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Loads of Trouble

von MiraiShu
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
21.03.2015
07.08.2018
94
358.866
125
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27.07.2018 5.509
 
Kapitel 92: Without You I'll Crash and Burn.

Eine Woche war vergangen. Eine Woche ohne Nick. Nicht mal eine SMS... Phil starrte auf sein Handy, stocherte mit der Gabel durch seinen Nudelauflauf. Es dauerte eine ganze Weile bis er merkte, dass seine Mutter mit den Fingern vor ihm her schnippte.
„Was?“ Er sah sie an.
Seine Mutter seufzte. „Glaubst du immer noch, du brauchst eine Weile ohne ihn?“


Bitte komm zu mir!
Eine Woche sagte Phil kein Wort und dann schrieb er ihm diese SMS?! Nick starrte sein Handy ungläubig an. Wieso tat Phil das? Brauchte er ein Taxi nach Hause? Wollte er ihm in die Augen sehen, wenn er Schluss machte?
… Durfte er nach zwei Flaschen Bier noch Auto fahren?


Er brauchte ein paar Stunden bis er vor Phils Elternhaus parkte. Seine Mutter öffnete die Tür, lachte sofort.
„Ihr seid beide Idioten. Hallo, Nick.“
„Hallo...“
Sie deutete die Straße hinunter. „Dreihundert Meter, dann kommst du zu einem Wald. Er ist mit Hermine los, also wirst du ihn da am ehesten finden.“
Nick seufzte. Vielleicht hätte er eine Antwort schreiben sollen, bevor er losgefahren war... „Warum genau wollte er, dass ich herkomme?“
„Weil er dich vermisst?“
Nicks Augenbrauen zogen sich zusammen, doch er nickte. „Dann... geh ich ihn mal suchen.“


Phil saß im weichen Gras gegen einen Baum gelehnt. Hier war es so schön ruhig. Keine Uni-Stadt direkt um die Ecke. Hier waren kaum Menschen unterwegs. Und erst recht kein Rick. Dennoch zuckte er leicht zusammen, als Hermine den Kopf von seinem Schoß hob und ihr Schwanz zu wedeln begann.
„Was ist los, Süße?“
Doch Hermine sprang auf, zog aufgeregt an der Leine. Phil sah sich um, erhob sich. Leise glaubte er ein Pfeifen zu hören. Nick! Wenn die Hündin so reagierte, musste er es sein. Er ließ die Leine länger.
„Los“, flüsterte er, hatte dann Mühe, hinterher zu kommen.

Nick lächelte, als die Hündin auf ihn zugestürmt kam, direkt an ihm hochsprang und bellte. „Hey, meine Kleine. Ist ja gut...“ Er strubbelte ihr durch das weiche Fell, sah dann gerade rechtzeitig auf, denn im nächsten Moment fiel Phil ihm um den Hals und küsste ihn innig. Eine Sekunde schloss Nick seine Augen, öffnete sie dann aber gleich wieder. Er konnte das nicht. Nicht einfach so.
„Hallo Schatz“, lächelte Phil etwas atemlos, ließ Nick aber nicht zu Wort kommen. Er wusste sowieso, was sein Freund sagen wollte. „Es tut mir leid. Ich kann nicht ohne dich und ich will auch gar nicht ohne dich. Weil ich dich unglaublich liebe. Also bitte, bitte, nimm mich zurück!“
„... Okay.“ Er wollte zurück und Nick wollte ihn zurück. Aber es fühlte sich nicht so an, als hätte diese Woche etwas bei ihm selbst verändert. Er fühlte sich eigenartig hohl. Aber wenn Phil es wieder konnte, ihre Beziehung wieder aufrollen wollte, dann würde er das wohl auch können.
Phil strich durch seine dunklen Haare. „Sei nicht sauer auf mich, okay? Auch wenn ich ein unglaublich dummer Idiot bin.“
„Ich bin nicht sauer, Phil.“ Es tat eigenartiger Weise nur immer noch unfassbar weh. „Also... willst du heute schon mit nach Hause?“
„Wenn du mich mitnimmst“, hauchte Phil leise, fragend.
„Wenn du eine halbe Stunde vor der Wohnungstür wartest...“ Insbesondere Küche und sein eigenes Zimmer waren nicht unbedingt in dem Zustand, in dem Phil sie zurückgelassen hatte. Vor allem ein paar leere Bierflaschen hatten zu verschwinden.

Sie gingen noch eine Weile spazieren. Nick legte keinen Wert darauf, direkt wieder mit Phils Mutter und Stiefvater konfrontiert zu werden, auch wenn es nette Menschen waren. Er musste sich erstmal sammeln, das warme Gefühl von Phils Hand in seiner speichern und richtig ankommen lassen. Außerdem gab es eine ganze Menge Dinge, die noch immer nicht geklärt waren.
„Versprichst du mir was?“, bat Nick schließlich.
„Was?“
„Sag mir nie wieder, ich soll fremd gehen.“
Phil sah ihn an, biss sich auf die Lippe und nickte dann. „Versprochen! Ich... Ich dachte nur... Ich hatte Angst, dich zu verlieren, weil... ich mich so unglaublich bescheuert verhalte und... ich mir vorstellen kann, dass das für dich alles andere als leicht ist und ich... Ich dachte, wenn ich dir das erlaube, dass du dann... Na ja, etwas Abwechslung haben kannst und es dir nicht so schnell zu viel wird.“
Nick seufzte. „Es ist auch nicht leicht. Aber was passiert, wenn ich fremd gehe, wissen wir beide. Und zu wissen, dass die Möglichkeit besteht, macht es nicht eben leichter. Außerdem gehört das zu einem Leben, was ich eigentlich abgehakt hatte. Oder abhaken wollte, wegen dir.“
„Dann sag mir bitte, was ich tun kann, damit es leichter wird!“
„Wenn es so einfach wäre, hätte ich das längst getan, aber ich weiß es nicht. Ich... habe einfach nicht das Gefühl, dass ich zu deiner Genesung wirklich beitrage. Eher im Gegenteil.“
„Aber so ist das nicht...“, murmelte Phil, blieb stehen um ihn richtig anzusehen. „Das liegt nur an mir. Aber ich werde versuchen, das hinzubekommen. Versprochen!“
„Phil, du versuchst das seit Monaten. Ich bin dein Freund, ich bin dazu da, dir zu helfen. Es ist nur... Ich weiß nicht, was wir noch tun sollen.“
Phil zögerte einen Moment. „Darüber wollte ich noch mit dir sprechen. Ich hab am Mittwoch mit Annika telefoniert und sie hält es für sinnvoll, wenn ich mich mit Rick treffe. Würdest du mitgehen?“
„Wenn du es für sinnvoll hältst ausgerechnet mich mitzunehmen...“
„Du bist der einzige, der es schafft, meine Panikattacken zu beenden oder mich ganz davor zu schützen.“
Nick küsste ihn sanft, nickte dann und Phil lächelte wieder. Sie gingen weiter. Phil wusste noch nicht, was er überhaupt zu Rick sagen wollte und da war Nick auch keine große Hilfe, aber immerhin waren sie sich wieder einig, dass es schon irgendwie klappen würde. Auch wenn Nick es mit einem „Muss es ja auch“ kommentierte.
„Nein, muss es nicht. Wenn du nicht mehr willst...“ Seine Stimme wurde leiser. „Du hast immer eine andere Wahl.“
„Nein, habe ich nicht. Phil, du bist nicht der Einzige, dem was an dieser Beziehung liegt. Klar, es gibt eine Menge Leute, die mich liebend gern in meinem alten Leben willkommen heißen würden, aber es gibt dich. Und Mike mit Seth. Und meine Mum. Glaubst du, ich könnte das letzte Jahr einfach vergessen und damit fortfahren, nichts zu empfinden, nachdem ich weiß, wie es ist, so zu fühlen?“
Nein, das glaubte er nicht. Und das machte er in seinem nächsten Kuss deutlich. Es wurde Zeit, dass sie beide wieder nach Hause kamen.

„Ich muss dir noch etwas beichten“, murmelte Nick, als sie im Auto saßen und er den Sicherheitsgurt umgelegt hatte. „Ich habe Simon geküsst.“
Phil versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihn das traf. Er hatte es schließlich erlaubt. Es war sein Fehler, nicht Nicks. Es hätte nicht sein müssen, aber vorwerfen konnte er ihm nichts.
„Okay“, hauchte er leise, brachte seine ganze Kraft auf, Nicks Blick nicht auszuweichen. Er lief nicht mehr davon. Vor nichts.
„Nur geküsst. Ich war so wütend und enttäuscht und... er war da und hat mich genervt...“ Er zuckte leicht mit den Schultern.
Er war da. Genau das war das Problem mit Simon. Er war immer da, wenn Phil es nicht war. „Es ist okay.“ Er würde ihn nicht wieder alleine lassen. Jedenfalls nicht mit so einer Situation.
„Es hätte nicht unbedingt Simon sein müssen“, murmelte Nick, startete den Motor.
Phil zuckte mit den Schultern. „Ich hätte Mike schlimmer gefunden.“
„Warum?“
„Weil du ihn auch liebst. Nicht so wie mich, auf eine andere Art, aber trotzdem. Und Simon, den liebst du nicht. Gar nicht.“


~.~



Es war schon kurz vor acht, als sie auf dem – wieder aufgeräumten – Sofa saßen, Phil 'Iron Man' startete und Nick sein Handy wieder einsteckte, mit dem er Pizza bei Gio bestellt hatte. Sie kuschelten sich einvernehmlich aneinander und Phil gähnte leise. Er hatte schlecht geschlafen ohne Nick, wieder Alpträume gehabt, doch als er seinem Freund davon erzählte, war kein Vorwurf in seiner Stimme.
Als es klingelte, erhob Nick sich und nahm sein Portemonnaie. Es konnte eigentlich nur Gio mit der Pizza sein. Damit hatte er recht, doch er hatte die Tür kaum geöffnet, da hatte der junge Italiener einen Arm um ihn gelegt und ihn geküsst. Nick drückte ihn nach einem Moment der Überraschung von sich.
„Was sollte das?!“, zischte er, riskierte einen kurzen Blick ins Wohnzimmer, wo Phil die Augen geschlossen hatte.
„Simon hat erzählt, du bist wieder frei und vernünftig.“
„Dann redet er Blödsinn!“
Gio seufzte. „Zu schade. Dann kriege ich wieder kein anständiges Trinkgeld?“
„Nein“, brummte Nick, doch der Italiener grinste noch immer leicht, sein Grinsen wurde sogar noch etwas breiter, als Phil neben Nick auftauchte.
„Hey Gio, wie geht’s?“
„Gut. Und selbst? Ich fürchte, im Laden gab es ein Missverständnis. Ihr werdet eine Pizza teilen müssen.“ Er reichte Phil den Karton.
„Ein Missverständnis oder hast du dich auf unzuverlässigen Buschfunk verlassen?“
„Ich hab mich darauf verlassen, dass du keinen Mann willst, der seine Zunge in fremde Hälse steckt. Aber dir macht es ja auch nichts aus, wenn die halbe Stadt weiß, wie dein Freund im Bett ist.“
Nick drückte ihm einen Zehner gegen die Brust. „Du gehst jetzt besser.“
Doch Phil behielt ein kühles Lächeln auf den Lippen. „Offensichtlich ist das so, Gio. Mir gefällt es schon, von der halben Stadt um meinen Freund beneidet zu werden und noch besser gefällt mir, dass du keine Ausnahme bist. Schönen Tag noch.“ Damit schloss er die Tür direkt vor der Nase des Pizzaboten.
Nick sah ihn zerknirscht an. „Tut mir leid. So hatte ich mir deine Rückkehr eigentlich nicht vorgestellt.“
„Schon gut.“ Phil küsste ihn lächelnd. „Er ist halt ein Idiot. Na los. Ich hab nicht so viel Hunger, wir können die Pizza teilen und Rick, Simon und Gio alle vergessen.“

Nick folgte ihm zurück auf das Sofa. Rick, Simon und Gio... Drei Männer, mit denen er geschlafen hatte und die ihnen das Leben schwer machten. Kamen noch Henry und Fynn dazu. Wenn das so weiter ging, hatten sie ein Problem. Doch Phil lächelte noch immer und es sah tatsächlich einigermaßen ehrlich aus. Wie konnte es sein, dass sein Freund so viel besser mit seiner Vergangenheit klar kam als er selbst? War es, weil er nicht alles wusste? Liebte er ihn so sehr? Konnte man einen Mann so sehr lieben? Er war froh, dass Phil ein etwas übersichtlicheres Leben geführt hatte, wenn er bedachte, wie wütend allein Pepe ihn gemacht hatte.


Doch die einzelne Pizza und Gios Kommentar blieben nicht die einzigen unangenehmen Überraschungen für diesen Abend...

Es war fast genau Viertel nach neun, als es wieder an der Tür klingelte.
Phil seufzte. „Gehen wir gucken oder ignorieren wir es?“
„Ich geh schon.“ Nick reichte ihm den Pizzakarton, ging dann zur Tür. Ihm gefror das Blut in den Adern schon beim Öffnen, Phil erst ein paar Sekunden später, als er die bekannte Stimme ein „Guten Abend“ sagen hörte.
„Was willst du hier?“, zischte Nick. Sein Stand wurde automatisch fester und sein Blick glitt einmal über Rick. Er hatte keine Waffen dabei oder er hatte sie gut versteckt. Der andere Mann grinste und Nick wurde übel.
„Euch besuchen und Abbitte leisten.“
„Kannst du das nicht morgen machen?“ Und vor allem nicht in dieser Wohnung. Der Mann würde diese Räume nicht betreten. Nur über seine Leiche. Und wahrscheinlich auch über Hermines, doch die Hündin döste in ihrem Körbchen. Zu einem Wachhund war sie wohl noch nicht allzu geeignet.

Phils Herz schlug bis zum Hals und Kälte schlich in seinen Kopf, begann seine Sinne zu vernebeln. Dennoch erhob er sich. Wenn er sich jetzt zurückzog, dann hatte er den Kampf verloren, dann war der ganze Weg bis jetzt umsonst gewesen. Es war gewissermaßen der Endkampf. Wenn er sich ihm jedoch jetzt stellte, Auge in Auge, ohne Gericht und Polizisten. Nur er. Und Nick. Dann könnte er endlich weiter kommen, oder? Dann könnte er das hinter sich lassen und sich stärker als zuvor fühlen. Wofür hatte er die ganzen Gespräche mit Annika geführt, wenn er nichts aus ihnen lernte?
Möglichst ruhig ging er zur Tür, sah zu erst Nick an, dessen Augen ihn überrascht musterten. Dann sah er zu Rick. Er hatte sich kaum verändert. Seine Haut war etwas blasser als früher und die Haare noch ein Stück kürzer. Doch das Gesicht und die Augen waren die gleichen, selbst das leichte Grinsen in seinem Mundwinkel, dass er bei ihrem allerersten Treffen fast noch hübsch gefunden hatte und das ihn jetzt furchtbar anekelte. Phil griff nach Nicks Hand. Sein Fels und Anker. Der Gegendruck war stark, fast zu stark, aber auch stark genug um ihn zu zeigen, dass Nick ihn verteidigen konnte. Und Rick wahrscheinlich jetzt schon am liebsten eine reingehauen hätte.
„Was willst du hier?“, fragte Phil. Es überraschte ihn selbst, wie laut seine Stimme noch war. Das hatte Annika in ihrer dritten Sitzung gesagt. Auftreten wurde über Stimme mit definiert und eine kräftige Stimme unterstützte Sicherheit.
„Mich entschuldigen.“
„Zu welchem Zweck?“
„Zu dem Zweck, dass mein Bewährungshelfer sagt, dass das gut ist und damit du dich nicht vor mir fürchtest.“
Phil nickte leicht. So was hatte er erwartet. „Komm wieder, wenn du ehrlich bereust, was du getan hast.“ Seine freie Hand zitterte leicht und er konzentrierte sich wieder auf seinen Atem und die Wärme von Nicks Fingern. Er durfte nicht nachgeben. Stehen bleiben und Rick die Stirn bieten. Er hatte den Mann größer in Erinnerung gehabt, doch jetzt fiel ihm auf, dass er nur einen knappen Zentimeter größer als Nick sein konnte.
„Oh man, Phil.“ Bei der Nennung seines Namens zuckte er nun doch leicht zusammen. „Ich kann schlecht leugnen, dass ich scharf auf dich war und dich ficken wollte. Dass du das nicht wolltest, das tut mir leid und es wird auch nicht wieder ohne dein Einverständnis passieren. Versprochen.“
Phil nickte knapp. „Sonst noch was?“ Atmen... 1-2. 1-2-3-4. 1-2. 1-2-3-4.
„Nein. Also. Tut mir leid.“
„Okay, ist als Anfang akzeptiert.“
„Was willst du denn noch?“
Der Jüngere rang sich ein Lächeln ab. „Jetzt gerade nur, dass du wieder gehst. Unsere Pizza wird kalt.“
„... Dann auf Wiedersehen.“
Damit drehte Rick sich tatsächlich um, ging die Treppen nach unten und kurz darauf konnte man leise die Haustür zugehen hören. Phil schloss die Wohnungstür, sank mit einem Seufzen dagegen und schloss seine Augen. Geschafft... Es war vorbei.
Er blinzelte, als er Nicks Lippen auf seinen spürte. „Du bist großartig!“
Phil seufzte leise, hielt sich wieder an seinem Freund fest. „Lange hätte ich das nicht mehr durchgehalten.“
„Aber du hast das wirklich gut gemacht!“
Er grinste schwach. „Und du hast ihn nicht verprügelt.“
„War kurz davor.“
Phil nickte, deutete Richtung Wohnzimmer, doch seine Beine wollten ihm nicht gehorchen und er sank gegen Nicks Brust. Der Ältere hob ihn vorsichtig in seine Arme, trug ihn zum Sofa.


Es dauerte eine halbe Stunde bis Phil seinen Stimmbändern wieder traute. „Er ist immer noch ein Idiot.“
„Das war zu erwarten“, murmelte Nick durch den letzten Bissen kalter Pizza.
„Aber es hat gut getan.“ Phil lächelte leicht. Konfrontationstherapie. Er hatte nicht mal eine Panikattacke bekommen. Die Angst vor der Angst und vor dem Bild, dass Rick bei ihm hinterlassen hatte, war größer gewesen, als die Furcht, die Rick selbst bei ihm auslösen konnte. „Und ich liebe dich!“
„Ich liebe dich auch.“ Nick küsste ihn sanft, dann seinen Hals und Phil legte seufzend den Kopf in den Nacken. „Und ich hab dich wirklich sehr vermisst...“
Jetzt da die Angst, die hochgekochte Wut beiseite gewischt war...
Leise hauchte Nick an sein Ohr: „Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich brauche?“
„Hmm... Fast so sehr, wie ich dich.“
„So ungefähr.“
Nicks Nase strich durch Phils schwarzen Haare, seine Hand schob sich unter Phils Shirt auf seine Brust. Ja, er hatte ihn furchtbar vermisst und Phils Reaktion und dem mangelnden Widerspruch nach zu urteilen, war das hier mehr als in Ordnung für ihn. Er legte seine Hand direkt über sein Herz, küsste wieder seinen Hals, leckte über die kleine Mulde über seinem Schlüsselbein. Hermine hob kurz den Kopf, als Phil sich erhob und Nicks Hand nahm, doch sie machte keine Anstalten den beiden ins Schlafzimmer zu folgen. Die Tür ging hinter ihnen zu. Phils T-Shirt fiel zu erst zu Boden, bevor er sich auf das Bett setzte. Nick drückte ihn nach hinten in die Matratze, küsste ihn erneut. Ein leises Stöhnen entwich dem Jüngeren. Es war eine Nähe, die ihnen beiden jetzt mehr als eine Woche lang gefehlt hatte. Nein, eigentlich war es noch viel länger her, dass sie sich so nah gewesen waren. Ohne dass ein Schatten von Rick mit im Raum gehangen hatte. Es war nur noch ein kräftiges Herzklopfen, warme Finger auf warmer Haut und weiche Lippen, die sich ihren Weg bahnten.
Eine ganze Weile waren es nur die Küsse und sanften Berührungen, dann öffnete Nick endlich Phils Hose, ließ sie mit den Shorts nach unten gehen. Er küsste auf dem Weg seine Beine, drückte sie leicht auseinander und küsste auf der anderen Seite wieder hoch. Nach so langer Zeit hatten sie die Wahl. Sie konnten sich besinnungslos vögeln, weil es nötig war oder sie genossen es, liebten sich. Und dann kam die Besinnungslosigkeit.
Nicks Finger drang ebenso langsam in ihn ein, wie seine Zunge in seinen Mund. Phil vergrub seine Finger in den dunklen Locken, keuchte leise. Es war eine ausreichende Menge Gleitgel und doch merkte er, dass sein Körper nicht mehr daran gewohnt war. Er brauchte einen Moment um sich zu entspannen, Nick wieder machen zu lassen. Nick entlockte ihm eine ganze Reihe von Tönen, mit einem Finger, zwei, schließlich drei. Erst als sich Phils Hand in sein Shirt krallte, ließ er von ihm ab um sich auszuziehen. Ganz.
Phil stöhnte lauter auf, als Nick sich in ihn schob. Er schlang die Beine um ihn, küsste ihn voll Verlangen. Das hier war nicht irgendeine Art von Sex. Es war ihr „Wir haben es überstanden!“
Nicks Bewegungen waren schnell, aber nicht hart. Ihr heißer Atem stieß gegeneinander, erst im Gesicht, dann waren Nicks Lippen wieder an seinem Hals und Phils Griff in den Locken wurde fester, sein Stöhnen heller. Eine Hand schloss sich um Phils Härte im gleichen Moment wie Nicks Stöße kräftiger wurden. Phil gab sich nicht die Mühe, sich auf seine Atmung zu konzentrieren, hielt sich nicht zurück. Er stöhnte Nicks Namen, als er über dessen Hand kam.

Ihre Finger verschränkten sich miteinander, ihre Hände blieben gemeinsam neben Phils Kopf liegen. Nicks Locken kitzelten auf seiner Brust. Das Sperma an seinem Oberschenkel sollte sich ekelig anfühlen, doch es war vollkommen okay. Bewegen konnten sie sich morgen wieder. Reden auch.



Am nächsten Morgen waren sie beide früh wach, doch sie standen nicht auf. Hermine konnte noch eine Stunde warten, die einzelne Vorlesung würde Nick ausfallen lassen und stattdessen ein Picknick vorbereiten. Raus gehen. Gemeinsam und ganz ungezwungen.
Sie küssten sich immer mal wieder. Phil zählte die wenigen Muttermale um Nicks Armen und Nick machte ihm einen Knutschfleck auf die Schulter.
„Darf ich Simon eigentlich auch mal küssen?“, grinste Phil schließlich, während eine dunkle Locke durch seine Finger glitt.
„Was?!“
Phil lachte. „Glaubst du im ernst, ich will jemand anderen küssen als dich?“
„Untersteh dich!“ Nick boxte gegen seine Brust.
Phil musste leise lachen. „Ich kann gar nicht verstehen, dass gerade du so unglaublich eifersüchtig bist...“
„Wieso gerade ich? Das liegt jawohl eher an dir.“
„Weil du kein allzu treuer Mensch warst.“
Nick biss sich auf die Lippe, doch Phil strich über seine Wange, lächelte weich. „Und deshalb darf ich meinen Freund nicht für mich haben wollen?“
„Du darfst.“ Phil küsste ihn sanft. „Und jetzt sei nicht beleidigt, ja? Es war nur ein Gedanke.“

Hermine kratzte früher als gedacht an der Tür und Phil erhob sich schwerfällig. „Kommst du mit?“
„Soll ich?“
„Mir egal.“
„Ehrlich?“ Nick zog die Decke über seine Brust, sah ihn an und grinste: „Dann bleibe ich hier.“
Phil piekte ihm in die Seite. „Hab ich mir fast gedacht.“
„Hey! Sooo faul bin ich gar nicht“, maulte er.
„So wie du aussiehst, schläfst du, sobald ich die Tür hinter mir zu gemacht habe.“
„Na und? Du sagst das, als wäre Schlaf etwas schlechtes...“
„Nein, mein Schatz.“ Phil beugte sich zu ihm, küsste ihn kurz. „Bis gleich!“


Phil saß bereits wieder seit einer halben Stunde in der Küche, als Nick herein getappst kam. Nicht nur Phil hatte ohne seinen Partner schlechter geschlafen. Jetzt wieder in einem Bett zu schlafen, dass nach Phil roch und auch noch seine Wärme gespeichert hatte, war eine wahre Wohltat. Er begrüßte Hermine kurz, gab dann Phil einen Kuss.
„Jetzt bin ich müder als vorher...“
Phil lachte leise, zog ihn an sich. „Willst du wieder ins Bett?“
„Nein. Irgendwann muss ich ja mal was tun.“ Er fuhr sich durch die Haare um ein klein wenig Ordnung in die wirren Locken zu bringen. „Anziehen und ins Bad. Kaffee trinken. Und dann wollten wir picknicken.“
„Alles klar. Ich mache dir Kaffee.“
„Danke.“

Als er wieder aus dem Bad kam, seine Kaffeetasse mit einem Kuss entgegennahm, verriet nur noch das vermehrte Blinzeln seine Müdigkeit. Phil lächelte, packte den Picknickkorb zu Ende. Er hatte Saft, Wasser, zwei Flaschen Bier und Sandwiches eingepackt, auch eine Packung Kekse. Nick leinte Hermine an und dann gingen sie nach unten, schlugen den Weg in den Wald ein.
Phil breitete die Picknickdecke auf einer Lichtung aus und Nick ließ Hermines Leine lang, befestigte sie provisorisch am Picknickkorb. Sie würde eh nicht weglaufen, war viel zu sehr damit beschäftigt, die Stöcker aus der näheren Umgebung zu ihnen zu schleppen und Käfern auszuweichen.
Phil lehnte sich an Nick, schloss seufzend seine Augen. So entspannt, wie bei seiner Mutter im Dorf, konnte er hier nicht sein. Aber es war okay. Nick war da. Dennoch zuckte er leicht zusammen, als Hermine einen Ast zerbrach und es laut knackte.
Nick lächelte leicht. „Ich glaube, sie wird uns sagen, wenn wer fremdes kommt.“
Bevor Phil widersprechen konnte, reichte er ihm einen Keks, küsste ihn dann. „Ich liebe dich!“
Grinsend kletterte Nick auf seinen Schoß. „Und ich kann meine Finger einfach nicht von dir lassen. Du glaubst nicht, wie süchtig ich nach dir bin“, fügte er leiser hinzu, legte seine Lippen auf Phils. Phil nahm die Ablenkung nur zu gerne an, ließ sich nach hinten sinken. Ein kleiner Stein piekte ihn in den Rücken, aber ansonsten war der Boden relativ angenehm, gedämpft durch die Decke.
„Ich liebe dich sehr, Phil. Auch wenn... das nicht immer so aussieht.“
„Ich spüre sehr oft, wie sehr du mich liebst.“
Nick sah an sich herab, grinste. „Gerade geht es noch.“
Der Jüngere musste lachen. Ja, die Welt zwischen ihnen war wieder in Ordnung, wenn Nick Tyler wieder schmutzige Witze riss. Sie küssten sich wieder, bis Hermine neben ihnen auftauchte und Nick ihre feuchte Nase im Gesicht hatte, Phil ihre Pfote auf dem Arm.
„Hallo Kleine“, lachte er.
Nick verzog das Gesicht. „Aus Zungenküssen musst du dich raus halten.“
Die Hündin setzte sich, hechelte. Sie verstand offenbar nicht wirklich, was die beiden ihr sagen wollten. Phil grinste, küsste Nick wieder.
„Mach so weiter und du merkst doch, wie sehr ich dich liebe“, raunte Nick gegen seine Lippen.

Nick hatte recht. Hermine meldete sich, wenn sich Fremde näherten. Als sie bellte, zuckte Phil zusammen, sah auf. Er klammerte sich an Nicks Shirt. „Bleib hier.“
Doch Nick setzte sich auf, sah in die selbe Richtung wie Hermine. „Keine Sorge“, lächelte er. Phil schluckte schwer, sein Mund fühlte sich trocken an, aber seine Atmung ging ruhig. Was sollte ihm passieren? Selbst wenn es Rick war, er war sicher, das wusste er doch.
Als erstes kam ein kleiner Beagle ohne Leine zu ihnen, der gleich auf Hermine zusprang und an ihr schnüffelte. Doch die junge Hündin schien ihn zu mögen, denn ihr Schwanz wedelte und sie sprang aufgeregt auf und ab. Als dann auch das Herrchen durch die dichte Böschung kam, war es Nick, der schluckte und dessen Hand sich zu einer Faust schloss. Sein Lächeln erstarb, doch Phil atmete erleichtert durch. Niemand, den er kannte. Nur ein Spaziergänger.
Der fremde Mann trat näher, grinste breit. „Nick. Dass ich dich noch mal wiedersehe!“
Phil zog seine Augenbrauen zusammen. Doch kein fremder Mann. „Wer?“, hauchte er leise, doch Nick schüttelte nur den Kopf.

„Kennst du nicht.“ Und hättest du auch nie kennenlernen sollen. Er hatte nicht mal gewusst, dass der Typ auch hier wohnte. Immerhin war er ihm in den letzten drei Jahren nicht einmal wieder begegnet.

Phil stand ebenfalls auf, griff nach Nicks Hand. Der Mann war doch fast doppelt so alt wie Nick, da konnte er kaum ein Ex-Freund sein, oder?
Der Mann grinste immer noch. „Hast du dich vom Motel in den Wald verlegt?“ Doch er wartete kaum auf eine Antwort, die er sowieso nicht erhalten hätte. „So schweigsam kenne ich dich gar nicht. Hab ich gestört? Fällt die Bezahlung jetzt aus?“
Motel? Bezahlung?!
„Phil ist mein Freund“, zischte Nick.
„Dein Freund? Das nenne ich einen schnellen Aufstieg.“
Nicks Hand schloss sich schmerzhaft fest um Phils. „Ein Wort noch“, presste er hervor, doch der Mann lachte bloß.
„Schon gut. Komm, Sue.“ Er pfiff und der Beagle trennte sich von Hermine, kam sofort zu ihm zurück. Nick ließ ihn erst los, als der Mann wieder außer Sichtweite war. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er schloss seine Augen.
„Wer war das?“, fragte Phil leise, legte seine Arme von hinten um Nick.
„Brauchst du nicht zu wissen.“
„Nick“, murmelte Phil gequält. Das tat weh. Er wollte nicht zurück in diese Distanz. Egal, aus welchem Grund.
Nick drehte sich zu ihm um. „Ein Stück aus meiner Vergangenheit, okay?!“
Phil nickte nur. Nein, das war nicht okay. Weil es ihn absolut verunsicherte, aber er wollte nicht wieder streiten und er bezweifelte, dass Nick gerade in der Lage war, ein normales Gespräch zu führen. Er sah wütend aus. Gleichzeitig... verzweifelt? Jünger als sonst, trotz der harten Gesichtszüge. Phil setzte sich wieder hinten, rief Herine zu sich und strich ihr durch das Fell. Nick nahm ein Bier aus dem Korb, setzte sich zu ihm.
„Gibst du mir auch eins?“, fragte Phil. Nick öffnete auch die zweite Flasche, reichte sie ihm. „Danke.“
Sie schwiegen eine ganze Weile und Hermine machte es sich auf der Decke bequem, den Kopf in Phils Schoß. Nick trank kaum von seinem Bier, knibbelte nur schweigend am Etikett herum.

Phil atmete tief durch, fragte schließlich leise: „Was meinte er mit Bezahlung?“
Nick trank nun doch einen Schluck, schwieg. Phil nickte leicht. Das durfte er also schon mal nicht fragen. Er lehnte sich an seinen Freund. „Okay.“
„Hm?“
„Dann reden wir nicht darüber. Auch, wenn ich es gerne wissen würde.“
Nick seufzte. „Was genau willst du wissen?“
„Erstmal wer er war.“
„Daniel Mecks. Ende dreißig. Verheiratet. Mit einer Frau.“
„Und warum Bezahlung?“
Nick schluckte leicht. Nein, er wollte nicht darüber reden, aber wenn er es nicht tat, waren sie dann nicht wieder genau da, wo sie vor Phils Flucht angekommen waren? „Ich... Ich nehme mal an... er denkt... dass... dass du mich für Sex bezahlst.“
Phil hatte seine Stimme noch nie so leise und dünn gehört. Nie so unsicher, oder? „Wie kommt er darauf?“
„Wie soll er schon darauf kommen?“, brummte Nick, sah in seine Flasche.
Okay, Vorsicht war geboten... „Würde... nur er das denken... oder auch noch andere?“
Nick sah ihn an. „Wie meinst du das?“
„Haben dich noch andere für Sex bezahlt?“
„Du denkst ich hab mich prostituiert?!“
Phil atmete innerlich auf. „Nein, aber dann erklär mir, warum er bezahlt hat.“
Doch. Einen Moment hatte er es geglaubt. Nicht nur für einen, sondern für schrecklich lange Minuten, nachdem das Wort das erste Mal gefallen war. Er wusste, dass Nick viel Sex gehabt hatte und das mit vielen Männern. Es war nicht schön, aber es war okay. Das hatte er von Anfang an gewusst, er hatte sich trotzdem in ihn verliebt und er würde es ihm nicht vorhalten. Doch der Gedanke, er könnte es nicht aus freien Stücken, sondern für Geld gemacht haben, war ein ganz anderer und der schien schier unerträglich. Vor allem, da Nick es ihm nach all der Zeit nie erzählt hatte. Aber was hatte Nick aus seiner Vergangenheit auch schon freiwillig preisgegeben?
„Er... Das ist eine lange Geschichte.“
„Wir haben Zeit.“
Nick brummte unwillig, leerte sein Bier mit großen Schlucken und ohne abzusetzen. Phil seufzte, beugte sich vor und küsste ihn. Er seufzte, als Nick ihn ausdruckslos ansah, dann aber erneut küsste. „Ich... Es tut mir leid“, hauchte Nick leise.
„Ist schon gut“, murmelte Phil zurück. Er konnte ihn zu nichts drängen. Er wusste, wie schwer reden sein würde. Dieses Mal würde er geduldig sein, Nick etwas zurück geben. Auch wenn es ihm unfassbar schwerfiel. Er wollte alles mit ihm teilen. Er wollte gemeinsam mit Nick stärker werden. Denn dass er nicht nur der Macho war, für den er ihn eine Weile gehalten hatte, nicht nur der Mann, den er vor Monaten in einem kleinen Straßencafé getroffen hatte, das war ihm schon lange klar.
Nick schüttelte den Kopf. „Ich will nicht, dass du mich für eine männliche Hure hältst.“
„Tue ich nicht!“
„Und deshalb fragst du, ob mich die Männer bezahlt haben, mit denen ich geschlafen hab...“
Phil seufzte. „Ja, ich wollte mehr über deine Vergangenheit wissen. Mehr nicht.“
„Reicht dir noch nicht, was du weißt? Willst du unbedingt mit einem Arsch zusammen sein?“
„Bin ich nicht.“
Nicks Stimme wurde wieder fester, fast wütend. „Du weißt, dass ich mit fünf Dutzend Männern geschlafen hab. Du weißt, dass ich dich betrogen hab. Du weißt, dass ich mehr als eine Beziehung absichtlich ruiniert habe. Und jetzt willst du Details darüber, dass ich mit einem verheirateten Mann geschlafen hab, der mich anschließen dafür bezahlt hat?“
„Ja.“
„... Ich versteh dich nicht.“
„Dann erkläre ich es dir. Ich bin es leid, ständig von anderen etwas über deine Vergangenheit zu erfahren und nicht zu wissen, was Sache ist. Immer kriege ich irgendetwas mit und muss mir Geschichten anhören, ohne was dazu sagen zu können. Das macht mich total unsicher und verwundbar. Deine Geschichte ist über die ganze Stadt verteilt, aber der Person, der du am meisten bedeutest, verrätst du nichts. Vertraust du mir nicht genug, um mir zu glauben, dass ich dich liebe und nicht wegen irgendeiner Geschichte verlassen werde?“
Nick biss sich auf die Lippe. „So ist das nicht. Es... Es tut mir leid, ehrlich. Es ist nur so, ich... hab außer Mike nie jemanden davon erzählt. Niemandem alles. Erst recht nicht den Menschen, denen ich nahe stehe. Meiner Mum zum Beispiel.“
„Nick, ich will mein ganzes Leben mit dir teilen. Ich will wissen, wer du bist. Du kennst mich besser als ich mich selbst. Das will ich auch können.“

Es war Nick anzusehen, wie schwer ihm das atmen plötzlich fiel. Sein Blick ging zu Boden und er öffnete die Lippen mehrmals, schloss sie wieder, bevor er schließlich sprach.
„Daniel hat mich vor einem Club aufgegabelt. Er hat mich mitgenommen in ein Motel und mir da gesagt, dass er eigentlich verheiratet ist. Dann... haben wir miteinander geschlafen. Ich hab ihm gesagt, dass ich die Nacht noch zurück muss. Wegen meiner Mum. Das war kurz nachdem sie das erste Mal aus der Klinik kam... Also hat er mir Geld gegeben und gemeint, ich soll mir ein Taxi nehmen. Ich hab ihm gesagt, ich könne das selbst zahlen, aber er meinte, ich könne mich zum Abschied revanchieren und es einfach niemandem je verraten. Er hat auf dem Bett gesessen und ich hab mich vor ihn gekniet und... ihm einen geblasen. Dann hat er zu mir runter gesehen, mir einen Fünfziger zugeschnippt und gesagt... Er... Du kniest vor mir nieder für einen Schwanz und ein bisschen Geld. Ich hatte noch nie was mit einer männlichen Hure.“ Nick atmete tief aus. „Ich hab mir ein Taxi genommen und bin gefahren. Hab ihm das restliche Geld in einem Umschlag zurück geschickt.“

Wieso hatte er nie wieder darüber nachgedacht, warum Nick so ein Problem mit Blowjobs hatte? Er hatte sich anfangs den Kopf darüber zerbrochen, nachdem Nick ihm gesagt hatte, dass das nie passieren würde. Er hatte sich auch eine Zeit lang gewundert, warum Nick immer toppen wollte und so Probleme mit dem unten liegen hatte, aber dann hatte er es hingenommen. Als eine Art Tick. Er hatte nicht mehr daran gedacht, dass eine Geschichte dahinter steckte. Nach dem Anfall seiner Mutter... Nick musste so etwa sechzehn gewesen sein. Vielleicht siebzehn. Deshalb war er so abgeklärt, wenn es um Sex ging. Er benutzte es, so wie es an ihm benutzt wurde. Er erniedrigte sich auf keine Art mehr, er behielt die Kontrolle und die Oberhand. Er lieferte sich nicht mehr aus. Sein Ego wurde geschützt, eingehüllt aus den Kokon aus Macht.
Phil lehnte sich zu ihm, küsste ihn sanft. Wie sollte irgendjemand ihn dafür hassen können?
„Bist du jetzt glücklicher?“, fragte Nick leise.
„Nein. Aber ich liebe dich noch mehr!“
„... Warum?“
„Liebe ist nicht rational. Ich... bin dankbar, dass du es mir erzählt hast. Und keine Sorge, das ist bei mir sicher.“ Er nahm Nicks Hand, legte sie auf seine Brust. „Ich liebe dich!“
Nick sah ihn an, Unglaube in den hellblauen Augen. Dann lächelte er sanft. „Ich liebe dich auch, Phil.“
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