Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Keine Rose ohne Dorn

von Riniell
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Tiranu
27.03.2015
12.11.2015
16
64.020
3
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
31.03.2015 2.746
 
Im Palastturm Alvemers



Die Mitternacht legte einen Mantel aus Stille und Finsternis über die Trümmer von Vahan Calyd. Die Vögel hatten ihre Lieder beendet, nur hier und da hörte man das Kreischen eines Totenkopfaffen.

Jornowell tippte dem schlafenden Anarion auf die Schulter. Die nächste Wachschicht war erneut die des jüngeren Elfenritters.

„Irgendwelche Vorkommnisse?“, fragte sein Neffe während er sich verschlafen reckte.

„Nein, die Ordensritter haben sich nicht mehr hier sehen gelassen. Unglaublich, welch ein Glück wir haben.“

Anarion begab sich – immer noch die Gliedmaßen streckend – zum Tor des Gartens. Jornowell wusste, dass er seine Aufgabe trotz der Müdigkeit gut machen würde. Er glaubte ohnehin nicht, dass sein Neffe wirklich fest geschlafen hatte.

Stumm blickte er über die größtenteils vor Erschöpfung eingeschlafenen Albenkinder, die sich am Rande der Blumenbeete niedergelassen hatten. Ihre Verwundungen waren versorgt worden, nun begann die Zeit des Heilens. Die Heiler und Helfer hatten sich in Schichten eingeteilt, um nach den Verwundeten zu sehen. Nur eine hatte sich keine Ruhe gegönnt, wie er von Naylin, der rothaarigen Heilerin, erfahren hatte.

Er atmete tief durch und schlenderte leise zu Morwenna, die einem Patienten Wasser einflößte. Als sie ihn bemerkte, blickte sie kurz auf – und widmete sich erneut ihrer Arbeit.

Geduldig wartete er, bis sie sich erhoben hatte und ihn erwartend anblickte. Sie sah abgekämpft aus. Mittlerweile fielen etliche schwarze Locken über die Schultern der Elfe, dunkle Ringe hatten sich unter ihre Augen gelegt und ihre vollen Lippen waren blass. Noch immer trug sie die Maske der unnabaren Schönheit, die Jornowell verwundert die Brauen zusammen kneifen ließ. Wie sehr diese Maskerade Teil ihrer selbst geworden war, blieb nur zu schätzen, wenn sie selbst in solch einer Nacht nichts von sich offenbaren konnte. Besaß sie denn kein Mitgefühl? Nach allem, was sie heute vollbracht hatte, konnte er das nicht glauben.

Lag es an ihm, dass sie sich so kühl gab? Er hatte gehofft, die Geschichte, die er den Kindern erzählt hatte, hätte auch ihr gefallen. Wahrscheinlich hielt sie ihn einfach nur für dreist …

„Morwenna“, ihren Namen auszusprechen gab ihm ein Gefühl von Wärme, es klang vertraut und richtig, ihn zu sagen, als hätte er es schon tausend Mal gemacht. „Du solltest dir Ruhe gönnen. Du hast bereits mehr getan, als deine Kräfte es zulassen.“

Sie schenkte ihm einen herausfordernden Blick: „Was weißt du schon über meine Verfassung?“

Er schüttelte den Kopf. Stur war sie also auch noch! „Ich möchte nicht unhöflich sein, aber du siehst mitleiderregend aus!“ Er hoffe, mit diesen klaren Worten etwas bei ihr erreichen zu können.

Die Fürstenschwester öffnete den Mund zum Protest, aber er kam ihr zuvor: „Hör zu, du hast heute mehr deiner Macht einsetzten müssen, als jeder andere – du bist so erschöpft, dass du dich kaum noch auf den Beinen halten kannst. Der Zustand der meisten hier ist um einiges besser als der deine – du kannst heute Nacht nichts mehr tun für sie, was ein anderer nicht auch machen könnte. Was, wenn morgen neue Verwundete den Weg hierher finden? Willst du so erschöpft sein, dass du ihnen entweder gar nicht erst helfen kannst oder dir ein Fehler unterläuft? Sei den anderen Heilern ein Vorbild und kenne deine Grenzen!“

Morwenna verschränkte die Arme – nein, sie hielt sich die Arme, als wäre ihr kalt. Sie sagte nichts und blickte eine Weile ins Leere. „Du hast Recht.“

Er war so überrascht von dieser Aussage, dass er auch einen Augenblick lang sprachlos war. Schließlich ließ er die Schultern sinken und war erstaunt, wie sehr sich das Bild der kühlen Heilerin mit adliger Herkunft in das einer in ihrem Stolz verletzten Elfe, der ihre Einsamkeit und Machtlosigkeit anzusehen war, gewandelt hatte.

Jornowell fühlte ein Ziehen in der Magengrube. Bittersüß brodelte das  Verlangen in ihm auf, sie an sich zu ziehen; sie vergessen zu lassen, egal wie viel Zeit und Anstrengung es kostete. Sie war wie ein fremdes, faszinierendes Land, das er um jeden Preis kennenlernen wollte. Ihm war klar, dass er sich hier leicht in etwas verrennen konnte – doch es lag in seiner Natur, beharrlich an seinen gesetzten Zielen festzuhalten, bis er sie erreichte. Und in diesem Moment schwor er sich, Morwenna ihre  Maske zu nehmen.

„Komm mit.“

Die Heilerin folgte ihm stumm durch die Reihen der Verwundeten, bis sie den offenen Säulengang erreichten, der von Efeu und Jasmin bewuchert war. Am Ende des Gangs mit seinen hübschen gezwirbelten Säulen traten sie durch ein schmales Tor ins Innere des Turms.

„Wohin bringst du mich?“, fragte Morwenna, als sie den großen runden Empfangssaal erreichten, an dessen Wände sich zahlreiche Treppen den Weg in die oberen Festsäle und Gemächer schlängelten. Wenn man den Turm durch das Haupttor betrat, konnte man hinter der riesigen Halle mit seinem aufwendigen Blumenmosaik den Orchideengarten erahnen. Der Wohlgeruch der Blüten wehte bis hier herein.

Jornowell war vorhin kurz in dem Turm gewesen, um sich ein Bild der Zerstörung zu machen. Es stimmte, dass die meisten Gemächer verwüstet waren, allerdings war das ein oder andere noch in einem passablen Zustand. Während die Verwundeten draußen die Schönheit des Gartens in sich aufsogen, um zu genesen, suchte er für sie die Abgeschiedenheit und Ruhe des Turms.

Er antwortete nicht, als er eine der Treppen wählte, die sie hinauf brachte.

Das Gemach, das er ausgesucht hatte, war recht klein und so gelegen, dass der Blick nicht zum Garten sondern zu den Mangrovenwäldern reichte. Ein kleiner Balkon lag hinter hohen gläsernen Flügeltüren, die Jornowell aufriss, um die Luft des Dschungels in den Raum zu lassen. Anschließend brachte er mit ein paar Handgriffen das Durcheinander, das die Menschen hier hinterlassen hatten, zurecht – er hob einen Stuhl auf, las die Scherben einer zerschepperten Vase auf, schloss die Türen der gemaserten Holzvitrine und stellte die zerstreuten Bücher zurück auf ihren angestammten Platz im Regal.

Morwenna stand die ganze Zeit über schweigend auf dem steinernen Balkon und starrte in die Ferne. Jornowell sah zu ihr herüber, als er einige Kerzen auf dem kleinen Tisch mit Magie zum Leuchten brachte. Die schmale Silhouette der Fürstentochter zeichnete sich im Mondschein ab. Ihre Locken fielen ihr mittlerweile offen über den Rücken. Selbst jetzt strahlte sie diese dunkle Anziehungskraft aus, die ihn gefangen hielt.

Er blickte auf das mit Seidenlaken überzogene Bett, über dessen schmale hölzerne Pfosten Tücher in der Farbe von Jade angebracht waren. Wie gerne würde er sie …

Durch diese Gedanken beschämt biss er sich auf die Lippe. Er sollte sie in diesem Moment nicht ausnutzen … Wahrscheinlich würde sie ihn ohnehin von sich stoßen – und das zu erleben, war das letzte, was er wollte.

Jornowell trat zu ihr auf den Balkon. Die Nacht war mild und klar. Die Sterne glänzten kühl im Licht des Mondes.

„Brauchst du noch etwas?“

Sie wandte sich weder um, noch hielt sie es für nötig, ihm eine Antwort – sah man von dem knappen Kopfschüttel ab – zu geben.

Tief durchatmend fasste er den Entschluss, dass es möglicherweise doch schlauer war, zu gehen. Ganz offensichtlich wollte sie seine Gesellschaft nicht haben.

So wandte er sich wieder um und ging zur Tür. Ehe er jedoch den Gang erreichte, vernahm er ein leises Flüstern, das ihm einen Schauder über den Rücken sandte.

„Jornowell?“

Es war so leise gewesen, dass er erst glaubte, sich verhört zu haben.  Doch als er zum Balkon sah, hatte sie den Kopf zu ihm gewandt. Eine Träne schimmerte im Schein der Kerzen.

„Bitte bleib!“

Kurzerhand stieß er die Tür zu und schloss erneut die Distanz zu ihr. Bestimmt trat er vor sie, doch sie wich seinem Blick aus.

Ermüdet von diesem Katz-und-Maus-Spiel hob er ihr Kinn mit seiner Hand und hielt ihren Blick zwischen Zeigefinger und Daumen aufrecht. Tatsächlich hatte sie stumme Tränen geweint, die nun seine Hand benetzten. Wie hatte ihm das nicht vorhin schon auffallen können?

In diesem Moment musste er gegen seinen eigenen Willen, sie zu küssen, ankämpfen. Er wollte es nicht – jedenfalls nicht so.

Was er sich zuvor gewünscht hatte – sie möge ihre Maske fallen lassen – war eingetroffen. Doch sie dahinter so hilflos zu sehen, war nicht, was er wollte.

So kämpfte er gegen sein Verlangen an und zog sie stattdessen sanft an sich, eine Hand fuhr unruhig ihren Körper ertastend ihre Taille entlang, die andere vergrub sich in ihrem dunklen seidenen Haar, auf dessen Scheitel er seine Wange legte. Ihr Duft war betörend …

Morwenna erwiderte seine Umarmung nicht, lediglich ihre Finger krallten sich in sein Hemd. Doch merkte er, wie sie sich langsam entspannte und ihren Kopf gegen seine Schulter sinken ließ.

„Bleib heute Nacht bei mir“, flüsterte sie nach einiger Zeit gebrochen. Die sonst so stolze Elfe so zu sehen, schmerzte ihn.

„Ich gehe nirgendwohin, wenn du es nicht verlangst“, sagte er leise aber bestimmt. Noch immer konnte er nicht glauben, wie sie sich gerade gab. Er erwartete fast, dass sie ihn jeden Moment von sich stieß. Stattdessen war eine stumme Einigkeit zwischen sie getreten – Niemand von ihnen wollte die Nacht in Einsamkeit verbringen.

Morwenna blickte zu ihm auf. Ihre Tränen waren getrocknet, doch der traurige Ausdruck in ihren Augen blieb, neben ihm schien etwas Erwartendes in ihnen. Beiläufig streifte ihr Blick seine Lippen.

Hegte sie dasselbe Verlangen wie er? Gewiss würde es ihrem aufgewühlten Geist und ihrer Seele etwas ihrer Stärke zurück geben, wenn er sie heute Nacht in dieser Art ablenken könnte.

Doch er fürchtete, sie könnte diese Entscheidung bereuen und er würde endgültig ihre Missgunst auf sich ziehen.

Jornowell strich ihr über die Wange: „Du brauchst Schlaf.“

Der verdutzte Ausdruck in ihrem Gesicht brachte ihn zum Lächeln. Sie wirkte irritiert, dass er nicht versuchte, ihr näher zu kommen. Ob sie sich vor den Kopf gestoßen fühlte?

Bestimmt führte er sie zu dem großen Bett herüber und bedeutete ihr, sich hinzulegen.

Eine steile Falte erschien zwischen ihren Brauen, als er sich ein Stuhl an das Bett heranzog und darauf Platz nahm, statt sich in das Bett zu legen. Deutlich verwundert legte sie den Kopf schief, ein herausfordernder Ausdruck erschien in ihren dunklen Tiefen. Ihn beschlich ein ungutes Gefühl …

Jornowell stieß einen Laut undefinierbar zwischen Seufzen und Aufstöhnen aus, als sie begann, sich ihres Kleides zu entledigen.

Bei allen Alben, er hatte schon etliche Frauen nackt gesehen! Warum vermochte ausgerechnet sie es, sein Blut derart zum Kochen zu bringen und gleichzeitig fertig zu bringen, dass er sich so unwohl fühlte, sie zu beobachten?

Er wandte den Blick ab. In einer anderen Situation, mit einer anderen Elfe hätte er nicht gezögert, sie aufs Bett zu werfen und ihren Provokationen nachzugeben. Es war nur allzu offensichtlich, was sie mit diesem Verhalten bei ihm zu erreichen versuchte – und was er für sie sein sollte: eine Ablenkung.

Doch Jornowell stand nicht der Sinn danach, diese außergewöhnliche Elfe für eine Nacht zu haben und sie damit darin zu bestätigen, dass er lediglich ein sprunghafter Mann war, der Abenteuer suchte, wo er sie fand.

Er würde sein Verhalten, das er bei ihrer letzten Begegnung an den Tag gelegt hatte, wieder gut machen. Er würde ihren Respekt und ihr Vertrauen gewinnen und nicht nur der Mann für eine Nacht sein.

Betont langsam ließ sie ihr Kleid sinken und Jornowell konnte nicht widerstehen, das ein oder andere Mal – hoffentlich unauffällig –  zu ihr herüber zu sehen. Was er sah, verbesserte seine Situation nicht unbedingt …

Dieses Spiel begann einen unangenehmen Nebeneffekt auf ihn auszuüben. Langsam aber sicher stand er am Rande seiner Selbstbeherrschung.

Als sie sich endlich unter das Seidenlaken gelegt hatte, fühlte er sich eingeklemmt zwischen Erleichterung und Enttäuschung.

Mit offenem Mund beobachtete er sie dabei, wie sie sich wie eine Katze unter dem Laken räkelte, welches mehr betonte als verdeckte. Jornowell schluckte und stellte einen Fuß auf die Bettkante, als müsse er sich notfalls mit Gewalt von ihr fernhalten.

Morwenna legte sich auf die Seite und strich sich die Locken aus dem Gesicht. Ihr Kopf ruhte entspannt auf ihrem angewinkelten Arm. Die schwarzen Augen spielten mit ihm. Er war gefangen von ihrem Wesen.

„Willst du dich nicht zu mir legen?“, reizte sie ihn leise.

Jornowell schloss für einen Augenblick die Augen. Niemals hätte er gedacht, dass es für ihn so ein Albtraum sein könnte, dass eine Frau ihn wollte. Andererseits hätte er auch nie geglaubt, dass er ein solches Angebot ablehnen würde.

„Ich will – aber nicht so“, sagte er mit rauer Stimme. Sein ganzer Körper schien sich gegen ihn gewandt zu haben.

Sie blickte ihn enttäuscht an. Vielleicht war es ein Fehler, sie abzuweisen.

„Du willst mich nicht“, schlussfolgerte sie ohne jede Wertung in der Stimme.

„Du hast ja keine Vorstellung davon, wie sehr ich dich will, meine schöne, tapfere Fürstin …  Ich würde durch die Eiswüste des Carandamons wandern und anschließend  mit bloßen Händen das Albenhaupt besteigen, nur um dich einmal küssen zu dürfen. Nur will ich mir diesen Kuss auch verdienen …“

Sie lächelte spöttisch. Wahrscheinlich hielt sie ihn für einen romantischen Trottel. Doch das war ihm gleich, solange sie lächelte.

„Du kennst mich nicht, Weltenwanderer … Ich bin anders als die Maiden an Emerelles Hof, denen du sonst nachsteigst.“

„Ich würde dich gern kennenlernen.“

„Glaub mir, das willst du nicht.“

„Man hat mir schon oft gesagt, was ich zu wollen habe und was ich lieber lassen sollte. Bisher konnte ich ganz gut selbst entscheiden, welches von beiden mir besser gefiel. Meistens war es das, von dem mir abgeraten wurde.“

Morwenna sah wieder ins Leere: „Solange, bis du es kennengelernt und das Interesse verloren hast …“

Zur Antwort legte er den Kopf schief. „Wie kommst du darauf?“

„Man nennt dich den Weltenwanderer … Du ziehst von einem Ort zum anderen, seit vielen Jahrhunderten. Nie verweilst du lange an einem Ort, den du einmal für interessant gehalten hast.“

Daraufhin schwieg er. Er war getroffen von ihren Worten, dabei hatte sie nichts Unwahres gesagt.

„Würdest du mir einen Gefallen tun?“, fragte sie leise, als er dachte, sie sei schon längst eingeschlafen.

„Jeden.“

„Verfasse einen Brief an meinen Bruder für mich.“

Jornowell erhob sich, verwundert über diese Frage. Als er mit einigen Bogen Papier, Tinte und Feder an ihr Bett zurückkehrte, schaute sie ihn aus wachen, aufmerksamen Augen an.

Dann begann sie, ihm den Brief zu diktieren. Ausführlich berichtete sie ihrem Bruder, dem Fürsten Langollions, was am heutigen Tag in Vahan Calyd geschehen war. Erzählte davon, wie die Stadt, die sie so sehr berührte wie nur wenige andere Dinge in ihrem Leben, fast vollkommen zerstört worden war. Wie sie sich gefürchtet hatte und diese Furcht überwand.

Jornowell war berührt von ihren Worten und davon, dass sie ihn an diesen Gedanken teilhaben ließ.

„Es gefällt mir, wie du schreibst …“, sagte sie leise. Fast hätte er auch diese Worte niedergeschrieben. Doch dann lächelte er und schüttelte den Kopf: „Wird dein Bruder sich nicht über die fremde Handschrift wundern?“

Nun war es an ihr zu lächeln: „Er zieht mich immer für meine grausige Handschrift auf. Er wird froh sein, dass er einmal einen Brief von mir entziffern kann.“

„Nun, es freut mich, dass ich eines meiner Talente dafür einsetzen konnte, dich vor Häme zu bewahren!“

„Du hast einen schrecklichen Humor …“

Jornowell lachte herzlich auf. Diese Worte ausgerechnet aus ihrem Mund zu hören, den er nur so selten hatte lächeln sehen – und das stets nur dank ihm –, kam ihm eindeutig wie ein Kompliment vor.

Er legte den Brief beiseite und schloss das Tintenfässchen. „Ich werde gleich morgen früh dafür sorgen, dass er zu deinem Bruder gelangt.“

„Danke“, murmelte die Fürstenschwester leise. Immer wieder fielen ihr für einige Herzschläge die Augen zu.

Langsam beugte er sich zu ihr und gab ebenso leise zurück: „Schlaf nun, ich werde über dich wachen.“ Ein flüchtiger Kuss auf die Wange kämpfte ihre letzten Proteste nieder.

Bald hörte er sie gleichmäßig atmen und auch er fühlte eine bleierne Müdigkeit in sich aufsteigen. Doch die Gedanken an den heutigen Tag hielten ihn wach. Immer wieder streifte ihn der Gedanke, dass sie ihn mit ihren Provokationen lediglich getestet haben könnte. Hätte sie sich wirklich auf ihn eingelassen, wenn er nachgegeben hätte? Wahrscheinlich nicht, dachte er bitter. Je länger er jedoch darüber nachdachte und ihr schlafendes Gesicht betrachtete, tat er diese Vermutungen mehr und mehr ab. Ihr so etwas zu unterstellen, kam ihm weit hergeholt vor.

Vor ihm lag die Tochter der dunklen Fürstin Alathaia, die einst ganz Albenmark in einem Bürgerkrieg auseinander gerissen hatte –und alles was er tat, war dümmlich zu grinsen wie ein frisch verliebter Jüngling.

Es würde eine Menge Wein brauchen, um lernen zu können, mit dieser Erkenntnis umzugehen.

________________

Danke euch fürs lesen! Der Brief von Morwenna kann man im dritten Teil der Elfenrittertrilogie finden - als Prolog, wenn ich mich richtig erinnere.

Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal auch dabei seid :)
Liebe Grüße
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast