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Loads of Trouble

von MiraiShu
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
21.03.2015
07.08.2018
94
358.866
125
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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14.05.2018 4.637
 
Kapitel 85: Can 'Please' be so hard to Say?

Der Sex, als Nick endlich zu Hause ankam, war in der Tat fantastisch. Aber Phil hatte auch nichts anderes erwartet. Nur eine Sache wollte ihn auch jetzt, da sie wieder nebeneinander nackt unter der Bettdecke lagen und darauf warteten, dass sich ihr Puls beruhigte, nicht loslassen. Nick hatte ihm gesagt, dass er die Fotos niemals löschen würde und das war okay, solange er sie niemandem zeigte. Zu diesem Bedenken hatte der Ältere gesagt, dass er das nur tun würde, wenn Phil ihn jemals verlassen würde.
Klar, das war schon während dem Sex gewesen und Nick neckte ihn gerne, redete manchmal so ein wenig vor sich hin, aber dieses Mal hatte es anders geklungen. Seit wann dachte er darüber nach? Seit wann musste Nick wirklich Angst haben, Phil könne ihn verlassen? War es nicht immer schon eher andersherum gewesen?
„Wie kommst du darauf, dass ich dich verlassen könnte?“, fragte er deshalb, als er sicher war, dass er seiner Stimme wieder trauen konnte.
Nick blinzelte. „... Was?“
„Du hast gesagt, ich soll dich nicht alleine lassen. Wie kommst du darauf, dass ich das will?“
„Das... war nur so... ein spontanes Gerede.“
Phil rollte sich auf die Seite, sah ihn an. „So hast du das aber noch nie gemacht.“
„Na und? Ein Mal ist immer das erste Mal.“ Nick schloss seine Augen, verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Ja, er wich Phils Blick definitiv aus. Auf sein unwilliges Brummen hin, fügte er hinzu: „Phil... Entspann dich. Hast du nie darüber nachgedacht, was wäre wenn? Ich bin auch nur ein Mensch.“
„Okay.“ Er küsste ihn sanft. „Ich liebe dich, weißt du?“
„Phiiiil! Ich weiß das. Jetzt tu nicht so als wäre ich irgendwie labil oder sonst was.“
Phil seufzte. Nein, labil vielleicht nicht, aber eben menschlich und unsicher und weniger der Nick, den er damals kennengelernt hatte. Das war nicht schlimm, es störte ihn nicht. Nick war immer noch sicher genug um nicht ein ganz anderer zu sein, aber er war eben sanfter geworden und... vielleicht auch ein wenig abhängig von Phils Liebe, so wie er auch von ihm. „Ich halte die Klappe.“
„Gut. Dann kommt auch kein Nicky mehr raus.“
Phil sah ihn wütend an, doch der Ältere grinste nun. „Du darfst gerne 'Ich liebe dich, Nick' sagen.“
Phil schnaubte.
„Ja, ich liebe dich auch.“
Das Schnauben wurde lauter, länger.
„Och Phil.“ Er drehte sich zu ihm, nahm seine Hand und legte sie auf seine nackte Brust. „Fühlst du nicht?“
Kein Schnauben. „... Deinen Herzschlag?“
Nick nickte leicht, lächelte.
„Doch.“ Phil fuhr mit seinem Zeigefinger die Narbe nach, das dünne P direkt unter seiner Brustwarze. Dann beugte er sich vor, küsste die geschundene Haut. „Ich liebe dich!“
Nick grinste. „Ich weiß.“
„Und jetzt grins nicht so“, murrte Phil. „Ich weiß doch, dass ich immer verliere.“ Und irgendwie störte ihn das mehr, als es sollte. Er schluckte leicht, versuchte, das lästige Gefühl loszuwerden, doch der kleine Stein wollte nicht verschwinden. Egal, weshalb sie diskutierten und worum es ging, letztlich steckte er doch meist ein. Jedenfalls wenn es darum ging, dass Nick etwas nicht sagen wollte. Er wusste, dass sein Freund sich Mühe gab, auf ihn zuzugehen, auf seine eigene Art, wie zum Beispiel mit Annika, aber das machte es nicht immer besser. Und es war ja nicht nur das. Er verlor nicht nur gegen Nick, dem das zumeist gut gefiel, sondern auch gegen seine Ängste. Gegen Milena beim Karten spielen. Gegen jeden, der sich ernsthaft mit ihm prügeln wollte. Egal, was er tat. Er verlor. Immer.
„Nicht immer.“ Nick strich ihm durch die Haare. „Ich säße in der Uni, wenn du verloren hättest.“
„Das war nur, weil du es wolltest.“
„Ich wollte mich auch nicht in dich verlieben und hab's trotzdem getan.“
„Wow. Ein Mal.“
„Jetzt ist unsere Beziehung also doch ein Gewinnen und Verlieren.“
Phil schüttelte den Kopf. „Nur manchmal. Aber sag nicht, das gefällt dir nicht.“
„Was soll ich denn tun, damit es dir besser geht? Ich weiß nicht, wie ich dein Selbstbewusstsein stärken soll, wenn es nicht reicht, dass du weißt, dass ich dich liebe.“
Phil biss sich auf die Lippe, zog die Schultern hoch. Wundervoll. Jetzt hatte er er auch noch geschafft, dass sich Nick wieder schlecht wegen ihm fühlte. Doch der Ältere lächelte wieder, küsste seine Wange und murmelte: „Lass uns den Mittag nicht kaputt machen, ja? Hat so gut angefangen... Wir könnten uns was leckeres zum Mittag machen und eine Flasche Wein köpfen...“
Der Schwarzhaarige lachte leicht. „Ich hab keinen Wein hier, weil ich kaum einen mag. Also... ich hab erst zwei, drei Mal welchen getrunken.“
Nick grinste schief. „Wow. Ich ziehe mit einem Mann ohne Weinregal zusammen. Hast du Glück, das meine Flaschen jetzt hier sind.“
„Erleuchte mich!“


Phil machte Ratatouille, Nick suchte einen passenden Rotwein dazu aus und letztlich waren sie sich beide einig, dass es so ganz gut schmeckte. Nick mangelte es zwar ein wenig an Stil, immerhin saßen sie beide nur in Shorts in der Küche, aber was wäre er für ein Mann, wenn er sich laut über zu viel nackte Haut beschweren würde?
„Haben wir heute noch was vor?“, fragte Nick, nachdem er seinen Teller geleert hatte.
„Durch deine Kiste gucken.“ Er musste nicht spezifizieren um welche Kiste es sich drehte.
„Wir haben ein Date, huh?“
„Im Bett!“, grinste Phil. „Also... da, wo du deine Dates am liebsten hast. Bestellen wir heute Abend einfach eine Pizza? Ist kein Brot mehr da.“
Nick nickte leicht, trank einen Schluck Wein, der plötzlich nicht mehr ganz so lecker war. Ein bitterer Schluck Wahrheit... „Können wir machen“, murmelte er. „Willst du vorher oder nachher in die Kiste gucken? Sonst würde ich das Tageslicht nutzen und weiter meine Sachen auspacken.“
„Ist mir egal, wie es dir besser gefällt.“
„Okay.“ Er leerte sein Glas, machte Anstalten sich zu erheben, doch Phil hielt seine Hand fest, sah ihn an.
„Was hab ich gesagt, dass dich getroffen hat? Das mit den Dates im Bett?“
Nick verdrehte die Augen. „Du hast mich nicht getroffen. Und nur falls du es immer noch nicht weißt, ich weiß sehr gut über meine Vergangenheit Bescheid und ich kann auch sehr gut damit leben.“
„Was war es dann?“
„Nichts, okay?!“
Phil biss sich auf die Lippe, nickte aber. Nick seufzte innerlich. Gut. Eigentlich sollte er sich jetzt wohl entschuldigen. Phil hatte ihm keinen Grund gegeben, lauter zu werden. Aber dann würde er auch zugeben müssen, dass er recht hatte und da würde er schon lieber auf den Sex heute Abend verzichten, als das zu tun.
Es war nicht das erste Mal, das Nick darüber nachdachte, was so alles falsch in seinem Leben gelaufen war. Und wann es angefangen hatte, dass er den eigentlichen Weg verlassen hatte. Ja, er kannte die Antwort darauf, es war mehr als nur eine, aber darüber redete er nicht. Hatte er noch nie. Selbst als er noch durch die Gegend gevögelt hatte, hatte er das ein oder andere Mal darüber nachgedacht, es einfach zu lassen. Es endlich zu lassen. Zumeist wenn er seine Eltern besucht hatte oder mit Mike in seinem Bett gelegen hatte. Aber das war nie passiert. Er hatte den Gedanken immer wieder beiseite gewischt und sich selbst ausgelacht für diese Schwäche. Er konnte mit seinem Leben machen, was er wollte. Er mochte Sex – ob er ihn genoss oder nicht – und es gab niemandem, der ihm verbieten konnte, sich diesen zu holen. So wie er es wollte, nicht so, wie es irgendwer von ihm erwartete. Davon abgesehen hatten sich die Erwartungen sowieso verändert. In seinem 'Freundeskreis' wartete man auf die neusten Bettgeschichten und im Club wartete man darauf, auch an der Reihe zu sein. Es verurteilte ihn niemand mehr dafür. Jedenfalls nicht in seinen eigenen Kreisen. Und außerhalb von diesen hatte er sich schon viel zu lange nicht mehr bewegt. Bis Phil über ihn gestolpert war und eine ganz neue Komponente ins Spiel gebracht hatte...
Nick brach das unangenehme Schweigen schließlich. „Soll ich die Küche aufräumen?“
„Mach ich schon, geh du einräumen.“
„Okay... Ich geh dann noch ins Bad. Bart stutzen...“ Er erhob sich und Phil sah auf.
„Aber nicht viel!“
„Du willst jawohl keinen Vollbart.“
„Aber ich will auch nicht ganz ab. So Drei-Tage-Bart...“
Nick musterte ihn einen Moment. „Willst du ihn rasieren?“
„I-Ich?!“
„Du rasierst dich doch auch. Stoppelfrei und ohne Narbe.“ Er stellte sich vor ihn, strich ihm sanft über die Wange.

Phil sah gebannt zu ihm hoch. Wie schaffte Nick es nur immer wieder ihn zu faszinieren wie am ersten Tag? Wie oft hatte er schon in diese blauen Augen gesehen und doch... Er könnte es stundenlang.
„Aber... wenn ich dich verletze...?“, murmelte er leise, schmiegte seine Wange in Nicks Hand.
„Dann hättest du einen Ausgleich dafür, dass du mich nicht schlagen willst“, erwiderte Nick leichthin. „Und ich könnte mein Image ausbauen, weil ich mit Blut im Gesicht bestimmt scharf aussehe. Außerdem bin ich sicher, du findest einen Weg um dich zu entschuldigen.“
So schnell waren sie wieder auf einer... komfortableren Ebene, wo sie miteinander reden konnten, Nick dieses eine Grinsen trug und es Phil wieder viel leichter fiel, sich zu entspannen. Er erhob sich, küsste seinen Freund.
„Na gut, komm!“

Er nahm sich Zeit. Nick setzte sich auf den Badewannenrand und Phil legte ihm ein Handtuch um die Schultern, damit die kleinen Haare nicht überall in seinen Klamotten landeten. Dann nahm er den elektrischen Rasierer und begann schweigend mit der Arbeit. Er brauchte sehr viel länger als bei sich selbst. Aber er rasierte sich auch glatt, bei Nick musste er darauf achten, alles gleichmäßig hinzubekommen. Ihm gefiel das leicht stoppelige Gefühl unter seinen Fingern, die Art, wie Nick den Kopf brav drehte, wenn er nur wenig Druck ausübte. Schließlich stellte er das Gerät ab, hauchte Nick einen Kuss auf die Kehle, dann auf die Lippen. „Alles unversehrt.“
Er nahm ihm das Handtuch ab, schüttelte es über dem Waschbecken aus, bevor er es in die Wäsche schmiss und dann das Becken durchspülte. „Und jetzt gehen wir aufräumen.“ Er sah Nick grinsend an. „Wenn du schnell bist, schaffen wir noch eine Runde vor der Pizza.“
„Keinen Quickie“, widersprach Nick. „Wir experimentieren. Langsam und qualvoll.“
„Kannst die Pizza ja wieder dabei bestellen.“ Phil verschwand grinsend in die Küche.
„Ich darf Gio nackt die Tür auf machen?“, rief Nick ihm nach, ging aber in sein neues Zimmer.


Eine halbe Stunde später streckte Phil den Kopf durch die Tür. „Wenn er dich nicht anfasst!“
Nick sah von der Schublade auf, in der er gerade ein paar Sachen verstaute. „Was?“
„Du darfst Gio nackt die Tür öffnen, wenn er dich nicht anfasst.“
„Soll ich es testen?“ Nick erhob sich.
„Wenn ich ihn umbringen darf, wenn er es doch tut.“
„Du liegst dann ja gefesselt im Bett. Legen wir es lieber nicht darauf an, ich ziehe Shorts an. Was ihm entgeht weiß er auch so.“
Phil grinste. „Also willst du auch nicht warten, ja? Ich dachte, du willst noch aufräumen.“
Sein Freund kam auf ihn zu, bis kein Blatt mehr zwischen sie gepasst hätte. „Du wolltest Sex. Was ist da wohl verlockender?“, raunte er, schob eine Hand unter Phils Shirt.
„Nicht ganz korrekt“, hauchte Phil, immer noch grinsend, bewegte sich aber keinen Millimeter.
„Nein?“
„Nein. Nicht 'ich wollte'.“
„Sondern?“ Nick küsste seinen Hals, sodass Phil den frisch rasierten Bart an seiner glatten Haut spüren konnte.
„Ich will.“
Ein leises, etwas heiseres Lachen drang an sein Ohr, bescherte ihm eine Gänsehaut.

Milena würde sich die Ohren zuhalten und singend im Kreis laufen, wenn sie wüsste, was in den nächsten Stunden in ihrem ehemaligen Zimmer passierte...

Nick fesselte Phil mit den Ledermanschetten, Hände und Füße. Und dann legte er – nach seiner ausdrücklichen Erlaubnis – ein Seidentuch über Phils Augen, band es hinter seinem Kopf zusammen.
Phil hatte einen langen Moment gezögert, als Nick ihn gefragt hatte, ob er das durfte, doch schlussendlich hatte er es erlaubt. Es war ein seltsames Gefühl und er fühlte sich schutzlos. Aber im gleichen Moment auch... geborgen. Nick bewegte sich lauter als sonst, versuchte ihm mehr Sicherheit zu geben, ihm anders zu zeigen, wo er war, wie er sich bewegte und was er tat. Er fragte ihn öfters ob alles okay war, aber nicht auf die offensichtlich besorgte Weise, sondern mit weicher Stimme, wenn er zum Beispiel seinen Hals entlang leckte. Phil vertraute Nick. Es wunderte ihn selbst, dass es plötzlich so einfach war. Immerhin war die Sache mit Simon noch nicht allzu lange her, aber Phil hatte schon so viel darüber nachgedacht. Und er liebte diesen Mann, er wollte ihm vertrauen und er konnte gegen seine Dämonen kämpfen. Nicht nur für Nick und ihre Beziehung, sondern auch für sich selbst. Er hatte Sex sonst immer genossen, auch wenn er nicht so erfahren wie Nick war. Er mochte es, diese Spielchen mitzuspielen und der Phil, der er vor einem Dreivierteljahr gewesen war, war auch einfach so zu Nick gefahren, hatte sich noch in den ersten zehn Minuten auf seinem Sofa vögeln lassen. Das wollte er zurück. Für sich selbst. Weil es ihm gefiel und weil sein Körper sich doch nur wieder daran erinnern musste, wie gut es sein konnte.
Nick schreib Gio eine SMS mit der Bestellung, bevor er sich wieder ausgiebig Phils Oberkörper widmete. Hauptsächlich mit den Lippen. Er küsste jeden Fleck Haut nach einem Schema, das Phil verborgen blieb. Doch er genoss es. Er stöhnte auf, als Nick auch seine Nippel nicht ausließ, dann wieder, als er ihm einen Knutschfleck an der Seite machte und seine Hand um seine Erektion legte. Nick neckte ihn, flüsterte ihm immer wieder zu, wie gut er aussah, wie sehr er diesen Anblick genoss und wie er es liebte, wenn Phil so wunderbar rot wurde. Ein bisschen vor Scham, ein bisschen vor Erregung und mit Sicherheit auch aus nervöser Aufregung.
Phil kam nach knapp einer halben Stunde in Nicks Hand. Und es war ein verdammt guter Orgasmus.
Nick löste zuerst seine Fußfesseln, dann die Augenbinde und zuletzt auch seine Hände. Gerade rechtzeitig, als es an der Tür klingelte.
„Bin sofort wieder.“ Er drückte Phil einen Kuss auf die Lippen, der sich unter der Decke vergrub.

„Gio, was kriegst du?“
„N Blowjob, wie immer.“
Nick verdrehte leicht die Augen, musste aber auch grinsen. „Weil du den je bekommen hast. Also?“
Er nahm sein Portemonnaie von der Kommode, musterte den jungen Italiener. Er trug die Haare etwas kürzer als sonst, aber ansonsten war er ganz der Alte.
„Hab ich gesagt, wer wen bläst? Fatemi partecipare!“
„Vergiss es.“ Er nahm ihm die Pizzen ab.
„Dir gefällt der Gedanke doch“, murmelte Gio. „14,80.“
Nick drückte ihm einen Zwanziger in die Hand. „Tut er das, ja?“
„Deinem Gesicht nach zu urteilen... Als ob es dir nicht gefallen würde, wenn sich zwei Kerle um deine Latte kümmern.“
„Mir reicht Phil. Und jetzt“ Er tippte ihm auf die Brust, sah ihn an. „darfst du zu deinem Daddy in die Pizzeria zurück.“
Gio neigte den Kopf leicht. „Meine Nummer hast du ja...“ Damit verschwand er und – ja, das gab Nick zu – einen Moment sah er auf seinen Hintern. Er hatte die Zeiten mit Gio genossen, aber die waren vorbei und jetzt wartete ein nackter Phil auf ihn.
„Hey, mein Kleiner.“ Er betrat das Zimmer wieder, setzte sich auf die Bettkante.
Phils Lächeln war etwas unsicher. „Ist er weg?“
„Wo sollte er sonst sein?“ Er küsste Phil sanft. „Na komm. Abendbrot. Etwas früh, das geb ich zu.“
„Ich hatte schon wieder Angst“, gestand sein Freund leise und Nick sah ihn wieder an. Nein. Phil hatte sich die ganze Zeit über so gut geschlagen, das würden sie sich jetzt nicht so einfach kaputt machen lassen.
„Dann küss mich einfach“, lächelte er sanft. Der Jüngere sah ihn überrascht an, lächelte dann aber ebenfalls und folgte der Aufforderung. „Willst du erst essen?“
Phil schien einen Moment zu überlegen, bevor er nickte und sich erhob. Mit wenig Begeisterung sah Nick dabei zu, wie er sich seine Shorts anzog, sich dann auf seinen Schoß setzte. „Du hast gefragt...“
„Ich nahm an, du wüsstest, wie es mir geht!“ Denn seine Shorts hatten jetzt schon eine ganze Weile eine Beule und die Pizza... die konnte man auch kalt essen!
„Nicht mein Problem, oder?“ Phil legte eine Hand auf Nicks Mitte. „Vielleicht, wenn du ganz lieb Bitte sagst...“
„Oh nein, ganz sicher nicht!“ Er ließ sich jetzt doch nicht erpressen! Er musste bloß raus aus dieser Shorts... Eigentlich schätzte er es ganz und gar nicht, sitzen gelassen zu werden. Und das wurde er auch nie. Außer von Phil und hier war es anders. Hier war es das Spiel um das er selbst gebeten hatte und was Phil versuchte mitzuspielen. Nicht nur das, er fing auch an die Regeln zu machen und ob er es zugeben würde oder nicht; das gefiel Nick schon.
„Du musst aufstehen.“
„Warum?“
„Damit ich essen kann.“ Und meine Shorts ausziehen.
Doch Phil langte nur nach seinem Karton, stellte ihn sich auf die Beine und machte eine auffordernde Geste.
„Phiiiiil. Stehst du freiwillig auf oder muss ich dich runter schubsen?“
Zur Antwort legte Phil seine Arme um Nicks Nacken, grinste frech. Nick nahm den Karton beiseite.
„Was, wenn ich es wieder gut mache? Hinterher?“, fragte Phil, einen neckischen Unterton. Einen verheißungsvollen.
„Und wann ist hinterher?“
„Wenn wir aufgegessen haben.“
Nick seufzte tief. „Lass mich mich wenigstens ausziehen!“
„Nein.“
„Phil!“
Der Jüngere sah ihn an, glitt dann von seinem Schoß auf den Boden. Nick stöhnte leise, schob seine Shorts schnell nach unten. Phil legte seine Lippen sofort und ohne eine weitere Aufforderung um seine Spitze, sog stark.
„Haaah!“ Nick vergrub eine Hand im Bettlaken, die andere in Phils Haaren. Fuck, das war zu schnell zu viel. Aber genau richtig. Phil bewegte seinen Kopf schnell, schloss seine Augen. Nicks Stöhnen wurde ungewöhnlich laut, aber er konnte sich nicht zurück halten. Er wurde so schnell seinem Orgasmus entgegen geschubst... Phil hielt ruckartig inne, Nicks Glied bis zur Hälfte in seinem Mund.
Nick jappste. „Weiter!“ Doch sein Freund bewegte sich keinen Millimeter. Er verstärkte seinen Griff in den schwarzen Haaren etwas, doch Phil brummte lediglich. „Phiiil...“ Er brummte wieder. Nick lockerte seinen Griff. War etwas nicht in Ordnung? Doch Phil verdrehte lediglich die Augen, nahm seine Bewegung wieder auf.

Ein Bitte war wohl wirklich zu viel verlangt. Aber immerhin konnte er jetzt beweisen, dass es einen Punkt gab, an dem auch Nick nicht mehr klar denken konnte.
Phil schluckte brav, als Nick schließlich kam, kletterte dann wieder über seinen Freund, der sich nach hinten auf die Matratze fallen ließ.
„Ist es so schwer, Bitte zu sagen?“
Nick seufzte, zog ihn an sich. „Ja, ist es. Und deshalb ist jetzt die Pizza kalt.“
„Wir üben das!“
„Wir? Ohne mich!“ Nick angelte nach einem Karton, ohne sich groß zu bewegen, nahm ein Stück heraus und biss ab. Phil richtete sich etwas auf, begann ebenfalls zu essen und beobachtete den Älteren nachdenklich. Zum einen, weil er ihn wirklich dafür bewunderte mit welcher Leichtigkeit und in welchem Tempo er im Liegen essen konnte. Und er beschwerte sich nicht mal, dass Phil auf seinem Bauch saß.

Für die nächste Runde verlangte Phil sogar nach der Augenbinde. Es war eine Herausforderung, aber es machte auch alles ein bisschen aufregender. Er erlaubte Nick außerdem, ein bisschen mehr in Richtung Schmerzen zu gehen und so entschied sich Nick für die Nippelklemmen. Man musste sie ja nicht ganz eng stellen, aber Phils Erektion nach zu urteilen, als er die erste befestigt hatte, hatte sein Freund absolut keine Einwände dagegen.
Nick bereitete ihn vor bis Phil nur noch ein Wimmern entkam und er ihn fehlend ansah, doch Nick schüttelte den Kopf. So würde er nicht kommen. Er wollte ihn vorher. Richtig. Und er bekam ihn. Nach den ersten drei Stößen zog er die Nippelklemmen ab und Phil zog sich so wunderbar eng um ihn zusammen, stöhnte so laut, dass es Nick schwer fiel, nicht direkt zu kommen. Umso mehr Beherrschung kostete es ihn, nach Phils Orgasmus – den er geradezu in die Welt hinaus schrie – innezuhalten. Er wollte ihm noch eine Runde ermöglichen und dafür musste Phil sich erst mal wieder seiner Umwelt und seiner selbst bewusst werden und nicht völlig weggetreten sein.


~.~



Gierig leerte Phil die Wasserflasche, ließ sich dann wieder in Nicks Arme fallen und zog seufzend die Decke hoch.
„Wenn du mich mal wieder so lange fesselst, musst du mir zwischendurch was zu trinken geben.“
„Oh. Sorry...“ Daran hatte Nick tatsächlich nicht gedacht.
„Alles gut.“ Phil küsste ihn sanft, schloss seine Augen. Er war völlig erledigt. Und der Schlaf hieß ihn sehr schnell willkommen. Nur nicht besonders lange...

Nick weckte ihn ein paar Stunden später, weil er seine Hand auf eine sehr schmerzhafte Weise in dessen Locken gekrallt hatte. Phil entschuldigte sich, verschwand eilig im Bad.
Fuck. Warum träumte er so etwas? Es war das übliche Thema gewesen nur dieses Mal war es Nick gewesen, der Sachen getan hatte, die er nicht wollte...
Wieso träumte er das ausgerechnet heute? Nachdem sie so guten, sehr einvernehmlichen, experimentellen Sex gehabt hatten? Konnte sein Kopf nicht einmal die Klappe halten?!

„Ist alles okay?“, hakte Nick leise, mit vom Schlaf rauer Stimme nach, als er sich wieder an ihn kuschelte.
„Ja. Wir waren gestern Abend nicht mit Hermine“, murmelte er. „Ich muss nachher ne große Runde mit ihr gehen...“
Nick nickte nur leicht, schlief sehr schnell wieder ein. Phil blieb wach. Er würde mit Hermine gehen, danach vielleicht zu Luca, wenn er durfte. Zu Annika musste er ohnehin. Und anschließend könnte er mit Nick essen gehen. Mal wieder in ein richtiges Restaurant, wo Hermine unter dem Tisch liegen durfte und er so tun konnte, als wäre alles ganz normal...


~.~



Phil fror leicht, als er die Praxis erreichte. Der Sommer war vorbei, er hätte eine Jacke anziehen sollen. Außerdem gingen ihm die Bilder aus seinem Traum einfach nicht aus dem Kopf und kaum wurde er in das Zimmer gebeten, stiegen Tränen in seine Augen. Annikas Sprechzimmer war zu einer eigenartig vertrauten Atmosphäre geworden.
Hermine dagegen war bester Laune, begrüßte Annika, bevor sie sich brav zu Phils Füßen neben seinen Stuhl legte.
„Was ist passiert?“, fragte Annika, setzte sich ebenfalls wieder.
„Ich... hab im Moment immer Alpträume. Normalerweise träume ich immer nur von Rick... Also...“ Er schluckte. „D-Du weißt schon.“
Annika nickte. „Und das hat sich jetzt verändert?“
„Jetzt auch manchmal von Simon. Er... Er hilft Rick, mich festzuhalten und... sagt mir, dass Nick mich eigentlich gar nicht mehr will.“ Eilig wischte er sich die erste Träne von der Wange, atmete tief ein und war froh, dass Annika ihn nicht bedrängte. Aber er hatte auch nicht vor, ihr von seinem heutigen Traum zu erzählen. Das würde alles nur noch viel realer machen.
Doch Annika musterte ihn prüfend. „Nick hat so etwas gesagt. Was hast du heute geträumt, Phil?“
Er biss sich auf die Lippe. Nein, er konnte sie nicht anlügen, das funktionierte einfach nicht. „Ich... muss nicht darüber reden, oder?“
„Nein, aber wenn es dich so sehr mitnimmt, dann solltest du.“
Phil ballte seine Hände zu Fäusten. Seine Stimme war rau und belegt, als er leise sagte: „Nick war an seiner Position.“
Einen Moment schwieg die Therapeutin, bevor sie fragte: „Habt ihr gestritten? Etwas gemacht, bei dem du unsicher warst?“
Phil leckte sich über die Lippen, schüttelte den Kopf. „Ein bisschen unsicher war ich am Anfang, aber... da will ich wirklich nicht drüber reden.“
„Wobei? Phil, das kann sehr wichtig sein.“
„Annikaaaa!“ Phil wurde tief rot, sah sie aber an. „Er hat mich gefesselt und mir die Augen verbunden. Aber nur mit meinem Einverständnis und er hat nichts gemacht, was ich nicht wollte!“
Annika lächelte leicht. Ihm würde immer ein Rätsel bleiben, wie sie so vorbehalt- und schamlos auf so etwas reagieren konnte. Vielleicht war es die Berufserfahrung. Über ihr Privatleben wollte er sich wirklich keine Gedanken machen. „Hast du es getan, weil du wolltest oder weil Nick es gerne wollte?“
„Erst habe ich es für ihn getan, aber beim zweiten Mal wollte ich es.“ Er zog die Beine auf den Stuhl und an seine Brust, sah sie wieder unsicher an.
„Du hast mehr Angst vor der Angst als vor der Ursache, weißt du?“
„Und was tue ich dagegen?“
„Du bist stark und das musst du wissen. Und wir müssen Nick klar machen, dass erst einmal alles deiner Kontrolle unterliegen sollte. Kontrolle ist das wirksamste Mittel gegen Angst.“
„Er hat mich doch gefragt. Es lag in meiner Kontrolle. Ich hätte Nein sagen können.“ Und er verstand nicht, wie es ihm helfen sollte, Kontrolle über den einzigen Menschen zu haben, dem er sowieso völlig vertraute. Oder tat er das nicht?
„Können. Aber du tust es nicht, oder? Hast du je Nein zu ihm gesagt?“
„Nein, aber das ist doch meine Entscheidung und nicht seine Schuld!“
„Natürlich nicht“, erwiderte sie beschwichtigend. „Aber ich denke, es würde euch beiden gut tun, da mal die Rollen zu tauschen. Es hilft dir auch, dich aus deiner Deckung zu trauen. Das ist nicht nur für eure Beziehung, sondern vor allem für dein Selbstempfinden. Ich will euch auch nicht in eure sexuellen Präferenzen reinreden. Es könnte ganz einfach ein Tag in der Woche sein. So zum Beispiel.“
Nick wird die Kontrolle niemals abgegeben wollen... „Über welche Situationen reden wir? Nur im Bett oder generell?“
„Das müsst ihr wissen. Generell wäre es sinnvoll, 24 Stunden durchzuhalten. Dafür müsst ihr keinen Sex haben.“
Phils musste an Nicks Worte denken, als sie sich gestritten hatte. „Dann lass mir doch wenigstens-“ Er war vom epileptischen Anfall seiner Mutter unterbrochen worden. Seinen Stolz wollte er behalten. Seinen Stolz und seine Kontrolle.
„Nein“, sagte er entschlossen.
Annika zog die Augenbrauen zusammen. „Wieso nicht?“
„Ich will es nicht.“ Vielmehr wollte er Nick seinen Stolz nicht wieder nehmen. Ihn jedenfalls nicht dazu zwingen, ihn regelmäßig abzulegen.
„Wieso nicht?“, hakte sie nach.
„Ich will keine Kontrolle, schon gar nicht über Nick. Dabei fühle ich mich nicht wohl. Er wird das nicht wollen.“
„Es geht gerade um dich, nicht um ihn.“
„Aber ich kann das nicht, wenn ich weiß, dass es ihm nicht gefällt.“
Annika seufzte. „Wäre es in Ordnung, wenn ich mal mit ihm darüber rede?“
Phil nickte leicht, auch wenn ihm nicht völlig wohl dabei war. Immerhin ließ er sich noch das Versprechen von Annika geben, dass die Entscheidungsmacht bei Nick lag und sie ihn zu nichts drängte.



Nick war gerade zu Hause angekommen, als auch Phil rein kam. Pitschnass, ebenso Hermine, die sich jedoch direkt einfach in ihr Körbchen verzog. Phil grüßte Nick nur knapp, bevor er im Bad verschwand.
„Phil...? Was ist passiert?“
Nick folgte ihm, beobachtete argwöhnisch, wie Phil sich auszog und heißes Wasser in die Badewanne ließ. Er wartete nicht, bis sie voll war, sondern setzte sich direkt hinein.
„Du kennst doch den See, wo Hunde schwimmen dürfen?“
„Ja...?“
„Hermine hat sich in einem Netz verfangen und... ich bin reingesprungen um sie rauszuholen.“
Nick lächelte leicht, hockte sich vor die Wange und küsste Phils kalten Lippen. „Ich hole dir einen Kakao, ja? Kleiner Held.“
„Danke“, hauchte Phil, lächelte tatsächlich, auch wenn er jetzt noch viel miserabler aussah, da Nick den Dreck in seinen Haaren entdeckte.
Er ging dennoch zu erst zu Hermine, trocknete sie mit einem alten Küchenhandtuch ab, bevor er über den Fußboden wischte und dann in der Küche einen heißen Kakao machte, den er Phil brachte. Der Jüngere war mittlerweile völlig im heißen Wasser versunken.
„Kommst du zu mir?“, bat er leise, nahm die Tasse entgegen.
„Kann ich nicht. Annika hat mich zu sich bestellt“, murmelte er. „Deshalb muss auch erst unser Essen ausfallen, aber ich bringe auf dem Rückweg was mit, ja?“
Phil sah ihn enttäuscht an. „Sag ihr von mir, dass sie doof ist!“
Nick schmunzelte leicht, auch wenn ihm so gar nicht mehr zum Lächeln zu Mute war. „Werde ich.“
Phils kleines Abenteuer hatte ihn erfolgreich von seinem bevorstehenden Gespräch abgelenkt, doch nun... Was wollte die Frau nur wieder von ihm?
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