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Keine Rose ohne Dorn

von Riniell
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Tiranu
27.03.2015
12.11.2015
16
64.020
3
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Dieses Kapitel
1 Review
 
11.09.2015 5.104
 
Schon geht es weiter mit dem nächsten Kapitel, das dieses Mal noch tiefer in das Polit-Geschehen in Langollion eingreift. Es hat mich sehr gefreut, einige neue Charaktere vorzustellen - und einen sehr gut bekannten.

Viel Spaß beim Lesen!






Auf den Pfaden der Politik

Die Stickerei in ihrer Hand nahm langsam aber stetig die Form einer ältlichen Trauerweide an, deren Blüten blass wie das Mondlicht aus dem dunklen Untergrund herausstachen. Der Stoff, in den sie in gleichmäßigen Abständen ein Muster der andächtigen Wehmut arbeitete, war aus feinster dunkelblauer Feenseide, die lang über ihren Schoß fiel und sich  nach einer düsteren Kaskade aus feinen Stoffwellen am Boden sammelte.

Die Arbeit ging ihr leicht von der Hand. Das aufwendige Konstrukt des Baumes war ihr seit Kindesbeinen vertraut, schon hundert Male hatte sie es gesehen. Dennoch wirkte das Abbild der Weide anders als jeder Baum, den sie je gesehen hatte. Noch wusste sie nicht, was am Nachthimmel der Bilds prangen sollte. War ein leuchtender Mond zu sehen, einige Sterne oder doch nur seichte Nebelschwaden?

Morwenna saß auf dem mit grünem Samtstoff überzogenen Ottomanen im Schlafgemacht ihrer privaten Räumlichkeiten. Er stand zu den gläsernen Flügeltüren hin ausgerichtet, von denen aus sich ein atemberaubender Blick über die verschneiten Gartenanlagen vor dem Rosenturm bot. Doch sie hatte dieser Szenerie den Rücken zugewandt. Um diese Zeit – so wusste die junge Fürstin – klauten jeden Nachmittag einige Elstern ein paar Körner vom verschneiten Balkon. Ihr aufgeregtes Picken und melodisches Fiepen wurde vom dumpfen Knacken der Feuerkohle begleitet. Deren Wärme verteilte sich von insgesamt vier flachen Becken, die sich je um das untere Drittel einer fein marmorierten Säulen wanden. Das aufwendige Muster von Efeuranken war in die Schalen eingearbeitet. Es lockte, die Prägung zu berühren, doch wer so töricht war, die Finger danach zu recken, wurde mit Schmerz betrübt. Vier weitere schlanke Säulen – eisern und mit aufwendigen Bronzeintarsien versehen – fassten das  freistehende und weitausladende Bett ein. Lange Seidenbahnen im Ton jungen Waldmooses waren durch dicke Eisenringe an den Säulen gespannt. Sie gewährten mit ihrem durchscheinendem Charakter einen Blick auf die vielzähligen gemütlichen Kissen – liebevoll bestickt mit Perlmutt und Türkis –  auf der Liegestatt. Ein dunkler, schmaler Pelz war über die schneeweißen Laken gelegt. Der Wolf auf dem Schafsgarn.

Morwenna hatte jegliche Blumen, Ziervasen und alles, was sie daran erinnern mochte, aus ihren Gemächern verbannt. Ihre Zofe Abelle hatte diese Anweisung geschockt – eine der wenigen Emotionen, die Morwenna ihr jemals abgewinnen konnte –, war ihr aber schweigend nachgegangen. Die anderen Elfen in ihrem Dienst sprachen sie nicht darauf an.

In ihren Räumlichkeiten wurde es dunkler. Die Abende kamen stetig früher und der Schneefall wollte kein Ende nehmen …

Wie in jedem Winter hielt die eisene Kälte das Land im unerbittlichen Griff und ließ Langollion in einen tiefen Schlaf versinken. Einzig in den wenigen größeren Verbünden aus Albenkindern wurde der dunklen Jahreszeit getrotzt. So öffneten Großbauern ihre Scheunen und schenkten unter den Heuböden warmes Met aus, auf den Feldern wurden Hütten zweckentfremdet, um einen sicheren Futterplatz für Wild einzurichten. In den Städten stellten die Schmiede aus ihrem letzten Eisenbestand Kufen für Schlittschuhe her. Auf dem Eis der zahlreichen flachen Zierbrunnen tanzten dann junge Kobolde, Elfen und Feen miteinander im stetigen Fall der Schneeflocken.

Es war eine ruhige Zeit, in der das Volk sich von der oftmals harten Arbeit der hellen Jahreszeiten erholen konnte – scheinbar. Was gegen diese andächtige Zeit der Stille stand, war die größer werdende Hungersnot der unteren Schicht der Bevölkerung. Für Langollion war es ungleich schwer gewesen, die Verluste durch den langen Krieg auszugleichen. Wie so oft hatte der Teil des Volks, der ohnehin am wenigsten hatte, das größte Nachsehen. Schon bald hatten sich Baronien und Grafschaften an die Fürsten gewandt, sobald sie der Not nicht mehr mit eigenen Mitteln Herr werden konnten. Was leider niemand nachweisen konnte, war die Tatsache, dass zumindest  die Grafschaften über das nötige Vermögen verfügten, mit dem sie einer solchen Krise zumindest entgegenwirken konnten.

Das Volk war allzu schnell versucht, die Schuld an der mangelnden Hilfe –, die sowohl aus der schlechten Kommunikation zwischen den einzelnen Verantwortlichen, sowie aus der Zurückhaltung wichtiger Informationen resultierte –, der obersten Instanz, der Fürsten, des Landes zuzuschreiben. Zu einem lag das bestimmt an dem vertrauteren Verhältnis zwischen dem Volk und dem niederen Adel, zum anderen an nicht nachweisbarer Verleumdung des Fürstenhauses.

Seit zwei Wochen war die Stimmung der einzelnen Parteien so angespannt, die Meinung voneinander so festgefahren, dass eine Lösung  allein durch die fortwährenden Streitigkeiten in weite Ferne rückte. Der Druck stieg  für alle, doch noch weigerte sich ihr Bruder, um Hilfsmittel von Seiten der Krone zu bitten. Dies, obgleich jeder in Albenmark, der sich ein wenig mit Politik befasste, wusste, Langollion brauchte diese Unterstützung mehr als jedes andere Fürstentum, welches offen danach verlangte. Tiranu hatte seine eigenen Methoden, mit der Situation umzugehen, und sie hatte ihre.

Seit Stunden war sie mit ihrer Stickarbeit beschäftigt. Die Arbeit half ihr, sich zu konzentrieren, aber auch, sich abzulenken, gleichzeitig war es Training für ihre Fingerfertigkeit und maßgeblich dabei beteiligt, ihre innere Aufwühlung zu verarbeiten …

In ihrem Vorzimmer waren Schritte zu hören.

Jemand griff energisch nach dem Türknauf zu den inneren Flügeltüren und riss sie auf.

Mit einem lauten Donnern schlugen die Schlösser wieder ineinander. Der Windstoß war bis zu ihr herüber wahrnehmbar.

Erschrocken sah Morwenna die hochgewachsene Gestalt ihres Bruders in ihre Gemächer stürmen. Sein Gesicht war in zornige Falten gelegt. Augenblicklich krampfte sich ihre Hand um die Sticknadel – so fest, dass sie verbog.

„Was hast du in deinem Leichtsinn nur getan!?“, schrie der Fürst Langollions ungehalten und warf ihr augenblicklich eine dicke Pergamentrolle vor die Füße.

Morwenna schluckte. Niemals würde sie so etwas wie Angst vor ihrem Bruder empfinden – aber in diesem Moment war ihr Respekt wie Eiswasser in ihren Adern. Tiranu war schon immer schwierig gewesen. Selbst bei seiner Geburt. Sie war einige Tage älter als ihr Zwilling, dessen Entbindung sich schmerzlich lange hingezogen hatte. Ihre Mutter hatte sich bis zuletzt geweigert, Magie bei der Geburt ihres Sohnes einzusetzen. Und obwohl Morwenna die Erstgeborene war, war es stets an ihr gewesen, sich nach den Umständen ihres Bruders zu richten. Dies war nicht nur so, weil Morwenna die Vernünftigere der beiden war, sondern lag vordergründig daran, wie gut Tiranu es verstand, eine Argumentation in seinem Sinne zu gestalten und zum Ziel zu führen. Zumindest dann, wenn es ihm gelang, seinen Zorn unter Kontrolle zu halten.

Die Heilerin bückte sich nach dem Pergament und studierte dessen Inhalt. Das Erste, was ihr auffiel, war, dass die letzte Seite der Schrift zuoberst lag und ihre geschwungene Unterschrift am Ende des Bogens prangte. Und schon begann das Eiswasser in ihren Adern zu pochen. Eilig blätterte sie nach der ersten Seite – und erschrak.

„Du hast dich verschrieben!“, schrie Tiranu, als er zu merken schien, dass sie ihren Fehler längst selbst entdeckt hatte. „Statt Versorgung an dreißig Bedürftige in Vascar anzuordnen, hast du veranlasst, dass lächerliche drei Hilfspakete an die Baronie gewährt wurden … Weißt du eigentlich, was du damit angerichtet hast?“ Der Krieger baute sich vor ihr auf, während sie immer noch die Lettern auf dem Papierbogen studierte. „Sie werden denken, wir wollen sie verhöhnen … Es könnte zu Aufständen kommen, wenn die anderen Grafschaften davon Wind bekommen!“

Morwenna ließ den Bogen sinken: „Ich … Drei Dutzend. Ich wollte noch ‚Dutzend‘ dahinter schreiben … es war ein Fehler, keine Absicht.“

Tiranu zog sie mit festem Griff um ihr Handgelenk auf die Füße, ihre Nadel noch immer in der Hand. Die Strickarbeit auf ihrem Schoß fiel zu Boden. „Glaubst du das interessiert jemanden?! Glaubst du allen Ernstes, jemand würde sich mit dieser Erklärung zufrieden geben?!“

Sie gab keine Antwort.

„Sieh‘ mir gefälligst in die Augen, wenn ich mit dir rede!“

Unumwunden kam sie seiner Aufforderung nach. Schwarz traf auf Schwarz. Härte auf Kälte. Keiner der beiden war gewillt, nachzugeben. Keiner wollte der erste sein, der sprach. Dennoch wussten die Geschwister, dass die nächsten Worte die der Einlenkung, die der Vernunft sein würden.

Nie war Tiranus Wut von langer Dauer.

Morwenna wusste dies und war nicht gewillt, ihre Erklärung zu wiederholen. Wenn er ehrlich war, so hatte er leichtfertig zu viele Aufgaben auf sie abgewälzt, dazu in einer Zeit, in der sie dringend in den Heilhäusern der Stadt gebraucht wurde, um dem Ansturm der Kranken Herr zu werden. Es war lange gut gegangen, doch …

„Erst die Schikane in Arkadien und nun das“, fuhr Tiranu mit milderer Stimme, aber nicht weniger anklagend fort und ließ ihren Arm los. „Was ist nur los mit dir?“

Wieder war keine Antwort von ihr zu vernehmen. Der Fürst schüttelte augenrollend den Kopf, sodass ihm eine Strähne aus dem halblangen Haar ins Gesicht fiel. Laut ausatmend fuhr er mit seiner Hand so durch die schwarzen Strähnen, dass er es gänzlich aus dem Gesicht hinter seinen Kopf strich.

„Heute Morgen kam ein Bote aus Ishemon. Die Fürsten der Berge teilen wohl nicht unsere Ansicht, dass eine Weiterführung des Handelsabkommens nach dem Krieg notwendig sei.“

„Wie bitte?“ Morwenna ließ die Schultern sinken. In Ishemon waren die größten und begabtesten Schmiede sesshaft, die Albenmark in Bezug auf Waffen- und Rüstungsfertigung zu bieten hatten. Zwar verfügte das Fürstentum dort selbst über ergiebige Erzquellen, doch für die gesteigerte Produktion zu Zeiten des Ordenskriegs hatten diese lange nicht gereicht, um die Nachfrage zu sättigen. So war Ishemon lange Zeit der lukrativste Handelspartner Langollions gewesen. Doch nun schien es sich zu rächen, dass die beiden Inselstaaten über ähnliche Ressourcen verfügten.

„Was tun wir nun? Emerelle sollte um unsere Situation wissen …“

„Emerelle weiß sehr genau, was sie tun muss, um diese Situation für uns erst entstehen zu lassen“, fuhr Tiranu sie an. „Wer glaubst du, hat Ishemon als Handelspartner abgeworben oder gibt Valaria Gründe, immer wieder abzulehnen?“

Morwenna wollte noch etwas sagen. Sie glaubte nicht, dass es schon so weit gekommen war. Wenn die Königin ihnen noch immer misstraute, würde sie andere Wege gehen …

„Du kannst das getrost mir überlassen, fürs Erste du hast schon genug angerichtet! Um deinen Fehler wieder gut zu machen, wirst umgehend einen Boten schicken, der den … lächerlich winzigen Tross mit den Gütern aufhält, den du nach Vascar gesandt hast, und die Gesandten auffordert, die Gaben an Bedürftige oder Halb-Bedürftige aufzuteilen, die sie ihm nächstliegenden Dorf finden können“, begann er im kargen Befehlston. Morwenna biss sich vor Wut auf die Lippe. Das sah ihm ähnlich! Das Problem war noch nicht aufgetreten und er bauschte es zur Katastrophe auf!

„Anschließend“, fuhr er mit eindringlichem Blick fort. „Wirst du persönlich einen zweiten Tross mit den versprochenen drei Dutzend Hilfspaketen zusammenstellen und ihn nach Vascar begleiten. Du wirst das Missverständnis aufklären, bevor es durch Dritte an die Öffentlichkeit gerät. Du wirst die zugehörige Grafschaft nicht eher verlassen, bis der Hunger keinem dort mehr anzusehen ist. Du wirst ihnen die stetige Hilfe durch das Fürstenhaus versichern. Und du wirst von dort aus den anderen Grafschaften schreiben, dass sie dieselbe Hilfe erwarten können.“ Er zerriss das Pergament, das er aus ihrer Hand nahm. „Entweder werden sich die Grafschaften mit Händen und Füßen gegen den Besuch der Fürstin wehren, weil sie Dreck am Stecken haben, oder“, er grinste süffisant und Morwenna biss die Zähne zusammen, „es wird ein sehr langer Winter für dich werden.“

***


Morwenna hörte in ihrem Rücken das Zähneklappern des Kapitäns. Der Kobold war dem Greisenalter näher als der Jugend und wirkte nach der längeren Seeetappe ausgelaugt. Dennoch ließ er es sich nicht nehmen, seine Passagierin über den Landungssteg hinunter zum Hafendock zu geleiten. Wie stets hielt er den wahllos gemessenen Abstand zu ihr, den er auch dann auf Biegen und Brechen wahrte, wenn sie eines der wenig notwendigen Gespräche miteinander führten.

Seine Furcht vor ihr schien mit festem Boden unter seinen Füßen nur noch zu wachsen.  Er nahm den Krempenhut von seinem kahlrasierten Kopf und verbeugte sich ungelenk. „Meine hohe Fürstin, es war mir eine Ehre, dich zurück in deine Heimat zu bringen…“

„Ganz Langollion ist meine Heimat“, fuhr sie ihm mit kühlen Worten dazwischen. Tatsächlich aber führte sie ihre Schritte auf dem Boden der Hauptstadt, in der Nähe des Refugiums ihrer Familie, am sichersten. Die Monate in der eisigen Baronie hoch im Norden vermochten nichts daran zu ändern, auch wenn die Arbeit dort leichter von ihrer Hand gegangen war, als sie zunächst erwartet hatte.

Sie legte ihren mit schwarzem Bärenpelz umschlagenen Mantel auf der Schulter zurecht und sah für einen Moment auf die Arbeiter, die ihr Reisegepäck aus dem Schiffsbauch hoben, um es an Land zu bringen. Dann allerdings wanderte ihr Blick höher, wie die Taue der Rah hinauf gen Himmel. Der obere Mast, das Krähennest und die Seile wogen verhalten im Wind. Als wäre das tragische Schreien der Möwen eine Melodie, zu der sie sich zu regten. Im Schein der aufgehenden Sonne war es leicht, so etwas wie Wehmut zu empfinden. Das Reisen war durchaus mit Leidenschaft verbunden …

Sie schnaubte kaum vernehmlich, sodass ihr der Atem in einer größeren weißen Wolke vor dem Mund stand. Zumindest war der zweite Teil ihrer Reise wesentlich angenehmer verlaufen, als der erste. Fast eine Woche war sie mit dem Tross bestehend aus Hilfsgütern und Heilern in die ferne Baronie gereist, um dort für ihren Fehler gerade zu stehen. Ihre Erlebnisse dort waren für sie ein Anstoß gewesen, künftig mehr Bedacht auf die Macht der Vielen und die Bedürftigkeit der Einzelnen zu legen. Es war erschütternd zu sehen, wie sehr die Bevölkerung um ein normales Auskommen zu kämpfen hatte und wie wenig davon an den Fürstenhof bekannt gegeben wurde. Dementsprechend viele Briefe waren gewechselt und Aufgaben verteilt worden. Eine ihrer fähigeren Heilerinnen war bereitwillig in der fernen Grafschaft an der nördlichen Spitze des Reichs verblieben, um die Einhaltung der neuen Regelungen zu kontrollieren – und ihre Herrin umgehend in Kenntnis zu setzten, wenn gegen sie verstoßen wurde.

Fast zehn Wochen lang hatte ihre Reise gedauert. Keinen freien Moment hatte sie gehabt, um an ihr Zuhause im Rosenturm, nicht weitab der Hauptstadt des Fürstentums, zu denken. In diesem Moment sehnte sie sich allerdings nach dieser vertrauten Umgebung und stellte fest, dass ihr jedes Mal so zumute war, wenn sie längere Zeit nicht im Fürstensitz weilte. Zuerst war ihre Heimat den anderen, fremden Dingen in ihrem Interesse untergeordnet, bis sie kurz davor war, wieder in die Hauptstadt zu kommen. Dann war die Sehnsucht nach ihrem Refugium fast greifbar.

Reisen war eine merkwürdige und faszinierende Weise, seine Wurzeln zu festigen und sich doch in der Fremde zu verlieren …

„Ich hoffe, dass die Fahrt zu deiner Zufriedenheit war“, presste der Kobold zwischen seinen Zähnen zusammen und war schon fast dabei, sich wieder auf seinen Kahn zu begeben.

„Danke“, nickte Morwenna und wandte sich von der Szenerie der Schiffsseite ab, die im Wind ihre eigenen Bewegungen zu besitzen schien. Vor ihr lag der Hafen der langollischen Hauptstadt im kühlen Tau eines winterlichen Januarmorgens. Die ersten Boote kamen von ihrer Fahrt auf See zurück und Fischer luden ihren Fang auf die Holzstege an den äußeren Docks. Der Kahn, auf dem sie gereist war, landete näher an der granitenen Hafenmauer, wo der Steg aus massivem Stein gefertigt war.

Wie sie den Dock hinauflief, hinter ihr ihre Zofe Abelle und ihr restliches Reisegefolge, bemerkte sie den ein oder anderen Blick auf sich ruhen. Einige schienen sie durchaus zu erkennen, hielten sich aber mit Worten zurück. Ihre Blicke sagten mehr, als die Fürstin wissen wollte. Noch immer schien das Volk davon überzeugt, dass die mangelnde  Armenhilfe allein dem Fürstenhaus anzulasten war. Die Herrschaft der Kinder Alathaias bekam zum ersten Mal auch innerhalb der Bevölkerung Langollions Risse.

Morwenna hatte ein, zwei Mal mit dem Gedanken gespielt, dass die wenig loyalen Grafen, die im Namen ihres Bruders regierten, mittlerweile zur Krone übergelaufen waren. Emerelle könnte versuchen, den Adel zu bestechen, um die Bevölkerung zu manipulieren. Von den wenigen Mitteln, die Langollions Fürstenkrone bereit hatte, war ein angemessener Teil in die Hilfe für die Armut geflossen. Nur schien dieser Fluss unaufgeklärt versiegt zu sein. Das Leck zu finden, könnte Jahre dauern. Bis dahin war ein Aufstand des Volks eine stetig zu erwartende Bedrohung. Morwenna war zu dem Schluss gekommen, dass Emerelle weit gehen könnte, um eine unliebsame Adelsinstanz los zu werden. Aber ihr eigenes Volk hungern zu lassen, traute die Heilerin der Königin nicht zu. Zumindest wollte sie ihr das nicht zutrauen.

Am Anfang der breiten, gepflasterten Hafenstraße stand ihre vierspännige Kutsche bereit, die sie gemeinsam mit ihrer Zofe betrat. Kaum hatte sich die Heilerin auf das weiche Polster niedergelassen, schloss ihre Vertraute den Verschlag und verbannte damit die regsame Geschäftigkeit des Hafens. Im Innern der Kutsche, die mit dunklem Brokat betucht war, war es nicht minder kühl als im Freien. Doch Morwenna genoss die dumpfe Ruhe, die schon bald vom Hufschlag der Pferde unterbrochen wurde.

Schnee begann zu fallen. Die Schwester des Fürsten fiel in einen unruhigen Schlaf.

***






Der Schneefall wurde stärker, als Morwenna in ihren ledernen Stiefeln die dunklen Granitplatten im Hof des Rosenturms betrat. Ihr Blick ging die riesige Fassade des Turms hinauf. Scheinbar hunderte kleinere Türmchen, Ausläufe und umkreisende Ausbauten hatten sich bis in schwindelerregende Höhe an die Außenwand geklammert und ließen den Fürstensitz stetig wachsen. Fast der gesamte Stein war von wucherndem Efeu beschlagen. Morwenna wusste, dass einige Kobolde, die in den Parkanlagen der Residenz beschäftigt waren, die Schlingpflanzen mit einem Zauber vor dem sicheren Erfrieren schützten. Sie schienen in dem Grün eine Art Symbolik zu sehen, welche die einfache Stetigkeit der Koboldvölker mit dem Prunk der Elfen verglich.

Zwei geschwungene, großzügig bemessene Treppen aus hellem Sandstein führten parallel zum gewaltigen Tor hinauf. Die freie, emporliegende Terrasse, auf der die spektakulärsten Empfänge bereitet werden konnten, wurde von einem steinernen, säulengestützten Vordach überragt. Wie sie eine der Treppen hinauf ging, führte Morwenna ihre Hand die kalte Balustrade entlang, von der die dicke Schneeschicht gestrichen war. Vom Dach des Säulengangs flatterten die Banner ihres Hauses im Winde des Vormittags. Einzig die Blutrose aus den Zeiten der Schattenkriege war aus dieser Anreihung ihrer Landeschronik entfernt worden. Zuvorderst prangte die nunmehr weiße Rose auf grünem Untergrund, die sie und ihren Bruder repräsentieren sollte. Bei der Wahl dieser Farbgebung waren sie von ihrem Haushofmeister beraten worden, er war ein bekannter Getreuer der Königin, der zum Aufbau Langollions nach den Aufständen geschickt worden war. Er hatte ihnen das Weiß nahegelegt – die Farbe der Kapitulation – als Zeichen ihres Friedenwillens und den grünen Untergrund als Zeichen ihrer Kron-Loyalität – denn auch die Königin trug in ihrem Wappen diesen Farbton. Morwenna und Tiranu sollten die Entscheidung, auf den politischen Ratgeber zu hören, für immer bereuen.

Als sie das Tor erreichte, empfing sie das vertraute Gesicht, dem sie diesen Fehler zu verdanken hatte. Der Hofmeister Cirinth hieß sie in seiner gewohnt distanzierten Manier willkommen, gemischt mit einem unbekannten unruhigen Zug. Für Abelle, ihre Zofe, und ihr restliches Reisegefolge hatte er nur ein schwaches Nicken bereit. Morwenna wusste aber, dass der Hofmeister seinerseits unter dem Haushalt nicht beliebt war. Schon oft hatte es Reibereien wegen Vorwürfe falscher Loyalität oder ähnlichem gegeben.

„Wo ist mein Bruder?“, richtete Morwenna unterkühlt an ihn. „Ich möchte ihn sprechen!“

Cirinth sah sie einen Moment lang irritiert an und schüttelte sein blondes Haupt: „Der Fürst weilt nicht im Rosenturm. Er ist vor zwei Wochen nach Ishemon gereist, um dort Verhandlungen zu führen.“

„Weiß man, wann er gedenkt, zurückzukehren?“ Der Hofmeister schüttelte erneut übertrieben sein Haupt. Morwenna verbiss sich ein Schnauben. Das war ein Grund mehr, weshalb es ihr manchmal schwer fiel, mit Tiranu zusammenzuarbeiten. Er war viel zu sehr daran gewöhnt, Einzelkämpfer zu sein, als dass er an solch banale Dinge dachte, wie ihr zu schreiben, wann er verreiste, oder einen Überblick der neuen Geschehnisse im Land zu hinterlassen …

„Es gibt allerdings jemand anderen, der dich zu sehen wünscht, meine Fürstin“, erneut konnte Morwenna etwas wie Nervosität in den Augen Cirinths erkennen. Was mochte seine kühle Fassade derart ins Bröckeln gebracht haben? „Eine Delegation aus Abgesandten kam vor etwa vier Tagen unangemeldet über den Seeweg hier an. In Begleitung eines … gewissen Elfen.“

Morwenna hob eine Braue. „Abgesandte woher?“ Die Heilerin verfluchte die Art, wie Cirinth sich immer alles aus der Nase ziehen ließ.

Doch der Hofmeister hob nur die Hände – eine Geste der Ratlosigkeit: „Herrin, du würdest mir nicht glauben, wenn du es nicht mit eigenen Augen siehst. Wenn du mir folgen möchtest, sie sind im Studierzimmer der Kaminhallen und trinken Schna- Tee!“ Er schüttelte das Haupt und kräuselte die Lippen. „Tee mit Schnaps vermengt, eine Unart, wenn du mich fragst, aber sie nennen es fast liebevoll ‚Grog‘“

Abelle warf ihr einen irritierten Blick zu. Auch sie schien das eigenartige Betragen des Hofmeisters zu verwundern. „Kann es sein, dass du einige Tassen dieses Getränks bereits zu dir  genommen hast?“

Ihre Zofe fing nur einen bösen Blick auf, der Funken zu sprühen vermochte. Morwenna bedeutete ihrer Vertrauten mit einem Fingerzeig zu schweigen: „Abelle! Bring mein Gepäck in meine Gemächer. Den Rest des Abends kannst du dir frei nehmen.“

„Herrin“, nickte die schlanke Elfe mit dem kurzgelockten braunen Haar und eilte den Gang hinunter, um die Anweisungen zu erfüllen.

Morwenna wandte sich an Cirinth: „Schlaf deinen Rausch aus.“

An ihm vorbei wählte sie die stets rund geschlungenen Gänge, die sie durch den großen Innenhof hindurch in die Hallen der Kamine führten. Diese Hallen bildeten das Herzstück des Fürstensitzes. Auf verschiedenen Ebenen waren zahlreiche offene Bibliotheksräume ausgeschmückt, die zu den verschiedensten Themen geordnet waren. Diese waren von der großen Haupthalle aus zu erreichen, die von zahlreichen Kaminen gewärmt wurde. Über den aufwendig gepflegten Holzdielenboden lagen in dezenten Farben gehaltene kostbare Teppiche, welche die Geräuschkulisse selbst bei vielen Anwesenden angenehm zu senken vermochten. Das Interieur war in verschiedenen Gruppen farblich abgestimmt. Sessel und Ottomanen luden zum Verweilen ein, während auf den niedrigen Beistelltischen aus Dunkelholz Köstlichkeiten für den diskutablen Austausch aller Art dargeboten wurden. Einige Sekretäre und lange Arbeitstische unterstützten die Schreiber des Hofstaats bei ihrer Arbeit. Insgesamt wirkte die Halle riesig, die Decken waren hoch und mit aufwendigem Stuck verziert. Die bodenlangen Fenster ließen das Licht in die Hallen und boten gleichzeitig den Blick über die Terrassen zum Park. Im Sommer wurden die Fenster wie Türen zu einer anderen Welt geöffnet und viele der Sekretäre verschob man nach draußen auf die auslandende Terrasse. Der Arbeit, aber auch dem gesellschaftlichen Austausch wurde dann unter freiem Himmel nachgegangen.

Morwenna war überrascht, aus den nahen Hallen das leise Klingen eines Harfenspiels zu vernehmen. Eine Flöte stieg in das Spiel mit ein, im Vergleich zur schwermütigen Melodie des Saiteninstruments klang die Flöte gelöst und fast freudig. Die Heilerin bekam ein ungutes Gefühl, diese Melodie schien ihr vertraut, obgleich sie diese nie zuvor vernommen hatte. Sie beschleunigte ihre Schritte, erst auf dem mit Marmorplatten überzogenen Boden, dann trat sie auf die Holzdielen der Halle.

Auf den ersten Blick war niemand zu sehen, doch je weiter sie ging, desto lauter wurde das Musikspiel – ehe es unvermittelt verstummte. Ganz am Rande der zentralen Halle, zu der Fensterfront hin, hatte sich eine kleinere Gruppe auf mehrere Polstermöbel niedergelassen. Einige Flaschen Wein, Wasserkaraffen, Teekannen und dazu passende Services, Tabletts mit süßen und salzigen Kuchen, dazu passend das feinste Silberbesteck. Das gesamte Bild wirkte für sie unnatürlich, es lag nicht nur an der Art, wie die Teller und Tassen angeordnet waren – ohne System oder für sie erkennbare Eleganz – sondern auch an der fremden und außerordentlichen Mimik und Gestik der Anwesenden.

Morwenna konnte nicht verhindern, dass ihr unvermittelt der Mund aufklappte. Diese Gäste … waren etwas kurz geraten. Die Beine reichten kaum über die Sitzpolster, die Hände wirkten kleiner als gewohnt. Plötzlich wurde ihr klar, wer oder besser gesagt, was sich dort unangemeldet in die Sessel ihres Palastes niedergelassen hatte. Als Kind hatte sie von ihnen in Märchen, die ihre Mutter ihr erzählte, oder Gruselgeschichten, mit denen ihre Brüder sie zu ängstigen versuchten, gehört. Die Dunkelalben, die einst aus Albenmark ausgezogen waren, weil sie sich der Schwanenkrone nicht unterwerfen wollten. Dann waren sie vor der Trennung der Welten wieder auf den Plan getreten, um ihre alte Heimat Aelburin erneut zu beziehen. Nun waren sie keine Märchengestalten mehr und ihre eigentlichen Namen über die weiten der Albenmark bekannt: Die Zwerge.

Die junge Fürstin zählte fünf ihrer Rasse, die aufsprangen, als sie vor sie trat. Ihrer aller Augen waren auf sie gerichtet. Auch ein Elf saß bei ihnen, die Flöte in der schlanken Hand, der Blick aus den verschiedenfarbigen Augen unsicher. Ihr war, als würde ihr der Boden unter den Füßen fortgezogen werden. Welch Dreistigkeit …

Einer der Zwerge trat vor. Er besaß strohblondes Haar, das an den Schläfen schütter wirkte. Ein gepflegter, kurzgeschorener Bart verbarg einen Großteil des Gesichts. Um seine wachen grünen Augen herum lagen Lachfalten, die auch nun heiter tanzten, als er sich abgehackt vor ihr verneigte: „Fürstin Morwenna, ich freue mich sehr, deine Bekanntschaft zu machen und möchte dir meinen Dank für die außerordentliche Gastfreundschaft deines Hofstaats ausdrücken. Selten haben wir so viel außerhalb unserer Höhlen gelacht oder wurden kulinarisch derart freigiebig verwöhnt.“ Der Zwerg verneigte sich nochmals vor ihr, aber Morwenna war wie starr. Tiranu mochte doch keine Delegation Zwerge in ihr Heim geladen haben, nur um dann kurz vor ihrer Ankunft nach Ishemon zu reisen? „Mein Name ist Walderion, ich wurde von König Wengalf auserwählt, um als Schirmherr über das Handelsabkommen zwischen Langollion und Aelburin zu wachen. Es wird mir eine Ehre sein, mit den deinen Geschäfte zu machen, scheinen wir doch viele Gemeinsamkeiten zu haben.“

Die letzten Worte schienen aus einem ihr unbegreiflichen Grund unterhaltsam zu sein, denn alle im Raum – ausgenommen ihr und der blonde Elf – stießen lautes Gelächter aus. Morwenna suchte Jornowells Blick. So sehr es sie schmerzte, wollte sie seine Erklärungen zu dieser Angelegenheit hören. Nebenbei bemerkte sie, dass sie noch kein einziges Wort an ihre Gäste gerichtet hatte.

„In Langollion ist jeder Reisende mit aufrechtem Herzen willkommen“, begann die Elfe also abwesend und fixierte Jornowell dabei. Der Weltenwanderer sah abgekämpft aus. Dunkle Ringe gruben sich unter seine Augen, welche ebenfalls ihren Blick suchten. „Auch mögliche Handelspartner finden in unseren Hallen stets ihren Platz und unser Gehör. Verzeiht, dass mein Bruder oder ich euch nicht persönlich empfangen konnten, wir befanden uns im Namen unseres Volkes auf dringlichen politischen Reisen. Ich hoffe mein Hofstaat hat euch gebührend umsorgt.“

Sie setzte nach einer kurzen Pause zu einigen weiteren Worten an, wurde aber von Walderion abgelenkt, der zwei Männer aus seinem Gefolge anwies, einen Sessel für sie heran zu holen. Morwenna beobachtete fassungslos, wie die beiden gedrungenen Gestalten – einer besaß einen schwarzen Bart, der bis zu seinen Stiefelspitzen reichte – das schwere Möbelstück heranschafften. Schließlich hatten sie es am Kopf ihres kleinen Banketts gezerrt und verneigten sich noch einmal kurz vor ihr. Der Zwerg mit dem schwarzen, geölten Bart machte Anstalten, ihr den Mantel abzunehmen. Eilig öffnete sie die Verschlüsse und übergab ihn an den strahlenden Zwerg.

„Du musst von der Reise erschöpft sein, Fürstin“, mutmaßte Waldarion und klatschte in die Hände. „Ich kann dir versichern, dass alles zu unseren Vorstellungen ausgerichtet war. Aber nun genug der höfischen Lobhudelei. Wie trinkst du deinen Grog?“

Ohne ihre Antwort abzuwarten, schenkte ihr einer der Zwerge Tee in eine Tasse und Morwenna sank sprachlos in den Sessel hinab. Kaum hatte sie sich gesetzt und ihr helles Reisekleid glatt gestrichen, taten es ihr die Zwerge nach und ließen sich zurück auf die Polstermöbel fallen. Auch Jornowell setzte sich und Morwenna schenkte ihm einen bitterbösen Blick, der ihn töten mochte, wenn sie so etwas wie Glück besaß.

Walderion schien ihren Blick zu bemerken: „Der Junge hier hat uns ganz schön überrascht, als er vor ein paar Wochen vor unseren Toren stand. Er sieht gar nicht nach den typischen Höflingen aus, wie sie sonst in Elfenlicht anzutreffen sind. Aber Langollion tat Recht daran, ausgerechnet ihn als Gesandten nach Aelburin zu schicken. Der Junge verträgt viel zu viel Met für einen gewöhnlichen Elfen … und eine lockere Zunge hat er … man könnte meinen, er sei ein Zwerg!“ Er klopfte seinem Sitznachbarn auf die Schulter und alle fielen in sein Gelächter mit ein. Jornowell schien dagegen eher verlegen.

„Das glaube ich gern“, erwiderte Morwenna und trank aus ihrem – nicht nachgebesserten – Tee. Sie war von der Mischung überrascht, einen solchen Geschmack kannte sie nicht. Die Zwerge mussten diese Teeblätter nach nach Langollion mitgeführt haben.

„Schmeckt er dir?“, fragte Walderion erheitert.

„Welche Mischung ist das? Er ist sehr stark.“

„Ein Kraut aus unserer alten Heimat“, ein Schatten tanzte über sein Gesicht. „Es verträgt sich gut mit dem Birnenschnaps, den ihr hier produziert. Sicher, dass du keinen möchtest?“

Die Fürstin verneinte: „Danke, aber wie du schon sagtest, ich bin erschöpft von der Reise …“

Waldarion wandte sich grinsend an Jornowell: „Siehst du, so verhält man sich gesittet, wenn man deinem Volk angehört und es noch früh am Morgen ist.“

Wieder grinste Jornowell verlegen und schien sich einen Kommentar zu verkneifen. Was immer hier vor sich ging, Morwenna wurde sich immer sicherer, dass der Weltenwanderer der Drahtzieher an allem war. Die Zwerge waren ebenso in seine Gespinste verstrickt wie sie auch. Aber wenn die Gesandten Aelburins wirklich hier waren, um Geschäfte mit Langollion zu schließen, dann durfte sie diese Chance nicht aus falschem Stolz verstreichen lassen. Die letzten Wochen hatten ihr gezeigt, wie dringend ihr Land neue Geldquellen benötigte. Und schließlich besagten schon die alten Märchen, wie reich die Dunkelalben waren …

Leider ging ihr auf, dass sie sonst kaum etwas über dieses fremde Volk wusste. Umso mehr galt es, keinen Fehler machen, wenn sie etwas erreichen wollte.

Jornowell stand noch immer lächelnd auf und räusperte sich: „Waldarion, vielen Dank, dass du mich in solch hohen Tönen vor meiner Herrin lobst. Aber ehe diese Sache noch unangenehmer für mich wird, würde ich ihr gern Bericht über das Vorankommen unserer Verhandlungen erstatten. Wenn sie heute noch ihre Ruhe finden möchte, sollten wir uns nun verabschieden, denn es gibt viel zu besprechen.“

Waldarion bedachte ihn und anschließend Morwenna mit einem vieldeutigen Lächeln. Morwenna hob eine Braue – immer noch irritiert von dem Wort ‚Herrin‘ aus Jornowells Mund. Welches Spiel wurde hier vollführt? Sie stand ebenfalls auf, kurzzeitig gewillt, diese Scharade mitzuspielen, um sich von den Zwergen zu verabschieden: „Es war mir eine Freude, euch kennen zu lernen und ich hoffe, wir führen das Gespräch beim Abendessen fort. Aber nun möchte ich hören, was mein ‚Abgesandter‘ zu sagen hat.“ Waldarion sprang bei ihren Worten erneut auf und verneigte sich noch tiefer als zuvor. „Die Freude lag auf unserer Seite, Fürstin“, wieder klatschte er in die schwieligen Hände. „Jornowell hat uns viel von dir berichtet, aber die Wirklichkeit überstrahlt selbst seine talentierten Worte. Ich freue mich, dich beim Abendessen wieder zu sehen.“

Für Jornowell hatte er ein Zwinkern zum Abschied. Das Gesicht des Weltenwanderers nahm langsam die Farbe eines reifen Apfels an, wenn Morwenna das richtig sah. Schweigend griff er nach ihrem Mantel und ging an ihr vorbei zum Ausgang der Halle. Im Vorübereilen hörte sie ihn etwas wie „verdammter Grog“ nuscheln.

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So, ich hoffe, ich konnte euch mit dem Kapitel erfreuen :)
Ich freue mich sehr, von euch zu hören!

Liebe Grüße
Riniell
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