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Keine Rose ohne Dorn

von Riniell
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Tiranu
27.03.2015
12.11.2015
16
64.020
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04.04.2015 2.700
 
Burg Elfenlicht

Seit nunmehr zwei Wochen kam sie jeden Tag drei Mal zu Tiranu, um ihn in seinem Heilschlaf zu begleiten. Sie schenkte ihm kühlende Magie, teilte seine Schmerzen und linderte seine Fieberträume. Doch aufwachen wollte er nicht.

Seit er in der letzten entscheidenden Schlacht gegen die Ordensritter um das Herzland schwer verwundet worden war, lag er in den Turmgemächern Elfenlichts aufgebahrt und war nicht ansprechbar. Gerne hätte sie ihn nach Langollion gebracht, doch dort hätte sie ihn nicht versorgen können – denn sie wurde hier gebraucht.

Tiranu war bei weitem nicht der einzige Verwundete, der ihrer Fürsorge bedurfte. Sie hatte Stimmen gehört, die behaupteten, sie würde ihre Fähigkeiten allzu verschwenderisch am Krankenlager des unleidigen Fürsten zerreiben und deshalb andere Albenkinder vernachlässigen. Ihr war es gleich, was diese Stimmen sagten und was andere Heiler von ihr dachten. Tiranu war ihre Sippe, ihm gehörte der Löwenanteil ihrer heilenden Magie.

Erschöpft strich sie sich einige dunkle Locken aus dem Gesicht und erhob sich vom Krankenbett ihres Bruders. In den letzten Tagen hatte sie bei ihm keine Fortschritte erreichen können und sein Zustand schmolz ihre Zuversicht dahin. Sie musterte ihn ein letztes Mal für heute – seine edlen Gesichtszüge, die den ihren so ähnelten, waren eingefallen und fahl; das nur langsam nachwachsende, dunkle Haar, das ihm vor einigen Jahren in einem Brand versengt worden war fiel ihm strähnig ins Gesicht – und verabschiedete sich stumm bis zum nächsten Tag.

In manchen Nächten schlief sie in seinem Gemach, in einen Sessel gekauert am Kamin, doch heute vermochte sie dies nicht zu tun. Ihr Geist war unruhig.

Es war die letzte Nacht, in der Albenmark, wie sie es kannte, existieren würde.

Am nächsten Morgen würden die Albenkinder in einem letzten Feldzug gegen die Ordensritter aufbegehren und ihre Herrscherin Königin Emerelle gemeinsam mit den mächtigsten Zauberern dieser Welt die Gefilde der Menschen auf immer von Albenmark trennen. Niemand wusste, ob dies gelingen konnte. Niemand wusste, ob sie lange genug gegen die Menschen bestehen würden, dass der Zauber gelingen mochte.

Was würde geschehen, wenn Emerelle und die anderen Träger der Albensteine versagen würden? Wenn die Ordensritter Elfenlicht stürmten, so entschied sie, würde sie zu Tiranu zurückkehren und gemeinsam mit ihm gehen – es würde in ihren Händen liegen, ihrer beiden Leben zu beenden, nicht in denen der Menschen, schwor sie sich.

Schweren Herzens verließ sie die Stille der Kammer und betrat das Treppenhaus, das sie in die unteren Korridore Elfenlichts brachte. Man würde sie längst in den Hallen der Heilung erwarten, dennoch beschleunigte die Elfe ihre Schritte nicht, sondern verabschiedete sich stumm von der Ruhe, die sie wohl zum letzten Mal für lange Zeit genießen konnte.

Als sie den Treppenboden erreicht hatte, wollte sie sich schon nach links wenden, als ihr gegenüber von ihr eine Gestalt ins Auge fiel, die lässig vor einem Wandteppich lehnte. Der Elf hielt die Arme hinter dem Rücken verschränkt, ein Bein stemmte er angewinkelt gegen den Teppich und sein Kopf  war so weit gesenkt, dass ihm das helle blonde Haar ins Gesicht fiel. Dennoch wusste Morwenna genau, wer dort stand.

Die Heilerin blickte über die Schulter und dachte darüber nach, noch einmal umzukehren, um ihm aus dem Weg zu gehen. Doch das Heil in der Flucht zu suchen würde bei diesem Exemplar der männlichen Schöpfung der Alben wenig nutzen. Sie wusste, Jornowell war beharrlich genug, dass er Tage damit verbringen könnte, dort an der Wand zu lehnen und auf sie zu warten.

Wenn er wirklich darauf hoffte, sie abzufangen, dann würde er das auch tun.

Seit sie in Vahan Calyd im Turm Alvemers mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht war und den Stuhl an ihrem Bett verwaist vorfand, hatte sie kein Wort mehr von ihm gehört. Sie wusste nur, dass er wie versprochen den Brief an Tiranu geschickt hatte. Damals war sie wütend gewesen – erst hatte er sie abgewiesen und dann war er ohne ein Wort verschwunden. Ihr Stolz ließ nicht zu, dass sie seinen Worten in dieser Nacht irgendeinen wahren Wert abringen konnte. Nach ihrem Ermessen waren all dies leere Phrasen gewesen, die sie als ebenso wankelmütig wie seinen Charakter einschätzte.

Und genau in diesem Augenblick sah er zu ihr auf – seine verschiedenfarbigen Augen trafen ihre schwarzen – und ihre Gedanken an Flucht waren verraucht. So wie Jornowell lächelte mochte sie nicht glauben, dass auch er bei Sonnenaufgang in seine letzte Schlacht reiten würde und diese über die Existenz Albenmarks entscheiden würde.

Lässig stieß er sich von der Wand und kam zu ihr herüber. Sein Blick hielt ihren gefangen, doch sein Lächeln geriet ins Wanken, als er zu merken schien, dass sie ihm keineswegs wohlgesonnen war.

„Stellst du mir nach?“

„Wie geht es deinem Bruder?“ Die Fragte klang wirklich besorgt, doch Morwenna war sich sicher, dass Jornowell keinerlei Bedauern bei einem frühzeitigen Ableben Tiranus empfinden würde. So hob sie nur skeptisch eine Augenbraue und wollte sich schon zum Gehen abwenden, als er sanft ihren Ellenbogen berührte.

Die Heilerin trug ein eng geschnittenes, dunkles Kleid in einer tiefen Beerenfarbe, das nur von einem schmalen Kragen am Hals gehalten wurde, ihre Brust bedeckte aber ihre Schultern und Arme frei ließ. Sie konnte das Verlangen in seinen Augen sehen, als er sie eingehend bedachte, seine Berührung verhieß Sehnsucht.

„Morwenna, bitte hör mich an“, flüsterte er, als galt es, das Gesagte vor anderen Anwesenden geheim zu halten. Auf dem Gang war zwar niemand zu sehen, doch man sagte, dass in Elfenlicht auch die Wände Ohren besaßen. „Ich wollte dich an jenen Morgen in Vahan Calyd nicht wecken, denn du hast so friedlich geschlafen.“ Er lächelte versonnen bei diesen Worten, doch Morwenna waren sie unangenehm. „Ich wollte mich nicht davon stehlen, aber mein Neffe kam mit der Kunde zu mir, Emerelle sei zurück gekehrt und habe die Menschenkinder an den Docks geschlagen. Ich musste dem nach gehen. Du bist doch nicht wütend wegen dem, was geschehen ist?“

Morwenna schnaubte. Davon träumte er!

„Warum ist es dir so wichtig, was ich von dir halte?“, entgegnete sie spitz. „Du hast in dieser Nacht deutlich gemacht, dass ich dich nicht interessiere … dein Verschwinden am nächsten Morgen unterstrich dies nur. Also nein, ich bin nicht wütend deswegen, sondern dankbar für deine offenen Worte und Gesten!“

Jornowell holte tief Luft und ließ sie wieder entweichen. Er wirkte ertappt, wie ein Kind, das etwas angestellt hatte und nun dafür gerügt wurde.

„Du bist wütend“, stellte er daraufhin trocken fest.

Morwenna wollte erneut auffahren, seinen unverschämten Äußerungen ein Ende bereiten, doch Jornowell lachte nur: „Sieh dich nur an! Mit diesem Blick würdest du jeden Ordensritter in die Flucht schlagen! Selbst die Nymphen aus Galvelun können einen Mann nicht derart in Schrecken versetzten. Ich sollte mir Ollowain sprechen … vielleicht wird er dich in der morgigen Schlacht in die erste Reihe stellen. Unsere Chancen würden sich vervielfachen!“

Die Heilerin fühlte, wie der Zorn in ihr aufwallte. Sie hatte sich geirrt in Vahan Calyd, als sie gedacht hatte, hinter der unverschämten Tölpelei des Elfenritters steckte ein Mann mit Anstand und Respekt.

Jornowell schüttelte noch immer lachend sein Haupt. „Doch es wird besser sein, wenn ich davon absehe – denn es würde bedeuten, dass ich mich aufgrund meines unermesslichen Sinn für Ehrbarkeit vor dich stellen müsste, um jeden Schlag, der dir gelte, abzufangen. Und ich glaube nicht, dass ich lange durchhalten würde, mit Gegnern zu Angesicht und in meinem Rücken, die mir nur allzu gerne ein Schwert durch den Leib bohren würden.“

Morwenna presste ihre Lippen zusammen. Vor ihr stand der stolze Sohn des berühmten Hofherrn Emerelles, der sich um Kopf und Kragen redete, um sie aufzuheitern. Dass er dabei wenig Geschick bewies, war durchaus eine gewisse Erheiterung. Sie konnte nicht länger so zornig sein, wie sie es gerne wollte.

„Hat dir schon einmal jemand gesagt, dass du schrecklichen Humor besitzt?“

„Deren Meinung“, winkte er ab. „Aber ich habe durchaus andere Talente, für die ich schon oft gerühmt wurde.“ Diese Worte troffen nur so vor Selbstgefälligkeit und Morwenna musste sich ein ungläubiges Schmunzeln verkneifen – nein, geändert hatte sich Jornowell definitiv nicht!

Er bot ihr einen Arm dar. „Bitte lass mich wieder gut machen, was ich an deinen Ohren verbrochen habe!“

Morwenna bedachte mit einem zweifelnden Blick seinen Arm. „Wie sollte diese Wiedergutmachung aussehen?“, fragte sie herausfordernd.

„Ich kann es nicht verraten, sonst verliert es seinen Zauber.“ Seine Stimme klang verschwörerisch. Doch die Elfe zögerte. Welches Spiel er auch immer an ihr übte, sie würde sich nicht auf ihn einlassen. In Vahan Calyd hatte sie einen schwachen Moment gehabt und er war zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen. Selbst wenn in dieser Nacht passiert wäre, wonach sie verlangte, hätte es nicht mehr als diese Stunden ihrer Zweisamkeit gegeben. Sie waren zu verschieden, als dass Morwenna erkennen könnte, was mehr hinter seinen Worten stecken konnte, als dass er gedachte, diese Nacht heute nachzuholen …

„Dein Zögern schmerzt, aber noch mehr dein Blick“, raunte Jornowell ihr zu und sah sie zerknirscht an. Ihr fiel auf, dass sein Gesicht jedes Mal anders aussah, wenn sie ihn bedachte. Seine Züge zeigten jedes Mal einen anderen Ausdruck. Sie vermochte ihn einfach nicht einzuschätzen.

Vielleicht liegt ja genau darin der Reiz‘, dachte sie bei sich und hakte sich bei ihm unter.

„Möglicherweise besitzt die Rose am Ende doch weniger Dornen als angenommen“, strahlte Jornowell, als er sie mit sicheren Schritten über die Gänge Elfenlichts führte.

Morwenna hatte selbst einige Jahre hier bei Hofe gelebt, doch der Sohn des einstigen Hofmeisters schlug Pfade ein, die selbst ihr unvertraut waren. Während ihres Wegs durch die Korridore schwiegen sie und Morwenna genoss diese Ruhe, die in Elfenlicht unvertraut war. Verstohlen bedachte sie den Elfen, der sie am Arm führte. Er sah abgekämpft aus; sein Gesicht war schmaler, als sie es gewohnt war. Statt der Kleidung eines Höflings trug er einen ledernen Brustschutz, dessen offene Verschlüsse ein weißes, faltiges Hemd zeigten. Dunkle, feste Hosen waren mehr schlecht als recht in ebenfalls lederne Stiefel mit niedrigem Absatz gestopft. Sein blondes Haar war teils wirr mit einem Lederband im Nacken zusammengefasst.

Morwenna wusste, dass er die letzten Tage und Wochen damit verbracht hatte, auf dem Rücken eines Schwarzrückenadlers in das Fjordland zu reisen, um dort die Königin Gishild und ihre Untertanen vor den vorrückenden Truppen der Ordensritter zu warnen. Er konnte noch nicht lange wieder im Herzland weilen.

Sie erreichten die weit auslaufenden Terrassen hinter der Burg. Die Nachtluft war angenehm mild und trug den schweren Duft von Blüten und überreifen Früchten in sich. Das Licht von Barinsteinen erhellte ihren Weg über die Marmorplatten zu den tiefer liegenden Kieselwegen, auf die Jornowell sie führte. Der Pfad verlief hell durch einen kleinen, angelegten Wald aus Tannen und Buchen.

Morwenna war so, als würde Jornowell  sich, kaum dass sie die Hallen der Königin verließen, merklich entspannen. Selbst seine Gesichtszüge wurden weicher und sein Gang langsamer.

„Wie lange bist du schon zurück aus der Menschenwelt?“, fragte sie, als sie den leise knirschenden Kiesweg unterhalb der Terrasse erreichten.

Jornowell ließ sie lange auf eine Antwort warten. Er lächelte sie nur voller Wärme an und ergriff schließlich ihre Hand. „Du verstehst es, die richtigen Fragen zu stellen, um mich in unangenehme Situationen zu bringen.“ Er seufzte. „ Ich bin erst vor ein paar Stunden eingetroffen. Als ich hörte, dass du ebenfalls in Elfenlicht weiltest und jeden Tag Stunden bei deinem Bruder verbringst, habe ich mich dazu entschlossen, nach dir zu sehen. Ich habe mich nicht einmal umgezogen.“ Er blickte feixend zu ihr und schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, warum ich dir das gesagt habe … Aber bitte sieh es mir nach, wenn ich ein wenig nach Vogel rieche.“

„Es fällt kaum auf, keine Sorge.“ Sie stutzte. „Wer sagte dir, dass ich jeden Tag Stunden bei meinem Bruder verbringe?“

„Das ist nicht wichtig.“, setzte er bestimmt aber im weichen Tonfall an. „Sei dir einfach versichert, dass ich nicht dein einziger Freund bei Hofe bin … du hast mindestens noch einen weiteren Bewunderer.“

„Freund …“ Morwenna sprach dieses Wort, als wöge sie die Bedeutung dahinter ab. Sie wäre niemals auf den Gedanken gekommen, Jornowell als ihren Freund zu bezeichnen. Aber als was dann?

Die Heilerin gab es ungern zu, aber Jornowells Anwesenheit ließ auch sie entspannen. All die finsteren Gedanken, die sie vor kurzem noch geplagt hatten, schienen ihr nun fern. In diesem Augenblick gab es nur die Stille der Nacht und die wohltuenden Worte des Elfen an ihrer Seite. In diesen Momenten wagte sie nicht zu fragen, warum er bei ihr war, weshalb sie sich in seiner Nähe fast geborgen fühlte oder was der morgige Tag für Albenmark bringen mochte. Sie stellte ernüchtert fest, dass wenn sie  einen Freund bei Hofe hatte, es wahrscheinlich der exzentrische Elfenritter an ihrer Seite war.

Unvermittelt zog er sie zwischen die Bäume auf einen abgelegenen Pfad, der auf den ersten Blick nicht als solcher zu erkennen gewesen war. Tannennadeln und Farnblätter säumten ein weiches Moosbett, auf dem sie gingen. Morwenna war sich sicher, dass er diese Gärten besser kannte, als jeder andere Höfling, doch gefielt ihr nicht, dass er dieses Wissen gegen sie einsetzte. Gewiss war sie nicht die erste, der es so erging.

„Du musst einmal der Schrecken der Kobolde gewesen sein, wenn du dich auf all ihren geheimen Pfaden in Elfenlicht ebenso gut auskennst, wie in diesen Gärten“, stellte sie fest, als er sie durch das Dickicht von Farnen führte.

Jornowell lachte laut auf: „Unter den Kobolden bin ich eine wandelnde Legende! Du musst wissen, dass die Koboldkinder eine geheime, nicht niedergeschriebene Liste von Streichemeistern führen, deren Namen sie voller Ehrfurcht aussprechen. Ich bin bis heute ihr unangefochtener König der Streiche, auch wenn Yulivee das anders sieht. Der Schrecken war ich für meinen Vater!“

Morwenna stellte sich einen verzweifelten Alvias vor, wie er zuerst eine jubelnde Kinderhorde Kobolde von seinem Sohn trennen musste, bevor er ihm die Leviten nach einem gelungenen Streich lesen konnte. Bei dem Gedanken musste sie unweigerlich an den Unfug denken, zu dem Tiranu und sie sich als Kinder immer wieder gegenseitig angestachelt hatten. Auch sie hatten es als Schrecken der Kindermädchen und Lehrer immer wieder geschafft, kleine schelmische Feldzüge  gegen die Höflinge des Rosenturms zu führen. Meistens litt einer der Verehrer ihrer Mutter unter ihnen, wenn dieser auf die Idee kam, sich bei den Fürstenkindern einzuschmeicheln, damit diese ein gutes Wort für ihn bei ihrer Mutter verloren.

„Vielleicht sehe ich das auch anders, großer Streichemeister?“, raunte sie ihm zu.

Erstaunt wandte er sich zu ihr um: „Das musst du mir erst beweisen!“

„Hältst du es wirklich für weise, mich herauszufordern?“

„Ganz und gar nicht … allerdings würde ich Weisheit nicht unbedingt als eine Stärke von mir bezeichnen.“

Jornowell hob einen tief liegenden Tannenzweig an und führte sie darunter hinweg. Morwenna vergaß, was sie antworten wollte, als ihr Blick auf die winzige Lichtung zwischen von Efeu beschlagenen Tannen und wild wuchernden Farnen fiel. Der kleine, idyllische Ort wurde eingenommen von einem flachen Steinbecken, in dem sich kristallenes Wasser sammelte. Sie schraken einige Elstern auf, die an der Wasserstellte tranken, als sie zwischen die Tannen traten.

„Wolltest du mich hierher bringen?“

Jornowell trat an das Becken am Boden und deutete hinein: „Sieh!“

Die Heilerin stellte sich neben ihn und sah ebenfalls auf die Wasseroberfläche. Es zeigte das Abbild von ihnen, wie sie nebeneinanderstanden und auf das Becken herabblickten. Jornowell mit seinem aschblonden Haar, der gebräunten Haut und dem schelmischen Lächeln, sie mit ihren schwarzen Locken, der blassen Haut und dem nachdenklichen Ausdruck.

„Man sagt, die Königin schöpfe hier das Wasser ihrer Silberschale“ erklärte er gedämpft und fast ehrfürchtig. „Die Schale hat das Becken schon so oft berührt, dass sich manchmal auch anderen Albenkindern ein Blick in die Zukunft eröffnet, wenn sie genau hinsehen.“ Er bedachte sie mit einem auffordernden Blick „Was siehst du?“

‚Uns‘, wollte Morwenna sagen – und da ging es ihr auf. Sie musste sich zusammen reißen, um nicht laut aufzustöhnen. Sie schob es auf ihren Schlafmangel, dass sie seine Worten einen Moment lang für wahr gehalten hatte. „Wie vielen Damen bei Hofe hast du das schon Glauben gemacht?“

Er rang ohne viel Erfolg ein Lächeln nieder und bedachte weiterhin versonnen ihr Spiegelbild. „Mir gefällt, was ich sehe.“

Auch Morwenna warf noch einmal einen flüchtigen Blick in die Wasserschale zwischen den großblättrigen Farnen und dem matten Efeu. Die Zukunft! Von wegen … Alles was ihr auffiel war, wie unterschiedlich ihre Spiegelbilder waren.


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Ich wünsche euch schöne Osterfeiertage! Hoffe, das Kapitel hat euch gefallen.

Liebe Grüße
Riniell
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