Rabenfedern

von Nairalin
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
26.03.2015
16.05.2015
7
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4
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Dieses Kapitel
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Huhu,

Erstens ist die ein  Geburtstagstext für DeepSilence! Ich hoffe, er gefällt dir und ich habe die Personen getroffen, die du wolltest! :D

Zweitens ist es ein Wettbewerbs-Beitrag zu Die Vorgabensammler von Wortzauberin.

Fehler-Jägermeister war Elenoriel, der ich zutiefst dankbar bin, dass sie das gemacht hat!

Diese Geschichte hat eigentlich sieben eigentständige Kapitel, wettberwerbsbedingt wurde aber alles in einem Kapitel gepostet. Nach dem WB wird dies getrennt werden. Der WB ist auch einer der Gründe, warum der Text an sich von der Thematik so kurz gehalten wurde (wie es eben ging), da die Jury ihn auch lesen können soll. Ich behalte es mir vor die Geschichte später zu erweitern, damit sie runder ist.

Da das Fandom sicher nicht jedem bekannt ist, eine kurze Einführung. Das Königreich und die Stadt Gondolin liegen in einem Tal, welches nur durch ein einstiges Flussbett betreten werden kann. Das Tal Tumladen selbst war früher ein See mit einer Insel. Dort steht die Stadt des Reiches. Es gibt verschiedene Elbenvölker, genannt werden hier die Noldor, ein sehr handwerklich-begabtes und wissenschaftliches Volk, Falathrim, ein Seefahrervolk, und die Sindar, ein im Vergleich eher "rückständiges", meist in den Wäldern angesiedeltes Volk (Doriath zB ist ein Königreich mitten im Wald). In Gondolin gibt es insgesamt zu der Zeit, in der die Geschichte spielt 11 Häuser, eines davon ist das Haus des Baumes.

Um die Sicherheit zu gewährleisten gibt es eine Regel in Gondolin und zwar, wer das Reich betritt, dem ist verboten dieses lebend zu verlassen.

Es gibt auch die sogenannten Ainur, welche sich in die Valar und Maiar einteilen lassen. Diese geistigen Wesen kann man gerade im Fall der Valar mit einer Mischung aus griechischen Göttern und Engeln vergleichen. Die Maiar sind auch nochmals unterteilt und wir haben Dryaden, die Tavarilli genannt werden, sprich Baum- und Waldgeister.

Ich verwende die Maßeinheit Rangwë, Pl. Rangwi im Text, was ungefähr 0,96m entspricht bzw. Pityarangwi etwa 0,8cm. Die Elben sind sehr groß, daher um ein besseres Verständnis zu haben: Legolas ist etwa 201cm und Galdor 231,5cm.

Ich verwende auch zwei Quenya-Wörter im Text:

Ammë = Mama
Atar = Vater

Meine ausgesuchten Vorgaben:

Wörter, die verwendet werden müssen: Luftschloss, Dornenregen, Pusteblume
Leitmotiv oder Zitat im Text: Manchmal weiß ich nicht, ob ich eingesperrt bin oder ausgesperrt
Gesprächsthema: Unscheinbarkeit

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Die Rosen im Schlossgarten

Legolas rannte seiner jüngeren Schwester hinterher und versuchte sie zu erwischen, bevor sie sich verletzen würde. Sie war gerade einmal achtzehn Jahre alt, ein kleines Kind. Doch er konnte sie nicht erwischen und sie lief einfach weiter. Seine älteren Geschwister würden davon wenig begeistert sein, besonders seine Schwester Morfinnel würde wieder toben.

Er war das dritte von vier Kindern in seiner Familie und dieser Umstand machte es manchmal wirklich schwer. Vor allem da seine älteren Geschwister, meist ihm die Aufsicht über Anarel, die Jüngste, gaben. Seufzend jagte er ihr nach und folgte ihr durch den lichten Wald, der sich über einen großen Teil der Gebiete im Osten des Tales erstreckte.

Doch egal wie schnell er rannte, er schaffte es nicht, sie zu erwischen. Seine kleine Schwester flüchtete vor Legolas und er hatte Probleme sie in die Finger zu bekommen.

"Anarel!", rief er ihr nach, als er sah, wie sie ins Unterholz lief. Er fluchte leise und beschleunigte erneut. Sie war umso vieles kleiner und trotzdem war sie schneller als er. „Flügelfuß“ hätte man sie nennen sollen, das wäre sehr viel passender. Er hetzte ihr nach und verzog das Gesicht, als Dornenranken seine Haut zerkratzten. Mit seinen Händen drückte er die Ranken beiseite, kam aber kaum voran.

Anarel war schon weit weg und er konnte sie weder sehen noch hören. Ein ungutes Gefühl trieb ihn an. Er vernahm ein Ratschen und mit einem Blick auf seinen Umhang bemerkte er den tiefen Riss im Gewand. Frustriert seufzte er, denn es bedeutete, dass er zuhause wieder nähen durfte. Morfinnel war nicht bereit, ihm einmal die Kleidung zu flicken, wenn er sich diese versehentlich beim Arbeiten zerrissen hatte.

Ihre Familie arbeitete in der Land- und Forstwirtschaft, wie alle, die dem Haus des Baumes angehörten. Wer der Gründer war, wusste niemand so recht. Auch als Legolas bei den Älteren nachgefragt hatte, konnte ihm niemand eine zufriedenstellende Auskunft geben. Einzig die Tatsache, dass der Osten mit seinen Wäldern dem Haus des Baumes angehörte, war bekannt und wie weit dessen Grenzen gingen.

Der östliche Wald war so dicht, dass man munkelte, dass er verflucht sei. Man kam nicht tief hinein, denn Dornenranken versperrten den Weg und es war verwirrend hier. Als ob der Wald ein Eigenleben hätte und nicht wünschte, dass man hier herkam.

Er arbeitete sich weiter durch diesen Dornenregen, denn so kam es ihm vor, und rief nach Anarel. Doch seine Schwester reagierte nicht und das machte ihn nervös. Immer stärker versuchte er sich durch das Dickicht zu zwängen, um so schnell wie möglich Anarel zu erreichen. Ein Gefühl sagte ihm, dass sie in Gefahr war, auch wenn er nicht zuordnen konnte, warum. Gefährliche Tiere gab es nicht wirklich im Tal von Tumladen, aber doch genug geringere Ainur wie die Tavarilli, die Geister der Wälder.

Legolas schaffte es irgendwann aus dem Dickicht zu kommen und rannte flink zwischen den Baumstämmen hindurch. Seine Augen suchten die Umgebung ab, in der Hoffnung einen Blick auf seine Schwester zu erhaschen, die sich hoffentlich nur versteckt hatte und darauf wartete, dass er sie fand. Er suchte nach dem dunklen Schopf und dem himmelblauen Kleid, doch nirgends konnte er den Farbfleck entdecken, der seine Schwester war.

Erst ein Schrei ließ ihn herumfahren und er war noch nie so schnell gelaufen wie jetzt. Ein Stein schien in seiner Brust zu sein, als er der Stimme seiner Schwester folgte. Schrill und voller Angst klang sie und er erreichte das Waldende, so schien es, wo er mit weiten Schritten die Wiese überquerte. Vor ihm tauchte ein Schloss auf und er konnte Hecken sehen, die wohl einen Garten abgrenzten.

Endlich erreichte er die Grundgrenze und stürzte fast, als er das Tor durchquerte, welches von Rosen umrankt war. Zart lachsfarben waren die Blüten und strahlten eine Unschuld aus, die er sich nicht erklären konnte. Vorsichtig schritt er voran und sah sich um. Die Schreie waren verstummt und er befürchtete das Schlimmste. Doch dann erklang ein Wimmern und er lief ohne weiter zu denken den Gang aus Hecken weiter.

Er stolperte, als er vor einem Hügel herauskam und seine kleine Schwester entdeckte. Nur durch Glück schaffte er es, sich an der Hecke abzufangen und blinzelte ungläubig. Ein schwarzes Monster hielt seine Schwester hoch und funkelte sie aus eisig blauen Augen an. Anarel weinte bitterlich und strampelte schwach. Der Schnabel des Ungetüms war schwarz, wie das Gefieder, welches es trug. Legolas wollte schreien, aber seine Stimme war weg. Zu Füßen der Kreatur lagen rote und weiße Rosen, bezaubernd anzusehen.

Und Legolas wurde klar, dass Anarel sie gepflückt haben musste…

"Lasst sie los!", rief er endlich und schritt voran. Seine Augen funkelten angriffslustig und er ging auf das Wesen zu, welches seinen Blick nun auf ihn richtete. Doch seine Schwester ließ es deshalb nicht los.

"Warum sollte ich das tun?", krächzte es und erwiderte den Blick mühelos. Legolas baute sich vor ihm auf, mutiger als er sich fühlte und schaute auf. Er fühlte sich fürchterlich klein und schluckte widerwillig. Doch deshalb gab er nicht nach.

"Weil sie meine kleine Schwester ist und noch ein Kind!"

Die Augen verengten sich. Aber es ließ seine Schwester herab, hielt sie aber im Genick gepackt.

"Sie hat Geschenke erhalten für sich und ihre Familie und trotzdem stahl sie meine Rosen", sagte das Ungetüm und Anarel wimmerte erneut. Leises Schluchzen war zu vernehmen und Legolas knirschte mit den Zähnen. "Sie riss die feinen Blüten ab und nahm sie sich ohne Maß und Ziel. Dafür wird sie mit ihrem Leben zahlen!"

Ihm wurde kalt und er sah geschockt zu seiner Schwester, die nun endgültig weinte und sich zu befreien versuchte. Doch die feingefiederten Finger hielten sie unbarmherzig fest. Er wollte nachdenken, doch sein Kopf blieb leer, alles schien erstarrt zu sein.

"Nehmt mich statt ihr", wisperte er rau und konnte nur auf seine Schwester schauen, die nun entsetzt wirkte und bitterlich weinte. Alles erschien ihm irreal und er schluckte, als das Wesen Anarel freigab. Sofort lief sie zu ihm und klammerte sich an ihn. Legolas presste sie eng an sich und bekam Probleme mit dem Atmen. Die blauen Augen durchbohrten ihn und er zitterte.

"Ihr nehmt ihre Stelle ein?" wurde er gefragt und er nickte.

"Ich bitte nur darum, sie Heim bringen zu dürfen…", brachte er hervor. Ein Brummen erklang.

"Ihr müsst zurückkommen! Ansonsten werde ich Eure Familie bis zum letzten Mitglied auslöschen!"

Legolas nickte nur benommen und verängstigt.

Er packte seine Schwester und hob sie hoch. Ohne einen weiteren Blick drehte er sich um und eilte nach Hause. Die Ranken, die ihn festzuhalten schienen, bemerkte er nicht. Seine Augen brannten und sein Hals war, wie zugeschnürt. Als er ihr Haus erblickte, rannte er nur noch schneller und trat die angelehnte Tür auf. Morfinnel, die in der Küche stand, starrte ihn zornig an, doch dann wurde ihr Blick verwirrt.

"Was ist passiert, Legolas?", fragte sie irritiert, doch er schwieg und setzte Anarel auf einem Stuhl ab. Zärtlich küsste er sie, bis ein schriller Schrei einer Krähe erklang und er zu zittern begann. Das Monster war ihm gefolgt, um sicher zu gehen, dass Legolas wiederkam.

"Nein, nein, nein, nein, nein…", jammerte seine kleine Schwester und hielt ihn fest. Aber er riss sich los und war schon wieder zur Tür hinaus.

"Legolas!" erklang hinter ihm. Er ignorierte es und eilte nur zum Waldrand. Oben in den Baumwipfeln konnte er einen dunklen Schatten erkennen. Er wollte weinen, aber er durfte sich nichts anmerken lassen.

"Legolas!"

Panik war mittlerweile in Morfinnels Stimme und sie rannte ihm hinterher. Er erreichte den Waldrand, und kaum, dass er seinen ersten Fuß hineingesetzt hatte, wurde er gepackt. Der ängstliche Schrei seiner älteren Schwester ließ ihn frieren und er konnte einen winzigen Blick auf sie erhaschen. Terror und Furcht standen in ihren dunkelgrauen Augen. Sie wurde kleiner, während die Umgebung verschwamm.

Ein Ruck ging durch ihn, als er abgesetzt wurde und wieder im Garten stand, in dem er auf das Monster gestoßen war. Schwarze Federn hielten ihn gefangen. Ihm fielen die freien ‚Arme‘ auf, die Flügeln glichen und er begann, zu verstehen, dass sie geflogen sein mussten. Eisig blaue Augen waren es erneut, die ihn durchbohrten und Legolas wich zurück.

"Da Ihr Euch freiwillig mir ausgeliefert habt, werdet Ihr hier leben und nicht Euren Tod finden", begann es und Legolas horchte ihm ungläubig zu. "Ihr werden meinen Garten betreuen. Ihr könnt überall hingehen, dürft alles erkunden, nur meine Ländereien habt Ihr nicht zu verlassen. Solltet Ihr es wagen-" "Werdet Ihr meine Familie auslöschen", wisperte Legolas und umarmte sich selbst.

All seine Pläne für die Zukunft waren vernichtet. Er hatte vorgehabt bei Fürst Ecthelion anzufragen, ob er in sein Haus wechseln könnte. Doch nun war er gezwungen einem Wesen zu dienen, welches tief in den Wäldern hauste.

"Folgt mir!", wurde er angewiesen und Legolas gehorchte. Sein Blick irrte umher und er konnte Statuen erkennen, die komplett durcheinander im Garten standen. Sie erreichten das Schloss und ein gewaltiges Tor öffnete sich. Sprachlos blieb er stehen und schaute sich um, bewunderte die feine noldorinische Architektur, die Ausstattung, aber vor allem die Blumen, die hier wuchsen. Er hatte noch nie gesehen, dass Blumen in einem Gebäude über Geländer wuchsen, sich einfügten, als wäre es geplant worden, dass sie sich so ausbreiteten.

Er wurde über mehrere Gänge und Stiegen geführt, bevor er dort ankam, was wohl sein Zimmer sein würde. Sprachlos starrte er auf die Einrichtung, als er eintrat. Den Blick des Ungetüms bemerkte er nicht mehr, denn seine gesamte Aufmerksamkeit lag auf dem Zimmer. Es war ein heller Raum, eine gewaltige Fensterfront mit einem Sitzfensterbrett ließ Licht herein und auch des Nachts die Aussicht zum Sternenhimmel zu. Zartgrüne Vorhänge, fast durchsichtig, gaben etwas Schutz vor fremden Blicken und unerwünschten Zuschauern. Auch wenn Legolas Probleme hatte, sich das vorzustellen, waren sie doch mindestens im zweiten Stock, wenn nicht höher. Ein Bett stand dort, das mindestens doppelt so breit war, wie das, welches in seinem Zuhause gestanden hatte. Die Möbel waren aus hellem Holz, wahrscheinlich Buche, gefertigt und es gab Bücher.

So viele Bücher, wie in nur einem der insgesamt vier Regale standen, besaß er nicht einmal…

"Dies sind Eure Gemächer. Unter Tags dürft Ihr überall hin, Legolas, des Nachts jedoch …", die Kreatur stockte kurz. "Des Nachts ist es Euch verboten diese Räume hier zu verlassen."

Legolas nickte verunsichert. Das Biest kam auf ihn zu und schaute ihn einfach nur an. Nervös verharrte er auf der Stelle und blickte zur Seite. Er atmete zittrig ein, als Federn seine Wange berührten und sanft seinen Hals hinabstrichen. Geräusche erfüllten den Hintergrund und dankbar für die Ablenkung versuchte Legolas, auszumachen, was dies verursachte. Sein Blick wanderte an seinem neuen Herrn vorbei und nur für einen Moment sah er etwas vorbeihuschen.

Das Monster trat beiseite und Legolas konnte bezaubernde Gewänder auf dem Bett erblicken in einem samtenen Blau mit grünen Akzenten. Verwirrt wollte er fragen, was das sollte, doch sein Herr war weg und er blieb allein. Unsicher ging er zum Bett und berührte die Stoffe, die im Licht der Sonne schillerten. Ihm war zum Weinen zu Mute und er ließ sich auf die Knie sinken. Die Finger vergruben sich in der Kleidung und er lehnte die Stirn an die Bettkante.

Seine Familie war nicht reich, zumindest nicht mehr. Einfache Handwerker hatte die Linie seines Vaters hervorgebracht, zwar talentiert, aber nicht so sehr, dass sie in den Adel aufsteigen konnten. Sein Vater konnte wundervoll schnitzen, aber er hatte seine Werke immer nur seinen Kindern geschenkt, da er sie als nicht gut genug für einen Fürsten ansah. Und egal, was Legolas auch sagte, es wurde in der Hinsicht ignoriert. Als jüngster Sohn wurde er von seinen Eltern geliebt, aber er durfte nicht mitreden.

Früher in Vinyalondë hatten sie Schiffe gebaut und Handel zwischen Aran Turucános Reich und den Falathrim aufrecht gehalten. Doch dann waren die Schiffe mit der Ladung in einem Sturm untergegangen. Sie hatten alles verloren und noch dazu eine Lieferung des Königs, welcher wenig begeistert gewesen war. Sein Vater hatte lange verhandelt, aber sie mussten alles an ihre Gläubiger, vor allem Sindar, abtreten, die kein Verständnis aufbringen hatten wollen. Dann war der Umzug des Reiches nach Gondolin gewesen und seine Eltern hatten große Hoffnungen in den Neuanfang gesetzt. Sie wurden von dem unbekannten Gründer des Hauses des Baumes aufgenommen und durften das Häuschen am Lande bewohnen.

Seit damals hatten sie das Haus und versuchten mehr schlecht, als recht, sich über Wasser zu halten. Morfinnel webte und verkaufte die Stoffe, während Baragon, sein älterer Bruder immer wieder Geld heimbrachte, auch wenn er nicht wusste, womit. Seine Eltern waren in Gondolin geblieben und hatten begonnen, dort Arbeit zu suchen, während sein Vater Aufgaben erhielt, die das Haus des Baumes am Leben erhielten.

Legolas selbst hatte die Aufgabe übernommen ihr Haus und die Gärten zu pflegen. Alles hatte er anpflanzen können, nur das ihm Liebste nicht - Rosen.

Er begann nun doch zu weinen, als ihm klar wurde, dass diese gesamte Situation seine Schuld war. Anarel wusste von seiner Liebe zu den Blumen und wie sehr er Rosen nahezu anbetete. Die perfekten Blüten, die so unschuldig aussahen, aber doch wehrhaft waren. Ihm wurde bewusst, dass seine kleine Schwester die Blumen für ihn mitnehmen wollte. Verzweifelt schlug er auf die Bettdecke ein.

Welch Ironie des Schicksals, dachte er nur erschöpft. Sie hatten immer einfache Gewänder getragen, weil sie sich nicht mehr leisten konnten. Und hier war er, ein Gefangener, der nie wieder seine Familie sehen würde, und im Reichtum schwelgte. Alles war von so eindeutigem Wert, dass ihm beinahe schlecht wurde. Hatte er sich noch einen Tag zuvor nach den alten Zeiten gesehnt, in denen die Geldsorge nie Teil ihres Lebens war, so wünschte er sich nichts mehr, als die Einfachheit ihres Hauses, den kleinen Garten mit den Gemüse- und Blumenbeeten, den Obstbäumen und Nusssträuchern zurück.

Eine Berührung ließ ihn zusammenzucken und er schrie leise auf. Entsetzt wich er zurück und erstarrte, als er ein kleines, plüschiges Wesen vor sich sitzen hatte. Riesengroße, goldgelbe Augen und Hängeohren hatte das Geschöpf und wedelte wie ein Hund mit dem Schwanz. Es kam auf ihn zu und Legolas griff intuitiv in das Fell, welches ganz weich war. Er begann es zu kraulen und wurde langsam ruhiger. Hunde waren schon immer neben Katzen etwas gewesen, was er gemocht hatte. Die Weichheit des Fells und das Darüberstreichen beruhigten ihn immens.

"Ihr solltet Euch umziehen!"

Legolas drehte verwirrt den Kopf in die Richtung der Stimme. Es war eine sehr helle, eher kindliche gewesen. Doch einzig ein Teeservice auf dem Beistelltischchen war zu sehen und er wandte sich wieder ab, in der Annahme sich das eingebildet zu haben.

"Ammë, wieso schaut er mich an und tut dann so, als ob ich nicht da wäre?"

Seine Augen weiteten sich und er starrte erneut auf das Teeservice. Die Teetasse hüpfte auf und ab. Mit einer Hand fuhr er sich übers Gesicht und blinzelte ungläubig.

"Weil es nicht sonderlich normal ist, dass leblose Gegenstände sprechen und sich bewegen, und unser Gast nicht davon ausgehen wird, dass wir das tun."

Legolas schob das Geschöpf von seinem Schoss und stand auf. Vor dem Tisch blieb er stehen starrte das Geschirr an.

"Oh, er hat uns bemerkt!", kam die entsetzte Stimme der Teekanne und er konnte Gesichtszüge erkennen. Plötzlich bewegte sie sich und ihm schien, als ob sie sich verbeugte. Die feine Malerei verzog sich und ein schmunzelndes, wenn auch unsicheres Gesicht war nun klar zu erkennen.

"Wie ist das möglich?", hauchte Legolas und wich etwas zurück.

"Oh, nicht doch, mein Junge! Wir sind harmlos!", rief die Teekanne und hüpfte auf ihn zu. Legolas blinzelte nur. "Doch Ihr solltet Euch beeilen, da der Herr Euch zum Abendessen erwartet. Zieht Euch um, dort drüben führt die Tür ins Bad."

Er war viel zu verwirrt, als dass er widersprechen hätte können. Er griff nach den bereitgelegten Gewändern und verschwand im Bad.
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