immer noch in der Form eines Drachens.
Dieser verdammte Feuerdrache hatte ihn mit einem solch starken Fluch belegt, dass der Fluch ihn auch nach dem Tod von Smaug noch plagte.
Als ihn diese Realisation wie ein Schlag ins Gesicht traf, sprang er auf und brüllte seine Frust hinaus in die Weiten des Berges.  

Die Zwerge wurden so auf ihn aufmerksam.
Zuvor waren sie auf einem der zerstörten Balkone des Erebor gewesen und hatten Smaugs Zerstörung der Seestadt angeschaut. Als der Drache gefallen war, hatten sie sich gefreut, sich dann aber auch aufgemacht, um ihren Hobbit zu suchen.
Und als sie nach ihm riefen und Thorin in einem Anfall von Reue Entschuldigungen brüllte, da ertönte das Brüllen eines Drachen nicht unweit von dem Flur, den sie gerade durchsuchten.

Thorin rannte zuerst zu der Quelle des Geräusches.

Bilbo schaute auf die Neuankömmlinge herab. Seine Flügel waren gespreizt und seine Beine waren angespannt, er war zum Absprung bereit.
„Bilbo?“, rief der schwarzhaarige Zwerg, an den er sein Herz verloren hatte und von dem er sich das Herz regelmäßig brechen ließ. Die blauen Augen des Zwerges suchten die Halle ab, in der Bilbo ruhte. Natürlich konnte er nicht finden, die Zwerge suchten in ihrer Naivität natürlich nicht die zertrümmerten Höhen der Halle ab.
Wer erwartete denn schon, dass sich ein Drache in hohen Plätzen aufhielt? Drachen hatten ja keine Flügel, die sie an hohe Plätze befördern könnten.
Nein, so dachte kein Zwerg.
Zwerge waren einfach nur lächerliche Kreaturen mit einem Gehirn, dass nur zum Kämpfen und nicht zum Denken geschaffen wurde.

Diese abfälligen Gedanken waren instinktive Gedanken, die mit einem unerwarteten Gefühl des Hasses kamen.
Er vermutete, dass dieser Instinkt von den Instinkten des Drachen kam, denn Drachen verabscheuten alle Völker Mittelerdes, aber die Zwerge schienen doch noch das verhassteste Volk unter den Drachen zu sein.

„Bilbo?“, rief Balin nun, als er den Raum überblickt hatte und keinen Drachen erblickt hatte.
Bilbo verdrehte nur seine Augen und sprang ab, stabilisierte seinen Fall mit seinen Flügeln und glitt mehr oder weniger elegant durch die Luft und landete stolpernd vor den Zwergen, die nun alle in den Raum geströmt waren.

Die Zwerge betrachteten ihn nervös.
Bilbo war auch als Drache schmal und nicht sonderlich groß. Er überragte die Zwerge nur um ein kleines Stück und war auch nur um ein geringes Stück breiter als sie.
Muskeln konnte man unter den Schuppen kaum erkennen, nur wenn er sich bewegte, spielten die Muskeln unter der dünnen Schicht der Schuppen.
Seine Flügel waren breit und elegant geschwungen und sein Schwanz war lang und mit stumpfen Dornen besetzt.
Seine Vorderbeine waren wesentlich kürzer und schmaler als seine Hinterbeine, sodass er eigentlich auf seinen Hinterbeinen stehen könnte und seine Vorderbeine auf andere Weise nutzen könnte, zum Beispiel zum Kämpfen.
Seine Vorderfüße waren auch eher wie Hände geformt, zwar hatten sie nur drei Zehen mit scharfen Krallen, aber sie waren schmaler und länger als die Zehen der Hinterfüße. Zudem waren sie auch beweglicher.
Nur war jetzt sein Hinterbein verletzt, er konnte nicht sein gesamtes Gewicht auf seine Hinterbeine verlegen, da es sonst schmerzen würde. Also stütze er sich auch noch auf seine kürzeren Vorderbeine.
Dadurch war sein Hinterteil mehr oder weniger in die Luft gestreckt.
Seinen Kopf musste er dadurch auch tiefer halten, sonst würde sein Nacken von dem langen in die Höhe halten des Kopfes schmerzen.

„Ich habe meine Worte nicht so gemeint.“, brummte Thorin nun, um die unangenehme Stille zu zerreißen. Bilbo warf ihm einen kurzen Blick zu, aus dem nichts zu lesen war, bevor er seinen aufmerksamen Blick über seine Gefährten streifen ließ.
Die Zwerge starrten größtenteils auf die unschöne Pfeilwunde in Bilbos Seite und trauten sich nicht, dem Drachen in die Augen zu schauen. Bilbo wusste nicht, warum sie nicht seinen Blicken begegnen wollten. Dachten sie, es wäre gefährlich, einem Drachen direkt in die Augen zu schauen?
„Bist du nun wieder zu stolz, um eine einfache Entschuldigung zu sagen?“, knurrte Bilbo und starrte Thorin mit intensiv leuchtenden Augen an.
Die blauen Augen des Durins wurden schmal und der grimmige Zug, den er eigentlich immer trug, legte sich wieder um seine Lippen.
„Warum denkst du, ich wolle mich entschuldigen?“, schnaubte Thorin und schaute Bilbo beinahe abfällig an. Ein kurzer Schmerz schoss durch Bilbos Brust, als er diesen Blick bemerkte.
„Ich bin nicht taub, Thorin Eichenschild, ich habe deine verzweifelten Rufe nur zu gut vernehmen können.“, meinte er mit einem humorlosen Lächeln auf seinen Lefzen. Da er als Drache keine Lippen besaß, war er sich ziemlich sicher, dass dieses Lächeln eher bedrohlich wirken würde, denn er zeigte seine Zähne, was man als Drohung deuten könnte.

Thorins Gesicht wurde blank und ausdruckslos, bevor sich eine Wärme in seine Züge schlich, die Bilbos Herz erwärmte. Ein Lächeln zupfte an den bärtigen Mundwinkeln des Zwerges.
„Auch als Drache hast du deine scharfe Zunge nicht verloren...“, murmelte Thorin mit weicher Stimme.
Bilbo wusste nicht, warum sich der Zwerg so schnell und ohne Grund gewandelt hatte, doch ihm gefiel dieser Wandel.
Ein warmes, zufriedenes Schnurren rumpelte in seiner Brust und er stieß seine Schnauze leicht gegen Thorins Brust. Zuerst reagierte der Zwerg nicht und verspannte sich, doch dann ließ er seine Hand langsam zu Bilbos Kinn steigen und kratzte ihn leicht zwischen den Dornen, die sich dort befanden.
Das Schnurren wurde lauter und vibrierte durch Bilbos gesamten Körper. Seine Nüstern waren geweitet und er atmete Thorins Geruch ein, während er die gesamte Länge seines Kopfes gegen die Brust von Thorin drückte und sich dem wundervollen Streicheln des Zwerges hingab.

„In dem Drachen steckt tatsächlich mehr Bilbo als Drache!“, rief Kíli und Fíli prustete laut los.
Bilbo drehte seinen Kopf nur so, dass die restliche Gemeinschaft in sein Sichtfeld trat, er aber immer noch von Thorin gekrault werden konnte.
Die Zwerge grinsten und kicherten und tarnten ihr Lachen als Husten, und Bilbo verstand nicht, was los war. Sein Schnurren verstummte und er legte seinen Kopf so schief, dass er zu viel Gewicht gegen Thorin drückte und der Zwerg nach hinten stolperte. Die anderen Zwerge lachten nun noch lauter und Bilbo verstand die Welt nicht mehr.

Wenn er nur gewusst hätte, dass die Zwerge seinen Hang zum Kuscheln und Umarmen gemeint hatten, dann wäre er sicherlich verschämt zurückgesprungen.

-


Er hatte sich abseits der Zwerge zusammengerollt und leckte nun seine Wunde. Óin hatte den Pfeil skrupellos entfernt und wollte dann eine Paste auftragen, doch der Drache war mit Bilbo durchgegangen und er hatte sich gegen die fixierenden Griffe der Zwerge gewehrt, bis sie ihn losgelassen hatten und er sich zurückziehen konnte.
Erst als er sich sicher war, dass die Wunde gereinigt war und nicht mehr blutete, legte er seinen Kopf auf den Boden und beobachtete die Gemeinschaft mit aufmerksamen Augen.
Sie hatten den Schutt aus der Mitte des Raumes geräumt und ihn einigermaßen gesäubert, sodass sie dort ihr Lager aufschlagen konnten und ihre Bettrollen ausbreiten könnten.
Irgendein Zwerg hatte Holz auftreiben können und nun brutzelte ein gemütliches Feuer in der Mitte der riesigen Halle. Über dem Feuer kochte Bombur gerade ihre letzten Vorräte an reichhaltigen Essen, sozusagen als Festessen, immerhin gehörte der Erebor wieder den Zwergen, Smaug war gestürzt und konnte den Berg nicht mehr terrorisieren.

Bilbo drehte sich auf seine gesunde Seite und streckte seine Beine aus, sortierte seine Flügel und rollte sich, nachdem er seine Flügel nicht mehr unter seinem Körper einquetschen konnte, fast auf seinen Rücken und seufzte zufrieden, als sein empfindlicher, schuppenloser und somit eigentlich nackter Bauch nicht mehr auf dem kalten Steinboden lag.
Kaum war sein Bauch wieder einigermaßen warm, döste er auch schon ein. Er hatte nicht realisiert, wie müde er eigentlich gewesen war.
Während sein Körper sich ausruhte und seine Gedanken langsam ruhiger wurden, hörte er aber immer noch die Zwerge dumpf im Hintergrund reden. Zwar verarbeitete er die Worte nicht, aber er nahm sie doch noch wahr.

„Schaut nur, wie unser dramatischer Drache dort liegt!“
Bilder von drei verspielten Jungzwergen tauchte in seinem verschlafenen Kopf auf. Der Drache in ihm war eher auf den Zwerg mit den goldenen Haaren fixiert, doch Bilbo würde alle drei Zwerge gleichzeitig betrachten und eine Art Liebe für sie empfinden.
„Wie niedlich!“
Ein Zwerg mit einem lächerlichen Hut, ein Zwerg mit einer Axt im Kopf und ein runder Zwerg. Der Drache beäugt sie abfällig, Bilbo betrachtet sie mit Zuneigung.
„Eher eine Katze als ein Drache.“
Glatzköpfiger, tätowierter Zwerg mit einer Schwäche für Kekse, neben ihm ein weiser, alter Zwerg. Bilbo zuckte vor dem Glatzkopf zurück, wurde aber warm durch Zuneigung bei dem Anblick des alten Zwerges. Der Drache verdrehte bei beiden Zwergen die Augen.
„So hat mein kleiner Gimli früher auch immer gelegen.“
Vier Zwerge, allesamt älter und starke Krieger. Bilbo lächelte bei dem Gedanken an sie, der Drache fauchte nur genervt.

Und dann war da das Bild eines starken Zwerges, schwarze Haare, kurz gehaltener Bart und blaue Augen, die undurchdringbar schienen.
Sowohl Bilbo, als auch der Drache in ihm zeigten keine deutliche Reaktion zu dem Bild dieses Zwerges.
Er hatte ihnen beiden die Sprache verschlagen.

Bilbo schreckte aus seinem Halbschlaf hoch und sprang eher schlecht als recht auf alle vier Beine. Er stolperte über seine eigenen Füße und quiekte schrill auf, als er das Gleichgewicht verlor und auf seine gesunde Seite fiel. Schnaubend ließ er seinen Kopf auf den Boden sinken.
Das war definitiv viel zu überstürztes und deswegen misslungenes Aufstehen gewesen.
Die Zwerge am Feuer lachten laut und herzhaft, und Bilbo war sich ziemlich sicher, dass sie sich die Bäuche hielten vor Lachen.
Er stand langsam und vorsichtig auf, achtete genau darauf, dass er nicht über seine eigenen Füße stolperte und dass er nicht wieder sein Gleichgewicht verlor. Als er dann sicher stand, streckte er sich einmal und streckte seine Kiefer weit zu einem herzhaften Gähnen auf.
Seine Zwerge lachten immer noch, und sie lachten auch noch, als er stolz zum Feuer trottete und sich neben dem Zwerg niederließ, der ihn und den Drachen in ihm so beeindruckte.

„Hallo, du eleganter Drache.“, begrüßte Thorin ihn. Bilbo schnaubte nur und legte seinen Kopf in Thorins Schoß.
So wie schon bei der Berührung an seiner Brust von vorher, verspannte sich Thorin wieder, bevor er sich entspannte und Bilbo vorsichtig streichelte.
Die rauen Finger strichen ungewöhnlich sanft über die warmen Schuppen in seinem Gesicht, strichen über die geschlossenen Augenlider und zogen die Linien der Hörner in seinem Nacken nach.
Zwar kratzte ihn Thorin nicht wie vorhin so gekonnt an den Stellen, die er genoss, doch er erkundete den Drachen mit seinen Fingern, und das ließ eine angenehme Wärme in seiner Brust aufblühen. Er schnurrte tief und rieb sein Gesicht gegen den Stoff von Thorins Hose, sog den Geruch des Zwerges tief ein und entspannte sich immer mehr.
Auch wenn der Boden unter seinem Bauch trotz des Feuers immer noch kühl war, ließ er sich daran nicht stören, immerhin hatte er den Zwerg, den er insgeheim begehrte, neben sich.
Mehr benötigte er gar nicht.

„Wie schon gesagt, eher Katze als Drache.“, brummte Dwalin und betrachtete Thorin, der wiederum Bilbo betrachtete.
Bilbo streckte nur seine Zungenspitze raus, während er Dwalin beäugte. Der glatzköpfige Zwerg verzog seine Lippen zu einem hämischen Grinsen, und Bilbo verdrehte nur seine Augen. Er hatte ihn nie verstanden und er wollte Dwalin auch nicht verstehen.
Er hatte schon mit Thorin ein Rätsel von einem Zwerg, und das reichte ihm auch. Über ihn machte er sich schon genug Gedanken und zerbrach sich den Kopf, da würde ein weiterer rätselhafter Krieger ihm nicht guttun.

„Hat jemand von euch etwas Wasser übrig, um den Ruß von dem Drachen zu waschen?“, fragte Thorin plötzlich und Bilbos Kopf schnellte hoch, als er den Begriff Wasser vernahm.
„Wasser?“, rief er und sprang schneller auf, als die Zwerge erwartet hatten. Kaum sah Dwalin den panischen Ausdruck in den Augen des Drachen, fing er laut an zu lachen. So laut, dass es Bilbo unter die Schuppen fuhr und seine Knochen zum vibrieren brachten.
„Ich habe doch gesagt, er ist mehr Katze als Drache!“, wiederholte der mächtige Glatzkopf seine Aussage zum dritten Mal, nachdem er wieder Luft bekam und sein lautes Lachen verstummt war.
Bilbo fauchte und grub die scharfen Krallen seiner Vorderfüße in den Stein des Bodens. Das knirschende, beinahe quietschende Geräusch tat nicht nur in Bilbos Ohren weh, sondern auch in den Ohren der Zwerge, denn sie stöhnten auf und warfen Bilbo wütende Blicke zu.

Bilbo hatte nicht bemerkt, wie sich zwei Zwerge von dem Lager entfernt hatten, während er panisch Thorin anbettelte, dass er ihn nicht mit Wasser putzen sollte, und er bemerkte auch nicht, dass sie nicht da waren, als er langsam wieder zur Ruhe kam und sich in Thorins Nähe legte und die Augen schloss.
Er vertraute Thorin, dass er ihn nicht mit Wasser waschen würde. Also konnte er auch ohne Sorge kurz die Augen schließen und den Zwergen zuhören, wie sie ungewöhnlich leise ihren Alkohol einnahmen und einander Geschichten von Erebor erzählten.

Es war ein Fehler gewesen, Thorin zu vertrauen.
Gerade drifteten seine Gedanken in gemütliche, schläfrige Gebiete ab, und so bemerkte er nicht die Zwerge, die sich hinter ihm anschlichen.

Eiskaltes Wasser ergoss sich über die ganze Länge seines Körpers und zischend sprang er auf, breitete instinktiv seine Flügel aus und schüttelte sich die perlenden Tropfen des Wassers ab.
Wütend fuhr er herum und starrte die Zwerge an, die ihm das Wasser über den Kopf geschüttet hatten.
Mehr Wasser ergoss sich auf seinen Kopf und mit einem erstickten Brüllen stolperte er zurück, schüttelte sich das Wasser von den Schuppen und schaute Ori und Fíli mit vor Wut glimmenden Augen an. Die beiden jungen Zwerge schüttelten sich vor Lachen und hatten einen von Bomburs Kochtöpfen, den sie scheinbar mit dem schrecklichen Wasser gefüllt hatten, fallen lassen.

Fauchend baute er sich vor den Zwergen auf. Seine Flügel spreizte er so sehr, dass er das Ziehen der Muskel spüren konnte.
Doch nun begab er sich auch das erste Mal in die Position, für die sein Körper gebaut worden war. Er richtete sich auf seine Hinterbeine auf und hob seine Vorderbeine vom Boden ab, sodass sie wie zwei Vorderarme wirkten. Seine Vorderfüße begaben sich sofort in eine Position, die sie wie Hände wirken ließ. Nur besaß diese nur drei Finger und war wie eine Klaue geformt.
Seinen Hals konnte er nun wie einen Schwanenhals halten, und dadurch, dass sein Kopf nun so weit oben lag, wirkte er gleich doppelt so groß.

„Bilbo.“, rief Thorin warnend, als der Drache sich vor seinem Neffen und dem jüngsten Schützling ihrer Gemeinschaft aufbaute und ihnen scheinbar drohte.
Bilbo drehte seinen Kopf zu Thorin, sein Maul durch ein Fauchen leicht geöffnet und die Schnauze gerümpft, sodass die scharfen Zähne des Oberkiefers entblößt lagen. Die Wassertropfen, die von seinem nun schon etwas grob gesäuberten Schuppen fielen, leuchteten in den Farben seiner Schuppen.
„Komm her, wir können dich abtrocknen.“, versprach er mit warmer Stimme und Bilbo schien aufzuhorchen, die spitzen Ohren hinter den Hörnern aufmerksam gespitzt.
Es war Thorin noch nicht aufgefallen, aber Bilbo hatte tatsächlich Ohren hinter seinen Hörnern, die wie seine Hobbitohren spitz waren und so niedliche, runde Muscheln hatten.

„Woher weiß ich, dass ich euch Wasserzwergen vertrauen kann?“, knurrte Bilbo und fiel zurück auf seine Vorderbeine, da sein Hinterbein langsam protestierte. Seine Flügel faltete er langsam zusammen und wandte sich mit dem Schnippen seiner Schwanzspitze von den Jungzwergen ab.
„Du kannst den älteren Zwergen von uns vertrauen.“, meinte Thorin und schenkte Bilbo ein verschmitztes Lächeln. Er schnaubte nur und legte sich vor den Zwergen hin, um von ihnen abgetrocknet zu werden. Sie trockneten ihn mit ihren kaputten Klamotten ab, da diese nicht mehr ansatzweise reparierbar waren und die Funktion als Drachenabtrockner gut erfüllen würden.
Währenddessen legte Bombur den Kochtopf mit den Resten des Festessens vor die Schnauze des Drachen. Bilbo leckte die Überreste erfreut aus und genoss die Geschmacksexplosion auf seiner empfindlichen Zunge.
Doch so sehr er sich am Essen erfreute, die Zwerge konnten seine Freude so schnell zunichte machen.

„Mahal, du bist rußiger als der ganze drachenverseuchte Berg zusammen!“, grollte Dwalin, der Bilbos unverwundete Seite trocken rubbelte und dabei kreative Flüche hören ließ.
„Drachen verseuchen nichts.“, knurrte Bilbo und die Dornen, die auf seinem Rücken verliefen, richteten sich drohend auf. Sie wirkten wie das Fell bei einem drohenden Wolf, es richtete sich auch auf, wenn er denn mal drohte.
„Ruhig, Feuerspucker.“, brummte Dwalin und schrubbte einen fiesen Fleck Ruß an Bilbos Front weg.
„Hast du mich denn überhaupt Feuer spucken sehen? Sehe ich so aus, als wäre ich dazu in der Lage?“, schnaubte er abfällig und legte seinen Kopf auf den Boden.
„Du bist ein Drache, die speien nun einmal Feuer.“, grollte Dwalin und kratzte so heftig über den Flecken Ruß, dass Bilbo zusammenzuckte und einen scharfen Laut von sich gab.
„Es gibt auch Kaltdrachen, die spucken kein Feuer. Die können aber auch Zwerge vernichten. Im Dritten Zeitalter war es ein Kaltdrache, der euren König Dáin I. vernichtet hat!“, knurrte Bilbo. Woher er auch immer diese Informationen herhatte, als Hobbit hatte er das nicht gewusst. Wahrscheinlich war es eine Art Drachengrundwissen, die Smaugs Fluch ihm verliehen hatte?

Die bleierne Stille, die sich wie ein stickiger Mantel über den Raum legte, nahm er kaum wahr.
„Bilbo...“, wisperte Thorin. Bilbo öffnete seine Augen und drehte seinen Kopf leicht in Richtung seines Zwerges. Und erst da fiel ihm die Stille auf.
„Du hast gerade ein sehr sensibles Thema angesprochen.“, meinte Thorin mit einem steifen Unterton in seiner Stimme. Als Bilbo den Schmerz eines Verrates in Thorins sonst so schönen Augen sehen konnte, zuckte er zusammen und sackte in sich zusammen.

„Es tut mir leid...“, murmelte er und ließ seinen Kopf mit fest zusammengekniffenen Augen auf dem Boden liegen. Der kleine Drache wartete auf die Bestrafung seiner Zwerge.
Der Drache in ihm brüllte aufgebracht gegen diesen Gedanken an, doch der Hobbit war vom Anfang der Reise mit der Gruppe an Zwergen ebendiesen Zwergen unterworfen gewesen und hatte sich ihren Befehlen unterstellt.
Er hatte nur ihre Anerkennung gewollt, und jetzt langte er nach ihrer Liebe.
Und mit den Stimmungsschwankungen des Drachen und den schnappenden Kommentaren, die verletzend auf die Zwerge wirkten, stand die Liebe der Zwerge oder dem einen gewissen Zwerg nicht mehr in guten Sternen.
Ein schwaches Winseln entwich ihm.

Eine warme Hand strich über seinen Rücken und kratzte mit einem angenehmen Druck über die dünnen Schuppen neben den Dornen, die auf seiner Wirbelsäule verliefen.
Sterne tanzten vor seinen Augen und er keuchte auf, als Hitze durch seine Nerven schossen und sein Magen und seine Brust sich mit Wärme füllte. Seine Krallen gruben sich in den Boden und ein ersticktes Schnurren grollte in seinem Hals auf.
„Du konntest es doch nicht wissen.“, murmelte Thorin so leise, dass es wahrscheinlich nur Bilbo gehört hatte. Zufrieden schnurrte er, als Thorin weiterhin die Stelle kratzte, die er so genoss.

Er drehte sich auf seine Seite und bot seinen Bauch an, und Thorin kam dem Angebot ohne Zögern nach.
Der Zwerg konnte unglaublich geschickt mit seinen Händen arbeiten. Der Gedanke hätte Bilbo normalerweise die Röte ins Gesicht getrieben, doch es war die Wahrheit. Thorin fand immer genau die Stellen, die Bilbo äußerst genoss.

Er schlief ein, während der Zwerg seinen Bauch kratzte und ihn verwöhnte.
Wer konnte es ihm verübeln?
Er war immerhin von einem Drachen verflucht worden, wurde von seinen Zwergen verletzt, hatte sich vor die tödlichen Flammen des Drachen geworfen und wurde von Zwergen ausgelacht.
Er hatte es sich verdient, zu schlafen.

-


Mit gefährlicher Stimme hatte das Gold nach ihm gerufen und verführerisch in seine Ohren gesungen.
Es hatte ihn mit seinem endlosen Singsang umworben und seinen Kopf vernebelt.

Es hatte Gier in seine Augen gezaubert und eine Sucht in ihm ausgelöst, die ungesund wirkte.
Das Gold war sein, und er würde es keinen anderen berühren lassen!

Erst, als er einen Zwerg seiner Gemeinschaft anfiel, rüttelte sich der vom Gold betäubte Hobbit in ihm wach und brachte den Drachen zur Ruhe.

Mit geweiteten Augen starrte er auf den Zwerg mit den schwarzen Haaren hinab, der blutend vor seinen blutrot glänzenden Klauen lag.
Keuchend, röchelnd und spuckend lag Thorin vor ihm, die Brust von scharfen Krallen aufgerissen. Blut strömte unaufhörlich aus der tiefen Wunde und verzweifelt musste Bilbo zusehen, wie der Zwerg um sein Leben rang.

Ein rasselndes Stöhnen entwich Thorin, bevor sein Kopf mit leicht geöffneten Mund zur Seite fiel und seine stumpfen Augen sich auf Bilbos Krallen richteten.
Die Krallen, die ihn umgebracht hatten.

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Albträume wie diese verfolgten Bilbo nun seit mehreren Monden, und er kam immer noch nicht über sie hinweg.
Nachdem er einen solchen Traum das erste Mal gehabt hatte, hatte er Thorin und sich von der Schatzkammer ferngehalten. Auch wenn der Drache in ihm immer wieder von dem Gold gelockt wurde und er mit gierigen Augen in Richtung Schatzkammer glitt, traute er sich keinen Schritt in das verseuchte Gold hinein.
Die Träume prägten ihn und er traute seiner Selbstkontrolle nicht.
Immer wieder brannte sich das Bild eines sterbenden Thorins in seinen Kopf ein, wenn er den Zwerg sah.

Doch nicht nur die Albträume waren seine einzige Sorge, denn nachdem die Eroberung Erebors bekanntgegeben wurde, strömten Zwerge in Mengen zurück in ihren Berg und halfen bei dem Wiederaufbau ihres Königreiches.
Bilbo traute sich nicht, den fremden Zwergen vor die Augen zu treten. Er wusste, wie Zwerge zu Drachen standen, immerhin hatte er eine Narbe am Bein, die ihn immer wieder daran erinnerte.
Zwar hatte Thorin den Zwergen schon verkündet, dass der Hobbit, den sie bei ihrer Reise bei sich hatten, von einem schweren Fluch von Smaug getroffen worden war und er sich nicht zeigen wollte, doch er hatte nie wirklich gesagt, dass er ein verdammter Drache war.

Er litt unter der Einsamkeit und der Enge seines Raumes.
Tagsüber kam keiner seiner Zwerge zu ihm, da sie die Bauarbeiten bewachten oder halfen. Er traute sich nicht raus aus dem Zimmer von Thorin, also lag er die meiste Zeit reglos auf einem alten, staubigen Bärenfell und versuchte, zu schlafen. Doch er hatte Angst vor den Albträumen, also hielt er sich wach.
Abends brachte Bombur ihm Essen vorbei und leistete ihm solange Gesellschaft, bis er aufgegessen hatte. Dann musste der Zwerg auch wieder in die Küche, denn er musste Mahlzeiten für die tausend Zwerge kochen, die beim Wiederaufbau halfen.
Nachts kam dann Thorin in den Wohnraum, den er sich mit dem kleinen Drachen teilte.

Der Wohnraum der Räume des Königs war so groß, dass zehn Drachen in Bilbos Länge sich problemlos ausstrecken können. Mitsamt ihres gesamten Schwanzes.
Von der Breite wollte er gar nicht erst sprechen. Und dann war da dieses wundervolle Himmelbett mit der Seide in dem Schlafzimmer von Thorin! Viel zu oft ertappte er sich dabei, wie er seinen Kopf durch die mit samtigen Vorhängen verhangene Tür steckte und sehnsüchtig auf das so weich wirkende Bett starrte.
Genauso verlief es mit der Küche, die an das Esszimmer von Thorin anschloss. Selbst wenn sie kaum intakt wirkte, trottete Bilbo öfters mit sehnsüchtig glänzenden Augen vor ihre Tür und schaute die Herde und Vorratskammern an.

Doch mehr hatte er auch nicht zu tun. Er wischte täglich mit seiner Schwanzspitze über die spröden Regale in dem Wohnraum und befreite sie vom Staub, doch mehr konnte er auch nicht machen. Außer warten.
Nachts unterhielt er sich meistens mit Thorin, doch in sehr seltenen Fällen schlich er sich auch durch Thorins Balkontür hinaus, wenn ihn der Raum erdrückte. Dann flog er ein paar Runden durch die schneidend kalte Luft, um sich auszulasten, bevor er wieder zurück zu Thorins Raum flog.
Doch dies war nur sehr, sehr selten der Fall, und wenn, dann hatte er immer fürchterliche Angst, dass man ihn erblicken könne.

Auch heute lag er wieder flach auf dem Bärenfell, als Thorin nach einem harten Arbeitstag in seinen Raum trat.
Thorin begrüßte den trägen Drachen mit warmer Stimme und hielt inne, als er keine Antwort bekam. Sonst würde Bilbo ihn immer zurückgrüßen und ihn dann fragen, wie es heute gelaufen ist. Doch heute schwieg Bilbo und atmete nur schwer, statt eine Antwort zu geben.
„Bilbo?“, fragte der Zwerg und trat neben den Kopf des Drachen und kniete sich hin, um auf Augenhöhe mit seinem Drachen zu können.
Schnaubend öffnete Bilbo seine schweren Lider langsam. Seine Augen waren am Rand gerötet und waren schrecklich farblos. Sie waren sehr feucht, und da Drachen nicht weinen konnten, musste es von einer Krankheit oder schlimmeren kommen.

„Geht es dir gut?“, fragte Thorin alarmiert. Bilbo schaute ihn nur träge an, bevor er rasselnd Luft holte und ein schwaches Wimmern hören ließ.
„Verdammt!“, grollte Thorin und stürmte aus dem Raum.
Den Drachen, den er hinterließ, störte die Abwesenheit des Zwerges nicht sonderlich. Aber den Hobbit störte es.

Óin und Thorin stürmten kurze Zeit später zusammen mit Fíli und Bofur in den Raum.
„Bilbo?“, fragte Thorin vorsichtig und leicht panisch, als er sah, dass Bilbo sich kein bisschen bewegt hatte. Ein leises Schnauben begrüßte ihn. Erleichtert seufzte Thorin, als er das Lebenszeichen des Drachen vernahm.
Leise erklärte Thorin Óin die Symptome, die er erkennen konnte. Óin trat danach selber neben den Drachen und hörte ohne Scheu seinen Herzschlag und seine Lungen ab, überprüfte seine Augen und Rachen und warf sogar einen Blick in die spitzen Ohren des Drachen.

„Ich bin kein Zwerg, ich bezweifle, dass du bei einer solchen Untersuchung, die du an zweibeinigen Lebewesen ausführst, bei einem Drachen zu irgendeinem Ergebnis kommen wirst.“, krächzte Bilbo langsam und röchelte danach erst einmal nach Luft.
Óin grunzte nur und tätschelte dem Drachen den Kopf.
„Er hat recht, ich konnte keinerlei Entzündungen oder ähnliches erkennen. Nur die feuchten Augen.“, grummelte Óin und kratzte sich hinterm Ohr. Thorin brummte etwas in seinen Bart und kniete sich wieder neben Bilbo.
Dieses Mal hob er Bilbos Kopf auf seinen Schoß und strich ihm sanft über seine nassen Augenlider.

„Wir brauchen Gandalf.“, knurrte Thorin nach wenigen Minuten betroffener Stille.
Zustimmende Laute der Zwerge hallten durch den Raum.

-


Der Zauberer ließ sich unglaublich viel Zeit, zum Erebor zu kommen, als er die kurze Nachricht der Zwerge erhielt, dass sie dringend Hilfe benötigten.
Als sie eine zweite Nachricht schickten, in der sie erwähnten, dass Bilbo am Sterben war, war Gandalf schneller am Erebor, als sie erwartet hatten.

Bilbos kupferfarbene Schuppen waren matt, seine grünen Augen leblos und müde.
Die Zwerge hatten ihn auf einen riesigen Haufen weicher Decken gehievt, und dort lag er nun seit beinahe einem Mond.
Er konnte nicht richtig essen und trinken, denn er hatte keinen Appetit.
Er wollte nicht reden.
Er wollte nur die Anwesenheit eines einzigen Zwerges.

Er wollte von Thorin gestreichelt werden, wollte seine Stimme hören und wollte von ihm in den unruhigen Schlaf gesungen werden.

Mehr wollte er nicht.

Als Gandalf den kleinen Drachen auf seinem Thron von Decken entdeckte, seufzte er verzweifelt und tippte die Schnauze des dösenden Drachen mit seinem Stab an. Thorin knurrte warnend, doch der Zauberer ignorierte den Zwerg mit den ausgeprägten Beschützerinstinkten einfach.
Bilbo nahm einen rasselnden Atemzug, bevor er seine Augen zur Hälfte öffnete.
„Bilbo, Bilbo, Bilbo...was hast du nur getan?“, seufzte Gandalf und kniete sich vor den Hobbit-Drachen.
Ein schwacher Laut, der etwas erleichtert und erfreut klang, entwich dem leicht geöffneten Maul des Drachen. Seine fiebrigen Augen waren auf den grauen Zauberer gerichtet und in ihnen konnte man einen Funken Hoffnung erkennen.
„Was sind seine Symptome?“, fragte Gandalf Thorin, während er seine raue, faltige Hand mit den langen Fingern über die fiebrig heißen Schuppen von Bilbos Kopf wandern ließ.

„Vor einem Monat hat er angefangen, nicht mehr auf uns zu reagieren und nur noch still auf der Stelle zu liegen. Seine Augen waren feuchter als sonst und sein Atem ging schwer, doch als Óin seine Lungen abhörte, klang alles normal. Er redete nicht mehr mit uns, aß kaum noch und schlief nur noch unruhig. Einige Tage ging es ihm schlechter, an anderen Tagen ging es ihm wiederum so gut, dass er mit uns sprechen wollte.“, zählte Thorin ohne Zögern auf und richtete seinen besorgten Blick auf den mageren Drachen. Dadurch, dass Bilbo nichts essen wollte, hatte er fürchterlich abgenommen und seine Rippen stachen stark hervor und sein Gesicht war etwas eingefallen.

„Und sag mir, König unter dem Berge, warst du den ganzen Tag bei ihm, als es ihm besser ging, und hast ihn an seinen schlechten Tagen so gut wie nie gesehen?“, fragte der Zauberer ihn und drehte sich mit schelmisch funkelnden Augen zu ihm um. Verwirrt zog Thorin seine dicken Augenbrauen zusammen und starrte Gandalf nachdenklich an.
„Als ich an einem Tag die Bauarbeiten überwacht habe und in der Schmiede geholfen habe, bin ich erst spät nachts dazu gekommen, Bilbos Gesundheit zu überprüfen, und ich dachte, dass er tot sei, als ich ihn dann gesehen habe. Den nächsten Tag habe ich ihm dann die ganze Zeit Gesellschaft geleistet, und es ging ihm tatsächlich besser.“, murmelte Thorin und kratzte sich am Kopf.

„Du hast recht, Gandalf, genauso ist es immer gewesen.“, murrte der Zwerg dann und schaute Gandalf mit hoffnungsvoll geweiteten Augen an. War das der Schlüssel zu Bilbos Heilung? Er müsste einfach nur die ganze Zeit bei ihm sein, damit sein Zustand sich verbesserte?

Gandalf lächelte schmal unter seinem Bart, bevor er mit einem Seufzen anfing, zu sprechen.
„Bilbo leidet unter einer Krankheit, die bei Drachen entsteht, wenn sie einsam sind. Vielen Drachen leiden darunter, da sie keinen Gefährten mehr finden können, weil die Drachen aussterben und die letzten Drachen sich abschotten, um überleben zu können. Drachen ersetzen ihren Gefährten mit Gold, da Gold für Drachen eine Seele hat, die wie ein Ersatz für andere Drachen wirkt. Zwar verdirbt das Gold mit seiner falschen Seele den Drachen nach und nach, doch er leidet nicht an dieser Einsamkeit. Bilbo ist einsam, da er kein Gold als Seelengefährten nehmen will.“

Thorin schaute den Drachen zu seinen Füßen mitleidig an.
„Und warum geht es ihm dann besser, wenn ich bei ihm bin?“, fragte Thorin. Bilbo schnaufte und legte seinen Kopf schwerfällig in Thorins Schoß.
„Weil du sein Seelengefährte bist.“, brummte Gandalf und ein freches Funkeln blitzte in seinen weisen Augen auf.

Thorin erstarrte und regte sich auch nicht, als Bilbo ihn mit seiner Schnauze anstieß und ein raues, besorgtes Grollen hören ließ.
„Seelengefährte?“, stammelte er und starrte Gandalf ungläubig an. Der Zauberer schmunzelte nur und neigte seinen Kopf leicht.

„So wie der Eine eines Zwergs?“, wisperte Thorin und langsam schlich sich ein glücklicher Ton in seine Stimme ein. Bilbo schnaubte erleichtert, als der Zwerg wenigstens eine Gefühlsregung zeigte, und schloss seine Augen zufrieden.
„Ganz genau, Thorin, Bilbo hat dich als seinen Einen auserwählt.“, brummte Gandalf und klopfte dem Zwerg gratulierend auf die breite Schulter.
„Ich muss jetzt also bei ihm bleiben, damit seine Krankheit schwindet?“, fragte Thorin hoffnungsvoll nach einigen Minuten von angenehmer Ruhe, in denen er sich Zeit genommen hatte, die für ihn erfreulichen Nachrichten zu verdauen. Bilbo erwiderte die Liebe, die er für ihn empfand!
„Ich kann es nicht sagen, zumindest wird er nicht daran erliegen, solange du bei ihm bist.“, murmelte Gandalf und warf Thorin einen düsteren Blick unter seinen buschigen Augenbrauen zu.

-


Bilbos Situation verbesserte sich schlagartig, nachdem Thorin nur eine Woche jeden Tag und jede Nacht bei ihm war. Er redete wieder mit leiser und angeschlagener Stimme, aß wieder die Sachen, die Bombur ihm vorsetzte und nach der einen Woche stemmte er sich mit Thorins Hilfe auch wieder hoch und versuchte, ein paar Schritte zu nehmen.
Er war fürchterlich schwach und konnte sich auch nur fortbewegen, weil er sein stark geschrumpftes Gewicht auf Thorin stemmte und dieser ihn Schritt für Schritt führte und seine Beine setzte.
Thorin machte sogar Übungen mit ihm, die seine Muskulatur stärken sollten.
„Diese Übungen sind zwar für Zwerge konzipiert und nicht für vierbeinige Drachen, aber sie haben denselben Sinn. Nach Schlachten liegen schwerverletzte Zwerge manchmal mehrere Monate lang im Bett und dürfen und können sich nicht bewegen. Wenn sie denn langsam wieder aufstehen dürfen, müssen sie vorher diese Übungen machen, damit ihre Muskeln sich wieder an die Bewegung gewöhnen.“, hatte sein Zwerg erklärt und andächtig über die Hörner in seinem Nacken gestrichen.

Bilbo schnurrte, als Thorin ihm über die Augenlider strich und sie mit einem feuchten Lappen säuberte. Der Zwerg hatte es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Drachen immer wieder zu säubern, besonders die Gegend der Augen und im Nacken hinter den Ohren und Hörnern.
„Du willst doch ein akzeptabler Hobbit bleiben?“, neckte Thorin ihn, als er den tropfend nassen Lappen gegen Bilbos Nacken klatschte und kalte Wassertropfen an seinen empfindlichen Schuppen hinabliefen. Knurrend schüttelte er sich bei der Berührung des Wassers, reckte sich dennoch der Berührung seines Gefährten entgegen.
„Ich bin schon lange kein akzeptabler Hobbit mehr.“, knurrte er zufrieden.
Und er war auch kein Hobbit mehr.
Nur noch im Herzen.

Und von außen war er ein Drache.
„Wie ist Bilbo eigentlich zu seiner Drachenform gekommen?“, hatte Gandalf gefragt, nachdem das Thema Seelengefährte abgeschlossen war und Thorin überglücklich neben Bilbo saß und ihm unterm Kinn kratzte.
„Smaug hat ihn nach Bilbos eigener Aussage verflucht.“, hatte der Zwerg geknurrt und Bilbo hat ihm einen müden Blick zugeworfen, in dem der verzweifelte Ausdruck einer unangenehmen Erinnerung stand.
„Und selbst nach Smaugs Fall hat der Fluch gehalten? Dann war Smaug doch mächtiger, als wir alle vermutet hatten...“, hatte der Zauberer gemurrt und seine Augenbrauen nachdenklich zusammengezogen.
„Und wie soll dieser Fluch dann deiner Meinung nach aufgehoben werden?“, hatte Thorin nervös geschnaubt.
„Ich kann da nichts tun, nur Radagast kennt sich mit Flüchen aus, die Tierformen hervorrufen.“

Und mit diesen Worten war der graue Zauberer aus dem Erebor verschwunden und man empfing keine Nachricht mehr von ihm.
Bilbo hoffte einfach nur, dass Gandalf Radagast holen würde und ihn aus seiner Drachenform befreien würde.
Er wollte wieder kochen und schreiben und zeichnen können!

Nachdem Thorin ihn gewaschen hatte, machte er wieder die Übungen mit ihm und Bilbo kam sich wie schon bei den letzten Malen ziemlich lächerlich vor.
Wenigstens machte sich Thorin mit ihm lächerlich, denn nachdem sich Bilbo bei den letzten Malen geweigert hatte, die Übungen zu machen, hatte der Zwerg sie ihm vorgemacht und ihm versprochen, sie mit ihm zusammen zu machen.
Als die beiden fertig waren, war Thorin so erschöpft und verschwitzt (immerhin musste er die sowieso schon fordernden Übungen ein zweites Mal machen, da Bilbo vier Beine hatte, die versorgt werden mussten), dass er erst einmal ein Bad nehmen wollte.

Bilbo verfolgte seine Bewegungen mit aufmerksamen Blick. Als sein Zwerg dann im Bad verschwunden war, stemmte er sich langsam auf seine Beine hoch und streckte seinen verspannten Hals in volle Länge aus.
Thorin wollte es eigentlich nicht, dass Bilbo ohne seine Aufsicht aufstand und seine ersten Schritte nach solch langer Zeit tat, doch Bilbo wäre nicht Bilbo, wenn er sich nicht gegen den Willen seines dickköpfigen Zwerges stemmen würde.

Seine Beine trugen sein Gewicht zwar nicht mehr mit der gespielten Leichtigkeit und der Eleganz, wie sie es nach seiner Verwandlung getan haben, aber sie trugen ihn, ohne zu zittern.
Und das war ein Fortschritt.

Mit unsicheren Bewegungen tapste er durch den Wohnraum von Thorins Zimmer, bis er sein schwungvolles Gleichgewicht wiedererlangt hatte und er ein paar verspielte Sprünge machte.
Seine Flügel breitete er aus, er spreizte seine Zehen und schlug vorsichtig mit seinem Schwanz um sich.
Sein Körper antwortete seinen Versuchen erfreut und ließ sich auf die elegantesten Verdrehungen ein. Er hatte keine Schmerzen und seine Beine brachen kein einziges Mal weg.

Bis auf die Unsicherheit war er beinahe ganz der alte Drache von vor zwei Monaten.

In seiner überschwänglichen Freude achtete er nicht auf mögliche Gefahren in seiner Umgebung. Er achtete nicht auf Geräusche oder Gerüche, er vertraute ganz darauf, dass keine Gefahr in die Zimmer des Königs eindringen würde.
Hätte er doch besser auf seine Umgebung geachtet.

Er bemerkte erst, dass etwas falsch war, als die Haupttür zu Thorins Räumen aufgerissen wurde und ein junger Zwerg mit aschblonden, beinahe grauen Haaren in den Raum stürmte und sich mit weit aufgerissenen Augen umschaute.
„Eure Majestät, Orks wurden in der Nähe des Berges gesichtet!“, rief der Zwerg völlig außer Atem.

Und dann erblickte er Bilbo.

Entsetzen und purer Schock breiteten sich über das gesamte bärtige Gesicht aus. Die grünen Augen des Zwerges wurden ungesund groß und er wurde schrecklich bleich um die Nase herum.
Doch der Zwerg wäre kein wahrer Zwerg, wenn er seinen Schock nicht schnell verdauen würde und sofort handeln würde.

Er packte sein Schwert und stolperte die wenigen Schritte, die er in den Raum genommen hatte, wieder rückwärts raus. Mit unglaublich lauter Stimme brüllte er seine Warnung durch den gesamten Gang außerhalb von Thorins Räumen.

Drache!“, brüllte der Zwerg und stürmte, nachdem er die Zwerge erfolgreich gewarnt hatte, denn Bilbo hörte, wie der Schrei weitergeleitet wurde, auf Bilbo zu.

Verwirrt richtete Bilbo sich auf seine Hinterbeine und breitete seine Flügel aus. Er wusste nicht, was er tat, doch der Drache in ihm handelte. Und solange der Drache ihn verteidigen würde, wäre der Hobbit in ihm zufrieden.
In der drohenden Haltung war Bilbos verletzliche Brust zwar entblößt und angreifbar, doch bevor der Zwerg zuschlagen könnte, wäre er in eine von Bilbos scharfen Vorderklauen gerannt oder wäre von den Kiefern des Drachen zermalmt worden.

Fauchend begegnete der Drache dem Zwerg und wich dem schwerfälligen Schwerthieb des wohl mit dem Schwert ungebildeten Zwerges ohne Probleme aus.
Seine Vorderklauen schlugen nach dem Zwerg, und der Zwerg sprang zurück und stürmte erneut auf ihn zu. Bei dem Ausweichmanöver stieß Bilbo gegen das alte, staubige Bücherregal in dem Wohnraum und stolperte über den Inhalt, der sich über den Boden ergoss. Heulend und knurrend versuchte er, sein Gleichgewicht wiederzuerlangen, trotzdem landete er ungeschickt auf seinem Rücken und war dem Zwerg hilflos ausgesetzt.
„Du hast den König umgebracht, du widerliches Stück Echse!“, brüllte der Zwerg und hob sein Schwert mit beiden Händen über seinen Kopf.

In der Ferne läuteten die Glocken des Warnsystems, von dem Thorin ihm vor gefühlten Ewigkeiten erzählt hatte. Die Glocken warnten die Zwerge Erebors, dass ein Drache in ihren Berg eingedrungen war.
Nur war dieser Drache schon sehr lange in ihrem Berg, sie hatten es nur nicht bemerkt.

Er sprang ohne Vorwarnung auf und warf den überraschten Zwerg mit der Wucht seines leichten Körpers um. Der Zwerg verlor in seinem Schock sein Schwert und fiel auf seinen Rücken.
Knurrend pinnte Bilbo seine Arme auf den Boden und fletschte seine Zähne genau vor der Nase des fremden Zwerges.

„Was geht hier vor sich?“
Die dröhnende Stimme seines Zwerges riss Bilbo aus seiner rasenden Wut. Er drehte seinen Kopf zu der Tür, aus der die Stimme Thorins ertönt war.
Sein Atem stockte, als er den Zwerg mit tropfend nassen Haaren und nur einem ziemlich kleinen Handtuch um seine Hüfte in der Tür stehen sah. Der Griff seiner Krallen um die Handgelenke des feindlichen Zwerges ließ nach und er richtete sich wieder auf seine Hinterbeine auf, nur um einen besseren Blick auf den Körper seines Zwerges erhaschen zu können.

„Ich dachte, dieses Biest hätte Sie umgebracht!“, rief der Zwerg, der immer noch unter Bilbo lag und sich jetzt zu seinem Schwert streckte. Er schien sichtlich verwirrt zu sein, dass Thorin den Drachen so ruhig betrachtete.
„Warum sollte Bilbo mich umbringen?“, fragte Thorin den Zwerg ruhig. Der junge Zwerg erstarrte und schaute Bilbo mit geweiteten Augen an.

Natürlich wusste der Zwerg von Bilbo, dem mutigen Hobbit, der mitgeholfen hatte, den Erebor von Smaug zu befreien.
Und natürlich wusste er, dass dieser Hobbit von Smaug verflucht worden war, da Thorin es seinen Zwergen gesagt hatte, als man nachgefragt hatte.
Und jetzt wusste der Zwerg, was mit dem schweren Fluch gemeint war.

„Hallo.“, schnaubte Bilbo und schaute den Zwerg misstrauisch an.
Das Getrampel von schweren Zwergenstiefeln hallte schon länger durch den Erebor, doch kam es jetzt immer näher an Thorins Räumlichkeiten und Bilbo fürchtete sich langsam. Das waren verdammt viele Zwerge, die dort kamen, und alle waren wegen diesem Ruf von dem Zwerg gekommen, der unter ihm lag.
Wütend knurrte er und schlich sich unsicher neben Thorin und stupste ihm vorsichtig gegen diese wundervolle breite Brust.
„Die Zwerge kommen wegen mir.“, wimmerte er und drückte seinen ganzen Kopf gegen Thorins Brust. Sein Zwerg merkte erst dann, wie sehr sich sein Hobbit-Drache fürchtete.

Er kratzte ihn liebevoll unter den Dornen an seinem Kiefer und drückte auch nicht seinen Kopf weg, sondern zog ihn noch mehr an die stabile Brust.
Bilbos Schwanzspitze zuckte noch nervös hin und her und zeugte von seiner Anspannung, doch der Rest seines Körpers entspannte sich nach und nach unter der Liebkosung seines Zwerges.
Selbst als die bis an die Zähne bewaffneten Zwerge in Thorins Räume stürmten und den Drachen erblickten, blieb er stehen und schnurrte gegen Thorins Bauch.

Er schaltete voll und ganz ab und hörte auch nicht mehr, wie Thorin seinen Zwergen erklärte, wer und was dieser Drache war und wie viel er ihm bedeutete.
Die Zwerge erzählten Thorin, nachdem sie sich von den Nachrichten über Bilbo erholt hatten, dass die Orks, weswegen dieser ganze Tumult überhaupt entstanden waren, abgezogen waren, als Erebors Warnsystem losging.

Bilbo schnaubte.

-


Tatsächlich hatte Radagast den Fluch von Bilbo lösen können.
Der braune Zauberer schien es gar nicht glauben zu können, als vor ihm plötzlich ein zierlicher Hobbit lag. Auch Gandalf schien überrascht zu sein, denn jeder Gebildete wusste, dass Drachenflüche so gut wie nie rückgängig gemacht werden konnten.

Thorin hatte Bilbo, selbst wenn er nackt gewesen war, in seinen Schoß genommen und ihn überglücklich betrachtet.
Der Hobbit selber war am schlafen gewesen, da die Rückwandlung anstrengend gewesen war.
Fasziniert hatte Thorin die Knubbel an Bilbos Schulterblättern, die von seinen ehemaligen Flügeln zeugten, berührt. Er hatte erstaunt die Schuppen unter der dünnen Haut der Lippen und an den scheinbar noch spitzeren Ohren betrachtet und hatte amüsiert gelächelt, als Bilbo seinen Mund leicht geöffnet hatte und einen verlängerten, spitzen Eckzahn entblößt hatte.
Scheinbar war der Fluch trotzdem mit Folgen geblieben, doch es war nichts verheerendes und Thorin fand es sowieso niedlich.

Und wenn Bilbo ganz ehrlich sein durfte, er fand diese Überbleibsel seiner Drachenform auch sehr schön.
Er musste sogar manchmal zugeben, dass er seine Drachenform vermisste.

Zumindest war ihm der Drache in ihm geblieben.
Die schnippischen Kommentare und seine Empfindlichkeit gegenüber Beleidigung gegen Drachen kannten seine Zwerge auch schon, und sie störten sich auch nicht mehr daran.

Und heute saß Bilbo neben dem König unter dem Berge auf dem Thron, denn er war sein Lebensgefährte und hatte jedes Recht darauf, mit ihm zu herrschen.
Mit seinen rotbraunen Locken und den spitzen, schuppigen Drachenohren, die unter seinen Haaren hervorlugten war er auch ein Blickfang, der selbst neben Thorin glänzte.
Nicht zu vergessen, diesen umwerfenden Eckzahn zu nennen, den er immer bei seinen breiten, warmen Lächeln zeigte.
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