Meine letzten Stunden

KurzgeschichteDrama, Familie / P6
Alfred Ill Claire Zachanassian / Klara Wäscher
23.03.2015
23.03.2015
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23.03.2015 872
 
Hallo erstmal.
Freut mich, dass iher meine Geschichte angeklickt habt.

Dieser OS ist eine Klassenarbeit, für die ich die Note 1,5 bekommen habe.
Bitte wundert euch nicht, dass diese Geschichte der von Redvampirefanfiction ähnelt. Wir gehen schließlich in dieselbe Klasse und haben dieselbe Arbeit geschrieben. Lest auchmal bei ihr rein: http://www.fanfiktion.de/s/550ef28a00033f3f1393b2ab/1/Adieu-Klara-

Viel Spaß



Jetzt sitze ich hier im Konradsweiler Wald. Auf der Bank, die einst so schön war, an der so unglaublich viele Erinnerungen hängen. Gute sowie auch schlechte. Die Vergangenheit ist wieder auferstanden. Verfolgt mich, jagt mich, will mich tot sehen. Doch ich kann nichts dagegen tun.

Selbst meine eigene Familie, meine Frau und meine Kinder, mein eigen Fleisch und Blut, hat mich verraten. Wenn das alles hier endet, werden sie mir wahrscheinlich keine einzige Träne nachweinen. Ob sie mich vermissen werden? Ich weiß es nicht...
Vorhin, im Wagen meines Sohnes, bezahlt mit meinem Tod, als wir uns zum letzten Mal in diesem Leben verabschiedeten, wirkten sie keineswegs traurig oder niedergeschlagen. Fast sogar fröhlich sagten sie mir, sie wollten ins Kino fahren.
Wissen sie denn nicht, was nachher bei der Gemeinde Versammlung geschehen wird? Doch, sie wissen es, das ganze Dorf weiß es. Mein Herz blutet, zerspringt in tausende Bruchstücke, wenn ich daran denke, dass ihnen mein Tod nichts ausmacht. Schließlich profitieren sie ja davon...
Neue Kleider haben sie sich gekauft, Tennisunterricht und Fahrstunden genommen...
Wissen sie denn nicht, was sie mir damit antun?

Ich fühle mich verraten, gedemütigt, zum Sterben verurteilt. Mein Herz schlägt langsam und schwer in meiner Brust, drückt gegen meine Rippen.
Wie konnte das alles nur so ausarten?
Vor wenigen Tagen war alles noch normal. In ganz Güllen herrschte ein geregelter Tagesablauf. Zwar waren, nein, sind, wir alle verarmt, doch unsere kleine Gemeine hielt zusammen. Nicht einmal unser Bankrott konnte uns auseinandertreiben.
Ich dachte, wir würden alle zueinander halten. Einer für alle, alle für einen. Doch ich habe mich getäuscht. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken,, haben sie mich hintergangen. Doch nicht nur das.
Sie sagen, es ginge ihnen um Gerechtigkeit, nicht um Geld. Was für ein verlogener Haufen...

Claire hat all das hier lange im Voraus geplant. Sie hat still und heimlich Stück für Stück unser kleines, verarmtes Städtchen aufgekauft und es dann stilllegen lassen. Niemand hat es bemerkt. Keiner hat Verdacht geschöpft. Das war ein unglaublicher, ungeheuerlicher Schachzug von ihr. Ihren ganzen Racheplan muss sie schon vor langer Zeit ausgearbeitet haben. Sie hat alles ganz genau geplant. Sind wir denn so berechenbar? Offensichtlich, ja...
Ist ihre Rache nicht etwas übertrieben? Ich sehe es ja ein, was ich da vor Jahrzehnten mit ihr gemacht habe, war nicht in Ordnung. Doch deswegen jemanden umbringen?
Die Güllener werfen mir vor, ich hätte Klara damals ins nackte Elend gestoßen. Aber sie vergessen, dass dieses “Elend“ Milliarden für Kläri bedeutete.
Doch sie hat schließlich nicht nur die Vaterschaftsklage, sondern auch ihr, nein, unser Kind verloren.
Ich war damals einfach noch nicht bereit Vater zu werden. War jung, gutaussehend, das Leben stand mir offen. Doch mit diesem Gör hätte ich mir meine Zukunft verbaut.
Also habe ich meine Vaterschaft abgestritten und stattdessen Mathilde geheiratet. Sie hatte Geld, einen eigenen Laden. Was wollte ich mehr?

Doch jetzt kommt alles zurück. Meine Vergangenheit holt mich ein und zieht mich zurück. Claires Plan ist grausam. Anstatt mich einfach umzubringen, stiftet sie die Güllener zum Mord an.
An Anfang habe ich mich noch in Sicherheit gewogen. Der Bürgermeister und die übrigen Güllener lehnten das Angebot empört ab. Doch langsam fingen sie an, sich gegen mich zu stellen. Man glaubt es kaum, aber so ist es.
Meine Bekannten, meine Freunde, ja sogar meine eigene Familie, sie haben mich alle verraten. So etwas hätte ich ihnen nie zugetraut.
Haben sie denn keine Moral?
Sie verurteilen, was damals mit Claire geschehen ist, aber sie akzeptieren meine nahende Ermordung, ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken. Das Geld hat sie zu dem gemacht, was sie jetzt sind. Ein geldgieriger, skrupelloser Haufen...
Doch, auch wenn ich nicht mehr da bin, mein Blut wird an ihren Händen kleben. Sie können es nie wieder abwaschen, egal wie viel Geld sie haben. Denn, obwohl ich, der letzte Zeuge, dann nicht mehr eben werde, obwohl sie nie wieder ein Wort darüber verlieren werden, mein Tod  wird sie nicht mehr in Ruhe schlafen lassen. Es wird an ihrem Gewissen kratzen, sie in den Wahnsinn treiben. Claire ist das alles egal. Sie bekommt, was sie immer haben wollte. Ihre Rache, meinen Tod.
Gott, ich habe solche Angst. Ich weiß, dass ich heute noch sterben werde. Aber wie wird es passieren? Langsam oder schnell? Wer wird es tun? Wer wird sich die Hände an mir schmutzig machen? Ich weiß es einfach nicht. Meine Hände fangen an zu schwitzen. Mir wird schlecht. Doch ich habe nicht mehr die Kraft, mich gegen all das zu wehren.

Nun werde ich mich meinem Schicksal stellen. Habe ich es verdient? Ich bin mir plötzlich nicht mehr so sicher. Die lange Hetzjagd findet heute nun ein Ende. Zögernd stehe ich auf und gehe in Richtung Stadtmitte. Dort steht das Gemeindehaus. Es wurde renoviert, so wie fast alles in Güllen. Mit meinem Tod bezahlt.
Langsam gehe ich meinem sicheren Tod entgegen.