Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ohne dich ist das Leben nicht lebenswert

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12
Henry Harper Olivia "Liv" Silber
21.03.2015
28.04.2020
7
12.994
2
Alle Kapitel
30 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
21.03.2015 1.335
 
Eine kleine, klitzekleine Geschichte von zwei Kapitel über Liv und Henry.
Schaut, was passiert, wenn Liv depressiv wird, was Henry dann tut und wie alles um die beiden zusammenbricht. Wenn ihr allerdings wollt, dass die FF weiter geht, als nur zwei Kapitel, sagt es mir und ich werde sehen, was sich mahcen lässt.
Viel Spaß beim Lesen;D
LG Bene

PS: Wenn ihr Interessent habt lest doch auch meine Silber-FF: Silber – Das dritte Buch der Träume.
Es ist zu finden unter meinem Profil oder unter diesem Link hier: http://www.fanfiktion.de/s/545ba71200044834119fbf5b/1/Silber-Das-dritte-Buch-der-Traeume


Ohne dich ist das Leben nicht lebenswert...




Kapitel 1.
Leise quietschend schloss sich die weiße Tür hinter mir. Um diese Uhrzeit – jetzt um halb fünf an Abend – war nichts mehr los auf dem Gelände und in den Gebäuden der Frognal Academy. Kein Schüler, kein Lehrer, nicht einmal der Putzdienst, waren mir über den Weg gelaufen, als ich aus dem Gespräch mit Rektorin Cook gegangen war.
Die grauen Flure waren menschenleer gewesen, keine Laut war zu hören gewesen außer meinen leisen Schritten auf dem mit Fließen bedeckten Boden, vermischt mit meinem Atem.

Und wie es an diesem bis jetzt schon ziemlich bescheuerten Tag hatte passieren müssen, hatte auch mein Bus, mit dem ich eigentlich den Nachhauseweg antreten wollte, Verspätung und kam erst nach einer halben Stunde, die ich frierend und zitternd verbracht hatte. Für einen Frühling war es ausgesprochen kalt. Noch kein einziges Mal hatte die Temperatur die fünfzehn Grad-Grenze überschritten. Wenn einmal die Sonne hervorgeschaut hatte, dann nur für wenige Augenblicke, um dann von einer dicken Wolkensuppe verdeckt zu werden.

Aber was sollte ich sagen? Das Wetter interessierte mich schon lange nicht mehr. Und selbst wenn die Sonne geschienen hätte, wäre mir selbst das trostlos und ohne jeglichen Schimmer eines Lichtes am Ende des Tunnels sehen.
Sonne, Regen und Wolken schienen mein inneres Leben perfekt wiederzugeben. Auch ich war innerlich Wolkenverhangen, hatte keine Aussicht auf den leisesten Strahl der Sonne – meiner Sonne. Denn diese hatte sich von mir abgewandt, mich belogen und betrogen. Ich war nichts für das, was ich am meisten geliebt hatte und immer noch liebte. Oder sollte ich besser sagen wen ich am meisten geliebt hatte? Und die Antwort war kein Geheimnis. Henry Harper, war der Name dieses jemand, meiner inneren Sonne, die mein Leben für kurze Zeit in ihrem Licht hatte erstrahlen lassen.
Doch ich wusste, das war jetzt vorbei.
Er war für mich Gegenwart, ich für ihn Geschichte. Er hatte es mir mit nur einem einzigen Satz, einer einzigen Tat und einer einzigen Verhaltensänderung bewiesen.
Ich hatte geglaubt, er würde etwas für mich empfinde, mich lieben. Er hatte es mir gesagt. Er hatte gesagt, er würde etwas für mich übrighaben, er würde mich lieben. Doch all seine Worte waren eine einzige große Lüge gewesen.

Als endlich der Bus vor mir anhielt, drehte ich mich noch einmal um – denn ich wusste es würde das letzte Mal sein.
Ohne Zweifel hatte ich schöne Dinge in dieser Schule erlebt. Ich hatte die besten Freund gefunden, die es zu finde gab, und ich hatte einen wundervollen Freund gehabt, dem ich voll und ganz vertraut hatte. Das das ein Fehler war, wurde mir dann aber erst klar, als ich ihn mit seiner Stiefmutter im Pool erwischt hatte. Fast nackt und sich beinah küssend hatte er vor ihr gestanden, dabei sich und ihr die Kleider vom Leib zu reißen.
Das war der Tag gewesen, an dem sich mein Leben verändert hatte. Nicht zum Guten, sondern einfach in freiem Fall in eine bodenlose Tiefe des Elends.

Ich würde nicht wiederkommen. Diese Schule würde ohne mich zurecht kommen müssen, sowie auch meine Familie und Freunde und alle anderen, die ich liebte und in mein Herz geschlossen hatte.
Vermutlich würde es nicht einmal auffallen, wenn ich morgen nicht einmal mehr meinen routinemäßigen Schulweg mit Endziel Schule gehen würde. Ich war, nachdem Henry mich betrogen hatte, immer verschlossener geworden, hatte niemanden an mich herangelassen, was auch gelungen war. Nach einiger Zeit hatte mich niemand mehr beachtet. Meine Mum, Mia, meine liebe kleine Schwester und Grayson mein Halbbruder.
Ich war ihnen nicht mehr wichtig genug gewesen, zu kompliziert.

Der Bus fuhr mit einem leichten Ruck an.
Wie schon in der Schule war das Gefährt fast nicht bestückt. Nur eine alte Frau mit Gehstock und einer Mutter, die versuchte zwei kleinere Kindern im Zaum zu halten, war niemand außer mir und dem Busfahrer anwesend.
Gut so, denn dann gäbe es nicht so viele Menschen die mich zuletzt gesehen hatten.
Ich blieb stehen, setzte mich nicht auf einen der vielen freien Plätze vor und hinter mir.

Nach einer Fahrt von gerade einmal zehn Minuten – normalerweise dauerte es etwas länger als siebzehn – stieg ich aus. Wo ich war? Keine Ahnung. Ich wusste nur, dass hier eine vielbefahrene Straße war – perfekt für mein Vorhaben.
Vor einer Ampel, die gerade auf rot umgeschaltet hatte, blieb ich stehen.
Menschenmassen liefen an mir vorbei, unterhielten sich. Jede einzelne Stimme halte in meinem Kopf wieder. Doch trotzdem schwammen sie wie ein Meer an Schatten an mir vorüber, so wie alles andere.

Die ersten Autos fuhren langsam wieder an und an mir vorbei. Ich wusste, was ich jetzt zu tun hatte. Es war der einzige Gedanke, der sich in mir festgesetzt hatte. Der Gedanke, der mich am Leben gehalten hatte, die letzte Zeit, nur um mich dann von meinem Leben zu befreien.

Und jetzt, wo ich hier stand, nah vor einer Straße, auf der Autos mit halsbrecherischer Geschwindigkeit vorbeirasten, wanderten meine Gedanke, das letzte was ich davon noch entbehren konnte, zu einem einzigen Menschen. Dem der mich so sehr verletzt hatte, sodass ich nun hier stand.
Und das einzige was mir noch neben meinem Vorhaben durch den Kopf ging, war das Gefühl der Liebe, die noch immer für ihn, für Henry empfand, das immer wieder in mir neu aufkeimte, wenn ich hin sah und daran erinnert wurde, was ich verloren hatte.

Ein leises, freudloses Lachen kroch aus meinem Mund hervor, ließ sich nicht mehr aufhalten.
Es war einfach zu absurd. Ich tat das alles wegen einem einzigen Menschen, weil er mich verletzt hatte.
Doch es stimmte was gesagt wurde. Seelischer Schmerz war weitaus schlimmer als der Schmerz den ein Körper ertragen musste.
Verletzungen heilten, Wunden schlossen sich mit der Zeit. Doch ein gebrochenes Herz oder eine vernarbte Seele konnte niemand mehr flicken.

Und als mir das klar wurde, stand meine Entscheidung endgültig fest. Ich hatte diesen einen letzten Schubser gebraucht, den ich nun durch mich selber bekommen hatte.

Ohne noch einmal über mein Tun nachzudenken ging ich nach vorne. Setzte einen Fuß vor den anderen. Und die Ampel leuchtete immer noch rot – wie ein Warnlicht im schlimmsten Gewitter meiner Gefühle. Doch es verblasste langsam, blieb nicht zurück um mich zu führen.

Lautes Hupen und das laute Quietschen von Autoreifen, die über die geteerte Straße unter meinen Füßen schlitterten, drangen an mein Ohr. Es war das letzte was ich hören würde.

Und dann kam das Auto, was es nicht hatte geschafft zu bremsen. Es hatte es immer gegeben, wenn der Wunsch nur stark genug gewesen war – so wie es jetzt bei mir.

Mit einem lauten Krachen rammte es meine Hüfte. Ich konnte spüren, wie der Knochen barst, in tausend kleine Stücke geschlagen wurde. Ich wurde hochgeschleudert, weit in die Luft hinauf, dorthin, wo ich bald sein würde.
Und als ich dann auf der Motorhaube des Autos, meines Richters über mein Leben und mein Tod, aufschlug und mein Kopf gegen die Fensterscheibe knallte, durchfuhr mich zum ersten Mal der Schmerz, der meinem inneren seelischem Schaden nicht nahe kommen konnte.

Erleichterung durchfuhr mich, überschwemmte alles weitere.
Ich war angekommen. Nun konnte ich frei sein. Frei von meiner Liebe und frei von allem was mir auf dieser Welt schlechtes widerfahren war.
Es wurde dunkel. Meine Lichter schalteten sich aus, wie von selbst.
Der Schmerz, der überall an meinem Körper zu haften schien, verblasste.
Wärme umfing mich und ich konnte das Piepen von etwas mir unbekanntem wahrnehmen.
Doch wo war ich?

---------------------
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast