Die Besonderen - Feuer und Eis

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
21.03.2015
06.11.2018
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Wenn dir das Leben eine zweite Chance gibt, ergreifst du sie oder gibst du endgültig auf? Ich hatte mich für Letzteres entschieden, nachdem mir alles genommen wurde, was ich liebte und mein Leben lebenswert machte. Und schuld daran ist dieser eine Mensch, den ich abgrundtief hasse.
Das Schicksal selbst hat über mich bestimmt, indem es mir die zweite Chance gab, die ich nicht wollte. Nun liege ich hier und kann mich nicht gegen die Tränen wehren, die von Zeit zu Zeit von mir Besitz ergreifen, mich lähmen und auf quälende Weise daran erinnern, wie groß der Schmerz in meiner Brust ist. Unter fremden Menschen, die mich nicht kennen und nicht ahnen, was in mir vorgeht. In mir tobt ein Sturm aus Hass und Verzweiflung wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Weil das noch nicht genug ist, habe ich immer wieder denselben Traum, der mir vorgaukelt, was nicht der Wahrheit entspricht. Er zeigt mir was ich verloren habe. Es schmerzt umso mehr einem Traum nachzujagen, der niemals mehr Realität sein wird.
Immer wieder schluchze ich seinen Namen. Ob Tag, ob Nacht, aber wenn ich es tue, dann schlafe ich ein und darf das spüren, wonach mein Herz sich am meisten sehnt. Es fühlt sich so echt an, so real. Ich lebe einen Traum und will nicht mehr aufwachen. Sie hätten mich nicht retten dürfen. Sie hätten mein Leid nicht unnötig hinauszögern sollen. Ich wäre gerne gestorben, aber stattdessen laufe ich weiter meinen Träumen nach, schotte alles um mich herum ab, weil ich genau weiß: wenn ich schlafe, kann ich glücklich sein – für einen kurzen Moment. Es ist wie eine Sucht, eine Droge, die mich am Leben erhält. Ich bin so in diesem Rausch versunken, dass ich nicht einmal weiß, wo ich mich aufhalte oder in welchem Bett ich liege. Es ist mir egal, solange mein Flehen erhört wird - „Leander …“
Manchmal vergehen nur wenige Sekunden, bis mein Wunsch in Erfüllung geht, manchmal Minuten, seltener Stunden. Aber wenn es soweit ist, dann bin ich wieder in meiner heilen Welt, in der er mich in den Arm nimmt, mich küsst und mir sagt, dass alles in Ordnung sei und wir uns nicht mehr trennen werden. Doch es hat diesen bitteren Beigeschmack, weil es eben nur ein Traum ist. Ob ich diesen Moment im Tod immer spüren könnte? Dieser Gedanke lässt mich wieder und wieder über einen Selbstmord nachdenken, doch ich habe Angst, dass ich dann selbst meinen Traum nicht mehr leben könnte und es nur diese Schwärze gibt, die mein Herz gefangen hält. Ich traue mich nicht einmal im Traum die Augen zu öffnen, weil ich mich vor dem Bild fürchte, welches mein Bewusstsein mir von ihm zeigen wird: Ist es der alte Leander? Ist es ein schwer verwunderter Leander? Oder ist es eventuell ein ganz anderer … Ich möchte es nicht wissen, solange es seine Stimme, seine Hände und Lippen sind, die ich kennen und lieben gelernt habe.
Verzweifelt presse ich mich an ihn und sauge seinen Duft mit diesem markanten Lavendelaroma ein. Ich will jede Sekunde ausnutzen, in der mein Kopf mir dieses Theater vorspielt und meine Lippen sind gierig, fordernd und voller Sehnsucht. Wenn mir diese Momente als einziges geblieben sind, dann will ich jede Empfindung daraus ziehen, egal wie intensiv sie sein mag. Es führt nie zu mehr, aber mehr will ich auch gar nicht. Ich will nur in dieser einen Erinnerung schwelgen und sie immer wieder aufs Neue auskosten, bis das Schicksal sich dazu entschieden hat, mich zurück in das echte Leben zu schubsen. Hoffentlich meint es das Schicksal dieses Mal gut mit mir.
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